STZ - Consulting Group

Eine neue Ära bei Breitbandvorhaben?

Seit Jahren folgen Projekte zum Breitbandausbau in ländlichen Räumen einem mehr oder weniger festen Schema. Beihilferecht und Förderleitfaden legen die Prozessschritte für die Durchführung mehr oder weniger fest. Verkürzt dargestellt ist danach zunächst eine Befragung bei Haushalten und Betrieben in den unterversorgten Gebieten zur Ermittlung des vorhandenen Bedarfs erforderlich, deren Ergebnis nur als Anlage zum Förderantrag erforderlich ist, ansonsten aber unnötig. Dann folgt die Markterkundung, um Anbieter zu suchen, die bereits eine Planung vorliegen haben und in  den nächsten 36 Monaten einen Ausbau ohne Zuwendungen beabsichtigen. Wenn sich kein Anbieter mit einem qualifizierten Konzept meldet, kann die Kommune Marktversagen feststellen und darf den Ausbau in den unterversorgten Gebieten ausschreiben.

In bisher sechs Jahren der Beschäftigung mit Projekten zum Breitbandausbau, habe ich bislang nicht erlebt, dass sich während der Markterkundung ein Betreiber mit einem qualifizierten und nachhaltigen Ausbaukonzept meldet. Die Markterkundung war mehr oder weniger ein proforma notwendiger Schritt zur Ausschreibung. Jetzt hatte ich in einem Projekt meiner STZ-Consulting zum ersten Mal einen Fall, der zunächst "wie immer" verlaufen ist mit einer Rückmeldung, dass ein Ausbau nur gegen Zahlung einer zuwendung möglich ist. Kurz vor Ablauf der Frist kam ein erneutes Angebot mit der Zusicherung eines hochwertigen Ausbaus nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Ansatz ohne Zuwendung. Damit ist das Breitbandprojekt erfolgreich beendet, ein Auswahlverfahren und ein Förderantrag entfallen und der kommunale Haushalt wird entlastet.

Es ist eine gute zu begrüßende Entwicklung, dass der bisherige Trend mit regelmäßig steigenden Deckungslücken vielleicht zu Ende geht. Insbesondere in den letzten Jahren konnte man gerade bei länger laufenden Projekten immer wieder beobachten, dass bei eine und demselben vorhaben die Deckungslücken mit faszinierender Geschwindigkeit gestiegen sind. Bei Projekten, die durch fehlenden Feststellung des kommunalen Haushalts oder fehlende Fördermittel über die Bindefrist hinausgingen, lassen sich rechnerisch Steigerungsraten von 20% pro Monat (!) ermitteln.

Auch bei Deckungslücken in Auswahlverfahren kommt es nun zu teilweise erheblichen Änderungen nach unten, die nicht nur den städtischen Haushalt erheblich entlasten, sondern auch den Ausbau in Gebieten ermöglichen, in denen ein größerflächiger Ausbau vorher nicht möglich gewesen wäre. Ein Beispiel hierzu ist der Ausbau in der Stadt Wegberg, der sogar deutlich über die  Beseitigung unterversorgter Regionen hinausgeht. Während bislang aufgrund der engen Möglichkeiten im Rahmen des Beihilferechts und der Förderprogramme Flickenteppiche in der Vorsorgung die Folge waren, die gelegentlich die digitale Spaltung zwischen gut und schwach versorgten Gebieten sogar verstärkt haben. Da Kommune nur für unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s eine Deckungslücke zur Verbesserung der Versorgung gewähren können, erreichen diese unter Umständen nach einem Ausbau 50 MBit/s und die nicht unterversorgten Nachbarorte mit vielleicht 3 MBit/s blieben auf dem alten Stand.

Ob es sich schon um einen Paradigmen-Wechsel im Breitbandausbau handelt, bleibt abzuwarten. Ebenso kann die Einführung von Vectoring mit den hiermit verbundenen Restriktionen durch eine größerflächige Versorgung bei gleichzeitig erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten mitwirken. Ein anderer Effekt kann in den Ende 2013 auslaufenden Förderprojekten liegen, die ja bekanntermaßen eher zu Kostenerhöhungen als zu tatsächlichen Einsparungen führen.

Für die ländlichen Kommunen wäre es von großem Vorteil, wenn sich die beobachteten Effekte als Trendwende erweisen würden. Die fast überall klammen kommunalen Haushalte könnte entlastet und die letztlich aus Steuergeldern finanzierten Förderprogramme zurückgenommen werden. Letztlich aber würde es erstmals zu einer in der Fläche homogeneren Versorgung und einem Abbau der digitalen Spaltung führen.

Auf jeden Fall sollten sich die Kommunen jetzt erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Denn nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Infrastruktur ohne Anstoss und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt. Ich habe dieses Geschäftsmodell für den Breitbandausbau als "Motivation der Netzbetreiber" bezeichnet.

Jürgen Kaack 14.06.2013, 09.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, FttH, FttB, digitale Spaltung, Fördermittel, Beihilferecht, GAK, RWP,

Zyklen im TK-Markt am Beispiel der Service-Provider

Der Telekommunikationsmarkt folgt wie die meisten Märkten langjährigen Zyklen, die die Marktbedingungen für die Anbieter verändern. Über viele Jahre bis zum Ende der 80er Jahre verliefen die Änderungen eher langsam durch eine Optimierung des analogen Netzes, z.B. mit der Verbreitung des Fax-Dienstes in den 80er Jahren und dann mit der Entwicklung von ISDN. Auf der Anbieterseite gab es neben einigen Nischenanbietern nur die Incumbants wie z.B. die damalige Post.

Ende der 80er Jahre
gab es eine eingreifende Änderung einerseits auf der technologischen Seite durch die Entwicklung des digitalen Mobilfunks und zum anderen durch die Liberalisierung des Marktes und die Vergabe von zunächst einer und später weiteren Lizenzen für den Betrieb von Frequenzbändern. Da die analogen Vorgängernetze mit teuren Endgeräte und hohen Tarifen verbunden waren, gab es im analogen C-Netz maximal 180.000 Teilnehmer.


Der Markt des digitalen Mobilfunks war somit in mehrfacher Hinsicht jungfräulich und offen für eine Gestaltung der Marktbedingungen. Für eine schnelle Marktdurchdringung mussten neben der Vergabe von Lizenzen neue Wege eingeschlagen werden. Die Etablierung von Service-Providern war ein solcher Schritt. Die zumindest teilweise innovativen Dienste-Ansätze und die Entwicklung von neuen Vertriebskanälen hat die Marktdurchdringung für den digitalen Mobilfunk erheblich beschleunigt. Neue Vermarktungskonzepte konnten erprobt und bei Erfolg multipliziert werden. Diese gestalterischen Freiheiten waren für den Telekommunikationsmarkt Neuland. Die Erfolgsfaktoren für den „klassischen“ Service-Provider im Mobilfunk sind das schnelle Erreichen einer kritischen Masse im Kundenstamm, effiziente und weitgehend automatisierte Prozesse („Workflow-System“) und eine Differenzierung von Wettbewerbs-Angeboten, um den Wettbewerb über den Preis zu beschränken.

Mit der Annäherung an eine Penetration von 100% der Bevölkerung nahm die Bedeutung der service-Provider für die weitere Marktentwicklung ab. Mittlerweile nähert sich die Penetrationsrate in Deutschland einem Wert von 150% an und wächst weiter. Innovationen insbesondere von Apple mit iPhone und iPad haben der mobilen Datennutzung neue Impulse gegeben. Tatsächliches Wachstum ist bei Zweit- oder Drittkarten sowie insbesondere bei mobilen Datendiensten und SIM-Karten für die Nutzung von Datendiensten zu beobachten. Bei geeignetem Marketingansatz findet dieses Wachstum bevorzugt im eigenen Kundenstamm statt. 

Erstaunlicherweise haben die Service-Provider ihr Marktverhalten aus der Wachstumsphase über lange Zeit beibehalten. Bei entsprechend hoher Penetration kann aber mit Marketing-Aktionen aus der Wachstumsphase kaum Neugeschäft generiert werden. Stattdessen wird der Wechsel von Kunden stimuliert. Für die Wirtschaftlichkeit bedeutet dies, dass die Margen deutlich sinken. Dies wurde deutlich durch die Konsolidierung und eine steigende Reihe von Übernahmen. In dieser Phase haben viele der verbliebenen Service-Provider die Anzahl der eigenen Shops weiter erhöht, als wenn auf diesem Wege eine signifikante Marktausweitung möglich wäre. Dabei sind der Aufbau und die Unterhaltung eigener Shops mit hohen Kosten verbunden, die sich bei sinkenden Margen in einem Commodity-Geschäft kaum erreichen lassen.

Da die Bedeutung der Service-Provider für die Netzbetreiber hat nach dem Jahrhundertwechsel entsprechend abgenommen, so dass sich die Verhandlungsposition der Service-Provider gegenüber den Netzbetreibern vermutlich verschlechtert hat. Aus Sicht der Netzbetreiber ist in einem zunehmend gesättigten Markt die Erzielung einer möglichst hohen eigenen Wertschöpfung und die Möglichkeit zur Vermarktung ergänzender Dienste an bestehende Kunden von zunehmender Bedeutung. Die Service-Provider hätten vermutlich frühzeitiger auf die veränderten Marktbedingungen reagieren müssen und ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln, z.B. durch verstärkte Kundenbindung und die Entwicklung eigener Dienste mit erkennbarem Nutzen. Die Bindung von bestehenden Kunden ist in der Regel immer wesentlich kostengünstiger als die Akquisition neuer Kunden, insbesondere wenn neue Kunden überwiegend durch einen Wechsel von einem Anbieter zum nächsten („Churn“) entstehen. Den Netzbetreiber ist es in den letzten Jahren zum Teil durch eine geschickte Mehrmarkenpolitik („Discountmarken“) gelungen, den Zielgruppenfokus auszuweiten ohne die Margen der eigenen Dienste zu schmälern und somit Marktpotentiale aus Bereichen zu akquirieren, die traditionell von den Service-Providern bedient wurden. 


Nachdem der Mobilfunkmarkt seine bisherige Umsatzspitze 2005 erreicht hat, sinkt das Marktvolumen leicht. Deutliche Anstiege verzeichnen die mobilen Datendienste. Gleichbleibend hohe Kosten und sinkende Umsätze haben im Service-Provider Markt zu Konsolidierungen geführt, so dass von der Vielzahl der Anbieter aus der ersten Hälfte der 90er Jahre nach 2010 nur noch wenige Netzbetreiber-unabhängige Service-Provider übrig geblieben sind. Durch Übernahmen auf der Strecke geblieben und heute weitgehend nicht mehr bekannt sind einige der damaligen Anbieter, wie z.B. Axicon, Bosch Telecom Service, DekraTel, unicom, Proficom, Martin Dawes, Talkline, Telco oder TMG. Übrig geblieben von den ursprünglichen Service-Providern sind nach den zahlreichen Übernahmen und Fusionen im Wesentlichen debitel-mobilcom, Drillisch und The Phone House Telecom. In den späten 90er Jahren und nach 2000 hat sich eine Reihe von Mobilfunk-Resellern als Discount-Anbieter neu etabliert, wie z.B. Base, Congstar, Simply. Discount-Anbieter sollen die Marke der Mobilfunknetzbetreiber abstützen und neue Marktsegmente im Bereich der preissensiblen Kunden erschließen. Teilweise werden diese Reseller auch als MVNOs („Mobile Virtual Network Operator“) bezeichnet, obwohl die Weiterentwicklung zu einem „echten“ MVNO, d.h. einem Mobilfunkanbieter mit eigenem Kern-Netz aber ohne eigenes Funk-Anschlussnetz bislang nicht erfolgt ist. Der MVNO hätte allerdings die Chance, anstatt des reinen Wiederverkaufs fertiger Vorprodukte eigene Dienste und Applikationen zu realisieren und so eine weitergehende Differenzierung zu ermöglichen.

Nach dem großen Erfolg im Mobilfunkmarkt folgte mit der Öffnung des Marktes der Festnetztelefonie ein Strohfeuer durch Anbieter, die den Mobilfunkmarkt verpasst hatten und nach einem ähnlichen Modell („Preselection“) eingestiegen sind. Aber der Markt der Festnetztelefonie hat andere Rahmenbedingungen und folgt anderen Regeln. Mit einer langjährig fast konstanten Durchdringung von 98% der Haushalte handelt es sich schon lange nicht mehr um einen Wachstumsmarkt. Auch das Marktvolumen ist schon seit längerem leicht rückläufig. Für die Inhaber der Anschlussnetze, primär also die Deutsche Telekom, ist der Anreiz zur Zusammenarbeit weit geringer als zu Beginn des digitalen Mobilfunks, da keine neuen Marktsegmente erschlossen werden können. Gleichzeitig sind die Wechselanreize gering und die Produktdifferenzierung überwiegend auf die Tarifgestaltung beschränkt. Dies hat dazu geführt, dass viele der ab Mitte der 90er Jahre in den Preselection-Markt eingestiegenen Unternehmen (insbesondere aus dem Bereich der Energieversorger) das Geschäft nach zum Teil empfindlichen Verlusten wieder aufgegeben haben. Beispiele für Neueinsteiger in den Festnetz-Markt sind Vebacom und RWE-Telliance, die sich nach einigen Jahren zu o.tel.o zusammengeschlossen haben, die wiederum von Arcor geschluckt wurden, um später bei Vodafone integriert wurden. Nur die Marke o.tel.o wurde später zu Marketingzwecken wiederbelebt. Auch eine Marke TelDaFax hat nicht überlebt. 

Bestand haben im Festnetzmarkt solche alternativen Anbieter, die von Anfang an auf eine eigene Infrastruktur gesetzt haben und als Pendant zum MVNO zu sehen sind. Beispiele für diese Gruppe von Unternehmen sind NetCologne, M’’net, EWE-tel, Wilhelm.tel und Versatel (hervorgegangen durch den Zusammenschluss bzw. Übernahme von zahlreichen Citycarriern und tesion) sowie VSE-net und Pfalzkom. Einige dieser Unternehmen haben sich von Anfang nicht auf das Modell eines Verbindungsnetzbetreibers beschränkt, sondern sind meist direkt mit Glasfaser-Hausanschlüssen auch als Anschlussnetzbetreiber tätig geworden (insbesondere gilt dies für NetCologne und Wilhelm.Tel). Andere Festnetzbetreiber haben sich auf den Markt mit Geschäftskundenprodukt spezialisiert (z.B. Versatel, Dokom21, Manet oder teliko).

Die nächste
bedeutende Welle im Telekommunikationsmarkt entsteht mit dem Markt der Breitband-Anschlüsse und der Breitband-Anwendungen (z.B. Cloud-Dienste). Insbesondere solche Festnetzanbieter mit einem eigenen Anschlussnetz sind in diesem Segment gut positioniert. Obwohl der Breitbandmarkt mit einer jährlichen Steigerung von ca. 10% zu den wenigen starken Wachstumssegmenten gehört und Anfang 2013 fast 70% aller Anschlüsse immer noch weniger als 6 MBit/s im Downstream zur Verfügung haben, sind die Tendenzen zur Bildung neuer Breitband-Anbieter noch verhalten. In Hessen entstehen insbesondere auf Kreisebene neue Infrastrukturgesellschaften, und auch aus den Niederlanden kommen Unternehmen mit geeigneten Geschäftsmodellen nach Deutschland, aber es gibt keine neue Marktbewegung wie Anfang der 90er Jahre im Mobilfunk. Dieser Markt ist allerdings durch seine regionale Zersplitterung und hohe Investitionskosten auch deutlich schwerer zu erschließen.


Nicht nur auf der Infrastrukturebene sind die unternehmerischen Aktivitäten im Breitband-Markt zurückhaltend, auch bei den Dienstebetreibern ist in Deutschland noch kaum eine Bewegung festzustellen. Durch den über viele Jahre gelebten und „gelernten“ Zustand vertikal geschlossener Wertschöpfungsketten ist es für unabhängige Dienstebetreiber schwierig, die erst auf offenen Diensteplattformen erfolgreich agieren können. Die grundsätzlichen Chancen für Dienstebetreiber zeigen sich in den App-Stores für Apple und Android-Systeme. In den Niederlanden besteht eine längere Tradition mit offenen Plattformen und dort haben sich in der Folge einige Hundert mittelständisch geprägte Dienstebetreiber herausgebildet, die Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse haben. Neben den eher geschäftlichen Diensten im Bereich des Hostings sowie von Backup und Security-Solutions sind es Angebote aus dem Bildungsbereich, für Gesundheitsapplikationen, Unterhaltung und nichtkommerzielle Dienste von Sport- und Kultur-Institutionen. Diese Entwicklung wird vermutlich zeitversetzt auch in Deutschland erfolgen und kann zu einer erneuten Stimulation des TK-Marktes führen.

Jürgen Kaack 08.06.2013, 20.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Mobilfunk, debitel, Mehrwertdienste, UMTS, Reseller, MVNO,

Vor 20 Jahren zum Marktführer aufgestiegen!

Vor ca. 20 Jahren hat eine recht junge - damals gerade zwei Jahre alte und noch nicht allgemein bekannte Telefongesellschaft die Marktführerschaft unter den Mobilfunk Service-Providern errungen. debitel hatte zwar damals mit Daimler, Metro und Nynex  starke Mütter, deren Beitrag zum vertrieblichen Erfolg allerdings erst in den Folgejahren und in Verbindung mit verlässlichen Mobiltelefon-Lieferungen in großen Mengen richtig zum Tragen kam.

In den ersten Jahren hatte debitel einzelne Fachhändler und kleinere Kooperationen als Vertriebspartner - gegen die etablierten Anbieter wie Bosch, Dekra, Siemens-Fachhändler-Organisationen. Nach einem zögerlichen Start konnten Zug um Zug alle Wettbewerber überholt werden, nur der Bosch eigene Service-Provider Bosch-Telecom-Service (BTS) stand lang mit großem Abstand an der Spitze!

Ohne große Marketing-Budgets für Werbung und Abschluss-Provisionen hat sich debitel primär über PR und Kommunikation eine zunehmend steigende Bekanntheit im Markt aufgebaut. Ergänzt durch passende Marketing-Aktionen wie eine "C in D Tauschaktion" (d.h. Tausch von alten analogen C-Netz in moderne digitale D-Netz-Geräte) und (scheinbar) innovative Mehrwertdienste (u.a. Hotelbuchung, Parkplatzreservierung, sekundengenaue Abrechnung, internationale Telefonkarten), konnte ein Markenkern aufgebaut werden und der Vertriebserfolg stimuliert werden, so dass vor ca. 20 Jahren auch die erfolgreiche BTS überholt werden konnte. Kurz danach hat Bosch das Geschäftsfeld verkauft und BTS wurde mit debitel fusioniert

Im Vergleich zu einigen der Wettberwerber hat debitel den Vorteil gehabt, nicht mit anderen Geschäftsfeldern zu konkurrieren, z.B. der Vermarktung eigener Mobiltelefone oder von Automobilelektronik. Trotzdem ist der Erfolg von debitel aus meiner subjektiven Sicht eine der seltenen Erfolgsgeschichte für konsequenten und zielgerichteten Unternehmensaufbau sowie für ein hochmotiviertes Team, das auch nach Fehlschlägen hartnäckig weitergemacht hat. Die Vorbereitung und Planung für das Unternehmen hat allerdings auch fast zwei Jahre gedauert und schon viele der späteren Schritte beschrieben (z.B. die Aufteilung der Tarife nach Nutzungsverhalten und mögliche Kooperationen für die Absicherung des Erfolgs). Ich bin stolz darauf, bei dieser Entwicklung dabei gewesen zu sein und meinen Teil als Leiter des Planungsteams und später als verantwortlicher Leiter von Marketing und Vertrieb beigetragen zu haben.


Jürgen Kaack 02.06.2013, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Mobilfunk und MVNO | Tags: debitel, Mobilfunk, Mehrwertdienste, Unternehmensgründung, Wachstum, Kooperation,

30. Promotions-Jubiläum

In dieser Woche jährt sich der Abschluss meiner Promotionsarbeit und das Ende meiner wissenschaftlichen Karriere zum 30. Mal! Unglaublich, wie schnell die Jahre vergangen sind. Seit 30 Jahre bin ich in der Telekommunikations-Industrie tätig, davon 12 Jahre als Angestellter und den Rest in eigenen Unternehmen bzw. freiberuflich.

Es waren bisher schon spannende Zeiten von der Einführung von PCM-Übertragungstechnik Anfang der 80er Jahre über die ersten Glasfaservorhaben und die Etablierung des digitalen Mobilfunks bis zu den aktuellen Breitband-Themen. Mal sehen, welche Fragestellungen und technologischen Veränderungen die nächsten Jahre bestimmen werden. Nur eines scheint sicher, einen Stillstand wird es nicht geben!

Jürgen Kaack 16.05.2013, 21.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Allgemeines

Betrieb von Glasfaser-Infrastrukturen erfolgreich

Das Modell eines Betreibers von Glasfaser-Hausanschlüssen erweist sich als erfolgreich und wirtschaftlich. Die Projekte der Deutschen Glasfaser weiten sich auf neue Kommunen und Ortsteile aus und immer mehr Ortsteile erreichen die erforderlichen 40% Vorvertragsquote. Nach den Ausbaugebieten im Kreis Borken werden auch Projekte in den Kreisen Steinfurt, Wesel und Coesfeld bearbeitet.

Im Vergleich zu diesen Projekten verfolgt die Deutsche Glasfaser im Kreis Heinsberg einen flächendeckenden Ansatz. Eine Reihe von Ausbaugebieten hat die erforderliche Vorvertragsquote bereits erfüllt - und dies teilweise sehr deutlich. In der Kommune Gangelt wurde der Ausbau bereits begonnen. von den ersten Pilotvorhaben hat nur ein Ortsteil das Vorvertragsziel verfehlt. Dafür werden derzeit eine Reihe neuer Gebiete bearbeitet.

Bei dem Erfolg des Projektes ist zu erwarten, dass auch andere Investoren auf dieses Geschäftsmodell einsteigen. Kapital ist bei der derzeitigen Zinshöhe sicher auch in ausreichender Menge verfügbar. Das Beispiel der Deutschen Glasfaser zeigt allerdings auch, dass neben Kapital ein geschlossenes Geschäftsmodell erforderlich ist. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Wahrnehmung aller Elemente in der Wertschöpfungskette. Dies kann in weitem Umfeld durch Kooperationen erfolgen, aber ohne eine übergreifende System-Kompetenz wird es nicht gelingen!


Da der Ausbau der Glasfaser-Anschluss-Netze durch die Deutsche Glasfaser als kommerzielles Vorhaben mit Gewinnerzielungsabsicht erfolgt, kann offensichtlich auch in ländlich geprägten Regionen eine Glasfaserinfrastruktur für eine nachhaltige Breitband-Versorgung errichtet werden! Die Amortisationszeiten liegen dann allerdings im Bereich von 10 bis 20 Jahren und damit deutlich höher als zur Zeit in der Telekommunikationsbranche kalkuliert wird. Aber auch andere Infrastrukturen und Immobilienvorhaben amortisieren sich erst nach deutlich mehr als 10 Jahren.

Die Lebensdauer der von der Deutschen Glasfaser verlegten Infrastruktur ist mit über 50 Jahren anzusetzen und damit deutlich länger als die Amortisationszeit. Somit ist zu erwarten, dass die Investition auskömmliche Renditen erwirtschaftet. Für die Kunden sind auf jeden Fall direkt nach dem Ausbau 100 MBit/s im Up- und Downstream (!) verfügbar, mehr als die meisten Anwendungen heute benötigen. Auch eine Erhöhu
ng in den GBit/s Bereich ist zukünftig über eine Glasfaser-Infrastruktur recht problemlos möglich. Probleme mit langsamen Internetzugängen gehören für Verbraucher mit Glasfaseranschlüssen der Vergangneheit an!

Jürgen Kaack 12.05.2013, 11.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, FttH, FttB, digitale Spaltung,

Breitbandversorgung in Solingen

Die Analyse der Breitbandversorgung in Solingen zeigt eine häufig anzutreffende Situation. Während die Kernbereiche mit bis zu 150 MBit/s schon heute zukunftssicher ausgebaut sind, fallen die verbleibenden 25% der Haushalte und einige der Gewerbegebiete imn Stadtgebiet deutlich ab. Mit längerem Anlauf für die Zuführung hoher Bandbreiten und einer geringeren Besiedlungsdichte wird die Erschließung dieser Gebiete unter wirtschaftlichen Aspekten deutlich schwieriger.

Nach einer Analyse der Versorgungssituation und der vorhandenen Infrastrukturen im Stadtgebiet von Solingen wurden jetzt die Ergebnisse in einem Pressegespräch präsentiert (Artikel bei PR-Online vom 27.04.2013). Auch die nächsten Schritte wurden erläutert. In nächster Zeit startet eine Befragung bei Haushalten und Betrieben, um den Bedarf und das vorhandene Kundenpotential zu ermitteln.

Die Kernbereiche der Stadt sind heute fast vollständig mit zwei unabhängigen Infrastrukturen (Kupferdoppelader für VDSL und Koaxialkabel für DOCSIS 3.0) versorgt. Die Kluft zwischen 150 MBit/s in einem Teil der Stadt und DSL-light oder gar Modem in einem anderen ist nicht erstrebenswert und erschwert die Planung für die Entwicklung in jeder Stadt. Daher müssen Lösungen gesucht und Konzepte erarbeitet werden, um die Kluft zu schließen. Hierbei müssen unter Umständen unterschiedliche Technologien kombiniert werden. Andernfalls könnte der Ausbau insgesamt unwirtschaftlich werden.

Mit der Problematik steht Solingen bei weitem nicht alleine. Die meisten Kommune und auch Großstädte müssen sich mit der Beseitigung der digitalen Kluft auseinandersetzen!

Jürgen Kaack 27.04.2013, 16.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

Kundenpotentiale für Breitbandnetze

Ohne schnelle Internetzugänge ist das Leben heute kaum mehr vorstellbar ... und „schnell“ beginnt in der Regel bei 16 MBit/s. Die Unterversorgungsgrenze liegt zwar offiziell bei 2 MBit/s, tatsächlich ist aber erst ab 6 MBit/s ein einigermaßen flüssiges Arbeiten möglich. Am anderen Ende der Skala werden bis zu 200 MBit/s angeboten. Allerdings gibt es keine Standard-Dienste, die heute über 50 MBit/s benötigen. Höhere Bandbreiten werden bei asymmetrischen Bandbreiten oft gewählt, um eine höhere Upstream-Geschwindigkeit zu bekommen. Aus den unter diesen Gesichtspunkten schwach versorgten Gebieten kommen häufig Beschwerden und Wünsche nach einer besseren Versorgung. Meist liegen diese Regionen am Rande oder abseits von Ballungsgebieten, sind dünner besiedelt und weisen eine niedrige Anzahl von Wohneinheiten pro Anschluss auf. Die Voraussetzungen für einen Breitbandausbau sind unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in der Regel nicht besonders gut.

 

Von besonderer Bedeutung ist daher das in der betreffenden Region erzielbare Kundenpotential. Zur Abschätzung sind Kennzahlen aus dem (N)Onlineratlas geeignet, die jährlich von der Initiative D21 auf der Basis einer repräsentativen Erhebung ermittelt werden. Der Ausgangspunkt ist die Internetnutzung, die 2012 bei knapp 75,6% der Bevölkerung lag und damit um 0,9% über dem Vorjahreswert. Für das Kundenpotential relevant ist der Anteil der Internetnutzer, die einen Breitbandanschluss nutzen. Laut (N)Onlineratlas sind dies 57,1% und somit fast 5% mehr als im Vorjahr. Allerdings wird Breitband hier ab 1 MBit/s definiert und somit niedriger als die gängige Erwartung an einen Breitband-Anschluss. Leider gibt es keine repräsentativen Werte für die Nutzung höherer Bandbreite. Es ist nach Schätzung von STZ-Consulting Group zu vermuten, dass Bandbreiten oberhalb von 25 MBit/s nur von ca. 25% der Bevölkerung genutzt werden.

 

Für einen Anbieter von Breitbanddiensten gibt es bei der Abschätzung von Kundenpotentialen unterschiedliche Szenarien (für Gewerbebetriebe und Wohnungsbaugesellschaften gibt es abweichende Kaufentscheidungsfaktoren):

  • Unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s: hier ist mit einem Kundenpotential von 55 bis 60% zu rechnen entsprechend der durchschnittlichen Breitbandnutzung.
  • Schwach versorgte Gebiete mit weniger als 6 MBit/s: hier liegt das zu erwartende Potential bei ca. 25%.
  • Versorgte Gebiete mit mehr als 25 MBit/s: in diesem Fall ist davon auzugehen, dass Breitbandinteressenten bereits einen Vertrag mit einem Anbieter abgeschlossen haben. Selbst bei vergleichbarem Preis- / Leistungsverhältnis gibt es retardierende Momente. Ohne herausragenden Argumente für einen Wechsel (z.B. differenzierende Dienste) werden kaum mehr als ein Drittel wechseln, entsprechend ca. 8% der Bevölkerung. Bei einem weiteren Wachstum von ca. 5% kommen jährlich 2 bis 3% als Neukunden hinzu.

 

Das Szenario mit versorgten Gebieten ist für einen neuen Anbieter mit erheblichen Risiken verbunden. Die vorhandenen Breitbandbedürfnisse bei Haushalten und Betrieben sind hier bereits erfüllt. Dabei hängt es allerdings u.a. vom Image des Anbieters, der Qualität des Services und dem Preis ab, ob die vorhandenen Markt-Potentiale tatsächlich ausgeschöpft werden. Für einen neuen Anbieter bedeutet dies, dass er Kundenpotentiale primär durch Verdrängung gewinnen muss. Sind die Leistungen vergleichbar und keine differenzierenden Dienste vorhanden, die in ihrer Attraktivität für einen Wechsel ausreichen, bleiben Preis und Qualität als Kaufentscheidungsfaktoren.

 

Bei den im Wettbewerb in den letzten Jahren stark gesunkenen Telekommunikationspreisen scheint der Kaufentscheidungsfaktor „Preis“ laut Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group eher ungeeignet. Ein (asymmetrischer) 100 MBit/s-Anschluss mit unbegrenztem Datenvolumen und einer (nationalen) Telefonflat für monatlich 40 Euro dürfte kaum noch signifikant unterboten werden können. Die Servicequalität ist zwar an die verfügbaren Budgets gekoppelt, aber immerhin können hier Unterscheidungsmerkmale erarbeitet werden. Beim Diensteangebot liegen Potentiale zur Differenzierung neben den gängigen „Killer“-Applikationen wie Telefonie, Email, Video- und Musikdiensten in Zielgruppen-spezifischen Diensten (kulturelle, sportliche oder Bildungsangebote mit lokalem Bezug), die von den überregionalen Anbietern bislang nicht angeboten werden.

 

Die Kosten für Leistungskomponenten wie Telefonie- und Email-Systeme, Billing, CRM-Lösungen und Kundenbetreuung sind weitgehend unabhängig von der genutzten Breitband-Technologie. Erhebliche Unterschiede ergeben sich dagegen bei den Kosten für die Verlegung von passiven Infrastrukturen (insbesondere Leerrohre, Muffen, Schächte, Hausabschlüsse) u.a. aufgrund von Topographie, Anschlusslängen, Bodenklasse und der Verlegetechnik. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung für die passive Infrastruktur wird meist erst mit Amortisationszeiten von 15 bis 20 Jahren positiv und ist damit für viele der überregionalen Telekommunikationsanbieter zu lang. Bei einem Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen wird ein Glasfaser-PoP (Point-of-Presence) benötigt. Mit 500 bis 1.000 Anschlüssen kann ein solcher PoP wirtschaftlich betrieben werden. Bei 1.000 Anschlüssen ergeben sich (theoretische) Mindestgrößen für den Betrieb eines Glasfaser-PoPs:

  • Unterversorgte Gebiete  1.750 Anschlüsse
  • Schwach versorgte Gebiete  4.000 Anschlüsse
  • Versorgte Gebiete 12.500 Anschlüsse

 

Anschlüsse in benachbarten Ortsteilen können dabei über einen gemeinsamen PoP angeschlossen werden. Bei den abgeschätzten Größenordnungen wird deutlich, dass der Überbau von vorhandenen Infrastrukturen nur in Ausnahmefällen unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll ist. Selbst in Ballungsgebieten werden Grenzen erreicht, wenn das Kundenpotential auf zwei oder drei parallele Infrastrukturen aufgeteilt werden muss. Umso wichtiger ist für Dr. Kaack daher der offene Netzzugang („Open-Access“), damit aus neuen „Monopolen“ bei der passiven NGA-Infrastruktur keine Dienste-Monopole werden. Dies ist selbst bei den bestehenden Infrastrukturen keineswegs selbstverständlich.

 

Ein spezielles Problem für die Umsetzung im ländlichen Raum sieht Dr. Kaack in der meist heterogenen Versorgungslage vieler Kommunen mit durch oft mehrere Anbieter gut versorgten Kernbereichen bei nur schwach versorgten Randgebieten. Da der Weiterbau der Infrastrukturen in die dünner besiedelten Gebiete für die Netzbetreiber aus den oben erläuterten Gründen oft unwirtschaftlich ist, müssen Kommunen und Kreise selber tragfähige Lösungen und Kooperationen finden. Die dauerhafte Benennung eines Breitbandbeauftragten ist ein notwendiger erster Schritt.

Jürgen Kaack 24.02.2013, 12.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, VDSL, FttH, FttB, digitale Spaltung,

Breitband-Ausbau im Kreis Heinsberg mit Glasfaser-Hausanschlüssen

Eine gute Breitband-Versorgung ist auch im ländlichen Raum unabdingbar. Finden sich hier doch noch viele Regionen mit einer mehrheitlchen Unterversorgung (< 2 MBit/s). Dies gilt auch für den Kreis Heinsberg.

Das Vorhaben der Deutschen Glasfaser im Kreis Heinsberg zeigt, dass Glasfaseranschlüsse tatsächlich auch und gerade außerhalb der Ballungsgebiete nicht nur technisch von Vorteil, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können - zumindest in derzeit unterversorgten Gebieten.
Diese These vertrete ich ja bereits seit einigen Jahren. Die Umsetzung erfordert dann allerdings einen Infrastrukturbetreiber mit längeren als TK-typischen Abschreibungsfristen. Der aktuelle Status der Vorverträge in den Pilotregionen im Kreis Heinsberg findet sich auf der Seite des Anbeiters Deutsche Glasfaser GmbH.

Es ist grundsätzlich zu verwarten, dass in den unterversorgten Gebieten Werte im Bereich des 57%-Durchschnitts für die Breitbandnutzung in Deutschland erreicht werden. Spannender wird die Akzeptanz in den heute bereits besser oder auch mit über 100 MBit/s gut versorgten Bereichen ausfallen wird.

Jürgen Kaack 17.02.2013, 12.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

Ein Standpunkt für den lokalen Ausbau in ländlichen Räumen

"Die entscheidende Voraussetzung für einen Breitbandausbau liegt im Bedarf bei Haushalten und Unternehmen! Auch ohne den Anspruch an einen Universaldienst muss im ländlichen Raum eine Infrastruktur vorhanden sein, die eine ausreichende Bandbreite ermöglicht. Der Anspruch an einer Breitbandversorgung ist auf jeden Fall „universell“, da die Internetnutzung quer durch die Bevölkerung geht, bei Jugendlichen und Erwachsenen bis 30 Jahre liegt die Internetnutzung bereits heute deutlich über 90%."

Ansatz-Punkte zu Problemlösungen mit verfügbaren Breitband-Technologien, Fördermöglichkeiten und Geschäftsmodellen findet sich in meinem Beitrag auf dem Portal "dvs Netzwerk für ländliche Räume" der Bundesanstalt für Landwirtrschaft und Ernährung.

Jürgen Kaack 30.01.2013, 08.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

Erfahrungen aus Best-Practise Breitband-Projekten

Die Möglichkeit zur Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein zunehmend wichtiger Standortfaktor auch für ländliche Regionen als attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume. DSL- und Breitbandanschlüsse sind heute so wichtig wie ein gut ausgebautes Straßennetz bzw. der Anschluss an ein öffentliches Ver- und Entsorgungsnetz.


Gebiete ohne Breitbandzugang oder mit einem nicht den Anforderungen entsprechenden Zugang werden im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte zunehmend das Nachsehen haben. Durch den Einsatz breitbandiger Internetkommunikation können gerade mittelständische Unternehmen die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten erheblich verbessern. Kommunikation und Datenaustausch etwa im Rahmen der Auftragsbestellung und –abwicklung bis hin zum Vertrieb werden über eine breitbandige Kommunikationsinfrastruktur weitaus effektiver abgewickelt. Eine entsprechende Breitbandanbindung ermöglicht vielen Unternehmen zugleich eine deutliche Kosteneinsparung. Unternehmen, die im Datenaustausch nicht mehr auf DSL und Breitband verzichten können, werden kurz- bis mittelfristig eine Umsiedlung in Erwägung ziehen und realisieren. Der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen führt zu einer Schwächung der betroffenen Regionen. Im Zuge einer Veränderung der Arbeitswelt werden bei vielen Unternehmen Heimarbeitsplätzen bei den Mitarbeitern gefordert, die ohne Breitband-Anbindung mit IT-Lösungen im Unternehmen nur bedingt kommunizieren können.

 

Die Verfügbarkeit von schnellen Datenverbindungen hat nicht nur eine wichtige Bedeutung für den jeweiligen Wirtschaftsstandort, sondern auch für den Wohnstandort und die Lebensqualität der Menschen. Die meisten Familien entscheiden sich bei der Wohnortwahl oder dem Kauf eines Wohnbau-Grundstücks auch aufgrund der örtlichen DSL- und Breitbandverfügbarkeit. Dabei ist die zunehmende Bedeutung von neuen Anwendungen im Bereich der Bildung, bei neuen Dienstleistungen in der Telemedizin und der häuslichen Pflege zu berücksichtigen, die eine leistungsfähige Telekommunikations-Infrastruktur voraussetzen. 

 

Mit neuen Anwendungen und einer intensivierten Nutzung steigt das Datenvolumen, das täglich durch die vorhandenen Netze transportiert werden muss. Somit wird die Situation schlecht versorgter Gebiete im Vergleich zu den Ballungsgebieten ohne Maßnahmen zur Verbesserung der Breitbandversorgung im Laufe der Zeit immer schlechter. Aus heute „grauen“ Flecken mit mäßiger Versorgung werden dann „weiße“ Flecken. Ohne konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Breitbandversorgung vergrößert sich die Kluft zwischen Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum unaufhaltsam.


Jedes Breitband-Projekt verläuft aufgrund der gegebenen Voraussetzungen und Ziele anders. Daher lassen sich weder die Vorgehensweise noch die Ergebnisse unmittelbar auf andere Kommunen übertragen. Trotzdem gibt es auf der Basis vieler erfolgreich in den letzten fünf Jahren durchgeführter Breitband-Ausbau-Projekte (mit und ohne Fördermittel) eine Reihe von allgemein gültige Erkenntnisse:

  • Die Bedarfsanalyse und die Ansiedlungsstruktur erlauben Rückschlüsse auf die Anforderungen und Technikkonzepte
  • Wenn der Ausbau von kleineren Bauernschaften und Einzelgehöften ausgeschlossen werden kann, sinken die Ausbaukosten in der Regel erheblich. Als Ersatz für eine leitungsgebundene Anbindung können Funklösungen oder Satelliten-DSL dienen
  • Alle vorhandenen Infrastrukturen (insbesondere Leerrohre) im Ausbaugebiet und in der näheren Umgebung können hilfreich sein und Investitionskosten reduzieren
  • Hohe Kosten für die Zuführung der Bandbreite können eventuell über alternative Ansätze wie z.B. Richtfunkstrecken oder Freileitungen kompensiert werden
  • Geplante Tiefbau-Maßnahmen können gegebenenfalls vorgezogen und die Trassenführung angepasst werden, um die Kosten für die Breitband-Zuführung zu senken
  • In ländlichen und dünn besiedelten Gebieten kann gelegentlich durch eine Neugestaltung der Netztopologie ein effizienterer Ausbau erfolgen
  • Mit einem Technologie-Mix können beim Ausbau fallweise Vorteile erzielt werden
  • Der Grad der Wechsler zu einem Anbieter mit höherer Bandbreite oder zu einem Upgrade bleibt oft unter den Erwartungen und den statistischen Ansätzen nach dem (N)Onliner-Atlas (2012 durchschnittlich über 57 % Breitbandnutzer). Für einen Verbleib beim bisherigen Anbieter wird von manchen Nutzern eine schlechtere Bandbreite in Kauf genommen.


Auch bei sorgfältiger Analyse lassen sich nicht in allen Fällen kostengünstige Lösungen erzielen. In vielen Fällen ergeben sich aber doch tragfähige Ansätze für eine Verbesserung der Breitband-Versorgung. In jedem Fall ist bei einer Konzeption zu berücksichtigen, dass eine zukunftssichere und ausbaufähige Lösung nicht behindert wird. Insbesondere sollte die spätere Erweiterung zu einer Infrastruktur mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB / FttH) möglich sein, selbst wenn bis zur Umsetzung mehrere Jahre vergehen.

Jürgen Kaack 27.01.2013, 13.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

Jahresrückblick 2012 und Ausblick 2013

2012 ist im Breitband-Bereich ein Jahr des beginnenden Umbruchs gewesen. Die Anzahl neuer Vorhaben zur Sicherstellung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s ist deutlich rückläufig. Dabei kann man trefflich streiten, ob 2 MBit/s schon das Prädikat „Breitband“ verdient! Gut ausreichend sind derzeit wohl eher 16 MBit/s, wenn Internetfernsehen in HD-Qualität nicht benötigt wird. Der Bedarf wird sicher weiter steigen, vor zehn Jahren waren noch 0,128 MBit/s „auskömmlich“ und das Ende ist nicht abzusehen. Dabei gibt es derzeit noch keine Massen-Anwendungen, die mehr als 25 MBit/s benötigen.

 

Es gibt allerdings selbst bei der 2 MBit/s Grenze immer noch unterversorgte Gebiete, wenn es auch kaum verlässliche Quellen hierfür gibt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in dünner besiedelten ländlichen Räumen – die schon am Rand der Ballungsgebiete beginnen – noch ca. 10% aller Anschlüsse unterversorgt sind. Für einen herkömmlichen Fiber-to-the-Curb (FttC) Ausbau sind diese Gebiete aber wohl selbst bei Gewährung einer einmaligen Zuwendung kaum wirtschaftlich. Neben Brückentechnologien z.B. auf Basis von Funkübertragung bietet in diesen Fällen nur der Glasfaserhausanschluss eine nachhaltige Lösung.

 

Im Jahr 2012 waren bereits deutlich mehr Projekte mit Next-Generation-Access (NGA), d.h. mit breitbandigem Hausanschluss gefragt als im Jahr zuvor. Vorrangig sind hier Kommunen aktiv geworden, die über eigene Stadtwerke verfügen. Aber das Beispiel des Kreises Heinsberg zeigt, dass Kreise auch dann Aktivitäten entfalten können, wenn es (fast) keine kommunalen Stadtwerke gibt. Im Falle von Heinsberg hat dies einen privatwirtschaftlichen Investor auf den Plan gerufen, der selber in passive Infrastruktur (Leerrohre und Glasfaser) investieren will, sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden.

 

Es ist kaum verwunderlich, dass in 2012 verstärkt Ausbaukonzepte für Gewerbegebiete nachgefragt waren. Gewerbegebiete liegen in der Regel am Rande einer Kommune und erhalten aufgrund der langen Leitungslängen bei hoher Dämpfung nur eine schwache Internetgeschwindigkeit. Zwar sind fast überall Sondervertragslösungen mit einer Direktanbindung von verschiedenen Netzbetreibern erhältlich. Aufgrund der deutlich höheren Kosten für diese Geschäftskunden-Produkte, die in der Regel bei monatlich 400 Euro beginnen, nutzen im Durchschnitt nur 10% der Betriebe in einem Gewerbegebiet solche Lösungen. Der Druck zur Schaffung neuer Lösungen steigt somit! Auch in diesen Fällen ist eine NGA-Anschlussnetz die optimale und nachhaltige Lösung. Aber nicht immer ist ein NGA-Ausbau möglich und dann sind andere Technologien gefragt.

 

Für 2013 ist abzusehen, dass sich der Trend zu Glasfaser-Hausanschlüssen weiter verstärkt. Förderprojekte zur Schließung der Grundversorgung werden auslaufen und es ist offen, ob die derzeitigen EU-Förderprojekte (GAK, RWP) über das Jahresende 2013 hinaus überhaupt weiter verlängert werden. Die „Hauptakteure“ des NGA-Ausbaus mit Glasfaser-Anschlussnetzen werden auch in 2013 Kreise, Kommunen und Stadtwerke sein. Die Netzbetreiber konzentrieren sich beim Ausbau auf Ballungsgebiete, in denen über einen Anschluss mehrere Wohneinheiten erreicht werden.

 

Eigentlich wäre die Politik gefordert, den Breitbandausbau voranzutreiben, um die schon vorhandene digitale Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen nicht weiter zu vertiefen. Aber nachdem schon die Bundesregierung außer einer unverbindlichen Zieldefinition keine Strategie entwickelt hat, obliegt der NGA-Ausbau in erster Linie den Bundesländern. In Hessen und Bayern gibt es hierfür zumindest Programme und Budgets, aber ansonsten geschieht doch eher wenig. So wirkt das in der Poststrukturreform II begründete (und auch heute nicht mehr umkehrbare) Problem weiter in die Zukunft und die Lösung wird von Bund und Ländern den oft finanziell „klammen“ Kommunen zugeschoben...

Jürgen Kaack 30.12.2012, 12.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

Fördermittel für Breitbandausbau - eine sinnvolle Investition?

Nach einigen Jahren der Beschäftigung mit Förderprojekten habe ich eine durchaus kritische Haltung gegenüber der Nutzung von Fördermitteln, die häufig mit hohem Aufwand nicht zu dem eigentlich gewünschten Ergebnis führen.

Eine ausführlichere Argumentation findet sich in meinem Artikel bei Breitband.NRW.

Jürgen Kaack 28.11.2012, 20.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Fördermittel, GAL, RWP, GRW, Glasfaer, Leerrohre, Kommunen, Kooperationen,

Öffentliche Breitband-Netze statt verlorener Zuschüsse an Netzbetreiber!

Nach den Erfahrungen mit dem Einsatz von (GAK oder GRW) Fördermitteln für die Sicherstellung der Grundversorgung ist es vermutlich von Vorteil, wenn der NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB oder FttH) ohne finanzielle Zuwendungen erfolgt. Zwar sind immer noch die in der Bundesrahmenregelung Leerrohre aus beihilferechtlichen Gründen festgelegten Schritte einzuhalten, aber Kommunen und Kreise haben mehr Freiheiten bei der Festlegung der Lösungen und der Ausbaugeschwindigkeit.

Mit einem für die Kommune erstellten Rahmenkonzept und einem Masterplan für die Leerrohr-Verlegung kann die Breitbandversorgung systematisch und flächendeckend erfolgen. Im Vergleich dazu sind mit Fördermitteln eher punktuelle Verbesserungen zu erzielen. Der Ausbau von NGA-Netzen erfordert oft Kooperationen zwischen verschiedenen Parteien (Kreise, Kommunen, Stadtwerke oder Energieversorger, Betreiber aktiver Netzkomponenten und Dienstebetreiber). Solche Kooperationen müssen für ein optimales Ergebnis auf die vorhandenen Rahmenbedingungen zugeschnitten sein. Ein spezielles Problem ist dabei die Aufteilung der Umsätze unter den beteiligten Parteien. Eine „Unterordnung“ unter ein starres Förderprogramm bringt hierbei meistens Nachteile – und vermutlich höhere Gesamtkosten!

Wenn private Anbieter keine NGA-Infrastrukturen schaffen, sind öffentliche Investitionen in den Ausbau der NGA-Infrastrukturen eine bessere Alternative im Vergleich zu verlorenen Zuschüssen. Eine Landes-Institution sollte die Erstellung von Masterplänen für die fehlenden passiven Netze übernehmen, die Infrastrukturen verlegen und an Netzbetreiber vermieten. Wenn ein offener Netzzugang sichergestellt wird, können Dienstebetreiber gegen Entgelt im Wettbewerb die Infrastruktur nutzen. Private Betreiber bzw. ihre Gesellschafter fordern kurze Amortisationszeiten, öffentliche Investitionen dürfen sich auch über einen wesentlich längeren Zeitraum amortisieren. Mit dem beschriebenen Vorgehen kann der digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen wirkungsvoll entgegen gewirkt werden. Nachteile für den ländlichen Raum durch Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung lassen sich verhindern.


Jürgen Kaack 18.11.2012, 16.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Fördermittel, GAL, RWP, GRW, Glasfaer, Leerrohre, Kommunen, Kooperationen,

Segen und Fluch von Förderprojekten

     1.  Ausbau mit Fördermitteln

 

Wirtschaftlich attraktive Gebiete sind in der Zwischenzeit längst erschlossen, oft sogar im Wettbewerb von Anbietern mit eigener Netzinfrastruktur. Die Bereitstellung von Fördermitteln soll Kommunen helfen, die Kosten des Breitbandausbaus zu stemmen. Die bisher nicht ausgebauten Regionen sind aus Sicht der Netzbetreiber unwirtschaftlich, entweder ist die Besiedlungsdichte zu gering oder der Aufwand für die Heranführung ist zu hoch. Öffentliche Förderprogramme erleichtern die Schließung von Wirtschaftlichkeitslücken, haben aber auch deutliche Nachteile. Hierzu gehört der bürokratische Aufwand, um in den Genuss einer Förderung zu gelangen, die im Vergleich zu nicht geförderten Vorhaben tendenziell höheren Kosten und die Einschränkungen bei der Auswahl der optimalen Lösung.

 

Es ist gerechtfertigt, dass beim Einsatz von öffentlichen Mitteln eine sorgfältige Prüfung erfolgt, welche Vorhaben gefördert werden. In Verbindung mit Breitband-Projekten erscheint der bürokratische Aufwand aber doch überzogen. Vor einer Bewilligung von Fördermitteln ist erst eine Reihe von Nachweisen zu erbringen:

  • Nachweis zur tatsächlichen UnterversorgungNachweis über den vorhandenen Bedarf und die Kundenpotentiale für einen Netzbetreiber
  • Nachweis des Marktversagens im Ausbaugebiet
  • Nachweis der transparenten und technologieneutralen Suche nach einem Anbieter
  • Nachweis der Auswahl des „wirtschaftlichsten“ Anbieters
  • Nachweis der Verfügbarkeit der erforderlichen Eigenmittel der Kommune
  • Nachweis über die spätere Überprüfung der Mittelverwendung anhand von Zielindikatoren

 

      2.  Die erste Hürde: Wann ist ein Ortsteil unterversorgt?

 

Die einzelnen Nachweise sind im Einzelfall nicht unbedingt einfach zu erbringen. Schon der Nachweis der Unterversorgung kann schwierig werden, wenn es Funkanbieter in dem betreffenden Gebiet gibt:

  • Welche Leistungen bietet der Funkbetreiber?
  • Welche Abdeckung im schlecht versorgten Gebiet wird garantiert (und erreicht)?
  • Wie verhält sich die verfügbare Bandbreite unter Last?
  • Welche Daten-Volumina können übertragen werden?
  • Welche Netzverfügbarkeit wird garantiert?

 

In den letzten Monaten schreitet der LTE-Ausbau in der Fläche kräftig voran und LTE wurde zu den Zeiten der Lizenzvergabe fast als Allheilmittel zur Verbesserung der Grundversorgung gelobt. Mit diesem Argument konnte die Lizenzvergabe der 800 MHz-Frequenz („digitale Dividende“) in Deutschland tatsächlich schneller erfolgen als in den meisten anderen europäischen Ländern. Trotzdem bleibt LTE ein Mobilfunkstandard wie auch die Vorgänger-Generationen EDGE, UMTS oder HSDPA und hat seinen Schwerpunkt bei der mobilen Internetnutzung mit Smartphone oder Tablet-PC. Als shared-medium steht die Kapazität einer Funkzelle immer allen gleichzeitigen Nutzern zur Verfügung, sind wenige Nutzer im Netz, erhält der Einzelne eine hohe Bandbreite, sind viele Nutzer aktiv, sinkt die Bandbreite. Wie bei allen Funksystemen haben u.a. Witterung, Pflanzenwuchs, Reflexion an Gebäuden und Interferenzen der Funkwellen Einfluss auf die Versorgung an einem Standort. Selbst bei flächendeckender Versorgung mit LTE ist somit nicht garantiert, dass die Anforderungen an die Grundversorgung erfüllt werden. Die Praxis zeigt, dass kaum ein LTE-Betreiber bereit ist, die erforderlichen Mindestwerte an Flächendeckung (> 95% der Anschlüsse) und der Verfügbarkeit schriftlich zu garantieren.


     3.  Befragung mit dem Ziel: Ablage

 

Die für die Förderung notwendige Befragung bei Haushalten und Betrieben hat wohl nur in seltenen Ausnahmen wesentliche Erkenntnisse gebracht. Oft liegt die Beteiligung an den Befragungsaktionen unter 20% und ist damit kaum repräsentativ. Bislang hat wohl jede Befragung eine laut Versorgungskarten der Betreiber erkannte Unterversorgung bestätigt, die Mehrheit der Befragten wünscht sich meist eine Versorgung mit mindestens 16 MBit/s und ist bereit zu einem Netzbetreiber zu wechseln, der diese Leistung ermöglicht. Es ist nicht zu erwarten, dass die Ergebnisse in den bereits abgeschlossenen Breitband-Projekten irgendeine Auswirkung auf die Kalkulation der Deckungslücke hatte. Die Netzbetreiber haben in der Regel bessere Datenquellen und es wäre betriebswirtschaftlich vermutlich auch nicht seriös, eine Geschäftsplanung auf unverbindlichen Antworten von ca. 20% der Bevölkerung aufzubauen. Somit werden die Ergebnisse der Befragung nach Abschluss des Ausbau-Projektes abgeheftet und später entsorgt.

 

     4.  Markterkundung ohne nachhaltige Wirkung


Nach der Befragung zur Bedarfs- und Potentialanalyse steht die Markterkundung an. Dabei wird mit einer Frist von vier Wochen ein Netzbetreiber gesucht, der innerhalb der nächsten 36 Monate einen Breitbandausbau ohne Zuwendungen vornimmt. Die Markterkundung bringt in den allermeisten Fällen das erwartungsgemäße Ergebnis, dass kein Betreiber einen Ausbau ohne Zuwendungen plant. Um für die Kommune sinnvolle Ergebnisse aus einer Markterkundung zu ziehen, können Workshops mit interessierten Netzbetreibern durchgeführt werden, in denen Konzepte diskutiert und optimiert werden. Nebenbei lässt sich in manchen Fällen eine Größenordnung für die zu erwartende Deckungslücke ermitteln. So kann die Kommune bereits vor einem Auswahlverfahren abschätzen, ob die verbleibenden Eigenmittel gestemmt werden können.

 

Die von der EU geforderten Projektschritte Bedarfsanalyse und Markterkundung verlängern nicht nur die Zeit für die Projektdurchführung, sondern steigern die Planungs-Kosten. Bis zu einem Drittel der Planungskosten gehen auf das Konto dieser nur formal notwendigen Aufgaben. Zudem werden mit der Befragung Erwartungen in der Bevölkerung geweckt, die erst viel später – oder überhaupt nicht realisiert werden können.

 

5.  Förderprojekte verlaufen nicht immer erfolgreich

 

Bei dem sich anschließenden Auswahlverfahren beteiligen sich oft mehrere Betreiber mit einem Angebot und sehr unterschiedlichen Konzepten. Neben einem „klassischen“ FttC-Ausbau mit einer ADSL / VDSL Lösung sind gelegentlich Anbieter mit einem Schaltverteiler-Ansatz oder einem WLAN-Funknetz beteiligen. Bei einem FttC-Konzept mit maximal 50 MBit/s handelt es sich um ein nachhaltiges und marktgängiges Vorgehen, das die Anforderungen der befragten Haushalte und Betriebe erfüllt. Allerdings handelt es sich in der Regel um das Angebot mit der höchsten Deckungslücke. Die anderen Angebote sind oft mit geringeren Kosten verbunden, allerdings auch mit niedrigeren Bandbreiten und höheren Verbraucherpreise. Mit den aktuellen Bewertungskriterien wird die Deckungslücke mit 45% überproportional hoch bewertet, so dass signifikante Unterschiede in der Deckungslücke so gut wie immer alle anderen Kriterien überkompensieren. So kommen „billige“ Lösungen auch gegen nachhaltige Konzepte mit höheren Bandbreiten und günstigeren Verbraucherpreisen zum Zuge.

 

Nach der Bewertung kann der Förderantrag gestellt werden, sofern der Haushalt der Kommune verabschiedet vorliegt und die Kommunalaufsicht (falls erforderlich) ihre Einwilligung erklärt hat. Obwohl der Gemeinderat dem Einsatz der Eigenmittel für den Ausbau meist ohne Bedenken zustimmt und dieser Posten in der Regel nur für einen kleinen Teil des Haushalts steht, kann ohne genehmigten Haushalt kein Förderantrag gestellt werden. Wenn dies länger dauert oder die Prüfung bei der Bezirksregierung länger dauert, können Bindefristen der Anbieter verstreichen. Sollte bei einem der Anbieter eine Bindefristverlängerung eine Neukalkulation des Angebotes erforderlich machen, so ist bei einer Erhöhung der Deckungslücke eine erneute Ausschreibung erforderlich. Wenn es nur einen Bieter gibt, führt eine Erhöhung der Deckungslücke nicht zwangsläufig zu einem neuen Auswahlverfahren. So kann als Ergebnis eines Auswahlverfahrens ein neues Auswahlverfahrens stehen. Sofern das Markterkundungsverfahren zu lange zurück liegt, muss auch dieses erneut durchgeführt werden. Es ist nachvollziehbar, wenn Kommunen auf solche Zusatzarbeiten wenig begeistert reagieren.

Jürgen Kaack 11.11.2012, 21.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,

10 Jahre: STZ-Consulting Group sagt danke!

Im Oktober 2002 wurde STZ-Consulting Group in Bad Homburg v.d.H. unter dem Namen „Steinbeis Transferzentrum Integrierte Unternehmensführung“ gegründet. Im Frühjahr 2003 erfolgte der Umzug aus Hessen nach Erftstadt in NRW und einige Zeit später die Umfirmierung in STZ-Consulting Group“.

 

Der Branchenschwerpunkt von STZ lag und liegt im Bereich der Telekommunikation. In den ersten Jahren waren es Projekte für Systemhersteller, Dienstleister und Netzbetreiber, dann zwischenzeitlich die Projektleitung für das bislang größte Breitband-Innovationsprojekt „T-City“ in Friedrichshafen mit Umsetzung von über 30 neuen Breitband-Anwendungen. In den letzten Jahren unterstützt STZ überwiegend Kommunen und Kreise, die eine Problemlösung für eine schwache Breitband-Versorgung benötigen. In dieser Zeit wurden ca. 70 Ausbau- und Förderprojekte bearbeitet, bis auf eines alle mit erfolgreichem Ergebnis!

 

Auch Breitband-Projekte verändern sich im Laufe der Jahre. Zu Beginn standen Wohngebiete mit langsamer Internet-Anbindung im Vordergrund. Dann kamen die Gewerbegebiete, die oft aufgrund ihrer Lage am Rande der Kernstädte unter einer schwachen Versorgung leiden. Dabei ist die Breitband-Geschwindigkeit mittlerweile der wichtigste Standortfaktor – gleichauf mit einer guten Verkehrsanbindung und der Verfügbarkeit von Fachkräften. Seit gut einem Jahr werden vermehrt Konzepte und Breitband-Lösungen nachgefragt, die deutlich über die reine Grundversorgung hinausgehen. Nachhaltige Lösungen auf der Basis von Glasfaser-Hausanschlüssen ermöglichen jede gewünschte Bandbreite, die der Nutzer brenötigt und helfen bei der Verlagerung des Wettbewerbs weg von Anschlussbandbreiten hin zu Diensten. Aktuell betreut STZ mehrere Vorhaben mit der Zielsetzung, Glasfaser-Netze in Kooperationen zu realisieren.

 

Für das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern möchten wir uns bedanken, ohne das diese Entwicklung nicht möglich gewesen wäre. Auch in Zukunft sind wir auf dieses Vertrauen angewiesen, denn wir verkaufen keine Standard-Produkte und keine „Wunder-Tools“. Unsere Leistungen basieren auf unserer Erfahrung in einem dynamischen Markt und auf unserer Problemlösungskompetenz, gemäß der Schwerpunkte in unserem Firmennamen STZ:

  • Strategie
  • Transformation
  • Zusammenarbeit

 

Danke!


Dr. Jürgen Kaack

Jürgen Kaack 27.10.2012, 16.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Berateralltag | Tags: Breitband, Glasfaser, Innovation, Beratung,

Breitband-Anwendungen für Smart-City auf der Basis von Glasfasernetzen

Glasfaser-Anschlüsse als nachhaltige Infrastruktur

Glasfaser-Hausanschlüsse sind „in“ und gelten zu recht als Inbegriff einer nachhaltigen Telekommunikations-Infrastruktur. Daher beschäftigen sich zunehmend mehr Kommunen, Kreise und Stadtwerke mit Konzepten für einen Netzausbau. Der Aufwand ist nicht unerheblich, da für einen Glasfaser-Anschluss zunächst eine Verbindung zwischen dem Netzknoten und der Hauswand hergestellt werden. Üblicherweise müssen hierfür dünne Leerrohre, sogenannte Microducts, unterhalb der Bürgersteige verlegt werden. Durch Nutzung von Synergien durch gemeinsame Verlegung mit anderen Tiefbaumaßnahmen, z.B. Sanierungsvorhaben, lassen sich die Kosten von ansonsten durchschnittlich 1.200 € pro Anschluss deutlich senken. Beim Ausbau in einer Kommune entstehen trotzdem hohe Investitionskosten.

Unter wirtschaftlichen Aspekten lohnen sich diese Investitionen, wenn sich ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung für die Nutzung des neuen Anschlusses entscheidet. Welche Quote dabei erzielt werden muss, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen und den Zielen des verlegenden Unternehmens ab. Sie wird aber in den meisten Fällen zwischen 30 und 60% liegen.

Hürden für den Netzaufbau

Der Wechsel vom bisherigen Anbieter wird im Wesentlichen von zwei Aspekten erschwert, dem Beharrungsvermögen beim bisherigen Provider (Anbieter-Loyalität) und einem nicht immer vorhandenen oder erkannten Bedarf an höheren Bandbreiten. Schon mit 6 MBit/s können viele Standard-Anwendungen im Internet erledigt werden. Mit 25 MBit/s kann ein HD-Fernsehprogramm empfangen werden. Wenn nicht mehrere Nutzer gleichzeitig volumenintensive Anwendungen ausführen, reichen 50 MBit/s noch über längere Zeit aus. In manchen Gebieten ist ein „klassischer“ Ausbau mit Fiber-to-the-Curb z.B. für VDSL allerdings weder wirtschaftlich noch aufgrund der Leitungsdämpfung effizient. Dann bleibt neben Funk als Brückentechnologie nur ein Glasfaser-Ausbau. In schlecht versorgten Gebieten reicht das Angebot schneller Internetzugänge meist schon aus, um eine ausreichende Nutzerzahl zu generieren. In anderen Fällen ist neben der höheren Internet-Geschwindigkeit an neuen Breitband-Anwendungen zu arbeiten, die zu einem Wechsel motivieren.

Breitband-Anwendungen für eine Smart-City

Neben den Standard-Anwendungen wie Telefonie, Internet und Fernsehen (Triple-Play) ermöglicht ein offenes NGA-Netz die Realisierung von „kleineren“ und regional begrenzt interessanten Breitband-Anwendungen. Dabei können Unternehmen, Organisationen und Vereine eigene Anwendungen als Dienste realisieren und über die Diensteplattform dem Nutzer zur Verfügung stellen. Es gibt kaum Grenzen für solche Anwendungen. Von Online-Diensten für Kultur- und Sportvereine, lokale Fernsehsender mit Beiträgen über Vorgänge, die keinen Eingang in überregionale Sender finden, über Transparenzangebote der Verwaltung, Mitmach-Vorhaben der Kommunalpolitik (eParticipation), Bildungsangebote der Schule bis hin zu rein kommerziellen Cloud-Computing Diensten. Älteren und pflegebedürftigen Menschen kann durch den Einsatz medizinischer Unterstützung und Überwachung ein länger selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

Im Bereich der Wohnungswirtschaft kann über vernetzte Hausautomations-Lösungen (Smart-Home) eine höhere Attraktivität für die Mietobjekte geschaffen werden, mit Video- und Sensor-Überwachung kann die Sicherheit erhöht werden und mit Überwachung und Steuerung von elektrischen Verbrauchern lässt sich der Stromverbrauch reduzieren. Mithilfe einer intelligenten Steuerung von lokalen Energieverbrauchern und –erzeugern kann der Stromzukauf und -transport minimiert werden (Smart-Grid). Für Stadtwerke entstehen so neue technische Möglichkeiten zur effizienten Netzsteuerung.

Neben den kommerziell ausgerichteten Angeboten ermöglicht ein offenes Breitband-Netz die Umsetzung von Anwendungen, die überwiegend aus bürgerschaftlichem Engagement oder ehrenamtlich geprägt sind. Damit sich diese Initiativen bilden können, bedarf es unter Umständen einer Unterstützung und Koordination durch den Kreis oder die Kommune. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber müssen die technischen Voraussetzungen und Anbindungen geschaffen werden. Neben der Koordination durch die öffentliche Verwaltung sollte eine Überwachung der Angebote erfolgen, damit weder illegalen Aktivitäten noch verfassungsfeindlichen Organisationen eine Plattform geboten wird. Insbesondere diese Kontrollfunktion kann in Zukunft eine besondere Herausforderung für offene Glasfaser-Netze darstellen.

T-City Projekt in Friedrichshafen als Lehrbeispiel

Ein Beispiel für die Erprobung unterschiedlicher Breitband-Anwendungen in einer Kommune ist das T-City-Projekt in Friedrichshafen. Anhand der dort gewonnenen Erkenntnisse können andere Kommunen ihre eigenen Smart-City Aktivitäten gestalten. Das Innovationsprojekt T-City wurde Anfang 2007 nach einem großen Wettbewerb zahlreicher Städte an Friedrichshafen vergeben und mit einer Laufzeit von fünf Jahren gestartet. Die gewinnende Stadt erhielt nicht nur einen weitgehend flächendeckenden Ausbau mit Breitband nach dem immer noch aktuellen VDSL-Standard und darüber hinaus ein Budget für die Umsetzung von innovativen Breitband-Anwendungen in allen Lebensbereichen. Eine Voraussetzung für die Auswahl von Projekten war das gemeinsame Interesse von beiden Projektpartnern Deutsche Telekom und der Stadt Friedrichshafen sowie die Einbindung eines Projektpartners aus der Region. Im Februar 2012 ging die 5-jährige Projektlaufzeit zu Ende. Die Bewertung eines Projektes dieser Größenordnung wird immer subjektiv je nach Perspektive ausfallen und so ist auch die nachfolgende Einordnung subjektiv geprägt.

Als Innovationsprojekt ist T-City in beachtlichem Maße erfolgreich. Während der Laufzeit konnten über 40 Vorhaben gemeinsam von der Deutschen Telekom mit unterschiedlichen Partnern in der Stadt Friedrichshafen geplant und umgesetzt werden. Unter Berücksichtigung der Breite der fünf Innovationsfelder und der Komplexität der Vorhaben von Gesundheits- über Bildungs-, Verwaltungs-, Wirtschafts- bis zu Verkehrsthemen konnte eine funktionierende Zusammenarbeit mit vielen Partnern etabliert werden. Für das Projekt-Management stellt diese Breite an Themen und Partnern eine Herausforderung dar. Im Nachhinein hätte das Projektmanagement vermutlich vereinfacht werden können, wenn es eine integrierte Projektorganisation von Stadt und Deutscher Telekom gegeben hätte anstatt zweier organisatorisch getrennter Projektbüros mit einer manchmal komplizierten Entscheidungs- und Abstimmungsstruktur. Zudem finden sich im Gemeinwesen einer Stadt nicht für alle der bearbeiteten Themen formale Zuständigkeiten. Die Überwindung der meisten operativen Erschwernisse kann als eine weitere Erfolgskomponente verbucht werden.

Nicht in allen Projektfeldern ließen sich trotz großem Engagement der Partner Erfolge erzielen, da eine Umsetzung von einigen Themen mit Partnern aus der Stadt nur begrenzt möglich ist. Dies gilt z.B. für den Bereich der schulischen Bildung, für die das Land erster Ansprechpartner ist, aber auch für Projekte im Gesundheitswesen, die erst Eingang in den Leistungskatalog der Krankenkassen finden müssen. Obwohl einige Projekte die Testphase nicht überlebt haben, was für ein mutiges Innovationsprojekt nicht ungewöhnlich ist, ist die Bilanz der erfolgreichen Einzelprojekte beeindruckend.

Smart-City Anwendungen müssen koordiniert werden

Eines ist der Mehrzahl der Projekte allerdings gemeinsam: sie strahlen kaum aus auf die anderen Projektfelder oder gar auf das Gemeinwesen der Stadt. Tatsächlich hätten die meisten Projekte in völlig getrennten Kommunen realisiert werden können. Innovationsgrad und Nutzen werden sicher bei der Mehrzahl der Projekte (wie z.B. Smart-Grid, Smart-Metering, Tumorkonferenz, die mobile Visite, das Bürgertelefon D115, die Prozessoptimierung in der Verwaltung) zu einer nachhaltigen Wirkung führen. Der hohe Aufwand der projektbegleitend durchgeführten Informationsveranstaltungen und Zielgruppenmaßnahmen ist dagegen nur bedingt erfolgreich gewesen. Von den zahlreichen Zielgruppenmaßnahmen hat nur das während der Projektlaufzeit geschaffene Senioren-Internethelfer-Netzwerk das Potential, sich über das Projektende hinaus zu verselbständigen. Längerfristige Wirkung werden wohl auch die in allen Schul-Klassen durchgeführten Medienkompetenz-Seminare entfalten.

Ein umfassender Erfolg wird durch den „Konstruktionsfehler“ verhindert, dass das Projekt zu Beginn nicht  auf einer Bewegung in der Bevölkerung aufzusetzen konnte. Auch ist es nicht gelungen, dass das Projekt von der Bevölkerung für die Stadt mit eigenen Initiativen und Projektideen „übernommen“ wurde. Einzelne technische Lösungen schaffen selbst bei hohem Innovationsgrad nur für begrenzte Zielgruppen einen Nutzen. Um eine breite Bewegung zu begründen, scheint  mehr erforderlich als die Summe begrenzter Einzelnutzen. Zusätzlich hat die Mutmaßung der Bevölkerung, es mit einer Werbe- oder gar Verkaufskampagne der Telekom zu tun zu haben, die Projektwahrnehmung behindert. Auch der durchgehend technische Ansatz hat den Fokus eingeengt. Für das Gelingen eines umfassenden Smart-City-Projektes hätte es vielleicht neben der Deutschen Telekom weiterer Projektträger ohne oder mit anderem Technikansatz bedurft.

Stimulation von bürgerschaftlichem Engagement ist notwendig

Bürgerbeteiligungs-Projekte (klassisch oder online) als vorlaufende und begleitende Maßnahmen hätten vielleicht die erforderliche „Bewegung“ in der Bevölkerung geschaffen. Dabei sollte e-Participation nicht mit komplexen und vorbelasteten Themen wie dem städtischen Haushalt begonnen und zudem regelmäßig „geübt“ werden. Wenn die Themen für eine ausreichende Zahl von Bürgern relevant sind und die Ergebnisse bei der anschließenden Entscheidungsfindung für die Umsetzung berücksichtigt werden, ergeben sich häufig vielversprechende Ansätze. Leider konnte während der Projektlaufzeit kein e-Participation Projekt in Friedrichshafen aufgesetzt werden, vermutlich weil Politik und Verwaltung Befürchtungen bezüglich möglicher Forderungen und Wünsche der Bürger hatten und sich für die Durchführung organisatorisch noch nicht aufgestellt wähnten! Dabei könnte die Durchführung gerade durch moderne Kommunikationstechnik effizient und transparent gestaltet werden. Als Ergebnisse stünden Ideen für Innovationsvorhaben, die die Chance auf eine bessere Breitenwirkung und Strahlkraft haben. Es wäre es wert, einen neuen Versuch zu wagen und die Erkenntnisse aus dem T-City Projekt für ein neues Smart-City Vorhaben zu nutzen!

Jürgen Kaack 14.10.2012, 21.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, Smart-City, FttH, FttB, VDSL,

Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Kreis Heinsberg

Breitband als ein wesentlicher Teil der Infrastruktur und ein wichtiges Element zur Steigerung der Standort-Attraktivität ist für die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg schon seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Seit knapp einem Jahr hat Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg beratend auf dem manchmal steinigen Weg zu FttB (Fiber-to-the-Building) in der Fläche begleitet. Die heutige Versorgung im Kreis ist recht heterogen und erst mit Glasfaser-Anschlüssen kann der Nutzer entscheiden, welche Bandbreite er braucht und muss nicht mit den Beschränkungen durch die Netzbetreibern leben. Somit steht zukünftig beim Abschluss eines Vertrages mit einem Breitband-Anbieter nicht mehr die verfügbare Bandbreite im Vordergrund, sondern die benötigten Anwendungen (Dienste). 


Im ersten Schritt hat STZ-Consulting die tatsächliche Versorgungslage getrennt für Wohn- und Gewerbegebiete anhand der Informationen der Netzbetreiber analysiert. STZ-Consulting eine Einteilung in gut versorgte (d.h. solche mit vorhandenem Infrastrukturwettbewerb und mindestens 16 MBit/s), schwach versorgte und unterversorgte Gebiete (beide ohne Wettbewerb in der Infrastruktur) vorgenommen. Im Kreis sind im Rahmen der Analysegenauigkeit ca. 40% der Anschlüsse mit bis zu 150 MBit/s und "funktionierendem" Wettbewerb so versorgt, dass Aktivitäten der öffentlichen Hand nicht erforderlich sind. 15% der Anschlüsse sind unterversorgt und ca. 45% schwach versorgt. Die ländliche Struktur im Kreis mit geringer Besiedlungsdichte und wenigen Wohneinheiten pro Anschluss (nur ca. 1,3 Wohneinheiten pro Anschluss) machen einen "klassischen" VDSL-Ausbau nicht nur teuer sondern auch im Hinblick auf die erzielbare Bandbreite oft wenig effizient.

Auf der Basis der Analyse wurden Geschäftsmodelle zur Umsetzung entwickelt und geprüft. Nach mehreren Gesprächs-Runden mit den Bürgermeistern der Kommunen und den Energieversorgern hat sich ein umsetzbares Modell ergeben für einen NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen, bei dem der Kreis zunächst einen Masterplan im Sinne einer Grob-Netzplanung für die nicht ausreichend versorgten Gebiete beauftragt und dann Kreis und Kommunen gemeinsam über einen längeren Zeitraum passive Anschlussnetze errichten und die Energieversorger fehlende Strecken im Zuführungsnetz ergänzen. Zur Schonung von Investitionsmitteln sollten Sanierungsmaßnahmen und andere Tiefbauprojekte genutzt werden für eine Verlegung im Beilauf. Aufgrund der Breitband-Aktivitäten der letzten Jahren besteht ein fast geschlossener regionaler Backbonering, der zur Zuführung der Bandbreite zu den zu errichtenden Anschlussnetzen genutzt werden kann. Über die über die Zeit fortlaufende Schaffung von einzelnen FttB-Inseln (z.B. einzelne Ortschaften, Statdteile oder Gewerbegebiete) soll der erzielbare Erfolg belegt werden und der Anreiz zum weiteren Ausbau aufrechterhalten bleiben.

 

Durch die Aktivitäten der Kreiswirtschaftsförderung ist ein holländischer Investor mit einschlägigen Erfahrungen in den Niederlanden auf den Kreis aufmerksam geworden und hat den Ausbau des passiven Netzes als privatwirtschaftliches Investitionsvorhaben ganz ohne Zuwendung aus öffentlichen Kassen angeboten. Nach einer Reihe von Vorklärungen und Abstimmungen mit den Bürgermeistern und den Energieversorgern ist in der vergangenen Woche das Vorhaben in einem Pressetermin veröffentlicht worden. Informationen finden sich z.B. hier:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/kreis-heinsberg/nachrichten/schnelles-internet-fuer-den-kreis-1.3010959

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/heinsberg-detail-az/2765950/Beginnt-in-der-Region-Heinsberg-ein-neues-Internet-Zeitalter

und auch recht prominent auf der Seite der Kreiswirtschaftsförderung:

http://www.wfg-heinsberg.de/publish/de/aktuelles/news/meldungen_einzelansicht.html?Meldungen_ID=606

 

Für den Bau und den Betrieb der passiven Infrastruktur wurde von dem holländischen Investor eine deutsche Gesellschaft gegründet, deren Internet-Auftritt noch recht mager ist, aber immerhin schon einige Aussagen enthält:

http://www.deutsche-glasfaser-hs.de/

Die Gesellschaft ist ein Schwesterunternehmen der Bornet im Kreis Borken, die unter dem gemeinsamen Holdingdach der Deutschen Glasfaser GmbH gebündelt werden:
http://www.deutsche-glasfaser.de/de

Damit die passive Infrastruktur nicht ungenutzt und Leerrohre "leer" bleiben, müssen Netzbetreiber als Partner gewonnen werden. Zur Vermeidung einer vollständigen Abhängigkeit hat die Deutsche Glasfaser mit "Flink" einen eigenen Betreiber zur Vermarktung gegründet. Weitere bereits benannte Partner sind der Netzbetreiber NetAachen und der Energieversorger NEW, der bereits früher  Aktivitäten im Telekommunikationsbereich gemacht hat. Der Infrastruktrurbetreiber ist offen für weitere Netzbetreiber und es bleibt abzuwarten, ob auch die großen Anbieter auf den Zug aufspringen.

 

Eine weitere Hürde ist vor einer erfolgreichen Umsetzung noch zu nehmen mit der aus Wirtschaftlichkeitsaspekten benötigten Vorvertragsquote von 40%. Die Deutsche Glasfaser plant hierfür eine breite Informations- und PR-Aktivität, aber ohne eine aktive Rolle von Kreis und Kommunen kann dies nicht gelingen. Durch die Bürgermeister ist eine weitgehende Unterstützung zu erwarten, da sie die Bedeutung einer nachhaltigen Breitbandinfrastruktur als Standortvorteil für ihre Kommunen erkannt haben. Der Beitrag von Herrn Fiedler, dem Bürgermeister von Geilenkirchen, zeigt die ersten Schritte hierfür:

http://buergermeister-geilenkirchen.blogspot.de/2012/09/was-lange-wahrt-wird-endlich-gut.html

 

Der Ausbau des Netzes wird aus Kapazitätsgründen in Schritten erfolgen. Erste Ausbaugebiete in Form von einzelnen Ortsteilen wurden bereits identifiziert (zu finden auf der Hompage der Deutschen Glasfaser HS). Zeitgleich werden regionale Unternehmen und Organisationen gesucht, die (ganz nach holländischem Vorbild) als Dienstebetreiber eine zusätzliche Differenzierung im Wettbewerb ermöglichen. Für regionale Breitbanddienste gibt es viele Möglichkeiten aus den Bereich Medizin, Bildung und Fortbildung, Sport und Kultur, aber auch durchaus rein kommerzielle Anwendungen (z.B. im Bereich Home-Automation, Energiesteuerung oder Cloud-Computing). Somit kann das Projekt nach dem Ausbau der Infrastruktur auch für die Weiterentwicklung zur Smart City oder zu mehreren Smart Cities im Kreis Heinsberg beitragen.

 

Die weitere Entwicklung desd Vorhabens bleibt abzuwarten, aber wenn dieses "Experiment" gelingt, bildet es eine geeignete Blaupause für weitere kreisweite Glasfaser-Projekte - und vielleicht können auch andere Investoren für NGA-Vorhaben gewonnen werden, die bislang mit Gewerbeimmobilien Geld verdient haben. Mit dem Vorhaben kann laut Dr. Kaack auf jeden Fall das immer wieder zu hörende Vorurteil: "Glasfasernetze kann man nur in Ballungsgebieten wirtschaftlich betreiben", ad acta gelegt werden Er hat auch in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass Glasfasernetze gerade für den Ausbau in ländlichen Regionen geeignet sind, da keine aktiven Netzkomponenten zwischen Knoiten und Hausanschluss benötigt werden und die Streckenlänge keine Rolle spielt.


Viele Kreise sind in ihren Überlegungen noch nicht bei NGA-Plänen "angekommen" und stecken tief in Fragestrellungen zur Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s. Auch für diese noch passsiven Kreise sieht Dr. Kaack das Vorgehen im Kreis Heinsberg als Beispiel - einerlei ob das Vorhaben im ersten Anlauf erfolgreich wird oder erst nach einigen Anpassungen. Es werden aber wohl selbst bei weiterer Multiplikationswirkung durch den Kreis Heinsberg immer noch etliche Regionen imländlichen Raum übrigbleiben, in denen kein Stadtwerk oder Energieversorger den Netzausbau übernimmt und auch kein privater Investor gefunden werden kann. Diese Regionen sind neben eigener Aktivitäten auf tatkräftige Unterstützung des Bundes oder der Länder angewiesen! 

 

Jürgen Kaack 30.09.2012, 15.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, Smart-City, FttH, FttB, VDSL,

Ergebnisbericht zum Innovationsvorhaben T-City

Ergebnisbericht zum Breitband-Innovationsprojekt T-City mit interessanten Einblicken in das Projekt und seine Ergebnisse. Als Projektleiter für die Stadt Friedrichshafen durfte ich zwei Jahre lang Strukturen schaffen und 33 Innovations-Projekte für die verschiedenen Bereiche einer "Smart-City" mit auf den Weg bringen.

Meine Bewertung und Schlussfolgerungen zu Erfolgsfaktoren für ein Smart-City Projekt nach zwei Jahren Projektleitung sind in dem Buch enthalten. Es gibt einige Ansatzpunkte, die man bei zukünftigen Projekten anders gestalten sollte. Aber zur Entwicklung von Breitband-Anwendungen gibt es keine Alternative zu Kooperationen der beteiligten Parteien.

Jürgen Kaack 17.06.2012, 12.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, eLearning, eParticipation, eHealth, eGovernment, Kabelnetze, VDSL, FttB, FttH,

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