STZ - Consulting Group

TAL-Preise und Breitband-Ausbau?

Der Breitband-Ausbau in Deutschland kommt eher schleppend voran - insbesondere im ländlichen Raum! Auch der Abfluss der auch in diesem Jahr wieder bereit gestellten  Mio 16,7 € ist langsam. Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen, über die ich schon verschiedentlich geschrieben habe.

Die jetzt als "Beschleunigungs"-Maßnahme in die Diskussion gebrachte Erhöhung der TAL-Preise (Teilnehmer-Anschluss-Leitung) zugunsten der Deutschen Telekom ist aus verschiedener Sicht unsinnig und bringt für den Netzausbau kaum etwas.

Zum einen haben wir in Deutschland (und auch in Europa) die Entscheidung getroffen, Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt zu schaffen. Gegen die starke Stellung der ehemaligen Monopolisten haben die oft mittelständischen Wettbewerber nur bei einer asymmetrischen Regulierung eine Chance, die den Wettbewerbern Vorteile verschafft. Von daher gesehen macht die Entscheidung der Bundesnetzagentur vom letzten Frühjahr zur Senkung der TAL-Preise durchaus Sinn. Dies wieder ändern zu wollen, würde die Wettbewerbssituation schwächen.

Der Ausbau wird derzeit aus Sicht der Netzbetreiber am ehesten durch fehlende Investitionsmittel begrenzt. Selbst bei ausreichendem Kapital würde ein überproportional starker Infrastruktur-Ausbau die kurz- bis mittelfristige Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen. Auch bei Zahlung von öffentlichen Beihilfen  zur  Deckung von Wirtschaftlichkeitslücken bleiben noch erhebliche Investitionssummen durch die Netzbetreiber zu tragen. Da sich die einzelnen Ausbau-Vorhaben typischerweise erst nach drei bis fünf Jahren amortisieren, verschlechtert sich somit die kurzfristige Ergebnislage. Dies gilt auch für die Deutsche Telekom, die sich aus Sicht ihrer Aktionäre sicher nicht erlauben kann, schlechte Quartalsberichte vorzulegen.

So bleibt es für den Ausbau des Breitbandnetzes in der Fläche das Beste, auf möglichst viele Anbieter zu setzen - auch auf mittelständische Unternehmen -  und Kooperationen mit Kommunen und Kreisen zu nutzen. Ein Abbau von Bürokratie bei der Beantragung von Fördermitteln würde zusätzlich helfen.

 

Jürgen Kaack 07.02.2010, 16.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, Förderung, DSL,

Breitband-Ausbau aus Sicht der Kommunen

Viele Kommunen sind heute noch teilweise unversorgt mit Breitband-Zugängen zum Internet oder haben nur eine langsame Anbindung mit weniger als 1 Mbit/s und sind damit nach der Definition der EU unterversorgt. Dabei ist auch eine Versorgung mit 2 Mbit/s - der Minimalforderung bei Breitband-Förderprojekten - nicht wirklich begeisternd bei der Internetnutzung. 16 Mbit/s sind heute ein gängiger Standard, mit dem die meisten Anwendungen gut erledigt werden können - bis auf Fernsehen in guter Qualität und ein schneller Austausch von großen Datenmengen.

Obwohl der Breitband-Ausbau für die Netzbetreiber gängige Praxis ist, so sind die Rahmenbedingungen von Kommune zu Kommune etwas unterschiedlich. In vielen Kommunen fehlt es an Erfahrung mit Breitband-Themen. Dies ist ja auch durchaus kein Tagesgeschäft für eine Stadt- oder Kreisverwaltung.

Bei der Projektduchführung sind die engen Vorgaben der Förderrichtlinien ein zu halten und die tatsächliche Versorgungssituation zu erheben, eine Markterkundung bei den Netzbetreibern durchzuführen und die Bedarfssituation durch eine breite Befragungsaktion zu erheben. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, ist eine transparente, Technologie- und Anbieter-neutrale Ausschreibung vorzunehmen.

Für die Umsetzung des Breitband-Ausbaus gibt es unterschiedliche Technologien von Funk-Lösungen über den Ausbau des heutigen Netzes durch schnelle Anbindung der Kabelverzweiger bis zu Glasfaserlösungen bis zum Hausanschluss.

Eine Übersicht über die Randbedingungen, Technologien und Vorgehensweise beim Breitbandausbau informiert ein ausführlicher Text, den ich nach dne Erfahrungen bei verschiedenen Breitband-Projekten und Gesprächen mit Beteiligten bei Kommunen und Netzbetreibern erstellt habe. Der Text kann kostenlos heruntergeladen werden auf der Seite meines Blogs beim IKT.NRW-Clusters.

 

Jürgen Kaack 31.01.2010, 17.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation

Der Unsinn der 1 Mbit/s Grenze beim Breitband-Ausbau in der Fläche

Die Beantragung von Förderungmitteln für den Breitband-Ausbaus nach dem GAK-Programm ist nur dann erfolgversprechend, wenn derzeit im jeweiligen Ortsteil mehrheitlich eine Bandbreite von weniger als 1 Mbit/s verfügbar ist – und weitere Voraussetzungen erfüllt sind. Dann kann die Kommune im Rahmen einer Ausschreibung Angebote für einen Ausbau mit mindestens 2 Mbit/s einfordern. Nur wie weit kommt der Nutzer bei der heutigen multimedialen Aufbereitung vieler Internetseiten und bei der beruflichen Nutzung im Homeoffice mit 2 Mbit/s? Eine sinnvolle Nutzung des Internets erfordert eher 16 Mbit/s und in Ballungsgebieten sind folgerichtig bereits Anschlüsse mit 50 Mbit/s großräumig zu bekommen. Damit ist auch hochauflösendes Fernsehen über den Internet-Anschluss ohne Einschränkungen möglich.

 

Bei einem aktuellen Projekt des Breitband-Ausbaus in der Fläche wurde eine umfassende Befragung bei Bürgern und Unternehmern durchgeführt. Dabei musste ein Ortsteil mit weniger als 5.000 Einwohnern aufgeteilt werden in einen Teil mit einer „ausreichenden“ Versorgung von mehrheitlich mehr als 1 Mbit/s und einem mit durchschnittlich weniger als 1 Mbit/s unterversorgten Teil. Der Unterschied in der durchschnittlichen Bandbreite beträgt knapp 1 Mbit/s. Zwar lässt sich beim Grad der Unzufriedenheit noch ein Unterschied von über 15 % feststellen, der absolute Wert liegt aber bei fast 80 % und spricht nicht für allgemeine Zufriedenheit. Betrachtet man die Wechselbereitschaft, so ist der Unterschied mit unter 5 % deutlich kleiner.

 

Die Notwendigkeit der Unterteilung von einzelnen Ortschaften in Teile mit höherer und zu geringer Versorgung ist ein von der EU vorgegebener Bürokratismus, der nur schwer nachvollziehbar ist, am wenigsten für betroffene Bürger! Im Rahmen des beschriebenen Förderprojektes haben sich Einwohner eines anderen Ortsteils an die Stadtverwaltung gewendet, weil sie nicht berücksichtigt werden. Der Grund ist formal sehr einfach: nur ca. 7 % der Anschlüsse haben eine Bandbreite von weniger als 1 Mbit/s und so besteht keine Förderfähigkeit! Allerdings reicht die verfügbare Bandbreite in diesem Ortsteil nur bis 3 Mbit/s, nach Brüsseler Rahmenbedingungen aber im Sinne der Daseinsvorsorge völlig ausreichend! Wen stört es dabei außerhalb der Kommune, dass Bürger nicht in diesen Ortsteil neu zuziehen oder die Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes nicht möglich ist?

 

Nicht nur Einwohner betroffener Ortschaften können diese Regelungen nicht nachvollziehen, sie schaffen auch keine nachhaltige Zukunftssicherheit. Erfolgt mithilfe von Fördermitteln und nach Durchlaufen eines aufwändigen Projektes ein Ausbau mit 2 Mbit/s oder vielleicht sogar mit 6 Mbit/s, so kann man sicher sein, dass nach einigen Jahren wieder Unzufriedenheit bei privaten und gewerblichen Internetnutzern aufkommen wird! Wie der Weg zu den von der Bundesregierung im Jahr 2009 proklamierten ziel von 50 Mbit/s für 75 % der Haushalte in 2014 aussehen soll, bleibt völlig im Dunkeln. Die Netzbetreiber und Kommunen werden es schon irgendwie einrichten …

 

Es lässt sich unschwer prognostizieren, dass das für 2010 gesetzte Ziel der Schließung aller weißen Flecken nicht erreicht wird. Vorsorglich hat man das GAK-Förderprogramm schon mal bis 2013 verlängert. In den Ballungsgebieten wird eine Versorgung mit mindestens 50 Mbit/s sicher erreicht werden und schon heute finden sich entsprechende Angebote überwiegend auf der Basis von Fiber-to-the-Curb Konzepten (z.B. mittels VDSL) oder über einen Ausbau der Kabelnetze. Vereinzelt wird auch der Fiber-to-the-Home Ansatz realisiert. Aber wie sieht die übergreifende Strategie für den ländlichen Raum aus, der wie das Beispiel von Kaarst oder Bad Homburg beweist, ja schon dicht an den Grenzen der Ballungsgebiete beginnt?

 

Jürgen Kaack 30.01.2010, 14.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, DSL, Förderung, GAK, VDSL,

Weihnachtsgrüße

Liebe Leser meines Blogs,

das Jahr 2009 geht so langsam wieder zu Ende und hat für manche Veränderungen gesorgt. Die Wirtschaftskrise hat manche Unternehmen betroffen, Umsätze einbrechen lassen sowie zu teilweise massiver Kurzarbeit geführt  und auch die Haushalte vieler Kommunen gebeutelt. Die Telekommunikationsbranche ist dabei durch ihre querschnittliche Nutzung in allen Branchen und im privaten Umfeld weniger von der Krise betroffen als die meisten anderen Branchen. Dabei verändert sich auch die Telekommunikations-Industrie laufend und für einige Anbieter durchaus auch in dramatischer Weise. Dies betrift sowohl das Diensteangebot als auch die Anbieter als Unternehmen.

Es zeichnet sich für mich ab, dass sich die bislang geschlossenen, vertikal integrierten Geschäftsmodelle öffnen zu Open-Access Strukturen. In den vergangenen Jahren war ja eigentlich nur die Wertschöpfungsstufe des Vertriebs mit Vermarktung und Kundenbetreuung für andere Anbieter offen. Mit steigender Bandbreite in den Netzen steigen die Investitionskosten und die Notwendigkeit Infrastrukturen mehrfach zu nutzen. Gleichzeitig sollten sich unter diesen Bedingungen neue Geschäftsmöglichkeiten auch für mittelständische Anbieter von Diensten ergeben.

Der Markt ist somit nicht nur in ständiger Veränderung, sondern bleibt weiter gestaltbar und spannend! Interessant wird eine Industrie nicht nur durch die Änderungen der technischen Grundlagen und der Angebote, sondern insbesondere durch die Menschen, die sie schaffen, gestalten und verändern.

Ich möchte allen Lesern frohe und erholsame Feiertage wünschen und einen guten Start in ein hoffentlich erfolgreiches neues Jahr, in dem sowohl berufliche als auch private Wünsche und Belange zu ihrem Recht kommen!

Beste Grüße

Jürgen Kaack

Jürgen Kaack 23.12.2009, 18.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Allgemeines

Verwaltung hat Telekommunikations-Experten beaiftragt

Auszug aus der Pressemitteilung der Stadt Erftstadt vom 10.12.2009:

"... Daher ist es umso ärgerlicher, dass etwa 3.000 Haushalte in Erftstadt nur mit einer langsamen Internetverbindung versorgt sind. Nach den Erkenntnissen der Verwaltung sind die Einwohner von Erp, Friesheim, Gymnich und Teile von Bliesheim hiervon betroffen. Für Bürgermeister Dr. Franz-Georg Rips ist dieser Zustand nicht länger akzeptabel: Eine Breitbandanbindung mit mindestens 1 Mbit/s im ganzen Stadtgebiet gehört für uns zur Daseins-Vorsorge und zur Wirtschaftsförderung.

Da es unterschiedliche technische Möglichkeiten zur Umsetzung gibt, der Weg zu einer Verbesserung der Breitbandanbindung teuer und die Beantragung von Fördermitteln des Landes kompliziert ist, hat sich der Rat der Stadt Erftstadt entschlossen, fachliche Unterstützung einzuholen. Der in Erftstadt ansässige Telekommunikations-Experte Dr, Jürgen Kaack, Leiter der STZ-Consulting Group, wurde Mitte November beauftragt, die Stadt in diesem Punkt beratend zu unterstützen. Dr. Kaack ist seit über 25 Jahren im Telekommunikationsmarkt tätig und kennt die Probleme mich schlechter Internetversorgung und zeigt Lösungswege auf.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Erftstadt wurden die ersten Schritte bereits unternommen und eine Markterkundung bei den im Stadtgebiet tätigen Netzbertreibern eingeleitet. Es zeichnet sich ab, dass kein Unternehmen einen Ausbau ohne öffentliche Beihilfe vornehmen will. Daher wird für Anfang nächsten Jahres ein öffentliches Ausschreibungsverfahren vorbereitet, ..."

Die vollständifge Pressemitteilung findet sich auf der Seite des Stadtportals.


Jürgen Kaack 23.12.2009, 10.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Förderung, DSL, Glasfaser, Funk,

Die Voraussetzungen für den Glasfaserausbau sind vorhanden

Zur Abgrenzung von Risiken können eigenständige Projekt- oder Infrastrukturgesellschaften für die passiven Breitband-Netze sinnvoll sein. Dabei bieten Private-Public-Partnership (PPP) Modelle die Chance, unterschiedliche Stärken zu verbinden. Dabei ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Betreibergesellschaft nur die Leerrohr-Infrastruktur baut und unterhält, oder ob auch Glasfaser eingezogen und in einem weiteren Schritt der Wertschöpfung auch „beleuchtet“ werden. Dies hängt zum einen von den vorhandenen Kompetenzen ab und ist zum anderen eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

 

Ein noch zu lösendes Problem liegt in der Gestaltung von einheitlichen Schnittstellen für die unterschiedlichen Protokolle von Diensten und Inhalten. Nur mit solchen technischen Standards kann die gemeinsame Glasfaser-Leitung auch tatsächlich in den Haushalten und Unternehmen für die unterschiedlichen Dienste und Inhalte genutzt werden! Weitere Fragen für solche offenen Strukturen sind im Zusammenhang mit Kundenbetreuung, Rechnungsstellung, Datenschutz etc. zu klären. Es muss verhindert werden, dass Anbieter mit ihren Lösungen willentlich oder unwillkürlich andere Anwendungen stören oder Netze lahmlegen. So stellt sich die Frage, ob es eine Zertifizierung oder Zulassung von Anbietern geben soll. Auch der Aspekt der Kundenbeziehung und die in der Telekommunikation immer wieder gerne diskutierte Frage der „Customer-Ownership“ bedürfen einer neuen Definition. Es wird auf dem Weg zu einer flächendeckenden Glasfaser-Infrastruktur nicht ohne eine Koordination durch eine staatliche Institution wie ein Breitband (BBCC) oder IKT-Kompetenzzentrum funktionieren. Andernfalls wird es wesentlich länger dauern und es wird viel Doppelarbeit geben, da immer wieder ähnliche Modelle aufs Neue erprobt oder verworfen werden müssen. Ländliche Regionen, die auch schon mal an den Grenzen der Ballungsgebiete anfangen, könnten ohne staatliche Koordination das Nachsehen haben und länger von einem Glasfaserausbau abgeschnitten bleiben.

 

Die wichtigen Bausteine auf dem Weg zu einem zukunftssicheren Breitbandnetz entlang der Wertschöpfungskette sind heute bereits vorhanden:

  • Hersteller von Übertragungstechnik, Glasfasern und Infrastrukturkomponenten sind vorhanden und verfügen über erforderliche Systeme
  • Regionale Betreiber- oder Projektgesellschaften für die passive Infrastruktur (Leerrohr-System) können gemeinsam mit Kommunen, Stadtwerken, Versorgern und anderen Institutionen gebildet werden
  • ·Betreiber-Gesellschaften für offene Netzplattformen, die die Übertragung über die regionalen Netze ermöglichen und Anbietern von Telekommunikations-Diensten, Anwendungen und Inhalten den Zugang ermöglichen können unter Einbeziehung von bestehenden Netzbetreibern gebildet werden
  • Angebote von Diensten und Inhalten sind bereits heute vorhanden (z.B. von den Netzbetreibern, Kabelfernsehgesellschaften und Medienanbietern) und werden sich bei Vorhandensein offener Plattform schnell erweitern um neue mittelständische Unternehmen
  • Vermarktung und Kundenbetreuung wird bereits heute durch unterschiedliche Unternehmenstypen (Netzbetreiber, ISP, Kabelnetzbetreiiber, Diensteanbieter, Reseller, MVNO etc.) realisiert
  • Kundengeräte (Router, Antennen, Settop-Boxen etc.) werden auf bei neuen Übertragungstechniken benötigt. Bei wachsendem Markt und einer Standardisierung ist hier nicht mit Engpässen zu rechnen. Vermutlich werden auch zukünftig Produktbündel bei längeren Vetragslaufzeiten preisreduziert angeboten

 

Der größte Schritt auf dem Wege zu einer Breitband-Infrastruktur liegt nicht in der Schaffung der „neuen“ Wertschöpfungsstufe der regionalen Betreibergesellschaften für passive Leerrohr-Netze, sondern in der Öffnung der bislang weitgehend geschlossenen vertikalen Geschäftsmodelle hin zu offenen Strukturen mit Schnittstellen und Standards für die Anbindung von Angeboten dritter Anbieter.

Jürgen Kaack 21.12.2009, 09.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfasr, Kooperationen, Private-Public-Partnership, FttH, FttB,

Horizontal kooperieren statt vertikal integrieren!

Mit der Trennung von Übertragungsleistung und Diensten bzw. Inhalten  in Telekommunikationsnetzen entstehen "Open-Access"-Netze, die ihren Namen wirklich verdienen und für neuen Wettbewerb bei Diensten und Inhalten sorgen werden. Je nachdem, wer den Glasfaser-Anschluss für die Übertragung realisiert, kann auch selber eigene Dienste und Inhalte im Wettbewerb anbieten. Die heutige Struktur im Telekommunikations-Markt kennt neben den auf Vermarktung spezialisierten Resellern in erster Linie vertikal integrierte Anbieter, die ihre Netze nur in Ausnahmefällen für andere Anbieter öffnen. So kann man sich heute nur schwer vorstellen, dass ein Kabelnetzbetreiber Sprachdienste der Deutsche Telekom oder von Vodafone anbietet. Umgekehrt ermöglicht die Deutsche Telekom derzeit keine Kabelfernseh-Angebote über ihr VDSL-Netz. Bei einem vergleichbaren Angebot ist das sicher heute zu verschmerzen. Aber in Verbindung mit zukünftigen Angeboten für Bildung, Telemedizin, Smart-Grid, häusliche Pflege, Hausautomation und weitere innovative Anwendungen der nächsten Jahre kann das geschlossene, vertikal integrierte Geschäftsmodell der heutigen Anbieter äußerst hinderlich und kontraproduktiv sein.

Für den Aufbau der zukunftssicheren Glasfasernetze im Anschluss-Bereich kommen sicher auch die heutigen Netzbetreiber selber in Betracht, obwohl das Volumen der Investitionen in passive Netze und die Abschreibungszeiträume die derzeit zu beobachtende bremsende Wirkung auf den Breitband-Ausbau zeigen. Auf der Netzbetreiber-Seite ist heute insbesondere NetCologne auf den Zug der Glasfaser-Versorgung mit Verlegung eigener Fasern bis zum Haus aufgesprungen. In anderen Pilot-Städten wie Coburg, Gelsenkirchen oder Schwerte erfolgt der Ausbau durch kommunale Organisation, z.B. die Stadtwerke. Ähnlich wie der Ausbau der VDSL-Netze wird es für die Netzbetreiber auch beim Ausbau der Glasfaser-Netze bei der Fokussierung auf Ballungsgebiete bleiben. Kleinstädte und der ländliche Raum dürfen aber bei der Glasfaser-Versorgung nicht abgehängt werden.

Für den weiteren Ausbau der Netze ist es naheliegend und konsequent, dass Stadtwerke (oder Versorgungsunternehmen) neben den Hausanschlüssen für Wasser, Strom, Gas und Abwasser auch die Anbindung an ein passives Breitband-Netz schaffen und betreuen. Die Abschreibungszeiträume sind für diese Infrastrukturen gleich lang und die Verlegekosten vergleichbar hoch.

 

Ein weiterer Aspekt spricht für ein solches Szenario: Straßen werden durchschnittlich alle 10 bis 15 Jahre einmal geöffnet. Wenn eine Kommune heute einen „Masterplan“ erstellt für den Aufbau eines Leerrohr-Netzes, dann können die so oder so anfallenden Tiefbauarbeiten genutzt werden, um an geeigneter Stelle und in passender Tiefe Leerrohre im Beilauf mit zu verlegen. Dabei ist der eigentliche Hausanschluss allerdings immer noch ein offener Punkt, da entweder an jedem Grundstück ein Schacht und eine Muffe im Leerrohr gesetzt werden muss oder Minipipes von wenigen geeigneten Punkten in der Straße über einen längeren Abschnitt nachträglich verlegt werden müssen. Auf jeden Fall wird bei entsprechender Vorplanung der Aufbau eines Glasfasernetzes (zunächst als Fiber-to-the-Building) wesentlich weniger kostenintensiv als eine Verlegung mit gesonderter Tiefbau-Verlegung. Um dies Wirklichkeit werden zu lassen, muss aber jetzt mit den Planungen und der Verlegung begonnen werden.

 

Auf diesem Wege wird der Anschluss mit Glasfaser vermutlich bereits für 500 Euro zu realisieren sein. Wird dann jeder dritte Haushalt tatsächlich angeschlossen, ergibt sich ein (ohne Zins und Zinseszins) ermittelter Break-even schon unter 15 Jahren! So lässt sich ein organisch wachsender Glasfaserausbau in Deutschland ohne öffentliche Mittel in Höhe von 100 Mrd. Euro finanzieren. Dabei können Fördermittel – oder Bürgschaften für regionale Betreibergesellschaften helfen, um entsprechende Projekte in Gang zu bringen.


 

Jürgen Kaack 18.12.2009, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, FttH, FttB, digitale Spaltung, Open Access,

Investitionsaufwand für Glasfasernetze erfordert neue Geschäftsmodelle

Auf längere Sicht und zur Erreichung von Bandbreiten oberhalb von 100 Mbit/s führt eigentlich nichts an einer durchgängigen Glasfaser-Anbindung bis zum Hausanschluss vorbei. Gerade die „letzte Meile“ vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss erfordert allerdings in der Mehrzahl aller Fälle Tiefbaumaßnahmen. In der Regel haben die Kommunen keine eigenen Leerrohre in den Straßen verlegt, die zum Einziehen von Glasfasern genutzt werden könnten. Selbst vorhandene Leerrohre können nicht in jedem Fall genutzt werden, da Glasfaser nur in Netzen mit stumpfem Winkel und mit geeigneter Wandstruktur mit Druck in ein vorhandenes Leerrohr eingeblasen werden können.

 

Wenn Leerrohre neu in allen Straßen verlegt werden müssen, fallen erhebliche Kosten an. Je nach Verlegetechnik (Aufgraben Saug-Spül-Tecnik, Durchschiessen) ist mit Kosten in Höhe von 80 bis 120 Euro pro Meter zu kalkuliert. Die Kosten für die Leerrohre selber (unter 5 Euro pro Meter) und das Setzen von Schächten fallen dabei kaum zusätzlich ins Gewicht. Von den Leerrohren in der Straße bis zum Haus können fallweise Mini-Pipes ohne eine Öffnung der Oberfläche durchgeschossen werden. Für den einzelnen Hausanschluss auf der Basis von Leerrohren kann bei einer unabhängigen Verlegung ohne Kostenteilung mit Kosten in Höhe von 1.000 bis 1.600 Euro gerechnet werden. Dabei sind die Kosten der eigentlichen Übertragungstechnik und der Hausanschluss sowie die ggfs. Erforderlich Inhouse-Verkabelung noch nicht enthalten. Für den Bau eines neuen flächendeckenden Glasfasernetzes bis in jeden Haushalt dürften Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Euro anfallen.

Für die Netzbetreiber sind auch Teilbeträge solcher Vorlauf-Investitionen in der Regel zu hoch, um den Renditewünschen der Gesellschafter und Aktionäre Genüge zu tun. Infrastruktur-Vorhaben rechnen sich in den allermeisten Fällen erst bei einer 20-jährigen Abschreibungsfrist, wie sie auch bei öffentlichen Infrastrukturen wie Straßen und Schienen üblich ist. Mit den in der Telekommunikation an zu treffenden drei bis sieben Jahren für die Abschreibung von Netzinfrastrukturen ist eine Rendite nur in Ausnahmefällen (z.B. in Ballungsgebieten) über einen kürzeren Zeitraum zu erzielen. Einige Netzbetreiber gehen von einer Größenordnung von 15 % der Haushalte im Versorgungsgebiet aus, die unter derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich mit Glasfaser ausgebaut werden können. Daher sind die Netzbetreiber immer noch sehr zurückhaltend beim Glasfaser-Ausbau bis zum Hausanschluss. In anderen Ländern, die in der Glasfaser-Durchdringung deutlich vor Deutschland rangieren, hat meist der Staat den Ausbau entweder als Infrastruktur-Maßnahme subventioniert oder er ist selber Betreiber der Telekommunikationsnetze. Hier sind die bestehenden, alten Netzinfrastrukturen allerdings oft in einem solchen Zustand, dass ein Ausbau mit VDSL überhaupt nicht in Betracht kommt.

 

Die Rahmenbedingungen für die Glasfaser-Verlegung machen neue Geschäftsmodelle erforderlich, um den Ausbau zu beschleunigen und in die Fläche zu bringen. Eine Trennung von Netz- und Dienste-Ebene war in einem bis 1998 auf Telefonie ausgelegten Netz nicht sinnvoll. Für ein Breitband-Netz schafft dies neue Ansätze bei Kooperationen und Geschäftsmodellen gemeinsam mit neuen Partnern. Es wird in Zukunft alleine aus wirtschafltichen Gründen nicht möglich sein, mehrere Glasfaser-Trassen unabhängig voneinander zu einem Haushalt zu führen. Von der verfügbaren Bandbreite ist das auch nicht erforderlich, können doch selbst GBit/s über eine Faser übertragen werden. Schnelle Datenübertragung, Sprache und Fernsehen in hochauflösender (HD)-Qualität können über ein und dieselbe Glasfaser zugeführt werden. Wenn es genau wie es nur einen Wasseranschluss zum Haushalt und nur eine Gasleitung zukünftig auch nur eine Glasfaserleitung, muss von vorneherein verhindert werden, dass ein solches, regionales Monopol Einschränkungen in der Wahl der Dienste und Inhalte bedingt.

 

So ist es ein realistisches Szenario, dass ein Infrastruktur-Anbieter den Anschluss realisiert und hierfür einen zu erwartenden Monatsbetrag in Höhe von 10 Euro beim Anschluss-Inhaber berechnet. Dann können Telefonie, Internet und Fernsehen – aber auch professionelle Lösungen in Verbindung mit Cloud-Computing Anwendungen auf Wunsch von unterschiedlichen Dienste- und Inhalte-Anbietern gebucht werden. Selbst bei diesen Marktgegebenheiten wird es immer noch eine erhebliche Zahl von Nutzern geben, die lieber ein Komplettangebot aus einer Hand und mit einer Rechnung haben, und auch hierfür kann es in diesem Szenario weiter Anbieter geben.

Jürgen Kaack 17.12.2009, 10.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, FttH, FttB,

Die Zukunft der Telekommunikation ist "gläsern"

Breitband ist in aller Munde und viele Kommunal-Verwaltungen werden von unzufriedenen Bürgern und Unternehmern aufgefordert, sich für höhere Bandbreiten ein zu setzen. Einige Treiber der Internetnutzung aus dem Web2.0 Umfeld erfreuen sich gerade mal seit 5 Jahren breiterer Marktpräsenz. Social Networks wie MySpace, Facebook, Schüler- und StudiVZ, Xing, LinkedIN und eine wachsende Schar weiterer Netze verführen zu intensiver Nutzung. Das Viedoportal YoutUbe ist auch nicht älter, sorgt aber bereits für über 10 % des Internet-Datenverkehrs. Demnächst kommt zu dem bisherigen schmalbandigen Film-Upload auch ein breitbandiges, höherauflösendes Angebot hinzu. Neben dem Video-Portal gibt es Portale für Digitalphotos (Flikr), Musiktauschbörsen, Auktionsportale und Online-Shops für laufend steigende Internet-Nutzung. Neben diesen eher privaten Anwendungen steigen durch die Veränderungen im Berufsumfeld (z.B. durch eine zunehmende Anzahl von Heimarbeitsplätzen, die über ein VPN mit dem Firmenrechner verbunden sind) für steigende Datenmenge. Anwendungen aus dem Bereich des Cloud-Computing mit verteilten Rechenzentren werden in absehbarer Zeit hinzukommen und den Ruf nach mehr Breitband weiter verstärken!

Derzeit gilt jede durchschnittlich mit 1 Mbit/s ausgestattete Kommune als Breitband-versorgt. Noch vor wenigen Jahren galten schon Anschlüsse mit 128 kbit/s als schnell. Tatsächlich stösst man heute sowohl im privaten wie im beruflichen Umfeld mit 1 Mbit/s-Anschlüssen schnell an Grenzen. Dabei ist oft nicht der Download das eigentliche Problem, sondern der Upload. Wer häufiger große Dateien bei einer Upload-Geschwindigkeit von 128 Kbit/s verschickt, kennt die damit verbundenen Wartezeiten. Für viele Nutzer ist heute 16 Mbit/s eine durchaus auskömmliche Geschwindigkeit. Bedingt durch die oben erwähnten Anwendungstrends werden sich in den nächsten Jahren die Erwartungen und Grenzen weiter verschieben. 100 Mbit/s sind dabei vermutlich keine längerfristige Grenze.

Ein leistungsfähiges und zukunftssicheres Breitbandnetz ist ohne Glasfaser kaum vorstellbar. Kupferkabel dämpfen digital übertragene Signale bei zunehmender Entfernung vom letzten Netzknoten stark. Bis 300 Meter sind immerhin 50 Mbit/s mit VDSL  als Übertragungstechnik zu erreichen. Nach 3 Kilometer reduziert sich dies auf bescheidene 1 bis 2 Mbit/s. Mit Mobilunk (HSDPA; HSUPA) sind bei kleinen Zelldurchmessern (unter einem Kilometer) derzeit auch schon 7,2 Mbit/s zu erreichen. Anschlüsse mit Technologien, die auf lizenzfreiem Funk im 5 GHz Frequenz-Band basieren, sind bis zu nutzbaren 30 Mbit/s möglich. Anders als leitungsgebundene Infrastrukturen unterliegen alle Funklösungen Begrenzungen im Frequenzspektrum. Daher kann auch bei optimalen Übertragungsbedingungen nicht der derzeit stark steigende Bandbreiten-Bedarf für die Übertragung von Daten mit Funk erfolgen. Im Hinblick auf die erzielbare Bandbreite liegen Funklösungen typischerweise um eine Größenordnung hinter leitungsgebundenen Übertragungstechnologien zurück und sind in vielen Fällen bei gleichen Bandbreiten und Datenvolumina teuerer als diese. Im übrigen basieren Funklösungen für die Zu- und Abführung des Datenstroms oft selbver auf einem leistungsfähigen Glasfasernetz.

Nahezu unbegrenzte Bandbreite und eine fast ungedämpfte Übertragung ist nur mit einer durchgängigen Glasfaser-Verbindung bis zum Hausanschluss möglich. Schon heute erfolgt die Übertragung in den nationalen und internationalen Backbone-Netzen mittels Glasfaser. In den internationalen und nationalen Backbonenetzen sind Glasfaser-Leitungen schon seit Jahren selbstverständlich. Im Mobilfunk werden die bislang häufig an zu treffenden Richtfunkstrecken zunehmend durch Glasfaser ersetzt, da durch die mobile Internetnutzung das übertragene Datenvolumen erheblich steigt. Auch große Unternehmen haben ihre Standorte schon in wesentlichen Teilen mit Glasfaser vernetzt. Die derzeit in vielen Kommunen zu beobachtende unzureichende Breitband-Versorgung ist in den meisten Fällen auf lange Kupferleitungen zwischen den Hauptverteilern und den Kabelverzweigern in den Ortsteilen zurück zu führen. Die Kabelverzweiger sind die letzte aktive Netzkomponente vor dem Hausanschluss. Eine Verbesserung in der Breitbandversorgung bedarf meist die Verlegung von Glasfaser-Leitungen von den Netzknoten bis zu den einzelnen Kabelverzweigern in den Ortschaften als Ersatz der heutigen Kupferkabel. Für eine nach heutigen Bedürfnissen ausreichende Breitbandversorgung mit 16, 25 oder auch 50 Mbit/s kann die bestehende Kupfer-Doppelader zunächst weiter genutzt werden.


Die Verlegung von Glasfasern bis zu den Kabelverzweigern wird als „Fiber-to-the-Curb“ bezeichnet und stellt den ersten – oft auch kurzfristig zu realisierenden Ausbau des Glasfasernetzes dar. Die Erweiterung der Glasfaser bis zum Haus („Fiber-to-the-Building“) oder auch bis in den einzelnen Haushalt („Fiber-to-theHome“) ist der zweite und erheblich aufwändigere Schritt. Neben dem Ersatz des teuren Kupfers durch die unbegrenzt verfügbare Glasfaser sind in einem Glasfasernetz kaum weitere aktive Komponenten erforderlich. Die Vielzahl von Kabelverzweigern (etwa ein Kabelverzweiger je 200 Haushalte) kann damit entfallen. Dies reduziert den Serviceaufwand im Netz und den Stromverbrauch für die Signalverteilung.

 

Jürgen Kaack 16.12.2009, 08.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, FttH, FttB, DSL, VDSL, Funk,

Stau auf der Datenautobahn

Im WDR wurde gestern gegen 19:30 Uhr im Rahmen der Sendung "Westpol" ein Beitrag über den Breitband-Ausbau gesendet. Dabei wurde am Beispiel der Stadt Kaarst verdeutlicht, welche Probleme eine Stadt zu lösen hat, um zu Breitband zu kommen. Die unsinnige Festlegung, dass eine Förderung nur möglich ist, wenn die Gemeinde heute im Durchschnitt weniger als 1 MBit/s Bandbreite hat und in der sogenannten ländlichen Kulisse liegt. Für Kaarst und einige andere Städte trifft dies nicht zu, so dass auch keine Förderung verfügbar ist.

Ich werde in dem Beitrag mit Auszügen aus einem Interview für den WDR zitiert. Hierin fordere ich (wieder mal) die Entwicklung einer Strategie für die Erreichung der von der Bundesregierung gesetzten Breitbandziele 2014. Außerdem ist eine koordinierende Stelle beim Bundes-Wirtschaftsministerium erforderlich, um eine solche Strategie in der Fläche effizient um zu setzen.

Der Text des Beitrags findet sich in Kurzform unter diesem Link zu Westpol. Durch anklicken des webTV Symbols kann der Beitrag auch noch mal angesehen werden.

Jürgen Kaack 07.12.2009, 14.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Förderung, Glasfaser, FttH, DSL,

Erfolgreiche Bürgerinformationsveranstaltung

Im Stadtgebiet von Bad Homburg gibt es mit Ober-Erlenbach einen Stadtteil mit über 5.000 Einwohnern, der im Vergleich zum Rest der Stadt mit einer schwachen Bandbreite angebunden ist. Während in den anderen Stadtteilen mit über 6 MBit/s gesurft werden kann, stehen in Ober-Erlenbach nur 1 bis 2 MBit/s zur Verfügung. Die Ursache ist die Entfernung zum Hauptknoten mit 3 bis 5 km, so dass aufgrund der Dämpfung im Kupferkabel kaum mehr als 1 MBit/s ankommen kann.

Die von den Bürgern wahrgenommene schwache Versorgung ist allerdings ein wesentliches Hindernis für den Ausbau zu schnelleren Geschwindigkeiten. Mit durchschnittlich ber 1 MBit/s giltz Ober-Erlenbach nicht mehr als unterversorgt. Daher besteht für die Deutsche Telekom keine Verpflichtung zur Errichtung eines Schaltverteilers, der vor die im Ortsbereich vorhandenen elf Kabelverzweiger gesetzt wird und diese bündelt. Mit einem Schaltverteiler lässt sich ein Ausbau für einen alternativen Netzbetreiber mit Unterstützung durch die Stadt wirtschaftlich erschließen. Eine Anbindung aller elf Kabelverzweiger mit Glasfaser und der Ausbau der aktiven Übertragungstechnik ist selbst bei Unterstützung durch die Stadt bei Tiefbaumaßnahmen nicht wirtschaftlich zu gestalten.

So bleibt nur der Weg der weiteren Verhandlungen und die Prüfung einer Alternative mit Verlegung von Glasfaser bis zum Hausanschluss (FttH). Beide Ansätze sind teuer und zeitaufwendig. Daher kommen als Alternativen für die Überbrückungszeit der nächsten Jahre Funklösungen in Betracht die bis zu 10 MBit/s ermöglichen, allerdings brauchen sie eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger. Zwei Anbieter sind in der Lage kurzfristig eine Versorgung auf der Basis Lizenz-freien 5 GHz-Funks eine sichere Versorgung mit schnellen Internetzugängen zu ermöglichen.

Diese Zusammenhänge wurden am 03.12. in einer Bürgerinformations-Veranstaltung präsentiert und in einem vollen Saal rege diskutiert. Mancher Teilnehmer mag sich eine schnellere und einfachere Umsetzung erhofft haben, aber die Zusammenhänge sind doch nicht immer so einfach und mit den Funkangeboten sind immerhin schnell realisierbare Alternativen verfügbar, so dass ein akuter Bedarf befriedigt werden kann.

Jürgen Kaack 05.12.2009, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Breitband-Ausbau, FttH, Funklösung, Glasfaser,

Schnelles Internet für Bad Homburg

Im April hat die Bad Homburger Stadtverwaltung im Stadtteil Ober-Erlenbach eine Bedarfsumfrage zum Thema Breitband/schnelles Internet durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass hier eine deutlich schlechtere Breitbandversorgung als im übrigen Stadtgebiet gegeben ist. Die Stadt hat mit verschiedenen Unternehmen Kontakt aufgenommen und deren Konzepte geprüft.

Eine Verbesserung kann mit einer Verlegung von Glasfaser-Infrastruktur erzielt werden, die jedoch zum jetzigen Zeitpunkt von den Anbietern nicht vorgesehen sind. Die Stadt hält jedoch am Ausbau mit einer Glasfaser-Infrastruktur für die Zukunftssicherung fest und sucht mit den Anbietern nach alternativen Möglichkeiten.

Es gibt bereits technisch ausgereifte Überbrückungs-Lösungen für Ober-Erlenbach, die von den Haushalten kurzfristig genutzt werden können. Die Stadt möchte allen Ober-Erlenbacher Bürgern sowie Firmenvertreter und Gewerbetreibende am Donnerstag, 3. Dezember, 19 Uhr in der Erlenbachhalle, Raum Wingert I, in Ober-Erlenbach, die Perspektiven und die kurzfristigen Möglichkeiten erläutern.

Als Berater der Stadt habe ich die Gespräche mit Netzbetreibern vorbereitet und die Konzepte geprüft. Bei der Veranstaltung werde ich über den Stand berichten und kurzfristig verfügbare Alternativen vorstellen.

Jürgen Kaack 30.11.2009, 16.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Breitband-Ausbau, Funklösung, Glasfaser,

Breitband-Ausbau ist kein Selbstzweck - mit Breitband-Anwendungen zu Wettbewerbsvorteilen

Die Diskussion um den Ausbau von Breitband-Infrastruktur und die Beseitigung von weißen Flecken lässt manchnmal vergessen, dass es nicht um die Erfüllung eines "Breitband-Fetisches" geht, bei dem die Bandbreite immer schneller immer höher werden soll. Der Bedarf nach Bandbreiten ergibt sich aus der stetig steigenden Zahl von Internetnutzern, einer steigenden Nutzungsintensität und dem Aufkommen innovativer und mulitmedialer Dienste.

Großunternehmen nutzen die Vorteile von Breitband-Anwendungen schon lange und setzen auf eigene Datenkommunikationsnetze, mit denen Standorte und Geschäftspartner untereinander verbunden sind. Oft basieren diese Verbindungen bereits auf Glasfaser-Strecken, um so Datenmengen GB oder TB Volumina schnell und sicher zu transportieren. Eigene Corporate Networks sind nur in Ausnahmefällen auch für mittelständische Unternehmen rentabel oder auch nur erschwinglich. Für diese Zielgruppe ist eine gute Breitbandanwendung somit eine notwendige Voraussetzung, um von neuen Applikationen Gebrauch machen zu können.

Zu den Anwendungen, die für mittelständische Unternehmen Nutzen im Sinne einer Steigerung der Effizienz in den eigenen Geschäftsabläufen durch höhere Transparenz und bessere Steuerungsmöglichkeiten ermöglichen, eine Ausweitung des bedienten Marktes, der Einsparung von Kosten, aber auch die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle, gehören neben der mittlerweile allgemein akzeptierten Internet-Recherche und der Email-Nutzung:

  • Hosting von Webseiten
  • Nutzung von Web2.0 Diensten für die Kommunikation und Einbindung von Kunden
  • Sichere und regelmäßige Back-ups von Datenbeständen
  • Zentrale Sicherheitsfunktionen für Virenschutz etc.
  • Automatische Back-ups von Anwendungsprogrammen
  • Verlagerung des Netzwerkmanagements auf einen exterenen Dienstleister
  • Automatisierung von geeigneten Abläufen wie z.B. die Integration von papiergebundenen Dokumenten in den Workflow)
  • Auslagerung von Geschäftsprozessen an Dienstleister (Dokumenten-Management, Rechnungsstellung, Auftragserfassung,...)
  • Mobiliserung der Arbeitsplätze bei vollständiger Integration in die internen Prozesse, z.B. durch Heimarbeitsplatz-Lösungen und mobile Zugänge von fremden Computern
  • Verlagerung von Software-Anwendungen aus dem Desktop zu externen Rechenzentren
  • Einrichtung einer zentralen Arbeitsplatzadministration mit remote-Zugriff
  • Nutzung von modernen Kollaborationstechniken angefangen mit Telefonkonferenzen über Video- bis zu Webkonferenzen

Welche Anwendung für welches Unternehmen Vorteile schafft, muss der Unternehmer nach einer kritischen Analyse der bestehenden Geschäftsabläufe und der Möglichkeiten für Ausweitung und Wachstum entscheiden. Allerdings ist kein Unternehmen zu klein, um Nutzen aus Breitbandanwendungen zu ziehen. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich die Verfügbarkeit einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur.

Der Beitrag mit einer angefügten Präsentation zu Breitband-Anwendungen für Unternehmen findet sich auf Seite des IKT.NRW Clusters

Jürgen Kaack 11.11.2009, 10.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Innovation, Kooperationen, Geschäftsprozesse, Wachstum,

Organisation eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC)

Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, von Breitband-Kompetenzzentren. Es wäre naheliegend, ein bundesweit agierendes BBCC dem Bundes-Wirtschaftsministerium anzugliedern und in ein gemeinsames Netzwerk mit den in einigen Bundeländern eingerichteten Kompetenzzentren ein zubinden. Wenn ein bundesweit agierendes Breitband-Kompetenzzentrum eingerichtet wird, empfiehlt es sich, die Mitarbeiter sowohl mit in den Abläufen der Verwaltung und des Ministeriums vertrauten Managern als auch mit erfahrenen Telekommunikations-Experten zu besetzen, die die „Sprache“ der Anbieter sprechen und Konzepte technologisch und wirtschaftlich bewerten können.

Die Aufgaben eines BBCC sind sehr breit und daher werden für die Organisation Mitarbeiter benötigt, die die vorhandenen Förderprogramme und Förderbedingungen kennen, aber auch neue Programme mitgestalten und verhandeln können. Als Ansprechpartner für die Bundesnetzagentur werden Mitarbeiter mit juristischen Kenntnissen im Bereich der Telekommunikations-Regulierung benötigt. Ebenso werden aber auch Experten für die Beurteilung von Übertragungstechnologien und zur Diskussion von technischen Konzepten mit Anbietern und Netzbetreibern benötigt. Da alle Lösungen, sowohl im Hinblick auf Betreiber-Gesellschaften für Infrastruktur als auch für die Entwicklung von Breitband-Applikationen von dem erzielbaren wirtschaftlichen Nutzen geprägt sein sollten, werden Experten zur Beurteilung von Geschäftsplänen und zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsanalysen benötigt.

Alle Aufgaben zielen nicht auf akademischen Erkenntnisgewinn sondern auf pragmatische, im kommunalen Umfeld umsetzbare Lösungen. Die Mitarbeiter eines BBCC müssen daher nicht nur Experten in ihrem Bereich sein, sondern auch Generalisten mit der Fähigkeit zur verständlichen Kommunikation. In vielen Bereichen der praktischen Umsetzung werden Kompromisse mit Augenmaß vor der Realisierung theoretischer Ideale stehen, so dass Pragmatismus und Verhandlungsgeschick insbesondere die Arbeit vor Ort in Kreisen und Kommunen kennzeichnen sollte. Die Entwicklung von Modellprojekten erfordert einerseits die Offenheit und Unvoreingenommenheit für neue technische oder organisatorische Lösungen, andererseits den Weitblick zur Verallgemeinerung auf die Situation in anderen Kommunen.

Der Umgang mit Breitband-Strukturen und Anwendungen ist in vieler Hinsicht komplex, sei es von technologischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Seite. Einzelne Kommunen sind hierbei oftmals ebenso überfordert wie einzelne Anbieter. Die nachhaltige Konzeption für ein „Breitband-fähiges“ Deutschland braucht eine langfristige Perspektive über mehrere Jahrzehnte. Dabei gilt es nicht nur das „große“ Bild zu erstellen, sondern im Kleinen in den Kommunen zum Leben zu erwecken. Heutige Versäumnisse im Aufbau von Infrastrukturen rächen sich in der Zukunft entweder durch Nachteile in der Wettbewerbsfähigkeit oder in unverhältnismäßig hohen Investitionsaufwänden. Bei dem hohen Stellenwert, den die Telekommunikation im Ganzen und Breitband im Speziellen für die Entwicklung von Gesellschaft und Unternehmen einnimmt, ist die Einrichtung eines auf diese Belange ausgerichteten Breitband-Kompetenzzentrums die richtige Antwort.

Jürgen Kaack 04.11.2009, 11.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, BBCC, Innovation, Förderung, Private-Public-Partnership,

Modellprojekte zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen

Zu den Modellprojekten, die über ein Breitband-Kompetenzzentrum  (BBCC) entwickelt werden können, sollten nicht nur solche für den Ausbau der Infrastruktur für Breitbandnetze gehören, sondern auch zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen. Zwar wächst der Bedarf nach Bandbreite bedingt durch wachsende Nutzerzahlen und eine steigende Intensität in der Nutzung stetig weiter. Zusätzlicher Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft entsteht allerdings erst durch die Entwicklung und Einführung von Applikationen.

Dabei gibt es keinen gesellschaftlich oder wirtschaftlich relevanten Bereich, der nicht durch Breitband-Applikationen verbessert werden kann. Beispiele sind Bildungsplattformen für die schulische und berufliche Aus- und Weiterbildung, Telemedizin-Anwendungen, Lösungen für den Bereich der Pflege zuhause, Smart-Grid-Anwendungen für die Optimierung der Energieerzeugung und –Verteilung. Viele der möglichen Anwendungen kommen der Allgemeinheit zugute und sollten entsprechend gefördert werden. Rein privat-wirtschaftliche Lösungen entstehen dagegen in der Regel auch ohne die Förderung ein Kompetenzzentrum und brauchen keine Begleitung durch ein Bundes-BBCC. Anders sieht dies allerdings für solche Lösungen aus, die die Effizienz in der Verwaltung und das Zusammenwirken von Verwaltungen mit Bürgern  und Unternehmen betreffen. Die Entwicklung hierfür geeigneter eGovernment-Applikationen kann durchaus im Interesse der Allgemeinheit liegen und mittelfristig bei der Senkung der Kosten helfen.

Die Entwicklung von Applikationen wirft neben den rein technischen Herausforderungen und der Akzeptanz durch die Nutzer weitere Fragestellungen, die durch ein bundesweit agreierendes Kompetenz-Zentrum unterstützt werden könnten. Dies trifft die Aspekte der Rechteverwertung („Intellectual Property Rights“ – IPR), die gerade bei gemeinsamen Entwicklungsvorhaben mehrerer Partner gelegentlich zu wenig Beachtung finden, sich nach einer erfolgreichen Entwicklung aber als kritischer Erfolgsautor für die Umsetzung erweisen können. Dies trifft umso eher zu, wenn ungleiche Partner wie Konzerne und mittelständische Unternehmen zusammen wirken. Neben den IPR ist bereits früh bei der Planung von neuen Applikationen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Beiträge der Partner bewertet werden, gegebenenfalls Lücken identifiziert und die Wirtschaftlichkeit ermittelt wird. Die Entwicklung von Breitband-Applikationen sollte nicht von technischen Möglichkeiten ausgehen, sondern von einem konkreten Bedarf und einem quantifizierbaren Nutzen der potenziellen Käufer.

Als erfolgreich für die Entwicklung neuer Breitband-Anwendungen hat sich das PPP-Modell am Beispiel des T-City Projekts in Friedrichshafen erwiesen, wenn interessierte Anwender-Organisationen zusammen mit Herstellern Spezifikationen entwickeln und die Risiken der Umsetzung teilen. Breitband-Anwendungen sind grundsätzlich in allen Lebenslagen sinnvoll nutzbar. Die Wirtschaft hat die Vorteile schon längst erkannt und setzt eine Reihe von Breitband-Anwendungen erfolgreich um, z.B. für eCommerce und Kollaboration. Ähnlich wie beim Breitband-Ausbau sind die Investitionen oft zu hoch für einzelne Institutionen und die Technologie komplex, zusätzlich ist das Anfangsrisiko einer Neuentwicklung in der Regel hoch und der Aufbau von Pilotanwendungen aufwändig. Umso mehr bietet sich dieses Betätigungsfeld als eine weitere Aufgabe für ein Anbieter-neutrales Breitband-Kompetenzzentrum an.

Jürgen Kaack 02.11.2009, 20.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, BBCC, Beitband-Anwendungen, Innovation,

Fördermittel für Breitbandausbau fließen nur zögerlich ab

Jährlich stellt der Bund GAK (Gemeinschaftsaufgabe Entwicklung der Agrarstrukturen und Küstenschutz) Fördermittel für den Breitband-Ausbau in nicht oder unterversorgten ländlichen Gebieten (durchschnittlich weniger als 1Mbit/s) in Höhe von 16,7 Mio. Euro zur Verfügung. Die Förderbedingungen aus dem GAK-Programm sind allerdings eng und die Beantragung recht komplex, so dass nur wenige Kommunen Förderanträge ohne externe Hilfe erstellen können. Viele Kommunen stellen keinen Antrag, da maximal 2 MBit/s für den Ausbau in einer für den Förderantrag erforderlichen Technologie- und Anbieter-neutralen Ausschreibung gefordert werden dürfen. Da die Förderungen sich auf den ländlichen Raum beziehen, werden solche Kommunen nicht gefördert, die nicht zur ländlichen Kulisse zählen. Der Breitbandausbau für Gewerbegebiete ist ebenfalls eigentlich nicht vorgesehen. Aber wenn glücklicherweise ein an zu bindender landwirtschaftlicher Betrieb in der Nähe ist, kann ein Gewerbegebiet nebenbei auch mit erschlossen werden. Technologie- und Anbieter-Neutralität ist unter dem Gesichtspunkt des Wettbewerbs notwendig, aber ohne eine Perspektive auf eine Bandbreiten-Erhöhung auf mindestens 16, mittelfristig auch 50 MBit/s hilft dies nicht weiter zu einer zukunftssicheren Lösung.

 

Auch ohne diesen Aspekt stehen Aufwand und Förderung für viele Kommunen anscheinend nicht in einem vernünftigen Verhältnis, denn der Abfluss der Mittel erfolgt nur zögerlich. So sind im letzten Jahr kaum Fördermittel abgerufen worden und der Fördertopf ist in 2009 durch einen Übertrag aus dem Vorjahr um fast 100 % auf 32,9 Mio. Euro angewachsen. Das erinnert an den Jackpot beim Lotto. Auch in diesem Jahr werden die Fördermittel vermutlich wieder nicht ausgeschöpft und da die verbleibenden Mittel in das Jahr 2010 übertragen werden, steigt der Fördertopf vermutlich auch im Jahr 2010 weiter.

 

Auf der Basis dieser Erfahrungen ist für Ende 2009 eine Überarbeitung der Förderbedingungen geplant. Das Programm sollte eigentlich 2010 auslaufen und auch die Breitbandstrategie der Bundesregierung hat noch im Frühjahr 2009 die Schließung der letzten « weißen » Flecken für 2010 angekündigt. Da dieses Ziel nicht mit einer Umsetzungsstrategie untermauert wurde, ist abzusehen, dass auch Ende 2010 noch unterversorgte Regionen vorhanden sein werden. Die Überarbeitung des GAK-Programms sieht jetzt konsequenterweise eine Verlängerung der Förderung bis 2013 vor. Damit ist wohl auch klar, dass die Bundesregierung heute davon ausgeht, dass die letzten nach heutiger Definition unterversorgten Regionen erst 2013 ausgebaut werden sein. Wann wird dann wohl das Ziel für 2014 mit einer Versorgung von 75 % der Haushalte mit mindestens 50 MBit/s erreicht werden?

 

Eine Förderung mit öffentlichen Mittel ist grundsätzlich gut, wenn es ein Marktversagen gibt. Im Falle des Breitband-Ausbaus scheint es allerdings eher negativ gewirkt zu haben. Die Investitionen in den Infrastruktur-Aufbau sind durch die Förderung auf jeden Fall nicht gestiegen. Manche Netzbetreiber haben ihren Fokus auf erzielbare Fördermittel gelegt und es ist zu vermuten, dass die als Wirtschaftlichkeitslücken ausgewiesenen Beträge durch die Aussicht auf Förderung nicht kleiner geworden sind. Auf jeden Fall hat die Einführung der Förderung viele Entscheidungen zum Ausbau verschoben, so dass der Ausbau eher ins Stocken geraten ist. Da hilft es vermutlich auch wenig, wenn der maximale Förderbetrag ab Anfang 2010 von 200.000 auf 500.000 Euro erhöht wird. Bereits im Frühjahr haben viele Bundesländer die Förderbedingungen erweitert, so dass die Förderquote von 60 auf 90 % gestiegen ist. Auch können in der Regel mehr als eine Maßnahme in einer Kommune gefördert werden. Trotzdem hat sich bei Mittelabfluss nicht viel bewegt.

 

Damit die eigentlich unselige Förderung denn doch noch eine sinnvolle Verwendung findet, sollten zum einen die bürokratischen Hürden abgebaut werden. Die für den Förderantrag geforderte detaillierte Bedarfsanalyse wird weder von der Kommune noch von den Netzbetreibern benötigt und sollte stark vereinfacht werden. Eine Kommune sollte in der Ausschreibung höhere Bandbreiten fordern dürfen oder zumindest einen Migrationspfad zu den in der Breitbandstrategie der Bundesregierung geforderten 50 MBit/s bis 2014. Dann braucht sich die Kommune nicht in den nächsten Jahren wieder mit dem Thema befassen müssen. Die Technologie- und Anbieter-Neutralität sollte dagegen auf jeden Fall gewahrt bleiben, wenn wir den Wettbewerb erhalten wollen und auch mittelständische Anbieter eine Chance in dem Wachstumsmarkt erhalten.

 

Im Gegensatz zur kritischen Würdigung der allgemeinen Förderung eines Breitband-Ausbaus ist die Förderung der Verlegung von Leerrohren im Beilauf ausdrücklich zu begrüßen. Nur mit einer rechtzeitigen und planvollen, aber auch konsequenten Verlegung von Leerrohren sind wir in einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren in der Lage, ein Glasfasernetz unter wirtschaftlichen Bedingungen zu realisieren, das bis zum Hausanschluss reicht und dann 100 MBit/s und mehr für Haushalte und Unternehmen ermöglicht.

 

Eigen Artikel zu einer Veranstaltung des VATM zu diesem Thema vom 29.10.09 findet sich auf dem Portal von www.portel.de.

 

Jürgen Kaack 31.10.2009, 09.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Förderung, Breitband-Ausbau, FttH,

Die Bundesregierung braucht ein Breitband-Kompetenzzentrum im BMWi

Meine Begründung für die Einrichtung eines Breitband-Kompetenzzentrums des Bundes und die durch eine solche Institution zu erbringenden Kernaufgaben bei der Konzeption des langfristigen Infrastruktur-Aufbau sowie bei der Koordination der Kommunen und Anbieter findet sich als Gastbeitrag bei dem News-Portal www.portel.de

Jürgen Kaack 30.10.2009, 14.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, BBCC, digitale Spaltung, Förderung, Breitband-Ausbau,

Modellprojekte für Breitband-Anwendungen

Zu den Modellprojekten, die über ein neu zu schaffendes Breitband-Kompetenzzentrum (BBCC) entwickelt werden, sollten nicht nur solche für den Ausbau der Breitbandnetze gehören, sondern auch zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen. Zwar wächst der Bedarf nach Bandbreite bedingt durch wachsende Nutzerzahlen und eine steigende Intensität in der Nutzung stetig weiter. Zusätzlicher Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft entsteht allerdings erst durch die Entwicklung und Einführung von Applikationen. Dabei gibt es keinen gesellschaftlich oder wirtschaftlich relevanten Bereich, der nicht durch Breitband-Applikationen verbessert werden kann. Beispiele sind Bildungsplattformen für die schulische und berufliche Aus- und Weiterbildung, Telemedizin-Anwendungen, Lösungen für den Bereich der Pflege zuhause, Smart-Grid-Anwendungen für die Optimierung der Energieerzeugung und –Verteilung. Viele der möglichen Anwendungen kommen der Allgemeinheit zugute und sollten entsprechend gefördert werden. Rein privat-wirtschaftliche Lösungen entstehen dagegen in der Regel auch ohne die Förderung ein Kompetenzzentrum und brauchen keine Begleitung durch ein Bundes-BBCC. Anders sieht dies allerdings für solche Lösungen aus, die die Effizienz in der Verwaltung und das Zusammenwirken von Verwaltungen mit Bürgern  und Unternehmen betreffen. Die Entwicklung hierfür geeigneter eGovernment-Applikationen kann durchaus im Interesse der Allgemeinheit liegen und mittelfristig bei der Senkung der Kosten helfen.

 

Die Entwicklung von Applikationen wirft neben den rein technischen Herausforderungen und der Akzeptanz durch die Nutzer weitere Fragestellungen, die durch ein bundesweit agreierendes Kompetenz-Zentrum unterstützt werden könnten. Dies trifft die Aspekte der Rechteverwertung („Intellectual Property Rights“ – IPR), die gerade bei gemeinsamen Entwicklungsvorhaben mehrerer Partner gelegentlich zu wenig Beachtung finden, sich nach einer erfolgreichen Entwicklung aber als kritischer Erfolgsautor für die Umsetzung erweisen können. Dies trifft umso eher zu, wenn ungleiche Partner wie Konzerne und mittelständische Unternehmen zusammen wirken. Neben den IPR ist bereits früh bei der Planung von neuen Applikationen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Beiträge der Partner bewertet werden, gegebenenfalls Lücken identifiziert und die Wirtschaftlichkeit ermittelt wird. Die Entwicklung von Breitband-Applikationen sollte nicht von technischen Möglichkeiten ausgehen, sondern von einem konkreten Bedarf und einem quantifizierbaren Nutzen der potenziellen Käufer.


Als erfolgreich für die Entwicklung neuer Breitband-Anwendungen hat sich das PPP-Modell (Private-Public-Partnership) zwischen der Deutschen Telekom und der Stadt Friedrichshafen am Beispiel des T-City Projekts (www.t-city.de) erwiesen, wenn interessierte Anwender-Organisationen zusammen mit Herstellern Spezifikationen entwickeln und die Risiken der Umsetzung teilen. Breitband-Anwendungen sind grundsätzlich in allen Lebenslagen sinnvoll nutzbar. Die Wirtschaft hat die Vorteile schon längst erkannt und setzt eine Reihe von Breitband-Anwendungen erfolgreich um, z.B. für eCommerce und Kollaboration. Ähnlich wie beim Breitband-Ausbau sind die Investitionen oft zu hoch für einzelne Institutionen und die Technologie komplex, zusätzlich ist das Anfangsrisiko einer Neuentwicklung in der Regel hoch und der Aufbau von Pilotanwendungen aufwändig. Umso mehr bietet sich dieses Betätigungsfeld als eine weitere Aufgabe für ein Anbieter-neutrales Breitband-Kompetenzzentrum des Bundes (BBCC-Bund) an.

Jürgen Kaack 30.10.2009, 09.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, BBCC, Innovation, Förderung, Private-Public-Partnership,

Zukunft Glasfaser: Veranstaltung in Greven am 10.11.

Zukunft Glasfaser - die Datenautobahn für Unternehmen:

am Dienstag, 10.11.2009 um 16.00 Uhr im
Ballenlager, Friedrich-Ebert-Str. 3 - 5 in 48268 Greven

Diese Veranstaltung der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt) findet in Kooperation mit der GfW Greven, der Wirtschaftsvereinigung Steinfurt, Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, der Handwerkskammer Münster, der IHK Nordwestfalen sowie den Unternehmen NDIX und osnatel statt.

Telekommunikations- und Breitbanddienste erlangen im Alltag von Unternehmen einen immer größeren Stellenwert. Mit Breitband-Diensten lassen sich Produktivitätsvorteile und konkrete Mehrwerte erzielen, die im Wettbewerb zunehmend unverzichtbar werden. Konkret geht es in der Veranstaltung um Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen.

Die Zukunft gehört den neuen Medien und Anwendungen sowie Glasfaserdirektanbindungen (Fiber-to-the-Building - FttB), hierin sind sich Experten einig. Es ist also Zeit, die Betriebe fit zu machen für die neue Generation von Breitband-Technik. Ich werde bei der Veranstaltung einen Vortrag über die verschiedenen Anwendungsbereiche von Breitband-Dienste in Unternehmen halten:
  • Marketing und Neukundengewinnung
  • Produktgestaltung gemeinsam mit den Kunden
  • Kundenbindung durch Kommunikation mit den Kunden
  • Effizienzsteigerung für interne Geschäftsprozesse
  • Kosteneinsparpotenziale durch bessere "Manageability" der IT
  • Optimierung in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen

Jürgen Kaack 29.10.2009, 17.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Innovation, Breitband-Anwendungen, FttH, FttB,

Modellprojekte für Infrastrukturaufbau fördern

Beim Breitband-Ausbau verfolgt jede Kommune  ihre eigenen Ziele und Vorstellungen, aber in der Regel sind auch die jeweiligen Voraussetzungen und Möglichkeiten. unterschiedlich Alleine topographische Randbegingungen erfordern meist eine individuelle Lösungskonzeption. Bei allen Unterschieden gibt es doch auch viele wiederkehrende Elemente. Es sollte immer als langfristiges Ziel der Glasfaser-Ausbau bis zum Hausanschluss (FttH) verfolgt werden und es sollten möglichst immer regionale Netze als Open-Access-Lösungen angestrebt werden. Nur so kann Dienstewettbewerb auch auf lokaler Ebene realisiert und die Gründung neuer mittelständischer Unternehmen angeregt werden.

Um tragfähige Konzepte zu schaffen und nicht bei jeder Kommune wieder aufs Neue ähnliche Analysen und Konzeptionen zu erstellen, bietet es sich geradezu an, Modellprojekte zu realisieren und so zu gestalten, dass sich die wichtigsten Ergebnisse auf vergleichbare Situationen in anderen Kommunen übertragen lassen. Die Breitband-Kompetenzzentren der Bundesländer verfolgen diesen Weg teilweise und mit unterschiedlichen Ressourcen. So wäre es eine naheliegende Möglichkeit, ein Breitband-Kompetenzzentrum des Bundes (BBCC-Bund) mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Die Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den Länder-BBCC sollte eine erhebliche Effizienzsteigerung ermöglichen.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit eines BBCC-Bund sollte daher die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern sein und die Kommunikation von Ergebnissen aus den Modellprojekten und dem hierbei erarbeiteten exemplarischen Vorgehen. Die gezielte Initiierung und Begleitung von Modellprojekten ist dabei ein wichtiger Schritt, da Modellprojekte nur selten alleine durch die Initiative lokaler Beteiligter entstehen. Zu den Gemeinsamkeiten, die über Modellprojekte entwickelt und multipliziert werden können, gehören insbesondere die Netz-Konzeption und der Aufbau von Betreibergesellschaften für regionale Zugangsnetze auf Kreisebene. Hierbei geht es nicht nur um die Lösung von technologischen Migrationsfragen, sondern auch um die Gestaltung von Geschäftsmodellen und Kooperationen. Die Einbindung von Kommunen und Kreisen in Betreibergesellschaften (z.B. durch Bildung von Private-Public-Partnerships - PPP) kann die nachhaltige Entwicklung im Sinne der Regionalentwicklung fördern und absichern.


Zu den Aufgaben eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC) des Bundes sollte allerdings neben der Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten die Beratung von Kreisen und Kommunen durch eigene Experten (oder durch Experten der Landes-Kompetenzzentren) gehören, die den Aufbau von regionalen Netzen z.B. durch Projektmanagement-Leistungen oder auch auf Interimsbasis vor Ort vorantreiben können.
Zur Unterstützung von Kommunen beim Breitband-Ausbau ist eine kompetente und Anbieter-neutrale Unterstützung letztlich ebenso erforderlich wie die notwendige finanzielle Förderung der Umsetzung. Die Bewertung von Aufbaukonzepten und Phasenmodellen für die zeitliche Entwicklung aus einer Technologie- und Anbieter-neutralen Perspektive und unter Berücksichtigung der absehbaren technologischen Entwicklung kann Vertretern von Verwaltung und Politik bei der Entscheidungsvorbereitung und beim Ausräumen von Bedenken helfen.

Jürgen Kaack 28.10.2009, 10.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, BBCC, Innovation, FttH, FttB, Private-Public-Partnership,

Aufgaben für ein Breitband-Kompetenzzentrum

Bei der Lösung dieser Problemstellungen kann ein übergeordnetes Breitband-Kompetenzzentrum (BBCC) durch kompetente Information, Beratung, Koordination und operative Unterstützung beschleunigend wirken. Ein erfolgversprechendes BBCC muss dabei unabhängig von Anbieter- und Hersteller-Interessen agieren und durch einen engen Informationsaustausch mit nationalen und internationalen Institutionen nach den besten Lösungen („Best Practises“) suchen, um diese zu multiplizieren. Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, die aber auch nicht die erforderliche Befugnisse und Ausstattung haben. Es wäre naheliegend ein bundesweit agierendes BBCC dem Bundes-Wirtschaftsministerium anzugliedern und in ein gemeinsames Netzwerk mit den in einigen Bundeländern eingerichteten Kompetenzzentren ein zubinden. Zu den primären Aufgaben eines übergeordneten Breitband-Kompetenzzentrums gehören daher:

  • Sammlung, Bewertung und Aufbereitung von Informationen zu Breitband-Technologien und internationalen Best-Practise  Beispielen
  • Kommunikation gegenüber anderen Behörden, Kreisen und Kommunen
  • Enge Koordination und Abstimmung mit der Bundesnetzagentur, mit Netzbetreibern Herstellern und deren jeweiligen Branchen-Verbänden sowie den Kompetenzzentren der Länder
  • Zusammenarbeit mit den EU-Behörden für die Ausgestaltung der Förderprogramme
  • Vor-Ort-unterstützung von Kommunen und Kreisen beim Breitband-Ausbau durch eigene Experten (oder durch Experten der Landes BBCC)
  • Entwicklung von Konzepten für regionale Zugangsnetze (z.B. als PPP zwischen Kreisen und Netzbetreibern) und operative Unterstützung bei der Umsetzung
  • Aufbereitung von Modellprojekten für eine weitere Multiplikation
  • Unterstützung von Modellprojekten für innovative Breitband-Applikationen

Jürgen Kaack 27.10.2009, 10.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kooperation, Private-Public-Partnership, BBCC,

Warum Deutschland ein übergeordnetes Breitband-Kompetenzzentrum braucht

Die Bundesregierung hat Anfang 2009 ehrgeizige Ziele für die zukünftige Breitbandversorgung definiert. Danach sollen bis Ende 2010 alle „weißen“ Flecken in Deutschland geschlossen werden, d.h. die heute nicht oder als unterversorgt eingestuften Regionen sollen mit mindestens 1 MBit/s ausgebaut werden und bis 2014 sollen mindestens 75 % der Haushalte mit mehr als 50 MBit/s versorgt werden können. Im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und die Attraktivität als Wohnort ist dies eine notwendige, wenn auch mittelfristig nicht ausreichende Zielsetzung.

 

Für die Schließung der “weißen“ Flecken stehen öffentlichen Fördermitteln bereit. Da es immer noch ca. 230 Gemeinden gibt, die entweder überhaupt nicht mit Breitband versorgt oder nur einen unzureichenden Zugang mit weniger als 1 MBit/s ermöglichen, ist dies grundsätzlich eine richtige Maßnahme. Allerdings bestehen Unstimmigkeiten zwischen den längerfristigen Zielen (Breitbandstrategie 2014) und den Bedingungen für eine Förderung. Die finanziell unterstützen Maßnahmen müssen derzeit keine Entwicklung in Richtung auf 50 MBit/s oder mehr aufzeigen, so dass manche Kurzfristmaßnahme mittelfristig in einer Sackgasse mündet.

 

Obwohl klare Ziele definiert und Mittel zur Förderung bereitgestellt werden, geht es mit dem Breitband-Ausbau in Deutschland nicht so voran, wie es sein könnte. Die Gründe sind vielfältig, die Förderanträge sind komplex und in der Bearbeitung aufwändig. Gleichzeitig ist die Förderung ausschließlich auf die Schließung der „weißen“ Flecken ausgerichtet, die heute mit weniger als 1 MBit/s Bandbreite versorgt sind. Es gibt darüber hinaus eine Reihe von Gründen, warum die Einrichtung eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC) auf Bundesebene sinnvoll ist:

  • Für die Entscheidungsfindung zum richtigen Vorgehen beim Breitband-Ausbau sind Erfahrungen mit Telekommunikations-Technologien und bei der Gestaltung von Geschäftsmodellen erforderlich sowie Verhandlungsgeschick zur Sicherstellung tragfähiger Partnerschaften
  • Der TK-Markt ist durch eine hohe Dynamik bei verfügbaren Technologien und auf der Anbieter-Seite charakterisiert
  • Die Verträglichkeit und Zukunftssicherheit von Übertragungs-Technologien ist nicht immer einfach zu beurteilen und die Entstehung von Flickenteppichen aus vielen Einzelnetzen sollte verhindert werden
  • Das Ziel einer Glasfaser-Versorgung bis zum Haushalt (FttB und FttH) ist nur in Ausnahmefällen auf einen Schritt zu erreichen und erfordert vorausschauende Planung über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren
  • In Kommunalverwaltungen fehlen oft Erfahrung und Kompetenz für die Konzeption und Umsetzung von Telekommunikations-Vorhaben
  • Die Anbieter von Telekommunikationsdiensten sind den Verwaltungen in der Regel in der Kenntnis der Erfordernisse weit voraus, sie sind allerdings als wirtschaftliche handelnde Unternehmen alleine nicht in der Lage, den Breitband-Ausbau zu stemmen
  • Regionale Zugangsnetze als Open-Access-Plattform können den Wettbewerb auf Diensteebene anregen und für mittelständische Unternehmen öffnen, sie entstehen aber nur selten alleine auf Initiative einer Kommune oder eines Kreises
  • Die Bündelung von Interessen einzelner Kommunen auf Kreisebene ist mitunter schwierig
  • Für die Entwicklung und Verbreitung von Modellprojekten fehlt eine koordinierende Institution

 

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Jürgen Kaack 26.10.2009, 09.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Telekommunikation, BBCC, Förderung, Innovation, Publi-Private-Partnership,

T-City bekommt neuen Projektleiter

Das T-City Projekt Friedrichshafen bekommt knapp zwei Monate nach meinem Ausscheiden als Projektleiter für die Stadt Friedrichshafen einen neuen Projektleiter. Für die Fortführung dieses einmaligen Breitband-Innovationsprojektes ist das eine wichtige Entscheidung. Nach zwei Jahren als Projektleiter und der Gestaltung der Prozesse und der Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und den Projektpartnern kann ich die Herausforderung in dieser Aufgabe würdigen. Der neue Projektleiter hat bereits in der Rolle als Projektpartner von mehreren T-City Einzelprojekten Erfahrungen mit dem Innovationsprojekt sammeln können und startet somit gut vorbereitet.

Ich hoffe, dass es gelingt, in der zweiten Projekthälfte die Arbeit in den sechs Projektfeldern erfolgreich aus zu bauen und weitere innovative Projekte mit hohem Nutzen für die Anwender zu identifizieren und umzusetzen. Dann kann das Projekt seine Rolle als Leuchtturm-Projekt für andere Städte weiter ausfüllen. So kann Friedrichshafen Vorbild für andere Städte sein, die sich auf den manchmal steinigen Weg zur Smart-City machen.

Zu dem Wechsel in der Projektleitung findet sich ein Artikel bei Südkurier.

Jürgen Kaack 23.10.2009, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Innovation, private-public-Partnership,

mcn tele.com wird 10 Jahre alt!

Als ich vor elf Jahren mit meinen Partnern mit der Planung eines eigenen Netzbetreibers begonnen habe, war noch nicht abzusehen, wohin dies führen würde. Im September 1999 war es dann soweit und wir konnten den Spezial-Netzbetreiber gründen. Im Lauf der nächsten Jahre führte die weitere Entwicklung zu notwendigen Anpassungen gegenüber den ursprünglichen Planungen. Verzögerungen bei geplanten Finanzierungen machten es notwendig, die Markteinführung eines fast fertig entwickelten natürlich-sprachigen Kommunikations-Assistenten einzustellen und die Arbeiten an IP-VPN Lösungen nicht fortzuführen.

 

In den Jahren 2000 und 2001 war es für Technologieunternehmen schwierig Finanzmittel für Kapitalerhöhungen zu erhalten. Vor diesem Hintergrund war es ein Erfolg, dass mcn tele.com das benötigte Kapital 2001 in voller Höhe erhalten hat, wenn auch um wichtige Monate später als geplant. In der Wachstumsphase sind Monate eine lange Zeit und für mcn tele.com bedeutete dies eine Neuausrichtung auf Mehrwertdienste und Servicerufnummern, die sich über die Jahre als stabil gezeigt hat, so dass jetzt der 10 Geburtstag erreicht wurde. Dieses Alter haben nicht viele der damals gegründeten Unternehmen erreicht!

 

Jürgen Kaack 22.10.2009, 22.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Wachstum | Tags: Telekommunikation, Mehrwertdienste, Unternehmensgründung,

Mobilfunk als Ersatz für DSL-Asnchluss?

Der Mobilfunk hat sich seit den Anfängen des digitalen Mobilfunks auf der Basis von GSM Anfang der 90er Jahre erheblich weiterentwickelt. Auf der Basis von UMTS können auf Datenkommunikations-Anwendungen mobil erledigt werden. Mit den verschiedenen Übertragungstechnologien GPRS, EDGE, HSDPA, HSUPA und demnächst LTE sind auch immer größere Geschwindigkeiten möglich. Heute ist es den meisten Teilen Deutschlands möglich, mit bis zu 473 Kbit/s auf der Basis von EDGE Daten herunter zu laden. Nur noch wenige Flecken sind noch mit der Vorgängertechnologie GPRS und einer Download-Geschwindigkeit von nur 171 Kbit/s versorgt. In den Ballungsgebieten wächst die Versorgung mit HSDPA und einer Download-Geschwindigkeit von bis zu 7,2 MBit/s im Internet aktiv zu sein. Mit LTE sind sogar noch wesentlich höhere Bandbreiten möglich, allerdings befindet sich dieses System noch in der Pilotphase und Lizenzen für Betreiber werden voraussichtlich Anfang 2010 vergeben.

 

Diese Download-Geschwindigkeit reicht für die meisten heutigen Anwendungen im Internet bequem aus. Die Download-Geschwindigkeit ist sogar höher als über manche DSL-Anbindung im Festnetz. Zudem sind die Preise für die mobile Datenkommunikation in den letzten Jahren deutlich gefallen. So sind heute „echte“ Flatrates ohne Volumenbegrenzung für 40 Euro monatlich zu abonnieren. Je nach Anbieter und Angebot (z.B. Paketangebote) oder bei Begrenzung des monatlichen Volumens sind auch deutlich günstigere Preise zu finden.

 

Aus meiner Sicht ist Mobilfunk trotzdem nur in Ausnahmefällen eine dauerhafte Alternative für eine stationäre Breitband-Nutzung gerade im ländlichen Raum. Zum einen sind die Zellen für die flächendeckende Versorgung mit deutlich unter einem Kiolmeter im Radius deutlich kleiner als für andere Mobilfunklösungen. Damit wird der Netzaufbau gerade im ländlichen Raum nur schwer wirtschaftlich darstellbar sein, wenn die Nutzerdichte in den Zellen zu gering wird. UMTS und HSDPA sind zudem primär mobile Lösungen. Das schliesst nicht aus, dass unter optimalen Bedingungen auch mal im Haus Breitband genutzt werden kann. Mit LTE kann sich diese Einschätzung allerdings in den nächsten Jahren ändern, da sowohl höhere Bandbreiten möglich sind, eine bessere Inhouse-Versorgung und größere Zellenradien.

 

Mobilfunk ist im Gegensatz zu den DSL-Anschlüssen ein auf individuelle Personen ausgerichteter Dienst. Mobile Breitband-Lösungen funktionieren dann entweder über ein im Laptop eingebautes Modem oder über einen Web&Walk Stick via USB-Anschluss. Mit anderen Worten: diese Lösungen sind auf eine Person und ein Endgerät ausgerichtet. Die Verwendung zusammen mit WLAN-Routern im Haus und der gleichzeitige Zugriff über verschiedene Endgeräte sind nach meinem Kenntnisstand nicht ohne technische Speziallösungen möglich. Daher ist eine solche Lösung kaum Familien-tauglich - es sei denn jedes Familienmitglied hat einen eigenen Datenvertrag mit den angegebenen Kosten. So ist Mobilfunk bestenfalls für Single-Haushalte eine echte Alternative und auch dort können die bekannten Mobilfunk-Phänomene Funkabbrüche bei Downloads und niedrige Geschwindigkeiten bei hoher Netzlast auftreten.

Jürgen Kaack 21.10.2009, 11.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Mobilfunk,

Wirksamer Breitband-Ausbau

"Das Ziel 2014: Eine Versorgung mit mindestens 50 MBit/s für mehr als 75 Prozent aller Haushalte. Trotz der zur Verfügung stehenden Fördermittel kann der derzeitige Stand des Breitband-Ausbaus aber nicht überzeugen; Kritiker meinen, die Fördermaßnahmen unterstützen den Ausbau nicht ausreichend. Andere Ansätze, wie die Unterstützung von Kommunen, könnten konkrete Hilfe bieten, ohne die bestehenden Netzbetreiber unmittelbar zu fördern. Das Wichtigste aber ist, die Innovationskultur Deutschlands voranzutreiben, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Der vollständige Text zu meiner Analyse der derzeitigen Situation und Vorschlägen zur Optimierung findet sich auf der Seite des ecin Portals (Veröffentlichung am 15.10.2009).

Jürgen Kaack 16.10.2009, 10.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Förderprogramme, BBCC, DSL, LTE, Kabelfernsehen, digitale Spaltung,

Breitband-Kompetenz-Zentrum des Bundes kann den Breitband-Ausbau fördern

Zur Unterstützung von Kommunen beim Breitband-Ausbau ist eine kompetente und Anbieter-neutrale Unterstützung ebenso notwendig wie die finanzielle Förderung. Wenn auch die konkrete Situation in jeder Kommune anders ist, so gibt es doch Gemeinsamkeiten, die über Modellprojekte entwickelt und multipliziert werden können. Dies betrifft insbesondere die Förderung der Bildung von Betreibergesellschaften für regionale Zugangsnetze auf Kreisebene. Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, die aber auch nicht die erforderliche Befugnisse und Ausstattung haben. Daher erscheint die Bildung eines Breitband-Kompetenz-Zentrums auf Bundesebene als ein sinnvoller Schritt für eine effizientere Umsetzung des Breitband-Ausbaus in der Fläche.

 

Zu den Aufgaben eines Kompetenzzentrums sollte neben der Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten die Beratung von Kreisen und Kommunen durch eigene Experten gehören, die den Aufbau von regionalen Netzen z.B. auch auf Interimsbasis vor Ort vorantreiben können. Die Bewertung von Aufbaukonzepten und Phasenmodellen für die zeitliche Entwicklung aus einer Technologie- und Anbieter-neutralen Perspektive und unter Berücksichtigung der absehbaren technologischen Entwicklung kann Vertretern von Verwaltung und Politik bei der Entscheidungsvorbereitung und beim Ausräumen von Bedenken helfen.

 

Ein anderer Schwerpunkt wird die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern sein und die Kommunikation von Ergebnissen aus den Modellprojekten und dem erarbeiteten exemplarischen Vorgehen. Zu Modellprojekten, die über das Kompetenzzentrum entwickelt werden, sollten nicht nur solche für den Ausbau der Breitbandnetze gehören, sondern auch zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen. Zwar wächst der Bedarf nach Bandbreite bedingt durch wachsende Nutzzahlen und eine steigende Intensität in der Nutzung stetig weiter. Zusätzlicher Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft entsteht allerdings erst durch die Entwicklung und Einführung von Applikationen. Als erfolgreich für die Entwicklung neuer Lösung hat sich das PPP-Modell am Beispiel des T-City Projektes Friedrichshafen erwiesen, wenn interessierte Anwender-Organisationen zusammen mit Herstellern Spezifikationen entwickeln und die Risiken der Umsetzung teilen. Breitband-Anwendungen sind grundsätzlich in allen Lebenslagen sinnvoll nutzbar. Die Wirtschaft hat die Vorteile schon längst erkannt und setzt eine Reihe von Breitband-Anwendungen erfolgreich um, z.B. für eCommerce und Kollaboration. Aber auch im Bildungssektor, für den Gesundheitsbereich, die Energie- und Wohnungswirtschaft, die Mobilität sowie für eGovernment-Prozesse gib