Eine neue Ära bei Breitbandvorhaben?
In bisher sechs Jahren der Beschäftigung mit Projekten zum Breitbandausbau, habe ich bislang nicht erlebt, dass sich während der Markterkundung ein Betreiber mit einem qualifizierten und nachhaltigen Ausbaukonzept meldet. Die Markterkundung war mehr oder weniger ein proforma notwendiger Schritt zur Ausschreibung. Jetzt hatte ich in einem Projekt meiner STZ-Consulting zum ersten Mal einen Fall, der zunächst "wie immer" verlaufen ist mit einer Rückmeldung, dass ein Ausbau nur gegen Zahlung einer zuwendung möglich ist. Kurz vor Ablauf der Frist kam ein erneutes Angebot mit der Zusicherung eines hochwertigen Ausbaus nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Ansatz ohne Zuwendung. Damit ist das Breitbandprojekt erfolgreich beendet, ein Auswahlverfahren und ein Förderantrag entfallen und der kommunale Haushalt wird entlastet.
Es ist eine gute zu begrüßende Entwicklung, dass der bisherige Trend mit regelmäßig steigenden Deckungslücken vielleicht zu Ende geht. Insbesondere in den letzten Jahren konnte man gerade bei länger laufenden Projekten immer wieder beobachten, dass bei eine und demselben vorhaben die Deckungslücken mit faszinierender Geschwindigkeit gestiegen sind. Bei Projekten, die durch fehlenden Feststellung des kommunalen Haushalts oder fehlende Fördermittel über die Bindefrist hinausgingen, lassen sich rechnerisch Steigerungsraten von 20% pro Monat (!) ermitteln.
Auch bei Deckungslücken in Auswahlverfahren kommt es nun zu teilweise erheblichen Änderungen nach unten, die nicht nur den städtischen Haushalt erheblich entlasten, sondern auch den Ausbau in Gebieten ermöglichen, in denen ein größerflächiger Ausbau vorher nicht möglich gewesen wäre. Ein Beispiel hierzu ist der Ausbau in der Stadt Wegberg, der sogar deutlich über die Beseitigung unterversorgter Regionen hinausgeht. Während bislang aufgrund der engen Möglichkeiten im Rahmen des Beihilferechts und der Förderprogramme Flickenteppiche in der Vorsorgung die Folge waren, die gelegentlich die digitale Spaltung zwischen gut und schwach versorgten Gebieten sogar verstärkt haben. Da Kommune nur für unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s eine Deckungslücke zur Verbesserung der Versorgung gewähren können, erreichen diese unter Umständen nach einem Ausbau 50 MBit/s und die nicht unterversorgten Nachbarorte mit vielleicht 3 MBit/s blieben auf dem alten Stand.
Ob es sich schon um einen Paradigmen-Wechsel im Breitbandausbau handelt, bleibt abzuwarten. Ebenso kann die Einführung von Vectoring mit den hiermit verbundenen Restriktionen durch eine größerflächige Versorgung bei gleichzeitig erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten mitwirken. Ein anderer Effekt kann in den Ende 2013 auslaufenden Förderprojekten liegen, die ja bekanntermaßen eher zu Kostenerhöhungen als zu tatsächlichen Einsparungen führen.
Für die ländlichen Kommunen wäre es von großem Vorteil, wenn sich die beobachteten Effekte als Trendwende erweisen würden. Die fast überall klammen kommunalen Haushalte könnte entlastet und die letztlich aus Steuergeldern finanzierten Förderprogramme zurückgenommen werden. Letztlich aber würde es erstmals zu einer in der Fläche homogeneren Versorgung und einem Abbau der digitalen Spaltung führen.
Auf jeden Fall sollten sich die Kommunen jetzt erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Denn nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Infrastruktur ohne Anstoss und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt. Ich habe dieses Geschäftsmodell für den Breitbandausbau als "Motivation der Netzbetreiber" bezeichnet.
Jürgen Kaack 14.06.2013, 09.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, FttH, FttB, digitale Spaltung, Fördermittel, Beihilferecht, GAK, RWP,
Zyklen im TK-Markt am Beispiel der Service-Provider
Da die Bedeutung der Service-Provider für die Netzbetreiber hat nach dem Jahrhundertwechsel entsprechend abgenommen, so dass sich die Verhandlungsposition der Service-Provider gegenüber den Netzbetreibern vermutlich verschlechtert hat. Aus Sicht der Netzbetreiber ist in einem zunehmend gesättigten Markt die Erzielung einer möglichst hohen eigenen Wertschöpfung und die Möglichkeit zur Vermarktung ergänzender Dienste an bestehende Kunden von zunehmender Bedeutung. Die Service-Provider hätten vermutlich frühzeitiger auf die veränderten Marktbedingungen reagieren müssen und ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln, z.B. durch verstärkte Kundenbindung und die Entwicklung eigener Dienste mit erkennbarem Nutzen. Die Bindung von bestehenden Kunden ist in der Regel immer wesentlich kostengünstiger als die Akquisition neuer Kunden, insbesondere wenn neue Kunden überwiegend durch einen Wechsel von einem Anbieter zum nächsten („Churn“) entstehen. Den Netzbetreiber ist es in den letzten Jahren zum Teil durch eine geschickte Mehrmarkenpolitik („Discountmarken“) gelungen, den Zielgruppenfokus auszuweiten ohne die Margen der eigenen Dienste zu schmälern und somit Marktpotentiale aus Bereichen zu akquirieren, die traditionell von den Service-Providern bedient wurden.
Jürgen Kaack 08.06.2013, 20.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Mobilfunk, debitel, Mehrwertdienste, UMTS, Reseller, MVNO,
Vor 20 Jahren zum Marktführer aufgestiegen!
In den ersten Jahren hatte debitel einzelne Fachhändler und kleinere Kooperationen als Vertriebspartner - gegen die etablierten Anbieter wie Bosch, Dekra, Siemens-Fachhändler-Organisationen. Nach einem zögerlichen Start konnten Zug um Zug alle Wettbewerber überholt werden, nur der Bosch eigene Service-Provider Bosch-Telecom-Service (BTS) stand lang mit großem Abstand an der Spitze!
Ohne große Marketing-Budgets für Werbung und Abschluss-Provisionen hat sich debitel primär über PR und Kommunikation eine zunehmend steigende Bekanntheit im Markt aufgebaut. Ergänzt durch passende Marketing-Aktionen wie eine "C in D Tauschaktion" (d.h. Tausch von alten analogen C-Netz in moderne digitale D-Netz-Geräte) und (scheinbar) innovative Mehrwertdienste (u.a. Hotelbuchung, Parkplatzreservierung, sekundengenaue Abrechnung, internationale Telefonkarten), konnte ein Markenkern aufgebaut werden und der Vertriebserfolg stimuliert werden, so dass vor ca. 20 Jahren auch die erfolgreiche BTS überholt werden konnte. Kurz danach hat Bosch das Geschäftsfeld verkauft und BTS wurde mit debitel fusioniert
Im Vergleich zu einigen der Wettberwerber hat debitel den Vorteil gehabt, nicht mit anderen Geschäftsfeldern zu konkurrieren, z.B. der Vermarktung eigener Mobiltelefone oder von Automobilelektronik. Trotzdem ist der Erfolg von debitel aus meiner subjektiven Sicht eine der seltenen Erfolgsgeschichte für konsequenten und zielgerichteten Unternehmensaufbau sowie für ein hochmotiviertes Team, das auch nach Fehlschlägen hartnäckig weitergemacht hat. Die Vorbereitung und Planung für das Unternehmen hat allerdings auch fast zwei Jahre gedauert und schon viele der späteren Schritte beschrieben (z.B. die Aufteilung der Tarife nach Nutzungsverhalten und mögliche Kooperationen für die Absicherung des Erfolgs). Ich bin stolz darauf, bei dieser Entwicklung dabei gewesen zu sein und meinen Teil als Leiter des Planungsteams und später als verantwortlicher Leiter von Marketing und Vertrieb beigetragen zu haben.
Jürgen Kaack 02.06.2013, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Mobilfunk und MVNO | Tags: debitel, Mobilfunk, Mehrwertdienste, Unternehmensgründung, Wachstum, Kooperation,
30. Promotions-Jubiläum
In dieser
Woche jährt sich der Abschluss meiner Promotionsarbeit und das Ende meiner
wissenschaftlichen Karriere zum 30. Mal! Unglaublich, wie schnell die Jahre
vergangen sind. Seit 30 Jahre bin ich in der Telekommunikations-Industrie
tätig, davon 12 Jahre als Angestellter und den Rest in eigenen Unternehmen bzw.
freiberuflich.
Es waren bisher schon spannende Zeiten von der Einführung von PCM-Übertragungstechnik Anfang der 80er Jahre über die ersten Glasfaservorhaben und die Etablierung des digitalen Mobilfunks bis zu den aktuellen Breitband-Themen. Mal sehen, welche Fragestellungen und technologischen Veränderungen die nächsten Jahre bestimmen werden. Nur eines scheint sicher, einen Stillstand wird es nicht geben!
Jürgen Kaack 16.05.2013, 21.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Allgemeines
Betrieb von Glasfaser-Infrastrukturen erfolgreich
Im Vergleich zu diesen Projekten verfolgt die Deutsche Glasfaser im Kreis Heinsberg einen flächendeckenden Ansatz. Eine Reihe von Ausbaugebieten hat die erforderliche Vorvertragsquote bereits erfüllt - und dies teilweise sehr deutlich. In der Kommune Gangelt wurde der Ausbau bereits begonnen. von den ersten Pilotvorhaben hat nur ein Ortsteil das Vorvertragsziel verfehlt. Dafür werden derzeit eine Reihe neuer Gebiete bearbeitet.
Bei dem Erfolg des Projektes ist zu erwarten, dass auch andere Investoren auf dieses Geschäftsmodell einsteigen. Kapital ist bei der derzeitigen Zinshöhe sicher auch in ausreichender Menge verfügbar. Das Beispiel der Deutschen Glasfaser zeigt allerdings auch, dass neben Kapital ein geschlossenes Geschäftsmodell erforderlich ist. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Wahrnehmung aller Elemente in der Wertschöpfungskette. Dies kann in weitem Umfeld durch Kooperationen erfolgen, aber ohne eine übergreifende System-Kompetenz wird es nicht gelingen!
Da der Ausbau der Glasfaser-Anschluss-Netze durch die Deutsche Glasfaser als kommerzielles Vorhaben mit Gewinnerzielungsabsicht erfolgt, kann offensichtlich auch in ländlich geprägten Regionen eine Glasfaserinfrastruktur für eine nachhaltige Breitband-Versorgung errichtet werden! Die Amortisationszeiten liegen dann allerdings im Bereich von 10 bis 20 Jahren und damit deutlich höher als zur Zeit in der Telekommunikationsbranche kalkuliert wird. Aber auch andere Infrastrukturen und Immobilienvorhaben amortisieren sich erst nach deutlich mehr als 10 Jahren.
Die Lebensdauer der von der Deutschen Glasfaser verlegten Infrastruktur ist mit über 50 Jahren anzusetzen und damit deutlich länger als die Amortisationszeit. Somit ist zu erwarten, dass die Investition auskömmliche Renditen erwirtschaftet. Für die Kunden sind auf jeden Fall direkt nach dem Ausbau 100 MBit/s im Up- und Downstream (!) verfügbar, mehr als die meisten Anwendungen heute benötigen. Auch eine Erhöhung in den GBit/s Bereich ist zukünftig über eine Glasfaser-Infrastruktur recht problemlos möglich. Probleme mit langsamen Internetzugängen gehören für Verbraucher mit Glasfaseranschlüssen der Vergangneheit an!
Jürgen Kaack 12.05.2013, 11.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, FttH, FttB, digitale Spaltung,
Breitbandversorgung in Solingen
Nach einer Analyse der Versorgungssituation und der vorhandenen Infrastrukturen im Stadtgebiet von Solingen wurden jetzt die Ergebnisse in einem Pressegespräch präsentiert (Artikel bei PR-Online vom 27.04.2013). Auch die nächsten Schritte wurden erläutert. In nächster Zeit startet eine Befragung bei Haushalten und Betrieben, um den Bedarf und das vorhandene Kundenpotential zu ermitteln.
Die Kernbereiche der Stadt sind heute fast vollständig mit zwei unabhängigen Infrastrukturen (Kupferdoppelader für VDSL und Koaxialkabel für DOCSIS 3.0) versorgt. Die Kluft zwischen 150 MBit/s in einem Teil der Stadt und DSL-light oder gar Modem in einem anderen ist nicht erstrebenswert und erschwert die Planung für die Entwicklung in jeder Stadt. Daher müssen Lösungen gesucht und Konzepte erarbeitet werden, um die Kluft zu schließen. Hierbei müssen unter Umständen unterschiedliche Technologien kombiniert werden. Andernfalls könnte der Ausbau insgesamt unwirtschaftlich werden.
Mit der Problematik steht Solingen bei weitem nicht alleine. Die meisten Kommune und auch Großstädte müssen sich mit der Beseitigung der digitalen Kluft auseinandersetzen!
Jürgen Kaack 27.04.2013, 16.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
Kundenpotentiale für Breitbandnetze
- Unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s: hier ist mit einem Kundenpotential von 55 bis 60% zu rechnen entsprechend der durchschnittlichen Breitbandnutzung.
- Schwach versorgte Gebiete mit weniger als 6 MBit/s: hier liegt das zu erwartende Potential bei ca. 25%.
- Versorgte Gebiete mit mehr als 25 MBit/s: in diesem Fall ist davon auzugehen, dass Breitbandinteressenten bereits einen Vertrag mit einem Anbieter abgeschlossen haben. Selbst bei vergleichbarem Preis- / Leistungsverhältnis gibt es retardierende Momente. Ohne herausragenden Argumente für einen Wechsel (z.B. differenzierende Dienste) werden kaum mehr als ein Drittel wechseln, entsprechend ca. 8% der Bevölkerung. Bei einem weiteren Wachstum von ca. 5% kommen jährlich 2 bis 3% als Neukunden hinzu.
- Unterversorgte Gebiete 1.750 Anschlüsse
- Schwach versorgte Gebiete 4.000 Anschlüsse
- Versorgte Gebiete 12.500 Anschlüsse
Jürgen Kaack 24.02.2013, 12.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Koaxialkabel, VDSL, FttH, FttB, digitale Spaltung,
Breitband-Ausbau im Kreis Heinsberg mit Glasfaser-Hausanschlüssen
Das Vorhaben der Deutschen Glasfaser im Kreis Heinsberg zeigt, dass Glasfaseranschlüsse tatsächlich auch und gerade außerhalb der Ballungsgebiete nicht nur technisch von Vorteil, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können - zumindest in derzeit unterversorgten Gebieten.Diese These vertrete ich ja bereits seit einigen Jahren. Die Umsetzung erfordert dann allerdings einen Infrastrukturbetreiber mit längeren als TK-typischen Abschreibungsfristen. Der aktuelle Status der Vorverträge in den Pilotregionen im Kreis Heinsberg findet sich auf der Seite des Anbeiters Deutsche Glasfaser GmbH.
Es ist grundsätzlich zu verwarten, dass in den unterversorgten Gebieten Werte im Bereich des 57%-Durchschnitts für die Breitbandnutzung in Deutschland erreicht werden. Spannender wird die Akzeptanz in den heute bereits besser oder auch mit über 100 MBit/s gut versorgten Bereichen ausfallen wird.
Jürgen Kaack 17.02.2013, 12.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
Ein Standpunkt für den lokalen Ausbau in ländlichen Räumen
Ansatz-Punkte zu Problemlösungen mit verfügbaren Breitband-Technologien, Fördermöglichkeiten und Geschäftsmodellen findet sich in meinem Beitrag auf dem Portal "dvs Netzwerk für ländliche Räume" der Bundesanstalt für Landwirtrschaft und Ernährung.
Jürgen Kaack 30.01.2013, 08.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
Erfahrungen aus Best-Practise Breitband-Projekten
Jedes Breitband-Projekt verläuft aufgrund der gegebenen Voraussetzungen und Ziele anders. Daher lassen sich weder die Vorgehensweise noch die Ergebnisse unmittelbar auf andere Kommunen übertragen. Trotzdem gibt es auf der Basis vieler erfolgreich in den letzten fünf Jahren durchgeführter Breitband-Ausbau-Projekte (mit und ohne Fördermittel) eine Reihe von allgemein gültige Erkenntnisse:
- Die Bedarfsanalyse und die Ansiedlungsstruktur erlauben Rückschlüsse auf die Anforderungen und Technikkonzepte
- Wenn der Ausbau von kleineren Bauernschaften und Einzelgehöften ausgeschlossen werden kann, sinken die Ausbaukosten in der Regel erheblich. Als Ersatz für eine leitungsgebundene Anbindung können Funklösungen oder Satelliten-DSL dienen
- Alle vorhandenen Infrastrukturen (insbesondere Leerrohre) im Ausbaugebiet und in der näheren Umgebung können hilfreich sein und Investitionskosten reduzieren
- Hohe Kosten für die Zuführung der Bandbreite können eventuell über alternative Ansätze wie z.B. Richtfunkstrecken oder Freileitungen kompensiert werden
- Geplante Tiefbau-Maßnahmen können gegebenenfalls vorgezogen und die Trassenführung angepasst werden, um die Kosten für die Breitband-Zuführung zu senken
- In ländlichen und dünn besiedelten Gebieten kann gelegentlich durch eine Neugestaltung der Netztopologie ein effizienterer Ausbau erfolgen
- Mit einem Technologie-Mix können beim Ausbau fallweise Vorteile erzielt werden
- Der Grad der Wechsler zu einem Anbieter mit höherer Bandbreite oder zu einem Upgrade bleibt oft unter den Erwartungen und den statistischen Ansätzen nach dem (N)Onliner-Atlas (2012 durchschnittlich über 57 % Breitbandnutzer). Für einen Verbleib beim bisherigen Anbieter wird von manchen Nutzern eine schlechtere Bandbreite in Kauf genommen.
Auch bei sorgfältiger Analyse lassen sich nicht in allen Fällen kostengünstige Lösungen erzielen. In vielen Fällen ergeben sich aber doch tragfähige Ansätze für eine Verbesserung der Breitband-Versorgung. In jedem Fall ist bei einer Konzeption zu berücksichtigen, dass eine zukunftssichere und ausbaufähige Lösung nicht behindert wird. Insbesondere sollte die spätere Erweiterung zu einer Infrastruktur mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB / FttH) möglich sein, selbst wenn bis zur Umsetzung mehrere Jahre vergehen.
Jürgen Kaack 27.01.2013, 13.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
Jahresrückblick 2012 und Ausblick 2013
2012 ist im Breitband-Bereich ein Jahr des beginnenden Umbruchs gewesen. Die Anzahl neuer Vorhaben zur Sicherstellung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s ist deutlich rückläufig. Dabei kann man trefflich streiten, ob 2 MBit/s schon das Prädikat „Breitband“ verdient! Gut ausreichend sind derzeit wohl eher 16 MBit/s, wenn Internetfernsehen in HD-Qualität nicht benötigt wird. Der Bedarf wird sicher weiter steigen, vor zehn Jahren waren noch 0,128 MBit/s „auskömmlich“ und das Ende ist nicht abzusehen. Dabei gibt es derzeit noch keine Massen-Anwendungen, die mehr als 25 MBit/s benötigen.
Es gibt allerdings selbst bei der 2 MBit/s Grenze immer noch unterversorgte Gebiete, wenn es auch kaum verlässliche Quellen hierfür gibt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in dünner besiedelten ländlichen Räumen – die schon am Rand der Ballungsgebiete beginnen – noch ca. 10% aller Anschlüsse unterversorgt sind. Für einen herkömmlichen Fiber-to-the-Curb (FttC) Ausbau sind diese Gebiete aber wohl selbst bei Gewährung einer einmaligen Zuwendung kaum wirtschaftlich. Neben Brückentechnologien z.B. auf Basis von Funkübertragung bietet in diesen Fällen nur der Glasfaserhausanschluss eine nachhaltige Lösung.
Im Jahr 2012 waren bereits deutlich mehr Projekte mit Next-Generation-Access (NGA), d.h. mit breitbandigem Hausanschluss gefragt als im Jahr zuvor. Vorrangig sind hier Kommunen aktiv geworden, die über eigene Stadtwerke verfügen. Aber das Beispiel des Kreises Heinsberg zeigt, dass Kreise auch dann Aktivitäten entfalten können, wenn es (fast) keine kommunalen Stadtwerke gibt. Im Falle von Heinsberg hat dies einen privatwirtschaftlichen Investor auf den Plan gerufen, der selber in passive Infrastruktur (Leerrohre und Glasfaser) investieren will, sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden.
Es ist kaum verwunderlich, dass in 2012 verstärkt Ausbaukonzepte für Gewerbegebiete nachgefragt waren. Gewerbegebiete liegen in der Regel am Rande einer Kommune und erhalten aufgrund der langen Leitungslängen bei hoher Dämpfung nur eine schwache Internetgeschwindigkeit. Zwar sind fast überall Sondervertragslösungen mit einer Direktanbindung von verschiedenen Netzbetreibern erhältlich. Aufgrund der deutlich höheren Kosten für diese Geschäftskunden-Produkte, die in der Regel bei monatlich 400 Euro beginnen, nutzen im Durchschnitt nur 10% der Betriebe in einem Gewerbegebiet solche Lösungen. Der Druck zur Schaffung neuer Lösungen steigt somit! Auch in diesen Fällen ist eine NGA-Anschlussnetz die optimale und nachhaltige Lösung. Aber nicht immer ist ein NGA-Ausbau möglich und dann sind andere Technologien gefragt.
Für 2013 ist abzusehen, dass sich der Trend zu Glasfaser-Hausanschlüssen weiter verstärkt. Förderprojekte zur Schließung der Grundversorgung werden auslaufen und es ist offen, ob die derzeitigen EU-Förderprojekte (GAK, RWP) über das Jahresende 2013 hinaus überhaupt weiter verlängert werden. Die „Hauptakteure“ des NGA-Ausbaus mit Glasfaser-Anschlussnetzen werden auch in 2013 Kreise, Kommunen und Stadtwerke sein. Die Netzbetreiber konzentrieren sich beim Ausbau auf Ballungsgebiete, in denen über einen Anschluss mehrere Wohneinheiten erreicht werden.
Eigentlich wäre die Politik gefordert, den Breitbandausbau voranzutreiben, um die schon vorhandene digitale Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen nicht weiter zu vertiefen. Aber nachdem schon die Bundesregierung außer einer unverbindlichen Zieldefinition keine Strategie entwickelt hat, obliegt der NGA-Ausbau in erster Linie den Bundesländern. In Hessen und Bayern gibt es hierfür zumindest Programme und Budgets, aber ansonsten geschieht doch eher wenig. So wirkt das in der Poststrukturreform II begründete (und auch heute nicht mehr umkehrbare) Problem weiter in die Zukunft und die Lösung wird von Bund und Ländern den oft finanziell „klammen“ Kommunen zugeschoben...
Jürgen Kaack 30.12.2012, 12.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
Fördermittel für Breitbandausbau - eine sinnvolle Investition?
Eine ausführlichere Argumentation findet sich in meinem Artikel bei Breitband.NRW.
Jürgen Kaack 28.11.2012, 20.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Fördermittel, GAL, RWP, GRW, Glasfaer, Leerrohre, Kommunen, Kooperationen,
Öffentliche Breitband-Netze statt verlorener Zuschüsse an Netzbetreiber!
Nach den Erfahrungen mit dem Einsatz von (GAK oder GRW) Fördermitteln für die
Sicherstellung der Grundversorgung ist es vermutlich von Vorteil, wenn
der NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB oder FttH) ohne
finanzielle Zuwendungen erfolgt. Zwar sind immer noch die in der
Bundesrahmenregelung Leerrohre aus beihilferechtlichen Gründen
festgelegten Schritte einzuhalten, aber Kommunen und Kreise haben mehr
Freiheiten bei der Festlegung der Lösungen und der
Ausbaugeschwindigkeit.
Mit einem für die Kommune erstellten
Rahmenkonzept und einem Masterplan für die Leerrohr-Verlegung kann die
Breitbandversorgung systematisch und flächendeckend erfolgen. Im
Vergleich dazu sind mit Fördermitteln eher punktuelle Verbesserungen zu
erzielen. Der Ausbau von NGA-Netzen erfordert oft Kooperationen zwischen
verschiedenen Parteien (Kreise, Kommunen, Stadtwerke oder
Energieversorger, Betreiber aktiver Netzkomponenten und
Dienstebetreiber). Solche Kooperationen müssen für ein optimales
Ergebnis auf die vorhandenen Rahmenbedingungen zugeschnitten sein. Ein
spezielles Problem ist dabei die Aufteilung der Umsätze unter den
beteiligten Parteien. Eine „Unterordnung“ unter ein starres
Förderprogramm bringt hierbei meistens Nachteile – und vermutlich höhere
Gesamtkosten!
Wenn private Anbieter keine NGA-Infrastrukturen schaffen, sind
öffentliche Investitionen in den Ausbau der NGA-Infrastrukturen eine
bessere Alternative im Vergleich zu verlorenen Zuschüssen. Eine
Landes-Institution sollte die Erstellung von Masterplänen für die
fehlenden passiven Netze übernehmen, die Infrastrukturen verlegen und an
Netzbetreiber vermieten. Wenn ein offener Netzzugang sichergestellt
wird, können Dienstebetreiber gegen Entgelt im Wettbewerb die
Infrastruktur nutzen. Private Betreiber bzw. ihre Gesellschafter fordern
kurze Amortisationszeiten, öffentliche Investitionen dürfen sich auch
über einen wesentlich längeren Zeitraum amortisieren. Mit dem
beschriebenen Vorgehen kann der digitalen Spaltung zwischen
Ballungsgebieten und ländlichen Räumen wirkungsvoll entgegen gewirkt
werden. Nachteile für den ländlichen Raum durch Abwanderung und
Überalterung der Bevölkerung lassen sich verhindern.
Jürgen Kaack 18.11.2012, 16.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Fördermittel, GAL, RWP, GRW, Glasfaer, Leerrohre, Kommunen, Kooperationen,
Segen und Fluch von Förderprojekten
- Nachweis zur tatsächlichen UnterversorgungNachweis über den vorhandenen Bedarf und die Kundenpotentiale für einen Netzbetreiber
- Nachweis des Marktversagens im Ausbaugebiet
- Nachweis der transparenten und technologieneutralen Suche nach einem Anbieter
- Nachweis der Auswahl des „wirtschaftlichsten“ Anbieters
- Nachweis der Verfügbarkeit der erforderlichen Eigenmittel der Kommune
- Nachweis über die spätere Überprüfung der Mittelverwendung anhand von Zielindikatoren
- Welche Leistungen bietet der Funkbetreiber?
- Welche Abdeckung im schlecht versorgten Gebiet wird garantiert (und erreicht)?
- Wie verhält sich die verfügbare Bandbreite unter Last?
- Welche Daten-Volumina können übertragen werden?
- Welche Netzverfügbarkeit wird garantiert?
Jürgen Kaack 11.11.2012, 21.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, GAK, Förderung, FttH, FttB, VDSL,
10 Jahre: STZ-Consulting Group sagt danke!
- Strategie
- Transformation
- Zusammenarbeit
Jürgen Kaack 27.10.2012, 16.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Berateralltag | Tags: Breitband, Glasfaser, Innovation, Beratung,
Breitband-Anwendungen für Smart-City auf der Basis von Glasfasernetzen
Glasfaser-Anschlüsse als nachhaltige Infrastruktur
Glasfaser-Hausanschlüsse sind „in“ und gelten zu recht als Inbegriff
einer nachhaltigen Telekommunikations-Infrastruktur. Daher beschäftigen
sich zunehmend mehr Kommunen, Kreise und Stadtwerke mit Konzepten für
einen Netzausbau. Der Aufwand ist nicht unerheblich, da für einen
Glasfaser-Anschluss zunächst eine Verbindung zwischen dem Netzknoten und
der Hauswand hergestellt werden. Üblicherweise müssen hierfür dünne
Leerrohre, sogenannte Microducts, unterhalb der Bürgersteige verlegt
werden. Durch Nutzung von Synergien durch gemeinsame Verlegung mit
anderen Tiefbaumaßnahmen, z.B. Sanierungsvorhaben, lassen sich die
Kosten von ansonsten durchschnittlich 1.200 € pro Anschluss deutlich
senken. Beim Ausbau in einer Kommune entstehen trotzdem hohe
Investitionskosten.
Unter wirtschaftlichen Aspekten lohnen sich diese Investitionen, wenn
sich ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung für die Nutzung des neuen
Anschlusses entscheidet. Welche Quote dabei erzielt werden muss, hängt
von den jeweiligen Voraussetzungen und den Zielen des verlegenden
Unternehmens ab. Sie wird aber in den meisten Fällen zwischen 30 und 60%
liegen.
Hürden für den Netzaufbau
Der Wechsel vom bisherigen Anbieter wird im Wesentlichen von zwei
Aspekten erschwert, dem Beharrungsvermögen beim bisherigen Provider
(Anbieter-Loyalität) und einem nicht immer vorhandenen oder erkannten
Bedarf an höheren Bandbreiten. Schon mit 6 MBit/s können viele
Standard-Anwendungen im Internet erledigt werden. Mit 25 MBit/s kann ein
HD-Fernsehprogramm empfangen werden. Wenn nicht mehrere Nutzer
gleichzeitig volumenintensive Anwendungen ausführen, reichen 50 MBit/s
noch über längere Zeit aus. In manchen Gebieten ist ein „klassischer“
Ausbau mit Fiber-to-the-Curb z.B. für VDSL allerdings weder
wirtschaftlich noch aufgrund der Leitungsdämpfung effizient. Dann bleibt
neben Funk als Brückentechnologie nur ein Glasfaser-Ausbau. In schlecht
versorgten Gebieten reicht das Angebot schneller Internetzugänge meist
schon aus, um eine ausreichende Nutzerzahl zu generieren. In anderen
Fällen ist neben der höheren Internet-Geschwindigkeit an neuen
Breitband-Anwendungen zu arbeiten, die zu einem Wechsel motivieren.
Breitband-Anwendungen für eine Smart-City
Neben den Standard-Anwendungen wie Telefonie, Internet und Fernsehen
(Triple-Play) ermöglicht ein offenes NGA-Netz die Realisierung von
„kleineren“ und regional begrenzt interessanten Breitband-Anwendungen.
Dabei können Unternehmen, Organisationen und Vereine eigene Anwendungen
als Dienste realisieren und über die Diensteplattform dem Nutzer zur
Verfügung stellen. Es gibt kaum Grenzen für solche Anwendungen. Von
Online-Diensten für Kultur- und Sportvereine, lokale Fernsehsender mit
Beiträgen über Vorgänge, die keinen Eingang in überregionale Sender
finden, über Transparenzangebote der Verwaltung, Mitmach-Vorhaben der
Kommunalpolitik (eParticipation), Bildungsangebote der Schule bis hin zu
rein kommerziellen Cloud-Computing Diensten. Älteren und
pflegebedürftigen Menschen kann durch den Einsatz medizinischer
Unterstützung und Überwachung ein länger selbstbestimmtes Leben
ermöglicht werden.
Im Bereich der Wohnungswirtschaft kann über vernetzte
Hausautomations-Lösungen (Smart-Home) eine höhere Attraktivität für die
Mietobjekte geschaffen werden, mit Video- und Sensor-Überwachung kann
die Sicherheit erhöht werden und mit Überwachung und Steuerung von
elektrischen Verbrauchern lässt sich der Stromverbrauch reduzieren.
Mithilfe einer intelligenten Steuerung von lokalen Energieverbrauchern
und –erzeugern kann der Stromzukauf und -transport minimiert werden
(Smart-Grid). Für Stadtwerke entstehen so neue technische Möglichkeiten
zur effizienten Netzsteuerung.
Neben den kommerziell ausgerichteten Angeboten ermöglicht ein offenes
Breitband-Netz die Umsetzung von Anwendungen, die überwiegend aus
bürgerschaftlichem Engagement oder ehrenamtlich geprägt sind. Damit sich
diese Initiativen bilden können, bedarf es unter Umständen einer
Unterstützung und Koordination durch den Kreis oder die Kommune.
Gemeinsam mit dem Netzbetreiber müssen die technischen Voraussetzungen
und Anbindungen geschaffen werden. Neben der Koordination durch die
öffentliche Verwaltung sollte eine Überwachung der Angebote erfolgen,
damit weder illegalen Aktivitäten noch verfassungsfeindlichen
Organisationen eine Plattform geboten wird. Insbesondere diese
Kontrollfunktion kann in Zukunft eine besondere Herausforderung für
offene Glasfaser-Netze darstellen.
T-City Projekt in Friedrichshafen als Lehrbeispiel
Ein Beispiel für die Erprobung unterschiedlicher
Breitband-Anwendungen in einer Kommune ist das T-City-Projekt in
Friedrichshafen. Anhand der dort gewonnenen Erkenntnisse können andere
Kommunen ihre eigenen Smart-City Aktivitäten gestalten. Das
Innovationsprojekt T-City wurde Anfang 2007 nach einem großen Wettbewerb
zahlreicher Städte an Friedrichshafen vergeben und mit einer Laufzeit
von fünf Jahren gestartet. Die gewinnende Stadt erhielt nicht nur einen
weitgehend flächendeckenden Ausbau mit Breitband nach dem immer noch
aktuellen VDSL-Standard und darüber hinaus ein Budget für die Umsetzung
von innovativen Breitband-Anwendungen in allen Lebensbereichen. Eine
Voraussetzung für die Auswahl von Projekten war das gemeinsame Interesse
von beiden Projektpartnern Deutsche Telekom und der Stadt
Friedrichshafen sowie die Einbindung eines Projektpartners aus der
Region. Im Februar 2012 ging die 5-jährige Projektlaufzeit zu Ende. Die
Bewertung eines Projektes dieser Größenordnung wird immer subjektiv je
nach Perspektive ausfallen und so ist auch die nachfolgende Einordnung
subjektiv geprägt.
Als Innovationsprojekt ist T-City in beachtlichem Maße erfolgreich.
Während der Laufzeit konnten über 40 Vorhaben gemeinsam von der
Deutschen Telekom mit unterschiedlichen Partnern in der Stadt
Friedrichshafen geplant und umgesetzt werden. Unter Berücksichtigung der
Breite der fünf Innovationsfelder und der Komplexität der Vorhaben von
Gesundheits- über Bildungs-, Verwaltungs-, Wirtschafts- bis zu
Verkehrsthemen konnte eine funktionierende Zusammenarbeit mit vielen
Partnern etabliert werden. Für das Projekt-Management stellt diese
Breite an Themen und Partnern eine Herausforderung dar. Im Nachhinein
hätte das Projektmanagement vermutlich vereinfacht werden können, wenn
es eine integrierte Projektorganisation von Stadt und Deutscher Telekom
gegeben hätte anstatt zweier organisatorisch getrennter Projektbüros mit
einer manchmal komplizierten Entscheidungs- und Abstimmungsstruktur.
Zudem finden sich im Gemeinwesen einer Stadt nicht für alle der
bearbeiteten Themen formale Zuständigkeiten. Die Überwindung der meisten
operativen Erschwernisse kann als eine weitere Erfolgskomponente
verbucht werden.
Nicht in allen Projektfeldern ließen sich trotz großem Engagement der
Partner Erfolge erzielen, da eine Umsetzung von einigen Themen mit
Partnern aus der Stadt nur begrenzt möglich ist. Dies gilt z.B. für den
Bereich der schulischen Bildung, für die das Land erster Ansprechpartner
ist, aber auch für Projekte im Gesundheitswesen, die erst Eingang in
den Leistungskatalog der Krankenkassen finden müssen. Obwohl einige
Projekte die Testphase nicht überlebt haben, was für ein mutiges
Innovationsprojekt nicht ungewöhnlich ist, ist die Bilanz der
erfolgreichen Einzelprojekte beeindruckend.
Smart-City Anwendungen müssen koordiniert werden
Eines ist der Mehrzahl der Projekte allerdings gemeinsam: sie
strahlen kaum aus auf die anderen Projektfelder oder gar auf das
Gemeinwesen der Stadt. Tatsächlich hätten die meisten Projekte in völlig
getrennten Kommunen realisiert werden können. Innovationsgrad und
Nutzen werden sicher bei der Mehrzahl der Projekte (wie z.B. Smart-Grid,
Smart-Metering, Tumorkonferenz, die mobile Visite, das Bürgertelefon
D115, die Prozessoptimierung in der Verwaltung) zu einer nachhaltigen
Wirkung führen. Der hohe Aufwand der projektbegleitend durchgeführten
Informationsveranstaltungen und Zielgruppenmaßnahmen ist dagegen nur
bedingt erfolgreich gewesen. Von den zahlreichen Zielgruppenmaßnahmen
hat nur das während der Projektlaufzeit geschaffene
Senioren-Internethelfer-Netzwerk das Potential, sich über das
Projektende hinaus zu verselbständigen. Längerfristige Wirkung werden
wohl auch die in allen Schul-Klassen durchgeführten
Medienkompetenz-Seminare entfalten.
Ein umfassender Erfolg wird durch den „Konstruktionsfehler“
verhindert, dass das Projekt zu Beginn nicht auf einer Bewegung in der
Bevölkerung aufzusetzen konnte. Auch ist es nicht gelungen, dass das
Projekt von der Bevölkerung für die Stadt mit eigenen Initiativen und
Projektideen „übernommen“ wurde. Einzelne technische Lösungen schaffen
selbst bei hohem Innovationsgrad nur für begrenzte Zielgruppen einen
Nutzen. Um eine breite Bewegung zu begründen, scheint mehr erforderlich
als die Summe begrenzter Einzelnutzen. Zusätzlich hat die Mutmaßung der
Bevölkerung, es mit einer Werbe- oder gar Verkaufskampagne der Telekom
zu tun zu haben, die Projektwahrnehmung behindert. Auch der durchgehend
technische Ansatz hat den Fokus eingeengt. Für das Gelingen eines
umfassenden Smart-City-Projektes hätte es vielleicht neben der Deutschen
Telekom weiterer Projektträger ohne oder mit anderem Technikansatz
bedurft.
Stimulation von bürgerschaftlichem Engagement ist notwendig
Bürgerbeteiligungs-Projekte (klassisch oder online) als vorlaufende
und begleitende Maßnahmen hätten vielleicht die erforderliche „Bewegung“
in der Bevölkerung geschaffen. Dabei sollte e-Participation nicht mit
komplexen und vorbelasteten Themen wie dem städtischen Haushalt begonnen
und zudem regelmäßig „geübt“ werden. Wenn die Themen für eine
ausreichende Zahl von Bürgern relevant sind und die Ergebnisse bei der
anschließenden Entscheidungsfindung für die Umsetzung berücksichtigt
werden, ergeben sich häufig vielversprechende Ansätze. Leider konnte
während der Projektlaufzeit kein e-Participation Projekt in
Friedrichshafen aufgesetzt werden, vermutlich weil Politik und
Verwaltung Befürchtungen bezüglich möglicher Forderungen und Wünsche der
Bürger hatten und sich für die Durchführung organisatorisch noch nicht
aufgestellt wähnten! Dabei könnte die Durchführung gerade durch moderne
Kommunikationstechnik effizient und transparent gestaltet werden. Als
Ergebnisse stünden Ideen für Innovationsvorhaben, die die Chance auf
eine bessere Breitenwirkung und Strahlkraft haben. Es wäre es wert,
einen neuen Versuch zu wagen und die Erkenntnisse aus dem T-City Projekt
für ein neues Smart-City Vorhaben zu nutzen!
Jürgen Kaack 14.10.2012, 21.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, Smart-City, FttH, FttB, VDSL,
Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Kreis Heinsberg
Breitband als ein wesentlicher Teil der Infrastruktur und ein wichtiges Element zur Steigerung der Standort-Attraktivität ist für die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg schon seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Seit knapp einem Jahr hat Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg beratend auf dem manchmal steinigen Weg zu FttB (Fiber-to-the-Building) in der Fläche begleitet. Die heutige Versorgung im Kreis ist recht heterogen und erst mit Glasfaser-Anschlüssen kann der Nutzer entscheiden, welche Bandbreite er braucht und muss nicht mit den Beschränkungen durch die Netzbetreibern leben. Somit steht zukünftig beim Abschluss eines Vertrages mit einem Breitband-Anbieter nicht mehr die verfügbare Bandbreite im Vordergrund, sondern die benötigten Anwendungen (Dienste).
Im ersten Schritt hat STZ-Consulting die tatsächliche Versorgungslage getrennt
für Wohn- und Gewerbegebiete anhand der Informationen der Netzbetreiber
analysiert. STZ-Consulting eine Einteilung in gut versorgte (d.h. solche mit
vorhandenem Infrastrukturwettbewerb und mindestens 16 MBit/s), schwach
versorgte und unterversorgte Gebiete (beide ohne Wettbewerb in der Infrastruktur)
vorgenommen. Im Kreis sind im Rahmen der Analysegenauigkeit ca. 40% der
Anschlüsse mit bis zu 150 MBit/s und "funktionierendem" Wettbewerb so
versorgt, dass Aktivitäten der öffentlichen Hand nicht erforderlich sind. 15%
der Anschlüsse sind unterversorgt und ca. 45% schwach versorgt. Die ländliche
Struktur im Kreis mit geringer Besiedlungsdichte und wenigen Wohneinheiten pro
Anschluss (nur ca. 1,3 Wohneinheiten pro Anschluss) machen einen
"klassischen" VDSL-Ausbau nicht nur teuer sondern auch im Hinblick
auf die erzielbare Bandbreite oft wenig effizient.
Auf der Basis der Analyse wurden Geschäftsmodelle zur Umsetzung entwickelt und
geprüft. Nach mehreren Gesprächs-Runden mit den Bürgermeistern der Kommunen und
den Energieversorgern hat sich ein umsetzbares Modell ergeben für einen
NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen, bei dem der Kreis zunächst einen
Masterplan im Sinne einer Grob-Netzplanung für die nicht ausreichend versorgten
Gebiete beauftragt und dann Kreis und Kommunen gemeinsam über einen längeren
Zeitraum passive Anschlussnetze errichten und die Energieversorger fehlende
Strecken im Zuführungsnetz ergänzen. Zur Schonung von Investitionsmitteln
sollten Sanierungsmaßnahmen und andere Tiefbauprojekte genutzt werden für eine
Verlegung im Beilauf. Aufgrund der Breitband-Aktivitäten der letzten Jahren
besteht ein fast geschlossener regionaler Backbonering, der zur Zuführung der
Bandbreite zu den zu errichtenden Anschlussnetzen genutzt werden kann. Über die
über die Zeit fortlaufende Schaffung von einzelnen FttB-Inseln (z.B. einzelne
Ortschaften, Statdteile oder Gewerbegebiete) soll der erzielbare Erfolg belegt
werden und der Anreiz zum weiteren Ausbau aufrechterhalten bleiben.
Durch die Aktivitäten der Kreiswirtschaftsförderung ist ein holländischer Investor mit einschlägigen Erfahrungen in den Niederlanden auf den Kreis aufmerksam geworden und hat den Ausbau des passiven Netzes als privatwirtschaftliches Investitionsvorhaben ganz ohne Zuwendung aus öffentlichen Kassen angeboten. Nach einer Reihe von Vorklärungen und Abstimmungen mit den Bürgermeistern und den Energieversorgern ist in der vergangenen Woche das Vorhaben in einem Pressetermin veröffentlicht worden. Informationen finden sich z.B. hier:
und auch recht prominent auf der Seite der Kreiswirtschaftsförderung:
http://www.wfg-heinsberg.de/publish/de/aktuelles/news/meldungen_einzelansicht.html?Meldungen_ID=606
Für den Bau und den Betrieb der passiven Infrastruktur wurde von dem holländischen Investor eine deutsche Gesellschaft gegründet, deren Internet-Auftritt noch recht mager ist, aber immerhin schon einige Aussagen enthält:
http://www.deutsche-glasfaser-hs.de/
Die Gesellschaft ist ein Schwesterunternehmen der
Bornet im Kreis Borken, die unter dem gemeinsamen Holdingdach der Deutschen
Glasfaser GmbH gebündelt werden:
http://www.deutsche-glasfaser.de/de
Damit die passive Infrastruktur nicht ungenutzt und Leerrohre "leer" bleiben, müssen Netzbetreiber als Partner gewonnen werden. Zur Vermeidung einer vollständigen Abhängigkeit hat die Deutsche Glasfaser mit "Flink" einen eigenen Betreiber zur Vermarktung gegründet. Weitere bereits benannte Partner sind der Netzbetreiber NetAachen und der Energieversorger NEW, der bereits früher Aktivitäten im Telekommunikationsbereich gemacht hat. Der Infrastruktrurbetreiber ist offen für weitere Netzbetreiber und es bleibt abzuwarten, ob auch die großen Anbieter auf den Zug aufspringen.
Eine weitere Hürde ist vor einer erfolgreichen Umsetzung noch zu nehmen mit der aus Wirtschaftlichkeitsaspekten benötigten Vorvertragsquote von 40%. Die Deutsche Glasfaser plant hierfür eine breite Informations- und PR-Aktivität, aber ohne eine aktive Rolle von Kreis und Kommunen kann dies nicht gelingen. Durch die Bürgermeister ist eine weitgehende Unterstützung zu erwarten, da sie die Bedeutung einer nachhaltigen Breitbandinfrastruktur als Standortvorteil für ihre Kommunen erkannt haben. Der Beitrag von Herrn Fiedler, dem Bürgermeister von Geilenkirchen, zeigt die ersten Schritte hierfür:
http://buergermeister-geilenkirchen.blogspot.de/2012/09/was-lange-wahrt-wird-endlich-gut.html
Der Ausbau des Netzes wird aus Kapazitätsgründen in Schritten erfolgen. Erste Ausbaugebiete in Form von einzelnen Ortsteilen wurden bereits identifiziert (zu finden auf der Hompage der Deutschen Glasfaser HS). Zeitgleich werden regionale Unternehmen und Organisationen gesucht, die (ganz nach holländischem Vorbild) als Dienstebetreiber eine zusätzliche Differenzierung im Wettbewerb ermöglichen. Für regionale Breitbanddienste gibt es viele Möglichkeiten aus den Bereich Medizin, Bildung und Fortbildung, Sport und Kultur, aber auch durchaus rein kommerzielle Anwendungen (z.B. im Bereich Home-Automation, Energiesteuerung oder Cloud-Computing). Somit kann das Projekt nach dem Ausbau der Infrastruktur auch für die Weiterentwicklung zur Smart City oder zu mehreren Smart Cities im Kreis Heinsberg beitragen.
Viele Kreise sind in ihren Überlegungen noch nicht bei NGA-Plänen
"angekommen" und stecken tief in Fragestrellungen zur Grundversorgung
mit mindestens 2 MBit/s. Auch für diese noch passsiven Kreise sieht Dr. Kaack
das Vorgehen im Kreis Heinsberg als Beispiel - einerlei ob das Vorhaben im
ersten Anlauf erfolgreich wird oder erst nach einigen Anpassungen. Es werden
aber wohl selbst bei weiterer Multiplikationswirkung durch den Kreis Heinsberg immer
noch etliche Regionen imländlichen Raum übrigbleiben, in denen kein Stadtwerk
oder Energieversorger den Netzausbau übernimmt und auch kein privater Investor
gefunden werden kann. Diese Regionen sind neben eigener Aktivitäten auf tatkräftige
Unterstützung des Bundes oder der Länder angewiesen!
Jürgen Kaack 30.09.2012, 15.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Kabel-TV, Glasfaser, Smart-City, FttH, FttB, VDSL,
Ergebnisbericht zum Innovationsvorhaben T-City
Jürgen Kaack 17.06.2012, 12.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Telekommunikation | Tags: Breitband, Glasfaser, eLearning, eParticipation, eHealth, eGovernment, Kabelnetze, VDSL, FttB, FttH,


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