Die LTE-Technologie wurde mit vielen
Vorschuss-Lorbeeren behandelt und die Versteigerung der
Mobilfunklizenzen im Mai 2010 hat die Öffentlichkeitswirksamkeit weiter
gesteigert. Es scheint unstrittig, dass die verwendete Modulation eine
höhere Frequenz-Effizienz ermöglicht als dies bei den 3G-Netzen der Fall
war. Insofern verspricht LTE eine Verbesserung für die mobile
Internetnutzung, auch wenn hierfür zunächst noch Endgeräte und
Anwendungen geschaffen werden müssen.
Die bei der Lizenzvergabe gemachte Auflage, mit LTE bevorzugt
kleinere, unterversorgte Kommunen auszubauen, scheint auf den ersten
Blick eine positive Geste für die bislang schlecht versorgten Gegenden.
Wenn sich allerdings bewahrheitet, dass mit LTE beim Ausbau im
ländlichen Raum nur eine Bandbreite von 2 MBit/s im Download garantiert
wird, dann entspricht dies zwar vordergründig den Rahmenbedingungen für
eine Förderung, die Bandbreite ist allerdings wesentlich niedriger als
bei einem leitungs-gebundenen Ausbau. Mit ADSL waren bereits in der
Mehrzahl der versorgten Haushalte 16 MBit/s erreichbar, ab Sommer 2010
werden neue Bauvorhaben mehrheitlich bereits mit VDSL-Technik, d.h.
einer Bandbreite bis 50 MBit/s ausgebaut. Dagegen erscheinen 2 MBit/s
nicht mehr ganz zeitgemäß. Auch in der praktischen Anwendung sind 2
MBit/s nicht ausreichend für eine effiziente Nutzung des Internets,
zumindest wenn dabei auch multimediale Anwendungen genutzt werden
sollen.
Für die Bundespolitik kommt LTE gerade richtig, ist so doch das im
letzten Jahr formulierte Ziel, alle weißen Flecken bis Ende 2010 (fast)
erreichbar – faktisch wird es zwar wohl eher bis Ende 2011 dauern, aber
immerhin kann so das erste der Breitbandziele sicher erreicht werden.
Gleichzeitig kann sich ein mögliches Problem durch aufgebrauchte
Fördervolumina für die Politik vermeiden. Eine Kommune, für die ein
LTE-Ausbau in den nächsten drei Jahren geplant ist, gilt als versorgt
und kann nach vorherrschender Experten-Meinung wohl keine weiteren
Fördermittel aus dem GAK- oder GRW-Programm in Anspruch nehmen. Dies
kommt zur rechten Zeit. 2008 und 2009 erfolgte der Fördermittel-Abruf
aufgrund der bürokratischen Aufwände für eine Beantragung nur zögerlich.
In diesen beiden Jahren beschränkten sich Förderanträge in der großen
Mehrzahl auf Beratungs- und Planungsleistungen. Seit Anfang 2010 gehen
aber mehr und mehr Förderanträge ein für einen Ausbau (in der Regel zur
Deckung einer Wirtschaftlichkeitslücke bei dem ausgewählten
Netzbetreiber). Schon für kleinere Ortsteile überschreiten die
erforderlichen Deckungslücken 100.000 Euro je Ortsteil. So könnten
zumindest die GAK-Mittel schon 2011 erschöpft sein, GRW-Mittel waren
wohl länger verfügbar sein, da die Anzahl der laut Rahmenbedingungen
förderfähigen Gewerberegionen vergleichsweise gering ist.
Aber nicht nur für die Politik kommt LTE zur rechten Zeit. Auch für
die Netzbetreiber ist LTE als alternative Ausbau-Technologie sicher hoch
willkommen. Die wirtschaftlich erschließbaren Regionen im städtischen
und ländlichen Raum sind inzwischen weitgehend mit Breitbandlösungen
ausgebaut. Die verbleibenden weißen oder grauen Flecken liegen entweder
weit entfernt von Breitbandnetzen oder weisen eine so dünne
Besiedlungsdichte auf, dass ein Ausbau auch mit Investitions-Zuschüssen
im laufenden Betrieb unwirtschaftlich ist. In diesen Fällen ist LTE eine
gute Möglichkeit, mit vergleichsweise geringen Investitionskosten
Flächen von 10 bis 20 Kilometer im Radius um eine Basisstation zu
versorgen. Allerdings sind dann immer noch die Basis-Stationen mit
Glasfaser anzubinden. Vermutlich werden die LTE-Sendestationen bevorzugt
auf den Funkmasten für GSM installiert und die Mehrzahl dieser
Funkmasten dürfte immer noch mit Kupferkabeln angebunden sein. Somit
entstehen unter Umständen auch beim LTE-Ausbau für die Betreiber nicht
geringe Kosten für Tiefbauarbeiten. Immerhin wird bei einer Versorgung
mit LTE der Druck auf die Betreiber geringer, den Kommunen eine
nachhaltig zukunftssichere Lösung in der Breitbandversorgung zu
schaffen. So können sich die Betreiber wieder den rentableren
Ballungsgebieten zuwenden und hier weiter ausbauen.
Bei diesem nicht unrealistischen Szenario sind die Kommunen
Verlierer, die bislang noch keine Anstrengungen für einen Ausbau mit
Fördermitteln unternommen haben. Da mit einer LTE-Versorgung vermutlich
keine Fördermittel mehr beantragt werden können und die Haushaltsmittel
vieler Kommunen nicht für die Finanzierung eines Ausbaus mit
Glasfaser-Kabeln reichen dürfte, könnte für diese Kommunen der Zug für
einen zukunftssicheren Ausbau mit höheren Bandbreiten zunächst für
einige Jahre abgefahren sein. Ob die Bürger mit der dann garantierten
Bandbreite von 2 MBit/s zufrieden sein werden, darf bezweifelt werden.
So könnte eine neue Art der digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten
und dem ländlichen Raum entstehen.
LTE wird bei Einsatz in einem höheren Frequenzband und damit bei
niedrigeren Zellradien deutlich höhere Bandbreiten bieten. So können in
Ballungsgebieten mit LTE auch 50 MBit/s realisiert werden. Damit können
mobil selbst Videokonferenzen abgehalten werden. Dies allerdings nur bei
Zellradien von ca.500 Metern. Für die Mobilfunkbetreiber ist ein
solcher Ausbau nur dann rentabel, wenn genügend Nutzer in den Zellen
anzutreffen sind. Bei allen Potenzialen für LTE sind noch einige Fragen
offen. Wie die mobilen Dienste ausgestaltet sein werden und wie die
Endgeräte aussehen werden, scheint noch nicht fest zu stehen. Bei WiMAX
wurde vermutet, dass von den Chip-Herstellern, insbesondere Intel
Chip-Sätze entwickelt werden, die wie solche wie für WLAN automatisch in
alle Laptops eingebaut werden. Bei WiMAX hat dies allerdings nicht
funktioniert.
LTE wird sicher seine Rolle beim Ausbau des mobilen Internet mit höheren Bandbreiten haben. Es bleibt auf jeden Fall spannend zu sehen, wie die Entwicklung um LTE im Verhältnis zu den anderen mobilen Funkstandards weiter gehen wird und welche Rolle LTE beim Breitbandausbau als Substitut für leitungsgebundene Lösungen einnehmen wird.








