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Zuzug und Tourismus auf Föhr im 19. Jahrhundert

Line Hansen Zimmermann wurde am 26.04.1815 in Wyk auf Föhr geboren und ihre Vorfahren lebten über einige Generationen überwiegend in Wyk und waren unter anderem als Zimmerleute, Fuhrmann oder Gastgeber in der Inselhauptstadt tätig. Lene Hansens Vater Ingwer Hansen Zimmermann (06.08.1762 bis 20.01.1839) war einer von zwei Gerichtsbeisitzern in Wyk und damit einer der wichtigen Verwaltungsbeamten.





Lene Hansen Zimmermanns Mutter Lena Lütjens (geboren am 08.04.1779, geheiratet am 30.09.1800 und gestorben am 07.10.1874) hat ihr gesamtes Leben in Wyk verbracht und wurde in der Kirche St. Nicolai getauft, verheiratet und beerdigt. Dies gilt auch für ihre Großmutter Christina Flegs (25.04.1755 bis 31.08.1843), die 88 Jahre alt wurde und am 01.12.1775 Lütje Nahnsen (Nonsen) geheiratet hat, der als Zimmermann in Wyk gearbeitet hat. Lütje Nahnsen  wurde am 26.12.1740 in Lindholm geboren und ist dann um 1770 nach Wyk umgesiedelt, wo er seine spätere Frau Christina Flegs kennenlernte. Christina Flegs Vater Hans Jacobsen Flegs wurde am 01.05.1728 auf Pellworm geboren und war Fuhrmann in Wyk. Er hatte nacheinander drei Frauen und starb mit 68 Jahren am 02.10.1796 in Wyk. Zum ersten Mal heiratet er 1752 die Wykerin Antje Rickerts (geboren am 18.06.1718 in Boldixum und gestorben am 28.07.1762 mit 44 Jahren in Wyk). Aus dieser Ehe ging Christina Flegs als Tochter hervor. Nach dem Tod von Antje hat Hans Jacobsen am 23.12.1763 die von Hallig Hooge stammende Margarethe Peters (ca. 1720 bis 16.01.1775) geehelicht und nach deren Tod schließlich am 21.07.1775 die Wykerin Stiencke Olufs (ca. 1720 bis 18.06.1788). Obwohl Hans Jacobsen Flegs selber nur 68 Jahre alt wurde, hat er seine drei Frauen alle überlebt.

 

Der Hafen und die spätere Stadt Wyk gehen auf eine Bucht („Wyck“) mit einem Naturhafen am südöstlichen Ende der Insel zurück und wurde erst ab 1602 besiedelt. Nach der Sturmflut von 1634 sind zahlreiche Bewohner von Nordstrand und den Halligen nach Föhr umgesiedelt und wählten Wyk als neue Heimat. In der gleichen Zeit wurden Fischfang und Seefahrt wichtiger, so dass die Bedeutung von Wyk als Hafen- und Handelsort zunahm. Wyk erhielt nach starken Wachstum, der weiteren Entwicklung des Hafens mit Packhäusern und eigenen Schiffen 1704 die Hafengerechtigkeit  und wurde 1706 verwaltungs- und steuerrechtlich von Osterlandföhr abgespalten. Bei dieser Gelegenheit wurde Wyk Gerichtsstandort. Hierzu wurde ein Gerichtsvogt eingesetzt und zwei Gerichtsbeisitzer gewählt, die zusammen mit acht Deputierten wichtige Aufgaben der Verwaltung von Wyk übernahmen.

 

Bei der Volkszählung von 1769 lebten 6.146 Menschen auf Föhr, davon 692 in Wyk. Es standen insgesamt 1.450 Häuser auf Föhr und 1.600 Männer waren in der Seefahrt tätig, entsprechen 26% der Gesamtbevölkerung. Diese Quote entspricht in etwa den Werten für die Insel Sylt zur gleichen Zeit. Unter den Seeleuten waren 1760 5% als Kapitäne und 16% als Steuerleute registriert! Um 1790 lebten in Wyk 770 Einwohner in 194 Häusern, der später eingemeindete Ort Boldixum hatte 120 Häuser. Die Häuser auf Föhr wurden in Reihen errichtet, die von Ost nach West ausgerichtet waren und zwischen denen die erst im 18. Jahrhundert gepflanzten Bäume zum Ende des Jahrhunderts die Häuser überragten.

 

Um 1800 beeinträchtigten wirtschaftliche Probleme die weitere Entwicklung und die Bevölkerungszahl sank von vorher 770 auf 580 im Jahr 1820, gleichzeitig verfiel ein Viertel der Gebäude im Ort. Im Jahr 1820 waren 36 Seefahrer von Föhr als Schiffskapitäne angestellt, darunter noch 4 als „Commandeure“ auf Walfangschiffen nach Grönland. 1819 wurde Wyk zum ersten Seebad im Herzogtum Schleswig, Westerland folgte erst 1855. Auch in Wyk stiegen die Touristenzahlen zunächst langsam von ca. 100 um 1820 auf 200 im Jahr 1840. Zu den prominenten Feriengästen in Wyk zählten der dänische König Christian VIII und Hans Christian Andersen. Erst 1910 erhielt Wyk die Stadtrechte und 1924 wurde die Gemeinde Boldixum eingemeindet. Seit 1955 ist Wyk als Nordseeheilbad anerkannt und heute leben knapp 4.300 Einwohner in Wyk. In den anderen Gemeinden der Insel leben noch mal 4.200 Einwohner. Heute stellt der Tourismus auch auf Föhr die wichtigste Einnahmequelle dar.

 

Hans Jacobsen Flegs ist der einzige bekannte Vorfahre, der von Pellworm stammt, einem der Überbleibsel der früheren Halbinsel Nordstrand mit dem legendären Hafenort Rungholt, die in der Burchardi-Flut am 11./12. Oktober 1634 in die Teile Pellworm, Nordstrand und einige Halligen zerrissen wurde. Im Gegensatz zu anderen nordfriesischen Inseln bildeten vor dem Aufkommen des Tourismus Landwirtschaft und Viehzucht die Haupteinnahmequelle, die Seefahrt war früher unbedeutend. Heute leben 1.160 Einwohner auf Pellworm. Nach den großen Sturmfluten im 16. Und 17. Jahrhundert sind viele Bewohner von Nordstrand und später Pellworm umgezogen, u.a. auch nach Föhr, wo der Ort Wyk erst nach dem starken Zuzug von den anderen Inseln gegründet wurde, aber diese Ereignisse lagen 100 Jahre vor der Geburt von Hans Jacobsen Flegs.

Jürgen Kaack 22.07.2017, 11.00

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