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Von den Rittern von Steenhuis zu den von Wylich und Lottum

Der früheste bekannte Vorfahre aus dem Haus Steinhaus war Theodor von Steinhaus, der möglicherweise um 1060 geboren wurde und bis nach 1162 gelebt hat. Damit wäre er über 100 Jahre alt geworden. Sein Sohn Goddert (1085 bis nach 1162) war mit Mechel von Rees verheiratet. 14 Generationen nach Theodor ist Gottfried van Steenhuys, der um 1457 in Rees geboren wurde, in das 60 km westlich gelegene Sint Anthonis in Brabant gezogen, wo er 1484 starb. Warum er nach Brabant gegangen ist, konnte nicht ermittelt werden. Ein Nachfahre von Theodor war Gottfried von Steenhuis mit dem Titel eines Ritters (um 1300 bis 1366), der Amelberg von Wisschel geheiratet und laut einem Kaufvertrag vom 10.12.1341 (aus der Digitalen Westfälischen Urkunden-Datenbank) unter der lateinischen Form seines Namens „Godefridus de Domo lapidea“ zusammen mit Henricus Sanctreil de Brabant Güter, Hof und Zehnt in Wilaken (einer Vorstadt von Wesel) erworben hat.    

(Bild nach Wikipedia: Unbekannt - Kurt von Priesdorff (Editor): Soldatisches Führertum. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg, Volume 1, [1937], p. 49)


Amelburg von Wisschel und Gottfried von Steenhuis bekommen zwei Söhne, Costen von Steenhuis (um 1335 bis 19.12.1427), auf den nach acht Generationen der bereits oben beschrieben Antonius Steinhaus in Meldorf hervorgeht und Adolf von und zu Steenhuis (um 1315 bis 1355), der Beatrix von Wylich oder Wylack (um 1320 bis nach 1375), eine Tochter von Gertrude von Eissel (geboren um 1345) und Heinrich von Wylich (geboren um 1340), heiratet und sich anschließend von Wylich nennt. Offensichtlich handelt es sich um den in der Kaufurkunde genannten Ort Wilaken. 


Die Stammtafel auf der vorhergehenden Seite zeigt die weitere Entwicklung dieses Zweiges bis zu dem um 1590 gestorbenen Christoph von Wylich. Sein Sohn Johann Christoph führt den Namen von Wylich und Lottum, der in der Folge von allen Nachfahren genutzt wird. 1608 wird er zum Freiherrn ernannt. Sein Enkel Philipp Carl von Wylich und Lottum (27.08.1650 bis 14.02.1719) trat 1668 in holländische Dienste und nahm am Krieg gegen Frankreich von 1672 bis 1670 teil. Am 13.12.1673 wird er zum Leutnant befördert und dann in schneller Folge u.a. am 07.06.1677 zum Major, am 28.10.1678 Oberstleutnant und am 08.04.1687 zum Oberst mit eigenem Infanterie-Regiment. Im selben Jahr trat er am 01.08. in kurbrandburgische Dienste und wurde Kommandant des aus französischen Flüchtlingen rekrutierten Infanterie-Regiments Nr. 15. Noch im selben Jahr wurde Philipp Carl zum Generalmajor befördert und einen Tag später zum Kommandanten von Wesel berufen. Am 01.09.1692 diente er als Kommandant von Minden und in dieser Zeit am Feldzug gegen Frankreich in den Niederlanden (1691 bis 1693) beteiligt. Seine Karriere ging am 02.06.1694 mit der Beförderung zum Generalleutnant weiter; es folgte am 15.02.1695 die Ernennung zum Oberhofmarschall. Am 20.09.1698 übernahm er das Gouverneursamt von Spandau. Am 17.01.1701 wurde Philipp Carl zum Ritter des Hohen Ordens zum Schwarzen Adler geschlagen und unmittelbar danach von Kaiser Leopold I. in den Stand eines Reichsgrafen erhoben. 1702 wurde der neuernannte Reichsgraf zum Kommandanten von Wesel und am 06.11.1702 Oberbefehlshaber der preußischen Truppen in Holland. Nach der Ernennung zum General der Infanterie am 05.01.1704 belagerte er Rheinberg und Geldern, später auch Lille und Tournai. Am 18.04.1705 folgt zusätzlich zum Oberbefehl über die Feldarmee die Ernennung zum Obergouverneur der westfälischen Festungen. Nach den siegreichen Schlachten bei Oudenaarde am 11.07.1708 und Malplaquet am 11.09.1709 gegen die napoleonischen Truppen ernannte König Friedrich Wilhelm I. den Reichsgrafen Philipp Carl von Wylich und Lottum am 27.02.1713 zum Generalfeldmarschall und „wirklichen“ Geheimen Kriegsrat. 


Seine Nachfahren verfolgten militärische Laufbahnen in preußischen Diensten. Sein Sohn
Johann Christoph von Wylich und Lottum (09.05.1681 bis 16.10.1727) trat in die kurbrandenburgische Leibgarde ein und hatte schon mit 18 Jahren den Rang eines Hauptmanns. Am 10.07.1708 wurde er zum Oberstleutnant im Regiment seines Vaters befördert. 1718 wurde er Chef des Regiments und 1721 Generalmajor. Johann Christoph starb am 16.10.1727 mit 46 Jahren. Einer seiner Söhne, Friedrich Albrecht Carl Hermann von Wylich und Lottum (20.04.1720 bis 03.03.1797), wurde mit 17 Jahren Kornett im Kürassier-Regiment „Götz“, 1745 Leutnant und nahm während des Ersten und Zweiten Schlesischen Krieges an zahlreichen Schlachten teil. Am 14.07.1753 verlieh ihm Friedrich II. die Domherrenstelle zu Halberstadt. Im August 1755 wurde er Stabsrittmeister und im Folgejahr Rittmeister. Im Siebenjährigen Krieg kämpfte er bei acht Schlachten mit und beteiligte sich an den Belagerungen von Prag, Olmütz, Dresden und Scheidnitz. Bei der Schlacht von Breslau geriet er 1757 in Gefangenschaft und wurde ein Jahr später ausgetauscht. 1758 verlieh man ihm für Tapferkeit in der Schlacht von Zorndorf den Orden Pour le Mérite. Über verschiedene Zwischenstufen wurde er am 17.08.1777 zum Generalmajor befördert und nahm beim Bayerischen Erbfolgekrieg 1778 und 1779 auf Seiten der Armee von Prinz Heinrich teil. Am 20.05.1787 zum Generalleutnant befördert, führte Friedrich Albrecht die zweite Kolonne der Truppen des Herzogs von Braunschweig zur Bekämpfung der Unruhen in Holland. Nach der Niederschlagung blieb er noch bis 1788 in Holland. König Friedrich Wilhelm II. schlug ihn 1791 zum Ritter des Schwarzen Adlerordens. Am 28.12.1794 nahm er mit 74 Jahren als General der Kavallerie seinen Abschied vom aktiven Dienst. Er starb am 03.03.1797 mit knapp 77 Jahren.

Jürgen Kaack 10.03.2018, 15.08

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