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Ur-Sylter Familienzweige


Ein Teil der Vorfahren lebte schon so lange auf Sylt, wie die Kirchenbuchschreibung zurück reicht. Hierzu gehören Tam Peters (geboren in Archsum um 1625), Erich Knuten (um 1605), Jasper Rasmussen (um 1594) und Niß Schmidt (geboren um 1625 in Tinnum). Die Mehrzahl der Sylter Vorfahren stammt aus den kleinen Orten Tinnum, Archsum und dem damals bedeutenderen Ort Keitum.

Tinnum wurde um 1440 erstmals erwähnt, der Ort hatte 1987 eine Bevölkerungszahl von 2.228 Einwohnern und ist heute fast vollständig mit Westerland zusammengewachsen. Tinnum besitzt mit „Tinnumburg“ einen Ringwall mit 440 Meter Umfang und einer Wallhöhe von 7 Metern, der um Christi Geburt errichtet wurde. Von 1547 bis 1868 war Tinnum Sitz der Sylter Landvögte und Ort der Thingversammlungen. Die alte Landvogtei ist eines der ältesten Gebäude auf der Insel. Wie in den meisten Orten der Insel waren Landwirtschaft und Seefahrt die wichtigsten Erwerbsquellen der Einwohner. 1613 gab es in Tinnum 35 Höfe und 4 Katen, bis 1695 waren es 55 Häuser und 1745 stiegen die Werte auf 79 Häuser und 342 Einwohner, von denen immerhin 67 als Seefahrer tätig waren – dies entspricht fast 20% der Gesamtbevölkerung! Mit dem Rückgang der Seefahrt sanken die Einwohnerzahlen wieder. 1804 waren es nur noch 77 Häuser und 264 Einwohner und 1850 62 Häuser mit 260 Einwohner. Die Nähe zu Westerland hat in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung von mehreren Gewerbegebieten ermöglicht, Tinnum profitiert zudem vom Tourismus. 2009 erfolgte der Zusammenschluss der Orte Tinnum, Keitum, Archsum und Morsum zur neuen Gemeinde Sylt-Ost.


Unter den ältesten Vorfahren finden sich Ratsleute wie Hans Nisse Schmitt und mit Tam Peters einer der ersten Grönlandfahrer. Typisch waren neben der Seefahrt landwirtschaftliche und handwerkliche Tätigkeiten. Unter den von Sylt stammenden Familien finden sich überdurchschnittlich viele Seeleute und Kapitäne und viele Todesfälle in der Folge eines Schiffbruchs. Betroffen sind dabei auch Vertreter mehrerer Generationen einer Familie. Unglücksfälle ereignen sich sowohl im unmittelbaren Umfeld der Insel als auch in fernen Gestaden. Selbst Versklavungen nach dem Aufbringen des Schiffes durch Piraten sind keine Einzelfälle.

Tam Peters, der um 1625 in Archsum geboren wurde, ist einer meiner älteren direkten Vorfahren (11 Generationen) und gehörte zusammen mit seinem Bruder wohl zu den ersten Syltern, die schon 1642 als Walfang-Kommandeuren dokumentiert werden. Da Dänemark erst 1644 das Walfang-Privileg an Hamburger Reeder verliehen hat, erfolgten diese frühen Fahrten vermutlich für holländische Reeder. Über den Erfolg dieser ersten Fahrten ist nichts bekannt, aber nach der Öffnung für Hamburger Reeder wurden verstärkt Kommandeure und Mannschaften von den Inseln und Halligen gesucht. 1701 waren nach C.P. Hansen 20 Sylter als Kommandeure auf Walfangschiffen angeheuert.

Tam Peters hatte vier Söhne und zwei Töchter, über die wenig bekannt ist. Seine Tochter Inge Tham Petersen heiratete am 24.11.1692 Peter Manne Peters, der wie sie aus Archsum stammt. Mit ihm hat sie drei Söhne und zwei Töchter. Haulk Peter Mannis wird am 14.09.1694 in Archsum geboren und fährt zur See. Am 24.06.1724 kommt er dabei in Ostasien mit knapp 30 Jahren ums Leben. Der Großteil der Nachkommenschaft verbleibt in Archsum und hat den Lebensunterhalt vermutlich mit Landwirtschaft und Viehzucht verdient. Über Tam Peters und die Familienzweige Petersen, Schmidt und Bundis besteht eine, wenn auch indirekte Verwandtschaftsbeziehung zu dem wohl bekanntesten und erfolgreichsten von Sylt stammenden Kapitän im Walfanggeschäft vor Grönland, Lorenz Petersen de Hahn (geboren 1668 in Rantum und verstorben am 04.03.1747 in Westerland.

Eine besondere Bedeutung bei der Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens hatte auf Sylt der Rat, der aus 12 gewählten Mitgliedern bestand und bis zum 19. Jahrhundert insbesondere die Aufgaben der Rechtsprechung übernahm. Der Landvogt hatte in diesem Punkt nur bei kleineren Vergehen das Recht, alleine zu entscheiden. Dreimal im Jahr wurde die Bevölkerung zur Thing-Versammlung eingeladen. Die Versammlungen im Frühjahr und Herbst dienten als Gerichtstage und der Sommer-Thing zur Festlegung von Terminen für die Ernte. Da jede Klage behandelt wurde, konnten Gerichts-Tage auch mal eine Woche lang dauern. Urteile wurden von den Ratsmitgliedern auf der Grundlage des Nordstrander Landrechts gefällt und konnten für einen Verurteilten auch in der Todesstrafe bestehen. Allerdings gab es wohl nur zwei Fälle, in denen ein Todesurteil verhängt wurde, 1611 wegen Hexerei und 1760 wegen Mordes.

Die Ratsmitglieder wurden von den einzelnen Orten der Insel gewählt, dabei durfte im 17. Jahrhundert z.B. Morsum als größte Gemeinde vier Mitglieder stellen, Tinnum, Archsum und Keitum je zwei und Westerland sowie die Norddörfer je einen. In den frühen Jahren erfolgte die Wahl für ein Jahr, ab dem 18. Jahrhundert verlängerte sich die Bestellung und konnte bis auf Lebenszeit gehen. Im Falle der Familie Frödden fungierten gar mehrere Generationen nacheinander als Mitglieder des Rates. Die Ratsversammlungen wurden bis 1713 im Haus des Landvogtes Taken abgehalten. In dieser Zeit diente der für die übergeordnete Verwaltung der Region verantwortliche Amtmann aus Tondern als Protokollführer der Versammlungen.

1683 wurde zusammen mit Hauleke Petersen für Tinnum Hans Nisse Schmidt gewählt. Er war ein Sohn von Niß Schmitt und wurde im Februar 1648 in Tinnum geboren, wo er am 08.01.1725 mit knapp 77 Jahren verstarb. Hans Nisse Schmidt war mit Ellin Tham Petersen verheiratet (1657 bis 05.06.1730), einer Tochter von Tam Peters und hatte zwei Töchter: Kressen Hansen (15.10.1684 bis 1745) und Inge Hans Schmidt, geboren am 24.06.1686 in Tinnum und dort verstorben am 14.10.1746. Inge Hans heiratete Teide Andresen aus Tinnum (verstorben am 28.09.1727). Die Familie hatte drei Töchter und zwei Söhne im Zeitraum von 1712 bis 1728. Die älteste Tochter Maren Teides (05.10.1712 bis 26.08.1789) heiratete Erck Bleicken, den bereits erwähnten Seefahrer aus Keitum.

Das obige Bild zeigt das "Zentrum" von Westerland, nicht Alt-Westerland, um 1878 mit dem Hotel "Royal" und das Gehöft von Wulf Manne Decker.

Jürgen Kaack 04.11.2017, 18.45

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