Ausgewählter Beitrag

Tod eines Seemanns auf den Molukken 1857

Aus dem Archsumer Zweig der Wachsmuth-Familie mit dem Familienvater Nicolay Wachsmuth, der 1813 noch in Højer geboten wurde, gingen zwischen 1838 und 1849 vier Söhne und zwei Töchter hervor. Einige der Kinder sind vermutlich jung gestorben. Nicolay arbeitete als Arbeitsmann in der Landwirtschaft und war mit der aus Archsum stammenden Merret Hans Christians (18.05.1810 bis 17.06.1850) verheiratet (Hochzeit am 15.08.1838). Er starb am 18.06.1880 in Archsum. Der älteste Sohn von Anna und Nicolay Wachsmuth war der am 11.04.1838 in Archsum vier Monate vor der Hochzeit geborene Nicolay Jessen Wachsmuth. Genau wie nach ihm sein jüngerer Bruder, der spätere Kapitän Meinert Nicolai, der sich 1865 nach einem Schiffbruch in Oregon niedergelassen hat, entschied sich Nicolay Jessen mit 18 Jahren 1856 zur See zu fahren.

 

Laut einem von C.P. Hansen erfassten Bericht fuhr er am 03.08.1856 mit 18 Jahren als Leichtmatrose von Hamburg unter dem Kommando von Kapitän Meinert Boysen aus Kampen auf der Schonerbark „Posa“ in Richtung Hongkong. Stürme in der Biskaya und am Kap der Guten Hoffnung richteten Schäden am Schiff an. Das Schiff ist ohne weitere Vorkommnisse durch die Sundastraße in die Banda- oder Molukkensee  gelangt. Dort haben starke Gegenwinde aus dem Kurs gebracht und schließlich am 10.01.1857 mitten im Ozean auf das Helen-Riff in der Nähe von Neuguinea aufsetzen lassen. Die Mannschaft verließ das Schiff mit dem Beiboot, beladen mit Lebensmitteln, Sextant und Chronometer und sichtete nach 13 Tagen Land, wahrscheinlich die indonesische Inselgruppe der Molukken zwischen Sulawesi und Neuguinea.




Nach der sicheren Landung trafen sie auf Eingeborene, die ihnen Wasser nur im Tausch gegen Kleidungsstücke geben wollten. Die Situation entwickelte sich für die Schiffbrüchigen zunehmend bedrohlicher, da immer mehr Eingeborene an den Strand kamen und sie bedrängten. Zudem waren sie alle mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Daher beschloss Kapitän Boysen, die Insel am Abend wieder zu verlassen. Das war offensichtlich nicht im Sinne der Eingeborenen, die einen Pfeilhagel auf die flüchtenden Seeleute abschossen. Alle Seeleute erlitten Verwundungen, der Obersteuermann wurde tödlich getroffen. Nach sechs Tagen auf dem Meer starb Kapitän Boysen, der eine junge Frau und eine schon verwitwete Mutter hinterließ. Auf einer unbewohnten Insel fanden die Seeleute einige Früchte und frisches Wasser. Nach weiteren vier Tagen auf See erreichten sie Neuguinea. Allerdings wurden sie auch hier von feindlichen Eingeborenen empfangen und zwei Seeleute ertranken bei der Landung. Nachdem man die Überlebenden ausgeraubt hatte, trug man sie in ein Lager und verband die Wunden. So pflegte man sie einige Wochen lang, aber auch der Untersteuermann war kurz nach der Landung gestorben, so dass alle Schiffsoffiziere Tod waren und nur noch vier Besatzungsmitglieder überlebten.

 

Als ein holländisches Schiff vorbeikam, fuhren einige der Eingeborenen zusammen mit Nicolay Jessen Wachsmuth zu dem Schiff und wollten den Leichtmatrosen gegen ein Gewehrt an die Holländer verkaufen. Der Tausch kam aber nicht zustande, weil der holländische Kapitän ablehnte. Allerdings informierte Wachsmuth den Kapitän über die Lage der Schiffbrüchigen und der holländische Kapitän berichtete dies an die beiden preußischen Missionare Geisler und Otto, die drei überlebende Seeleute für einige Gewehre und Stoffballen freikauften. Für Nicolay Jessen kam dies zu spät, er war in der Zwischenzeit verstorben. Die drei freigekauften Matrosen wurden auf einem holländischen Dampfschiff nach Jakarta („Batavia“) und von dort kamen sie am 12.11.1857 wieder in Hamburg an und kehrten in die Heimat zurück. Unter den drei Überlebenden waren ein Sylter und ein Föhrer Seemann.


Nicolay Jessen Wachsmuth wist mein Ur-Urgroßonkel 2. Grades.

 

Jürgen Kaack 12.07.2017, 09.30

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