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Seefahrt und Walfang der Inselfriesen im 17. und 18. Jahrhundert

Im 15. und 16. Jahrhundert waren die Inselfriesen bevorzugt Fischer und Wattschiffer mit Herings- und Schellfischfang in der Nordsee, Rochen-, Schollen- sowie Austernfang im Wattenmeer. Große Heringsschwärme zogen über lange Zeit direkt an der schleswig-holsteinischen Westküste vorbei. Als sich die Zugrichtung endet, ging mit der küstennahen Fischerei in erheblichem Maße zurück. Bei der Erkundung der Gewässer westlich von Grönland auf der Suche nach einer Passage in Richtung Indien wurden große Walfamilien bei Spitzbergen gesichtet, die dort regelmäßig im Sommer hinzogen und Nachwuchs bekamen. In den Jahren nach 1610 entwickelte sich der Walfang vor „Grönland“, gemeint ist eigentlich bei Spitzbergen und wurde für die Seefahrer von Sylt, Föhr und von den Halligen ein wichtiger Erwerbszweig. Die Gründung von Stationen und Tran-Kochereien auf Grönland nach 1630 bis 1777 intensivierte das einträgliche Geschäft.


Die friesischen Seeleute heuerten meist bei hamburgischen und holländischen Reedern an und begannen die Seereise oft in Hamburg. Die Seefahrer aus Föhr waren überwiegend für hamburgische Reedereien unterwegs. Im Frühjahr nach dem traditionellen Biikebrennen auf den Inseln brachen die Männer gemeinsam mit kleineren Schiffen auf, um in Hamburg oder Amsterdam eine Anstellung zu finden. Auch auf diesen kleinen Reisen mit Schmack-Seglern vom und zum Einschiffungshafen passierten Schiffsunglücke, die mit dem Tod der Seeleute auch den Erwerb der verbundenen Familien gefährdete.

 

Die Inselfriesen galten als gute Navigatoren und stiegen oft zu Steuermännern und Kapitänen auf. Da die Seeleute anteilig am Gewinn beteiligt waren, wurden einige Kapitäne wohlhabend. Allerdings gab es bei dieser Erwerbstätigkeit erhebliche Gefahren durch das Eis und bis zu 10% der ausgelaufenen Schiffe wurden in den Eisfeldern zerdrückt. Die Besatzungen konnte in den meisten Fällen von anderen Walfängern gerettet werden. 1777 wurden über 100 Walfangschiffe vom Eis eingeschlossen und verbrachten ein Jahr auf den Schiffen, bis die Vorräte verbraucht waren und die Schiffe dicht an die grönländische Küste getrieben waren. Die Besatzungen verließen die Schiffe und machten sich auf den Weg zu den Siedlungen auf der Westseite von Grönland. Eine Gruppe begab sich auf den direkten Weg quer durch Grönland und verschwand auf diesem Weg spurlos. Die andere Gruppe wanderte entlang der Küste erst nach Süden, dann nach Westen und schließlich nach Norden. Mit Verlusten erreichten sie die Niederlassung und kehrten wieder in die Heimat zurück. Das Unglück, bei dem viele friesische Seeleute ihr Leben verloren, in Verbindung mit den abnehmenden Zahlen von Walen bedeutete faktisch das Ende des Walfangs vor Grönland in großem Stil. Einer der erfolgreichsten und bekanntesten Grönland-Kommandeure war Lorenz Petersen de Hahn, der bis Anfang des 18. Jahrhunderts auf Walfang fuhr. 

Jürgen Kaack 25.07.2017, 10.00

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