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Lorenz Nicolay Janssen - Rentmeister auf Sylt

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 fielen mit dem Prager Frieden von 1866 Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen. Im Friedensvertrag wurde eine Volksabstimmung über die zukünftige nationale Zugehörigkeit des Gebietes im nördlichen Schleswig vereinbart. Spätestens nach dem Prager Frieden hat sich die Berufslaufbahn von Lorenz Nicolay verändert, da er bislang für die dänische Regierung tätig war. Vermutlich ist er bereits 1867 in die Dienste des preußischen Staates gewechselt und mit seiner Familie nach Westerland umgezogen. Das erste „Provinzial-Handbuch für Schleswig-Holstein“ von 1868 weist Lorenz Nicolay Ludwig bis zu seiner Pensionierung aus als Beamten für die vereinigte preußische Provinz Schleswig-Holstein mit der Funktion eines Zolleinnehmers („Zollcontrolleurs“) und eines „Rentmeisters“ für das seit 1816 bestehende Nebenzollamt Sylt und gleichzeitig als Steuerempfänger bei der Steuerkasse Sylt in Tinnum. Mit Lorenz Nicolay kamen seine Frau Catharina Maria und seine fünf Kinder nach Sylt. Zur gleichen Zeit sind auch seine Eltern Elisabeth Charlotte und Johann Janssen nach Keitum umgezogen, um ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Kinder und Enkel zu verbringen. Somit lebten 1867 neun Mitglieder der Familie Janssen auf Sylt.



Johann Janssen war zunächst als Kaufmann in Neustadt (Holstein) tätig und hat am 24.09.1820 in Wester-Satrup bei Sonderburg die dort am 08.12.1787 geborene Elisabeth Charlotte Clausen geheiratet. Ihr Vater Lorenz Nicolay Clausen wurde dort 1758 geboren und arbeitete als Organist und Küster. Er war mit der aus Wester-Satrup stammenden Ingeburg Johannsen (1754) verheiratet. Die beiden hatten neben Elisabeth Charlotte zwei weitere Töchter und zwei Söhne, Christian Carl Clausen, der 1791 geboren wurde, und Otto Ludevig Clausen am 23.04.1793. Otto Ludevig hat die von der Insel Lolland stammende,  1800 geborene Maria Nissen geheiratet und ist mit ihr nach Stokkeby auf der Insel Ærø umgezogen. Dort hat er als Müller gearbeitet wurde Vater von sechs Töchtern und vier Söhnen, die im Zeitraum von 1820 bis 1839 zur Welt kamen. Während der Volkszählung im Kreis Svendborg lebten in dem Haushalt neben der 12-köpfigen Familie noch vier Bedienstete für Mühle und Haushalt.

 

Ein Jahr nach der Hochzeit von Elisabeth Charlotte und Johann Janssen wurde 1821 in Vester-Satrup der Sohn August Janssen geboren, der früh verstorben ist. Vermutlich 1822 ist die Familie nach Ærøskøbing auf der Insel Ærø gezogen, wo Elisabeth Charlottes Bruder Otto Ludevig Clausen bereits mit seiner Familie lebte. Vielleicht gab es eine enge Bindung zwischen Elisabeth Charlotte und ihrem Bruder Otto Ludevig, oder letzterer hat Johann eine Arbeitsstelle auf Ærø vermittelt. In Ærøskøbing wurden 1823 die nach ihrer Großmutter Ingeburg Johannsen benannte Tochter Ingeburg Marie Janssen geboren und am 21.09.1828 ihr Sohn Lorenz Nicolay Ludwig Janssen, der nach dem Vater von Elisabeth Charlotte benannt wurde. Otto Ludevig Clausen wurde einer seiner Paten. Kurz davor war am 20.05.1818 Lorenz Nicolay Clausen als Sohn von Otto Ludevig geboren, hier wurde Elisabeth Charlotte eine der Taufpaten.  Lorenz Nicolay Ludwig Janssen heiratet um 1855 vermutlich in Tondern die dort geborene Maria Catharina Lorenzen (08.01.1825 bis 26.12.1897).

 

Sonderburg ist eine dänische Kommune an der Flensburger Förde und hat heute 75.264 Einwohner in 25 einzelnen Ortsteilen. In der Gemeinde Vester-Satrup oder Sottrup leben 2.020 Personen und sie hat damit im Vergleich zur Kleinstadt Sonderburg mit 27.434 Einwohner einen dörflichen Charakter. Die Lage und nähere Umgebung spricht für eine landwirtschaftliche Prägung von Sottrup, das auf der  kimbrischen Halbinsel liegt. Sonderburg und der östliche Teil der Kommune liegen auf der Insel Als. Sonderburg wurde während des Krieges von 1864 teilweise zerstört, so dass kaum alte Gebäude erhalten sind. Das Sonderburger Schloss von 1170 gehört zu den ältesten Profanbauten in der Region. Heute lebt die Kommune neben dem Tourismus von der Maschinen- Textil- und Lebensmittelindustrie.

 

Ærøskøbing ist der Hauptort auf der Ostseeinsel Ærø, in dem heute 930 Einwohner leben. Ærøskøbing gilt als eine der schönsten Kleinstädte in Dänemark mit einem intakten historisch gewachsenen Stadtbild und ist ca. 750 Jahre alt. Der schleswigsche und der Deutsch-Dänische Krieg ging ohne kriegerische Handlungen an Ærø vorüber, aber die Zugehörigkeit wechselte im Wiener Frieden vom 30.10.1864 vom schleswigschen Nordborg Amt zum Svendborg Amt. In Nordborg war Johann Janssen vermutlich zur Zeit seiner Hochzeit 1820 tätig.

 

Nach den Jahren auf Ærøskøbing lebte die Familie Janssen 1845 in Flensburg im Fischerhof 947 („Sankt Johannis“) und Johann Janssen verdient den Unterhalt der Familie als „Papparbeiter“. Warum dieser Umzug erfolgte bleibt im Dunkeln. Bei der Volkszählung von 1845 lebten die beiden Eltern und die Kinder Ingeburg Marie und Lorenz Nicolay Ludwig in einem Haushalt. Später ziehen Elisabeth und Johann Janssen nach Keitum und sterben dort mit nur einem halben Jahr Abstand 1868 und 1869. Über den weiteren Verlauf des Lebens von Ingeburg Marie ist nichts bekannt.

 

Bald nach der Volkszählung 1845 zog Lorenz Nicolay in das Verwaltungszentrum Tondern, wo er eine Ausbildung für die Laufbahn als Zollbeamter des dänischen Staates absolvierte. In Tondern traf er seine spätere Frau Maria Catherina Lorenzen (geboren am 08.01.1825 in Tondern und verstorben in Keitum), die er um 1853 heiratete. Als „Zollcontrolleur“ und später „Rentmeister“ war Lorenz Nicolay Ludwig Janssen in den ersten Jahren für den dänischen Staat tätig und wird in verschiedenen Ausgaben des „Königlich-dänischen Hof- und Staatskalenders“ erwähnt. Um 1854 war er in Tårnby auf der Insel Amager, hier wurde die ältere Tochter Margarethe Maria Janssen (11.02.1854 bis 28.07.1930) geboren. Vermutlich war die Familie schon 1855 von Tårnby nach Glückstadt gezogen. Dort wird am 12.01.1856 Johann August Carl Janssen geboren und ein Jahr später am 21.09.1857 die zweite Tochter Elise Charlotte Nicoline, die später in Westerland den Baron Georg Baur von Breitenfeld heiratet.  Die Familie von Lorenz Nicolay Ludwig Janssen zog im Laufe des Jahres 1861 von Glückstadt für einige Jahre nach Büsum, wo er wieder als Zollcontrolleur für den dänischen Staat tätig war. Hier wurden die beiden Söhne Claudius Waldemar Janssen (02.10.1861) und Ernst Emil (17.09.1863) geboren. In Büsum kommt 1866 auch die jüngste Tochter der Familie zur Welt und wird nach ihrer Mutter Maria Catherina genannt.

 

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 fielen mit dem Prager Frieden von 1866 Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen. Im Friedensvertrag wurde eine Volksabstimmung über die zukünftige nationale Zugehörigkeit des Gebietes im nördlichen Schleswig vereinbart. Spätestens nach dem Prager Frieden hat sich die Berufslaufbahn von Lorenz Nicolay verändert, da er bislang für die dänische Regierung tätig war. Vermutlich ist er bereits 1867 in die Dienste des preußischen Staates gewechselt und mit seiner Familie nach Westerland umgezogen. Das erste „Provinzial-Handbuch für Schleswig-Holstein“ von 1868 weist Lorenz Nicolay Ludwig bis zu seiner Pensionierung aus als Beamten für die vereinigte preußische Provinz Schleswig-Holstein mit der Funktion eines Zolleinnehmers („Zollcontrolleurs“) und eines „Rentmeisters“ für das seit 1816 bestehende Nebenzollamt Sylt und gleichzeitig als Steuerempfänger bei der Steuerkasse Sylt in Tinnum. Mit Lorenz Nicolay kamen seine Frau Catharina Maria und seine fünf Kinder nach Sylt. Zur gleichen Zeit sind auch seine Eltern Elisabeth Charlotte und Johann Janssen nach Keitum umgezogen, um ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Kinder und Enkel zu verbringen. Somit lebten 1867 neun Mitglieder der Familie Janssen auf Sylt.

 

Nach dem Umzug verbrachten alle seine Kinder ihre Kindheit und Jugend in Westerland. Claudius Waldemar und Ernst Emil haben um 1880 die Insel verlassen und ein Medizinstudium absolviert. Der Tierarzt Dr. Claudius Waldemar Janssen hat sich anschließend in Wesselburen mit einer Praxis niedergelassen, ganz in der Nähe seiner Geburtsstadt Büsum. Um 1900 lebt er mit seiner Familie in Meldorf und um 1910 in Ratzeburg. Warum die Familie nach Meldorf und Ratzeburg umgezogen ist, konnte nicht aufgeklärt werden. Erst um 1918 kehrt Claudius Waldemar mit seiner Frau Mathilde nach Westerland zurück. Die beiden Töchter Margarethe und Elise haben 1876 mit 22 bzw. 19 Jahren noch bei den Eltern gewohnt, als sie August Baron Baur von Breitenfeld und seinen Sohn Georg Eduard Otto kennengelernt haben. Ob Johann August Carl Janssen Sylt verlassen hat, um eine Ausbildung als Kaufmann zu absolvieren, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat er in der Friedrichstraße 34 (die damalige Hausnummer war 19) in Westerland um 1885 ein Bankgeschäft zur Zeit des prosperierenden Tourismusgeschäftes eröffnet. 1900 lebten fünf Mitglieder der Familie Janssen in Westerland. Seinen Ruhestand hat Lorenz Nicolay Ludwig mit seiner Frau in seiner Wohnung in der Paulstraße in Westerland verlebt, die dort mit 73 Jahren am 26.12.1897 an Magenkrebs gestorben ist. 1905 ist er nach Flensburg zurückgekehrt, wo er bereits in seiner Jugend gelebt hatte. Dort hat Lorenz Nicolay Ludwig in der Nähe seines Sohn Ernst Emil in der Große Straße 9 gewohnt. Auf jeden Fall ist er dort am 06.03.1918 im Alter von fast 90 Jahren gestorben und wurde in Westerland beerdigt. 

Jürgen Kaack 26.07.2017, 17.30

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