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Johann Janssen - Gründer eines Bankhauses auf Sylt

Der am 12.01.1856 in Glücksstadt geborene Johann August Carl Janssen ist um 1880 nach Westerland umgezogen und hat sich dort am 10.04.1882 mit der aus Kampen stammenden Dorothea Katharina Kamp (geboren am 17.08.1861) vermählt. Die Vorfahren von Dorothea lebten anscheinend über eine längeren Zeitraum im damals ländlichen Kampen. Ihr Vater Peter Jürgen Hansen Kamp wurde am 17.07.1823 geboren, lebte als Landmann und Rentier und starb am 31.03.1898 mit fast 75 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls. Dorotheas Mutter Helena Jürgensen wurde am 28.07.1830 in Keitum geboren und verbrachte ihr Leben nach der Hochzeit in Kampen, wo sie am 25.10.1901 mit 71 Jahren starb. Neben Dorothea hatte die Familie einen sechs Jahre jüngeren Sohn Jürgen Peter Kamp, der am 23.03.1867 geboren wurde und als Landwirt und Gemeindevertreter in Kampen tätig war. Am 27.10.1891 hat er die am 19.09.1870 in Liste geborene Friederike Margarethe Pahl geheiratet. Sie starb am 26.12.1956 mit 86 Jahren, ihr Ehemann wurde fast 101 Jahre alt und starb am 10.01.1968!

Johann August Janssen ist Gründer des nach ihm benannten „Bankhaus Johann Janssen“ gegründet in der Friedrichstraße 19. In dem aufstrebenden Seebad haben sich trotz der geringen Bevölkerungszahlen Ende des 19. Jahrhunderts einige Bankgeschäfte etabliert. Neben den in den ländlichen Gebieten üblichen Spar- und Leihkassen bringt das Geschäft mit der Errichtung neuer Immobilien und während der Saison mit den Touristen Umsatz. Johann August Janssen ist Stadtverordneter im Westerländer Gemeinderat und Mitglied in der Badekommission. Diese Ehrenämter sind in Verbindung mit der Bankierstätigkeit sicher vorteilhaft. In der Käptn-Christiansen-Straße 9 (damals noch Damenbadstraße) erbaut er 1902 ein Wohnhaus, in dem seine Witwe später Zimmer an Kurgäste vermietet.




Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Schleswig-Holstein kaum Bankinstitutionen. Zur Finanzierung von landwirtschaftlichen Geschäften wurde der einmal im Jahr stattfindende „Kieler Umschlag“ genutzt, bei dem sich im Vorfeld zu einer landwirtschaftlichen Messe und verschiedenen Festlichkeiten Geldgeber und Kreditsuchende trafen. Daneben gab es für die adligen Gutsbesitzer die „Landschaft“ mit einem Schwerpunkt im Hypothekengeschäft. Viele der damaligen Geldgeschäfte erfolgten allerdings auf der Basis des Bargeldtausches. In Verbindung mit zunehmendem Handelsgeschäft auch mit ausländischen Geschäftspartnern entstand die Nachfrage nach Sorten- und Wechselgeschäften. Neben der Landwirtschaft benötigten auch Handwerker und Mittelständler Kredite zur Finanzierung. Angetrieben durch diesen Bedarf entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in den kleineren Städten in Schleswig-Holstein eine Vielzahl von Kredit- und Leihkassen, sowie Privatbanken, die den lokalen Bedarf an Geldgeschäften befriedigten. 


Eine der ersten Privatbanken dieser Art an der Westküste war die von Thomsen 1890 in Tönningen gegründete „Tönninger Darlehens-Bank“ gewesen sein, die sich schwerpunktmäßig mit der Finanzierung der „Gräser“ in der Gegend von Dithmarschen befasst hat, die zum Teil ohne eigene Weideflächen im Frühjahr Magervieh in Jütland kauften, über das Jahr gemästet und dann mit Gewinn nach England verkauft haben. Die Finanzierung deckte dabei die Zeitspanne zwischen dem Kauf des Magerviehs bis zum Verkauf ab. 
Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung ist vermutlich auch auf Sylt in Verbindung mit dem zunehmenden Handel und den neuen Anforderungen seit der Gründung des Nordseebades Westerland ein Bedarf an einem Bankgeschäft entstanden. Wann das Bankhaus „Johann Janssen“ gegründet wurde, steht nicht genau fest, aber es dürfte in den Jahren zwischen 1880 und 1890 gewesen sein. Wie viele andere kleine Privatbanken dürfte auch in diesem Fall die Eigenkapitalausstattung recht begrenzt gewesen sein und der Markt der Unternehmen und Haushalte auf Sylt damals noch sehr überschaubar. Daher hat das Bankhaus Johann Janssen vermutlich eher Geldgeschäfte mit dem Sortengeschäft und dem Handel von Wechseln sowie der Vergabe kleinerer Kredite wahrgenommen als die Geschäfte einer heutigen Vollbank.

 

Spätestens in der Zeit der stark steigenden Inflation nach dem ersten Weltkrieg waren viele der kleinen Privatbanken nicht mehr alleine überlebensfähig und schlossen sich zusammen oder wurden übernommen. 1921 wurde auch das Bankgeschäft von der Schleswig-Holsteinischen Bank übernommen, die 1890 von Eiderstedter und Dithmarscher Landwirten als „Tönninger Darlehens-Bank“ gegründet wurde. Johann Janssen starb drei Jahre später im Jahr 1924. Die Umfirmierung zur „Schleswig-Holsteinischen Bank“ erfolgt 1890. 1908 verlagerte die Bank ihren Sitz von Tönnigen nach Husum. Durch Gebietsabtretungen an Dänemark gingen der Bank sechs Filialen an Dänemark verloren. Ab 1920  erfolgte das Wachstum durch Übernahmen von kleineren, lokal tätigen und für sich alleine vermutlich nicht überlebensfähigen Bankgeschäften:

 

·       1920: Spar- und Leihkasse Kappeln

·       1920: Friedrichstädter Bankverein

·       1921 Spar- und Leihkasse Ladelund

·       1921 Bankgeschäft Johann Janssen in Westerland

·       1928 Schleibank in Kappeln

·       1932 Bankverein für Schleswig-Holstein

 

1943 erfolgte die Verschmelzung mit der „Westbank“ zur „Schleswig-Holsteinische und Westbank“, 1974  fusionierte diese mit der 1856 in Hamburg gegründeten Vereinsbank zur „Vereins- und Westbank AG“. 1977 wuchs die Bank weiter durch die Übernahmen des Bankhauses „Nicolai & Co.“ aus Hannover und der „Gottschalk & Co. Bank“ aus Hildesheim. In diesem Jahr erfolgte neben der Ausweitung des Bankgeschäfts nach Niedersachsen die Eingliederung der „Creditbank AG“ aus Flensburg. 2004 endete die Geschichte dieser regional verwurzelten Bank mit der „Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG“.


Ein frühes Foto vom Bankhaus Janssen um 1880 in der Friedrichstraße in Westerland (zur Verfügung gestellt vom Sylter Archiv), heute wird das Gebäude von einem Optiker genutzt.



Jürgen Kaack 18.07.2017, 10.40

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