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Jahresrückblick 2012 und Ausblick 2013

2012 ist im Breitband-Bereich ein Jahr des beginnenden Umbruchs gewesen. Die Anzahl neuer Vorhaben zur Sicherstellung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s ist deutlich rückläufig. Dabei kann man trefflich streiten, ob 2 MBit/s schon das Prädikat „Breitband“ verdient! Gut ausreichend sind derzeit wohl eher 16 MBit/s, wenn Internetfernsehen in HD-Qualität nicht benötigt wird. Der Bedarf wird sicher weiter steigen, vor zehn Jahren waren noch 0,128 MBit/s „auskömmlich“ und das Ende ist nicht abzusehen. Dabei gibt es derzeit noch keine Massen-Anwendungen, die mehr als 25 MBit/s benötigen.

 

Es gibt allerdings selbst bei der 2 MBit/s Grenze immer noch unterversorgte Gebiete, wenn es auch kaum verlässliche Quellen hierfür gibt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in dünner besiedelten ländlichen Räumen – die schon am Rand der Ballungsgebiete beginnen – noch ca. 10% aller Anschlüsse unterversorgt sind. Für einen herkömmlichen Fiber-to-the-Curb (FttC) Ausbau sind diese Gebiete aber wohl selbst bei Gewährung einer einmaligen Zuwendung kaum wirtschaftlich. Neben Brückentechnologien z.B. auf Basis von Funkübertragung bietet in diesen Fällen nur der Glasfaserhausanschluss eine nachhaltige Lösung.

 

Im Jahr 2012 waren bereits deutlich mehr Projekte mit Next-Generation-Access (NGA), d.h. mit breitbandigem Hausanschluss gefragt als im Jahr zuvor. Vorrangig sind hier Kommunen aktiv geworden, die über eigene Stadtwerke verfügen. Aber das Beispiel des Kreises Heinsberg zeigt, dass Kreise auch dann Aktivitäten entfalten können, wenn es (fast) keine kommunalen Stadtwerke gibt. Im Falle von Heinsberg hat dies einen privatwirtschaftlichen Investor auf den Plan gerufen, der selber in passive Infrastruktur (Leerrohre und Glasfaser) investieren will, sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden.

 

Es ist kaum verwunderlich, dass in 2012 verstärkt Ausbaukonzepte für Gewerbegebiete nachgefragt waren. Gewerbegebiete liegen in der Regel am Rande einer Kommune und erhalten aufgrund der langen Leitungslängen bei hoher Dämpfung nur eine schwache Internetgeschwindigkeit. Zwar sind fast überall Sondervertragslösungen mit einer Direktanbindung von verschiedenen Netzbetreibern erhältlich. Aufgrund der deutlich höheren Kosten für diese Geschäftskunden-Produkte, die in der Regel bei monatlich 400 Euro beginnen, nutzen im Durchschnitt nur 10% der Betriebe in einem Gewerbegebiet solche Lösungen. Der Druck zur Schaffung neuer Lösungen steigt somit! Auch in diesen Fällen ist eine NGA-Anschlussnetz die optimale und nachhaltige Lösung. Aber nicht immer ist ein NGA-Ausbau möglich und dann sind andere Technologien gefragt.

 

Für 2013 ist abzusehen, dass sich der Trend zu Glasfaser-Hausanschlüssen weiter verstärkt. Förderprojekte zur Schließung der Grundversorgung werden auslaufen und es ist offen, ob die derzeitigen EU-Förderprojekte (GAK, RWP) über das Jahresende 2013 hinaus überhaupt weiter verlängert werden. Die „Hauptakteure“ des NGA-Ausbaus mit Glasfaser-Anschlussnetzen werden auch in 2013 Kreise, Kommunen und Stadtwerke sein. Die Netzbetreiber konzentrieren sich beim Ausbau auf Ballungsgebiete, in denen über einen Anschluss mehrere Wohneinheiten erreicht werden.

 

Eigentlich wäre die Politik gefordert, den Breitbandausbau voranzutreiben, um die schon vorhandene digitale Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen nicht weiter zu vertiefen. Aber nachdem schon die Bundesregierung außer einer unverbindlichen Zieldefinition keine Strategie entwickelt hat, obliegt der NGA-Ausbau in erster Linie den Bundesländern. In Hessen und Bayern gibt es hierfür zumindest Programme und Budgets, aber ansonsten geschieht doch eher wenig. So wirkt das in der Poststrukturreform II begründete (und auch heute nicht mehr umkehrbare) Problem weiter in die Zukunft und die Lösung wird von Bund und Ländern den oft finanziell „klammen“ Kommunen zugeschoben...

Jürgen Kaack 30.12.2012, 12.02

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