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Geschichtlicher Abriss zu Wyk auf Föhr



Durch Zufall bin ich auf den kolorierten Stahlstich von dem Ort Wyk auf Föhr etwa aus dem Jahr 1845 gestoßen. Die Vorfahren meiner Familie kommen ja nicht nur aus Schleswig-Holstein und Jütland sowie Sylt, sondern auch von den Halligen Langeneß, Gröde, Habel und der Insel Föhr.

Der Hafen und die spätere Stadt Wyk gehen auf eine Bucht („Wyck“) mit einem Naturhafen am südöstlichen Ende der Insel zurück und wurde erst ab 1602 besiedelt. Nach der Sturmflut von 1634 sind zahlreiche Bewohner von Nordstrand und den Halligen nach Föhr umgesiedelt und wählten Wyk als neue Heimat. In der gleichen Zeit wurden Fischfang und Seefahrt wichtiger, so dass die Bedeutung von Wyk als Hafen- und Handelsort zunahm. Wyk erhielt nach starken Wachstum, der weiteren Entwicklung des Hafens mit Packhäusern und eigenen Schiffen 1704 die Hafengerechtigkeit und wurde 1706 verwaltungs- und steuerrechtlich von Osterlandföhr abgespalten. Bei dieser Gelegenheit wurde Wyk Gerichtsstandort. Hierzu wurde ein Gerichtsvogt eingesetzt und zwei Gerichtsbeisitzer gewählt, die zusammen mit acht Deputierten wichtige Aufgaben der Verwaltung von Wyk übernahmen.

Bei der Volkszählung von 1769 lebten 6.146 Menschen auf Föhr, davon 692 in Wyk. Es standen insgesamt 1.450 Häuser auf Föhr und 1.600 Männer waren in der Seefahrt tätig, entsprechen 26% der Gesamtbevölkerung. Diese Quote entspricht in etwa den Werten für die Insel Sylt zur gleichen Zeit. Unter den Seeleuten waren 1760 5% als Kapitäne und 16% als Steuerleute registriert! Um 1790 lebten in Wyk 770 Einwohner in 194 Häusern, der später eingemeindete Ort Boldixum hatte 120 Häuser. Die Häuser auf Föhr wurden in Reihen errichtet, die von Ost nach West ausgerichtet waren und zwischen denen die erst im 18. Jahrhundert gepflanzten Bäume zum Ende des Jahrhunderts die Häuser überragten.

Um 1800 beeinträchtigten wirtschaftliche Probleme die weitere Entwicklung und die Bevölkerungszahl sank von vorher 770 auf 580 im Jahr 1820, gleichzeitig verfiel ein Viertel der Gebäude im Ort. Im Jahr 1820 waren 36 Seefahrer von Föhr als Schiffskapitäne angestellt, darunter noch 4 als „Commandeure“ auf Walfangschiffen nach Grönland. 1819 wurde Wyk zum ersten Seebad im Herzogtum Schleswig, Westerland folgte erst 1855. Auch in Wyk stiegen die Touristenzahlen zunächst langsam von ca. 100 um 1820 auf 200 im Jahr 1840. Zu den prominenten Feriengästen in Wyk zählten der dänische König Christian VIII und Hans Christian Andersen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die wirtschaftliche Situation auf Föhr offensichtlich besonders schlecht. Etwa 40% der jüngeren Bevölkerung wandert in dieser Zeit in die USA aus, überwiegend nach New York und Chicago. Da die Auswanderer überwiegend männlich sind, verschiebt sich die Gesellschaftsstruktur mit einem erheblichen Frauenüberschuss. Um dem gegenzusteuern, werden Dienstmädchen für eine Tätigkeit in den USA gesucht. Ein so starker Exodus einer halben Generationen kann erst im Laufe der Zeit ausgeglichen werden.

Erst 1910 erhielt Wyk die Stadtrechte und 1924 wurde die Gemeinde Boldixum eingemeindet. Seit 1955 ist Wyk als Nordseeheilbad anerkannt und heute leben knapp 4.300 Einwohner in Wyk. In den anderen Gemeinden der Insel leben noch mal 4.200 Einwohner. Heute stellt der Tourismus auch auf Föhr die wichtigste Einnahmequelle dar.

Jürgen Kaack 06.11.2017, 11.20

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