STZ - Consulting Group

Ausgewählter Beitrag

Familie Wachsmuth zieht nach Sylt



Oben ein Photochrom-Druck der Munkmarscher Mühle um 1895 gehört zu den wenigen Stücken, die ich auftreiben konnte. Durch die aufwändige Drucktechnik wirkt das Foto ungeheuer plastisch. Die von Photochrom Zürich entwickelte Technik erlaubte farbige Abbildungen von den damals nur schwarz-weiss erstellten Fotografien. Im Gegensatz zum Lichtdruck erfolgte die Erstellung der Druckplatten nicht mit einer Gelatine-Schicht auf einer Glasplatte sondern mit "syrischem" Asphalt, einer lichtempfindlichen Bitumen-Substanz auf einem Lithostein. Für die verschiedenen Farben waren einzelne Druckplatten und mehrere Druckvorgänge erforderlich. Mit dem Lichtdruck gemeinsam ist die rasterlose Abbildung.

Eine interessante Entwicklung hat die Familie Wachsmuth genommen. Einige Jahre lang habe ich nach der Herkunft des derzeit noch ältesten bekannten Vertreters dieses Familienzweiges geforscht. Johann Andreas Wachsmuth taucht 1737 wie aus dem Nichts in Hadersleben auf. Er ist Kürassier in einer Kompanie des Oldenburgischen Kürassier-Regiment Friis unter dem Kommando von Rittmeister von Lersner. Zusätzlich ist er als Hutmacher tätig. Er ist verheiratet mit einer in Nimptsch (Schlesien) geborenen Frau, beide bekommen in Hadersleben vier Kinder. Vor Kurzem ist durch Zufall ein Dokument aufgetaucht, dass er ursprünglich aus Göttingen kam. Hier laufen noch Recherchen.

Die Familie zieht um 1750 nach Sønder Sejerslev bei Tondern, wo Johann Andreas wohl einen Hof erworben hat. Nur einer der Kinder erreicht das Erwachsenenalter und zieht mit seiner aus Tondern stammenden Frau in die Fischerhäuser von Aventoft, ein Armenquartier. Er arbeitet als Schneider, seine Frau als Hebamme. Mit 46 Jahren stirbt er an der Schwindsucht. Die meisten seiner neun Kindern überleben die Kinderzeit nicht, einer der Söhne ertrinkt mit 15 Jahren beim Schlittschuhlaufen. Der älteste Sohn Nicolay Jessen Wachsmuth heiratet in Aventoft und bekommt zwei Söhne, mit 37 Jahren stirbt seine Frau. Danach geht er mit beiden Söhnen nach Hoyer und wird Bootsführer. Er heiratet erneut und bekommt drei weitere Kinder, mit 55 Jahren stirbt er.

Sein ältester Sohn Johann Friedrich zieht nach Munkmarsch auf Sylt und absolviert in der abgebildeten Mühle eine Ausbildung. Sein Bruder zieht von Hoyer nach Westerland und sein Halbbruder Claus Detlef Lütje Wachsmuth, mein Ur-Urgroßvater, zieht von Hoyer über Tondern, wo er ein Lehre als Schuhmacher durchläuft, nach Tinnum und errichtet einen Hof. Ein anderer Halbbruder zieht nach Archsum. Ein Sohn wandert später in die USA aus. Somit hat sich wie bei manchen anderen Familien der Lebensmittelpunkt im 19. Jahrhundert komplett nach Sylt verlagert. Einer der frühen Umzüge nach Sylt war jener Johann Friedrich, der um 1819 nach Munkmarsch kam. Über die weitere Entwicklung kann ich gerne ein anderes Mal berichten.

Um 1819 ist ein Sohn von Nicolay Jessen Wachsmuth von Hoyer nach Munkmarsch gezogen und hat dort bei Niels Lorenzen Möller eine Ausbildung zum Müller absolviert, bevor er sich als Fuhrmann in Braderup niedergelassen hat.

Jürgen Kaack 25.10.2017, 09.21

Kommentare hinzufügen


Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

2017
<<< November >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  0102030405
06070809101112
13141516171819
20212223242526
27282930   

Einträge ges.: 778
ø pro Tag: 0,2
Kommentare: 50
ø pro Eintrag: 0,1
Online seit dem: 19.05.2006
in Tagen: 4207
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3