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Familie Kaack: von Mühbrook bis Westerland

Familie Kaack ist der letzte Zweig der Vorfahren, der 1919 nach Westerland gezogen ist, fast 90 Jahre nachdem die vier Wachsmuth-Brüder nach Sylt kamen, 70 Jahre nach Kapitän Söeberg aus Göteborg, 50 Jahre nach der Familie Janssen, die aus Büsum nach Westerland kam und immerhin nach 30 Jahre, nachdem die Familie Carstensen aus Rodenäs zugezogen ist. Alle Familienzweige haben eine recht unterschiedliche und interessante Entwicklung durchlaufen.


Die Wege der Nachkommen der Familien Kaack und Janssen haben sich erst Ende des 19. Jahrhunderts in Flensburg gekreuzt, wo keine der beiden Familien vor 1880 ansässig war.


Schon im 15. Jahrhundert muss es Vertreter der Familie Kaack in Mühbrook gegeben haben. Der König hatte dem Kloster in Bordesholm Abgaben auf die Ländereien in Mühbrook zugebilligt und es liegen frühe Abrechnungen von 1501 und 1564 vor, in denen die Abgaben 1501 Abgaben von einem Clawes und einem Henneke Kack aufgeführt sind. In der Abrechnung von 1564 werden ein Clawes und ein Hanß Kaeck aufgelistet. Dies werden vermutlich Vorfahren der späteren Mitglieder der Kaack-Familie gewesen sein, die eigene Ländereien besaßen und daher abgabenpflichtig geworden sind. Der älteste nachgewiesene Vorfahre der Familie ist der um 1585 geborene und in Mühbrook verstorbene Hufner Lorenz Kaack, weitere Daten über ihn sind nicht bekannt. Lorenz Kaack hatte spätestens ab 1606 einen Hof in der Dorfstraße 28 in Mühbrook mit einer Vollhufe Land. Die nachfolgenden Informationen zu dem Hof und seinen Besitzern wurde dem „Hufenbuch“ von Jürgen Kaak entnommen. Das heute an dieser Stelle befindliche Gebäude wurde von dem späteren Hufner Carsten Reese um 1742 errichtet. Nach dem LAS, Abt. Gebäudesteuer von 1867 wird das Anwesen wie folgt beschrieben:

 

Wohnhaus, mit geräumigem Hofraum und Garten, Fachwerk mit Ziegeln, Strohdach, Zustand gut, 1 heizbare Stube, 5 nicht heizbare Kammern, 1 Tenne und 1 Keller, das Gebäude ist hell, aber nicht geräumig, Raum für 8 Pferde und 18 Kühe

Scheue, Fachwerk mit Ziegeln, Strohdach, Zustand gut, Raum für 16 Schafe, 1 Keller, 1 Kammer, 1 Tenne, die übrigen für Korn und Futter, Brennmaterialien

Backhaus, massiv, Ziegeldach, Zustand gut

Schweinestall, Fachwerk mit Ziegeln, Strohdach, Zustand schlecht, Raum für 8 Schweine

Altenteilskate, Wohnhaus mit geräumigem Hofraum und Garten, Fachwerk mit Ziegeln, Strohdach, Zustand gut, 3 heizbare Stuben, 3 nicht heizbare Kammern, 1 heizbare Werkstätte, das Gebäude ist hell und geräumig, Raum für 2 Kühe und 3 Schafe, 1 Keller, 1 Tenne

Stall, Fachwerk mit Ziegeln, Strohdach, Zustand gut, Raum für 2 Schweine und 2 Schafe.

 


Sein Sohn ist der etwa 1620 in Mühbrook geborene Franz Kaack, der mit einer Margaretha verheiratet war, sechs Kinder bekam und 1670 verstarb. Auf ihn folgte sein gleichnamiger Sohn Franz Kaack, der gegen 1650 in Mühbrook zur Welt kam. Außer ihm hatten Margaretha und Franz vier weitere Kinder: Hans (um 1652 bis 1713, Hufner in Mühbrok), Anike, Jochim und Heinrich. Der jüngere Franz hatte sechs Kinder, von denen der älteste Sohn Jacob Hufe und Hof erbte. Der zweitgeborene Sohn Hinrich verließ Mühbrook und zog in das nahegelegene Langwedel, wo auch als Hufner auf eigenem Land tätig wurde. Mit der aus Nortorf stammenden Catharina Rohwer zeugte er sechs Söhne.

 

Der viertälteste Sohn Jochim Kaack heiratete Magdalena Lencke Rixen aus Loop und zog mit seiner Familie von Langwedel nach Nübbel bei Rendsburg. Das Paar bekam stattliche elf Kinder, die überwiegend in der Region blieben. Der jüngste Sohn (das zehnte Kind) war der 1750 geborene Hans Kaack, der mit Margaretha Wieck drei Söhne zur Welt brachte. Sein zweiter Sohn Jochim wurde Käthner in Nübbel und heiratete Wiebke Grimm aus dem benachbarten Fockbeck. Das Paar hatte zwei Söhne und zwei Töchter.

 

Der jüngere 1807 geborene Sohn Claus Kaack ging als erster Vertreter aus der Familie Kaack nicht mehr einem Beruf in der Landwirtschaft nach. Er brachte sich autodidaktisch das Wissen bei, um als Lehrer tätig zu werden. Zunächst war in Hohn als Unterlehrer tätig, dann 1827 als Dorfschullehrer in Agethorst im Amt Schenefeld. Dort lernte er Thrin Schröder, die Tochter des Lehrers Hinrich Schröder kennen, der in Vaale lebte und an der Gemeinschaftsschule der beiden kleinen Dörfer Vaale und Wacken unterrichtete. Schröder selber stammt aus Gribbohm, wo sein Vater Carsten Schröder ein wohlhabender Landwirt mit eigener Hufe war. In seiner Jugend war Carsten Reiter beim 1. Seeländischen Regiment. Mit seiner Frau Trienke Vollstedt hatte er acht Kinder. Er starb mit 59 Jahren durch einen Sturz vom Glockenturm. Sein ältester Sohn Clas Schröder folgte ihm als Hufner. 1844 tritt Claus Kaack eine Stelle als Distriktlehrer in Borgdorf an, wo er bis zu seiner Pensionierung 40 Jahre lang unterrichtet.

 

Thrin und Claus Kaack bekommen zehn Kinder, von denen keines in Agethorst oder Borgdorf bleibt. Die älteste Tochter Wiebke Catharina Leopoldine geht zurück nach Nübbel und heiratet den Hufner Claus Rohwer. Joachim Alexius Kaack heiratet in Glückstadt und zieht nach Hamburg, wo er als Handelsvertreter arbeitet. Hinrich Hermann geht nach Kiel und eröffnet eine Tuch-, Manufaktur- und Bodenwarenhandlung. Der jüngste Sohn Johannes Kaack wird in Borgdorf geboren und absolviert in Husum eine Ausbildung zum Buchbinder. Er heiratet die Stieftochter Catharina Anganetha Dora Johannsen, deren Eltern von Wyk auf Föhr und den Halligen stammen. Nach dem Tod seines Lehrherrn Lorenz Thomsen übernimmt er den Laden im Zentrum von Husum. 1883 zieht er nach Flensburg und gründet ein neues Unternehmen mit Buchdruckerei, Schreib- und Papierwarenhandel. Es expandiert und gründet Filialen in Wyk und Westerland. Von ihren vier Kindern überlebt nur Hermann, der Tiermedizin studiert. Nachdem der Sohn Willy 1908 mit 22 Jahren stirbt, verkauft Johannes sein Unternehmen und zieht sich zurück.

 

Von den Kindern der Eheleute Johannes Kaack und Catharina Anganetha Dora Johannsen überlebt nur Hermann Carl Kaack, geboren am 05.09.1884 die Jugend und verbringt in Flensburg eine offensichtlich glückliche Jugend in einem großbürgerlichen und wohlhabenden Elternhaus zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Willy. Nach dem Abitur beginnt Hermann Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Jurastudium.Schon bald nach Beginn des Studiums muss ein Treffen mit Dr. Claudius Waldemar Janssen erfolgt sein, der sein Veterinärmedizin-Studium vermutlich bereits vor 1900 abgeschlossen hat.

 

Da Dr. Ernst Emil Janssen, ein jüngerer Bruder von Claudius Waldemar als Zahnarzt in der Große Straße 9 praktizierte, also praktisch gegenüber vom Betrieb von Johannes und nicht weit entfernt von der Wohnung im Südergraben, könnte die Verbindung zu Hermann auch auf diesem Weg zustande gekommen sein. Sicher war Mathilde aus Wesselburen häufiger zu Besuch in Flensburg bei ihrem Onkel und hat dabei vielleicht Hermann getroffen? Zum Zeitpunkt des Studienbeginns von Hermann war Mathilde gerade erst 10 Jahre alt und insgesamt 13 Jahre jünger als Hermann. Aus welchem Grund auch immer, auf jeden Fall wechselte Hermann die Studienrichtung und studierte Tiermedizin an der Universität in Freiburg. Ernst Emil wurde später Trauzeuge und war zum Zeitpunkt der Hochzeit von Mathilde und Hermann am 18.12.1919 knapp 56 Jahre alt.

 

Zu Beginn des ersten Weltkriegs hat Hermann sein Studium vermutlich schon abgeschlossen und dient im Landwehr-Infanterie-Regiment (L.I.R.) 85, das dem IX Armeekorps unterstellt war und 1914 in Flensburg aufgestellt wurde. Die Landwehr-Regimenter stellten die dritte Kategorie der Armeeteile dar, nach den regulären und den Reserve-Regimentern. Das I. und II. Bataillon diente als Inselbesatzung auf Sylt und wurde mit dem Reserve-Infanterie-Regiment (R.I.R.) 79 zusammengelegt. Die Mannschaftsstärke lag bei etwa 12.500 und eingesetzt wurde das R.I.R. 79 zunächst an der Ostfront im Rahmen der Schlacht um die masurische Seenplatte, 1915 war es an der Belagerung von Kovno in Litauen beteiligt und bei der Schlacht um Vilnius, die zur vollständigen Besetzung des litauischen Gebietes durch die Deutsche Reichswehr führte. Von Oktober 1915 bis November 1916 befand sich die Division im Stellungskampf und wurde danach als Reserve an die Westfront in Flandern verlegt.

 

Nach dem Krieg beginnt Hermann mit dem Promotionsstudium an der Universität in Hannover, wo ihm am 12.07.1918 die Doktorwürde verliehen wird. Nur ein Jahr später am 18.12.1919 heiratet er in Flensburg Mathilde Marie Janssen, die Tochter von Dr. Claudius Waldemar Janssen, der zu diesem Zeitpunkt eine Tierarztpraxis in Meldorf betreibt, und zieht mit ihr nach Westerland, wo er eine Tierarztpraxis betreibt. Der erste Wohnsitz der Familie Kaack in Westerland lag im ersten Stock im früheren „Haus Ohlsen“ in der Friedrichstraße 18. Hier lebte die Familie von 1919 bis ca. 1930. Nach dem Tod von Johannes Kaack zieht seine Witwe Catharina Anganetha bis zu ihrem Tod 1922 zu ihrem Sohn und lebt mit in der Wohnung in der Friedrichstraße. Die Tierarztpraxis lag im linken Teil des Gebäudes. Hier wurden die beiden Kinder Wilhelm und Günther geboren (zumindest fast, denn Mathilde fuhr per Schiff über Hoyer nach Flensburg zur Entbindung) und hier starb Mathilde Kaack bei der Geburt des dritten Kindes. Das Foto von Mathilde und Hermann Kaack wurde vermutlich 1919 anläßlich der Hochzeit aufgenommen. Die ersten beiden Fotos des Gebäudes sind um 1905 bis 1915 aufgenommen, darunter eine Anzeige aus dem Sylt-Führer von 1906, das untere Foto ist um 1920 bis 1930 entstanden, als Familie Kaack die Etage im Hochparterre bewohnt hat.









Jürgen Kaack 15.11.2017, 18.11

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