STZ - Consulting Group

Ausgewählter Beitrag

Erfahrungen mit dem teilautonomen Fahren

Nach einigen Wochen Erfahrungen mit dem teilautonomen Fahren bzw. der Nutzung von Fahrerassistenz-Systemen zeigen sich die Vorteile, aber auch noch fehlende Komponenten. 

Das Ganze erinnert mich stark an die Entwicklungen bei einem Tochterunternehmen von BMW, bei dem ich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre tätig war. Schwerpunkte der F+E-Aktivitäten waren Sensoren und Sensorsysteme für unterschiedliche Anwendungen, z.B. für die exakte Vermessung von unterirdischen Kavernen oder die linienförmige Temperaturmessung als Brandschutzsystem. Für den Automobilen Einsatz wurde an einem Bussystem zur Vernetzung und Steuerung von Aktuatoren und den Abruf von Sensordaten gearbeitet. Zum Zuge kam dann allerdings das Wettbewerbssystem mit dem CAN-Bus, der sich heute in allen Automobilen befindet. Es wurde allerdings auch an Sensoren zur Überwachung des Verkehrs vor, hinter und an den Seiten des Fahrzeugs gearbeitet, die z.B. Warnungen bei Spurwechseln geben sollten, wenn ein anderes Fahrzeug überholte. Vieles war grundsätzlich damals schon möglich, aber überholende Motorräder und Büsche am Fahrbahnrand konnten noch nicht sicher auseinander gehalten werden. Auch der Einsatz von Bilderkennung war ein Teil der Sensorik.

Die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Überwachung des vorausfahrenden Verkehrs funktioniert heute schon gut und zuverlässig. Bei abbiegendem Verkehr verhält sich das System allerdings noch nicht so richtig. Auch die automatische Spurhaltung ist noch verbesserungsfähig, wenn die Fahrbahnmarkierungen nicht eindeutig sind. Für meinen Geschmack orientiert sich der Spurhalteassistent zu sehr am Mittelfahrstreifen. 

Die Verkehrszeichenerkennung ist ein wirkungsvolle Hilfe, aber es wäre nicht schlecht, wenn auf Verkehrslichtzeichen wie Ampeln erkannt würden und Ortsschilder mit den erlaubten 50 km/h interpretiert würden.

Insgesamt ist es aus meiner Sicht eine erhebliche Steigerung der Sicherheit. Die Nutzung der autonomen Systeme ist wohl weitgehend ausgereizt. Jetzt fehlt noch eine Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und zwischen Fahrzeugen und Straße. Damit könnten die Voraussetzungen für autonomes Fahren geschaffen werden. Hier sind dann allerdings leistungsfähige Kommunikationsnetze erforderlich, die ohne Latenzzeiten und mit hoher Zuverlässigkeit arbeiten. Dies braucht großflächige Glasfasernetze und schnelle Funklösungen wie 5G.

Bemerkenswert ist, wie langwierig die Entwicklung bis zu einem serienreifen Produkt dauert, in diesem Fall gut 20 Jahre. Auf jeden Fall spannend, bei einem solchen Prozess am Rande involviert gewesen zu sein. Damals war eigentlich schon klar, welche Entwicklung möglich ist und wie der Nutzen sein wird. Wichtige Schritte wie leistungsfähigere Prozessoren und Miniaturisierung fehlten noch. Von der Politik sollte eine bessere Unterstützung für mittelständische Unternehmen geschaffen werden, damit solche langwierigen Entwicklungen auch im Mittelstand möglich werden.

Jürgen Kaack 30.10.2017, 13.19

Kommentare hinzufügen


Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden

2017
<<< November >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  0102030405
06070809101112
13141516171819
20212223242526
27282930   

Einträge ges.: 778
ø pro Tag: 0,2
Kommentare: 50
ø pro Eintrag: 0,1
Online seit dem: 19.05.2006
in Tagen: 4207
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3