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Ein Sohn von Rentmeister Janssen gründet erste Privatbank auf Sylt



Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Schleswig-Holstein kaum Bankinstitutionen. Zur Finanzierung von landwirtschaftlichen Geschäften wurde der einmal im Jahr stattfindende „Kieler Umschlag“ genutzt, bei dem sich im Vorfeld zu einer landwirtschaftlichen Messe und verschiedenen Festlichkeiten Geldgeber und Kreditsuchende trafen. Daneben gab es für die adligen Gutsbesitzer die „Landschaft“ mit einem Schwerpunkt im Hypothekengeschäft. Viele der damaligen Geldgeschäfte erfolgten allerdings auf der Basis des Bargeldtausches. In Verbindung mit zunehmendem Handelsgeschäft auch mit ausländischen Geschäftspartnern entstand die Nachfrage nach Sorten- und Wechselgeschäften. Neben der Landwirtschaft benötigten aber auch Handwerker und Mittelständler Kredite zur Finanzierung.

Angetrieben durch diesen Bedarf entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in den kleineren Städten in Schleswig-Holstein eine Vielzahl von Kredit- und Leihkassen, sowie Privatbanken, die den lokalen Bedarf an Geldgeschäften befriedigten. Eine der ersten Privatbanken dieser Art an der Westküste war die von Thomsen 1890 in Tönningen gegründete „Tönninger Darlehens-Bank“, die sich schwerpunktmäßig mit der Finanzierung der „Gräser“ in der Gegend von Dithmarschen befasst hat, wobei die Landwirte zum Teil ohne eigene Weideflächen im Frühjahr Magervieh in Jütland kauften, über das Jahr gemästet und dann mit Gewinn nach England verkauft haben. Die Finanzierung deckte dabei die Zeitspanne zwischen dem Kauf des Magerviehs bis zum Verkauf ab.


Der am 12.01.1856 in Glücksstadt geborene Johann August Carl Janssen hat sich in Westerland am 10.04.1882 mit der aus Kampen stammenden Dorothea Katharina Kamp (geboren am 17.08.1861) vermählt. Die Vorfahren von Dorothea lebten über eine längeren Zeitraum im damals ländlichen Kampen. Ihr Vater Peter Jürgen Hansen Kamp wurde am 17.07.1823 geboren, war Schiffskapitän und wurde der erste Direktor der Sylter Dampfschifffahrtsgesellschaft SDG.

Johann August Carl Janssen ist Gründer des nach ihm benannten „Bankhaus Johann Janssen“ in der Friedrichstraße 19 in Westerland. In dem aufstrebenden Seebad haben sich trotz der geringen Bevölkerungszahlen Ende des 19. Jahrhunderts einige Bankgeschäfte etabliert. Neben den in den ländlichen Gebieten üblichen Spar- und Leihkassen bringt das Geschäft mit der Errichtung neuer Immobilien und während der Saison mit den Touristen Umsatz. Johann August Janssen ist zudem Stadtverordneter im Westerländer Gemeinderat und Mitglied in der Badekommission. Diese Ehrenämter sind in Verbindung mit der Bankierstätigkeit sicher vorteilhaft.

Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung ist vermutlich auch auf Sylt in Verbindung mit dem zunehmenden Handel und den neuen Anforderungen seit der Gründung des Nordseebades Westerland der Bedarf an einem Bankgeschäft entstanden. Wann das Bankhaus „Johann Janssen“ gegründet wurde, steht nicht genau fest, aber es dürfte in den Jahren zwischen 1880 und 1890 gewesen sein. Wie viele andere kleine Privatbanken dürfte in diesem Fall die Eigenkapitalausstattung recht begrenzt gewesen sein. Der Markt der Unternehmen und Haushalte auf Sylt damals noch sehr überschaubar, daher hat das Bankhaus Johann Janssen vermutlich eher Geldgeschäfte mit dem Sortengeschäft und dem Handel von Wechseln sowie der Vergabe kleinerer Kredite wahrgenommen als die Geschäfte einer heutigen Vollbank.

Spätestens in der Zeit der stark steigenden Inflation nach dem ersten Weltkrieg waren viele der kleinen Privatbanken nicht mehr alleine überlebensfähig und schlossen sich zusammen oder wurden übernommen. 1921 wurde auch das Bankgeschäft von Johann Janssen von der Schleswig-Holsteinischen Bank übernommen, die 1890 von Eiderstedter und Dithmarscher Landwirten als „Tönninger Darlehens-Bank“ gegründet wurde. Johann Janssen starb drei Jahre später im Jahr 1924. Die Umfirmierung zur „Schleswig-Holsteinischen Bank“ erfolgt 1890. 1908 verlagerte die Bank ihren Sitz von Tönnigen nach Husum. Durch Gebietsabtretungen an Dänemark gingen der Bank sechs Filialen an Dänemark verloren. Ab 1920 erfolgte das Wachstum durch weitere Übernahmen von kleineren, lokal tätigen und für sich alleine vermutlich nicht überlebensfähigen Bankgeschäften:

• 1920: Spar- und Leihkasse Kappeln
• 1920: Friedrichstädter Bankverein
• 1921 Spar- und Leihkasse Ladelund
• 1921 Bankgeschäft Johann Janssen in Westerland
• 1928 Schleibank in Kappeln
• 1932 Bankverein für Schleswig-Holstein


1943 erfolgte die Verschmelzung mit der „Westbank“ zur „Schleswig-Holsteinische und Westbank“, 1974 fusionierte diese mit der 1856 in Hamburg gegründeten Vereinsbank zur „Vereins- und Westbank AG“. 1977 wuchs die Bank weiter durch die Übernahmen des Bankhauses „Nicolai & Co.“ aus Hannover und der „Gottschalk & Co. Bank“ aus Hildesheim. In diesem Jahr erfolgte neben der Ausweitung des Bankgeschäfts nach Niedersachsen die Eingliederung der „Creditbank AG“ aus Flensburg. 2004 endete die Geschichte dieser regional verwurzelten Banken mit der Eingliederung in die „Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG“.

Das Gebäude, in dem sich das Bankgeschäft von Johann Janssen befand, existiert noch heute, wenn auch in modernisierter Form. Nach der Fusion mit der Westbank 1943 war im ursprünglichen Gebäude zunächst eine Filiale der „Schleswig-Holsteinischen und Westbank“ untergebracht. In den siebziger Jahren wurde die Bankfiliale aufgegeben und heute findet sich hier ein Optiker. Dieses Gebäude ist das einzige mir bekannte Gebäude der Familie Janssen, das bis heute überlebt hat.

In der Käptn-Christiansen-Straße 9 (damals noch Damenbadstraße) erbaut Johann Janssen 1902 ein Wohnhaus, in dem seine Witwe später Zimmer an Kurgäste vermietet. Ob und wann Dorothea Janssen oder ihre Nachkommen die Privat-Villa in der Damenbadstraße 9 (heute Käpt'n-Christiansen-Straße verkauft haben, ist nicht bekannt. In dem Gebäude war zur Zeit der Nazi-Herrschaft ein Jugendheim der Saarpfalz untergebracht.













Jürgen Kaack 03.11.2017, 14.32

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