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Die Voraussetzungen für den Glasfaserausbau sind vorhanden

Zur Abgrenzung von Risiken können eigenständige Projekt- oder Infrastrukturgesellschaften für die passiven Breitband-Netze sinnvoll sein. Dabei bieten Private-Public-Partnership (PPP) Modelle die Chance, unterschiedliche Stärken zu verbinden. Dabei ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Betreibergesellschaft nur die Leerrohr-Infrastruktur baut und unterhält, oder ob auch Glasfaser eingezogen und in einem weiteren Schritt der Wertschöpfung auch „beleuchtet“ werden. Dies hängt zum einen von den vorhandenen Kompetenzen ab und ist zum anderen eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

 

Ein noch zu lösendes Problem liegt in der Gestaltung von einheitlichen Schnittstellen für die unterschiedlichen Protokolle von Diensten und Inhalten. Nur mit solchen technischen Standards kann die gemeinsame Glasfaser-Leitung auch tatsächlich in den Haushalten und Unternehmen für die unterschiedlichen Dienste und Inhalte genutzt werden! Weitere Fragen für solche offenen Strukturen sind im Zusammenhang mit Kundenbetreuung, Rechnungsstellung, Datenschutz etc. zu klären. Es muss verhindert werden, dass Anbieter mit ihren Lösungen willentlich oder unwillkürlich andere Anwendungen stören oder Netze lahmlegen. So stellt sich die Frage, ob es eine Zertifizierung oder Zulassung von Anbietern geben soll. Auch der Aspekt der Kundenbeziehung und die in der Telekommunikation immer wieder gerne diskutierte Frage der „Customer-Ownership“ bedürfen einer neuen Definition. Es wird auf dem Weg zu einer flächendeckenden Glasfaser-Infrastruktur nicht ohne eine Koordination durch eine staatliche Institution wie ein Breitband (BBCC) oder IKT-Kompetenzzentrum funktionieren. Andernfalls wird es wesentlich länger dauern und es wird viel Doppelarbeit geben, da immer wieder ähnliche Modelle aufs Neue erprobt oder verworfen werden müssen. Ländliche Regionen, die auch schon mal an den Grenzen der Ballungsgebiete anfangen, könnten ohne staatliche Koordination das Nachsehen haben und länger von einem Glasfaserausbau abgeschnitten bleiben.

 

Die wichtigen Bausteine auf dem Weg zu einem zukunftssicheren Breitbandnetz entlang der Wertschöpfungskette sind heute bereits vorhanden:

  • Hersteller von Übertragungstechnik, Glasfasern und Infrastrukturkomponenten sind vorhanden und verfügen über erforderliche Systeme
  • Regionale Betreiber- oder Projektgesellschaften für die passive Infrastruktur (Leerrohr-System) können gemeinsam mit Kommunen, Stadtwerken, Versorgern und anderen Institutionen gebildet werden
  • ·Betreiber-Gesellschaften für offene Netzplattformen, die die Übertragung über die regionalen Netze ermöglichen und Anbietern von Telekommunikations-Diensten, Anwendungen und Inhalten den Zugang ermöglichen können unter Einbeziehung von bestehenden Netzbetreibern gebildet werden
  • Angebote von Diensten und Inhalten sind bereits heute vorhanden (z.B. von den Netzbetreibern, Kabelfernsehgesellschaften und Medienanbietern) und werden sich bei Vorhandensein offener Plattform schnell erweitern um neue mittelständische Unternehmen
  • Vermarktung und Kundenbetreuung wird bereits heute durch unterschiedliche Unternehmenstypen (Netzbetreiber, ISP, Kabelnetzbetreiiber, Diensteanbieter, Reseller, MVNO etc.) realisiert
  • Kundengeräte (Router, Antennen, Settop-Boxen etc.) werden auf bei neuen Übertragungstechniken benötigt. Bei wachsendem Markt und einer Standardisierung ist hier nicht mit Engpässen zu rechnen. Vermutlich werden auch zukünftig Produktbündel bei längeren Vetragslaufzeiten preisreduziert angeboten

 

Der größte Schritt auf dem Wege zu einer Breitband-Infrastruktur liegt nicht in der Schaffung der „neuen“ Wertschöpfungsstufe der regionalen Betreibergesellschaften für passive Leerrohr-Netze, sondern in der Öffnung der bislang weitgehend geschlossenen vertikalen Geschäftsmodelle hin zu offenen Strukturen mit Schnittstellen und Standards für die Anbindung von Angeboten dritter Anbieter.

Jürgen Kaack 21.12.2009, 09.26

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