Ausgewählter Beitrag

Die Grafen von Jülich

Von den Rittern Steenhuis, die über Generationen in der Burg Beillinghoven in Rees gelebt haben, führt die Reise in die Vergangenheit über die Familie Schellart von Obbendorf zu den Grafen von Jülich. Die wechselvolle Geschichte des Grafengeschlechtes von Jülich findet sich ausführlich dargestellt in dem 1987 von Thomas R. Kraus geschriebenen Buch „Jülich, Aachen und das Reich“, Studien zur Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Jülich bis zum Jahre 1328. 


Der früheste bezeugte Jülichgau-Graf ist der aus dem Haus Matfriede stammende Pfalzgraf Gottfried von Lothringen (902 bis 01.06.949). Sein Vater Graf Gerhard im Metzgau (um 875 bis 22.06.910) hatte zusammen mit seinen Brüdern, den Grafen Matfried I. von Metz (875 bis nach 926) und Stephan von Chamonix und Bigau (873 bis nach 900) von aus dem Haus Matfriede König Zwentibold von Lothringen (um 870 bis 13.08.1900), ein illegitimer Sohn von Kaiser Arnolf von Kärnten aus dem Haus der Karolinger, in der Schlacht nahe von Susteren besiegt und getötet. Zwentibold galt als unbegabt, förderte aber den Bau von Kirchen und Klöstern. Er war der letzte König eines unabhängigen Lothringens. Zwentibold hatte am 13.06.897 Oda von Sachsen (um 875 bis 02.07952), eine Tochter von Herzog Otto dem Erlauchten aus dem Geschlecht der Liudolfinger geheiratet. Nach Zwentibolds Tod hat Gerhard Oda geehelicht und damit eine vorteilhafte verwandtschaftliche Beziehung zum Haus der Liudolfinger und dem von 919 bis 936 als König herrschenden Heinrich I. Gerhards um 901 geborener Sohn Wigfried hatte von 924 bis zu seinem Tod am 09.07.953 den Stuhl des Kölner Erzbischofs inne. Ein nicht unerheblicher Teil der Besitzungen der Matfriede im Jülichgau dürfte auf den Zerfall des Herrschaftsgebietes von Zwentifall zurückgehen und auch die Kölner Kirche dürfte über Gerhard im Metzgau profitiert haben. 



Unter den liudolfinger Könige stieg das Haus Matfried weiter auf, Gerhards Sohn Gottfried von Lothringen wurde als „comes palatti“ zum engen Ratgeber von König Heinrich I., sein gleichnamiger Sohn Gottfried (um 925 bis Juli 964) wurde zum ersten Herzog von Niederlothringen und zum Inhaber mehrerer Grafschaften erhoben. 964 starb Herzog Gottfried mit etwa 39 Jahren ohne männliche Nachkommen und die Grafschaft im Jülichgau wurde anscheinend an seinen Bruder Gerhard II. von Metz (um 935 bis 963) übertragen. Im Gedenken an den Großvater Gerhard im Metzgau erhielten die weiteren Erben des Grafentitels den Namen Gerhard. Der gesellschaftliche Wandel zum Ende des zehnten Jahrhunderts zwang die Gerhardiner zu einer engen Anbindung an die Kölner Erzbischöfe. Erzbischof Anno II. hatte um 1060 einen Sieg über den Pfalzgrafen von Lothringen erzwungen und schuf damit für sich eine Vormachtstellung im Rheinland. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts bemühten sich die Gerhardiner genau wie viele andere Adelsfamilien um eine Arrondierung ihrer zum Teil verstreut liegenden Besitzungen. Für die Gerhardiner konzentrierte man sich auf die Gegend um Jülich und benannte sich konsequenterweise in der Folge als Grafen von Jülich und nicht mehr „im Jülichgau“. Der erste Graf von Jülich wurde Gerhard I. von Jülich (um 1040 bis vor 1118), der die beiden Söhne Gerlach (um 1055 bis nach 1110) und Graf Gerhard II. von Jülich (um 1090 bis nach 1136) bekam. Vom Kölner Erzbischof hatten die Grafen von Jülich ab etwa 1080 das Burggrafenamt von Jülich inne und waren damit seine beamteten Befehlshaber. Der Dienstsitz befand sich nordwestlich des heutigen Marktes und die Familie residierte vermutlich in einer befestigten Burg auf der Motte Altenburg. 


Wilhelm IV.
erreichte zusammen mit seinem Bruder Walram I. von Bergheim den weiteren Ausbau des Einflussbereiches trotz wechselvoller Koaltionen und Bedrohungen. Am 16.03.1278 ritt er zusammen mit seinen Söhnen Wilhelm Primogenitus und Roland sowie einer größeren Schar an Rittern nach Aachen. Am 06.01.1278 hatte er in wien von König Rudolf den Auftrag erhalten, Truppen und Gelder für den Feldzug gegen Ottokar II. von Böhmen zu beschaffen. Der Ritt nach Aachen hatte vermutlich das Ziel, die Sondersteuer von den Aachener Bürgern für Rudolf einzutreiben. Hierzu musste er mit Vogt, Bürgermeister, Rat und Schultheiß der Stadt verhandeln. Ein entstehender Streit eskalierte und führte dazu, dass Wilhelm IV., seine beiden Söhne und eine größere Gruppe seiner Ritter vor dem Weißfrauenkloster in der Jakobstraße in Aachen erschlagen wurden. Dabei scheint der Schultheiß von Aachen als militärischer Befehlshaber eine angtreibende Rolle gespielt zu haben. Nach dieser Tragödie folgten für das Haus Jülich schwere Zeiten und schon am 21.03. belagerten Erzbischof Siegfried mit einer Reihe von Kölner und Aachener Bürgern die Feste Jülich und eroberte sie. Unter der Führung von Ricarda von Geldern, der zweiten Frau von Wilhelm IV. und Schwester von Margarethe von Geldern meisterten die drei Söhne die folgende Krise. Aachen musste schließlich eine hohe Sühnezahlung an das Haus Jülich leisten. 1356 wurde ein Nachfgolger aus dem Haus Jülich als Wilhelm I. zum Herzog von Jülich ernannt.


Das oben genannte Buch schildert unter sachlicher Würdigung der zum Teil lückenhaften Quellen die historische Entwicklung des Hauses Jülich. Es ist eine Geschichte wechselnder Bündnisse und 
Streitigkeiten mit den Erzbischöfen, Königen und anderen Adelshäusern. Die Wahl von Ehepartnern unter machtpolitischen Aspekten spielt ebenso eine Rolle wie die Teilnahme an Feldzügen und Kreuzzügen. Durch fehlende männliche Erben oder vorzeitige Tode kommt es auch zu Wechseln in der Familienlinie. Zum besseren Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge kann das Buch nur empfohlen werden. Verfügbar ist es aber wohl nur noch antiquarisch.

Jürgen Kaack 24.02.2018, 15.26

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden