Ausgewählter Beitrag

Der stufenweise Weg zu Glasfaser

Glasfaser ist das Übertragungsmedium der Zukunft, hierin sind sich die Experten weitgehend einig. Bietet Glasfaser doch nahezu unbegrenzte Übertragungskapazitäten und spart darüber hinaus gegenüber einem Netz aus Kupferkabeln erheblich Strom, da es zwischen dem Knoten und dem Anschluss keine aktive Übertragungstechnik benötigt.

Der Haken beim Ausbau mit Glasfaser ist die „letzte Meile“ auf dem Weg zum Hausanschluss, da ist sich Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group sicher. Die heutige Kupferdoppelader für den Telefonanschluss und das Koaxialkabel des Kabel-TV Anbieters liegen unter den Gehwegen im Boden. Um Glasfaser an den Hausanschluss zu bringen, werden Kabelschutzrohre (Leerrohre) benötigt, in die die Fasern eingezogen werden. Dies geht kaum ohne aufwändige Tiefbauarbeiten in praktisch allen Straßen. Die Verlegung von einem Meter Leerrohr kostet bei einer versiegelten Oberfläche zwischen 60 und 100 Euro, so dass für den Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes in Deutschland 50 Mrd. Euro vermutlich nicht reichen.

Mit der vorhandenen Kupferdoppelader ist an vielen Orten mit VDSL 50 MBit/s verfügbar sind, nachdem Glasfaser in die Ortschaften („Fiber-to-the-Curb“) verlegt wurde, mit dem Koaxialkabel erreicht man sogar 128 MBit/s. Daher ist der Anreiz zur Umrüstung derzeit gering – und für die Betreiber nur in Ballungsgebieten wirtschaftlich. Trotzdem werden wir in 10 Jahren höhere Bandbreiten brauchen, als sie technisch auf Kupferbasis möglich sind. Dr. Kaack geht von einem weiteren Anstieg des übertragenen Datenvolumens in der Größenordnung von jährlich 30 bis 40 % aus. Neue Anwendungen wie es Youtube vor fünf Jahren war und ein absehbarer Erfolg von Clud Computing wird das zu übertragende Datenvolumen möglicherweise sogar noch schneller ansteigen lassen. Funktechnologien sind keine flächendeckende Alternative zur Glasfaserversorgung, da die benötigten Frequenzen nicht beliebig vermehrt werden können und Funklösungen in der verfügbaren Bandbreite immer um etwa eine Größenordnung unter der mit leitungsgebundenen Technologien möglichen Bandbreite liegen werden.

Wenn es für die Netzbetreiber nicht wirtschaftlich ist, Glasfaser in die Fläche zu bringen und der Breitbandausbau keine hoheitliche Aufgabe darstellt, wer sorgt dann für den Glasfaserausbau in ländlichen Räumen? Wird die „digitale Spaltung“ zwischen Stadt und Land in Zukunft noch größer werden? Wird es für Familien und für Senioren in Zukunft zunehmend unattraktiv, außerhalb der Ballungsgebiete zu leben? Verstärkt sich die Besiedlungsdichte in den Ballungsgebieten weiter zulasten der umliegenden Regionen?

Möglich ist der Ausbau in der Fläche schon, meint Dr. Kaack auf der Basis von Erfahrungen mit Breitbandprojekten, allerdings erfordert dies ein Umdenken bei den Beteiligten, neue Kooperationen und eine langfristige Planung. Den Kommunen und Kreisen kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu bei der Initiative für den Start und bei der langfristigen Koordination der Umsetzung. Genau wie es auch in Zukunft kaum kostendeckend zu betreibende Schwimmbäder, öffentliche Bibliotheken oder Kindergärten geben wird, dürfte auch die Schaffung und der Betrieb eines Breitbandnetzes einen Teil an öffentlicher Finanzierung benötigen. Entweder kostet der Breitbandanschluss außerhalb der Ballungsgebiete zukünftig mehr als in der Stadt oder Staat und Kommunen subventionieren das Glasfasernetz mit öffentlichen Mitteln.

In einer Studie zeigt Dr. Kaack ein Szenario auf, wie durch konsequente und langfristige Planung ein Glasfasernetz in der Fläche bei nur moderaten Kosten entstehen kann. Dies erfordert allerdings eine Koordination der Beteiligten und einen Zeithorizont von ca. 15 Jahren – und es muss jetzt damit begonnen werden und nicht erst in 10 Jahren!

 

 

Jürgen Kaack 25.11.2010, 13.04

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kommentare zu diesem Beitrag

1. von guido

Sehr guter Artikel und eine interessante Studie. Ich denke auch, das mit der stärkeren Einführung des Glasfaserkabels, nochmal ein enormer Schwung aufkommen könnte.

vom 26.11.2010, 15.03