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Das Oldenburgische Kürassier-Regiment Friis

Der älteste bekannte Vorfahre aus der Familie Wachsmuth ist Johann Andreas Wachsmuth, der vermutlich vor 1710 geboren wird (der Geburtsort ist unbekannt) und nach 1735 in Hadersleben als Hutmacher und Reiter im Oldenburgischen Kürassier-Regiment Friis in der von Rittmeister Ludolf Erich von Lersner (08.01.1713 bis 30.01.1773) geführten Kompanie diente.

 

Das Oldenburgische Kürassier-Regiment Friis, das 1701 als Regiment Ditmersens aufgestellt und erst 1703 einsatzbereit war, wurde zunächst als Teil eines Hilfskorps eingesetzt, das dem deutschen Kaisers vom dänischen König zur Unterstützung im Spanischen Erbfolgekrieg überlassen wurde. Anschließend war es zur Bekämpfung eines Aufstandes in Ungarn im Einsatz und 1709 in Holstein einquartiert. Nach einem weiteren Einsatz in Wismar 1711 kam das Regiment nach Schleswig, wo fünf Kompanien stationiert wurden. Je eine weitere Kompanie kam nach Sonderburg, Eckernförde und Husum. 1728 wurde das Regiment verlegt, je Kompanie wurde in Vejle stationiert, drei Kompanien nin Fredericia und vier Kompanien in Kolding. Hadersleben wird dabei nicht explizit erwähnt, aber da Kolding nicht weit entfernt ist, könnte eine der vier Koldinger Kompanien auch in Hadersleben stationiert gewesen sein, das ziemlich genau in der Mitte zwischen Kolding und Sonderborg liegt. Jede Kompanie hatte eine Mannschaftstärke von 61 Mann und 61 Pferden. Mit acht Kompanien im Oldenburgischen Kürassier-Regiment ergibt sich somit eine Gesamt-Mannschaftsstärke von 488 Reitern und Pferden. 1748 wird das Regiment wieder nach Husum und Rendsburg verlegt und nach einem 1763 an der Grenze zwischen Holstein und Mecklenburg durchgeführten Einsatz 1767 aufgelöst.

 

Ludolf Erich von Lersner stammt aus einem Frankfurter Patrizier-Geschlecht und entschied sich für eine militärische Karriere. Am 31.12.1734 wurde von Lersner zum Reserve-Leutnant im Reiterregiment Friis ernannt, am 30.09.1735 zum wirklichen Leutnant und schließlich am 06.09.1737 zum Rittmeister befördert. In dieser Funktion kommandiert er vermutlich eine der acht Kompanien des Regiments. Am 25.044.1746 erhielt er das Majors-Patent, am 16.04.1755 wurde er zum Oberstleutnant der Kavallerie befördert und am 24.09.1755 zum Oberst und Kommandeur des Reiterregiments. Nach dessen Auflösung wurde von Lersner Chef des Jütländischen Kürassier-Regiments. Am 22.07.1769 erhielt er seine letzte Beförderung zum Generalmajor und nahm am 30.09.1771  seinen Abschied. Am 30.01.1773 starb er unverheiratet in Slagelse.



Johann Andreas Wachsmuth heiratet vermutlich um 1736 / 1737 die am 24.10.1710 in Nimptsch geborene Anna Maria Lucia Buchwald. Ihr Vater Christoph Buchwald (1686 bis 01.05.1737 lebte als Großknecht und Gärtner in der Gemeinde Nimptsch und heiratete vor 1709 Susanna Geissler (ca. 1685 bis 09.11.1763). Das Ehepaar hatte vier Kinder und das älteste Kind war Anna Maria Lucia Buchwald (24.10.1710). Alle Kinder der Familie Buchwald wurden in Nimptsch geboren. Es muss vermutet werden, dass Anna Maria Johann Andreas Wachsmuth in der Nähe ihres Geburtsortes kennengelernt hat.


Vielleicht war es nicht Johann Andreas Wachsmuth, der nach Nimptsch kam, sondern  Anna Maria Buchwald, die nach Hadersleben kam. Bei der Recherche nach einer möglichen Heirat in Hadersleben haben sich Personen mit dem Namen Buchwald in Hadersleben gefunden. Falls es eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen diesen Familien gab, könnte Anna Maria oder ihre Eltern entschieden haben, dass sie nach Hadersleben gehen sollte. Dann könnten sich beide in Hadersleben getroffen haben. Vielleicht irren aber auch einigen Quellen und Anna Maria stammt von einer der in Hadersleben ansässigen Buchwald-Familien ab. Belegen lässt sich diese These allerdings nicht. Ein Kirchbucheintrag zu einem 1708 geborenen Oberstleutnant von Buchwald lässt sich nicht weiter zuordnen. So bleibt die Herkunft aus Nimptsch die wahrscheinlichste These.
 

Nimptsch (Niemcza) liegt in polnischen Woiwodschaft Niederschlesien, 50 km südlich von Breslau. Die erste Besiedlung erfolgte schon in der Bronzezeit oder davor. Nimptsch lag am „Böhmersteig“, der von Prag über Königgrätz, Glatz und Breslau zur Ostsee führte. Auf dem Stadtberg von Nimptsch errichtete man um 1.000 v. Chr. eine erste Burganlage, die um 500 v. Chr. zerstört wurde. Zur Zeit der slawischen Besiedlung im 6. Jahrhundert lebten Germanen in der Region und um 900 wurde die damals zu Böhmen gehörende Stadt von Polen erobert. 1249 gelangte die Stadt zum Herzogtum Breslau mit der Folge einer deutschen Besiedlung und erhielt 1282 die Stadtrechte. Im 15. Jahrhundert verlor die Stadt im Vergleich zu den Nachbarstädten Frankenstein und Reichenbach an Bedeutung. 1675 fiel die Region mit dem Tod von Herzog Georg Wilhelm an die Krone Böhmen und damit unter die Herrschaft der Habsburger. Nach dem ersten schlesischen Krieg fiel Nimptsch 1742 unter preußische Herrschaft und wurde nach 1945 polnisch. Die Stadt hat heute 3.072 Einwohner. 


Jürgen Kaack 20.08.2017, 12.45

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von

Leseproben sind ideal, um Interesse zu wecken - wer mehr will, braucht ein Buch ...

vom 24.08.2017, 14.21
2. von

:ok: :cool:

vom 20.08.2017, 19.59
1. von

:ok:

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