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Das alte Westerland

In Ergänzung zu den Ausführungen zur Wachsmuth-Familie hier noch ein paar Informationen zur Entwicklung von Westerland. Der beigefügte Grundriss zeigt die Gemeinde um 1855 mit einer Durchnummerierung nach Rincken. 




Westerland wird erstmals um 1452 erwähnt, als sich die Einwohner aus dem untergegangenen Eidum weiter östlich auf Sylt angesiedelt haben sollen. In den folgenden Jahrzehnten bleibt Westerland ein kleines Dorf mit ca. 40 Häusern am Anfang des 17. Jahrhunderts. Bei einer Volkszählung im Jahr 1769 wurde eine Bevölkerung von 2.814 Personen festgestellt, die in 713 Häusern lebte. Es gab ein bemerkenswertes Missverhältnis zwischen weiblicher und männlicher Bevölkerung, 1.180 männlichen Einwohnern standen 1.634 weibliche entgegen. Der Unterschied ist ein Indiz für die hohen Verluste durch die Schiffsunglücke. 1769 waren 700 Sylter in der Seefahrt tätlich, fast 25% der Gesamtbevölkerung oder 60% der männlichen Einwohner! Der größte Ort auf der Insel war damals mit ca. 700 Einwohnern Keitum.

Sylt und auch Westerland wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von schweren Sturmfluten getroffen, die nicht nur Todesopfer und Verlust von Ernte und Vieh brachten, sondern auch die Küstenform durch Landabbrüche veränderte. Nach der Sturmflut vom Februar In Westerland lebten 1825 419 Menschen in 112 Häusern, die Gesamtbevölkerung von Sylt lag bei 2.571, wovon noch 370 als Seefahrer tätig waren, allerdings nur noch 16 als Schiffskapitäne. 1840 waren wieder 30 Sylter als Kapitäne bei Reedereien angestellt.

Bis 1855 bleibt die Einwohnerzahl mit 450 bis 490 gleichbleibend gering. Die Einwohner lebten von der Fischerei (Hering und Schellfisch) sowie von der Landwirtschaft. Mit dem Niedergang der Heringsfischerei erfolgte der „Umstieg“ auf den Walfang. Im 19. Jahrhundert war Westerland noch rein dörflich geprägt und in „Süderende“ hat sich die landwirtschaftliche Prägung am längste erhalten. Im Jahr 1855 wurde offiziell das „Nordseebad Westerland“ eingeweiht. Um diese Zeit eröffnete das erste Hotel, die „Dünenhalle“ in Westerland und zum Ende des Jahrhunderts kamen vermehrt Kurgäste auf die Insel, damals allerdings noch etwas mühselig mit dem Fährboot von Højer nach Munkmarsch oder von Husum über Wyk nach „Nösse“ an der Ostspitze der Insel. Der aufkommende Tourismus als neue Erwerbsquelle für sie Westerländer litt in den Jahren des Schleswigschen Krieges von Preußen und Österreich gegen Dänemark von 1864 bis 1866. Die Insel wurde von dänischen Truppen besetzt, die sich bis zuletzt auf den Inseln verteidigen konnten. Seit 1867 befand sich Sylt dann unter der Herrschaft des preußischen Reiches. Während des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 wurden Sylter als Soldaten eingezogen und die Küstenwache zum Schutz vor einer möglichen französischen Landung verstärkt.

Einen guten Eindruck zur Siedlungsstruktur im Westerland der Jahre 1855-56 gibt ein Grundriss der Gemeinde, in dem noch keine Straßennamen verzeichnet sind. Die Häuser sind stattdessen durchnummeriert nach einem Verzeichnis der Westerländer Hausbesitzer entsprechend einem von Henning Rinken 1836 erstellten Verzeichnis und die Liste umfasst gerade mal 120 Häuser. In der Grundriss-Skizze sind sechs Häuser markiert, die in Verbindung stehen mit Familien, die in der folgenden Abhandlung erwähnt werden:

• Nr. 57: Gartenstraße 3 Erbauer: Christian Wachsmuth
• Nr. 82: Keitumer Chaussee 10 Erbauer: Boy Michel Boysen
• Nr. 89: Trift 23 Erbauer: Christine Bleik Boy Claasen
• Nr. 92: Lorenz de Hahnstraße 67 Erbauer: Lorenz Boysen
• Nr. 93: Süderende Erbauer: Lorenz Petersen de Hahn
• Nr. 123: Deckerstraße 5 Erbauer: Inken Peter Eschels

Jürgen Kaack 07.11.2017, 10.48

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