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Breitband-Anschlusstechnologien

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Anschlusstechnologien zur Realisierung der Breitband-Anbindung an das Internet. Im Backbone-Netz hat sich dagegen Glasfaser als das am besten geeignete Übertragungsmedium herausgestellt. Gerade der Anschluss-Bereich („Last-Mile“) ist aufwändig zu realisieren und erfordert hohe Investitionskosten. Bei einem Vergleich der eingesetzten Anschluss-Technologien zeigt sich in Deutschland im internationalen Vergleich eine Besonderheit. Ende 2007 waren nach einer Auswertung des Branchenverbandes Bitkom immer noch 96 % aller Breitbandanschlüsse in DSL-Technologie ausgebaut, knapp 4 % entfallen auf Kabelmodem der Kabelnetzbetreiber und eine sehr geringe Anzahl auf Satelliten-Technologie und andere Anschluss-Technologien. Die Kabelnetzbetreiber haben erst relativ spät angefangen, ihre Netze Rückkanalfähig zu machen. Dies bedingt die noch geringe Versorgungsdichte. Durch weitere Ausbau und Vermarktungsaktivitäten kann es aber zu langsam steigenden Werten kommen.

 

Für den Netzausbau sollten die verschiedenen verfügbaren Technologien bewertet werden. Mittelfristig zukunftssicher, aber auch am teuersten im Ausbau ist der Anschluss der Haushalte mit Glasfaser (Fiber-to-the-Home), da so mindestens 100 MBit/s möglich sind. Sofern der Bandbreiten-Bedarf kurzfristig nicht so hoch ist, können auch andere Breitband-Technologien berücksichtigt werden, wie z.B. der Ausbau der HVT und KVZ oder eine Anbindung per Funk (z.B. mittels WiMAX mit bis zu 4 MBit/s). Auch Mischformen können wirtschaftlich sinnvoll sein, z.B. die Versorgung der DSLAMs mittels Richtfunk und die Verteilung über die bestehenden Hausanschlussleitungen. Für abgelegene Objekte kann auch eine Satelliten-Anbindung als Alternative dienen. Allerdings ist die Bandbreite dann auf 1 MBit/s begrenzt. Innerhalb von Kommunen muss die optimale Versorgung anhand der Ist-Situation konzipiert werden. Dabei spielt nicht zuletzt die Möglichkeit zur Anbindung an ein leistungsfähiges Backbone-Netz für die Zu- und Abfuhr des Datenverkehrs eine erhebliche Rolle.

 

Mobile Breitbandanschlüsse spielen bei dieser Betrachtung noch keine Rolle. Zwar waren Ende 2007 bereits 10 Mio. UMTS-Anschlüsse registriert und bis Ende 2008 sollen es 16 Mio. Anschlüsse sein. Allerdings erfüllen erst Anschlüsse nach dem HSDPA-Standard die Anforderung nach Breitbandigkeit mit mehr als 1 MBit/s im Download. Trotzdem ist mittelfristig mit einer Konkurrenz durch schnelle Mobilfunkanschlüsse zu rechnen. Auf die Marktsituation wird dies kaum Einfluss nehmen, da die Mobilfunknetzbetreiber angekündigt haben, den HSDPA-Ausbau insbesondere in den Ballungsgebiete vor zu nehmen. Für ländliche Regionen ist der HSDPA-Ausbau in der Regel unwirtschaftlich, da der Zellenradius einer HSDPA-Basisstation nur ca. 1 km beträgt.

 

Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2007 den neuen Breitbanddienst VDSL mit Bandbreiten von bis zu 50 MBit/s eingeführt. Die Netzinfrastrukturen wurden in Großstädten bereits weitgehend flächendeckend aufgebaut. Aufgrund regulatorischer Restriktionen wird dieser schnelle Breitband-Anschluss nur in Verbindung mit IP-TV („Entertain“) und ausschließlich an Privatkunden vermarktet. Über einen geplanten Netzausbau mit VDSL in ländlichen Regionen ist bislang nichts bekannt und es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Technologie in einem mittelfristigen Zeitraum auch in der Fläche verfügbar sein wird. In vielen Regionen wird der Ausbau der bestehenden Telefonanschlüsse zu DSL-Anschlüssen duch die Deutsche Telekom oder einen alternativen Anbieter der schnellste und kostengünstigste Weg zur Schließung von Versorgungslücken sein. Aber auch für den Ausbau eines Hauptverteiler (HVT) fallen einmalige Investitionskosten in Höhe von ca. € 70.000 an, sowie Kosten für die Anbindung an ein Backbone. Auch für eine Kleinstadt müssen nicht selten mehrere HVT ausgebaut und angebunden werden. Ein alternativer Anbieter muss zudem die Portierungskosten in Höhe von € 39 je Kunde an die Deutsche Telekom zahlen (neben den Kosten für Marketing, Vertrieb, Billing, Kundenbetreuung etc.).

 

Als Alternative zu Leitungs-gebundenen Breitbandanschlüssen verspricht WiMAX als standardisierte Funklösung eine schnelle und kostengünstige Erschließung von insbesondere ländlichen Regionen. Auch bietet WiMAX die Möglichkeit, den Breitbandanschluss portabel und personenbezogen zu machen, allerdings mit begrenzten Bandbreiten von maximal 4 MBit/s, die im Vergleich zu den leitungsgebundenen Lösungen doch recht begrenzt erscheint. Nach der Versteigerung der Lizenzen Ende 2006 schien es zunächst neuen Schwung für WiMAX zu geben, der allerdings bald wieder deutlich abgeflacht ist. Fünf Unternehmen haben Lizenzen für den Netzaufbau mit WiMAX erworben. Die Investitionen für den Aufbau eines WiMAX-Netzes sind nicht unerheblich. Für eine Basisstation mit sechs Sektoren sind ca. € 100.000 zu veranschlagen, für einen Rundstrahler mit einem Sektor ca. € 20.000 und für die Anbindung an ein Backbone-Netz ca. € 25.000. Schließlich sind noch Kosten für Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Mast) in Höhe von ca. € 5.000 zu rechnen. Nicht unerheblich sind auch die Funkmodems je Teilnehmer, die mit steigenden Teilnehmerzahlen bei ca. € 100 liegen werde.

 

Kleinere Ortschaften werden versuchsweise mit einer lizenzfreien WiFi / WLAN-Technologie versorgt. Dies kann grundsätzlich eine Alternative für eine leitungsgebundene Versorgung sein, bedeutet aber eine hohe Eigeninitiative in den Kommunen und das Vorhandensein von technischen Experten für Netzplanung und Aufbau. Ein wesentliches Problem dieser Art von Netzaufbau ist oft die Sicherstellung der notwendigen Anbindung an vorhandene Backbone-Netze sowie die Umsetzung hochwertiger Sprachdienste.

 

Nur in wenigen Fällen wird eine Entscheidung für eine einzelne Technologie ausreichen. Mithilfe von Funktechnologien lassen sich schnell Versorgungslücken schließen, über den Ausbau der Hauptverteiler (HVT) der Deutschen Telekom, um einen schnellen DSL-Anschluss zu realisieren bis hin zur Verlegung von Glasfasern bis zum Hausanschluss (FTTH). Mit einem Glasfasernetz können die bereits gegebenen Bandbreitenbedürfnisse vieler Unternehmen abgedeckt und zukünftige Anforderungen von Organisationen und Privathaushalten befriedigt werden.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar die Zahl alternativer Breitband-Anschlusstechniken steigt, aber für Regionen außerhalb der Ballungsgebiete bleibt es auf absehbare Zeit bei DSL als der dominierenden Technologie. Die großen Netzbetreiber, einschließlich der Deutsche Telekom nehmen den Netzausbau unter wirtschaftlichen Kriterien vor, so dass kleinere Städte und Kommunen auch in den nächsten Jahren Probleme haben werden, die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen zu befriedigen bzw. das Entstehen von Standortnachteilen zu verhindern. Dies schafft Marktchancen für kleinere und regional tätige Anbieter, die mit flexiblem Vorgehen und unter Einsatz der optimalen Infrastruktur Wettbewerbsvorteile erzielen können. Im Vorteil sind dabei solche Anbieter, die über vorhandene Kontakte und Netzwerke in den jeweiligen Regionen verfügen, so dass der Vertriebsaufbau schnell und mit niedrigen Kosten von statten gehen kann.

Jürgen Kaack 01.10.2008, 08.59

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