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8. Epitaph von 1602 im Meldorfer Dom für Antonius Steinhaus



Die Zeugnisse aus der Zeit vor dem 17. Jahrhundert sind selten, die weiteren Posts werden sich mit Zeugnissen aus der Zeit nach 1600 beschäftigen. Die insgesamt gesehen vermutlich eindrucksvollsten Zeugen sind die Epitaphe für Antonius Steinhaus und seinen Schwiegersohn Johannes Wasmer. Die Fotos wurden dankenswerterweise bereitgestellt von Jochen Bufe aus Meldorf. Damit findet sich hier nach dem frühesten mir vorliegenden Dokument von 134 ein weiteres Zeugnis aus der Familie Steenhuis / Steinhaus. Den Kaufvertrag, den Ritter Gottfried Steenhuis geschlossen hat, als die Familie noch in Rees am Niederrhein gelebt hat, habe ich im ersten Teil der Zeitzeugen beschrieben.


Antonius Steinhaus stammt aus einem alten bis auf das Jahr 1060 zurückgehenden westfälischen Adelsgeschlecht und wurde am 22.10.1534 in Antwerpen geboren. Er kam mit seinem Vater Goert van Steenhuys (um 1510 bis 1594) und Bruder Gert (1532 bis ca.1620) nach Dithmarschen. Die Familie war ursprünglich römisch-katholischen Glaubens und ist im Zuge der Reformation zum lutherischen Glauben übergetreten. Aus diesem Grunde wurden sie zusammen mit zahlreichen anderen Lutheranern von dem römisch-katholischen Statthalter der spanischen Niederlande, Herzog Alba, verfolgt und zur Flucht aus den Niederlanden getrieben. Goert van Steenhuys ist um 1567 in Heide urkundlich in Erscheinung getreten und sein zweiter Sohn Gert erwarb im selben Jahr Grundbesitz in Marne. Die drei Vertreter der Familie Steinhaus waren somit in drei wichtigen Städten und Handelsplätzen in Dithmarschen vertreten. Zu diesem Zeitpunkt war Antonius bereits seit sechs Jahren als Landschreiber tätig, einem der höchsten Ämter der herzoglichen Verwaltung.


Zunächst lebte Antonius nach der Flucht aus den Niederlanden vermutlich in Hamburg, da er in Abrechnungen der Hamburger Kämmerei von 1560 als „Famulus“ (Ratsdiener) geführt wird:
 

"1560 Exposita. Redditus super sortem foederis causa susceptam persolvedi: Hinrico Rantzowen domini Ioannis filio: 96 Mk soluta in vim quitantiae Antonio Stenhus ejus famulo." und "Hinrich Rantzow locum tenienti: 240 Mk in vim quitantieae soluta Antonio Stenhuesz ejus famulo."

 

Der Hamburger Senat beschäftigte zu der Zeit 20 Famuli. Antonius arbeitete als Schreiber für Graf Heinrich von Rantzow (11.03.1526 bis 31.12.1598), den Statthalter für die königlichen Teile an den Herzogtümern Schleswig und Holstein und ein Sohn des königlich-dänischen Feldherrn Johann Rantzau. Familie Rantzow ist zum alten Adel der Herzogtümer Schleswig und Holstein zu rechnen. Als Antonius für den Hamburger Senat arbeitet, ist er 26 Jahre alt und erlernt zu diesem Zeitpunkt als Schreiber die Aufgaben im Verwaltungswesen. Später arbeitet er am Rantzauischen Amtssitz in Krempe bei Brunsbüttel. Er scheint ein fähiger Schüler gewesen zu sein, denn schon mit 27 Jahren wird Antonius als zur Übernahme der wichtigen Aufgabe des Landschreibers bereit angesehen. Damit steigt er zum höchsten königlich-dänischen Beamten in Süderdithmarschen auf. Als Landschreiber erhielt er ein Jahresgehalt in Höhe von 75 Mark und die sogenannten „Sporteln“ in Höhe von vier Schillingen je „beschriebenem Urteil“. Zusätzlich wurden ihm jährlich 15 Mark für „ein Kleid“ zugestanden. Als Landschreiber ist er viel im Land unterwegs und daher verzichtet er zunächst auf ein eigenes Haus. Erst 1562 will er mit jetzt 28 Jahren in Brunsbüttel ein Haus erwerben, wobei ein Mitbewerber versucht, ihn mit einem höheren Gebot auszustechen. Sein Gönner Heinrich Rantzow setzt sich für ihn ein, denn der Vogt erhält die „königliche“ Anweisung (die nur von Rantzow selber stammen kann), dass er dafür Sorge tragen möge, dass Steinhaus das gewünschte Haus erwerben kann. Zur Erfüllung seiner Aufgaben war Antonius oft zu Pferde, für längere Fahrten mit der Kutsche unterwegs und da er als Landschreiber nicht nur Verträge aufsetzt und abschließt, sondern für den königlichen Statthalter Steuern und andere Abgaben eintreibt, ist er oft mit hohen Geldbeträgen unterwegs, die für die Hauptkasse in Rendsburg bestimmt waren. Um die Geldtransporte besser zu schützen, lässt Antonius in Bad Segeberg schwere, mit Eisenbändern beschlagene Geldkisten bauen, die mit drei Schlössern geschützt sind. Im Zuge seiner Tätigkeit verhandelte Antonius eigenverantwortlich auch mit prominenten Persönlichkeiten, u.a. hat er 1567 in Hamburg mit dem Senat und dem kaiserlichen Kammergericht eine Vereinbarung ausgehandelt.

 

Bis 1585 war Antonius als Landschreiber sowie als apostolischer und kaiserlicher Notar am Kammergericht in Süd-Dithmarschen tätig und wird in diesem Jahr mit 51 Jahren beigeordneter Inspektor des Gerichts in Meldorf. Nach Einwilligung seines Dienstherren Rantzau gibt er das Amt als erster Landschreiber an seinen Schwiegersohn Johannes Wasmer (1555 bis 14.02.1604) ab, der im selben Jahr am 22.05.1585 seine Tochter Margaretha Steinhaus (1566 bis 1604) geehelicht hat. Die Familie Wasmer kam aus Bremen und eine Reihe von männlichen Vorfahren waren dort als Bürgermeister eingesetzt. Die Familie kann bis zu Johannes Wasmer zurückverfolgt werden, der 1365 geboren wurde, als Bürgermeister tätig war und vom Bremer Rat am 21.06.1430 unschuldig enthauptet wurde. Ihm wurde Landesverrat und eine Hintergehung des Bremer Rates vorgeworfen. Auf Betreiben seines Sohnes Hinrich (1410 bis 25.07.1462) ließ Kaiser Sigismund die Stadt in Acht nehmen. Als Sühne für die ungerechtfertigte Hinrichtung musste Bremen für Johannes eine Steinsäule errichten und den Sohn entschädigen.

 

Seine Tochter Gesche Steinhaus hat Antonius mit dem Probst Stephan Ramm (1564 bis 24.12.1621) verheiratet. Dazu findet sich in Joseph Adolfi's „Chronik des Landes Dithmarschen“ von 1827 ein überlieferter Kommentar: "...als dat nun im Suderdeel Antonius alles mit einander mit seinen Kindern und Schwiegern, beide geistlich und weltlich in Hand brachte." 1590 war Antonius mit 21 Morgen und 12 Scheffel (entsprechend etwa 30 Hektar) der machtvollste Landbesitzer mit der größten Landfläche im Marner Gebiet.

 

Am 13.03.1598 reiste der damalige dänische König Christian IV. (12.04.1577 bis 28.02.1648) mit seinem Bruder Herzog Hanssen und seinen Schwagern Herzog Johan und Herzog Magnus von Lüneburg ihrem Gefolge von „hundert Pferden und etlichem Fußvolk“ durch Lunden und Heide nach Meldorf, wo man am 14.03. bei Antonius Steinhaus Station machte und über Nacht in seinem Haus blieb. Zu dem Ereignis findet sich eine zeitgenössische Beschreibung: "Sie haben die Kirche besucht und dort ein Orgelkonzert gehört. Am nächsten Morgen, früh um 4 Uhr sind sie nach Brunsbüttel aufgebrochen, um dort zu frühstücken. Anschließend ist der ganze Tross zu Pferde nach Wilster gezogen und hat dort die Nacht verbracht. ... Der großmächtige König hat sich besonders über die Dithmarscher Tracht und die eigenartigen Hüte gewundert. Er hat sich gleich eine ganze Tracht selbst gekauft, um sie seiner Gemahlin zu schicken."

 

Bis 1600 bleibt Antonius als Gerichtsbeisitzer in Meldorf tätig und bezieht aus dieser Tätigkeit regelmäßige Einnahmen. In seinem am 03.04.1601 vier Tage vor seinem Tod verfassten Testament vermacht er 90 Morgen Marschland und 14 Tonnen Geestland. Zu seinem Tod findet sich die folgende Würdigung:  "... ein kloker und vernunftiger Mann, der in bestendigem Glücke und tiedlicher Wolfahrt sin Lewendt vollbracht hat." Antonius wird im Dom von Meldorf beigesetzt und 1602 wird ein im Auftrag der Erben geschaffenes sieben Meter großes Epitaph im Mittelschaiff der Kirche St. Johannis angebracht, auf dem die gesamte Familie in niederländischer Tracht dargestellt sind; im Mittelteil des Epitaphs ist Maria mit dem Jesuskind dargestellt.

Jürgen Kaack 18.04.2018, 11.18

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