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5. Marie Vietors Grabplatte von 1599

Der 5. Teil der Zeugnisse meiner Vorfahren stellt zeitlich keinen großen Sprung dar von 1591 mit dem Kinderepitaph in Meldorf sind es nur 8 Jahre bis zur Beerdigung von Marie Vietor, der Mutter des Philosophen und Theologen Dr. Johannes Vietor (01.08.1574 bis 25.01.1628). Räumlich gesehen ist es dagegen ein etwas größerer Sprung von Meldorf in Dithmarschen nach Darmstadt und es handelt sich auch um einen Ahnin aus einem anderen Familienzweig, der bis 1908 im Wesentlichen im Raum Braunschweig gelebt hat. Obwohl Grabplatten ja eigentlich oft die Zeit überdauern, ist dies die einzige Grabplatte meiner vor dem 20. Jahrhundert geborenen Vorfahren. Zumindest habe ich keine weiteren finden können.


Der älteste bekannte Vorfahre von Margaretha Vietor und einer der frühesten überhaupt ist der 1479 geborene Hans Bottener. Sein Sohn Johannes Büddener Vietor wurde 1502 in Melsungen geboren unsd wurde (vermutlich genau wie sein Vater) Küfner und Böttcher. Mit ihm wurde der Nachname in lateinisch umgewandelt. „Vietor“ bedeutet in der Übersetzung Böttcher oder Küfner. Später wurde er auch Ratsherr in Melsungen. In Homberg an der Efze hat er am 11.06.1531 Catharina Knabenschuh (geboren um 1505 in Homberg an der Efze und verstorben mit fast 60 Jahren in Alsfeld), eine Tochter von von dem um 1470 geborenen Hans Knabenschuh, der 1525 in Homberg an der Efze erst Ratsherr und später Bürgermeister wurde. Catharina war zur Zeit der Hochzeit Witwe des um 1525 verstorbenen Johannes Winckelmann. Ihr einziges Kind war Justus Vietor, der am 10.07.1532 in Homberg zur Welt kam.



Justus Vietor begann seine Ausbildung mit 11 Jahren als Chorknabe in der fürstlichen Hofkapelle in Kassel. Mit 17 begann er ein Studium in Marburg und war mit 20 Jahren 1552 als Lehrer in Alsfeld tätig. Im selben Jahr erhielt er seinen Magister-Abschluss von der Universität Marburg und wurde 1555 Rektor der Lateinschule in Alsfeld. Zwei Jahre später wurde Justus mit 25 Jahren zweiter Prediger in Alsfeld. 1559 ernannte man ihn zum Spezialsuperintendenten und gleichzeitig zum ersten Prediger in Alsfeld. Er war jetzt 27 Jahre alt. Mit 43 Jahren wurde Justus zum Pfarrer und Inspector in Alsfeld, starb aber kurz darauf am 09.09.1575 mit 43 Jahren.

 

Justus heiratete am 16.07.1554 in Alsfeld Marie Hultscher (geboren 1537 und verstorben am 13.09.1599), eine Tochter von Elisabeth Loeber (1505 bis 10.03.1593) aus Alsfeld, die 1535 in zweiter Ehe Nicolaus Hultscher (1482 bis 19.09.1555) heiratete. Von Nicolaus Vater ist nur bekannt, dass er Arnold Hultscher hieß und um 1450 geboren wurde. Davor hatte sie 1527 den früh verstorbenen Dietrich Hose geheiratet. Elisabeths Vater war der 1483 geborene Wollfärber und Bürgermeister von Alsfeld Johann Loeber. Sein Vater war der gleichnamige, vermutlich um 1450 geborenen Johann Löwer. Sein Sohn Johann Loeber bekommt nach Elisabeth mit Anna Loeber 1483 eine weitere Tochter und stirbt 1562 mit 79 Jahren. Anna heiratet 1532 Georg Reichardt (1501 bis 1578), mit dem sie 1532 eine Tochter Margaretha (gestorben 1592) bekommt und 1550 Elisabeth (gestorben 1602 mit 52 Jahren). Margaretha heiratet 1571 in zweiter Ehe Heinz Stumpf und bekommt die beiden Söhne Jost Stumpf (1574 bis 03.09.1629) und Christopher Stumpf (geboren 1540). In erster Ehe war sie mit dem 1525 geborenen Michael Hoschlin verheiratet, der seinerseits in erster Ehe mit Barbara Biedermann (1530 bis 24.05.1598) vier Kinder bekommen hat.

 

Bei den „Deutschen Inschriften Online“ (DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 290 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0029007) findet sich die obige Abbildungn und eine Erläuterung zur Grabplatte der Marie Vietor, geborene Hultscher. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute innen an der Nordwand des Langhauses. Sie wurde bei der Kirchenrenovierung 1978/79 im Boden in der Nähe des Altars gefunden. Die Inschrift auf Grabplatte lautet übersetzt: "Ruhestätte der frommen Frau Maria, Witwe des Magisters Justus Vietor, einst Pfarrers im hessischen Alsfeld, die mit ihrem Körper hierhin überführt wurde. Sie starb sanft in Christus im Jahre des Heils 1599 am zweiten Tag des Oktobers (im Alter von) 62. (Dieses Denkmal) ließ ihr Sohn und Pfarrer dieses Ortes Magister Johannes Vietor setzen.

Jürgen Kaack 10.04.2018, 09.18

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