Ausgewählter Beitrag

4. Kinderepitaph von Johannes Wasmer aus dem Jahr 1591



Unter den neun Kindern von Dorothea Steffens und Antonius Steinhaus finden sich neben der Tochter Margaretha (1565 bis 1604), die Johannes Wasmer geheiratet hat, den Nachfolger von Antonius als Landschreiber in Süderdithmarschen, Gödert Steinhaus (1565 bis 1646), der Kirchspielschreiber in Oldenwöhrden wurde, sein Bruder Marcus (1568 bis 1603) wurde Ratsherr in Krempe, Johannes (1581 bis 1617) Bürgermeister von Wilster. Magdalena Steinhaus (1560 bis 1638) hat in erster Ehe den Kaufmann Carsten Woldrich geheiratet und in zweiter Ehe den Kaufmann Klaus Hennings. Ihre Schwester Catharina (geboren 1575) hat den Bürgermeister von Oldenburg, Gerdt Steor, geehelicht, Gerdrud (geboren 1578) wurde die Ehefrau von Andreas Dreessen (vermutlich aber erst nach dem Tod ihres Vaters und auf dem Epitaph ist sie noch ohne die Haube einer verheirateten Frau abgebildet), Gesche hat den Probst von Meldorf, Stephan Ramm geheiratet und Anna Steinhaus wurde Ehefrau von Johannes Scheele, dem Landschreiber in Wilster.



Mit Margaretha Steinhaus bekam Johannes Wasmer 13 Kinder. Eine Reihe davon starb noch in jungem Alter. Christine (31.05.1586 bis 17.01.1587) und Antonius (22.04.1590 bis 15.02.1591) wurden nicht mal ein Jahr alt und zur Zeitpunkt ihres Todes war ihr Vater geschäftlich unterwegs. Er ließ 1591 im Meldorfer Dom ein Epitaph zum Gedächtnis seiner beiden Kinder anbringen. Der Text ist anrührend und zeugt von humanistischer Bildung und den literarischen Fähigkeiten von Johannes Wasmer. Text und Foto des Epitaphs von Jochen Bufe finden sich in dem lesenswerten kleinen Buch „Der Dom erzählt“, der im Meldorfer Dom oder über die Kirchengemeinde erworben werden kann. Die Übersetzung der lateinischen Inschrift auf dem Wasmer-Epitaph von 1591 von Gerhard Weng aus der Zeitschrift Dithmarschen 1997 (S. 30-38) lautet:

 

Seinen kleinen Kindern,

der Christina, die am 31. Mai im Jahre des Herrn 1586 geboren und deren Lebenslicht am 17. Januar 1587 ausgelöscht wurde, und ebenfalls dem Antonius, der am 22. April im Jahre 1590 geboren wurde und am 15. Februar 1591 wegstarb, ihnen, die in Christus angenehm ruhen, hat ihr Vater Johannes Wasmer, des durchlauchtigsten Königs von Dänemark Landschreiber in Dithmarschen dieses Epitaph zur Hoffnung auf die künftige Auferstehung gesetzt.

 

Ausspruch:

Wie ein Blümchen verwelkt durch übermäßige Hitze, wie eine Rose ihr Blüh'n frühjahrs durch Frost verliert, so, meine Tochter, sinkst Du an der ersten Schwelle des Lebens ohne eigene Schuld tödlich getroffen ins Grab. Dreimal durch Christi Blut und klares Wasser gereinigt wirst Du Christina genannt, vornehm und namhaft zugleich, nach dem Namen der Frau des Statthalters Heinrich von Rantzow. Weil vor der Zeit rafft dich der Tod viel zu früh. Während ich in Kiel des Königs Geschäfte verrichte, wütet in deinem Haus grausam der finstre Tod. Ach Schmerz, ach meine Pflicht! Deine totgebrochenen Augen konnte ich, Tochter, nicht schließen mit eigener Hand. An dir leuchtete hell das Abbild strahlender Jugend, auch warst Du ein Juwel fehlloser sittlicher Scheu. Lieber Sohn, auch du bist dem Angriff des Todes erlegen, gehst denselben Weg, wie deine Schwester zuvor. Großvaters Namen gab ich dir, Antonius, das Wasser der Taufe, diesem solltest du Sohn, ähnlich werden und sein. Als ich mit meiner Frau zur Vaterstadt Verden hineilte, raubte mit eisigem Tode die Parze aus Neid. Was für ein hübsches Gesicht hattest du, welch' rege Gemütsart. Schöpferisch war deine Brust, vieler Begabungen voll. Hoffnung, die ich gehegt, die Hoffnung liegt völlig darnieder, keine Hoffnung kann ausgleichen meinen Verlust. Armer und glückloser Vater, der Tod beraubt mich der Kinder. Ungerecht und er versagt herzlos die Beisetzung mir. Heiliger Seelen Leib zu bestatten ist mir nicht gestattet noch mit Tränenfluss reichlich zu netzen ihr Grab. Soll ich nun klagen hinfort, wenn die Sonne versinkt in den Wellen, wenn sie zum Morgenlicht wiederersteht aus dem Meer?

 

Die Kinder antworten

Lieber Vater, lass ab, immer wieder betrübt zu klagen, niemals braucht dieser Ort jemandes Tränen, lass ab! Was beschwerst du dich über kurze Lebensdauer? Zum Himmel hat uns auf schneller Bahn herrliche Reise geführt. Ist der Tod denn so schlimm? An das Ziel solltest du denken! Leben ist nichts als Tod, Tod für die Frommen Gewinn. Mühsal habt ihr und Not, wie süßes Nichtstun im Himmel. Unglücklich ist, wer nie Himmel vor Erde geschätzt. Funkelnder Steine Glanz und mit Purpurfarbe gefärbte Kleidung, des Tejo Gold, schon an der Quelle geschwemmt. Sind nur Splitter der Welt. Aber uns erfreut es, des Himmels Heilige Tempel zu schau'n hier in der oberen Welt. Krankheiten wüten hier nicht zum Verderben, nicht hässliche Seuche, nicht die Göttin des Kriegs, Gifttränke schaden hier nicht. Unser Haupt ist bekrönt und unverwelklich die Kränze, fröhlich singen wir hier Lieder, die Gott sind erwünscht. Was benetzt du nun dein Gesicht mit gewaltigen Tränen, trübst uns Kindern nur immer die himmlische Freud? Wer sich sehnlich wünscht, das erhoffte Ziel zu erreichen, tue dies, hasse die Welt, liebe das Himmelsgewölb! Also Papa, und liebenswürdigste Mutti, geht den letzten Weg himmelwärts beide zu uns!

 

Der Vater:

Töchterchen sei gegrüßt, ich erweise dir weitere Ehren, wenn unter Himmlischen du oberste Häuser bewohnst. Sei mir gegrüßt, mein Sohn, ich erweise dir weitere Ehren, wenn du als neuer Gast oben im Äther frohlockst. Schluchzen, Tränen und wehmüt'ge Seufzer sollen verschwinden, ist nur der Kinder Los besser als unser Geschick. Als setz' ich dies nicht als Denkmal wütenden Schmerzes, sondern als Siegesmal stift's ich der Kinder zur Ehr'. Aber damit du dir des vergänglichen Lebens bewusst bleibst, hemme, lieber Gast, bitte ein wenig den Schritt! Da der arge Tod ja niemanden schont, lerne sterben, sag, dass kein schweres Gefäß drück

Jürgen Kaack 08.04.2018, 11.52

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