Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: WiMAX

Funklösungen für den Breitbandausbau

Zunächst sollte man definieren, was unter zukunftssicherer Bandbreite zu verstehen ist. Die Definition verändert sich im Laufe der Zeit mit den technischen Möglichkeiten und den Anforderungen. In der Frühzeit des Internets war schon 128 Kbit/s eine Bandbreite, die das Versenden von Mails und eine einfache Transaktionen erlaubte. Vor fünf Jahren noch war eine Bandbreite von 1 MBit/s großzügig und für fast alle Anwendungen ausreichend. Mit der Zunahme des multimedialen Datenverkehrs, der zwar auch durch Portale wie YouTube oder Flikr für Videos und private Bilder getrieben wurde, aber ebenso für Bildungsangebote und die Zusammenarbeit von Unternehmen benötigt wird, steigt der Bedarf deutlich an. Soll neben der Datennutzung im Internet auch Fernsehen in guter Qualität oder gar in hochauflösender Form (HDTV) übertragen werden, stellen 32 MBit/s eine sinnvolle untere Grenze dar. Unter diesem Gesichtspunkt sind die von der Bundesregierung geforderten 50 MBit/s eine plausible Größe – allerdings unter Beachtung der zeitlichen Komponente und dem derzeit immer noch stark steigenden Übertragungsvolumen von Daten. Es ist nicht schwer, vor diesem Hintergrund zu prognostizieren, dass diese Grenze sich mittelfristig in Richtung auf 100 MBit/s und mehr verschieben wird! Für größere Unternehmen, die ihre Standorte bereits heute mit Glasfaser vernetzt haben, ist dies im Übrigen schon seit einiger Zeit Realität.

Grundsätzlich gibt es mehrere Technologien, die einen zukunftssicheren Breitband-Ausbau mit 50 MBit/s und mehr ermöglichen. Da sich auch Technologien weiterentwickeln, wäre es kurzfristig gedacht, den Fokus nur auf eine Technologie zu legen. Deutschland hat in der installierten Basis von Breitband-Anschlüssen überwiegend DSL auf zu weisen. Zwar wurden 2006 mit größerem Aufwand durch die Bundesnetzagentur Lizenzen für den Aufbau von WiMAX-Netzen vergeben, aber der richtige Durchbruch für diese Technologie ist in Deutschland ausgeblieben und es sind nicht mal alle Anbieter tatsächlich aktiv geworden. Der Marktanteil von WiMAX-Anschlüssen liegt zusammen mit den am Markt ebenfalls unbedeutenden Powerline-Anschlüssen und dem Nischenprodukt DSL via Satellit immer noch unter 1 % und spielt somit im Markt kaum eine Rolle. Es ist derzeit nicht zu erkennen, dass einer dieser Nischenlösungen in absehbarer Zeit größere Bedeutung erlangt.

Eine attraktive Alternative zu den Leitungs-gebundenen Breitband-Infrastrukturen bietet die Nutzung der durch die Digitalisierung der Rundfunkfrequenzen frei gewordenen Bandbreiten im Bereich von 790 und 862 MHz („digitale Dividende“). Die Bundesregierung und der Bundesrat haben den Weg hierfür frei gemacht und die Bundesnetzagentur bereitet die Vergabe der Lizenzen für Anfang 2010 vor. In Verbindung mit neuen Übertragungstechnologien wie der „Long Term Evolution“ (LTE) sind auch mit Funk Übertragungsraten von über 50 MBit/s zu realisieren. Somit kann mit LTE nicht nur eine schnelle Datenübertragung ermöglicht werden, sondern auch eine Fernsehübertragung oder eine Videokonferenz.

 

Die Frequenzlage der ehemaligen Radiofrequenzen bietet gegenüber der 3 GHz-Frequenz für WiMAX den Vorteil, wesentlich besser in Gebäuden empfangen zu werden. So entfällt vermutlich in vielen Fällen die Notwendigkeit einer Außenantenne. Auch sind die Zellen größer als die UMTS-Zellen, die maximal 1 km Radius haben, und benötigen anders als andere Funktechnologien keine direkte Sichtverbindung von Sender und Empfänger. Es ist zu erwarten, dass der Aufbau von LTE-Netzen weniger Investitionsmittel benötigt als für herkömmliche Mobilfunk-Netze (UMTS). Allerdings befindet sich LTE noch im Pilotstadium mit derzeit drei erfolgreich laufenden Piloten in Deutschland und es ist noch unklar, wer die Betreiber dieser Frequenzen sein werden und wie die Ausbaupläne aussehen können.




 

Jürgen Kaack 05.10.2009, 11.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Regional schnell ans Netz

"In Metropolen schon längst selbstverständlich, können Unternehmen in ländlichen Regionen nicht automatisch auf schnelle Internetanschlüsse zugreifen. Dabei bietet beispielsweise ein regionales Breitbandnetz Kommunen die Chance, ihre Unternehmen am Standort zu halten und deren Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Das Bewusstsein für den Bedarf an Breitband-Anschlüssen hat sich bei den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland seit Anfang 2008 deutlich weiter entwickelt und es dürfte mittlerweile unstrittig sein, dass eine gute und flächendeckende Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor für jede Kommune ist. Die politischen Diskussionen um das Konjunkturpaket II haben diesen Prozess weiter vorangebracht. Damit endet allerdings in vielen Fällen der Erkenntnisstand der Verantwortlichen in den Kommunen. Was konkret zu tun ist, mit wem zu verhandeln ist, welche Technologie zukunftssicher ist und welche Förderungen aus dem Konjunkturpaket II für den Breitbandausbau genutzt werden können, bleibt für manche Entscheider noch in einer diffusen Grauzone...
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Der vollständige Artikel zur Bedeutung von offenen regionalen Netzen und die Rolle von Kommunen und Kreisen bei der Umsetzung findet sich in einem Artikel bei ECIN. Dabei wird die Einordnung der regionalen Netze zwischen nationalen Backbone- und Anschluss-Netzen erläutert, die technologischen Möglichkeiten zur Umsetzung und die Vor- und Nachteile der alternativen Geschäftsmodelle diskutiert.
 

Jürgen Kaack 28.04.2009, 09.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Problemfall regionale Netze

Das Bewusstsein für den Bedarf an Breitband-Anschlüssen hat sich bei den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland seit Anfang 2008 deutlich weiter entwickelt und es dürfte mittlerweile unstrittig sein, dass eine gute und flächendeckende Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor für jede Kommune ist. Die politischen Diskussionen um das Konjunkturpaket II haben diesen Prozess weiter vorangebracht. Damit endet allerdings in vielen Fällen der Erkenntnisstand der Verantwortlichen in den Kommunen. Was konkret zu tun ist, mit wem zu verhandeln ist, welche Technologie zukunftssicher ist und welche Förderungen aus dem Konjunkturpaket II für den Breitbandausbau genutzt werden können, bleibt für manche Entscheider noch in einer diffusen Grauzone.

 

Fernverkehrsnetze

 

Betrachtet man die technischen Gegebenheiten, so stellt man fest, dass im Bereich der Fernverkehrs-Netze (nationale Backbone-Netze) eine ausreichende Übertragungs-Kapazitäten vorhanden und verschiedene Anbieter im Wettbewerb zueinander tätig sind. Hier liegt offensichtlich nicht das Problem für den Breitbandausbau in der Fläche. Im Bereich der Teilnehmer-Anschlussnetze finden sich in Deutschland durchweg Kupfer-Zweidraht-Anbindungen und ergänzend je nach Region Koaxialkabel der Kabel-Fernseh-Anbieter. Glasfaser-Anbindungen, wie sie in den Niederlanden oder in manchen asiatischen Ländern in steigendem Umfang eingesetzt werden, findet man in Deutschland dagegen nur in wenigen Modellprojekten. Statistisch gesehen liegt Deutschland mit Fiber-to-the-Home im internationalen Vergleich noch im letzten Drittel.

 

Anschluss-Netze

 

Trotzdem ist es selbst mit den vorhandenen Kupfer-Anschlussnetzen möglich, hohe Bandbreiten zu übertragen. Kabelnetz-Betreiber erreichen vielerorts 32 MBit/s mit der zukünftigen Option bis auf 100 MBit/s zu erweitern, mit ADSL sind derzeit 16 MBit/s möglich und das moderne VDSL-Netz der Telekom ermöglicht je nach Entfernung vom Kabelverzweiger 25 oder 50 MBit/s und überträgt diese ebenfalls über das vorhandene Kupfer-Zweidraht-Anschlussnetz zum Nutzer. Für höhere Bandbreiten braucht man dann allerdings dann doch die Glasfaseranbindung bis zum Gebäude (Fiber-to-the-Building) oder bis in den Haushalt (Fiber-to-the-Home). Trotzdem ist festzustellen, dass das Anschlussnetz in aller Regel ebenfalls nicht den Engpass beim Breitbandausbau in der Fläche darstellt.

 

Diese Aussage gilt natürlich nur mit Einschränkungen. Denn ohne einen Ausbau der aktiven Übertragungstechnik im bestehenden Anschlussnetz ist keine Breitbandübertragung möglich. In der Regel müssen die letzten aktiven Komponenten im Anschlussnetz, die Kabelverzweiger (KVZ), mit moderner digitaler Übertragungstechnik aufgerüstet werden. Dies ist mit zusätzlichen Investitionen verbunden, die der Anschlussnetzbetreiber erbringen muss. Je nach Bevölkerungsdichte (und damit der Zahl der an einen Kabelverzweiger angebundenen Haushalte) kann allerdings auch dieser Ausbau für einen Netzbetreiber unwirtschaftlich sein und es gilt, eine gegebenenfalls vorhandene Wirtschaftlichkeitslücke zu schließen.

 

Regionale Backbone-Netze

 

Das Problem für den Breitbandausbau in der Fläche besteht in den meisten Fällen im regionalen Backbone-Netz, mit dem das Fernverkehrs-Netz an das Anschlussnetz angebunden wird. Hier sind heute die verfügbaren Bandbreiten oft zu gering, um höhere Bandbreite bis zum Anschluss-Netz zu transportieren. Die regionalen Netze bestehen typischerweise aus Kupfer-Leitungen, deren Kapazität nicht erweitert werden kann. Hier bleibt oft nur der Ausbau des regionalen Netzes mit Glasfaser-Leitungen. Dass dies in der Regel im überbauten Raum erfolgen muss, kommt erschwerend hinzu und ist dann mit teuren Baumaßnahmen verbunden. Sofern Kabelkanäle, Abwasserrohre oder ähnliches verwendet werden können, lässt sich der notwendige Aufwand reduzieren. Die Verlegung von Glasfaser-Strecken in Abwasserkanälen befindet sich derzeit in einem Pilotversuch.

 

Als Alternative zu Glasfaserstrecken kommen je nach Topographie auch Richtfunk- oder WiMAX-Verbindungen im regionalen Netz in Betracht. Eine Funkstrecke ist in der Regel kostengünstiger zu errichten, wenn topographische Hindernisse wie Flüsse, Straßen und andere Hindernisse zu überwinden sind. Auch die direkte Anbindung einzelner Kabelverzweiger mithilfe von WiMAX-Strecken ist möglich und meistens schneller zu realisieren als eine Baumaßnahme. Allerdings gibt es an einigen Orten Widerstände gegen Funklösungen, auch wenn dies eigentlich fast immer unbegründet ist. Außerdem stellt eine Funkstrecke in einem regionalen Netz eine aktive Infrastruktur-Komponente dar, die gemanagt werden muss.

 

Regionale Netze verbinden die Backbone-Trassen mit den Kabelverzweigern in den Ortsteilen (je Ortsteil ist in der Regel ein Kabelverzweiger vorhanden). Das Netz erhält somit zunächst eine Baumstruktur, die aufgrund der Verfügbarkeit und Absicherung in Richtung einer Ringstruktur erweitert werden sollte. Ergänzend zu den eigentlichen Verbindungsstrecken ist eine Einrichtung zur Überwachung von Performance und Verfügbarkeit des regionalen Netzes vorzusehen.

 

Jürgen Kaack 21.04.2009, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Standortfaktor Breitband

Am 19.03.2009 vführt die Wirtschaftsförderung Rhein-Erft im Schloss Gymnich eine Veranstaltung durch zu dem durch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung hochaktuellen Thema der Breitbandversorgung in der Fläche ("Standortfaktor Breitband").

Vertreter betroffener Kommunen sollen in der drei-stündigen Veranstaltung informiert werden über technische Alternativen für den Breitbandausbau, Geschäftsmodelle für die Umsetzung, sowie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Natürlich besteht auch die Möglichkeiten zu Fragen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, das Programm und Anmeldeformular findet sich auf den Seiten der WfG unter diesem Link.

Ich werde bei der Veranstaltung mit einer Präsentation zu dem Thema "Breitband als Standortfaktor - Lücken in der Versorgung schließen" dabei sein.

Jürgen Kaack 07.02.2009, 11.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kooperationsmodelle für den Breitbandausbau

Nicht nur die großen national tätigen Netzbetreiber können dünn besiedelte Regionen nur schwer wirtschaftlich ausbauen, auch alternative Anbieter mit flexibleren Strukturen und modernen Technologien kommen schnell an Grenzen. Erfolg versprechend sind daher Kooperationen zwischen verschiedenen Unternehmen. Kooperationsmodelle für die Schließung von Versorgungslücken im ländlichen Raum sollten sich an der Wertschöpfungskette im Breitbandmarkt orientieren. Diese unterscheidet sich kaum von derjenigen für andere Telekommunikations-Dienste und ist in erster Linie von der gewählten Anschlusstechnik abhängig.

 

Bei der Umsetzung der möglichen Lösungen bieten sich unterschiedliche Kooperationsmodelle an, die von der Art der Geschäftspartner und der angestrebten Anwendung abhängen. Zu den grundsätzlich möglichen Kooperationsmodellen gehören:


  • ein Joint-Venture für das gesamte Geschäft vom Netzaufbau bis zur Vermarktung bei einer Aufteilung von Investitionen, Risiken und Erträgen zwischen regionalen und überregionalen Netzbetreibern,
  • Gründung einer Private-Public-Partnership zwischen einem Netzbetreiber und einer Kommune zur arbeitsteiligen Umsetzung,
  • Schaffung einer Open-Access-Plattform für den Breitband-Backbone, z.B. durch die Kommune, die von Anschlussnetzbetreibern genutzt wird,
  • Aufbau von Mischnetzen aus Festnetz und Funklösungen durch einen oder mehrere Netzbetreiber,
  • Bereitstellung von baulichen Infrastrukturen in Form von Leerrohren, Wegerechten und Masten bzw. Türme zur Verringerung der Kosten beim Netzaufbau,
  • Sonderlösungen, die Betreiber für Großkunden erbringen,
  • die Vergabe einer Sublizenz und der eigenständige Netzaufbau durch den Geschäftspartner (nur im Falle von WiMAX)

 

Kooperationen sind in der Telekommunikation in vielen Bereichen üblich und erfolgreich. Service Provider und MVNOs im Mobilfunk basieren ebenso auf Kooperationen wie viele Internetserviceprovider.

 

Im Falle von WiMAX übernimmt der Lizenznehmer in der Arbeitsteilung bei allen Modellen außer der Vergabe von Sublizenzen, den Aufbau und den Betrieb des funktechnischen Zugangsnetzes und die Kooperationspartner übernehmen fallweise die Ausgestaltung des Dienstes und die Vermarktung an die eigenen Zielgruppen. Ein interessierter Geschäftspartner kann dann das WiMAX-Netz als Übertragungsstrecke und Zugang zum Kunden nutzen, um die eigenen Dienste und Lösungen zu realisieren. Dies ist wichtig, weil es sich bei WiMAX um eine komplexe Funktechnik handelt, die nicht so problemlos aufgebaut werden kann wie z.B. WLAN-Zellen. Ohne eine sorgfältige Funknetzplanung, die sich an der Topografie der auszuleuchtenden Region orientiert, können keine gute Versorgung und insbesondere keine NLOS (Non-Line-of-Sight)-Auslegung erreicht werden, bei der eine Sichtverbindung zwischen Basisstation und Nutzer nicht erforderlich ist. Trotzdem bleibt bei WiMAX die erreichbare Bandbreite begrenzt auf derzeit 2 MBit/s, später vielleicht bei 4 MBit/s.

 

Im Vergleich zu WiMAX bietet der Ausbau des Kabelnetzes Potenzial zu wesentlich höheren Bandbreiten, 32 MBit/s sind schon heute zu erreichen und ein Ausbau bis zu 100 MBit/s ist technisch möglich. Damit bieten die TV-Kabelnetze attraktive Zukunftschancen.

 

Zukunftsträchtig ist der Ausbau des Glasfasernetzes und dies möglichst nah bis zum Haushalt, im Idealfall als Fiber-to-the-Home bis in den Haushalt. Mit diesen Strukturen sind Bandbreiten über 100 MBit/s möglich. Neubaugebiete sollten schon heute mit Glasfaser ausgestattet werden. Hierfür bieten sich z.B. neue Lösungen mit passiven optischen Netzen an, die auf aktive Komponenten im Anschluss-Netz auskommen. Wenn bei allen Baumaßnahmen im überbauten Raum Leer-Rohre verlegt werden, sinken die späteren Kosten für den Netzausbau. Es gibt Übergangslösungen auf dem Weg zum flächendeckenden Glasfasernetz, z.B. zunächst die Anbindung der Kabelverzweiger im Anschlussnetz mit Glasfaser und die Nutzung der existierenden Kupferdoppelader bis zum Haushalt. So sind je nach Entfernung vom Verzweiger mit DSL Bandbreiten von 16 MBit/s zu erreichen und mit VDSL-Technologie auch 50 MBit/s.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar die Zahl alternativer Breitband-Anschlusstechniken steigt, aber für Regionen außerhalb der Ballungsgebiete bleibt es auf absehbare Zeit bei DSL als der dominierenden Technologie. Die großen Netzbetreiber, einschließlich der Deutsche Telekom nehmen den Netzausbau unter wirtschaftlichen Kriterien vor, so dass kleinere Städte und Kommunen auch in den nächsten Jahren Probleme haben werden, die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen zu befriedigen bzw. das Entstehen von Standortnachteilen zu verhindern. Dies schafft Marktchancen für kleinere und regional tätige Anbieter, die mit flexiblem Vorgehen und unter Einsatz der optimalen Infrastruktur Wettbewerbsvorteile erzielen können. Im Vorteil sind dabei solche Anbieter, die über vorhandene Kontakte und Netzwerke in den jeweiligen Regionen verfügen, so dass der Vertriebsaufbau schnell und mit niedrigen Kosten von statten gehen kann. Durch die mit dem zweiten Konjunktur-Programm der Bundesregierung verfolgten Ziele kann der Ausbau in der Fläche deutlich beschleunigt werden.


 

Jürgen Kaack 19.01.2009, 21.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

2. Konjunkturprogramm fördert die Breitband-Versorgung

Mit dem gerade verkündeten zweiten Konjunkturprogramm sollen auch Investitionen in den Breitband-Ausbau in der Fläche gefördert werden. Die Bundesregierung hat das Ziel definiert, bis zum Jahr 2010 alle weißen Flecken zu schließen. Hierbei wird allerdings noch keine höhere Geschwindigkeit gefordert, so dass alle möglichen Technologien genutzt werden können. Damit kann schon einiges gegen die Gefahren aus der digitalen Spaltung getan werden, wenn die Umsetzung schnell definiert und praktikabel ausgestaltet wird. Die bisherigen Förderansätze für den Breitbandausbau mit maximal € 50.000 je Kommune sind hierfür ganz sicher nicht ausreichend. Natürlich müssen auch die Netzbetreiber ihren Vorteil erkennen.

In der nächsten Umsetzungsstufe bis 2014 sollen 75 % der Haushalte mit Breitband in einer Übertragungsrate von 50 MBit/s angeschlossen sein. 2018 sollen dann alle Haushalte in Deutschland mit mindestens 50 MBit/s anschließbar sein! Dies setzt natürlich einen verstärkten Einsatz von Glasfaser voraus, mit denen zumindest die Kabelverzweiger (Fiber-to-the-Curb) versorgt werden. Auch Fiber-to-the-Building muss in verstärkter Form genutzt werden. Im Endausbau ist dann vermutlich Fiber-to-the-Home unabdingbar - allerdings von den Investitonsaufwenden auch deutlich am teuersten.


Zur Erreichung der jetzt richtigerweise gesetzten Zielen sind noch einigen Aufgaben zu erledigen und tragfähige Umsetzungskonzepte erarbeitet werden.

 

Jürgen Kaack 13.01.2009, 21.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Forum für Breitbandinteressierte

Das Forschungsinstitut für Telekommunikation hat im letzten Jahr ein neues Internet-Portal zum Thema Breitband-Ausbau und Breitband-Anwendungen gestartet, das für jedermann nach Anmeldung offen ist: IKT.NRW. Primär richtet sich das Cluster an Themen aus NRW, aber bis auf spezifische Fragen der Fördermöglichkeiten für Kommunen sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern bei den Breitband-Anforderungen nach meiner Erfahrung nicht.

Auf dem Portal findet man Experten zu bestimmten Themen und Foren unter anderem für Breitbandausbau, Smart Cities Konzepte, Geo-Informationen, IT-Securitiy. mobile Communication und SOA-Anwendungen. Ich habe auf diesem Portal einen eigenen Blog-Bereich, der unter diesem Link zu finden ist.

 
 

Jürgen Kaack 10.01.2009, 15.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Anschlusstechnologien

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Anschlusstechnologien zur Realisierung der Breitband-Anbindung an das Internet. Im Backbone-Netz hat sich dagegen Glasfaser als das am besten geeignete Übertragungsmedium herausgestellt. Gerade der Anschluss-Bereich („Last-Mile“) ist aufwändig zu realisieren und erfordert hohe Investitionskosten. Bei einem Vergleich der eingesetzten Anschluss-Technologien zeigt sich in Deutschland im internationalen Vergleich eine Besonderheit. Ende 2007 waren nach einer Auswertung des Branchenverbandes Bitkom immer noch 96 % aller Breitbandanschlüsse in DSL-Technologie ausgebaut, knapp 4 % entfallen auf Kabelmodem der Kabelnetzbetreiber und eine sehr geringe Anzahl auf Satelliten-Technologie und andere Anschluss-Technologien. Die Kabelnetzbetreiber haben erst relativ spät angefangen, ihre Netze Rückkanalfähig zu machen. Dies bedingt die noch geringe Versorgungsdichte. Durch weitere Ausbau und Vermarktungsaktivitäten kann es aber zu langsam steigenden Werten kommen.

 

Für den Netzausbau sollten die verschiedenen verfügbaren Technologien bewertet werden. Mittelfristig zukunftssicher, aber auch am teuersten im Ausbau ist der Anschluss der Haushalte mit Glasfaser (Fiber-to-the-Home), da so mindestens 100 MBit/s möglich sind. Sofern der Bandbreiten-Bedarf kurzfristig nicht so hoch ist, können auch andere Breitband-Technologien berücksichtigt werden, wie z.B. der Ausbau der HVT und KVZ oder eine Anbindung per Funk (z.B. mittels WiMAX mit bis zu 4 MBit/s). Auch Mischformen können wirtschaftlich sinnvoll sein, z.B. die Versorgung der DSLAMs mittels Richtfunk und die Verteilung über die bestehenden Hausanschlussleitungen. Für abgelegene Objekte kann auch eine Satelliten-Anbindung als Alternative dienen. Allerdings ist die Bandbreite dann auf 1 MBit/s begrenzt. Innerhalb von Kommunen muss die optimale Versorgung anhand der Ist-Situation konzipiert werden. Dabei spielt nicht zuletzt die Möglichkeit zur Anbindung an ein leistungsfähiges Backbone-Netz für die Zu- und Abfuhr des Datenverkehrs eine erhebliche Rolle.

 

Mobile Breitbandanschlüsse spielen bei dieser Betrachtung noch keine Rolle. Zwar waren Ende 2007 bereits 10 Mio. UMTS-Anschlüsse registriert und bis Ende 2008 sollen es 16 Mio. Anschlüsse sein. Allerdings erfüllen erst Anschlüsse nach dem HSDPA-Standard die Anforderung nach Breitbandigkeit mit mehr als 1 MBit/s im Download. Trotzdem ist mittelfristig mit einer Konkurrenz durch schnelle Mobilfunkanschlüsse zu rechnen. Auf die Marktsituation wird dies kaum Einfluss nehmen, da die Mobilfunknetzbetreiber angekündigt haben, den HSDPA-Ausbau insbesondere in den Ballungsgebiete vor zu nehmen. Für ländliche Regionen ist der HSDPA-Ausbau in der Regel unwirtschaftlich, da der Zellenradius einer HSDPA-Basisstation nur ca. 1 km beträgt.

 

Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2007 den neuen Breitbanddienst VDSL mit Bandbreiten von bis zu 50 MBit/s eingeführt. Die Netzinfrastrukturen wurden in Großstädten bereits weitgehend flächendeckend aufgebaut. Aufgrund regulatorischer Restriktionen wird dieser schnelle Breitband-Anschluss nur in Verbindung mit IP-TV („Entertain“) und ausschließlich an Privatkunden vermarktet. Über einen geplanten Netzausbau mit VDSL in ländlichen Regionen ist bislang nichts bekannt und es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Technologie in einem mittelfristigen Zeitraum auch in der Fläche verfügbar sein wird. In vielen Regionen wird der Ausbau der bestehenden Telefonanschlüsse zu DSL-Anschlüssen duch die Deutsche Telekom oder einen alternativen Anbieter der schnellste und kostengünstigste Weg zur Schließung von Versorgungslücken sein. Aber auch für den Ausbau eines Hauptverteiler (HVT) fallen einmalige Investitionskosten in Höhe von ca. € 70.000 an, sowie Kosten für die Anbindung an ein Backbone. Auch für eine Kleinstadt müssen nicht selten mehrere HVT ausgebaut und angebunden werden. Ein alternativer Anbieter muss zudem die Portierungskosten in Höhe von € 39 je Kunde an die Deutsche Telekom zahlen (neben den Kosten für Marketing, Vertrieb, Billing, Kundenbetreuung etc.).

 

Als Alternative zu Leitungs-gebundenen Breitbandanschlüssen verspricht WiMAX als standardisierte Funklösung eine schnelle und kostengünstige Erschließung von insbesondere ländlichen Regionen. Auch bietet WiMAX die Möglichkeit, den Breitbandanschluss portabel und personenbezogen zu machen, allerdings mit begrenzten Bandbreiten von maximal 4 MBit/s, die im Vergleich zu den leitungsgebundenen Lösungen doch recht begrenzt erscheint. Nach der Versteigerung der Lizenzen Ende 2006 schien es zunächst neuen Schwung für WiMAX zu geben, der allerdings bald wieder deutlich abgeflacht ist. Fünf Unternehmen haben Lizenzen für den Netzaufbau mit WiMAX erworben. Die Investitionen für den Aufbau eines WiMAX-Netzes sind nicht unerheblich. Für eine Basisstation mit sechs Sektoren sind ca. € 100.000 zu veranschlagen, für einen Rundstrahler mit einem Sektor ca. € 20.000 und für die Anbindung an ein Backbone-Netz ca. € 25.000. Schließlich sind noch Kosten für Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Mast) in Höhe von ca. € 5.000 zu rechnen. Nicht unerheblich sind auch die Funkmodems je Teilnehmer, die mit steigenden Teilnehmerzahlen bei ca. € 100 liegen werde.

 

Kleinere Ortschaften werden versuchsweise mit einer lizenzfreien WiFi / WLAN-Technologie versorgt. Dies kann grundsätzlich eine Alternative für eine leitungsgebundene Versorgung sein, bedeutet aber eine hohe Eigeninitiative in den Kommunen und das Vorhandensein von technischen Experten für Netzplanung und Aufbau. Ein wesentliches Problem dieser Art von Netzaufbau ist oft die Sicherstellung der notwendigen Anbindung an vorhandene Backbone-Netze sowie die Umsetzung hochwertiger Sprachdienste.

 

Nur in wenigen Fällen wird eine Entscheidung für eine einzelne Technologie ausreichen. Mithilfe von Funktechnologien lassen sich schnell Versorgungslücken schließen, über den Ausbau der Hauptverteiler (HVT) der Deutschen Telekom, um einen schnellen DSL-Anschluss zu realisieren bis hin zur Verlegung von Glasfasern bis zum Hausanschluss (FTTH). Mit einem Glasfasernetz können die bereits gegebenen Bandbreitenbedürfnisse vieler Unternehmen abgedeckt und zukünftige Anforderungen von Organisationen und Privathaushalten befriedigt werden.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar die Zahl alternativer Breitband-Anschlusstechniken steigt, aber für Regionen außerhalb der Ballungsgebiete bleibt es auf absehbare Zeit bei DSL als der dominierenden Technologie. Die großen Netzbetreiber, einschließlich der Deutsche Telekom nehmen den Netzausbau unter wirtschaftlichen Kriterien vor, so dass kleinere Städte und Kommunen auch in den nächsten Jahren Probleme haben werden, die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen zu befriedigen bzw. das Entstehen von Standortnachteilen zu verhindern. Dies schafft Marktchancen für kleinere und regional tätige Anbieter, die mit flexiblem Vorgehen und unter Einsatz der optimalen Infrastruktur Wettbewerbsvorteile erzielen können. Im Vorteil sind dabei solche Anbieter, die über vorhandene Kontakte und Netzwerke in den jeweiligen Regionen verfügen, so dass der Vertriebsaufbau schnell und mit niedrigen Kosten von statten gehen kann.

Jürgen Kaack 01.10.2008, 08.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Terminverschiebung zur Veranstaltung der Breitbandinitiative

Die Veranstaltung der Breitbandinitiative, die sich mit der Breitband-Versorgung in der Fläche als Standortfaktor für Kommunen befasst, wurde kurzfristig verschoben vom 05.06. auf den 12.06., der Ort ist unverändert die Staatskanzlei in Düsseldorf. Der Link zu dem Programm un der Anmeldung findet sich in meinem vorhergehenden Beitrag.
 

Jürgen Kaack 25.04.2008, 15.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Veranstaltung der Breitbandinitiative am 05.06.2008

Am 05.06.2008 findet in Düsseldorf eine Veranstaltung der Breitbandinitiative mit dem Titel "Breitbandversorgung in NRW - Standortqualität für ländliche Regionen". Das Thema ist natürlich nicht nur für NRW von Bedeutung, sondern letztlich für alle Bundesländer. In der Veranstaltung werden Konzepte zur Schließung von Versorgungslücken vorgestellt. Daneben werde ich das Vorgehen im T-City Projekt in Friedrichshafen erläutern, das aufbauend auf schnellen Breitbandinfrastrukturen in Festnetz und Mobilfunk innovative Anwendungen prüft und umsetzt.

Das Programm und die Anmeldeunterlagen finden sich unter diesem Link auf der Seite der Breitbandinitiative.
 

Jürgen Kaack 24.04.2008, 09.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL