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Tag: VDSL

Breitbandausbau in Kaarst unter erschwerten Bedingungen erfolgreich

Die Stadt Kaarst ist in Teilen ebenso wie andere Städte und Gemeinden nur unzureichend mit Breitband-Internet versorgt. Die betroffenen Stadtteile sinken in ihrer Attraktivität als Wohn- und Gewerbestandort. Ohne zukunftssichere Internetzugänge sinken sowohl Immobilienwerte als auch erzielbare Mieten, wenn Wohnungen überhaupt vermietet werden können. Von Bürgerinnen und Bürgern als auch von Unternehmern und Gewerbetreibenden aus den Ortsteilen Vorst und Holzbüttgen mit dem Gewerbegebiet Kaarster Kreuz wird schon seit einigen Jahren die Forderung erhoben, schnellere Internetgeschwindigkeiten nutzen zu können. Die bisherige Bandbreite liegt hier mehrheitlich unter 2 MBit/s und somit niedriger als die mit 2 MBit/s definierte Grundversorgung und kaum geeignet, mehr als Basis-Anwendung online zu nutzen. Folgerichtig hat sich bereits 2008 eine Bürgerinitiative gegründet, um die Verwaltung bei der Umsetzung des Breitband-Projektes zu unterstützen. In der durch die Bürgerinitiative seit Mitte 2009 durchgeführte Befragung der Bürger wurde von ca. 37% der Befragten eine Bandbreite von 16 MBit/s und von 31% über 16 MBit/s höher gewünscht. Mit einem Durchschnittswert von 2,4 Personen ergeben sich 1.775 Haushalte in Holzbüttgen und 1.708 in Vorst. Bei Berücksichtigung der in Deutschland durchschnittlichen Breitband-Durchdringung von über 50% ergibt sich ein Wechsler- oder Upgrader-Potenzial von knapp 890 Anschlüssen in Holzbüttgen und 860 in Vorst.

Um die Attraktivität der Stadtteile aufrecht zu erhalten, den Wegzug von Bürgern und Unternehmen zu verhindern und im Gegenteil Anreize für den Zuzug zu geben, ist die Stadt bereit, zum zukunftssicheren Ausbau der Breitbandinfrastruktur beizutragen. Dies ist allerdings für die Stadt allerdings schwieriger als für andere Kommunen mit unterversorgten Gebieten. Da Kaarst nicht in der für NRW festgelegten Förderkulisse liegt, können keine Fördermittel genutzt werden, die bis Ende letzten Jahres noch 90 % der Wirtschaftlichkeitslücke (bei einem Gesamt-Volumen von 200.000 €) abgedeckt haben. Der Versuch den Ausbau mit Mitteln aus dem Zukunftssicherungsgesetz (“Konjunkturpaket II”) zu finanzieren, sind gescheitert an einer im Vergleich zu den verfügbaren Mitteln zu hohen Deckungslücke. Auf die bis zum 31.10.2010 durchgeführte Markterkundung hat sich kein Netzbetreiber gemeldet, der in den nächsten Jahren einen Ausbau ohne Zuwendungen von der Stadt plant.

Um die vorhandenen Möglichkeiten zu prüfen, wurden Gespräche mit verschiedenen Netzbetreibern geführt und zu einer Ausschusssitzung Anfang 2012 wurden Michael Fromm von BreitbandConsulting.NRW und Dr. Jürgen Kaack von der STZ-Consulting Group als Breitband-Experten eingeladen, um die technischen Alternativen und beihilferechtlichen Rahmenbedingungen zu erläutern. Als langfristig nachhaltige Lösung sind zwar Glasfaserhausanschlüsse zu sehen. Aufgrund der erforderlichen Tiefbauarbeiten und Kosten ist die Umsetzung allerdings nur über mehrere Jahre möglich. So bleibt für die schnellere Umsetzung unter anderem der bewährte Ausbau mit Fiber-to-the-Curb (FttC), bei dem Glasfaser bis in die Ortsteile verlegt wird und für die “letzte Meile” weiter die vorhandene Kupferdoppelader genutzt wird. Der Gemeinderat ist dem Vorschlag gefolgt, entsprechend dem europäischen Beihilferecht den Ausbau auf die unterversorgten Gebiete zu beschränken und die Vergabe nach einem transparenten und technologieneutral durchgeführten Auswahlverfahren vorzunehmen. Herr Dr. Kaack (STZ-Consulting Group) hat die Verwaltung beim weiteren Verfahren mit der Erstellung des Textes zum Auswahlverfahren unterstützt, das in der Zeit vom 06.02. bis 10.04.2012 durchgeführt wurde.


Im Auswahlverfahren wurde im Sinne einer mittelfristigen Zukunftssicherung die Zielsetzung verfolgt, in beiden Ortsteilen eine zukunftssichere Übertragungsrate von mindestens 16 MBit/s für die Mehrzahl der Haushalte / Betriebe zu erzielen. Als
Kriterien als Grundlage für die Bewertung der Angebote festgelegt:

  • Wirtschaftlichkeitslücke
  • Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit
  • Kundenkonditionen (Monatskosten und Einmalpreise)
  • Leistungsmerkmale aus Kundensicht

 

Dr. Kaack hat die eingegangenen Angebot analysiert und in einem Vergabegutachten die Annahme des Angebots der Deutschen Telekom empfohlen, die den Ausbau nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzept in den Varianten ADSL-/VDSL-Mischbestückung und VDSL-only angeboten hat. Insbesondere im Hinblick auf eine Verbesserung der Grundversorgung auf einen Wert von mehrheitlich über 16 eine gute Lösung, nur bei 3%  der Anschlüsse in Ortsrandlagen kann der Wert von 2 MBit/s aufgrund von Leitungslängen unterschritten werden. Dieser Wert erfüllt die gestellten Anforderungen. Mit VDSL steht unmittelbar nach dem Ausbau entfernungsabhängig eine Bandbreite für den Downstream von bis zu 50 MBit/s für mindestens 40% der Anschlüsse zur Verfügung. Mit dem VDSL-only Angebot für Holzbüttgen wird die Verfügbarkeit der Bandbreite in den Ausbaugebieten weiter verbessert, so dass nur 3 % der Anschlüsse keine 16 MBit/s nutzen können. Damit übererfüllt diese Variante die Anforderungen der Ausschreibung und schafft zusätzliche Zukunftssicherheit.

 

In Abhängigkeit von der Länge und Qualität der verlegten Kupferdoppelader vom Kabelverzweiger bis zum Haushalt (TAL) und der damit verbundenen Dämpfung des Signals wird die erreichbare Bandbreite mit zunehmender Entfernung vom Kabelverzweiger abnehmen. Die Anbindung an das Backbone-Netz erfolgt ausschließlich über Glasfaserstrecken, auf den Einsatz von Richtfunk wird verzichtet. Für die Leerrohrverlegung sind in Hozbüttgen Tiefbauarbeiten über 190 Meter erforderlich, alle mit versiegelten Oberflächen. In die Leerrohre werden 1.370 Meter Lichtwellenleiter-Kabel eingezogen. In Vorst werden 5.740 Meter Lichtwellenleiterkabel und 480 Meter Tiefbauarbeiten benötigt. In Holzbüttgen werden mit den Glasfaser-Trassen 6 Kabelverzweiger angebunden und mit Multifunktionsgehäusen überbaut. In Vorst sind es bei der ausgewählten Variante mit Mischbestückung (ADSL und VDSL) 10 Kabelverzweiger, die mit Glasfaser angebunden und überbaut werden.

 

Nach der Entscheidung des Gemeinderats wird ein Kooperationsvertrag mit der Telekom verhandelt. Der eigentliche Ausbau wird dann noch mal ca. 12 Monate benötigen, bis in Holzbüttgen und Vorst eine schnelle Internetnutzung möglich wird. Das Beispiel des Breitband-Ausbaus in Kaarst zeigt, dass auch ohne Fördermittel ein Ausbau in den meisten Fällen möglich ist, wenn der kommunale Haushalt entsprechend geplant und die beihilferechtlichen Randbedingungen eingehalten werden. Mit einem FttC-Ausbau ist der spätere Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen nicht verbaut, da Glasfaser jetzt immerhin schon an 16 Stellen in den beiden Ortsteilen geführt wird. Wenn der weitere Ausbau mit Leerrohren bis zu den Hausanschlüssen in Verbindung mit geplanten Sanierungsmaßnahmen im Beilauf erfolgt, kann in etwa 10 Jahren von der FttC-Versorgung auf „echte“ Glasfaserhausanschlüsse im Sinne des Fiber-to-the-Building (FttB) umgerüstet werden. Dann sind mit steigendem Bedarf auch Bandbreiten von 1 GBit/s möglich.

Jürgen Kaack 16.07.2012, 22.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Alternative Breitband-Geschäftsmodelle für Kreise

Die Anzahl der grundsätzlichen Alternativen für Kreise, die sich im Breitband-Bereich betätigen wollen, um den nachhaltigen Infrastrukturaufbau ist überschaubar. Als Minimal-Ansatz kann man den Breitband-Koordinator ohne eigene Infrastruktur-Tätigkeit ansehen. Zu NGA-Netzen kommt man inder Regel aber nur über weitergehende Aktivitäten, insbesondere als Infrastruktur-Betreiber, der die Leerrohr-Verlegung der Kommunen koordiniert und vorhandene und neu gebaute Infrastrukturen anmietet, betreibt und vermarktet.  

Für Kreise nicht naheliegend (und aus beihilferechtlichen Gründen eher bei einer Minderheitsbeteiligung sinnvoll) sind Aufgaben im Netzbetreib mit Betrieb der Leitungsabschlüsse (ONT und OLT), Netzknoten (PoP), Netzmanagement (NOC) und Backbone-Anbindung. Zusätzlich können kommunale Institutionen Vertriebsaufgaben mit übernehmen und eigene Dienste entwickeln / vermarkten.

Breitband-Koordinator

Der Koordinator agiert als Stabsstelle der Kreisverwaltung und bündelt Informationen über Breitbandaktivitäten bei den Kommunen und den Versorgungsunternehmen. Hierbei können Synergien genutzt und Doppelarbeiten vermieden werden. Der Koordinator übernimmt von den oben genannten Aufgabenblöcken nur die „übergreifenden Aufgaben“. Der eigentliche Strecken-Ausbau erfolgt durch die Kommunen oder die Versorgungsunternehmen, die Einzelverträge mit Netzbetreibern schließen. Der Koordinator kann bei der Zusammenarbeit mit Netzbetreibern koordinierend und beratend tätig werden. Gegebenenfalls kann der Koordinator einen Rahmenvertrag mit einem oder mehreren Netzbetreibern schließen.

Mit der Funktion eines Koordinators wird kaum ein zusammenhängendes Netz im Kreisgebiet entstehen und auch eine Einflussnahme auf das Diensteangebot ist nur sehr eingeschränkt möglich. Dafür beschränken sich die Kosten auf die Personalkosten für den Koordinator und die Erstellung des Masterplans (sofern dieser nicht ebenfalls direkt durch die Kommunen beauftragt wird).

Infrastrukturbetreiber mit eigenen Trassen

Der Infrastrukturbetreiber übernimmt bis auf den Betrieb der passiven Infrastruktur die gleichen Aufgaben wie in der Alternative als Netzbetreiber, Die Netzbetreiber sind Kunden des Infrastrukturanbieters, der von den Providern monatlichen Miet-Gebühren für die Zurverfügungstellung der passiven Infrastruktur oder eine finanzielle Beteiligung an den erlösten Umsätzen erhält (Fasermietmodell). Die Gesellschaft führt für den Netzbetrieb Verhandlungen mit geeigneten Providern, die die neuen Infrastrukturen nach Fertigstellung zu nutzen und die Versorgung der betreffenden Ortslagen mit Breitbanddiensten vorzunehmen.

Da die meisten Netzbetreiber vertikal integrierte Gesellschaften sind, ist der Einfluss des Infrastrukturbetreibers an dem Diensteangebot gering. Die Einbindung von regionalen Diensteanbietern über offene Dienste-Plattformen ist derzeit noch schwierig. Die erzielbare Marge ist geringer als beim Netzbetreiber-Modell, dafür entfallen die laufenden Kosten für Netzknoten, Netzmanagement-Zentrale und Backbone-Anbindung, (die allerdings im Vergleich zu den Kosten für die Tiefbauarbeiten erheblich geringer liegen).


Infrastrukturbetreiber ohne eigene Trassen

Der Infrastrukturbetreiber ohne eigene Trassen hat identische Aufgaben wie oben dargestellt, allerdings ohne die Möglichkeit, auf eigene Rechnung Leerrohrtrassen und Lichtwellenleiter-Kabel zu verlegen. Nach Erstellung des Masterplans ist der Infrastruktur-Betreiber darauf angewiesen, dass ein anderes Unternehmen (z.B. die Energieversorger oder die Kommunen) die benötigten Leerrohre auf eigene Rechnung verlegen. Falls sich kein privatwirtschaftlicher oder öffentlicher Partner für den Ausbau findet, kann die benötigte Trasse nicht gebaut werden. Es besteht die Gefahr, dass bei diesem Modell Rendite-Absichten beim Netzausbau vor Aspekten der Daseins-Vorsorge stehen. Die Einflussmöglichkeiten für eine Steuerung des Netzausbaus sind in diesem Fall stark eingeschränkt. Gegenüber dem Infrastrukturbetreiber mit eigenen Trassen fallen für den Kreis keine Tiefbaukosten an.

Netzbetreiber

Die Breitband-Infrastruktur aus Kabelschutzrohren und Lichtwellenleiterkabeln muss von einem unter den rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) in seiner letzten Neufassung vom 03.05.2012 tätigen Telekommunikations-Netzbetreibers betrieben werden, damit Diensteanbieter ihre Leistungen über das Netz vermarkten können (je nach Unternehmens-Ausprägung können Netzbetreiber und Diensteanbieter in einem Unternehmen vereint sein). Die Umsetzung der Anfordeurngen aus dem Aufbau und Betrieb der passiven Infrastruktur (Infrastruktur-Betreiber) sind eine Voraussetzung für den Netzbetrieb. Der Kreis kann selber in Kooperation oder durch Gründung eines Joint-Ventures mit TK-erfahrenen Unternehmen Betreiber der Netzkomponenten werden, sofern die Aufsichtsbehörden einer solchen Tätigkeit zustimmen. 

Inhaltliche Beschreibungen der Wertsschöpfungsstufen "Infrastruktur- bzw. Netzbetreiber" aus Sicht von Kommunen und Kreisen veröffentliche ich in den nächsten Tagen.

Jürgen Kaack 11.07.2012, 09.39 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Breitband-Projekt für Kaarst erfolgreich abgeschlossen

Seit 2008 bemüht sich die Stadt Kaarst um einen Breitbandausbau in den unterversorgten Stadtteilen. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, um den Ausbau voran zu bringen. Da Kaarst nicht in der GAK-Förderkulisse für NRW liegt, ist eine Finanzierung über Fördermittel nicht möglich und es bleibt nur die Eigenfinanzierung aus städtischen Mitteln. Jetzt wurde mit der Entscheidung im Gemeinderat für einen Kooperationsvertrag zum Aufbau mit FttC ein wichtiger Meilenstein erreicht. Beihilferechtlich folgt der Ablauf den Vorgaben aus dem Förderleitfaden für GAK und bedarf daher keiner Einzelfallnotifizierung.

STZ-Consulting hat das Projekt bei der Vorbereitung und Durchführung des Auswahlverfahrens unterstützt. Mit der Erstellung des Vergabe-Gutachtens endet das Projekt. Nach dem Beschluss durch den Gemeinderat kann der Kooperationsvertrag mit der Telekom geschlossen werden. Der eigentliche Netzausbau wird allerdings noch ca. ein Jahr dauern. Einen Artikel der NGZ findet sich unter diesem Link.

Jürgen Kaack 10.07.2012, 21.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandausbau ist Daseinsvorsoge

Die Möglichkeit zur Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein zunehmend wichtiger Standortfaktor auch für ländliche Regionen als attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume. DSL- und Breitbandanschlüsse sind heute so wichtig wie ein gut ausgebautes Straßennetz bzw. der Anschluss an ein öffentliches Ver- und Entsorgungsnetz.

Gebiete ohne Breitbandzugang oder mit einem nicht den Anforderungen entsprechenden Zugang werden im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte zunehmend das Nachsehen haben. Durch den Einsatz breitbandiger Internetkommunikation können gerade mittelständische Unternehmen die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten erheblich verbessern. Kommunikation und Datenaustausch etwa im Rahmen der Auftragsbestellung und –abwicklung bis hin zum Vertrieb werden über eine breitbandige Kommunikationsinfrastruktur weitaus effektiver abgewickelt. Eine entsprechende Breitbandanbindung ermöglicht vielen Unternehmen zugleich eine deutliche Kosteneinsparung. Unternehmen, die im Datenaustausch nicht mehr auf DSL und Breitband verzichten können, werden kurz- bis mittelfristig eine Umsiedlung in Erwägung ziehen und realisieren. Der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen führt zu einer Schwächung der betroffenen Regionen. Im Zuge einer Veränderung der Arbeitswelt werden bei vielen Unternehmen Heimarbeitsplätzen bei den Mitarbeitern gefordert, die ohne Breitband-Anbindung mit IT-Lösungen im Unternehmen nur bedingt kommunizieren können.

Die Verfügbarkeit von schnellen Datenverbindungen hat nicht nur eine wichtige Bedeutung für den jeweiligen Wirtschaftsstandort, sondern auch für den Wohnstandort und die Lebensqualität der Menschen. Die meisten Familien entscheiden sich bei der Wohnortwahl oder dem Kauf eines Wohnbau-Grundstücks auch aufgrund der örtlichen DSL- und Breitbandverfügbarkeit. Dabei ist die zunehmende Bedeutung von neuen Anwendungen im Bereich der Bildung, bei neuen Dienstleistungen in der Telemedizin und der häuslichen Pflege zu berücksichtigen, die eine leistungsfähige Telekommunikations-Infrastruktur voraussetzen.

In den Kreisen trifft man im Hinblick auf den Breitbandausbau unterschiedliche Voraussetzungen an. Dies betrifft sowohl die Topographie und Besiedlungsstrukturen als auch die Entfernungen zu Datenkommunikations-Backbones und die Situation der derzeitigen Netzbetreiber. Manche Kommunen verfügen über Infrastrukturen, die zum Aufbau von Breitbandnetzen geeignet sind, andere haben eigene Stadtwerke, die ein Eigeninteresse am Aufbau von Breitbandnetzen haben. Die Analyse der bestehenden Versorgungssituation und die Identifikation von Infrastrukturen stellen daher immer einen wichtigen Teil in jedem Breitband-Projekt dar.

Da die Ausgangssituationen unterschiedlich sind, gibt es auch nicht den idealen Lösungsweg für den Breitbandausbau. So ist es von Vorteil, dass neben einer Reihe im Wettbewerb agierender Netzbetreiber verschiedene Technologien für einen Breitbandausbau zur Verfügung stehen. Das Spektrum reicht von Funklösungen über Kupfer-Doppelader, Koaxialkabel bis zu Glasfaser basierten Ansätzen und natürlich auch verschiedene Mischformen. Die in den letzten Jahren populärste Form des Mischausbaus ist sicher Fiber-to-the-Curb (FttC), bei der Glasfaser bis zum Standort der bisherigen Kabelverzweiger verlegt wird und von dort die vorhandene Kupferdoppelader bis zum Hausanschluss nutzt. Auch bei Funklösungen gibt es ein weites Spektrum unterschiedlicher Lösungen, ausgehend von lizenzfreien und weniger anspruchsvollen WLAN-Lösungen, über WiMAX bis zu den verschiedenen Mobilfunk-Standards wie UMTS, HSDP und LTE. 


Als langfristig nachhaltige Infrastruktur kommt in erster Linie der Glasfaser-Hausanschluss in Betracht, da die Glasfaser aus heutiger Sicht nahezu unbegrenzte Bandbreite und lange Lebensdauern ermöglicht. Andere Technologien können als Brückentechnologien genutzt werden, bis ein flächendeckendes Netz aus Lichtwellenleitern aufgebaut ist oder in solchen Gebieten dauerhaft eingesetzt werden, in denen eine Versorgung mit Glasfaser-Hausanschlüssen unverhältnismäßig teuer würde. Mobilfunknetze sind komplementär zu leitungsgebundenen Netzen und dienen der portablen oder mobilen Anwendung. Dies gilt auch für das moderne LTE-Netz. Das Glasfasernetz kann entweder als „Fiber-to-the-Building“ (FttB) bis zum Hausabschluss geführt werden oder als „Fiber-to-the-Home“ (FttH) bis in die Wohnungen und den angeschlossenen Geräten. Für Kommunen und Kreise kommt primär der Ausbau bis zum Hausabschluss (FttB) in Betracht. Selbst hierfür sind erheblich Vorinvestitionen erforderlich. Durchschnittlich können pro Hausanschluss ca. 1.500 € kalkuliert werden, wobei dieser Wert je nach Topographie in weitem Rahmen schwanken kann. Von den Investitionskosten entfallen 70 bis 80 % auf Tiefbauleistungen zur Verlegung geeigneter Leerrohr-Strukturen. Für Netzbetreiber mit kurzen Amortisationszeiten rechnen sich solche Investitionen meist nur in Ballungsgebieten und wenn über einen Hausanschluss mehrere Wohneinheiten erreicht werden. 

Im ländlichen Raum mit durchschnittlich 1,4 Wohneinheiten je Anschluss amortisieren sich solche Infrastrukturen oft erst nach 15 oder 20 Jahren. Daher sind Kreise und Kommunen gefordert, für ihre Einwohner und die ansässigen Unternehmen im Sinne der Daseinsvorsorge für den Aufbau entsprechender Infrastrukturen zu sorgen. Sowohl vom Trassenverlauf als auch von der Amortisationszeit ergeben Parallelen zu den anderen Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Wasser und Abwasser. Allerdings gibt es bislang keine Zuständigkeiten und keine Erfahrungen in den Verwaltungen, um die passiven Infrastrukturen zu schaffen und zu betreiben.

Erläuterungen zu möglichen Geschäftsmodellen für Kreise und Kommunen beim Breitband-Ausbau folgen in den nächsten Tagen.


Jürgen Kaack 08.07.2012, 18.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hoffnung für Förderanträge zum Breitband-Ausbau

Die Neuwahl des Landtags in NRW hat viele Breitbandprojekte im Land verzögert, zumindest sofern Fördermittel zum Ausbau der unterversorgten Gebiete genutzt werden sollen. Da ohne einen Haushalt keine Fördermittel zur Verfügung stehen, können die Bezirksregierungen den Kommunen keine Bewilligungen für Förderbescheide erteilen.

Die zeitliche Verzögerung durch die Wahl und die Feststellung des Haushalts ist zwar unangenehm, gravierender könnte sich allerdings die hierdurch ablaufenden Bindefristen von Angeboten
auswirken. Teilweise wurden bislang nur Bindefristen bis maximal 6 Monate eingeräumt. Wenn es nur einen Bieter in dem Auswahlverfahren gibt, kann eine Nachkalkulation auf der Basis einer Nachverhandlung weiter führen. Haben sich mehrere Anbieter beteiligt, bliebe den Kommunen eigentlich nur die Durchführung eines erneuten Auswahlverfahrens.

Eine Erleichterung der Situation hat sich durch die Bereitschaft der Deutschen Telekome ergeben, Bindefristen bis in den September zu verlängern. Somit haben alle Vorhaben, die seit Anfang des Jahres durchgeführt wurden, eine Chance zur Bewilligung ohne erneute Ausschreibung.
Um dies zu ermöglichen, müssen auch die Bezirksregierungen ihr Vorgehen ändern. Bislang müssen in NRW GAK-Förderprojekte bis zum Jahresende abgeschlossen sein, da Verpflichtungs-Ermächtigungen zum Übertrag von Mitteln ins Folgejahr nur in geringem Maße zur Verfügung stehen. Selbst bei einer Bewilligung im September können Bauvorhaben nicht mehr bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Zum einen muss nach der Bewilligung von Fördermitteln noch ein Kooperationsvertrag geschlossen werden. Zum anderen gibt es keine ausreichenden Kapazitäten zur gleichzeitigen Bearbeitung aller Tiefbaumaßnahmen. Realistischerweise können in diesem Jahr nach Abschluss eines Vertrages die Feinplanung und die Standortsicherung erfolgen sowie erste Baumaßnahmen. Bezogen auf das Gesamtvorhaben sind dies in der Regel nicht mehr als 25% der Gesamtkosten. Ohne Änderung der Kalenderjahr-Bindung könnten Förderprojekte somit trotz Bewillingung nicht umgesetzt werden und die Vorhaben müssten in 2013 neu ausgeschrieben werden.

Es gibt allerdings Hoffnung, dass nach der Verlängerung der Bindefristen auch die Jahresgrenzen für den Abschluss der Vorhaben für 2012 umgangen werden. Gerüchteweise gibt es hierzu erste Konzepte. Wenn sich dies bewahrheitet, dann können alle Kommunen, die seit Anfang des Jahres Ausschreibungen durchgeführt haben, auf eine Realisierung ohne weitere Verzögerungen und ohne den erneuten Aufwand einer Ausschreibung hoffen - sofern die Anträge bewilligt werden und die zur Verfügung stehenden Fördermittel zur Bedienung aller Anträge ausreichen! Bei dem nicht unerheblichen Aufwand für die Durchführung der Projekte sind dies positive Aussichten.

Naschdenklich stimmen kann allerdings, dass die Förder-Budgets für dieses Jahr schon seit einiger Zeit durch die auf Eis liegenden Anträge aufgebrasucht sind. Bund und Land werden nicht müde zu betonen, dass die Grundversorgung für deutlich über 99% aller Haushalte bereits heute gewährleistet ist. Meine Erfahrung ist eine Andere: im ländlichen Raum außerhalb der Ballungsgebiete sind immer noch gut über 10 %  der Haushalte und Betriebe mit durchschnittlich weniger als 2 MBit/s versorgt. Bis zum Ablauf des GAK-Förderprogrammes Ende 2013 wird es wohl kaum gelingen, diese Gebiete zu versorgen. Neben den Förderbudgets sprechen auch technische und wirtschaftliche Gründe gegen eine Erfolg mit den bisherigen Methoden.

Kreise und Kommune sind daher aufgefordert, sich mit der Breitband-Versorgung dauerhaft zu beschäftigen und
in Richtung auf tragfähige Next-Generation-Access (NGA) Konzepte z.B. mit Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen bis zum Haus (Fiber-to-the-Building FttB) hinzuarbeiten und die Breitbandversorgung als Aufgabe der Daseinsvorsorge anzunehmen!

Jürgen Kaack 20.06.2012, 10.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ergebnisbericht zum Innovationsvorhaben T-City

Ergebnisbericht zum Breitband-Innovationsprojekt T-City mit interessanten Einblicken in das Projekt und seine Ergebnisse. Als Projektleiter für die Stadt Friedrichshafen durfte ich zwei Jahre lang Strukturen schaffen und 33 Innovations-Projekte für die verschiedenen Bereiche einer "Smart-City" mit auf den Weg bringen.

Meine Bewertung und Schlussfolgerungen zu Erfolgsfaktoren für ein Smart-City Projekt nach zwei Jahren Projektleitung sind in dem Buch enthalten. Es gibt einige Ansatzpunkte, die man bei zukünftigen Projekten anders gestalten sollte. Aber zur Entwicklung von Breitband-Anwendungen gibt es keine Alternative zu Kooperationen der beteiligten Parteien.

Jürgen Kaack 17.06.2012, 12.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Koalitionsvertrag NRW und Breitband

Der Koalitionsvertrag von SPD und Gruenen enthaelt einige interessante Aussagen zum Breitband-Ausbau. So sollen bis 2018 alle Haushalte mindestens 50 MBit/s erhalten koennen und es wird ein Schwerpunkt gelegt auf den Ausbau mit Glasfaser-Hausanschluessen. Das ist zu begruessen, da nur so nachhaltig leistungsfaehige Anschlusse geschaffen werden koennen. 

Derzeit koennen nur die Kabelnetze Bandbreiten von ueber 100 MBit/s in der Flaeche bieten. Aber mit Kabelnetzen werden nur 60 - 70 % der Anschluesse erreicht und VDSL deckt weitgehend die gleichen Gebiete ab, wie die Kabelnetze, zudem liegt die Bandbreite bei "bis zu" 50 MBit/s. 

Um bis 2018 Glasfaser-Anschluesse fuer ueber 20 % der Anschluesse zu realisieren, erfordert erhebliche Anstrengungen. Es wird bei der Umsetzung wesentlich davon abhaengen, wie aktiv Kommuen und Kreise beim Aufbau der Infrastruktur werden. Auch das Land selber kann durch Gründung einer eigenen Infrastruktur-Gesellschaft beitragen. 

Die Forderung nach Einrichtung von Breitband als Universaldienst im Koalitionsvertrag kann dagegen als nicht zielfuehrend angesehen werden und wird hoffentlich wieder fallen gelassen. Die Einrichtung eines Universaldienstes (mit 2 MBit/s ?) bringt in erster Linie Mehrkosten ohne Mehrleistungen.

Jürgen Kaack 17.06.2012, 10.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Leerrohre gefunden – Breitband-Ausbau möglich!

3.000 Einwohner in den Stadtteilen Oberbauer und Rüggeberg von Ennepetal mit einer Internetverbindung unter 0,4 MBit/s (DSL-light) mitten in Deutschland? Auch 2012 ist dies immer noch anzutreffen. Es ist nicht verwunderlich, dass die Bevölkerung mit der Situation unzufrieden ist und sich eine Bürgerinitiative gebildet hat. Für keinen Netzbetreiber ist der Ausbau in den beiden Stadtteilen wirtschaftlich. Um eine Lösung zu finden wurde im August 2011 die STZ-Consulting Group als Breitband-Experten beauftragt.

Die Voraussetzungen für ein Förderprojekt konnten schnell geklärt werden, nur die in den Gesprächen mit den Netzbetreibern ermittelten Wirtschaftlichkeitslücken für einen nachhaltigen Ausbau nach dem Fiber-to-the-Curb Konzept lagen so hoch, dass ein Ausbau selbst bei einer Förderbewilligung zu teuer würde. Muss jetzt ein Umstieg auf eine Überbrückungslösung erfolgen, die niedrigere Investitionskosten und schlechtere Leistungen bedingt? Bei den intensiven Analysen und Gesprächen u.a. mit dem Versorgungsunternehmen AVU haben sich Alternativen ergeben, die eine Investitions-sparende Breitbandzuführung in die Stadtteile ermöglichen. Die Neukalkulation des Ausbaus hat bewiesen, welchen entscheidenden Einfluss vorhandene Leerrohr-Infrastrukturen auf die Kosten haben.

Nach den Analysen und Vorarbeiten konnte der weitere Prozess in erstaunlich kurzer Zeit durchgeführt, ein transparentes Auswahlverfahren erfolgreich zum Abschluss gebracht und eine Vergabe an die Deutsche Telekom erfolgen. Vier Monate nach Projektstart lag bereits kurz vor Weihnachten 2011 der Bewilligungsbescheid der Bezirksregierung vor. Bis Ende 2012 werden die 3.000 Einwohner von Oberbauer und Rüggeberg aus der Internet-Steinzeit heraus sein und mehrheitlich mehr als 16 MBit/s für ihre Aktivitäten im Internet nutzen können, sofern der weitere Ausbau planmäßig voran geht.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag von Dr. Jürgen Kaack, STZ Consulting Group.

Jürgen Kaack 12.03.2012, 19.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Studie zum Breitband-Ausbau in Deutschland

Deutschland liegt in der Breitband-Durchdringung laut Statistik der OECD von Juni 2009 auf Platz 11 mit einer Penetration von 29% der Bevölkerung. Spitzenreiter der Statistik ist dabei kein asiatischer Tigerstaat, sondern unser Nachbarstaat, die Niederlande (38%)! Aber auch die Schweiz und Canada liegen vor Deutschland.

Betrachtet man die Durchdringung mit Glasfaser-Anschlüssen bis zum Hasuhalt (FttH), dann liegt die Durchdringung (Stadn 04.2009) bei verschwindenden 0,4%! Korea und Japan sind hier seit langem Spitzenreiter mit 67 bzw. 67%, auch europäische Länder liegen um eine Größenordnung vor Deutschland (neben den skandinavischen Ländern gehört auch Frankreich mit 11% zu dieser Gruppe).

Auf der Basis langjähriger Beschäftigung mit Breitband-Themen habe ich eine ausführliche Anbieter- und Technologie-neutrale Studie zum Breitband-Ausbau erstellt, die u.a. auf dem Portal von Telecom.DE.com kostenfrei heruntergeladen werden kann
.

Die Studie richtet sich an Vertreter von Kommunen und Kreisen, die sich mit der Verbesserung der Breitbandversorgung und der Schaffung höherer Bandbreiten beschäftigen müssen, politischen Entscheidungsträgern. Neben der Darstellung der aktuellen Situation in Deutschland werden auch Vorschläge zur Verbesserung der Fördermaßnahmen und zu nachhaltigenGestaltung des Breitband-Ausbaus in Richtung auf ein flächendeckendes Glasfasernetz analysiert.

Folgende Themen werden in der Studie behandelt:
  1. Wachsender „Breitband-Hunger
  2. Breitbandausbau erfolgt nicht als Selbstzweck
  3. Problemfall regionale Zugangsnetze
  4. Ablauf eines Breitbandprojektes im ländlichen Raum
  5. Ziele und Realität beim Breitbandausbau klaffen auseinander
  6. Förderung heute auf „schmalbandigen“ Breitbandausbau begrenzt
  7. Techniken für eine zukunftssichere Breitbandversorgung
  8. Breitbandausbau in der Fläche braucht neue Geschäftsmodelle
  9. Politische Rahmenbedingungen zur Zielerreichung anpassen
  10. T-City als Beispiel für Veränderungen durch Breitbandanwendungen
  11. Fazit

Jürgen Kaack 15.02.2010, 10.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der Unsinn der 1 Mbit/s Grenze beim Breitband-Ausbau in der Fläche

Die Beantragung von Förderungmitteln für den Breitband-Ausbaus nach dem GAK-Programm ist nur dann erfolgversprechend, wenn derzeit im jeweiligen Ortsteil mehrheitlich eine Bandbreite von weniger als 1 Mbit/s verfügbar ist – und weitere Voraussetzungen erfüllt sind. Dann kann die Kommune im Rahmen einer Ausschreibung Angebote für einen Ausbau mit mindestens 2 Mbit/s einfordern. Nur wie weit kommt der Nutzer bei der heutigen multimedialen Aufbereitung vieler Internetseiten und bei der beruflichen Nutzung im Homeoffice mit 2 Mbit/s? Eine sinnvolle Nutzung des Internets erfordert eher 16 Mbit/s und in Ballungsgebieten sind folgerichtig bereits Anschlüsse mit 50 Mbit/s großräumig zu bekommen. Damit ist auch hochauflösendes Fernsehen über den Internet-Anschluss ohne Einschränkungen möglich.

 

Bei einem aktuellen Projekt des Breitband-Ausbaus in der Fläche wurde eine umfassende Befragung bei Bürgern und Unternehmern durchgeführt. Dabei musste ein Ortsteil mit weniger als 5.000 Einwohnern aufgeteilt werden in einen Teil mit einer „ausreichenden“ Versorgung von mehrheitlich mehr als 1 Mbit/s und einem mit durchschnittlich weniger als 1 Mbit/s unterversorgten Teil. Der Unterschied in der durchschnittlichen Bandbreite beträgt knapp 1 Mbit/s. Zwar lässt sich beim Grad der Unzufriedenheit noch ein Unterschied von über 15 % feststellen, der absolute Wert liegt aber bei fast 80 % und spricht nicht für allgemeine Zufriedenheit. Betrachtet man die Wechselbereitschaft, so ist der Unterschied mit unter 5 % deutlich kleiner.

 

Die Notwendigkeit der Unterteilung von einzelnen Ortschaften in Teile mit höherer und zu geringer Versorgung ist ein von der EU vorgegebener Bürokratismus, der nur schwer nachvollziehbar ist, am wenigsten für betroffene Bürger! Im Rahmen des beschriebenen Förderprojektes haben sich Einwohner eines anderen Ortsteils an die Stadtverwaltung gewendet, weil sie nicht berücksichtigt werden. Der Grund ist formal sehr einfach: nur ca. 7 % der Anschlüsse haben eine Bandbreite von weniger als 1 Mbit/s und so besteht keine Förderfähigkeit! Allerdings reicht die verfügbare Bandbreite in diesem Ortsteil nur bis 3 Mbit/s, nach Brüsseler Rahmenbedingungen aber im Sinne der Daseinsvorsorge völlig ausreichend! Wen stört es dabei außerhalb der Kommune, dass Bürger nicht in diesen Ortsteil neu zuziehen oder die Einrichtung eines Heimarbeitsplatzes nicht möglich ist?

 

Nicht nur Einwohner betroffener Ortschaften können diese Regelungen nicht nachvollziehen, sie schaffen auch keine nachhaltige Zukunftssicherheit. Erfolgt mithilfe von Fördermitteln und nach Durchlaufen eines aufwändigen Projektes ein Ausbau mit 2 Mbit/s oder vielleicht sogar mit 6 Mbit/s, so kann man sicher sein, dass nach einigen Jahren wieder Unzufriedenheit bei privaten und gewerblichen Internetnutzern aufkommen wird! Wie der Weg zu den von der Bundesregierung im Jahr 2009 proklamierten ziel von 50 Mbit/s für 75 % der Haushalte in 2014 aussehen soll, bleibt völlig im Dunkeln. Die Netzbetreiber und Kommunen werden es schon irgendwie einrichten …

 

Es lässt sich unschwer prognostizieren, dass das für 2010 gesetzte Ziel der Schließung aller weißen Flecken nicht erreicht wird. Vorsorglich hat man das GAK-Förderprogramm schon mal bis 2013 verlängert. In den Ballungsgebieten wird eine Versorgung mit mindestens 50 Mbit/s sicher erreicht werden und schon heute finden sich entsprechende Angebote überwiegend auf der Basis von Fiber-to-the-Curb Konzepten (z.B. mittels VDSL) oder über einen Ausbau der Kabelnetze. Vereinzelt wird auch der Fiber-to-the-Home Ansatz realisiert. Aber wie sieht die übergreifende Strategie für den ländlichen Raum aus, der wie das Beispiel von Kaarst oder Bad Homburg beweist, ja schon dicht an den Grenzen der Ballungsgebiete beginnt?

 

Jürgen Kaack 30.01.2010, 14.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL