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Tag: VDSL

Best-Practise Beispiele für den Breitband-Ausbau

Seit über sechs Jahren führt STZ-Consulting Projekte für Kommunen, Kreise und Stadtwerke zur Verbesserung der Breitbandversorgung durch. Obwohl die Betätigung einer Gebietskörperschaft im Telekommunikationsbereich nach den Leitlinien der EU zur Gewährung von Beihilfen erfolgen muss, sind die Randbedingungen so unterschiedlich, dass kaum ein Projekt einem anderen gleicht. Aus der Vielzahl der bislang begleiteten Vorhaben habe ich einige aufgrund ihrer spezifischen Besonderheiten als Best-Practise Beispiele in ausführlichen Berichten beschrieben. Eine Kurzübersicht zu den Fallbeispielen findet sich auf der Homepage von STZ-Consulting. Aktuelle Informationen zu derzeit laufenden Breitbandvorhaben finden sich auf der Facebook-Seite von STZ-Consulting.

Im Folgenden finden sich Links zu einigen der bislang veröffentlichten Best-Practise Beispielen:
  • Stadt Kaarst: Kaarst liegt nicht in der Förderkulisse für den Breitbandausbau in NRW. Trotzdem gab es unterversorgte Wohn- und Gewerbegebiete und ein Bürgerinitiative hat selber verschiedene Möglichkeiten geprüft. In einem aufwändigen Verfahren konnte in Anlehnung an notifizierte Verfahren ein wirtschaftlicher Ausbau mit VDSL erreicht werden. Im Gerwerbegebiet Kaarster Kreuz sind inzwischen für fast alle Betriebe Geschwindigkeiten mit mehr als 25 Mbit/s verfügbar.
  • Stadt Geilenkirchen: eine Stadt mit gut 26.000 Einwohnern, 30 Stadtteilen und 13 Stadtbezirken ist nicht ideal zur Herstellung einer nachhaltigen und bezahlbaren Breitband-Infrastruktur. Für 13 unterversorgte Stadtteile können nach verschiedenen Anläufen mit unterschiedlichen Vorgehensweisen  große Teile des unterversorgten Gebietes ausgebaut werden, überwiegend sogar mit Glasfaser-Hausanschlüssen.
  • Gemeinde Rheurdt: in einer Gemeinde mit dünner Besiedlung in den Randlagen und unterschiedlichen Versorgungsrichtungen konnte durch den Einsazu oberirdischer Leitungen ein vollwertiger VDSL-Ausbau unter wirtschaftlichen Bedingung ermöglicht werden.
  • Stadt Ennepetal: zwei Stadtteile mit recht langem Anlauf hat unter Nutzung von Synergien mit vorhandenen Infrastrukturen und in Kooperation mit einem Versorgungsunternehmen schnelle Internetanschlüsse mit VDSL erhalten.
  • Stadt Haltern am See: ein Stadtteil von Haltern am See war nicht nur mit weniger als 1 Mbit/s unterversorgt, sondern durch drei Siedlungungskerne und lange Strecken bei geringer Siedlungsdichte kaum wirtschaftlich zu versorgen. Erst die Kooperation mit einem Fernwasserunternehmen und eine komplette Änderung der Netzstruktur führte zu einem zufiredenstellenden VDSL-Ausbau.
  • Stadt Friedrichshafen: der Breitbandausbau ist kein Selbstzweck sondern dient der Schaffung einer Smart-City mit Breitband-Anwendungen für unterschiedliche Bereiche: Verwaltung (eGovernment), Bildung, Gesundheit (eHealth), Verkehrssteuerung, Seniorennetzwerken, Kulturangeboten etc.

Die Liste der Fallbeispiele wird sukzessive ergänzt, einige Artikel warten im Lektorat auf ihre Fertigstellung.

Jürgen Kaack 10.08.2013, 14.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Anzahl unterversorgter Ortsteile in Erkelenz deutlich gesunken

Anfang 2013 hat die Verwaltung in Erkelenz ein Breitbandprojekt gestartet. In der bis Februar durchgeführten Befragung zeigte sich ein erheblicher Bedarf und eine Unterversorgung in 17 (!) Ortsteilen von Erkelenz. Von der Unterversorgung betroffen waren über 4.700 Haushalte. In der im März durchgeführten Markterkundung hat sich kein Betreiber gemeldet, der in den nächsten drei Jahren einen Breitbandausbau ohne Zuwendungen geplant hat.

In dem folgenden Auswahlverfahren sind dann Angebote verschiedener Netzbetreiber eingegangen, für die allerdings keine Vergabe-Empfehlung ausgesprochen werden konnte. Die Deutsche Glasfaser GmbH hat im Rahmen ihrer Ausbau-Aktivitäten im Kreis Heinsberg verschiedene Ortsteile von Erkelenz mit in die Bearbeitung aufgenommen.

Mittlerweile wurde in 9 der bearbeiteten Ortsteilen die geforderte Mindestvertragsquote von 40% überschritten, in einem weiteren (Granterath) ist man nur noch 3% von der Mindestquote entfernt Nach derzeitigem Stand sind somit nur noch die folgenden Ortsteile unterversorgt:
  • Genneiken
  • Genfeld und Genhof
  • Katzem und Kleinbouslar.
  • Mennekrath mit Terheeg

Im Hinblick auf das Auswahlverfahren verbleiben somit noch drei der ursprünglichen Lose als unterversorgt. Dabei bleibt die weitere Entwicklung für Genhof und Genfeld zunächst offen, da beide Ortsteile im Auswahlverfahren gemeinsam mit dem jetzt auch in der Ausbauplanung befindlichen Gerderhahn behandelt wurden.

Für die Bürger und Betriebe in den jetzt ausgebauten Gebieten bricht nach dem fertigen Ausbau Ende 2013 / Anfang 2014 eine neue Ära der Breitbandversorgung an mit symmetrischen Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s. In den verbleibenden unterversorgten Ortsteilen wird sich zeigen, ob die noch laufende Nachverhandlung einen hochwertigen Ausbau ermöglicht. Sicher ist allerdings, dass der Glasfaser-Ausbau in den zehn von der Deutschen Glasfaser bearbeiteten Ortsteilen nicht nur nachhaltig zukunftssicher ist, sondern auch keine Zuwendung von der Stadt erforderlich macht!

Jürgen Kaack 26.07.2013, 14.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nutzungslücke bremst den Breitbandausbau

Aus der Rubrik "Aktuelles" der Seite www.Breitband.NRW.de:

"Dr. Jürgen Kaack, Geschäftsführer und Inhaber der STZ-Consulting Group, ist ein Experte für Telekommunikationsthemen und innovative Geschäftsmodelle rund um das Thema Breitband. In seiner neusten Veröffentlichung setzt er sich mit der tatsächlichen Nutzung von hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen sowie dem hochaktuellen Thema Vectoring auseinander. Darüber hinaus schildert er mögliche Handlungsoptionen für Kreise und Kommunen. Nach Schätzungen von STZ-Consulting nutzen im Durchschnitt nicht mehr als 25% der Haushalte in den mit mehr als 25 Mbit/s versorgten Regionen die Möglichkeit, einen schnellen Internetanschluss zu erhalten. Auch bei den nachhaltig zukunftssicheren Glasfaser-Hausanschlüssen herrscht bei den potenziellen Nutzern Zurückhaltung. Nach Schätzung des Branchenverbandes VATM waren Ende 2012 gut 800.000 Glasfaser-Hausanschlüsse verfügbar. Aktiv genutzt wurden auch hier nur 343.500 Anschlüsse, was einem Anteil von 43% entspricht.

Nach dem zweiten Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur ist das Thema Vectoring einmal mehr ein viel diskutiertes Gesprächsthema in der IKT-Branche. Dr. Kaack befürchtet, dass die Einführung des Verfahrens eine erhebliche Re-Monopolisierung der DSL Netze mit sich zieht. Durch Einsparungen im Bereich der Betriebskosten könne der Vectoring-Ausbau finanziert und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Kabelnetzbetreibern erhöht werden. Wettbewerber können jedoch nur unter engen Auflagen selber tätig werden und genau hier verberge sich die Gefahr der Re-Monopolisierung. Dabei mache der VDSL-Ausbau, aus Sicht von Dr. Kaack, zum jetzigen Zeitpunkt betriebswirtschaftlich durchaus Sinn, sei aber zukünftig nicht mit dem prognostizierten Bandbreitenbedarf gewachsen.

Damit Kommunen und Kreise dem entgegenwirken können, erörtert Dr. Kaack darüber hinaus kurz- und langfristige Handlungsoptionen. So soll ein erster Schritt die Analyse der konkreten Versorgungssituation sein. Staat und Länder sollen auf der anderen Seite die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen."

Der vollständige Bericht steht hier für Sie zum Download bereit.

Jürgen Kaack 24.07.2013, 08.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schwache Akzeptanz von Glasfaser-Anschlüssen in Heinsberg und Viersen

Beschwerden über zu langsame Internetzugänge hört man oft, insbesondere im ländlichen Raum. In Gebieten mit heute mehrheitlich weniger als 6 Mbit/s ist dies unmittelbar einsichtig, da mit langsamen Zugängen eine effiziente Nutzung von Internet-Anwendungen kaum möglich ist. Bei einem Ausbau in den schwach versorgten Gebieten liegt die "Take-up Rate", die die Akzeptanz von Breitband-Lösungen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung beschreibt, bei ca. 60%. Dies entspricht dem derzeitigen Durchschnitt der Breitbandnutzung in Deutschland bei ca. 78% Internetnutzern.

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn die vorhandene Versorgung vor einem Ausbau etwas höher liegt. Nur ca. 25% der Haushalte (und der Betriebe) bucht Anschlüsse mit mehr als 25 Mbit/s. Dabei ist heute schon deutlich, dass die übertragenen Datenvolumina seit Jahren steigen und auch absehbar weiter mit ca. 18% pro Jahr zunehmen wird. Gleichzeitig wächst der Bedarf an schnelleren Upload-Geschwindigkeiten, z.B. beim Versenden von Bildern und Videos oder bei der Nutzung von Cloud-Diensten zur Datenspeicherung. Mit den asymmetrischen DSL-Diensten ist diese Eigenschaft noch schwach.

Vor diesem Hintergrund sollte man vermuten, dass ein Angebot zur Schaffung von Glasfaser-Anschlüssen mit symmetrischen Bandbreiten zu vergleichbaren Preisen eines VDSL-Dienstes ohne Zaudern angenommen wird. Die Deutsche Glasfaser GmbH ist mit einem solchen Angebot in verschiedenen Kommunen z.B. im Kreis Heinsberg angetreten.

Um das Vorhaben managen zu können, wird der Ausbau in verschiedenen Phasen durchgeführt. In der ersten Runde wurden ausschließlich unterversorgte Ortsteile bearbeitet. Von 34 Pilotregionen wurde nur in einem einzigen die Vorvertragsquote von 40% zum Teil deutlich überschritten. Die Akzeptanz in einigen kleineren Ortsteilen liegt sogar über 90%. In der zweiten runde wurden weitere 19 Ortsteile hinzugenommen. Nach einer über 4-monatigen Informations- und Vorverkaufsphase erreichten jetzt nur noch 6 die Mindestquote, wie auf der Seite der Deutschen Glasfaser abzulesen ist. Die höchste Vorvertragsquote liegt jetzt bei 54%.

Noch geringer liegt die Akzeptanz bei dem vor drei Monaten begonnen Projekt im Kreis Viersen. Von 18 Pilotregionen hat noch keines die geforderte Mindestvertragsquote erreicht. Wirklich verständlich ist die schwache Akzeptanz nicht, denn eine gute Breitbandversorgung steigert den Immobilienwert und verbessert die Vermietbarkeit. Zudem ist mit einem Glasfaseranschluss eine zukünftige Erhöhung der Geschwindigkeit problemlos möglich und das grundsätzlich mit symmetrischen Werten für Up- und Downstream!

Besonders signifikant ist die Situation am Beispiel der Kernstadt von Wegberg. Hier besteht derzeit eine VDSL-Versorgung mit maximal 25 Mbit/s, für heutige Internet-Anwendungen gut ausreichend, aber nicht unbedingt nachhaltig zukunftssicher. Nach vier Monaten Projektlaufzeit in Wegberg wurde gerade mal eine Quote von 14% Vorverträgen erreicht, der bislang mit Abstand schlechteste Wert im Kreis Heinsberg!

Es bedarf offensichtlich weiterer Information und Aufklärung über die Entwicklung in Datenkommunikation, damit eine fundiertere Entscheidung möglich ist. Sollte die Deutsche Glasfaser die Kernstadt von Wegberg aufgrund des schlechten Ergebnisses jetzt nicht mit einem Glasfaser-Anschlussnetz ausbauen, wird es vermutlich in den nächsten Jahren auch kein anderer Anbieter tun. In spätestens 10 Jahren wird man zurückblickend fragen, wie man eine solche Entscheidung treffen konnte. Dann wird es aber voraussichtlich den städtischen Haushalt und damit Steuergelder treffen, die für den dann erforderlichen Ausbau aufkommen müssen! Vielleicht hätte man von Seiten der Politik etwas mehr tun können, um den Wettbewerb um nachhaltige Infrastrukturen zu stärken? 

Jürgen Kaack 21.07.2013, 21.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschäftsmodelle für den Breitband-Ausbau

Viele Kommunen und Kreise sind seit teilweise über zehn Jahren mit der Verbesserung der Breitbandversorgung befasst. Durch die Förderangebote aus EU-Mitteln wurden diese Aktivitäten ab 2008 deutlich intensiviert. Aber Fördermittel sind nicht für alle Kommunen nutzbar, oder die Förderkriterien führen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Bei der Beschäftigung mit dem Breitbandausbau gibt es ein breites Spektrum unterschiedlicher Vorgehensoptionen und es gibt kaum zwei identische Vorgehensweisen.

Übersicht zu Geschäftsmodellen für den Breitbandausbau:

  • Ausbau mit Zuwendungen (Deckungslücke)
  • Ausbau unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen
  • Ausbau mit bürgerschaftlichem Engagement
  • Ausbauoptionen mit Stadtwerken
  • Motivation von Netzbetreibern zum Ausbau
  • Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
  • Gründung von Infrastrukturinstitutionen (alleine  / Private-Public-Partnership)
  • Netzaufbau in Verbindung mit Sanierungsarbeiten im Versorgungsnetz
  • Zweckverbände als interkommunale Aktivitäten


Ergänzende Informationen und Erläuterungen zu den Geschäftsmodellen mit Fallbeispielen für die Umsetzung in ausgewählten Kommune und Kreisen auf Anfrage verfügbar.

Jürgen Kaack 10.07.2013, 18.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nutzungslücke bremst den Breitband-Ausbau

 

60% aller Haushalte könnten schnelles Internet nutzen 

Schnelle Internetzugänge sind eine Selbstverständlichkeit, Wohnungen ohne Breitband sind schwer zu vermieten, Hauspreise sinken ohne Breitband-Zugang und wenn der Internet-Anschluss zu langsam ist, beschweren sich die Bürger bei Kommunalpolitikern und Verwaltung. 81% der Männer und 72% der Frauen in Deutschland nutzen laut (N)Onlineratlas 2013 das Internet und aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ist es gerechtfertigt, die Breitband-Versorgung als eine Aufgabe der Daseins-Vorsorge zu behandeln!

Die Zerschlagung des Kabelnetzes beim Verkauf im Jahr 2000 auf eine Reihe von regionalen Gesellschaften ist ursächlich für die im Vergleich zu anderen Ländern lange Verzögerung bis zur Schaffung der Rückkanalfähigkeit. Der Marktanteil der Kabelnetzbetreiber für den Breitbandzugang wächst zwar von allen Technologien am stärksten, ist aber absolut betrachtet im internationalen Vergleich noch schwach. Der Ausbau mit Glasfaser-Anschlussnetzen kommt in Deutschland ebenfalls eher schleppend in Gang, da das Angebot an DSL-Zugängen den vorhandenen Bedarf zu vergleichsweise günstigen Preisen abschöpft. 

Die verschiedenen Aktivitäten der Deutschen Telekom und alternativer Betreiber, die in Summe höhere Investitionsaufwände stemmen als die Deutsche Telekom, haben im wesentlichen auf der Basis der Kabel-TV Netze und mittels DSL zu einer Verfügbarkeit von Breitbandzugängen, die mindestens 50 Mbit/s an Übertragungsgeschwindigkeit ermöglichen, die nach Schätzungen von STZ-Consulting 2013 im Durchschnitt bei 60% der Haushalte liegen dürfte (Ende 2012 waren es knapp 55%. Korrekte Zahlen zu ermitteln ist nicht ganz einfach, da es kein bundesweites unabhängiges Breitband-Kataster gibt. Insgesamt werden laut VATM Mitte 2013 27,7 Millionen Breitbandanschlüsse (ab 2 Mbit/s) genutzt.

Diese Verfügbarkeit ist grundsätzlich nicht schlecht, wenn es auch fraglich erscheint, ob die von der Bundesregierung als Ziel festgelegten 75% der Anschlüsse mit > 50 Mbit/s in 2014 erreicht werden. Aber dies ist ein grundsätzliches und nicht Breitband-spezifisches Problem, wenn von der Politik nur das Ziel definiert, aber keine Strategie zur Erreichung der Ziele erarbeitet und umgesetzt wird. 

Die tatsächliche Nutzung schneller Anschlüsse liegt mit ca. 25% weit unter der Verfügbarkeit

Bei 77% Internetnutzern und einer Breitbandversorgung von ca. 60% könnte man vermuten, dass im Durchschnitt 46% der Haushalte schnelle Internetzugänge nutzen. In der Realität liegen die Nutzungszahlen aber erschreckend niedrig. Nach Schätzungen von STZ-Consulting nutzen im Durchschnitt nicht mehr als 25% der Haushalte in den mit mehr als 25 Mbit/s versorgten Regionen die Möglichkeit des schnellen Anschlusses. 

Selbst bei den nachhaltig zukunftssicheren Glasfaser-Hausanschlüssen herrscht bei den potenziellen Nutzern Zurückhaltung. Ende 2012 waren nach Schätzung des Branchenverbandes VATM gut 800.000 Glasfaser-Hausanschlüsse verfügbar, aktiv genutzt wurden auch hier nur 43% oder 343.500. Für VDSL stand laut Golem.de um die sogenannte „Takeup-Rate“ für die Nutzung vorhandener Anschlüsse mit 10% (von 10 Millionen Anfang 2011 verfügbaren VDSL-Anschlüssen) noch schlechter. Laut VATM wurden Ende 2012 immer noch nur 11,4% der DSL-Anschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s (VDSL) genutzt! 

Es ist nur schwer auszumachen, woran die fehlende Akzeptanz bei den Nutzern liegt. Eine insbesondere in Deutschland zu beobachtende „Geiz-ist-geil“-Mentalität und der Preiskrieg der Anbieter haben dazu geführt, dass ein Internetzugang eigentlich nicht mehr als 19,90 Euro pro Monat kosten darf. Dafür ist ein schneller NGA-Anschluss allerdings nicht zu realisieren. Zum anderen fehlt ein breites Angebot von Diensten, die einen schnellen Zugang erfordelrich machen. Durch die bislang vertikal geschlossenen Geschäftsmodelle ohne offene Schnittstellen für einen mittelständischen Dienstebetreiber ist dieses Marktsegment in Deutschland – anders als in den Niederlanden noch unterentwickelt. Mit einer Zunahme von spezifischen Angeboten aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Telemedizin und eGovernment kann sich das Nutzungsverhalten mittelfristig ändern. Dabei ist dann die Verfügbarkeit einzelner Diensteangebote für die Kaufentscheidung vermutlich vorrangig im Vergleich zu immer schnelleren Geschwindigkeiten. Tatsächlich gibt es derzeit keinen praktischen Grund, einen Internetzugang mit mit mehr als 50 Mbit/s zu erwerben, da es hirfür keine Massenmarkt-Dienste gibt. So wird erklärbar, warum Deutschland derzeit nicht mehr als ca. 6 Millionen NGA-Anschlüsse (> 25 Mbit/s) hat.

 Glasfaserausbau durch Vectoring ausgebremst

Diese Situation könnte man als gegeben hinnehmen, wenn nicht gleichzeitig das über IP-Netze übertragene Datenvolumen pro Jahr um ca. 18% wachsen würde. Mit diesem starken Wachstum, für das sich in den nächsten Jahren kaum eine Abschwächung andeutet, werden die vorhandenen Netze irgendwann in den nächsten fünf bis zehn Jahren an eine Kapazitätsgrenze stossen. Daher müsste ein vorausschauender Infrastrukturaufbau mit Glasfasernetzen bis zum Hausanschluss (Fiber-to-the-Home oder Fiber-to-the-Building) erfolgen, denn nur die Glasfaser besitzt die physikalischen Voraussetzungen für schnelle Datenübertragung (nur die Lichtgeschwindigkeit stellt eine Grenze dar) mit sehr hohen Kapazitäten. Da die Kosten für den Glasfaserausbau entscheidend von den Tiefbaukosten für die Verlegung der Anschlussnetze bestimmt werden, kann ein Investitions-schonender Ausbau. 

Die Deutsche Telekom hat 2010 als Ziel für 2012 kommuniziert, 10% der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen auszubauen. Anstatt der geplanten 4 Millionen Anschlüssen wurden es nicht mehr als 200.000, die zu gerade 25% tatsächlich aktiv genutzt werden. Bei diesen schlechten Werten ist es verständlich, dass sich die Deutsche Telekom aus dem Ausbau mit FttH (Fiber-to-the-Home) offensichtlich weitgehend zurückzieht. Während die Deutsche Telekom sich mit dem FttH-Ausbau auf dicht besiedelte Kernstadtbereiche konzentriert hat, die überwiegend bereits von Kabelnetzbetreibern versorgt werden, hat die Deutsche Glasfaser, ein Tochterunternehmen der niederländischen Reggeborgh, ihren Ausbau gerade in dünn besiedelten ländlichen mit schlechter Breitbandversorgung begonnen. Obwohl bisher häufiger argumentiert wurde, dass sich unter diesen Bedingungen ein Breitbandausbau wirtschaftlich nicht lohnt, beweisen die Aktivitäten in den Kreisen Borken, Coesfeld, Viersen und Heinsberg, dass gerade hier doch Bedarf besteht. In einer Reihe von Ortsteilen konnten Vorvertragsquoten von 55 bis deutlich über 80% realisiert werden. Vermutlich benötigt nicht jeder der neuen Kunden einen Internetzugang mit symmetrischen 100 Mbit/s, aber ohne eine qualifizierte Alternative mit schnellen Zugängen wird das Angebot der Deutschen Glasfaser gerne wahrgenommen. Sobald aber Bereiche mit einer besseren Versorgung von über 10 Mbit/s bearbeitet werden, sinkt die Akzeptanz signifikant bis auf unter 10% und entspricht damit wieder den Werten, die auch die Deutsche Telekom in ihren „Giganetz“ FttH-Vorhaben erreicht. 

Betriebswirtschaftlich macht der jetzt beschlossene VDSL-Ausbau auf der Basis der „Vectoring“-Technologie mit bis zu 100 Mbit/s im Downstream durchaus Sinn. Zum einen ist der Ausbau im Vergleich zum FttH-Ausbau mit deutlich geringeren Investitionen möglich. Zum anderen ermöglicht der Vectoring-Ausbau die Abschaltung des alten und bisher parallel betriebenen analogen Netzes. So kann der Vectoring-Ausbau in hohem Maße durch Einsparungen bei den Betriebskosten finanziert werden und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Kabelnetzbetreibern. Da in einem Ortsnetz bei Vectoring das gesamte Netz ausgebaut und fast alle Kabelverzweiger mit Glasfaser angeschlossen werden müssen, ergibt sich für die Kommunen der Vorteil, dass die Versorgung innerhalb des Ortsnetzes wesentlich homogener wird als bei dem bisherigen VDSL2-Ausbau. 

Negative Auswirkungen in der Zukunft ohne Vorkehrungen absehbar 

Die Kehrseite beim Vectoring-Ausbau ist, dass DSL-Netze auf diesem Wege wieder in erheblichem Maße re-monopolisiert werden. Wettbewerber haben nur unter engen Auflagen die Möglichkeit, selber mit tätig zu werden. Bei einer Ausschreibung durch Kommune und Kreise geraten Wettbewerber der Deutschen Telekom in eine schwierige Position, da sie keine Synergie-Effekte durch die Abschaltung des analogen Netzes entgegensetzen können und somit in der Kalkulation kaum wettbewerbsfähig anbieten können. Aktivitäten von Kommunen und Kreisen, die sich selber zum Aufbau von passiven NGA-Netzen entschlossen haben, werden unter Umständen erheblich beeinträchtigt, da die erwarteten Kundenpotenziale in schwach versorgten Regionen in bedeutendem Maße wegbrechen. Der weitere Glasfaser-Ausbaus zur Erzielung einer mittelfristig leistungsstarken Breitband-Infrastruktur wird voraussichtlich massiv eingebremst und die nachhaltige Zukunftssicherheit zugunsten einer kurzfristigen Verbesserung der Versorgungslage gefährdet. Erweist sich die Prognose als richtig, dass mittelfristig kein Weg an Glasfaser vorbei führt, dann kommen erhebliche Investitionen auf die Kommunen zu, die heute keine Vorsorge schaffen. Die Investitionen für die Erstellung eines Hausanschlusses liegen je nach Randbedingungen, wie der Länge zwischen den Häusern. Der Bodenklasse und der Verlegetiefe zwischen 1.500 und 4.000 Euro. Es lässt sich leicht hochrechnen, welche Belastungen auf eine Mittelstadt zukommen. Bei 25.000 Haushalten und einem Durchschnittsinvest von 2.500 Euro wären aus dem Haushalt über 62 Millionen Euro zu finanzieren! Bei einem vorausschauenden Handeln und einer koordinierten Mitverlegung in Verbindung mit anderen Tiefbaumaßnahmen lassen sich die Kosten bis auf ein Zehntel senken. Dann muss man allerdings auch eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren einplanen, bis das Stadt- oder Gemeindegebiet weitgehend flächendeckend ausgebaut ist. In dieser Zeit ergeben sich allerdings auch keine Einnahmen aus dem entstehenden Netz. Dafür liegen die jährlichen Investitionen bei unter 0,6 Millionen Euro. 

Handlungsoptionen für Kommunen und Kreise

Der Paradigmen-Wechsel beim Breitbandausbau durch die Deutsche Telekom eröffnet vielen Kommunen neue Chancen. Unter Umständen ergibt sich eine kostengünstige Möglichkeit, einen flächendeckenden Ausbau zu erreichen, der in dieser Form noch im letzten Jahr nicht möglich erschien. Bei Verfahren während der „Umbruch“-Phase konnte man dies zum Teil durch deutliche Veränderungen in den ermittelten Deckungslücken feststellen. Daher sollten interessierte Kommunen die Möglichkeiten prüfen und über Bedarfsermittlung und Markterkundung die Lage für das eigene Gebiet ermitteln. Es ist auch bei den neuen Zielen der Telekom nicht ausgeschlossen, dass es in den nächsten Jahren (wie bei den Zielen für die Glasfaseranschlüsse) zu grundlegenden Änderungen kommt. Daher kann Eigeninitiative der Kommune den Vorgang durchaus beschleunigen. Neben dem kurz- bis mittelsfristigen Versorgungsziel sollten Kommunen und Kreise langfristige Ziele für die Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen festlegen und durch Zuordnung von personellen und finanziellen Ressourcen absichern. Dann ergeben sich für die Infrastruktur-Versorgung nicht bereits heute absehbare Probleme. Folgende Aufgaben sollten sich Kommune und Kreise daher zu Eigen machen: 

  • Analyse der konkreten Versorgungssituation, vorhandener Infrastrukturen und Ermittlung des Bedarfs 
  • Prüfung der Ausbau-Optionen durch Workshops mit Netzbetreibern und durch öffentliche Markterkundungs- und Auswahlverfahren 
  • Schaffung der Position eines dauerhaften Breitbandkoordinators, je nach Größe der Kommune auch in Teilzeit) 
  • Erstellung eines Masterplans für die Verlegung eines Glasfaser-Anschlussnetzes 
  • Bereitstellung von jährlichen Haushaltsmitteln für den Netzaufbau im Beilauf

Aufgabe des Staates und der Länder ist dabei, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierfür muss noch eine beihilferechtliche Grundlage für den Aufbau eines NGA-Anschlussnetzes in solchen Regionen, in denen heute entweder VDSL oder ein Kabelnetz verfügbar ist, Erleichterungen bei der Übertragung des Wegerechts entlang von Bundes- und Landesstraßen. Die bisherigen Regelungen für die Sicherstellung der Grundversorgung mit 2 Mbit/s auf der einen Seite und dem Aufbau von Leerrohnetzen nach der entsprechenden Bundesrahmenregelung reichen hierfür nicht aus. Für die Verbesserung der kurzfristigen Versorgungslage sind ergänzende rechtliche Rahmenbedingungen für Gebiete zu schaffen, die mehrheitlich mehr als die Grundversorgung haben, aber unter der NGA-Grenze von 25 Mbit/s liegen.

Jürgen Kaack 07.07.2013, 22.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandversorgung in Solingen

Die Analyse der Breitbandversorgung in Solingen zeigt eine häufig anzutreffende Situation. Während die Kernbereiche mit bis zu 150 MBit/s schon heute zukunftssicher ausgebaut sind, fallen die verbleibenden 25% der Haushalte und einige der Gewerbegebiete imn Stadtgebiet deutlich ab. Mit längerem Anlauf für die Zuführung hoher Bandbreiten und einer geringeren Besiedlungsdichte wird die Erschließung dieser Gebiete unter wirtschaftlichen Aspekten deutlich schwieriger.

Nach einer Analyse der Versorgungssituation und der vorhandenen Infrastrukturen im Stadtgebiet von Solingen wurden jetzt die Ergebnisse in einem Pressegespräch präsentiert (Artikel bei PR-Online vom 27.04.2013). Auch die nächsten Schritte wurden erläutert. In nächster Zeit startet eine Befragung bei Haushalten und Betrieben, um den Bedarf und das vorhandene Kundenpotential zu ermitteln.

Die Kernbereiche der Stadt sind heute fast vollständig mit zwei unabhängigen Infrastrukturen (Kupferdoppelader für VDSL und Koaxialkabel für DOCSIS 3.0) versorgt. Die Kluft zwischen 150 MBit/s in einem Teil der Stadt und DSL-light oder gar Modem in einem anderen ist nicht erstrebenswert und erschwert die Planung für die Entwicklung in jeder Stadt. Daher müssen Lösungen gesucht und Konzepte erarbeitet werden, um die Kluft zu schließen. Hierbei müssen unter Umständen unterschiedliche Technologien kombiniert werden. Andernfalls könnte der Ausbau insgesamt unwirtschaftlich werden.

Mit der Problematik steht Solingen bei weitem nicht alleine. Die meisten Kommune und auch Großstädte müssen sich mit der Beseitigung der digitalen Kluft auseinandersetzen!

Jürgen Kaack 27.04.2013, 16.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kundenpotentiale für Breitbandnetze

Ohne schnelle Internetzugänge ist das Leben heute kaum mehr vorstellbar ... und „schnell“ beginnt in der Regel bei 16 MBit/s. Die Unterversorgungsgrenze liegt zwar offiziell bei 2 MBit/s, tatsächlich ist aber erst ab 6 MBit/s ein einigermaßen flüssiges Arbeiten möglich. Am anderen Ende der Skala werden bis zu 200 MBit/s angeboten. Allerdings gibt es keine Standard-Dienste, die heute über 50 MBit/s benötigen. Höhere Bandbreiten werden bei asymmetrischen Bandbreiten oft gewählt, um eine höhere Upstream-Geschwindigkeit zu bekommen. Aus den unter diesen Gesichtspunkten schwach versorgten Gebieten kommen häufig Beschwerden und Wünsche nach einer besseren Versorgung. Meist liegen diese Regionen am Rande oder abseits von Ballungsgebieten, sind dünner besiedelt und weisen eine niedrige Anzahl von Wohneinheiten pro Anschluss auf. Die Voraussetzungen für einen Breitbandausbau sind unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in der Regel nicht besonders gut.

 

Von besonderer Bedeutung ist daher das in der betreffenden Region erzielbare Kundenpotential. Zur Abschätzung sind Kennzahlen aus dem (N)Onlineratlas geeignet, die jährlich von der Initiative D21 auf der Basis einer repräsentativen Erhebung ermittelt werden. Der Ausgangspunkt ist die Internetnutzung, die 2012 bei knapp 75,6% der Bevölkerung lag und damit um 0,9% über dem Vorjahreswert. Für das Kundenpotential relevant ist der Anteil der Internetnutzer, die einen Breitbandanschluss nutzen. Laut (N)Onlineratlas sind dies 57,1% und somit fast 5% mehr als im Vorjahr. Allerdings wird Breitband hier ab 1 MBit/s definiert und somit niedriger als die gängige Erwartung an einen Breitband-Anschluss. Leider gibt es keine repräsentativen Werte für die Nutzung höherer Bandbreite. Es ist nach Schätzung von STZ-Consulting Group zu vermuten, dass Bandbreiten oberhalb von 25 MBit/s nur von ca. 25% der Bevölkerung genutzt werden.

 

Für einen Anbieter von Breitbanddiensten gibt es bei der Abschätzung von Kundenpotentialen unterschiedliche Szenarien (für Gewerbebetriebe und Wohnungsbaugesellschaften gibt es abweichende Kaufentscheidungsfaktoren):

  • Unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s: hier ist mit einem Kundenpotential von 55 bis 60% zu rechnen entsprechend der durchschnittlichen Breitbandnutzung.
  • Schwach versorgte Gebiete mit weniger als 6 MBit/s: hier liegt das zu erwartende Potential bei ca. 25%.
  • Versorgte Gebiete mit mehr als 25 MBit/s: in diesem Fall ist davon auzugehen, dass Breitbandinteressenten bereits einen Vertrag mit einem Anbieter abgeschlossen haben. Selbst bei vergleichbarem Preis- / Leistungsverhältnis gibt es retardierende Momente. Ohne herausragenden Argumente für einen Wechsel (z.B. differenzierende Dienste) werden kaum mehr als ein Drittel wechseln, entsprechend ca. 8% der Bevölkerung. Bei einem weiteren Wachstum von ca. 5% kommen jährlich 2 bis 3% als Neukunden hinzu.

 

Das Szenario mit versorgten Gebieten ist für einen neuen Anbieter mit erheblichen Risiken verbunden. Die vorhandenen Breitbandbedürfnisse bei Haushalten und Betrieben sind hier bereits erfüllt. Dabei hängt es allerdings u.a. vom Image des Anbieters, der Qualität des Services und dem Preis ab, ob die vorhandenen Markt-Potentiale tatsächlich ausgeschöpft werden. Für einen neuen Anbieter bedeutet dies, dass er Kundenpotentiale primär durch Verdrängung gewinnen muss. Sind die Leistungen vergleichbar und keine differenzierenden Dienste vorhanden, die in ihrer Attraktivität für einen Wechsel ausreichen, bleiben Preis und Qualität als Kaufentscheidungsfaktoren.

 

Bei den im Wettbewerb in den letzten Jahren stark gesunkenen Telekommunikationspreisen scheint der Kaufentscheidungsfaktor „Preis“ laut Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group eher ungeeignet. Ein (asymmetrischer) 100 MBit/s-Anschluss mit unbegrenztem Datenvolumen und einer (nationalen) Telefonflat für monatlich 40 Euro dürfte kaum noch signifikant unterboten werden können. Die Servicequalität ist zwar an die verfügbaren Budgets gekoppelt, aber immerhin können hier Unterscheidungsmerkmale erarbeitet werden. Beim Diensteangebot liegen Potentiale zur Differenzierung neben den gängigen „Killer“-Applikationen wie Telefonie, Email, Video- und Musikdiensten in Zielgruppen-spezifischen Diensten (kulturelle, sportliche oder Bildungsangebote mit lokalem Bezug), die von den überregionalen Anbietern bislang nicht angeboten werden.

 

Die Kosten für Leistungskomponenten wie Telefonie- und Email-Systeme, Billing, CRM-Lösungen und Kundenbetreuung sind weitgehend unabhängig von der genutzten Breitband-Technologie. Erhebliche Unterschiede ergeben sich dagegen bei den Kosten für die Verlegung von passiven Infrastrukturen (insbesondere Leerrohre, Muffen, Schächte, Hausabschlüsse) u.a. aufgrund von Topographie, Anschlusslängen, Bodenklasse und der Verlegetechnik. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung für die passive Infrastruktur wird meist erst mit Amortisationszeiten von 15 bis 20 Jahren positiv und ist damit für viele der überregionalen Telekommunikationsanbieter zu lang. Bei einem Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen wird ein Glasfaser-PoP (Point-of-Presence) benötigt. Mit 500 bis 1.000 Anschlüssen kann ein solcher PoP wirtschaftlich betrieben werden. Bei 1.000 Anschlüssen ergeben sich (theoretische) Mindestgrößen für den Betrieb eines Glasfaser-PoPs:

  • Unterversorgte Gebiete  1.750 Anschlüsse
  • Schwach versorgte Gebiete  4.000 Anschlüsse
  • Versorgte Gebiete 12.500 Anschlüsse

 

Anschlüsse in benachbarten Ortsteilen können dabei über einen gemeinsamen PoP angeschlossen werden. Bei den abgeschätzten Größenordnungen wird deutlich, dass der Überbau von vorhandenen Infrastrukturen nur in Ausnahmefällen unter wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll ist. Selbst in Ballungsgebieten werden Grenzen erreicht, wenn das Kundenpotential auf zwei oder drei parallele Infrastrukturen aufgeteilt werden muss. Umso wichtiger ist für Dr. Kaack daher der offene Netzzugang („Open-Access“), damit aus neuen „Monopolen“ bei der passiven NGA-Infrastruktur keine Dienste-Monopole werden. Dies ist selbst bei den bestehenden Infrastrukturen keineswegs selbstverständlich.

 

Ein spezielles Problem für die Umsetzung im ländlichen Raum sieht Dr. Kaack in der meist heterogenen Versorgungslage vieler Kommunen mit durch oft mehrere Anbieter gut versorgten Kernbereichen bei nur schwach versorgten Randgebieten. Da der Weiterbau der Infrastrukturen in die dünner besiedelten Gebiete für die Netzbetreiber aus den oben erläuterten Gründen oft unwirtschaftlich ist, müssen Kommunen und Kreise selber tragfähige Lösungen und Kooperationen finden. Die dauerhafte Benennung eines Breitbandbeauftragten ist ein notwendiger erster Schritt.

Jürgen Kaack 24.02.2013, 12.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau im Kreis Heinsberg mit Glasfaser-Hausanschlüssen

Eine gute Breitband-Versorgung ist auch im ländlichen Raum unabdingbar. Finden sich hier doch noch viele Regionen mit einer mehrheitlchen Unterversorgung (< 2 MBit/s). Dies gilt auch für den Kreis Heinsberg.

Das Vorhaben der Deutschen Glasfaser im Kreis Heinsberg zeigt, dass Glasfaseranschlüsse tatsächlich auch und gerade außerhalb der Ballungsgebiete nicht nur technisch von Vorteil, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können - zumindest in derzeit unterversorgten Gebieten.
Diese These vertrete ich ja bereits seit einigen Jahren. Die Umsetzung erfordert dann allerdings einen Infrastrukturbetreiber mit längeren als TK-typischen Abschreibungsfristen. Der aktuelle Status der Vorverträge in den Pilotregionen im Kreis Heinsberg findet sich auf der Seite des Anbeiters Deutsche Glasfaser GmbH.

Es ist grundsätzlich zu verwarten, dass in den unterversorgten Gebieten Werte im Bereich des 57%-Durchschnitts für die Breitbandnutzung in Deutschland erreicht werden. Spannender wird die Akzeptanz in den heute bereits besser oder auch mit über 100 MBit/s gut versorgten Bereichen ausfallen wird.

Jürgen Kaack 17.02.2013, 12.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Standpunkt für den lokalen Ausbau in ländlichen Räumen

"Die entscheidende Voraussetzung für einen Breitbandausbau liegt im Bedarf bei Haushalten und Unternehmen! Auch ohne den Anspruch an einen Universaldienst muss im ländlichen Raum eine Infrastruktur vorhanden sein, die eine ausreichende Bandbreite ermöglicht. Der Anspruch an einer Breitbandversorgung ist auf jeden Fall „universell“, da die Internetnutzung quer durch die Bevölkerung geht, bei Jugendlichen und Erwachsenen bis 30 Jahre liegt die Internetnutzung bereits heute deutlich über 90%."

Ansatz-Punkte zu Problemlösungen mit verfügbaren Breitband-Technologien, Fördermöglichkeiten und Geschäftsmodellen findet sich in meinem Beitrag auf dem Portal "dvs Netzwerk für ländliche Räume" der Bundesanstalt für Landwirtrschaft und Ernährung.

Jürgen Kaack 30.01.2013, 08.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL