Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: VDSL

Erfolgsfaktoren für Vectoring

Vectoring ist aus Sicht vieler Kommunen aufgrund seiner hohen Geschwindigkeiten und des erforderlichen fast flächendeckenden Ausbaus eine attraktive Option, um in einem überschaubaren Zeitraum zu einer sicheren NGA-Versorgung zu kommen. Falls es schon ein Kabelnetz gibt, werden diese Teile im Stadtgebiet zum „schwarzen“ NGA-Fleck, falls es kein Kabelnetz gibt, wird das versorgte Gebiet immerhin zu einem „grauen“ NGA-Fleck. Die Attraktivität der Kommune für Haushalte und Gewerbegebiete steigt auf jeden Fall. Da der Vectoring-Ausbau bislang nicht zuwendungsfähig ist und sich in der Regel über kumulierte eingesparte Betriebskosten bei den Netzbetreibern amortisiert, schont ein Vectoring-Ausbau die Haushaltskasse der Kommunen. Als Erfolgsfaktoren für die Gewinnung eines Netzbetreibers zum Vectoring-Ausbau können gelten:

  • Eigeninitiative der Kommune mit Identifikation von vorhandenen Infrastrukturen, Ermittlung des Bedarfs und die Bereitschaft zu einem beschleunigten Verfahren bei der Wege- und Standortsicherung;
  • Durchführung eines öffentlichen Markterkundungsverfahrens und die aktive Bemühung um Gespräche mit den Betreibern;
  • Das Vorhandensein eines Kabelnetzes in größeren Teilen der Kommune erhöht fallweise die Bereitschaft zu einem Vectoring-Ausbau, da so die gegenüber VDSL vorhandenen Wettbewerbsnachteile ausgeglichen werden können;
  • Schaffung von Kommunikationsplattformen für die Betreiber;
  • Bereits durchgeführte Ausbauvorhaben mit der Schaffung von modernisierten Teilnetzen und Leerrohrtrassen reduziert den Aufwand für eine Umrüstung auf Vectoring.


Die rechtliche Grundlage für die Betätigung der Kommunen in den Bereichen „weißer“ und „grauer“ NGA-Flecken stellt derzeit noch die Bundesrahmeregelung Leerrohre dar, die nach ihrer Notifizierung die NGA-Rahmenregelung (Studie zur Erreichung der NGA-Ziele unter Nutzung von Brückentechnologiern von Dr. Kaack aus dem Frühjahr 2014).

 

Da die Begehrlichkeiten auf Seiten der Kommunen hoch ist, sollten die Chancen durch Eigeninitiative erhöht werden. Für Kommunen mit einer schwachen, nicht NGA-fähigen Internet-Anbindung (< 30 Mbit/s) kann sich Initiative und die Durchführung einer öffentliche Markterkundung als Minimallösung lohnen!

Jürgen Kaack 27.06.2014, 08.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Licht und Schatten mit Vectoring in Wegberg

Mit 40 Ortsteilen bei knapp 28.000 Einwohnern zählt Wegberg zu den typischen ländlichen Mittelstädten. Wegberg ist eine der ersten Städte im ländlichen Raum, die von der Deutschen Telekom mit Vectoring (fast) flächendeckend versorgt werden! In den Vorwahlbereichen 02431, 02434 und 02436 wurden bis zum Frühjahr 2014 37 Kilometer Glasfaser-Leitungen verlegt und über 80 Kabelverzweiger mit Multifunktionsgehäusen überbaut (Pressebericht vom 21.05.2014). 13.000 Haushalte können auf der Basis der MSAN-Technik sofort bis zu 50 Mbit/s nutzen und nach Freischaltung von Vectoring bis zu 100 Mbit/s.

 

Neben den beiden mit Vectoring erschlossenen Vorwahlbereichen gibt es drei weitere Anschlussbereiche im Stadtgebiet, von denen in zweien noch unterversorgte Ortsteile liegen. Noch vor dem Projekt der Deutschen Telekom ist die Deutsche Glasfaser mit einem Vorhaben zur Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen im Stadtgebiet tätig geworden. Aufgrund von wirtschaftlichen Erfordernissen beginnt die Deutsche Glasfaser erst bei einer Vorvertragsquote von 40% mit dem Ausbau. In einigen der Pilotregionen wurde die Mindestquote bei der Vorvermarktung erreicht, in anderen wurde sie deutlich verfehlt. Im Vorwahlbereich 02161 wurde die Mindestquote erst recht spät erreicht und es ist offen, ob und wann ein Ausbau erfolgt. Ergänzend zu dem zuwendungsfreien Ausbau in den Vorwahlbereichen 02131, 02434 und 02436, die mit Vectoring ausgebaut werden, hat die Deutsche Telekom ein Angebot zum Ausbau mit Zuwendungen für die verbleibenden Ortsteile in dem unterversorgten Teil des Vorwahlgebietes 02461 abgegeben.

 

Das Ergebnis des Breitbandprojektes für Wegberg zeigt die Problematik eines Vectoring-Ausbaus auf. Zwar wird in den ausgebauten Gebieten eine hohe Flächendeckung erreicht, aber es verbleiben angrenzend schwach versorgte Gebiete, in denen es zunehmend schwerer wird, eine ausreichende Versorgung zu erzielen. Auf jeden Fall ist Vectoring eine Brückentechnologie und muss in 10 bis 15 Jahren durch ein leistungsfähigeres Glasfaser-Anschlussnetz ersetzt werden. Diese entsteht im Stadtgebiet von Wegberg nur in einigen Ortsteilen, die von der Deutschen Glasfaser ausgebaut werden. In den verbleibenden Ortsteilen ohne FttB-Netze wird es dafür umso schwieriger, einen Anbieter zu finden, der auf privatwirtschaftlicher Basis einen Netzaufbau betreibt. Nach der Ankündigung der Deutschen Telekom für einen Vectoring-Ausbau stagnierten offensichtlich die Abschlussquoten für einen Glasfaser-Anschluss (Interview vom 06.06.2014). Das kann man zwar als kurzsichtig ansehen, ändert aber nichts daran, dass die zukünftigen Investitionen in ein Glasfaser-Anschlussnetz wohl überwiegend mit öffentlichen Mitteln erfolgen muss.

Jürgen Kaack 24.06.2014, 08.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schnelles Internet für Gewerbegebiete in Viersen dank Vectoring

Die Stadt Viersen mit knapp 75.000 Einwohnern bemüht sich seit einer Reihe von Jahren um eine Verbesserung der Breitbandversorgung in den verschiedenen Gewerbegebieten der Stadt. Insbesondere bei zwei Neuerschließungsgebieten mit bislang schlechter Internetanbindung zeichneten sich Probleme für die Vermarktung ab, wenn keine zeitgemäßen Breitbandgeschwindigkeiten erreicht werden. Aber auch aus Bestandsgebieten kamen dringende Wünsche nach höheren Geschwindigkeiten. Im Vergleich zu den Gewerbegebieten war die Versorgung in den Wohnbereichen bis auf zwei kleinere Ortsteile vergleichsweise gut, insbesondere durch eine weitreichende Verfügbarkeit durch den Kabelnetzbetreiber Unitymedia.

 

2011 und 2012 wurde ein erstes Projekt zur Verbesserung der Versorgungslage durchgeführt, das im Falle des Bestandsgebietes Mackenstein mit einer Aufrüstung von ADSL auf VDSL endete. Für die neuen Erschließungsgebiete sollte auf der Basis der Bundesrahmenregelung Leerrohre ein passives FttB-Netz erreichtet und an einen Betreiber vermietet werden. Nach einem zunächst positiven Ausgang machte der Betreiber für die aktive Netztechnik einen Rückzieher und das Verfahren wurde Anfang 2014 mit einem Markterkundungsverfahren neu aufgegriffen.

 

Mit dem Ablauf der Markterkundungsfrist für die Gewerbegebiete in Viersen zeichnet sich auch in diesem Fall ein Eigenausbau der Breitband-Infrastruktur durch die Deutsche Telekom auf der Basis von Vectoring ohne Zuwendungen der Stadt ab. Der Ausbau kommt dabei nicht nur den Gewerbegebieten zugute, sondern technologiebedingt dem gesamten Vorwahlbereich. Somit wird Viersen nach Abschluss des Ausbaus, der auf Wunsch der Stadt von 2016 auf 2915 vorgezogen wird, mit zwei leistungsfähigen NGA-Netzen fast flächendeckend zum „schwarzen“ NGA-Fleck. Auch die unterversorgten Ortsteile profitieren von dem Ausbau. Das ursprüngliche Ziel, Glasfaser-Anschlussnetze für die Gewerbegebiete zu schaffen, ist damit aber hinfällig geworden. Da die Stadt Viersen nicht über eigene Stadtwerke verfügt, wird die Umsetzung des langfristigen Ziels flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetze schwieriger zu erreichen sein.

Jürgen Kaack 21.06.2014, 08.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ergebnisse des "Runden Tisches" zum Breitbandausbau in NRW

 Beim zweiten Treffen der 40 Mitglieder des "Runden Tisches" zur Breitband-Versorgung am 16.06.2014 in Düsseldorf wurde ein Maßnahmenplan besprochen und verabschiedet, der grundsätzlich sehr vernünftig und zielgerichtet klingt. Zitiert man die sechs Maßnahmenpakete aus der Pressemitteilung, so kann man jedem Punkt zustimmen:
  • Erarbeitung einer Informations- und Datengrundlage für den NGA-Prozess (Next Generation Access) in NRW
  • Erweiterung des BreitbandConsultings NRW mit dem Ziel, den hohen Bedarf an Wissens- und Informationstransfer über Technologien und Ausbaustrategien zu bedienen.
  • Einrichtung von Breitbandverantwortlichen auf Ebene der Städte und Kreise, um die Kompetenz vor Ort zu erhöhen. Dafür wollen die kommunalen Spitzenverbände und die Landesregierung werben.
  • Regionale Breitbandgespräche, um die Akteure vor Ort besser zu vernetzen
  • Das Darlehensprogramm der NRW.BANK zur Finanzierung von Ausbaumaßnahmen soll weiter entwickelt und stärker beworben werden
  • Prüfung rechtlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen des Breitbandausbaus
Es wird den Breitbandausbau mit Hochleistungsnetzen auf jeden Fall voranbringen, wenn mindestens in jedem Kreis und jeder größeren kreisfreien Stadt ein Breitbandbeauftragter eingesetzt wird. Aus Hessen kann man lernen, dass diese Maßnahme sehr wirksam ist. Aber es muss jetzt ein Konzept erstellt werden, wie die Umsetzung erfolgen kann und wie insbesondere die Finanzierung sichergestellt werden kann. Kommunen mit knappen Haushalten werden dies alleine kaum stemmen können. Die Landesregierung sollte prüfen, ob EU-Fördermittel aus dem Efre-Programm genutzt werden können, um anteilig und zeitlich befristet eine Co-Finanzierung zu ermöglichen.

Zur Notwendigkeit von regionalen Breitbandkoordinatoren gibt es nicht vielm zu sagen, insbesondere da ich diese schon seit einigen Jahren fordere. Zu klären ist aber die Finanzierung der Personalkosten und der Verbindlichkeit zur Einsetzung.

Auch im Hinblick auf die Verbesserung des Darlehensprogramms der NRW.Bank hilft ein Blick nach Hessen. Die dortigen Darlehensprogramme der WI-Bank sind mit einer 100%-igen Landesbürgschaft abgesichert und nur so können auch Kommunen in der Haushaltssicherung diesen Weg der Fremdkapitalfinanzierung nutzen. In NRW fehlt die Landesbürgschaft und somit ein wesentliches Element zur Steigerung der Attraktivität.

Die nächste Zukunft wird erweisen, was die genannten Maßnahmenpakete für Kreise und Kommunen wirklich "wert" sind und ob der NGA-Ausbau in NRW damit endlich intensiviert wird.
 

Jürgen Kaack 20.06.2014, 09.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Was Kommunen für einen Vectoring-Ausbau tun können!

Grundsätzlich planen die Netzbetreiber den weiteren Ausbau aufgrund ihrer eigenen Kriterien, wie z.B. nach der Erwartung für das Kundenpotenzial, aufgrund der Wettbewerbssituation oder der möglichen Einsparungen für die Betriebskosten. Auf diese Kriterien und die Bewertungen der Netzbetreiber haben die Kommunen kaum Einfluss. Aber sofern eine Kommune durch Eigeninitiative zeigt, dass vielleicht ein besonders hoher Bedarf vorhanden ist, durch entsprechende Unterstützungsleistungen von Seiten der Verwaltung der Infrastrukturaufbau erleichtert oder beschleunigt werden kann, so hat dies möglicherweise Einfluss auf die Planungen und die Prioritäten für einen Ausbau.

 

Daher sollten sich die Kommunen vor dem Hintergrund des Vectoring-Ausbaus erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Sofern nach den bisherigen Aktivitäten zur Verbesserung der Grundversorgung mit mindestens 2 Mbit/s noch „weiße“ NGA-Flecken mit weniger als 30 Mbit/s verblieben sind, kann es erfolgversprechend sein, eine öffentliche Markterkundung durchzuführen. Manche Netzbetreiber äußern sich erst dann zu den bestehenden Ausbauplanungen, wenn es eine öffentliche Markterkundung gibt. Nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Breitband-Infrastruktur ohne Anstoß und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt. Das Geschäftsmodell für den Breitbandausbau ohne eigene Infrastrukturverlegung wurde von Dr. Kaack als "Motivation der Netzbetreiber" bezeichnet.


In manchen Fällen führt eine Markterkundung zu einem Eigenausbau durch einen Netzbetreiber. Beispiele hierfür finden sich in meiner aktuellen Projektarbeit der letzten Monate. Vor der Markterkundung muss eine Befragung bei Haushalten und Betrieben in dem jeweiligen Untersuchungsgebiet durchgeführt werden, sofern von einem zu stellenden Förderantrag ausgegangen wird. Nach der NGA-Rahmenregelung kann die Befragung auch entfallen und da ein Vectoring-Ausbau nicht zuwendungsfähig ist, entfällt ein späterer Förderantrag. Dann kann auch auf eine Befragung im Vorfeld verzichtet werden. Die Aussagekraft der Befragungsergebnisse ist so oder so fraglich und selten repräsentativ, so dass der Entfall keinen zu großen Inforamtionsverlust darstellt. Zudem weckt eine breite Befragungsaktion Erwartungen, die nicht in allen Fällen zeitnah erfüllt werden können.

 

Die Netzbetreiber stehen beim Vectoring-Ausbau im Wettbewerb zueinander. Nicht nur die Deutsche Telekom rüstet ihre Netze mit Vectoring auf, auch andere Betreiber wie z.B. NetCologne, EWE-Tel, VSE-Net oder inexio nutzen die Technologie und es kann eben nur einen Vectoring-Betreiber in einem Anschlussbereich geben. Daher kann es sich für Kommunen lohnen, neben der Veröffentlichung der verschiedene Netzbetreiber direkt anzusprechen.

Jürgen Kaack 14.06.2014, 10.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Radevormwald: erst Ausbau des Kabelnetzes, dann Vectoring!

Die Stadt Radevormwald mit gut 23.000 Einwohnern und einer hohen Zahl einzelner Ortsteile beschäftigt sich schon seit 2010 mit den Möglichkeiten zur Verbesserung der Breitband-Versorgung. In einem ersten Schritt wurde 2012 eine Maßnahme nach dem GAK-Förderprogramm eingeleitet, die die Herstellung der Rückkanalfähigkeit im Kabelnetz von Unitymedia zum Ziel hatte und im Ergebnis nicht nur die bislang unterversorgten Wupperorte mit bis zu 150 Mbit/s NGA-fähig gemacht hat, sondern auch die gesamte Kernstadt und insgesamt knapp 8.700 Haushalte erreicht (Pressebericht vom 24.03.2014). Für die beiden Stadtteile Krebsöge und Wihelmstal konnte damals keine wirtschaftliche Ausbauoption realisiert werden.

 

Ermutigt von dem positiven Ergebnis und der positiven Resonanz in der Bevölkerung wurde eine Verbesserung der Internetanbindung für das Gewerbegebiet Ost angestrebt (Pressebericht vom 24.09.2013). Die 2013 nach dem RWP-Programm durchgeführte Markterkundung für eine Verbesserung der Breitbandversorgung im unterversorgten Gewerbegebiet konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Die Deutsche Telekom wird das Gebiet im Eigenausbau auf ein derzeit ausreichendes Niveau von 50 Mbit/s heben. Damit ist das Gewerbegebiet nicht mehr unterversorgt und es werden keine Haushaltsmittel zur Umsetzung benötigt. Dieser Ausbau erfolgt im Zuge des Vectoring-Ausbaus für das gesamte Stadtgebiet bis 2016 und führt bereits 2014 zu einer Verbesserung für die bislang unterversorgten Ortsteile Krebsöge und Wihelmstal, die durch die Zuführung von Remscheid-Lennep schneller von der Umsetzung profitieren als die anderen Stadtgebiete und für die ein Ausbau noch Anfang 2012 unverhältnismäßig teuer geworden wäre (Pressebericht vom 30.04.2014).


Für Radevormwald stellt der Breitband-Versorgung somit für die nächsten Jahre kein Problem mehr dar. Das Ergebnis der Vorgehensweise in Radevormwald bestätigt die Tendenz der Betreiber, unterversorgte Gebiete mit Vectoring ohne Zuwendungen auszubauen. Es kann sich also für Kommunen lohnen, eigene Aktivitäten zu entwickeln und eine öffentliche Markterkundung durchzuführen, selbst wenn keine Haushaltsmittel zur Bedienung einer Deckungslücke zur Verfügung stehen!
 

Jürgen Kaack 13.06.2014, 07.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der lange Weg zu einer auskömmlichen Breitband-Versorgung

Seit Jahren ist eine Verbesserung des Breitbandausbaus ein erklärtes Ziel in Bedburg (knapp 23.000 Einwohner). So konnte für einige Ortsteile recht früh ein DSL-Ausbau erreicht werden. Die Versorgung des kleinen Ortsteils Pütz mit unter 150 Haushalten stellte schon eine größere Herausforderung dar. Hier ergibt die Wirtschaftlichkeitsanalyse für die Anbindung und den Ausbau eines Kabelverzweigers keine attraktiven Ergebnisse. Mithilfe eines WLAN-Netzes konnte 2012 aber auch in diesem Ortsteil die Unterversorgung beseitigt werden und es sind durch das Unternehmen Lanstream derzeit auskömmliche 15 Mbit/s verfügbar.

 

Es verblieben jetzt aber immer noch Teilbereiche mit einer Unterversorgung oder mit Bandbreiten knapp oberhalb davon. Die Stadt hat aktiv Gespräche mit mehreren Betreibern gesucht und über längere Zeit in Workshops Alternativen diskutiert und geprüft. Schließlich waren die Bemühungen von Erfolg gekrönt und Anfang 2014 konnte gemeinsam mit NetCologne verkündet werden, dass das Stadtgebiet 2015 mit Vectoring aufgerüstet sein wird. Hierzu müssen 56 Kabelverzweiger mit Leerrohren angebunden und mit Multifunktionsgehäusen überbaut werden (Pressebericht vom 22.04.2014).

 

Zusammen mit dem Kabelnetz von Unitymedia werden große Teile im Stadtgebiet zu „schwarzen“ NGA-Flecken werden und für die nächste Zeit auskömmliche Geschwindigkeiten ermöglichen. Allerdings werden wohl viele Kunden hierfür den Anbieter wechseln müssen, da auch in Bedburg die Mehrzahl der Internetnutzer dies derzeit wohl über den Anschluss der Deutschen Telekom nutzen. Den schnellen Zugang gibt es dann zukünftig nur über NetCologne, oder sofern heute schon verfügbar über das Kabelnetz von Unitymedia.

Jürgen Kaack 12.06.2014, 09.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konsequentes Dranbleiben führt zu flächendeckendem Ausbau

Die Stadt Ahlen mit knapp 52.000 Einwohnern hat 2011 das erste Breitbandprojekt durchgeführt zur Verbesserung der Internetanbindung im Stadtteil Dolberg mit knapp 3.500 Einwohnern (Vorwahlbereich 02388) und zwei Bauernschaften. Nach einem „klassischen“ Projektablauf konnte mithilfe von GAK-Fördermitteln ein VDSL-Ausbau vorgenommen werden, der 2013 zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen ist (Pressebericht vom 16.11.2012). Für die beiden Bauernschaften konnte außer der Nutzung von Satelliten-DSL und einer Forcierung des LTE-Ausbaus kein wirtschaftliches Konzept für eine leitungsgebundene Lösung gefunden werden.

 

Nach dem Abschluss der Maßnahme für Dolberg kamen die Gewerbegebiete in den Fokus. Hier sollten Breitbandprojekte entsprechend dem Leitfaden für das RWP-Programm durchgeführt werden. So wurden in sequentieller Ordnung Befragungen und Markterkundungsverfahren für die fünf Gewerbegebiete Olfetal (Pressebericht vom 20.06.2013), Industriegebiet Ost, Kleiwellenfeld (Pressebericht vom 02.10.2013), Vatheuershof und Vorhelm-Bahnhof (Pressebericht vom 14.02.2014) durchgeführt. Für alle fünf Gewerbegebiete konnte ein Ausbau zur Verbesserung im Internetzugang ohne Zuwendungen vereinbart werden, der bis 2016 durchgeführt werden soll. Die Kommune profitiert von dem Vectoring-Vorhaben der Deutschen Telekom, die nicht nur die 5 Gewerbegebiete mit MSAN-Technik ausbauen wird, sondern das komplette Vorwahlgebiet 02382, in dem auch die fünf Gewerbegebiete liegen. Im Fall des Gewerbegebietes in Vorhelm-Bahnhof zeigt sich das auch bei Vectoring nicht beseitigte Problem der Signaldämpfung. Der das Gebiet versorgende Kabelverzweiger steht ca. 3 Kilometer entfernt und es werden auch nach dem Ausbau voraussichtlich nicht mehr als 6 Mbit/s im Downstream erreicht, ein sicher nicht zukunftssicherer Wert.


Somit verbleibt zukünftig nur noch ein kleines Wohngebiet im Stadtteil Vorhelm-Bahnhof mit einer unzureichenden Internetanbindung. Da dieses Gebiet aus einer anderen Richtung versorgt wird und mit 02528 eine andere Vorwahl hat als das mit Vectoring ausgebaute Gebiet mit der Vorwahlnummer 02382, ist ein Eigenausbau durch die Telekom unwahrscheinlich. Für dieses Gebiet verbleibt nur der bisherige Weg eines VDSL-Ausbaus gegen Ausgleich einer Deckungslücke.

 

Jürgen Kaack 11.06.2014, 08.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau in Schritten: Erftstadt

Erftstadt (gut 49.000 Einwohner, 14 Stadtteile) hatte bis 2012 eine für den ländlichen Raum nicht untypische Versorgung: die beiden großen Stadtteile waren Dank einer zumindest teilweisen Versorgung durch das Kabelnetz von Unitymedia und die Nähe zu den beiden Ortsvermittlungsstellen mit VDSL durch die Deutsche Telekom auskömmlich versorgt. In den Randlagen und in den anderen 12 Stadtteilen war die Versorgung eher schwach und in 5 Ortsteilen bestand sogar eine mehrheitliche Unterversorgung mit weniger als 2 Mbit/s.

 

Die Verwaltung hat konsequenterweise bereits im Jahr 2009 das Förderangebot aus dem GAK-Programm genutzt und ein erstes großes Projekt zum Ausbau der Internetanbindung in den fünf unterversorgten Ortsteilen für ca. 15.000 Einwohner durchgeführt. Der erfolgreiche Projektabschluss und der VDSDL-Ausbau nach der Förderbewilligung hat mit dem bislang wohl immer noch nach der Zahl der versorgten Einwohner größten GAK-Projekt in NRW Anfang 2012 zu Bandbreiten bis 50 Mbit/s geführt.

 

2013 wurde dann in einem Folgeprojekt der Ausbau in zwei schwach versorgten Gewerbegebieten in Lechenich auf der beihilferechtlichen Grundlage des RWP-Programmes betrieben. In beiden Vorhaben erfolgte der Ausbau nach Gewährung einer Zuwendung und unter Einsatz von Eigenmitteln aus dem Haushalt der Stadt. Seit der Fertigstellung des Ausbaus in den Gewerbegebieten in Lechenich Anfang 2014, bei dem auch noch 300 Haushalte mit höheren Geschwindigkeiten profitieren, gibt es keine größeren unterversorgten Gebiete mehr in Erftstadt (Pressebericht vom 25.03.2014). Unter der NGA-Perspektive verbleiben allerdings noch größere Gebiete und ganze Ortsteile als „weiße“ NGA-Flecken mit zum Teil deutlich weniger als 30 Mbit/s. Um die digitale Spaltung im Stadtgebiet zu beseitigen, wurde im Frühjahr 2014 auf der Basis der neuen und derzeit immer noch nicht notifizierten NGA-Rahmenregelung eine Markterkundung durchgeführt. Dabei war von Anfang klar, dass ein mögliches Auswahlverfahren erst nach einer Notifizierung durch die EU durchgeführt werden könnte.

 

Allerdings hat sich bei Ablauf der Markterkundung ergeben, dass ein Vectoring-Ausbau ohne Zuwendungen möglich ist, wenn auch voraussichtlich erst in 2017. Der bis 2012 erfolgte VDSL-Ausbau mit GAK-Fördermitteln war vermutlich eine wichtige Voraussetzung für die nun angekündigte Aufrüstung, da im Zuge dieser Maßnahme 17 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt wurden, davon 14 Kilometer in neuen Leerrohren. Gleichzeitig wurden 32 Kabelverzweiger mit Multifunktionsgehäusen überbaut. Die Aufrüstung in diesem Teil des Netzes kann jetzt ohne größeren Aufwand erfolgen. Da der Ausbau ohne Zuwendungen erfolgen wird, kann die Durchführung eines Auswahlverfahrens für die geplanten Ausbauregionen entfallen. Mit dem Abschluss der Infrastrukturarbeiten werden in Erftstadt aus "weißen" „graue“ NGA-Flecken (mehr als 30 Mbit/s, aber nur ein Infrastrukturanbieter) entstehen und die Zahl der verbleibenden "weißen" Flecken reduziert sich deutlich. Da ein Kabelnetz als alternatives NGA-Netz in Teilen von zwei Stadtteilen verfügbar ist, werden diese dann zu „schwarzen“ NGA-Flecken (mehr als 30 Mbit/s und mindestens zwei Anbieter mit NGA-Infrastruktur). Da wie so oft beim Ausbau mit DSL-Technologien nicht alle Stadtteile auf eine gleich hohe Breitband-Geschwindigkeit gehoben werden, bleibt als nächster notwendiger Schritt die Schaffung eines Glasfaser-Anschlussnetzes, damit die Breitbandversorgung auch in 15 Jahren auf einem hohen Niveau bleibt.

Jürgen Kaack 10.06.2014, 11.44 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Markterkundung bei unzureichender Breitband-Versorgung

Sofern nach den bisherigen Aktivitäten zur Verbesserung der Breitband-Grundversorgung in einem Kreis oder in einer Kommune noch schwach oder unterversorgte Gebiete verblieben sind, kann es erfolgversprechend sein, eine öffentliche Markterkundung durchzuführen, da sich manche - auch große Netzbetreiber erst dann zu den Ausbauplänen äußern.

Analysiert man die aktuelle Versorgungslage, dann haben bereits knapp 70% aller Haushalte in NRW die Möglichkeit, einen Anschluss mit mindestens 50 Mbit/s zu nutzen - die aktuelle Nutzungsquote liegt aber immer noch deutlich unter der Hälfte dieses Wertes. Neben diesen bereits heute NGA-fähigen Gebieten verbleiben schätzungsweise 5% aller Haushalte, die nach wie vor mit weniger als 2 Mbit/s unterversorgt sind.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Gebiete überwiegend dünn bis sehr dünn besiedelt sind und zum Teil recht weit von den Siedlungskernen entfernt liegen. Somit ist mit NGA-fähigen Infrastrukturen ein Ausbau unter wirtschaftlichen Bedingungen kaum noch möglich. Selbst Förderprogramme helfen nicht mehr, falls die laufenden Betriebskosten nicht von den Einnahmen gedeckt werden.

Kabelnetze sind in diesen Gebieten nur selten verfügbar und ein Ausbau mit VDSL kommt bei unter 100 erreichbaren Anschlüssen schnell an Grenzen. Grundsätzlich bleibt natürlich fast überall die Möglichkeit Satelliten-DSL (mit typischerweise bis u 20 Mbit/s) zu nutzen. Gelegentlich stellt Mobilfunk, insbesondere LTE eine Alternative dar. Trotzdem können diese Gebiete, wie auch solche mit knapp über 2 Mbit/s unter Umständen von geplanten VDSL-Vectoring Maßnahmen profitieren, da in diesem Fall ein kompletter Vorwahlbereich ausgebaut werden muss.

Da nicht immer transparent gemacht wird, in welchen Gebieten, ein Ausbau mit Vectoring geplant ist, schafft eine Markterkundung Klarheit, in einigen Fällen der jüngsten Praxis ergibt sich dabei durchaus ein Eigenausbau ohne Zuwendungen durch die Kommune. Beispiele für solche Vorhaben finden sich u.a. auf meiner STZ-Seite bei Facebook. Vor der Markterkundung muss eine Befragung bei Haushalten und Betrieben in dem jeweiligen Untersuchungsgebiet durchgeführt werden. Auch ist eine Erkundung vorhandener Infrastrukturen erforderlich.

Die Beschäftigung mit der gegebenen Situation und die Analyse des Bedarfs schafft für einen Netzbetreiber zusätzliche Sicherheit für das eigene Engagement. Auch wenn die Markterkundung keinen Eigenausbau ohne Zuwendungen ergibt, können doch in den meisten Fällen Antworten gefunden werden, unter welchen Bedingungen eine Verbesserung der Versorgungslage erreicht werden kann. Somit kann mit vergleichsweise geringem Aufwand Klarheit geschaffen und Wege für das weitere Vorgehen aufgezeigt werden.

Wenn eine Kommune nichts unternimmt, braucht sich niemand wundern, wenn nichts geschieht!

Jürgen Kaack 04.12.2013, 15.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL