Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Regionalhistorie

Die Hochzeitstruhe von 1779

Die Familie Lorenzen ist Ende des 16. Jahrhunderts von Sonderburg mit einer höchstens 50-jährigen Zwischenstation in Odense in die Gemeinde Sommerstedt gezogen, hat dort ca. 200 Jahre lang gelebt und ist dann mit einer kurzen Zwischenstation in Tondern schließlich in Keitum gelandet. Bemerkenswert ist bei diesen Umzügen der Unterschied zwischen den eher kleinstädtisch geprägten Orten Sonderburg und Odense im Vergleich zu den kleinen ländlichen Weilern Oksenvad und Sommerstedt. Ohne Kenntnis der Berufe, die die Lorenzen ausgeübt haben, ist es kaum möglich, eine schlüssige Begründung zu finden. Vielleicht waren Folgen der dänisch-schleswigschen Auseinandersetzungen, Missernten oder Arbeitslosigkeit ein Grund für den Umzug aus dem ländlichen Umfeld von Haderslev in das Verwaltungszentrum Tondern.
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Jürgen Kaack 13.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wege nach Sylt vor dem Hindenburgdamm

Auf die Insel Sylt kam man vor der Fertigstellung des Hindenburgdammes entweder von Hamburg aus über den Hafen in Hörnum, oder von Hoyer über den den Hafen in Munkmarsch, der in dem Holzstich von 1894 abgebildet ist. Der Stich ist in dem Wochenmagazin "Ueber Land und Meer" der "Deutsche Illustrirte Zeitung" abgedruckt worden. Vom Landungssteg aus konnten die Reisenden direkt in die Schmalspurbahn umsteigen und zum Bahnhof in Westerland weiterfahren.

Nach der Eröffnung des Hindenburgdammes 1927 wurde der Fährverkehr zwischen Hoyer und Munkmarsch eingestellt. Mein Vater hat seine erste Reise nach der Entbindung in der Flensburger Klinik noch auf dem Weg über Munkmarsch gemacht. Mein Großvater war in den letzten Jahren des Fährbetriebs Hafenkapitän in Hoyer.



Einer der Schiffe auf der Fährlinie von Hoher nach Munkmarsch war der Schaufelraddampfer "Nordsee", hier auf einem Holzstich von 1895, ebenfalls aus dem Wochenmagazin "Über Land und Meer".



Jürgen Kaack 12.07.2017, 15.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Landvögte aus der Familie Taken von 1581 bis 1713

Der Landvogt als vom Landesherrn zur Verwaltung eines Gebietes eingesetzte Amtsperson hatte eine herausgehobene Stellung und hat das Leben der Bevölkerung erheblich beeinflussen können. Dies zeigte sich später als die dänische Regierung eigene Vögte zur Durchsetzung der dänischen Interessen eingesetzt hatten. Der Landvogt war der Vertreter des Landesherren und damit verantwortlich für alle Verwaltungsaufgaben einschließlich der Mitwirkung bei der Rechtsprechung und natürlich dem Eintreiben der Steuern. Nur bei geringfügigen Vergehen war der Landvogt war der Landvogt Polizist und Richter in einer Person. Unter dem Landvogt wirkten Bauernvögte in den einzelnen Dörfern. Eine wichtige Aufgabe war die notarielle Beglaubigung von Verträgen und Immobilienverkäufen. Bei seiner Arbeit stimmte sich der Landvogt mit dem Amtmann in Tondern ab, er unterstand ihm allerdings nicht. Auf Sylt wurde als frühester Landvogt 1547 Andres Früdden aus Morsum genannt.

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Jürgen Kaack 11.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hans Nisse Schmidt - im 17. Jahrhundert Mitglied im Sylter Rat

Eine besondere Bedeutung bei der Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens hatte auf Sylt der Rat, der aus 12 gewählten Mitgliedern bestand und bis zum 19. Jahrhundert insbesondere die Aufgaben der Rechtsprechung übernahm. Der Landvogt hatte in diesem Punkt nur bei kleineren Vergehen das Recht, alleine zu entscheiden. Dreimal im Jahr wurde die Bevölkerung zur Thing-Versammlung eingeladen. Die Versammlungen im Frühjahr und Herbst dienten als Gerichtstage und der Sommer-Thing zur Festlegung von Terminen für die Ernte. Da jede Klage behandelt wurde, konnten Gerichts-„Tage“ auch mal eine Woche lang dauern. Urteile wurden von den Ratsmitgliedern auf der Grundlage des Nordstrander Landrechts gefällt und konnten für einen Verurteilten auch in der Todesstrafe bestehen. Allerdings gab es wohl nur zwei Fälle, in denen ein Todesurteil verhängt wurde, 1611 wegen Hexerei und 1760 wegen Mordes.

 

Die Ratsmitglieder wurden von den einzelnen Orten der Insel gewählt, dabei durfte im 17. Jahrhundert z.B. Morsum als größte Gemeinde vier Mitglieder stellen, Tinnum, Archsum und Keitum je zwei und Westerland sowie die Norddörfer je einen. In den frühen Jahren erfolgte die Wahl für ein Jahr, ab dem 18. Jahrhundert verlängerte sich die Bestellung und konnte bis auf Lebenszeit gehen. Im Falle der Familie Frödden fungierten gar mehrere Generationen nacheinander als Mitglieder des Rates. Die Ratsversammlungen wurden bis 1713 im Haus des Landvogtes Taken abgehalten. In dieser Zeit diente der für die übergeordnete Verwaltung der Region verantwortliche Amtmann aus Tondern als Protokollführer der Versammlungen.

 

1683 wurde zusammen mit Hauleke Petersen für Tinnum Hans Nisse Schmidt gewählt. Er war ein Sohn von Niß Schmitt und wurde im Februar 1648 in Tinnum geboren, wo er am 08.01.1725 mit knapp 77 Jahren verstarb. Hans Nisse Schmidt war mit Ellin Tham Petersen verheiratet (1657 bis 05.06.1730), einer Tochter von Tam Peters und hatte zwei Töchter: Kressen Hansen (15.10.1684 bis 1745) und Inge Hans Schmidt, geboren am 24.06.1686 in Tinnum und dort verstorben am 14.10.1746. Inge Hans heiratete Teide Andresen aus Tinnum (24.06.1686 bis 14.10.1746). Die Familie hatte drei Töchter und zwei Söhne im Zeitraum von 1712 bis 1728. Die älteste Tochter Maren Teides (05.10.1712 bis 26.08.1789) heiratete Erck Bleicken.

Hans Nisse Schmidt ist ein direkter Vorfahre in 11. Generation.


Jürgen Kaack 10.07.2017, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Auswanderer von Sylt nach Amerika

Sylt war im 19. Jahrhundert ein klassisches Zuwanderungsgebiet. Nachdem Westerland 1855 zum Nordseebad erhoben wurde und die ersten Touristen auf die Insel kamen, brauchte man Hotels, neue Gebäude, Strandeinrichtungen und man brauchte Arbeitskräfte. Auf dem damals armen Festland auf der deutschen und der heute dänischen Seite gab es diese Arbeitskräfte. Außer landwirtschaftlichen und handwerklichen Betätigungen boten sich damals kaum Möglichkeiten. Insbesondere Zimmerleute und andere Handwerker fanden auf der Insel Arbeit. Auf diesem Wege kamen meine Vorfahren aus den Zweigen der Wachsmuth und Carstensen im Zeitraum von 1835 bis 1885 auf die Insel. Auch die Familienzweige Janssen und Kaack sind nach Westerland umgezogen, allerdings unter anderen Bedingungen.


Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es allerdings auch Auswanderer, die die Insel in Richtung USA verlassen haben. Im Vergleich zu manchen anderen Familien war die Zahl der Auswanderer überschaubar. Aus den Familienzweigen Janssen, Lorenzens, Johannsen und Kaack ist kein Auswanderer bekannt, was aber nicht bedeutet, dass es aus den zahlreichen Nebenlinien nicht doch welche gibt. Die von mir identifizierten Auswanderer stammen sämtlich aus den Familienzweigen Carstensen und Wachsmuth, insgesamt habe ich 8 Auswanderer (Einzelpersonen oder Familien) identifizieren können.

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Jürgen Kaack 09.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Sylter Seefahrer erleiden Schiffsunglücke und Piratenüberfälle

Die Seefahrt war früher einer der Haupterwerbstätigkeiten der Männer auf den nordfriesischen Inseln und Halligen. In der Familie Bleicken hatte die Seefahrt eine über die Generationen hinweg reichende Tradition. Zum Tod von Erk  Bleicken (geboren am 20.09.1709 in Keitum und gestorben 1744 mit knapp 35 Jahren) berichtet der folgende Auszug nach der „Chronik der friesischen Uthlande“ von C.P. Hansen von 1877:


Erk Bleicken aus Keitum kam vermutlich bei dem Schiffsunglück am 15.03.1744 ums Leben. Am Vortag wäre er demnach zusammen mit 90 anderen überwiegend Sylter Seeleuten auf dem Boot von Schiffer Theide Bohn von Morsum aus in Richtung Amsterdam aufgebrochen, um in Amsterdam Heuer auf einem Walfangschiff zu suchen. In der Nacht entwickelte sich ein heftiger Südweststurm mit Schneeböen und trieb das Schiff zurück. Allerdings konnte der Schiffer wegen der eingeschränkten Manövrier-Fähigkeit des flachen Schmackschiffes die Hörnumtiefe nicht mehr ansteuern und fuhr daher in Richtung Norden entlang der Sylter Westküste, um über die Listertiefe die schützende Ostseite zu erreichen. Fatalerweise ließ Theide Bohn gegen Mittag das Topsegel setzen, um schneller aus dem Sturm zu kommen. Als eine schwere Böe das Schiff traf, beugte sich der Mast weit zur Seite über und ein schweres Ankertau, das in der Mitte des Schiffes befestigt war, löste sich und rutschte über die Bordwand. Winddruck und die Zugkraft des Ankertaus brachte die Schmack zum Kentern. Acht Seeleute konnten sich auf den flachen Schiffsboden retten und später mit einem Beiboot an Land gelangen, alle anderen einschließlich des Schiffers ertranken. 84 Familien verloren ihren Mann oder Sohn und oft ihren Ernährer. Am 10. September des selben Jahres 1744 ereignete sich ein ähnliches Unglück bei der Kniep-Sandbank westlich von Amrum bei der Rückkehr von 100 Walfängern, die mit der Schmack des Föhrer Schiffers Pai Mellefs aus dem Ausschiffungshafen nach Hause unterwegs waren. Bei diesem Schiffsunglück starben 64 Seeleute von Föhr, 11 von Langeneß, 7 von der Nordmarsch und 3 Sylter.

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Jürgen Kaack 07.07.2017, 11.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Werbeprospekt für Westerland von 1937



Art-Deco Grafik aus einem Prospekt zur Werbung für das Nordseebad Westerland von 1937, herausgegeben vom damaligen Landesfremdenverkehrsverband Nordmark.

Jürgen Kaack 06.07.2017, 15.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Familienzweig Kaack seit Ende des 16. Jahrhunderts

Bis vor einigen Jahren und vor Beginn der genealogischen Forschung bin ich fest davon ausgegangen, dass meine Familie nur wenige Verwandten umfasst. Für die letzten Generationen ist dies auch immer noch in allen Familien-Zweigen richtig. Geht man allerdings ein bisschen zurück, so ergibt sich ein anderes Bild, wie die Grafik beispielhaft erkennen lässt. Ich habe hier die Nachkommen des ersten belegten Vorfahren aus der Kaack-Linie herausgezogen, der um 1585 in der Nähe von Bordesholm geboren wurde und dort als Hufner lebte. Sein zweiter Sohn wurde nicht Hoferbe und siedelte um nach Langwedel. 

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Jürgen Kaack 06.07.2017, 14.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wie vermeidet man 1794 eine uneheliche Geburt?

Die Situation dürfte ziemlich prekär gewesen sein: meine Ur-Ur-Ur-Urgroßmutter Anna Maria Peutz ist 1794 mit dem 18 Jahre älteren Johann Friedrich Janssen (geboren 1761 in Eckernförde) liiert, der wie sein Vater als Fuhrmann in Eckernförde tätig ist. Mit 14 Jahren wird sie schwanger und ist noch nicht im heiratsfähigen Alter.  Das Kind sollte aber wohl nicht unehelich zur Welt kommen. Die Entbindung erfolgt dann am 23.04.1794 auf einer Reise von Eckernförde nach Glückstadt in Hohenwestedt und Anna Maria gibt sich bei der Taufe am Tag nach der Geburt als mit dem Johann Friedrich verheiratet aus. Vielleicht hat sie die Reise angetreten, damit ihr Sohn in Eckernförde nicht als unehelich registriert wird? Auf jeden Fall ist der Sohn Johann als eheliches kind eingetragen. Johann Friedrich Janssen heiratet ein Jahr später mit 34 Jahren am 22.07.1795 die 16-jährige Anna Maria Peutz (geboren 1779). Die Braut ist bei der Hochzeit gerade 16. Neben Johann hatte die Familie zwei Töchter, Dorothea Margaretha Maria (12.11.1795 bis 07.10.1796), die schon als Kleinkind stirbt und Maria Margaretha Johanna, die am 24.08.1797 geboren wurde.

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Jürgen Kaack 05.07.2017, 15.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bewaffneter Raubüberfall im frühen 19. Jahrhundert

Die 1. Schulchronik von Vaale (geschrieben von Lehrer Boysen um 1907) beschreibt einen bewaffneten Überfall auf das Ehepaar Schröder, das in einer Reihe von Diebstählen stattfand. Die einsame Lage des Schulhauses und das bekannte Vermögenslage waren wohl ein starker Anreiz. Anfang der 1830 waren die Töchter nicht mehr im Haus und zwei Männer drangen nachts durch die Schulstube in die Schlafkammer ein. Die Räuber hatten geschwärzte Gesichter und bedrohten das Ehepaar mit einer Pistole. Um zu verhindern, dass der Lehrer aus dem Alkoven aufsteht, nagelten sie ein Brett quer vor die Schiebetüren des Alkovens. Danach brachen sie in Ruhe Truhen und Schränke auf. Sie erbeuteten Leinen, Kleidungsstücke, Bettzeug, Silberzeug und etwas Geld. Auch die silberbeschlagene Meerschaumpfeife des Lehrers forderten sie von ihm, bevor sie verschwanden. Der scharfe Wachhund der Familie hat während des Überfalls keinen Laut von sich gegeben, vielleicht kannte er die Räuber. Catharina und Hinrich konnten sich erst später aus der misslichen Lage im Alkoven befreien. Trotz einer Anzeige und längeren Nachforschungen konnten die Täter nicht ermittelt werden.

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Jürgen Kaack 04.07.2017, 16.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL