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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Private-Public-Partnership

Sind Glasfaser-Hausanschlüsse tatsächlich zu teuer?

„Glasfaser-Anschlussnetze sind viel zu teuer in der Verlegung und werden sich daher in der Fläche nie durchsetzen!“

Ähnliche Argumente hört man häufiger, wenn es um die Frage geht, ob, wann und wer Glasfaser-Anschlussnetze baut. In Deutschland kursieren Beträge in Höhe von € 1.500 bis 4.000 für die Errichtung eines Glasfaser-Hausanschlusses mit passiver Infrastruktur bestehend aus einem anteiligen Stück eines Micro-Duct Systems, der eigentlichen Glasfaserleitung und dem Netzabschluss im Keller eines Gebäudes. In der Debatte gibt es gute Gründe, warum die Verlegung im innerstädtischen Bereich besonders teuer ist: viele Versorgungs- und Steuerleitung unter dem Bürgersteig, viele Querungen, hochwertige Oberflächen. Im ländlichen Raum sind Glasfaser-Hausanschlüsse deshalb so teuer, weil die Strecken zwischen den einzelnen Hausanschlüssen so lang sind! Auf jeden Fall ist es zu teuer!

Das Fallbeispiel von „Citynet“ in Amsterdam zeigt, dass es irgendwie doch geht und das sogar in einer dicht besiedelten Stadt mit vielen alten Gebäuden. In einem Joint-Venture aus kommunalen Institutionen und privatwirtschaftlichen Unternehmen (PPP) werden seit 2005 in Amsterdam Glasfaser-Anschlüsse nach dem aufwändigen, aber zukunftssicheren Point-to-Point Verfahren verlegt und an Netzbetreiber vermietet.

In einer ersten Phase wurden Gebiete mit 43.000 Häusern erschlossen, von denen sich 10.000 direkt haben anschließen lassen. Die verbleibenden können als „homes passed“ später mit vergleichsweise geringem Aufwand angebunden werden, vielleicht unter Berechnung eines einmaligen Baukostenzuschusses. Hinter jedem der Hausanschlüsse finden sich ca. zehn Wohneinheiten, da in Amsterdam fast ausschließlich Mehrfamilienhäuser anzutreffen sind. Die erste Phase wurde finanziert mit insgesamt € 30 Mio., davon € 12 Mio. aus Fremdkapital. Bezogen auf alle erschließbaren Häuser liegt der einmalige Invest bei knapp € 700 je Hausanschluss und somit weit unter den in Deutschland bekannten Beträgen! Die günstigere Bodenklasse in den Niederlanden reduziert die Tiefbaukosten sicher zum Teil. Wichtiger ist aber vermutlich der Effekt günstigerer Verlege-Technologien, z.B. in einer niedrigeren Verlege-Tiefe als den in Deutschland von den meisten Tiefbauämtern geforderten 60 cm unter der Oberfläche. Obwohl diese kostensparende Verlege-Methode in den Niederlanden schon seit einigen Jahren eingesetzt wird, ist über vermehrte Störungen, Ausfälle oder die Beeinträchtigung bei der Reparatur von anderen Versorgungsleitungen nichts bekannt.

Der Netzaufbau erlitt Verzögerungen durch die Bearbeitung von Beihilfe-Beschwerden von Seiten der Kabelnetzbetreiber. 2007 wurden die Beschwerden von der EU-Kommission nach Prüfung der Unterlagen für einen Private-Investor-Test abgewiesen. Die Gesellschafter des Citynet Amsterdam Vorhabens haben sich damit so verhalten, wie es ein privater Investor in der gleichen Situation tun würde. In den folgenden Phasen sollen sukzessive alle Häuser im Stadtgebiet angeschlossen werden.

Es könnte sich in Deutschland lohnen, Beispiele wie die aus den Niederlanden oder auch dasjenige des Regional-Betreibers Wilhelm.Tel aus Norderstedt zu prüfen. Außerdem eröffnet die Prüfung alternativer Verlege-Technologie mit niedrigerer Tiefe unter Umständen Potenziale zur Senkung der Verlegekosten, sofern die Verlegung nicht unter Nutzung von Synergien gemeinsam mit anderen Tiefbauarbeiten in den gängigen Tiefen erfolgt. Nur das Argument der zu teuren Glasfaser-Hausanschlüsse sollte endlich – in möglichst großer Tiefe – abgelegt werden, denn über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren braucht auch Deutschland flächendeckende Glasfaser-Anschlussnetze (FttB oder FttH)! Auch in Amsterdam hat es nach Projektstart ca. 10 Jahre gedauert, bis die erste Bauphase abgeschlossen werden konnte.

Jürgen Kaack 09.06.2014, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschäftsmodell Glasfaser

Das Internet verführt nicht nur immer mehr Kunden zu intensiver Nutzung, auch die zunehmende Anzahl mobiler Arbeiter, Online-Werbetreibender und Cloud-Computing nutzender Firmen lässt den Datenstrom wachsen. Damit erhöhen sich auch die Anforderungen an die Breitbanddienstleister. Was noch vor kurzem als modern und schnell galt, gilt heute bereits als langsam und rückständig. Ein Netz, das auch den Anforderungen der Zukunft standhalten soll, ist ohne Glasfaser kaum vorstellbar. Hier können verschiedene Ansätze helfen.

Mit den traditionellen Ansätzen der Telekommunikations-Industrie wird es allerdings schwierig, zu einem flächendeckenden Aufbau einer leistungsfähigen Glasfaserinfrastruktur zu kommen. Meine Analyse betrachtet die verscheidenen Ansätze und diskutiert die Trennung von Netzinfrastruktur und Diensten als eine Möglichkeit zur Umsetzung. der vollständige Text findet sich hier.

Jürgen Kaack 04.03.2010, 09.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Voraussetzungen für den Glasfaserausbau sind vorhanden

Zur Abgrenzung von Risiken können eigenständige Projekt- oder Infrastrukturgesellschaften für die passiven Breitband-Netze sinnvoll sein. Dabei bieten Private-Public-Partnership (PPP) Modelle die Chance, unterschiedliche Stärken zu verbinden. Dabei ist im Einzelfall zu entscheiden, ob die Betreibergesellschaft nur die Leerrohr-Infrastruktur baut und unterhält, oder ob auch Glasfaser eingezogen und in einem weiteren Schritt der Wertschöpfung auch „beleuchtet“ werden. Dies hängt zum einen von den vorhandenen Kompetenzen ab und ist zum anderen eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

 

Ein noch zu lösendes Problem liegt in der Gestaltung von einheitlichen Schnittstellen für die unterschiedlichen Protokolle von Diensten und Inhalten. Nur mit solchen technischen Standards kann die gemeinsame Glasfaser-Leitung auch tatsächlich in den Haushalten und Unternehmen für die unterschiedlichen Dienste und Inhalte genutzt werden! Weitere Fragen für solche offenen Strukturen sind im Zusammenhang mit Kundenbetreuung, Rechnungsstellung, Datenschutz etc. zu klären. Es muss verhindert werden, dass Anbieter mit ihren Lösungen willentlich oder unwillkürlich andere Anwendungen stören oder Netze lahmlegen. So stellt sich die Frage, ob es eine Zertifizierung oder Zulassung von Anbietern geben soll. Auch der Aspekt der Kundenbeziehung und die in der Telekommunikation immer wieder gerne diskutierte Frage der „Customer-Ownership“ bedürfen einer neuen Definition. Es wird auf dem Weg zu einer flächendeckenden Glasfaser-Infrastruktur nicht ohne eine Koordination durch eine staatliche Institution wie ein Breitband (BBCC) oder IKT-Kompetenzzentrum funktionieren. Andernfalls wird es wesentlich länger dauern und es wird viel Doppelarbeit geben, da immer wieder ähnliche Modelle aufs Neue erprobt oder verworfen werden müssen. Ländliche Regionen, die auch schon mal an den Grenzen der Ballungsgebiete anfangen, könnten ohne staatliche Koordination das Nachsehen haben und länger von einem Glasfaserausbau abgeschnitten bleiben.

 

Die wichtigen Bausteine auf dem Weg zu einem zukunftssicheren Breitbandnetz entlang der Wertschöpfungskette sind heute bereits vorhanden:

  • Hersteller von Übertragungstechnik, Glasfasern und Infrastrukturkomponenten sind vorhanden und verfügen über erforderliche Systeme
  • Regionale Betreiber- oder Projektgesellschaften für die passive Infrastruktur (Leerrohr-System) können gemeinsam mit Kommunen, Stadtwerken, Versorgern und anderen Institutionen gebildet werden
  • ·Betreiber-Gesellschaften für offene Netzplattformen, die die Übertragung über die regionalen Netze ermöglichen und Anbietern von Telekommunikations-Diensten, Anwendungen und Inhalten den Zugang ermöglichen können unter Einbeziehung von bestehenden Netzbetreibern gebildet werden
  • Angebote von Diensten und Inhalten sind bereits heute vorhanden (z.B. von den Netzbetreibern, Kabelfernsehgesellschaften und Medienanbietern) und werden sich bei Vorhandensein offener Plattform schnell erweitern um neue mittelständische Unternehmen
  • Vermarktung und Kundenbetreuung wird bereits heute durch unterschiedliche Unternehmenstypen (Netzbetreiber, ISP, Kabelnetzbetreiiber, Diensteanbieter, Reseller, MVNO etc.) realisiert
  • Kundengeräte (Router, Antennen, Settop-Boxen etc.) werden auf bei neuen Übertragungstechniken benötigt. Bei wachsendem Markt und einer Standardisierung ist hier nicht mit Engpässen zu rechnen. Vermutlich werden auch zukünftig Produktbündel bei längeren Vetragslaufzeiten preisreduziert angeboten

 

Der größte Schritt auf dem Wege zu einer Breitband-Infrastruktur liegt nicht in der Schaffung der „neuen“ Wertschöpfungsstufe der regionalen Betreibergesellschaften für passive Leerrohr-Netze, sondern in der Öffnung der bislang weitgehend geschlossenen vertikalen Geschäftsmodelle hin zu offenen Strukturen mit Schnittstellen und Standards für die Anbindung von Angeboten dritter Anbieter.

Jürgen Kaack 21.12.2009, 09.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Organisation eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC)

Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, von Breitband-Kompetenzzentren. Es wäre naheliegend, ein bundesweit agierendes BBCC dem Bundes-Wirtschaftsministerium anzugliedern und in ein gemeinsames Netzwerk mit den in einigen Bundeländern eingerichteten Kompetenzzentren ein zubinden. Wenn ein bundesweit agierendes Breitband-Kompetenzzentrum eingerichtet wird, empfiehlt es sich, die Mitarbeiter sowohl mit in den Abläufen der Verwaltung und des Ministeriums vertrauten Managern als auch mit erfahrenen Telekommunikations-Experten zu besetzen, die die „Sprache“ der Anbieter sprechen und Konzepte technologisch und wirtschaftlich bewerten können.

Die Aufgaben eines BBCC sind sehr breit und daher werden für die Organisation Mitarbeiter benötigt, die die vorhandenen Förderprogramme und Förderbedingungen kennen, aber auch neue Programme mitgestalten und verhandeln können. Als Ansprechpartner für die Bundesnetzagentur werden Mitarbeiter mit juristischen Kenntnissen im Bereich der Telekommunikations-Regulierung benötigt. Ebenso werden aber auch Experten für die Beurteilung von Übertragungstechnologien und zur Diskussion von technischen Konzepten mit Anbietern und Netzbetreibern benötigt. Da alle Lösungen, sowohl im Hinblick auf Betreiber-Gesellschaften für Infrastruktur als auch für die Entwicklung von Breitband-Applikationen von dem erzielbaren wirtschaftlichen Nutzen geprägt sein sollten, werden Experten zur Beurteilung von Geschäftsplänen und zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsanalysen benötigt.

Alle Aufgaben zielen nicht auf akademischen Erkenntnisgewinn sondern auf pragmatische, im kommunalen Umfeld umsetzbare Lösungen. Die Mitarbeiter eines BBCC müssen daher nicht nur Experten in ihrem Bereich sein, sondern auch Generalisten mit der Fähigkeit zur verständlichen Kommunikation. In vielen Bereichen der praktischen Umsetzung werden Kompromisse mit Augenmaß vor der Realisierung theoretischer Ideale stehen, so dass Pragmatismus und Verhandlungsgeschick insbesondere die Arbeit vor Ort in Kreisen und Kommunen kennzeichnen sollte. Die Entwicklung von Modellprojekten erfordert einerseits die Offenheit und Unvoreingenommenheit für neue technische oder organisatorische Lösungen, andererseits den Weitblick zur Verallgemeinerung auf die Situation in anderen Kommunen.

Der Umgang mit Breitband-Strukturen und Anwendungen ist in vieler Hinsicht komplex, sei es von technologischer, rechtlicher oder wirtschaftlicher Seite. Einzelne Kommunen sind hierbei oftmals ebenso überfordert wie einzelne Anbieter. Die nachhaltige Konzeption für ein „Breitband-fähiges“ Deutschland braucht eine langfristige Perspektive über mehrere Jahrzehnte. Dabei gilt es nicht nur das „große“ Bild zu erstellen, sondern im Kleinen in den Kommunen zum Leben zu erwecken. Heutige Versäumnisse im Aufbau von Infrastrukturen rächen sich in der Zukunft entweder durch Nachteile in der Wettbewerbsfähigkeit oder in unverhältnismäßig hohen Investitionsaufwänden. Bei dem hohen Stellenwert, den die Telekommunikation im Ganzen und Breitband im Speziellen für die Entwicklung von Gesellschaft und Unternehmen einnimmt, ist die Einrichtung eines auf diese Belange ausgerichteten Breitband-Kompetenzzentrums die richtige Antwort.

Jürgen Kaack 04.11.2009, 11.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Modellprojekte für Breitband-Anwendungen

Zu den Modellprojekten, die über ein neu zu schaffendes Breitband-Kompetenzzentrum (BBCC) entwickelt werden, sollten nicht nur solche für den Ausbau der Breitbandnetze gehören, sondern auch zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen. Zwar wächst der Bedarf nach Bandbreite bedingt durch wachsende Nutzerzahlen und eine steigende Intensität in der Nutzung stetig weiter. Zusätzlicher Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft entsteht allerdings erst durch die Entwicklung und Einführung von Applikationen. Dabei gibt es keinen gesellschaftlich oder wirtschaftlich relevanten Bereich, der nicht durch Breitband-Applikationen verbessert werden kann. Beispiele sind Bildungsplattformen für die schulische und berufliche Aus- und Weiterbildung, Telemedizin-Anwendungen, Lösungen für den Bereich der Pflege zuhause, Smart-Grid-Anwendungen für die Optimierung der Energieerzeugung und –Verteilung. Viele der möglichen Anwendungen kommen der Allgemeinheit zugute und sollten entsprechend gefördert werden. Rein privat-wirtschaftliche Lösungen entstehen dagegen in der Regel auch ohne die Förderung ein Kompetenzzentrum und brauchen keine Begleitung durch ein Bundes-BBCC. Anders sieht dies allerdings für solche Lösungen aus, die die Effizienz in der Verwaltung und das Zusammenwirken von Verwaltungen mit Bürgern  und Unternehmen betreffen. Die Entwicklung hierfür geeigneter eGovernment-Applikationen kann durchaus im Interesse der Allgemeinheit liegen und mittelfristig bei der Senkung der Kosten helfen.

 

Die Entwicklung von Applikationen wirft neben den rein technischen Herausforderungen und der Akzeptanz durch die Nutzer weitere Fragestellungen, die durch ein bundesweit agreierendes Kompetenz-Zentrum unterstützt werden könnten. Dies trifft die Aspekte der Rechteverwertung („Intellectual Property Rights“ – IPR), die gerade bei gemeinsamen Entwicklungsvorhaben mehrerer Partner gelegentlich zu wenig Beachtung finden, sich nach einer erfolgreichen Entwicklung aber als kritischer Erfolgsautor für die Umsetzung erweisen können. Dies trifft umso eher zu, wenn ungleiche Partner wie Konzerne und mittelständische Unternehmen zusammen wirken. Neben den IPR ist bereits früh bei der Planung von neuen Applikationen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Beiträge der Partner bewertet werden, gegebenenfalls Lücken identifiziert und die Wirtschaftlichkeit ermittelt wird. Die Entwicklung von Breitband-Applikationen sollte nicht von technischen Möglichkeiten ausgehen, sondern von einem konkreten Bedarf und einem quantifizierbaren Nutzen der potenziellen Käufer.


Als erfolgreich für die Entwicklung neuer Breitband-Anwendungen hat sich das PPP-Modell (Private-Public-Partnership) zwischen der Deutschen Telekom und der Stadt Friedrichshafen am Beispiel des T-City Projekts (www.t-city.de) erwiesen, wenn interessierte Anwender-Organisationen zusammen mit Herstellern Spezifikationen entwickeln und die Risiken der Umsetzung teilen. Breitband-Anwendungen sind grundsätzlich in allen Lebenslagen sinnvoll nutzbar. Die Wirtschaft hat die Vorteile schon längst erkannt und setzt eine Reihe von Breitband-Anwendungen erfolgreich um, z.B. für eCommerce und Kollaboration. Ähnlich wie beim Breitband-Ausbau sind die Investitionen oft zu hoch für einzelne Institutionen und die Technologie komplex, zusätzlich ist das Anfangsrisiko einer Neuentwicklung in der Regel hoch und der Aufbau von Pilotanwendungen aufwändig. Umso mehr bietet sich dieses Betätigungsfeld als eine weitere Aufgabe für ein Anbieter-neutrales Breitband-Kompetenzzentrum des Bundes (BBCC-Bund) an.

Jürgen Kaack 30.10.2009, 09.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Modellprojekte für Infrastrukturaufbau fördern

Beim Breitband-Ausbau verfolgt jede Kommune  ihre eigenen Ziele und Vorstellungen, aber in der Regel sind auch die jeweiligen Voraussetzungen und Möglichkeiten. unterschiedlich Alleine topographische Randbegingungen erfordern meist eine individuelle Lösungskonzeption. Bei allen Unterschieden gibt es doch auch viele wiederkehrende Elemente. Es sollte immer als langfristiges Ziel der Glasfaser-Ausbau bis zum Hausanschluss (FttH) verfolgt werden und es sollten möglichst immer regionale Netze als Open-Access-Lösungen angestrebt werden. Nur so kann Dienstewettbewerb auch auf lokaler Ebene realisiert und die Gründung neuer mittelständischer Unternehmen angeregt werden.

Um tragfähige Konzepte zu schaffen und nicht bei jeder Kommune wieder aufs Neue ähnliche Analysen und Konzeptionen zu erstellen, bietet es sich geradezu an, Modellprojekte zu realisieren und so zu gestalten, dass sich die wichtigsten Ergebnisse auf vergleichbare Situationen in anderen Kommunen übertragen lassen. Die Breitband-Kompetenzzentren der Bundesländer verfolgen diesen Weg teilweise und mit unterschiedlichen Ressourcen. So wäre es eine naheliegende Möglichkeit, ein Breitband-Kompetenzzentrum des Bundes (BBCC-Bund) mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Die Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den Länder-BBCC sollte eine erhebliche Effizienzsteigerung ermöglichen.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit eines BBCC-Bund sollte daher die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern sein und die Kommunikation von Ergebnissen aus den Modellprojekten und dem hierbei erarbeiteten exemplarischen Vorgehen. Die gezielte Initiierung und Begleitung von Modellprojekten ist dabei ein wichtiger Schritt, da Modellprojekte nur selten alleine durch die Initiative lokaler Beteiligter entstehen. Zu den Gemeinsamkeiten, die über Modellprojekte entwickelt und multipliziert werden können, gehören insbesondere die Netz-Konzeption und der Aufbau von Betreibergesellschaften für regionale Zugangsnetze auf Kreisebene. Hierbei geht es nicht nur um die Lösung von technologischen Migrationsfragen, sondern auch um die Gestaltung von Geschäftsmodellen und Kooperationen. Die Einbindung von Kommunen und Kreisen in Betreibergesellschaften (z.B. durch Bildung von Private-Public-Partnerships - PPP) kann die nachhaltige Entwicklung im Sinne der Regionalentwicklung fördern und absichern.


Zu den Aufgaben eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC) des Bundes sollte allerdings neben der Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten die Beratung von Kreisen und Kommunen durch eigene Experten (oder durch Experten der Landes-Kompetenzzentren) gehören, die den Aufbau von regionalen Netzen z.B. durch Projektmanagement-Leistungen oder auch auf Interimsbasis vor Ort vorantreiben können.
Zur Unterstützung von Kommunen beim Breitband-Ausbau ist eine kompetente und Anbieter-neutrale Unterstützung letztlich ebenso erforderlich wie die notwendige finanzielle Förderung der Umsetzung. Die Bewertung von Aufbaukonzepten und Phasenmodellen für die zeitliche Entwicklung aus einer Technologie- und Anbieter-neutralen Perspektive und unter Berücksichtigung der absehbaren technologischen Entwicklung kann Vertretern von Verwaltung und Politik bei der Entscheidungsvorbereitung und beim Ausräumen von Bedenken helfen.

Jürgen Kaack 28.10.2009, 10.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aufgaben für ein Breitband-Kompetenzzentrum

Bei der Lösung dieser Problemstellungen kann ein übergeordnetes Breitband-Kompetenzzentrum (BBCC) durch kompetente Information, Beratung, Koordination und operative Unterstützung beschleunigend wirken. Ein erfolgversprechendes BBCC muss dabei unabhängig von Anbieter- und Hersteller-Interessen agieren und durch einen engen Informationsaustausch mit nationalen und internationalen Institutionen nach den besten Lösungen („Best Practises“) suchen, um diese zu multiplizieren. Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, die aber auch nicht die erforderliche Befugnisse und Ausstattung haben. Es wäre naheliegend ein bundesweit agierendes BBCC dem Bundes-Wirtschaftsministerium anzugliedern und in ein gemeinsames Netzwerk mit den in einigen Bundeländern eingerichteten Kompetenzzentren ein zubinden. Zu den primären Aufgaben eines übergeordneten Breitband-Kompetenzzentrums gehören daher:

  • Sammlung, Bewertung und Aufbereitung von Informationen zu Breitband-Technologien und internationalen Best-Practise  Beispielen
  • Kommunikation gegenüber anderen Behörden, Kreisen und Kommunen
  • Enge Koordination und Abstimmung mit der Bundesnetzagentur, mit Netzbetreibern Herstellern und deren jeweiligen Branchen-Verbänden sowie den Kompetenzzentren der Länder
  • Zusammenarbeit mit den EU-Behörden für die Ausgestaltung der Förderprogramme
  • Vor-Ort-unterstützung von Kommunen und Kreisen beim Breitband-Ausbau durch eigene Experten (oder durch Experten der Landes BBCC)
  • Entwicklung von Konzepten für regionale Zugangsnetze (z.B. als PPP zwischen Kreisen und Netzbetreibern) und operative Unterstützung bei der Umsetzung
  • Aufbereitung von Modellprojekten für eine weitere Multiplikation
  • Unterstützung von Modellprojekten für innovative Breitband-Applikationen

Jürgen Kaack 27.10.2009, 10.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

T-City bekommt neuen Projektleiter

Das T-City Projekt Friedrichshafen bekommt knapp zwei Monate nach meinem Ausscheiden als Projektleiter für die Stadt Friedrichshafen einen neuen Projektleiter. Für die Fortführung dieses einmaligen Breitband-Innovationsprojektes ist das eine wichtige Entscheidung. Nach zwei Jahren als Projektleiter und der Gestaltung der Prozesse und der Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und den Projektpartnern kann ich die Herausforderung in dieser Aufgabe würdigen. Der neue Projektleiter hat bereits in der Rolle als Projektpartner von mehreren T-City Einzelprojekten Erfahrungen mit dem Innovationsprojekt sammeln können und startet somit gut vorbereitet.

Ich hoffe, dass es gelingt, in der zweiten Projekthälfte die Arbeit in den sechs Projektfeldern erfolgreich aus zu bauen und weitere innovative Projekte mit hohem Nutzen für die Anwender zu identifizieren und umzusetzen. Dann kann das Projekt seine Rolle als Leuchtturm-Projekt für andere Städte weiter ausfüllen. So kann Friedrichshafen Vorbild für andere Städte sein, die sich auf den manchmal steinigen Weg zur Smart-City machen.

Zu dem Wechsel in der Projektleitung findet sich ein Artikel bei Südkurier.

Jürgen Kaack 23.10.2009, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Kompetenz-Zentrum des Bundes kann den Breitband-Ausbau fördern

Zur Unterstützung von Kommunen beim Breitband-Ausbau ist eine kompetente und Anbieter-neutrale Unterstützung ebenso notwendig wie die finanzielle Förderung. Wenn auch die konkrete Situation in jeder Kommune anders ist, so gibt es doch Gemeinsamkeiten, die über Modellprojekte entwickelt und multipliziert werden können. Dies betrifft insbesondere die Förderung der Bildung von Betreibergesellschaften für regionale Zugangsnetze auf Kreisebene. Landesspezifisch gibt es bereits unterschiedliche Unterstützungsangebote, die aber auch nicht die erforderliche Befugnisse und Ausstattung haben. Daher erscheint die Bildung eines Breitband-Kompetenz-Zentrums auf Bundesebene als ein sinnvoller Schritt für eine effizientere Umsetzung des Breitband-Ausbaus in der Fläche.

 

Zu den Aufgaben eines Kompetenzzentrums sollte neben der Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten die Beratung von Kreisen und Kommunen durch eigene Experten gehören, die den Aufbau von regionalen Netzen z.B. auch auf Interimsbasis vor Ort vorantreiben können. Die Bewertung von Aufbaukonzepten und Phasenmodellen für die zeitliche Entwicklung aus einer Technologie- und Anbieter-neutralen Perspektive und unter Berücksichtigung der absehbaren technologischen Entwicklung kann Vertretern von Verwaltung und Politik bei der Entscheidungsvorbereitung und beim Ausräumen von Bedenken helfen.

 

Ein anderer Schwerpunkt wird die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern sein und die Kommunikation von Ergebnissen aus den Modellprojekten und dem erarbeiteten exemplarischen Vorgehen. Zu Modellprojekten, die über das Kompetenzzentrum entwickelt werden, sollten nicht nur solche für den Ausbau der Breitbandnetze gehören, sondern auch zur Entwicklung von innovativen Breitband-Anwendungen. Zwar wächst der Bedarf nach Bandbreite bedingt durch wachsende Nutzzahlen und eine steigende Intensität in der Nutzung stetig weiter. Zusätzlicher Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft entsteht allerdings erst durch die Entwicklung und Einführung von Applikationen. Als erfolgreich für die Entwicklung neuer Lösung hat sich das PPP-Modell am Beispiel des T-City Projektes Friedrichshafen erwiesen, wenn interessierte Anwender-Organisationen zusammen mit Herstellern Spezifikationen entwickeln und die Risiken der Umsetzung teilen. Breitband-Anwendungen sind grundsätzlich in allen Lebenslagen sinnvoll nutzbar. Die Wirtschaft hat die Vorteile schon längst erkannt und setzt eine Reihe von Breitband-Anwendungen erfolgreich um, z.B. für eCommerce und Kollaboration. Aber auch im Bildungssektor, für den Gesundheitsbereich, die Energie- und Wohnungswirtschaft, die Mobilität sowie für eGovernment-Prozesse gibt es Nutzen-schaffende Lösungen. Auch hier ist das Anfangsrisiko einer Neuentwicklung hoch und der Aufbau von Pilotanwendung aufwändig, auch dies ist einer der Erfahrungen aus dem T-City Projekt. Umso mehr bietet sich dieses Betätigungsfeld für ein Anbieter-neutrales Breitband-Kompetenzzentrum an.

 

Die Entwicklung von Applikationen wirft neben den rein technischen Herausforderungen und der Akzeptanz durch die Nutzer weitere Fragestellungen, die durch ein bundesweit agreierendes Kompetenz-Zentrum unterstützt werden könnten. Dies trifft die Aspekte der Rechteverwertung („Intellectual Property Rights“ – IPR), die gerade bei gemeinsamen Entwicklungsvorhaben mehrerer Partner gelegentlich zu wenig Beachtung finden, sich nach einer erfolgreichen Entwicklung aber als kritischer Erfolgsautor für die Umsetzung erweisen können. Dies trifft umso häufiger zu, wenn ungleiche Partner wie Konzerne und mittelständische Unternehmen zusammen wirken. Neben den IPR ist bereits früh bei der Planung von neuen Applikationen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Beiträge der Partner bewertet werden, gegebenenfalls Lücken identifiziert und die Wirtschaftlichkeit ermittelt wird. Auch die Entwicklung von Breitband-Applikationen sollte nicht von technischen Möglichkeiten ausgehen, sondern von einem konkreten Bedarf und einem quantifizierbaren Nutzen der potenziellen Käufer. Selbst bei Beachtung dieser Aspekte bleiben typischerweise noch genügend Unwägbarkeiten und Risiken für die Umsetzung, so dass neben der Unterstützung in der Ausgestaltung neuer Vorhaben gemeinsam mit den beteiligten Partnern durch die Mitarbeiter des Kompetenz-Zentrums auch die Unterstützung bei der Beschaffung von Fördermitteln sinnvoll sein dürfte.

Jürgen Kaack 15.10.2009, 10.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aufbau regionaler Breitband-Zugangsnetze fördern

Bei Problemen in der Breitband-Versorgung stehen die betroffenen Kommunen heute in der Regel alleine da, um eine Lösung zu finden. Eine Breitband-Unterversorgung findet sich oft begrenzt auf einzelne Ortsteile in einer  Kommune und selbst wenn benachbarte Kommunen betroffen sind, ist eine interkommunale Zusammenarbeit alles andere als selbstverständlich. Dabei ist es noch ein weiter Schritt von der Zusammenarbeit zweier benachbarter Kommunen bis zu einer Initiative auf Kreisebene. Dabei wäre aber gerade eine Voraussetzung für eine erfolgversprechende und nachhaltige Lösung des Breitband-Problems. Eine Einigung im Kreistag ist durch die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Kommunen und der notwendigen Einigung einer Finanzierung durch eine Kreisumlage auf der anderen Seite keine triviale Aufgabe!

Breitband-Zugangsnetze sollten für alle interessierten Netzbetreiber und Diensteanbieter zugänglich sein, wie es auch in der Breitbandstrategie richtigerweise als Open-Access Netz gefordert wird. Ein Open-Access Netz braucht aber eine Mindestgröße, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Einzelne, heute unterversorgte Ortschaften erfüllen diese Voraussetzungen in der Regel nicht. Wird der Betrachtungsansatz größer gewählt, z.B. auf Kreisebene, so ergeben sich durchaus tragfähige Geschäftsmodelle.

 

Die erforderlichen regionalen Betreibergesellschaften benötigen selber keine große Organisation und auch keine größeren Marketing-Budgets. Diese Organisationen haben vielmehr den Geschäftszweck, ein eigenes Glasfasernetz aufzubauen und zu betreiben, das von den nationalen Backbone-Netzen bis zu den einzelnen Kabelverzweigern in den Ortschaften reicht. Den Ausbau der Übertragungstechnik in den Kabelverzweigern übernehmen bei diesem Modell die Anschluss-Netzbetreiber. Nutzen mehrere Anschluss-Netzbetreiber das regionale Zugangsnetz, dann können durchaus auch unterschiedliche Übertragungstechniken zum Einsatz kommen. Die Vermarktung erfolgt an Teilnehmer-Anschluss-Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Versatel oder regionale Netzbetreiber, die ihrerseits das Geschäft mit dem Verbraucher auf eigene Rechnung betreiben. Sofern Kommune oder Kreise Gesellschafter solcher regionaler Netzbetreiber sind (z.B. im Rahmen einer PPP), ist das unmittelbare Geschäft mit Verbrauchern auch rechtlich untersagt. Selbst wenn es diese Beschränkung nicht gäbe, wäre es unternehmerisch wohl nur in Ausnahmefällen sinnvoll, die Vertriebsleistung und Kundenbetreuung der bestehenden Betreiber nicht zu nutzen.

 

Regionale Betreiber-Gesellschaften ermöglichen einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern in den einzelnen Kommunen und Ortschaften und vermeiden den teuren Aufbau von parallelen Infrastrukturen bzw. wirken einem Fernbleiben von Wettbewerbern entgegen, wenn bereits ein anderer Betreiber in der Region tätig ist. Dabei vermeiden sie durch eine gesamthafte Planung für die Region die Entstehung von Insellösungen in einzelnen Ortschaften, die sich später nur schwer in ein Gesamtkonzept integrieren lassen. Zudem können die Betreiber-Gesellschaften ein Nukleus für den späteren Ausbau des Netzes in Richtung von Fiber-to-the-Home Anschlüssen sein. Solche Ansätze haben das Potenzial, auch über das mittelfristige Ziel von Anschlüssen mit 50 MBit/s hinaus zukunftssicher zu sein. Es bietet sich an, regionale Betreiber-Gesellschaften in Form von Private-Public-Partnerships (PPP) zwischen Kreisen und Kommunen auf der einen Seite und technischen Dienstleistern auf der anderen Seite zu organisieren, um eine effiziente Lösung zu erreichen.

 

Ein Hindernis auf dem Weg zur Umsetzung sind oft einerseits die Einigung im Kreistag und zum anderen die Finanzierung über eine Kreisumlage. Eine auf einzelne unterversorgte Ortschaften ausgerichtete Förderung ist bei der Umsetzung nur bedingt hilfreich. Sinnvoll wäre eine Finanzierung der Betreibergesellschaft aus Fördermitteln auf der Basis eines ausgearbeiteten Geschäftsplans. Durch die mit dem Netzaufbau verbundenen Tiefbauarbeiten entstehen meist hohe Vorlaufkosten und ein Payback stellt sich in der Regel erst nach fünf bis sieben Jahren ein. Für interessierte Kreise würde eine Förderung der Kosten zur Verlegung von Leerrohren und die Errichtung anderer passiver Netzkomponenten die Umsetzung erheblich erleichtern. Da gleichzeitig keine Förderung von Einzelmaßnahmen in den unterversorgten Ortschaften mehr erforderlich wird, dürfte es kaum zu einer Erhöhung des Fördervolumens kommen.

 

Erste Kreise sind in fortgeschrittenen Überlegungen für den Aufbau von regionalen Betreibern oder auch bereits in der Umsetzungsphase. Dies trifft z.B. auf den Hochsauerlandkreis zu, aber auch auf die Kreise Coesfeld und Borken. Allerdings handelt es bislang nur um wenige vereinzelte Kreise und zum anderen entwickelt sich die Umsetzung vermutlich aufgrund von Finanzierungsengpässen eher schwerfällig. Dabei stellt eine Investition in eine zukunftssichere Breitband-Infrastruktur eine wesentliche Investition in die Strukturentwicklung einer Region dar.

Jürgen Kaack 14.10.2009, 09.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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