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Tag: NGA

Interview zu Hemmnissen für den Glasfaser-Ausbau

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt unbestreitbar voran, die Zahl der "Weißen Flecken" mit weniger als 2 Mbit/s hat seit 2007 deutlich abgenommen und beschränkt sich mit ca. 5% der Anschlüsse überwiegend auf Randlagen von Ortschaften und auf abgelegene Siedlungen mit niedriger Bevölkerungszahl, die nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten ausgebaut werden können.

In den letzten Monaten rückt die Frage nach höheren Geschwindigkeiten oberhalb der Grundversorgung in den Fokus. Die nächste Stufe sind 30 Mbit/s, um die von der EU definierte NGA (Next-Generation-Access) Geschwindigkeit zu erreichen. Die Umsetzung kann mit unterschiedlichen Technologien erfolgen, Mobilfunk (insbesondere LTE), DSL (zukünftig mit Vectoring bis zu 100 Mbit/s) oder Kabelnetzen (derzeit schon bis 150 Mbit/s).

Damit nicht in regelmäßigen Abständen aufgrund steigender Geschwindigkeits-Anforderungen und steigender Datenvolumina zu teure Umrüstungen erforderlich werden, sollte zumindest in einem mittelfristigen zeitlichen Rahmen ein flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetz realisiert werden. Es gibt keine höhere Übertragungsgeschwindigkeit als die Lichtgeschwindigkeit und auch das übertragene Datenvolumen kann nahezu beliebig erhöht werden. Der Nachteil der Technologie ist alleine die erforderliche hohe Investitionssumme, da in erheblichem Maße Tiefbauarbeiten bis zu jedem Hausanschluss zu erbringen sind. Als Folge ergeben sich lange Amortisationszeiten, die für viele Netzbetreiber nicht akzeptabel sind. Es werden neue Geschäftsmodelle benötigt, die Netze und Dienste trennen.

Neben kommunalen Institutionen (insbesondere Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen) sind auch vereinzelt privatwirtschaftliche Unternehmen mit dem Geschäftsmodell des Infrastrukturbetreibers tätig. Diese Unternehmen müssen neben der Beschaffung erheblicher Kapitalbeträge die Koordination und Organisation einer vergleichsweise komplexen Aufgabe bewältigen und werden dann nicht selten mit einer schwachen Akzeptanz bei den potenziellen Kunden konfrontiert, gemessen in Prozent als Take-up Rate. Je nach unternehmerischen und regionalen Voraussetzungen sind 30 bis 70% der Haushalte erforderlich, um die Netzausbau rentabel zu gestalten. Schon ab einer Verfügbarkeit von 6 Mbit/s sinkt die Wechselbereitschaft erheblich und ab 16 Mbit/s reicht sie in der Regel nicht mehr aus. Dies ist kurzsichtig, da nach einem erfolglosen Versuch der Bedarfsbündelung durch einen privatwirtschaftlichen Betreiber zunächst über längere Zeit kaum ein anderer Anbieter einen neuen Versuch starten wird und letztlich die dann doch erforderliche Investition wieder unter Nutzung öffentlicher Mittel erfolgen muss.

Zu dieser Thematik am Beispiel der Ausbauaktivitäten in der Stadt Wegberg und im Kreis Heinsberg habe ich vor ein paar Tagen ein Interview gegeben, dass unter diesem Link abgerufen werden kann.

Jürgen Kaack 07.06.2014, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandausbau durch Stadtwerke ein Beihilfe-Tatbestand?

Der Bau von Glasfaser-Anschlussnetzen erfordert hohe Investitionen und kann aus wirtschaftlichen Gründen kaum von den Netzbetreibern alleine gestemmt werden. Aufgrund der Nähe zu ihrem Kerngeschäft sind Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen eigentlich prädestiniert, den Aufbau der passiven Infrastruktur zu übernehmen und diese an Netzbetreiber zu vermieten.

Nur nach welchen Regeln soll dies erfolgen, handelt es sich bei diesem Geschäft um eine durch die EU geregelte Beihilfe und einen Eingriff in den Wettbewerb? In diesem Fall müssten die Regeln von Bundesrahmenregelung Leerrohre und zukünftig NGA-Rahmenregelung eingehalten werden. Um die Beihilfe-Frage zu entscheiden, kommt ein Private-Investor-Test in Betracht, der beantworten soll, ob sich das kommubnale Unternehmen so verhält wie ein typischer privater Investor. Die Regeln für diesen Test sind schwammig und bieten Interpretationsspielraum.

Gleichzeitig wird der in den Beihilfe-Regelungen mit Recht eingeforderte offene Netzzugang mit der neuen Vectoring-Technologie auf VDSL-Basis auf eine Bitstream-Zugang weitgehend eingeschränkt und die Kabelnetzbetreiber können ebenfalls aus technischen Gründen anderen Netzbetreibern keinen tatsächlichen Netzzugang ermöglichen.

Für Stadtwerke soll dies aber gefordert werden? Und die Deutsche Telekom legt Beihilfebeschwerde gegen Versorger ein, die möglicherweise Synergien mit dem Kerngeschäft zur Errichtung von TK-Netzen nutzen, wie dieser Artikel vermuten lässt?

Aufgrund der Quersubventionsproblematik grenzen viele Stadtwerke Leerrohrverlegungen für TK-Zwecke oft aus oder betreiben zumindest eine getrenne Rechnungslegung. Trotzdem kann die Leerrohr-Verlegung bei der Nutzung von Synergien durch den angesetzten Kostenverteilungsschlüssel gestaltet werden. Wie sollten Stadtwerke also ihre Kalkulation gestalten, so dass keine Beihilfe unterstellt werden kann? Eine vollständig getrennte Verlegung ohne die Nutzung anderer Tiefbaumaßnahmen verhindert  jeden großflächigen Ausbau und die Mitverlegung bietet Ansätze zur Infragestellung der Kalkulationsansätze.

Eigentlich wäre die Politik gefordert, denn so lange es keine allgemein verbindlichen Regeln für einen Private-Investor-Test gibt, besteht die Gefahr der Beliebigkeit oder auf der anderen Seite des langfristigen Streits über Einzelansätze. Für Juristen ist das sicher eine schöne und ergiebige Spielwiese, für die beteiligten Akteure stellt es ein erhebliches Risiko dar.

Um sicher zu gehen, müsste ein Stadtwerk seine Planungen und Kalkulationen vor Beginn der Umsetzung an die EU-Kommission zur Prüfung geben. Nach welchen Maßstäben dann entschieden wird, bleibt im Ungewissen. Ein solcher Ansatz bringt zusätzlichen Aufwand für ein Stadtwerk. Wenn sich Stadtwerke entscheiden, im Sinne der Nachhaltigkeit heute Leerrohrsysteme verlegen, um in ca. 10 Jahren ein geschlossenes Glasfaser-Anschlussnetz geschaffen zu haben, dürfte es schwer sein, die Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Wie wird in 10 Jahren eine marktübliche TAL-Miete aussehen? Wie hoch ist der Nutzungsgrad im Sinne einer Take-up Rate anzusetzen? Unter Umständen ist bei einem Investor-Test eine mögliche spätere Mitnutzung für die Smart-Grid Steuerung zu berücksichtigen.

Die Beschäftigung mit dem Breitbandausbau wird für Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen durch die Beihilfebeschwerde der Telekom nicht einfacher. Und die Politik unterstützt zwar die Nutzung von Synergien für den Netzausbau, lässt die Akteure bislang bei der konkreten Umsetzung im Stich.

Jürgen Kaack 03.06.2014, 09.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schnelles Internet in der Stadt Wegberg verfügbar!

Die Stadt Wegberg im Kreis Heinsberg mit knapp 28.000 Einwohnern ist eine der ersten Städte im ländlichen Raum, die mit Vectoring (fast) flächendeckend versorgt werden und auch in der Kernstadt kein Kabel-TV Netz haben!

Trotzdem ist Vectoring eine Brückentechnologie und in 10 bis 15 Jahren muss die Kupferdoppelkader durch ein leistungsfähigeres Glasfaser-Anschlussnetz ersetzt werden. Für die Kommunen bleibt die Beschäftigung mit dem Breitbandausbau ein Langfrist-Thema.

Ein Artikel zur Freischaltung des Netzausbaus findet sich bei der RP.

Neben der Telekom baut die Deutsche Glasfaser einzelne Ortsteile in Wegberg mit zukunftssicheren Glasfaseranschlussnetzen aus, z.B. in Rath-Anhoven. Leider sind die Ausbauaktivitäten der Deutschen Glasfaser in letzter Zeit ins Stocken geraten. Dies wird vermutlich einige Haushalte mit Vorverträgen zu einer Kündigung und einer Rückkehr zur Telekom bewegen.

Jürgen Kaack 22.05.2014, 18.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau in NRW

Am 19.03.2014 hat sich der Wirtschaftsauschuss im Düsseldorfer Landtag mit dem Breitbandausbau in NRW beschäftigt und insbesondere die Möglichkeiten zur zukünftigen Finanzierung über europäischen EFRE-Mitteln erörtert.

Bei der Sitzung konnte ich als Experte meine auf der Basis der Erfahrungen der letzten Jahre gesammelten Erkenntnisse und meine Schlussfolgerungen zu den Optionen und Erfordernissen einbringen. Die Pressemitteilung des Landtags dokumentiert die Ergebnisse.

In NRW fehlt aus meiner Einschätzung nach wie vor eine tragfähige Strategie für den nachhaltigen Breitbandausbau. Die bislang kommunizierten Ausbau-Ziele geben im Wesentlichen nur die Ziele der Netzbetreiber wieder und sind nicht mit Maßnahmen und Meilensteinen unterlegt. Dabei wäre es Insbesondere notwendig, den weiteren Weg von der Grundversorgung zu NGA-Strukturen - insbesondere in Form von Glasfaser-Anschlussnetzen - zu konkretisieren und gemeinsam mit Kreisen und Kommunen auszugestalten.

Der Anfang 2014 eingeführte "runde Tisch" ist eine grundsätzlich richtige Maßnahme, aber für das Erreichen von konkreten Zielen bedarf es im Vorfeld ebenfalls einer verabschiedeten Strategie. Der diskutierte Einsatz von Fördermitteln aus dem europäischen EFRE-Programm kann auf jeden Fall nur ein - eher unbedeutendes - Element sein.

Jürgen Kaack 14.05.2014, 16.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Protokoll zur Breitband-Anhörung im Landtag

Das Protokoll zur Anhörung im Düsseldorfer Landtag zum "Fahrplan zum Breitbandausbau für NRW" am 11.09.2013 liegt jetzt zum Download auf der Seite des Landtags NRW bereit. Konkrete Ergebnisse sind für die nächste Zeit aber wohl nicht zu erwarten, vor allem hat NRW nach wie vor keine Breitband-Strategie. Anders als in Hessen und Bayern wird es anscheinend wohl auch keine speziellen NGA-Programme für Hochleistungsnetze geben.

Somit bleibt es Aufgabe von Kreisen und Kommunen, den Breitbandausbau voran zu treiben. Einige Gebiete werden wohl auch von dem geplanten Vectoring-Ausbau (VDSL2) profitieren, da hierbei ganze Vorwahlgebiete anstatt einzelner Kabelverzweiger-Gebiete betrachtet und erneuert werden.

Während es z.B. in Hessen eine durchgängige Organisationsstruktur vom Ministerium über die Institution Hessen-IT, den Fördergeber WI-Bank, regionale Breitband-Berater bis zu Breitband-Koordinatoren in den Kreisen und Kommunen gibt, bietet das Land NRW eigentlich nur die Institution Breitband.NRW als Informationsportal und die Finanzierungsprogramme der NRW.Bank.

Kommunen sind gut beraten, wenn sie selber aktiv werden und im Idealfall die Funktion eines Breitband-Koordinators in der Verwaltung schaffen und Informationen sammeln und aufbereiten, die für einen Breitbandausbau hilfreich sein können. Über Markterkundungsverfahren lässt sich dann in Erfahrung bringen, welche Ausbaupläne die Netzbetreiber haben.

Sofern dies nicht reicht und sich kein Ausbau ohne öffentliche Zuwendungen eröffnet, sind konzeptionelle Schritte erforderlich und im Regelfall die Bereitstellung von Haushaltsmitteln.

 

Jürgen Kaack 19.12.2013, 15.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Jahresrückblick auf das "Breitband"-Jahr 2013

Im Jahresrückblick war 2013 auch für den Breitbandausbau ein dynamisches Jahr. Es wurden (immer noch) viele Projekte zur Unterversorgung durchgeführt, aber auch schon eine Reihe von NGA-Vorhaben auf der Basis von Glasfaser-Anschlussnetzen.

STZ hat in 2013 an Projekten für den Ausbau in 33 Stadtteilen und 18 Gewerbegebieten Kommunen und Stadtwerke unterstützt und etwa ebenso viele frühere Vorhaben von STZ wurden 2013 fertig gestellt! Eine durchaus positive Bilanz.

Mit der Freigabe von Vectoring durch die Bundesnetzagentur haben sich 2013 die Rahmenbedingungen für den Breitbandausbau verändert, für viele Kommunen zum Vorteil, für manche langfristig und nachhaltig angelegte Vorhaben aber auch zum Nachteil.

In einer Anhörung hat sich der Landtag in NRW mit dem Breitbandausbau beschäftigt. Leider sind bislang noch keine Konsequenzen erkennbar und sowohl im Bund wie auch in NRW fehlt es an einer belastbaren Breitbandstrategie.

So wird wohl auch 2014 für den Telekommunikationsmarkt und das Segment Breitband einige Überraschungen bieten. Es bleibt auf jeden Fall ein Thema für Kreise und Kommunen!

Jürgen Kaack 19.12.2013, 10.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandausbau im Kreis Wesel

Der Kreis Wesel beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren intensiv mit einer zukunftssicheren Breitbandversorgung. Jetzt wurde in der Veranstaltung "Datenautobahn - Standortbestimmung und Ausblick für den Kreis Wesel" am 02.12.2013 ein Überblick über die durchgeführten Maßnahmen gegeben mit einem Ausblick auf konkrete Ausbaumaßnahmen der Netzbetreiber BorNet (Deutsche Glasfaser), RWE mit Filiago und der Deutschen Telekom sowie weitere Schritte.

In einem Key-Note Vortrag durfte ich mit einem Technologievergleich zwischen Funklösungen, Zugängen auf der Basis von Kupferdoppelader, Koaxialkabel und Glasfaser Vor- und Nachteile der verschiedenen Technologien erläutern. Für die Beseitigung schwach versorgter Gebiete muss der Technologiemix genutzt werden, langfristig allerdings gibt es keine Alternative zu flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetze.

Ergänzend zu den über den Technologie-Mix realisierbaren Brückenlösungen sind verschiedene Geschäftsmodelle möglich, um als Kreis oder Kommune den Aufbau nachhaltiger Zukunftsnetze vorzubereiten. Ohne eine aktive Rolle von Kreisen und Kommunen wird dieses Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreicht!

Mein Vortrag steht für begrenzt Zeit zum Download auf der Seite der EntwicklungsAgentur Wesel bereit.

Jürgen Kaack 05.12.2013, 08.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Online-Offensive in der großen Koalition?

Das hört sich gut an. Vielleicht endet mit der großen Koalition der Dornröschenschlaf der letzten Regierung im Hinblick auf die Netzpolitik. Weniger als in der letzten Regierung kann allerdings auch kaum für den Infrastruktur-Ausbau getan werden.

Investitionen in ein schnelles Breitbandnetz und eine verbindliche Festlegung der Netzneutralität wären sehr gute Ziele für eine neue Regierung und ein echter Fortschritt! Damit können Kommunen NGA-Ziele zukünftig hoffentlich effizienter umsetzen.

Der Einsatz von Fördermitteln birgt zwar immer Risiken im Hinblick auf steigende Kosten, aber bei richtigem Einsatz können sie einiges bewegen. Z.B. wäre die Übernahme von anteiligen Personalkosten für einen Breitbandkoordinator im Kreis und eine Unterstützung der Kosten für die Erstellung eines Masterplans ein sehr sinnvoller Ansatz.

Bei Spiegel-Online finden sich ergänzende Informationen.

Jürgen Kaack 03.11.2013, 18.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Glasfaser-Ausbau im Kreis Heinsberg durch bürgerschaftliches Engagement

Die derzeit schleppende Entwicklung der Vorverträge für Glasfaser-Anschlüsse im Kreis Heinsberg ist aus verschiedenen Perspektiven bedauerlich. Zum einen erhalten die mit Glasfaseranschlüssen versorgten Gebiete eine langfristig sichere Breitband-Versorgung, die keine andere Technologie bietet, zum anderen wird ein Scheitern der Vorvertragsquote mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zur Folge haben, dass andere potenzielle Betreiber einen Bogen um die jeweiligen Bereiche machen. Ist die Take-up Rate für die Deutsche Glasfaser zu niedrig, so gilt dies im Wesentlichen auch für andere Betreiber.

Auf einer etwas abstrakteren Betrachtungsebene ist festzustellen, dass es bislang kaum vergleichbare großflächige Projekte für den Glasfaserausbau gibt wie im Kreis Heinsberg. Bleibt der erwartete Erfolg, gemessen in Anschlusszahlen, aus, dann könnten andere Investoren von einem Einstieg in das Infrastrukturgeschäft abgehalten werden. Der Kreis Heinsberg wird bereits heute "von außen" als Modellprojekt betrachtet.

In einem Artikel über das Vorhaben im Kreis Heinsberg habe ich Argumente für das Vorhaben der Deutschen Glasfaser zusammengefasst. Da die Thematik komplex ist und bei einer Breitbanddurchdringung von knapp 60 % noch nicht alle für dieses Zukunftsthema sensibilisiert sind, ist eine nicht unerhebliche Überzeugungsarbeit auch durch bürgerschaftliches Engagement zu leisten. Das Erreichen der Vorvertragsquote setzt insbesondere in den heute nicht unterversorgten Gebieten einen intensiven "Häuserkampf" und Aufklärungsarbeit voraus.

Jürgen Kaack 28.09.2013, 14.26 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Stühlerücken bei NetCologne - Indikator für veränderte Marktbedingungen?

Der schnelle Wechsel an der Spitze von NetCologne ist vermutlich mehr ein Zeichen für die Unsicherheit bei den Gesellschaftern über die zukünftige Entwicklung im TK-Markt als Ausdruck von Fehlentscheidungen. NetCologne ist immerhin einer der wichtigen Protagonisten im Bereich der Glasfasernetze und einer der Pioniere unter den Stadtnetzen.

Seit der Unternehmensgründung von NetCologne hat sich der TK-Markt mehrfach deutlich verändert durch neue Technologien und veränderte Geschäftsmodelle. Die frühzeitige Entscheidgung von NetCologne (und M''net, Wilhelm.tel und anderen Netzbetreibern) für den Ausbau von Glasfaser-Anschlussnetzen war richtungsweisend und strategisch sinnvoll. Deutschland liegt im internationalen Vergleich bei Glasfaseranschlüssen weit hinten und braucht Unternehmen wie NetCologne, die diesen Weg beschreiten. Die Konsequenz ist, dass die alternativen Anbietern bei Glasfaser-Hausanschlüssen heute eine gewichtigere Rolle im Markt spielen als die Deutsche Telekom.

Allerdings kann das Geschäft mit Glasfaser-Anschlussnetzen nur langfristig betrieben werden und braucht Investitionssicherheit. Mit der verspäteten Aktivität der Kabelnetzbetreiber und ihrem attraktiven Angebot mit Anschlüssen bis 150 Mbit/s ist vor geraumer Zeit eine ernstzunehmende Alternative zu anderen NGA-Angeboten im Markt. Durch den geplanten Vectoring-Ausbau durch die Deutsche Telekom mit Downstream-Raten von 100 Mbit/s auf der Basis der seit Jahrzehnten im Boden liegenden Kupfer-Doppelader wird dieser Wettbewerb noch mal verschärft und dies wird Auswirkungen auf die Margen der Anbieter haben. Die sich verändernden Wettbewerbsbedingungen sprechen für eine neue Marktphase in der Telekommunikationsmarkt: die Zeit der Hochgeschwindigkeits-Anschlüsse.

Gleichzeitig kann das Bewusstsein beim Verbraucher und die Akzeptanz für Angebote mit höheren Bandbreiten weiterentwickelt werden und damit den gesamten Breitband-Markt voranbringen. Dabei wird sich auch die Erkenntnis durchsetzen, dass hochwertige Telekommunikationsangebote mit Bandbreiten von 100 Mbit/s nicht für 19,90 Euro pro Monat zu haben sind. Die Preise für Telekommunikationsdienste liegen in Deutschland schon heute unter dem europäischen Durchschnitt und weitere Preisnachlässe wären kontraproduktiven für den notwendigen Netzausbau.

Einen Beitrag zu den Änderungen in der Geschäftsführung von NetCologne finden sich z.B. hier.

 

Jürgen Kaack 15.09.2013, 12.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL