Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Mobilfunk

Veränderungen im Mobilfunkmarkt am Beispiel der Entwicklung der debitel

Gesellschafterwechsel und Übernahmen

Seit der Gründung der debitel im Jahr 1991 sind 17 Jahre vergangen und schon vor der Übernahme durch freenet wurden zwei Eigentümer-Wechsel durchgeführt. Gegründet wurde die Gesellschaft von der debis und der Metro und diese beiden Gesellschafter haben das Unternehmen dann an die Börse geführt. Dann erfolgt der Eigentümerwechsel hin zur Swisscom als Mehrheitseigentümer und später dann 2003 der weitere Verkauf an die Finanzinvestoren Permira. Nach längerem Suchen hat sich nun mit freenet ein interessierter und passender Käufer gefunden.

Im Unterschied zu den bisherigen Übernahmen handelt es sich mit freenet um einen unmittelbaren Wettbewerber von debitel. Swisscom als Schweizer Telekommunikationsunternehmen hatte zum Zeitpunkt der Übernahme offensichtlich ernsthafte Absichten zusammen mit der Festnetzgesellschaft tesion (ebenfalls mit Sitz in Stuttgart und heute ein Teil von Versatel) als Anbieter im deutschen Markt tätig zu werden. Die Absichten konnten wohl nicht wie beabsichtigt umgesetzt werden, denn Swisscom hat sich bekanntermaßen aus beiden Gesellschaften schon nach kurzer Haltezeit (und mit einigen nennenswerten Verlusten) wieder zurückgezogen. Der Gesellschafter Permira hatte als Finanzinvestor von Anfang an kein strategisches Interesse an dem Service Provider Geschäft. Durch Restrukturierungen und Kostensenkungsprogramme sollte der Unternehmenswert gesteigert und das Unternehmen als Kaufobjekt attraktiv gemacht werden. Hierzu war es wohl hilfreich, die Distribution durch die Übernahme von d.u.g. zu stärken und die Kundenbasis mithilfe von Talkline weiter aus zu bauen. Der erfolgreiche Abschluss mit freenet zeigt, dass diese Vorgehensweise letztlich zum Erfolg geführt hat.

Auch um Mobilcom gab es in der Vergangenheit eine Reihe von Gerüchten um Übernahmen und mit ziemlicher Sicherheit gab es auch eine Reihe von Verhandlungen hierzu. Nach dem gescheiterten Versuch, das Unternehmen mit France Telecom als Partner zum UMTS-Netzbetreiber zu entwickeln, haben sich diese Gerüchte weiter entwickelt. Auch debitel gehörte zu den Unternehmen, denen ein Interesse an einer Übernahme von Mobilcom nachgesagt wurde. Durch die Fusion von Mobilcom mit freenet wurde eine Übernahme erschwert. Aber bis in die letzten Wochen vor der Übernahme der debitel führten Drillisch zusammen mit United Internet Verhandlungen über eine Übernahme und Zerschlagung von freenet. Die Verhältnisse im Mobilfunkmarkt können sich offensichtlich auch recht kurzfristig ändern.

Konsolidierungstendenzen im Service Provider Markt

Die Konsolidierung im Service Provider Markt hat bereits früh nach der Öffnung des Marktes mit der Liberalisierung begonnen. Die ersten Wettbewerber sind bereits in den ersten Jahren nach dem Start wieder ausgeschieden, da das schnelle Wachstum auch hohe Vertriebskosten zur Folge hatte. Dies hat insbesondere solche Unternehmen getroffen, die bereits früh auf Einmal-Provisionen gesetzt hatten. Zu den Unternehmen, die auf diesem Wege wieder vom Markt verschwunden sind, gehören Proficom, Unicom und DekraTel.

Wie sich schon in der Planung von debitel gezeigt hatte, ist für einen nachhaltigen Erfolg im Service Provider Geschäft ein Marktanteil von ca. 10 % erforderlich. Natürlich konnten nicht alle Gesellschaften dieses Ziel erreichen. Debitel selber hat bereits im Jahr 1995 den zweitgrößten Anbieter Bosch Telecom Services (BTS) übernommen und damit die Marktführerschaft unter den Service Provider weiter gefestigt. Auch andere Unternehmen haben sich zu größeren Einheiten zusammengeschlossen, z.B. Drillisch, AlphaTel und Victor Vox.

Der Service Provider Markt hat sich somit in den Jahren seit seinem Entstehen erheblich verändert. Derzeit bemühen sich die Netzbetreiber selber verstärkt um den Ausbau des eigenen Vertriebs. Immerhin haben die Service Provider nach Erreichen einer Penetrationsrate von über 100 % nach 2006 nicht mehr die gleiche Bedeutung wie in den Anfangsjahren von GSM. In dieser Hinsicht haben die Service Provider mit ihren Vertriebsaktivitäten eine wichtige Rolle zur Markterschließung wahrgenommen. The Phonehouse (vor der Übernahme durch das gleichnamige englische Unternehmen als Hutchison tätig) hat sein Geschäftsmodell vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stärker in eine Vertriebsfunktion für die Netzbetreiber verändert.

Der virtuelle Netzbetreiber (MVNO) als neues Geschäftsmodell

Seit 2004 verändert sich der Mobilfunkmarkt weiter durch das Aufkommen von virtuellen Mobilfunknetzbetreibern (MVNOs). Dieses Geschäftsmodell bietet grundsätzlich weitergehende unternehmerische Möglichkeiten als das Service Provider Modell. Der MVNO kann das Kernnetz bis zum HLR als einer zentralen Komponente weitgehend selber gestalten und betreiben. Bislang konzentrieren sich die Aktivitäten allerdings mehr auf den Bereich der Discount-MVNO, die als Partner von MVNE (Mobile Virtual Network Enabler) deren Kernnetz nutzen und in erster Linie „No-Frills“-Angebote realisieren. Der Trend zu No-Frills-Produkten, d.h. sehr einfachen Mobilfunkdienste, die sich auf Basisfunktionen wie Telefonieren und SMS beschränken, und sehr einfache Tarifstrukturen haben, folgt der für viele Verbraucher zu komplex werdenden Angebotsstruktur im Mobilfunk. Anbieter in diesem Bereich sind z.B. Simyo, Blau.de, easymobile, Tchibo Mobile, Ay Yildiz, …

Sinkende Preise auch im Mobilfunk erlauben es, die Tarifstrukturen zu vereinfachen und sogar das Angebot von Flat-Rates (zunächst von e-plus mit dem Produkt Base angeboten), wie sich im Festnetz auch mehr etablieren. Es ist sicher nicht falsch, wenn man prognostiziert, dass sich auch im Mobilfunk Flat-Rates für Gespräche in andere nationale Mobilfunknetze und in das deutsche Festnetz über kurz oder lang durchsetzen werden. Auch Service Provider haben sich in das Segment der Discount-MVNO vorgewagt (z.B. Drillisch mit Simply). Der Versuch von debitel in diesem Segment war aber wohl aus Sicht der Führung nicht so erfolgreich wie erhofft, da dieses Geschäft schon bald an den Wettbewerber Blau.de verkauft wurde.

Der Einstieg der Service Provider in das Segment der Discount-MVNOs ist allerdings auch nicht einfach, da dieses Geschäftsmodell eigentlich nur bei sehr niedrigen operativen Kosten (unter denjenigen im Service Provider Geschäft) und bei einer weitgehenden Automatisierung erfolgreich sein kann. Die bestehende Kundenbasis der großen Service Provider wäre sicher eine gute Ausgangsbasis, um die Wertschöpfung im Mobilfunkgeschäft gegenüber dem Service Provider Modell zu steigern und dem Kunden attraktive eigene Dienste an zu bieten. Allerdings erlauben die Verträge mit den Netzbetreibern eine solche Änderung nicht. Unter Umständen könnte eine solche Entwicklung zu einem eigenen Netzbetreiber (allerdings einem ohne eigenes Anschlussnetz) dazu führen, dass die Kunden an die Netzbetreiber übertragen werden müssen, in deren Netz sie bislang eingebucht sind. Eine solche Maßnahme würde die Vertriebs-Vorleistungen bei der Akquisition der Kunden infrage stellen und somit das operative Geschäft zumindest erheblich beeinträchtigen. So bleibt den Service Providern „nur“ der Einstieg in das MVNO-Geschäft über neu gewonnene Kunden.

Weitere Entwicklung im Mobilfunkmarkt

Im Laufe der Jahre ist zu dem reinen Mobilfunkgeschäft die Vermarktung von weiteren Diensten wie z.B. der Festnetztelefonie (über Preselect-Verträge oder Calling-Cards) und DSL-Dienste für den schnellen Internetzugang hinzu gekommen. Viele Anbieter sind so zum Full-Service-Anbieter für den Kunden geworden. Hierbei bieten allerdings auch die beiden großen Mobilfunkanbieter T-Mobile und Vodafone über andere Konzernunternehmen ein ähnlich breites Angebot.

In welche Richtung wird sich das Geschäft weiter entwickeln und welche Rolle kann ein Service Provider hierbei einnehmen. Zunächst ist fest zu stellen, dass gerade der Mobilfunk sich vom erklärungsbedürftigen Produkt zum Commodity entwickelt hat. Bei derzeit im Jahr 2008 ca. 108 % Penetration haben schon viele Nutzer mehr als einen Mobilfunkanschluss. Trotzdem entwickelt sich insbesondere der Datenbereich schnell weiter. Mit schnellen Internetzugängen (z.B. bis zu 7,2 MBit/s mithilfe von HSDPA) kann der Mobilfunk bereits heute einen Breitbandzugang zum Internet bieten, der schneller ist als der Standard-DSL-Anschluss. Auch lassen sich Mehrwertdienste auf der Basis von schnellen Breitbandzugängen realisieren.

Für die Anbieter eröffnen sich auf diesem Wege neue Produkte zur Vermarktung über die bestehenden Vertriebskanäle. Die Kernfunktionalitäten eines Service Providers mit Vertrieb und Kundenmanagement wird insbesondere bei Bestehen eines gut ausgebauten Vertriebsnetzes auch zukünftig benötigt. Im Hinblick auf die hohe Durchdringung im Mobilfunk ist es nicht erstaunlich, dass auch die durchschnittlichen Monatsumsätze (ARPU) seit Jahren stark sinken und mittlerweile deutlich unter € 20 liegen. Sinkende Durchschnittsumsätze und nicht steigende Margen führen zu der Notwendigkeit, die Effizienz in der operativen Durchführung zu steigern. Dies ist u.a. ein Grund für die Konsolidierung im Service Provider Markt. So ist auch nach der Übernahme der debitel zu erwarten, dass die Kosten weiter reduziert werden.

Der Übergang vom Wachstum zum Verdrängungsmarkt stellt für alle Marktteilnehmer eine große Herausforderung dar. In den vergangenen Jahrzehnten war ein zweistelliges prozentuales Wachstum eine Selbstverständlichkeit. So lag die Investition verstärkt im Netzausbau und im Vertrieb. Im Verdrängungswettbewerb kommt der Kundenbindung eine ungleich höhere Bedeutung zu. Qualität und Kundenzufriedenheit sind Erfolgsfaktoren, insbesondere im Hinblick auf die Kunden mit höheren monatlichen Umsätzen. Hier können sich die Service Provider im Vergleich zu den Discount-MVNOs auch in Zukunft sicher behaupten können. Es stellt sich sogar die Frage, ob das Modell des Discount-MVNOs in Zukunft seine Existenzberechtigung behält. Durch generell sinkende Preise und den Trend zu Flat-Rates müssen auch die MVNOs nach Differenzierungsmöglichkeiten suchen. Für einige der Anbieter können diese in ihren speziellen Vertriebsstrukturen (z.B. zur Adressierung ethnischer Zielgruppen) liegen.

Eigene Dienste- Gestaltungsmöglichkeiten werden im Service Provider Geschäft zukünftig eher abnehmen. Es ist zu vermuten, dass über kurz oder lang nur noch die Netzbetreiber-Produkte auf dem Markt übrig bleiben. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Flat-Rates bleibt vermutlich kaum eine andere Wahl. MVNOs mit eigenem Kernnetz können dagegen auch in Zukunft eigene Produkte gestalten und vermarkten.

Konvergenzdienste, d.h. die die Möglichkeit zur Nutzung von Diensten in mehr als einem Anschlussnetz bei gleicher Benutzeroberfläche ermöglichen, haben sich bislang noch nicht durchgesetzt. Trotzdem ist zu erwarten, dass solche Dienste realisiert werden und auch die Mobilfunkgeräte universeller einsetzbar werden. Die Integration von WLAN neben GSM/UMTS etabliert sich ja bereits bei anspruchsvolleren Geräten.

Entsprechend der allgemeinen Trends wird sich sicher auch das Geschäft der debitel unter der Führung von freenet weiter verändern. Die Übernahme stellt aber ganz sicher kein Ende in der Entwicklung des Unternehmens dar. Der Trend zu höheren Bandbreiten wird dazu beitragen, dass neue Dienste und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Jürgen Kaack 24.05.2008, 20.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Veranstaltung zu innovativen Breitbanddiensten

Der Termin für die Veranstaltung von Vereon zum Thema "Breitbandige IP-Anwendungen" am 28. und 29.04.08 rückt näher. Nach vielen Veranstaltungen in den letzten Jahren, die sich mit dem Breitbandanschluss an sich und den Möglichkeiten zur Schließung von Versorgungslücken beschäftigt haben, stehen hier Anwendungen und Lösungen auf der Basis breitbandiger Anschlüsse im Vordergrund!

Das Programm kann unter diesem Link herunter geladen werden. Bei dieser Veranstaltung kommen eine Reihe von Projekt-Partner von T-City Friedrichshafen zu Wort. Neben der Darstellung des bisher Erreichten wird auch ein Ausblick über die weiteren geplanten Entwicklungen in den Projektfeldern gegeben:
  • Bürger & Staat
  • Gesundheit & Betreuung
  • Lernen & Forschen
  • Tourismus & Kultur
  • Verkehr & Mobilität
  • Wirtschaft & Arbeit
Zum Projekt finden sich weitere Informationen auf der T-City Homepage. Bei der zweitägigen Veranstaltung am 28. und 29.04.2008 habe ich die fachliche Leitung übernommen. Die Anmeldung zu der kostenpflichtigen Veranstaltung ist unter diesem Link auf die Seiten von Vereon möglich.

Jürgen Kaack 07.04.2008, 09.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vereon: Breitbandige IP-Anwendungen auf dem Vormarsch

Bei Swiss-Presse.com findet sich unter diesem Link ein Artikel über eine von Vereon geplante Veranstaltung zu Breitbandanwendungen in Friedrichshafen:


Der von der Deutschen Telekom AG ausgeschriebene Städtewettbewerb hat Friedrichshafen am Bodensee zur ersten T-City Deutschlands gekürt. Die Vereon AG nimmt dies zum Anlass, um dort vom 28. bis 29. April 2008 im Rahmen der Fachtagung „Breitbandige IP-Anwendungen“ über Erfahrungen mit breitbandigen Internetanwendungen zu berichten.

Unter der fachlichen
 Leitung von Dr. Jürgen Kaack, Geschäftsführer FN-Dienste GmbH treffen sich Führungskräfte aus der Telekommunikationsbranche, um Erfahrungsberichte mit breitbandigen IP-Anwendungen auszutauschen. Breitband-Anwendungen in der Praxis:
  • Was für Friedrichshafen die Wahl zur T-City bedeutet und welche Auswirkungen dies auf die Infrastruktur hat, beleuchtet Dr. Jürgen Kaack in seiner Funktion als Leiter T-City.
  • Dr. Wolf Heine von der T-Systems Business Services GmbH schildert die Möglichkeiten von mobilen Portalen. Die Teilnehmer erfahren aus erster Quelle die Vorteile eines mobilen Event- und Parkraummanagement Systems.
  • Welche Perspektiven moderne Breitband-Technologien im Gesundheitswesen bieten, verrät Jochen Wolf, Kaufmännischer Leiter beim Klinikum Friedrichshafen.
  • Von Dr. Stefan Denzinger, Dornier Consulting, erfahren die Teilnehmer, wie Kommunikations- und Breitbandanwendungen den Verkehrsfluss optimieren können.
  • Josef Brugger, Rektor der Pestalozzi-Schule in Friedrichshafen widmet sich einem Anwendungsgebiet der Breitband-Technologie im Schulwesen.
  • Karsten Vortanz, Bereichsleiter Kundenprozesse, Technische Werke Friedrichshafen nimmt die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Zukunft. Er schildert ein Konzept wie sich die Zählerstandserfassung von Strom und Wasser über Internet-Breitband realisieren lässt.
  • Was unter einem „Wissensarbeiter“ zu verstehen ist, erläutert Walter Geirhos von der ZF Friedrichshafen in seinem Vortrag über den mobilen Wissensarbeitsplatz.
Die Fachtagung bietet einen echten Mehrwert, indem sie den Fokus weniger auf die technischen Details, sondern vielmehr auf die Umsetzung in der Praxis legt.

Jürgen Kaack 04.02.2008, 14.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Preisgestaltung in der Telekommunikation - ein Dauerthema!

Seit der Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt Anfang der 90er Jahre durch die Liberalisierung und Öffnung der Märkte in Schwung gekommen ist, beschäftigt die Preisbildung sowohl die Anbieter als auch die potenziellen Kunden! Aus wenigen Tariffen Anfang der 90er Jahre (debitel ist damals mit drei unterschiedlichen Tariffen an den Markt gegangen), wurden inflationär viele unterschiedliche Preispläne!

Nachem auch Insider Mühe hatten, die Unterschiede zwischen den einzelnen Tariffen zu bewerten, kam mit den MVNO's (beginnend mit Tchibo Mobilfunk) die radikale Trendwende hin zu einfachen ("No-Frills") Angeboten. Mittlerweile kommt den Flat Rate Angeboten zunehmend mehr Bedeutung zu. Den Siegeszug begonnen haben die Flat Rates im Internet bei DSL-Diensten.

Je weiter das Nutzungsverhalten des Kunden in den Hintergrund rückt bei den kommunizierten Preisen, umso mehr muss der Anbieter das Nutzungsverhalten seiner Zielgruppe analysieren, damit die Kosten überschaubar (und vor allem planbar bleiben)!

Der Veranstalter Euroforum greift das Thema der Preisgestaltung mit seiner am 29. und 30.11.2007 in Bergisch Gladbach stattfindenden Konferenz "TK-Pricing - Neue Preisstrategien in der Telekommunikation" auf. Bei dieser Veranstaltung werde ich am 29.11. einen Vortrag halten mit dem Titel "Alles flat oder doch nutzungsabhängig? Nur mit zielgruppengerechten Preisen können Märkte ausgeweitet werden!"

Das vollständige Programm der zweitägigen Veranstaltung findet sich unter diesem Link.
 

Jürgen Kaack 31.08.2007, 09.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Potentiale durch Innovationen auch in der Telekommunikation

Internet World Business sprach mit Jürgen Kaack über Entwicklungen und Marketing der Telekommunikationsbranche. Kaack ist Unternehmensberater und Experte für Telekommunikation mit mehr als 25jähriger Branchenerfahrung.

1. Neue Kunden gewinnen heißt alte woanders abwerben. Führt dies zwangsweise zu „verrückte“ Marketingmaßnahmen à la Debitel?

Es gilt die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Und da gibt es ganz unterschiedliche Strategien und Ideen. Die großen Unternehmen setzen auf immer neue Tarifstrukturen und Paketangebote, die leider für den Kunden auch immer schwieriger zu durchblicken sind. Ich halte es teilweise für unseriös, wenn Unternehmen sogar scheinbar Geld verschenken, um Kunden zu binden. Sie holen das verschenkte Geld ganz sicher durch höhere Minutenpreise und Mindestnutzungsgebühren wieder herein. Viel kreativer ist es da doch, bei den Kunden anzufangen und ihnen entgegenzukommen – in jeder Hinsicht. Ein Beispiel ist der Trend zu Mobile Virtual Network Operators (MVNOs) wie Tchibo, die sich im Geschäftsmodell irgendwo zwischen Service Provider und Netzbetreiber bewegen. Die Tchibo-Handy-Angebote holen die Kunden direkt dort ab, wo sie einkaufen - bei Tchibo.

2. Wer gewinnt den Wettkampf um die Kunden aus Ihrer Sicht? Der mit den günstigsten Preisen?

Günstige Preise sprechen nur die an, die gerade wechseln können, weil der Vertrag ausgelaufen ist oder weil sie ein Zweit- oder Dritthandy brauchen. Es ist kurzfristig gedacht. Langfristig gewinnt der, der den besten Service bietet und die Probleme des Kunden löst. Langfristig wichtiger als der Preis ist der Nutzen, den der Kunde erhält, und der kann je nach Zielgruppe sehr unterschiedlich sein.

3. Was machen Telekommunikationsunternehmen falsch bei der Kundengewinnung?

Sie setzen zu sehr auf die Trumpfkarte „Preis“ und vernachlässigen Nischen und Zielgruppen. Da gibt es noch eine Menge Potential, sowohl bei der Produktentwicklung als auch im Marketing. So wurde bisher etwa wenig für „Special interest“ oder ethnische Gruppen getan, die bei der Handynutzung noch Nachholbedarf haben, z.B. für Türken, Russen oder Polen.

4. In welchen Bereichen sehen Sie Potentiale für die kleinen Anbieter in der Branche?

Eben bei der Zielgruppenansprache und der Nutzenorientierung. Es gibt z.B. in München einen kleinen Anbieter, Kandy Mobile, die sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert haben. Daneben wird es auf neue technische Innovationen ankommen. Die Sprachkommunikation ist weitgehend ausgereizt, es kommt also auf Datenkommunikation an. Da ließe sich noch eine Menge machen, etwa beim Thema Musikdownloads, Location Based Services oder auch Online-Games. Im Geschäftskundenbereich wird der bequeme und formatunabhängige Nachrichtenempfang von jedem Endgerät das Hauptthema sein. Aber auch bei mobilen Unternehmensnetzen und im M-Commerce liegen interessante Geschäftsmöglichkeiten.

Jürgen Kaack 09.08.2007, 09.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Digitaler Mobilfunk in Deutschland seit 15 Jahren

"Vor 15 Jahren fand am 30. Juni die Markteinführung des digitalen Mobilfunks in Deutschland statt. Also: Alles Gute! Und: Alle Achtung! Denn der Siegeszug des Handys ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen ...

Ein treibender Faktor für das Wachstum war neben den sinkenden Preisen für die Gespräche die sichere Versorgung mit zunehmend mehr unterschiedlichen Mobilfunkgeräten, die bis heute immer kleiner geworden sind. Durch die Subvention der Geräte bis zu Preisen von 1 Euro bei Abschluss eines neuen Vertrages (anstatt der tatsächlichen Kosten in Höhe von einigen hundert Euro) wurde die Eintrittsbarriere deutlich abgesenkt. Dies hat dem Absatz einen kräftigen Schub gegeben.

Ein anderer Wachstumstreiber war die Prepaid-Karten-Lösung, die einige Jahre nach Marktstart 1997 als Alternative zu den Vertragsangeboten eingeführt wurde. Nach einem starken Anstieg auf bis 55 % im Jahr 2000 ist der Anteil der Prepaid-Karten wieder leicht rückläufig; beide Produkte haben derzeit etwa 50 % Marktanteil."

Dies ist ein Auszug meines Artikels zur Entwicklung des digitalen Mobilfunks, erschienen im Mittelstands.Wiki am 28.06.07.

Jürgen Kaack 29.06.2007, 09.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Verdrängungswettbewerb im Mobilfunk

Der digitale Mobilfunk besteht in Deutschland seit mittlerweile 15 Jahren! In dieser Zeit ist die Anzahl der Nutzer von 0,2 auf über 80 Millionen angestiegen, Geschäftsmodelle ud Nutzergruppen haben sich weiter entwickelt, neue Produkte wurden eingeführt. Einen Rückblick auf die bisherige Entwicklung und einen Ausblick auf mögliche Trends habe ich in einem am 28.06.2007 bei ECIN veröffentlichten Artikel versucht. Dieser Text ist ausführlicher als der an dieser Stelle vor ein paar Tagen einestellte Beitrag und enthält einige erläuternde Graphiken.
 

Jürgen Kaack 28.06.2007, 13.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandversorgung in Deutschland

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 16.04.07 die überarbeitete Version des Breitbandatlas freigeschaltet. Dort kann man für einzelne Gemeinden und Stadtteile die Verfügbarkeit der verschiedenen Breitbandzugangstechnologien prüfen und feststellen, welche Anbieter in dem Bereich tätig sind. Auch Erläuterungen zu den verschiedenen Technologien sind zu finden.

Wenn man dem neuen Breitbandatlas glauben darf, dann ist in 97 % der Haushalte bereits heute eine Breitbandversorgung gegeben und angeblich sind nur noch 700 Gemeinden unversorgt! Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Bundeswirtschaftsministerium schon bei einer Download-Geschwindigkeit ab 128 KBit/s. von Breitbandübertragung spricht. Dies ist aus meiner Sicht eine völlig antiquierte und an der täglichen Praxis vorbei gehende Definition! 128 KBit/s. erreicht man im Übrigen bereits durch die Koppelung von 2 ISDN-Kanälen.

Das Instrument des Breitbandatlas ist zwar an sich sehr sinnvoll und enthält viele Informationen, durch die künstlich geschönte Definition von Breitband werden diese positiven Seiten aber wieder zunichte gemacht, schade! Zeitgemäss wäre es, Breitband mit einer Download-Geschwindigkeit von 2 MBit/s. an zu setzen. Dann sähe Deutschland allerdings im internationalen Vergleich mehr als schlecht dar, wie die folgende Graphik belegt.




Was man wohl in Südkorea von der deutschen Definition von Breitband halten würde? Dort wird der Ausbau der Lichtwellenleiter-Anschlüsse bis zu den Haushalten (Fiber-to-the-home) kräftig voran getrieben. Dann stehen mindestens 50 MBit/s. zur Verfügung
 

Jürgen Kaack 17.04.2007, 14.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband zukünftig als persönlicher Anschluss?

Als Anfang der 90er Jahre die digitalen Mobilfunknetze nach dem GSM-Standard aufgebaut wurden, begann fast ummerkliche eine grundlegende Änderung im Angebot der Telekommunikationsdienste. Die Möglichkeit mobil telefonieren zu können, war dabei nur ein, aus Marktsicht allerdings sehr wichtiger, "Nebeneffekt"!

Vorher war der Telefonanschluss ein "Haus- oder Büroanschluss", auf den verschiedene Nutzer zugreifen konnten. Technisch gesehen hängt die Festnetz-Kommunikation an der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) und wird in Mehrfamilienhäusern bis zum Wohnungsanschluss verteilt. Die Mobilkommunikation zielt dagegen auf die persönliche Kommunikation - eine Rufnummer wird im Normalfall einer einzelnen Person zugeordnet. Über die Mobilität und getrieben durch die schrumpfende Größe der Handys ist heute nahezu jeder zu jeder Zeit und an jedem Ort erreichbar bzw. in der Lage selber Anrufe zu tätigen.

Im Breitbandbereich ist dies bislang anders, wenn man von den noch eher bescheidenen und teuren Möglichkeiten zur Nutzung von Mobilfunk zum Internetzugang absieht. Typischerweise ist der Breitbandzugang immer noch mit der Teilnehmeranschlussleitung gekoppelt. Mit WiMAX als Breitband-Funkzugang wird diese Koppelung aufgehoben (entbündelte Leistung). Damit kann auch der Breitband-Anschluss zum persönlichen Anschluss für eine Person werden, der ebenso wie der Mobilfunkanschluss zukünftig auch an unterschiedlichen Orten genutzt werden kann. Natürlich muss der Netzaufbau entsprechend zügig vorangehen, damit die notwendige Flächendeckung erreicht wird. Bei der Mobilität muss man mit WiMAX ebenfalls Abstriche machen, Fußgänger-Geschwindigkeit wird aber möglich sein.

Durch die Entwicklung alternative Zugangstechnologien kann der Trend zur Individualisierung der Kommunikation vorangetrieben werden. Ob die Möglichkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort über verschiedene Wege per Sprache, Mail oder Messaging zu kommunizieren als Vor- oder Nachteil gesehen wird, ist sicher eine Frage der persönlichen Einstellungen. Aber auch in diesem Szenario bleibt der Ausschalter immer noch eine Möglichkeit!
 

Jürgen Kaack 30.03.2007, 09.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL