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Tag: Mobilfunk

SMS und MMS bereits in der Sättigung?

Mein aktueller Kommentar zur Markt-Entwicklung der Nachrichtendienste SMS und MMS und der zunehmenden Sättigung findet sich jetzt auch online auf der Seite von Ecin.
 

Jürgen Kaack 25.11.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Braucht der Mobilfunk-Markt Service Provider?

Für die Erschließung Entwicklung des Mobilfunkmarktes spielten die unabhängigen Service-Provider eine wichtige Rolle. Mehr als zehn Unternehmen dieses Geschäftsmodells sind in der ersten Hälfte der 90er Jahre an den Start gegangen. Einige davon sind schon bald wieder verschwunden, meistens auf dem Wege der Übernahme durch einen der Wettbewerber. Einige der Unternehmen sind heute längst wieder in Vergessenheit geraten, wie z.B. Unicom, Proficom, Bosch Telecom Service, Dekratel, Motorola Telco und eine Reihe von weiteren.


Die Reihe der Übernahme ist aber auch in den letzten Monaten nicht zu einem Stillstand gekommen, wie die Übernahme von Talkline durch debitel und schließlich die Übernahme der debitel-Gruppe durch freenet zeigt. Als wesentliche Anbieter sind heute noch freenet (mit debitel, Mobilcom und Talkline), Drillisch und The Phonehouse am Markt präsent. In vielen Fällen hat sich die Rolle der Anbieter gewandelt vom netzunabhängigen Telekommunikationsunternehmen zu einem Vertriebskanal der Netzbetreiber mit einem für die Kunden identischen Tarifangebot.

 

So haben die Service Provider einschließlich der unabhängigen MVNOs zusammen auf das Marktvolumen bezogen Ende 2008 voraussichtlich gerade noch 19 % Marktanteil. T-Mobile und Vodafone sind jeder für sich gesehen mit fast 30 bzw. 29 % deutlich stärker als alle Service Provider zusammen. Bislang hat auch das Modell des MVNO nicht zu einer signifikanten Erhöhung des Marktanteils geführt. Dabei hätte gerade dieses Geschäftsmodell die Chance zu einer Veränderung der Gewichte im Markt, da es deutlich näher am Netzbetreiber ist als der klassische Service Provider. Es zeichnet sich auch nicht ab, dass sich der Trend einer Verschiebung der Marktanteile zugunsten der Netzbetreiber in nächster Zeit wieder umkehren würde. Das Teilnehmer- und Nutzungswachstum erfolgt derzeit offensichtlich primär bei den Netzbetreibern.

 

Betrachtet man die Marktsituation Anfang der 90er Jahre, so wird deutlich, warum die Service Provider so erfolgreich waren. Zu diesem Zeitpunkt spielte sich das Marktwachstum im Bereich von 250.000 bis 600.000 Teilnehmer ab. Entsprechend gab es neben den etablierten Funkfachhändlern kaum geeignete Vertriebspartner. Die Gewinnung und Qualifizierung von neuen Vertriebspartnern bis zu den Discountmärkten war eine wichtige Aufgabe der Service Provider, die die Netzbetreiber alleine vermutlich erst viel später geschafft hätten. In einem für den potenziellen Nutzer neuen Markt waren die netzunabhängigen Service Provider zumindest scheinbar die neutraleren Partner, die die Angebote der Netzbetreiber gebündelt und mit eigenen Tarifmodellen und Mehrwertdiensten erweitert haben.

 

Der für den Markt aber vermutlich entscheidende Punkt war die Breite des Wettbewerbs und damit die Präsenz des Mobilfunkangebotes im Markt. Spätestens beim Übergang vom Wachstum zum Verdrängungswettbewerb hat dieser Aspekt ausgedient. Die Netzbetreiber haben in der Zwischenzeit selber eine hohe Präsenz im Markt mit eigenen Shops und Vertriebspartnern. Die Service Provider haben es in der Zeit nicht geschafft, ihr Geschäftsmodell nachhaltig von demjenigen der Netzbetreiber zu differenzieren. Weder konnte die Wertschöpfung weiterentwickelt werden, noch mit attraktiven Zusatzdiensten ein reeller Mehrwert geschaffen werden. So ist die Rolle der Service Provider reduziert auf ihre jeweilige Vertriebsstärke im Markt. Ob dies für die nachhaltige Absicherung des Geschäftsmodells für die Zukunft ausreicht, wird sich erweisen.

 

Enttäuschend ist bislang die Rolle der MVNOs im Markt, die als Netzbetreiber ohne Anschlussnetz grundsätzlich die beste Chance zur Differenzierung im Markt hätten. Aufgrund der nicht unerheblichen Investitionen in ein eigenes Kernnetz und der Marktmacht der Mobilfunknetzbetreiber ist das Geschäftsmodell allerdings auch riskant. Dies wird noc erschwert, wenn ein MVNO nicht einen eigenen starken Marktzugang besitzt. Bei Tchibo als erstem MVNO war dies mit den eigenen Outlets offensichtlich der Fall. Auch die Bündelung der Angebote von Mobilfunk, Festnetz und Internet fällt den kleineren Anbietern schwer, da zumindest die beiden Marktführer Telekom und Vodafone (mit Arcor) dies ebenfalls anbieten. So bleibt derzeit die Rolle der MVNOs auf bestimmte Marktnischen begrenzt. Recht erfolgreich konnten über die MVNOs z.B. ethnische Zielgruppen für den Mobilfunk gewonnen werden.

 

Der starke Preisverfall im Markt lässt wenig Spielraum für innovative Dienste. Im Gegenteil zwingt der Margendruck zu einer permanenten Effizienzsteigerung. So sind bei der Deutschen Telekom von 2000 bis 2008 die Mitarbeiter (auf der Basis von Vollzeitäquivalenten) um über 22 % reduziert worden. Auch bei den Wettbewerbern wurden im gleichen Zeitraum über 11 % der Mitarbeiter abgebaut. Die im November 2008 von freenet angekündigte Entlassung von 1.000 Mitarbeitern und die Schließung des bisherigen Talkline-Standorts in Elmshorn im Rahmen der Neustrukturierung nach der Übernahme der debitel-Gruppe sind nur konsequente weitere Schritte in dieser Entwicklung. Solche Rahmenbedingungen sind kein förderlicher Nährboden für die Entwicklung neuer und innovativer Dienste. So sind bislang aus dem Umkreis der MVNOs keine neuen Diensteangebote (z.B. im Umfeld von Konvergenz-Diensten) sichtbar geworden, eher versucht man sein Glück z.B. mit No-Frills und Discount-Angeboten.

 

Ohne wesentliche Änderungen in den Marktbedingungen wird sich der derzeitige Trend einer Verschiebung hin zu den Netzbetreibern wohl weiter fortsetzen. Da die Netzbetreiber die Vorteile einer Mehrmarken-Strategie wohl auch für sich erkannt haben, kann es Ihnen durchaus gelingen, einige der größeren Nischenmärkte selber erfolgreich zu bedienen. Dann stellt sich tatsächlich die Frage, ob der Markt für Service Provider und MVNOs auf absehbare Zeit eine andere Rolle bieten kann als diejenige eines weiteren Vertriebskanals!

Jürgen Kaack 25.11.2008, 08.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

SMS und MMS in der Sättigung

Die Zeiten starken Wachstums sind in vielen Bereichen des Telekommunikations-Marktes vorbei. Das TK-Marktvolumen hatte 2005 seinen Höhepunkte mit € 66,6 Mrd., in den letzten Jahren ist es leicht gefallen bis auf voraussichtlich € 60,6 Mrd. im Jahr 2008. Dabei wächst die Nutzung in Minuten durchaus weiter. Allerdings sind die Preise in den letzten Jahren stärker gefallen als das Nutzungsvolumen.

Im Mobilfunk wird es zum Ende des Jahres laut Branchenverband VATM voraussichtlich 109,8 Mio. Verträge geben. Das entspricht einer Durchdringungsrate von fast 134 % der gesamten Bevölkerung! Offensichtlich haben immer mehr Menschen in Deutschland mehr als einen Handy-Vertrag.

In den Jahren seit Einführung des digitalen Mobilfunks 1991 ist der Textinformations-Dienst SMS ("short-message-service") stetig gewachsen. Seit 2005 ist wohl auch beim SMS-Dienst eine Sättigung erreicht worden. Damals wurden 61,9 Mio. SMS-Nachrichten pro Tag verschickt. Bei 2005 71,3 Mio. Verträgen hat jeder Nutzer durchschnittlich fast eine SMS pro Tag verschickt (genau 0,87 SMS pro Tag und Nutzer)! In den Jahren nach 2005 ist die SMS-Nutzung so gut wie nicht mehr gestiegen und für 2008 erwartet der VATM 62,5 Mio. SMS pro Tag. Die Steigerung der Teilnehmerzahl hat also offensichtlich keinen Einfluss auf die Versendung von SMS-Nachrichten.

Bemerkenswert ist, dass auch der erst 2004 auf den Markt gekommene Multimedia-Nachrichten-Dienst (MMS) seit 2005 kaum noch wächst. Für 2008 erwartet der VATM 0,48 Mio. MMS-Nachrichten pro Tag - 2005 waren es 0,4 Mio. oder 0,006 MMS pro Handy-Nutzer und Tag. Im Vergleich zwischen MMS und SMS hat jeder Handy-Nutzer im Durchschnitt 2 MMS im Jahr verschickt, aber fast 317 SMS!

Durch Preisreduktionen ist das Umsatz-Volumen mit SMS von € 2,7 Mrd. 2005 auf € 2,4 Mrd. in 2008 zurückgegangen. 2005 hat jeder Nutzer im Durchschnitt also fast € 38 für SMS ausgegeben! Mit MMS werden in 2008 wohl nur € 0,16 Mrd. erlöst werden. Es scheint so, als wenn MMS für den Durchschnitts-Nutzer keinen erkennbaren Nutzen bringt. Dies hatte man allerdings auch schon bei der Einführung der SMS Mitte der 90er Jahre vermutet.
 

Jürgen Kaack 24.11.2008, 08.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Billigbranche Telekommunikation?

"Deutschland spart und Mottos wie ‚Geiz ist geil' gelten mittlerweile auch in der Telekommunikationsbranche. Seit Ende 1997, als der Markt für die Festnetztelefonie geöffnet wurde, sind die Preise stark gefallen. Flatrates und Null-Euro-Angebote sind für Verbraucher auf den ersten Blick gesehen von Vorteil. Bei Unternehmen führt der Preiskrieg jedoch zu operativen Verlusten. Viele Anbieter müssen aufgrund dieser Entwicklung schließen; zusätzlich wird an Service-Hotlines und anderen Angeboten gespart. Annbieter sollten daher die Entwicklung der Preissenkungen und ihre Auswirkungen auf den Markt genau beobachten."

Der Telekommunikationsmarkt befindet sich im Umbruch von der Wachstumsphase zum Verdrängungswettbewerb. Befindet sich der Markt aus diesem Grund in einer Glaubwürdigkeitskrise? Welche Wege aus der Krise bieten sich an?

Den vollständigen Artikel findet man unter diesem Link.
 

Jürgen Kaack 20.11.2008, 13.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

DVB-H Dienst vorerst (?) am Ende

Nach einer aktuellen Mitteilung von Telecom Handel werden die Lizenzen für den Betrieb des mobilen Fernsehens auf dem Handy nach dem DVB-H Standard bis Ende Oktober zurück gegeben. Eine spürbare Auswirkung am Markt gab es bislang und gibt es vermutlich auch in nächster Zeit nicht.

Seit es mit ersten Handys von LG ein Angebot gibt, mit dem man auf dem Handy Fernsehen nach dem kostenfreien (terrestrischen) DVB-T Standard gibt, können ohne zusätzliche Zahlungen mobile Fernsehsender empfangen werden. Für Nachrichten-und Informations-Sendungen mag dies ja ein Kundenbedürfnis befriedigen. Allerdings ist der Nutzen wohl nur bei einer kleinen Nischen-Zielgruppe so hoch, dass die potenziellen Kunden für den Mehrwertdienst zahlen.

Mehrwertdienste verdienen diese Bezeichnung nur dann, wenn sie einen Mehrwert bieten, der sich als Nutzen beschreiben und quantifizieren lässt. Dies ist insbesondere bei Bedürfnissen mit rein qualitativem Nutzen schwierig, wenn dieser von einem Trend oder einer Mode-Erscheinung getrieben wird. Um als Unternehmen von solchen zeitlich befristeten Trends profitieren zu können, sind Schnelligkeit bei der Umsetzung und kurze Pay-back Zeiten erforderlich.

DVB-H wurde gerade rechtzeitig vor der Fussball-Weltmeisterschaft eingeführt, aber schon damals war die Nachfrage wohl eher verhalten. Wie es mit dem mobilen Fernsehen auf dem Handy weitergeht, bleibt ab zu warten. Die Lizenzen für DVB-H werden zwar neu ausgeschrieben. Ob es hierfür Interessenten gibt, ist zu bezweifeln.
 

Jürgen Kaack 01.11.2008, 11.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

TK-Markt: Preis vor Service?

„Geiz ist geil“ gilt offenbar in Deutschland auch in der Telekommunikation. Seit der Öffnung des Marktes für die Festnetztelephonie Ende 1997 sind die Preise so stark gefallen wie in kaum einem anderen Land und in kaum einem anderen Markt. Der Preiskampf in der Telekommunikation sorgt zwar für unschlagbar niedrige Preise, hat aber selbst für den Verbraucher nicht nur Vorteile. So kann weder dem Verbraucher noch den Anbietern an einem Wettbewerb um jeden Preis gelegen sein.­

Der vollständige Artikel findet sich bei Perspektive Mittelstand unter diesem Link.

Jürgen Kaack 30.10.2008, 10.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vorgehen beim Breitband-Ausbau

Es gibt keine allgemein gültige Definition von Breitband. Es ist aber allgemeines Verständnis, dass Breitband mit mindestens 1 MBit/s beginnt. Bei Download und Versand von größeren Dateien sollte die Bandbreite mindestens 6 MBit/s betragen, in Fernseh-Qualität lassen sich Filme ab 16 MBit/s übertragen, HD-Fernsehen braucht dagegen 50 MBit/s. Mit einem Glasfaser-Anschluss am Haushalt lassen sich auch 100 MBit/s problemlos übertragen.

 

Der Breitbandausbau in der Fläche ist teuer. Nach Expertenschätzung ist für einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser (allerdings ohne den Hausanschlussbereich) Investitionen in Höhe von 30 bis 50 Mrd. € erforderlich. Dies ist sicher für keinen der Anbieter alleine zu schaffen. Aufgrund der oben aufgeführten Randbedingungen sind die Investitionen in den Breitband-Ausbau in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrie-Staaten erschreckend gering. Mit ca. 70 € pro Einwohner liegen die Investitionen gerade bei der Hälfte des europäischen Durchschnitts (150 €) und bei fast einem Viertel der Pro-Kopf-Investitionen in den USA (260 €). In Asien werden sogar 400 € pro Kopf investiert (allerdings bei einem deutlich höheren Aufholbedarf)! Bei dieser Entwicklung droht Deutschland mittelfristig von der technologischen Entwicklung abgekoppelt zu werden. Neben der fehlenden Grundversorgungs-Verpflichtung sind auch die staatlichen Investitionen in Form von Fördermitteln für den Netzausbau nur mäßig hoch. Es wäre von Vorteil gewesen, wenn man bei der Privatisierung der Deutschen Telekom die Netzinfrastruktur heraus gelöst und sie entweder weiter unter staatlicher Hoheit belassen (wie bei den Autobahnen oder den Gleis-Trassen der Deutschen Bahn) oder an einen eigenständigen Anschluss-Netzbetreiber in Lizenz vergeben hätte, Mit dem Börsengang der Deutschen Telekom sind solche Überlegungen allerdings hinfällig geworden.

 

Der Ausweg für betroffene Regionen kann nur in Eigeninitiative und Kooperationen liegen. Typischerweise gibt es in vielen Kommunen keine ausgewiesenen Kompetenzen im Breitbandbereich und keine eindeutigen Zuständigkeiten. Daher fällt schon die grundsätzliche Bearbeitung von Fragestellungen rund um die Breitbandversorgung nicht selten schwer. Oft müssen Kommunen alleine, oder vertreten durch die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaften, auf die Suche nach dem richtigen Anbieter gehen und nach einer Vorauswahl erste Gespräche führen. Dabei hat es sich bewährt, wenn schon im Vorfeld Information über Marktpotenziale und konkrete Nachfrage gesammelt werden. Auch ist es hilfreich, einen Kriterienkatalog für die Auswahl zu erstellen. Für die Erhebung von Marktinformationen ist eine aktive Öffentlichkeitsarbeit hilfreich und notwendig. Die Koordination der unterschiedlichen beteiligten Ämter, Organisationen und Unternehmen ist schon für sich gesehen eine anspruchsvolle Aufgabe.

 

Für die Projektarbeiten von den Voranalysen über die Anbieterauswahl bis zur eigentlichen Umsetzung kann die Gründung einer Breitbandinitiative sinnvoll sein, in der Mitarbeiter sich schwerpunktmäßig nur diesem Thema widmen. Damit dies erfolgreich sein kann, muss ein Budget bereitgestellt werden und möglichst alle betroffenen Gruppen frühzeitig eingebunden werden. Der Erfolg hängt nicht unwesentlich an der Motivation und Erfahrung des Leiters der Breitbandinitiative. Auf Landesebene kann die Schaffung eines Breitbandkompetenz-Zentrums vorteilhaft sein, um die Kommunen bei der Bearbeitung von Fragestellungen rund um die Breitbandversorgung zu beraten und zu unterstützen. Ein wichtiges Element der Unterstützung wird die Beratung bei der Finanzierung sein. Für die Projektarbeit kann neben öffentlichen Budgets die Nutzung von Fördermitteln in Betracht kommen.

 

Gespräche mit den möglichen Netzbetreibern, allen voran der Deutschen Telekom als dem Netzbetreiber mit der höchsten Anschlussdichte können Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Auf jeden Fall sollten mehrere Anbieter zu einem Termin eingeladen werden, um die unterschiedlichen Konzepte vergleichen zu können. Für die Gespräche ist es hilfreich, wenn nicht nur vorhandene allgemeine Bedarfsinteressen von Bürgern und Unternehmen gebündelt werden, sondern auch Unterstützung durch die Bereitstellung von Leerrohren, Masten oder die teilweise Übernahme von Arbeiten zur Verlegung von Kabeln angeboten werden kann.

 

Trotzdem wird dies nicht in jedem Fall ausreichen, um einen der großen Netzbetreiber zu einem Netzausbau in der betroffenen Region zu bewegen. Entweder sind die Einwohnerzahlen zu gering, die topographischen Bedingungen zu schwierig, oder die Prioritäten anders gesetzt. In diesen Fällen können regionale, mittelständisch aufgestellte Betreibergesellschaften einen Ausweg bieten. Für den Erfolg der Kooperationen ist es notwendig, dass sich die Partner auf die jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren und jede Art der Doppelarbeit vermieden wird. Durch die regionale Nähe lassen sich fallweise die Voraussetzungen für den Netzbetrieb und die Gewinnung sowie die laufende Kundenbetreuung leichter und schneller schaffen, als dies einem nationalen Netzbetreiber möglich ist.

Jürgen Kaack 02.10.2008, 16.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Anschlusstechnologien

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Anschlusstechnologien zur Realisierung der Breitband-Anbindung an das Internet. Im Backbone-Netz hat sich dagegen Glasfaser als das am besten geeignete Übertragungsmedium herausgestellt. Gerade der Anschluss-Bereich („Last-Mile“) ist aufwändig zu realisieren und erfordert hohe Investitionskosten. Bei einem Vergleich der eingesetzten Anschluss-Technologien zeigt sich in Deutschland im internationalen Vergleich eine Besonderheit. Ende 2007 waren nach einer Auswertung des Branchenverbandes Bitkom immer noch 96 % aller Breitbandanschlüsse in DSL-Technologie ausgebaut, knapp 4 % entfallen auf Kabelmodem der Kabelnetzbetreiber und eine sehr geringe Anzahl auf Satelliten-Technologie und andere Anschluss-Technologien. Die Kabelnetzbetreiber haben erst relativ spät angefangen, ihre Netze Rückkanalfähig zu machen. Dies bedingt die noch geringe Versorgungsdichte. Durch weitere Ausbau und Vermarktungsaktivitäten kann es aber zu langsam steigenden Werten kommen.

 

Für den Netzausbau sollten die verschiedenen verfügbaren Technologien bewertet werden. Mittelfristig zukunftssicher, aber auch am teuersten im Ausbau ist der Anschluss der Haushalte mit Glasfaser (Fiber-to-the-Home), da so mindestens 100 MBit/s möglich sind. Sofern der Bandbreiten-Bedarf kurzfristig nicht so hoch ist, können auch andere Breitband-Technologien berücksichtigt werden, wie z.B. der Ausbau der HVT und KVZ oder eine Anbindung per Funk (z.B. mittels WiMAX mit bis zu 4 MBit/s). Auch Mischformen können wirtschaftlich sinnvoll sein, z.B. die Versorgung der DSLAMs mittels Richtfunk und die Verteilung über die bestehenden Hausanschlussleitungen. Für abgelegene Objekte kann auch eine Satelliten-Anbindung als Alternative dienen. Allerdings ist die Bandbreite dann auf 1 MBit/s begrenzt. Innerhalb von Kommunen muss die optimale Versorgung anhand der Ist-Situation konzipiert werden. Dabei spielt nicht zuletzt die Möglichkeit zur Anbindung an ein leistungsfähiges Backbone-Netz für die Zu- und Abfuhr des Datenverkehrs eine erhebliche Rolle.

 

Mobile Breitbandanschlüsse spielen bei dieser Betrachtung noch keine Rolle. Zwar waren Ende 2007 bereits 10 Mio. UMTS-Anschlüsse registriert und bis Ende 2008 sollen es 16 Mio. Anschlüsse sein. Allerdings erfüllen erst Anschlüsse nach dem HSDPA-Standard die Anforderung nach Breitbandigkeit mit mehr als 1 MBit/s im Download. Trotzdem ist mittelfristig mit einer Konkurrenz durch schnelle Mobilfunkanschlüsse zu rechnen. Auf die Marktsituation wird dies kaum Einfluss nehmen, da die Mobilfunknetzbetreiber angekündigt haben, den HSDPA-Ausbau insbesondere in den Ballungsgebiete vor zu nehmen. Für ländliche Regionen ist der HSDPA-Ausbau in der Regel unwirtschaftlich, da der Zellenradius einer HSDPA-Basisstation nur ca. 1 km beträgt.

 

Die Deutsche Telekom hat im Jahr 2007 den neuen Breitbanddienst VDSL mit Bandbreiten von bis zu 50 MBit/s eingeführt. Die Netzinfrastrukturen wurden in Großstädten bereits weitgehend flächendeckend aufgebaut. Aufgrund regulatorischer Restriktionen wird dieser schnelle Breitband-Anschluss nur in Verbindung mit IP-TV („Entertain“) und ausschließlich an Privatkunden vermarktet. Über einen geplanten Netzausbau mit VDSL in ländlichen Regionen ist bislang nichts bekannt und es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Technologie in einem mittelfristigen Zeitraum auch in der Fläche verfügbar sein wird. In vielen Regionen wird der Ausbau der bestehenden Telefonanschlüsse zu DSL-Anschlüssen duch die Deutsche Telekom oder einen alternativen Anbieter der schnellste und kostengünstigste Weg zur Schließung von Versorgungslücken sein. Aber auch für den Ausbau eines Hauptverteiler (HVT) fallen einmalige Investitionskosten in Höhe von ca. € 70.000 an, sowie Kosten für die Anbindung an ein Backbone. Auch für eine Kleinstadt müssen nicht selten mehrere HVT ausgebaut und angebunden werden. Ein alternativer Anbieter muss zudem die Portierungskosten in Höhe von € 39 je Kunde an die Deutsche Telekom zahlen (neben den Kosten für Marketing, Vertrieb, Billing, Kundenbetreuung etc.).

 

Als Alternative zu Leitungs-gebundenen Breitbandanschlüssen verspricht WiMAX als standardisierte Funklösung eine schnelle und kostengünstige Erschließung von insbesondere ländlichen Regionen. Auch bietet WiMAX die Möglichkeit, den Breitbandanschluss portabel und personenbezogen zu machen, allerdings mit begrenzten Bandbreiten von maximal 4 MBit/s, die im Vergleich zu den leitungsgebundenen Lösungen doch recht begrenzt erscheint. Nach der Versteigerung der Lizenzen Ende 2006 schien es zunächst neuen Schwung für WiMAX zu geben, der allerdings bald wieder deutlich abgeflacht ist. Fünf Unternehmen haben Lizenzen für den Netzaufbau mit WiMAX erworben. Die Investitionen für den Aufbau eines WiMAX-Netzes sind nicht unerheblich. Für eine Basisstation mit sechs Sektoren sind ca. € 100.000 zu veranschlagen, für einen Rundstrahler mit einem Sektor ca. € 20.000 und für die Anbindung an ein Backbone-Netz ca. € 25.000. Schließlich sind noch Kosten für Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Mast) in Höhe von ca. € 5.000 zu rechnen. Nicht unerheblich sind auch die Funkmodems je Teilnehmer, die mit steigenden Teilnehmerzahlen bei ca. € 100 liegen werde.

 

Kleinere Ortschaften werden versuchsweise mit einer lizenzfreien WiFi / WLAN-Technologie versorgt. Dies kann grundsätzlich eine Alternative für eine leitungsgebundene Versorgung sein, bedeutet aber eine hohe Eigeninitiative in den Kommunen und das Vorhandensein von technischen Experten für Netzplanung und Aufbau. Ein wesentliches Problem dieser Art von Netzaufbau ist oft die Sicherstellung der notwendigen Anbindung an vorhandene Backbone-Netze sowie die Umsetzung hochwertiger Sprachdienste.

 

Nur in wenigen Fällen wird eine Entscheidung für eine einzelne Technologie ausreichen. Mithilfe von Funktechnologien lassen sich schnell Versorgungslücken schließen, über den Ausbau der Hauptverteiler (HVT) der Deutschen Telekom, um einen schnellen DSL-Anschluss zu realisieren bis hin zur Verlegung von Glasfasern bis zum Hausanschluss (FTTH). Mit einem Glasfasernetz können die bereits gegebenen Bandbreitenbedürfnisse vieler Unternehmen abgedeckt und zukünftige Anforderungen von Organisationen und Privathaushalten befriedigt werden.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar die Zahl alternativer Breitband-Anschlusstechniken steigt, aber für Regionen außerhalb der Ballungsgebiete bleibt es auf absehbare Zeit bei DSL als der dominierenden Technologie. Die großen Netzbetreiber, einschließlich der Deutsche Telekom nehmen den Netzausbau unter wirtschaftlichen Kriterien vor, so dass kleinere Städte und Kommunen auch in den nächsten Jahren Probleme haben werden, die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen zu befriedigen bzw. das Entstehen von Standortnachteilen zu verhindern. Dies schafft Marktchancen für kleinere und regional tätige Anbieter, die mit flexiblem Vorgehen und unter Einsatz der optimalen Infrastruktur Wettbewerbsvorteile erzielen können. Im Vorteil sind dabei solche Anbieter, die über vorhandene Kontakte und Netzwerke in den jeweiligen Regionen verfügen, so dass der Vertriebsaufbau schnell und mit niedrigen Kosten von statten gehen kann.

Jürgen Kaack 01.10.2008, 08.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der klassische Telekommunikations-Markt stagniert auf hohem Niveau

Der Telekommunikations-Markt ist in den letzten Jahrzehnten rasant gewachsen. So haben sich in nur 18 Jahren die Teilnehmerzahlen im Mobilfunkmarkt um mehr als den Faktor 100 erhöht und die Penetration liegt in Deutschland bereits bei ca. 120 %. Aus einem früher nur Wenigen zugänglichen exklusiven und teuren Produkt ist ein alltäglicher Begleiter für Jedermann geworden. In fast allen Teilen der Welt ist das Mobilfunkgerät längst nicht mehr weg zu denken. Bei 6,6 Mrd. Menschen wurden 2007 2 Mrd. Handys genutzt, in Europa gab es im gleichen Jahr bei einer Bevölkerung von 680 Mio. bereits 731 Mio. Mobilfunkanschlüsse!

 

Die Digitalisierung und die Öffnung der Märkte für den Wettbewerb haben in den letzten zehn Jahren zu einem erheblichen Preisverfall geführt. Zehn Jahre nach der Liberalisierung des Festnetzmarktes ist der Minutenpreis tagsüber von € 0,307 bis auf € 0,0017  gesunken! Auslandsgespräche am Beispiel USA sind von  teuren € 0,7363 1997 pro Minute 2007auf   0,0087 gefallen. Gleichzeitig sind auch die Preise für Prozessoren, Speicher und Geräte wie Laptops und Handys stark gefallen, während die Leistungsfähigkeit deutlich angestiegen ist.

 

Diese Entwicklung hat Spuren im Markt hinterlassen. So hat der Telekommunikations-Markt in Deutschland nach Jahren des kontinuierlichen Wachstums sein vorläufig höchstes Marktvolumen im Jahr 2006 erreicht mit 66,6 Mrd. € und schrumpft seither leicht und dies bei weiterhin steigenden Minutenzahlen. Aus einem Wachstumsmarkt ist in vielen Bereichen ein gesättigter Markt mit erkennbarem Verdrängungswettbewerb geworden. 2007 lag das Marktvolumen „nur“ noch bei 63,4 Mrd. € und wird auch 2008 voraussichtlich weiter leicht zurückgehen. Das Minutenvolumen im Gesamtmarkt wächst allerdings immer noch weiter an, wenn sich auch eine Verschiebung vom Festnetz in Richtung Mobilfunk bemerkbar macht.

 

Die Anforderungen von Privatkunden und kommerziellen Nutzer haben sich dabei kaum verändert, wenn überhaupt sind sie weiter gestiegen. Für den privaten Nutzer stehen niedrige Preise und ein umfassendes Diensteangebot im Vordergrund, bei Unternehmen sind Verlässlichkeit, die Einhaltung von Service-Levels und Ausfallsicherheit tendenziell wichtiger als der Preis. Dies hängt ganz wesentlich mit der zunehmenden Integration von TK-Diensten in die Geschäftsprozesse und Work-Flows zusammen. Der Bedarf an immer höheren Bandbreiten ist aber für beide Zielgruppen gleichermaßen kennzeichnend. Die Änderungen im Verhalten dokumentieren sich u.a. auch in der Entwicklung von Briefsendungen im Verhältnis zu verschickten SMS im Mobilfunk. Im Jahr 1995 wurden in Europa 15 Mrd. SMS verschickt und gleichzeitig 90 Mrd. Briefe. Im Jahr 2003 stieg die Zahl der Briefsendungen auf 104 Mrd. (entsprechend einem Plus von 16 %) und die Zahl der SM stieg sprunghaft auf 192 Mrd. (entsprechend einem Zuwachs um 1.180 %!).

Jürgen Kaack 26.09.2008, 10.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mobiler Markt im Wandel

Kein Markt hat sich bisher derart stark verändert wie der Mobilfunkmarktbereich. War das Wachstum in den Anfangsjahren noch nicht sonderlich hoch, änderte sich das Anfang der 90er. Die Verfügbarkeit von Mobiltelefonen stieg an, die Tarife wurden niedriger; die allgemeine Dynamik des Marktes nahm zu. Auch die Art der Dienstleistungen veränderte sich. Gab es anfangs nur das Vertragskundengeschäft, wurde das Angebot später durch Prepaid-Produkte bereichert. Mittlerweile verlangsamt sich der Erfolg allerdings wieder und das Gesicht des Mobilfunkmarktes wandelt sich. Aus der anfänglichen Wachstumsphase resultiert nun ein Verdrängungswettbewerb...

Meinen vollständigen Artikel zur Veränderung des Mobilfunkmarktes am Beispiel der debitel findet sich auf dem Portal des Forschungsinstituts für Telekommunikation unter diesem Link.

Jürgen Kaack 29.05.2008, 22.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL