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Tag: Mobilfunk

Problemfall regionale Netze

Das Bewusstsein für den Bedarf an Breitband-Anschlüssen hat sich bei den politischen Entscheidungsträgern in Deutschland seit Anfang 2008 deutlich weiter entwickelt und es dürfte mittlerweile unstrittig sein, dass eine gute und flächendeckende Breitbandversorgung ein wichtiger Standortfaktor für jede Kommune ist. Die politischen Diskussionen um das Konjunkturpaket II haben diesen Prozess weiter vorangebracht. Damit endet allerdings in vielen Fällen der Erkenntnisstand der Verantwortlichen in den Kommunen. Was konkret zu tun ist, mit wem zu verhandeln ist, welche Technologie zukunftssicher ist und welche Förderungen aus dem Konjunkturpaket II für den Breitbandausbau genutzt werden können, bleibt für manche Entscheider noch in einer diffusen Grauzone.

 

Fernverkehrsnetze

 

Betrachtet man die technischen Gegebenheiten, so stellt man fest, dass im Bereich der Fernverkehrs-Netze (nationale Backbone-Netze) eine ausreichende Übertragungs-Kapazitäten vorhanden und verschiedene Anbieter im Wettbewerb zueinander tätig sind. Hier liegt offensichtlich nicht das Problem für den Breitbandausbau in der Fläche. Im Bereich der Teilnehmer-Anschlussnetze finden sich in Deutschland durchweg Kupfer-Zweidraht-Anbindungen und ergänzend je nach Region Koaxialkabel der Kabel-Fernseh-Anbieter. Glasfaser-Anbindungen, wie sie in den Niederlanden oder in manchen asiatischen Ländern in steigendem Umfang eingesetzt werden, findet man in Deutschland dagegen nur in wenigen Modellprojekten. Statistisch gesehen liegt Deutschland mit Fiber-to-the-Home im internationalen Vergleich noch im letzten Drittel.

 

Anschluss-Netze

 

Trotzdem ist es selbst mit den vorhandenen Kupfer-Anschlussnetzen möglich, hohe Bandbreiten zu übertragen. Kabelnetz-Betreiber erreichen vielerorts 32 MBit/s mit der zukünftigen Option bis auf 100 MBit/s zu erweitern, mit ADSL sind derzeit 16 MBit/s möglich und das moderne VDSL-Netz der Telekom ermöglicht je nach Entfernung vom Kabelverzweiger 25 oder 50 MBit/s und überträgt diese ebenfalls über das vorhandene Kupfer-Zweidraht-Anschlussnetz zum Nutzer. Für höhere Bandbreiten braucht man dann allerdings dann doch die Glasfaseranbindung bis zum Gebäude (Fiber-to-the-Building) oder bis in den Haushalt (Fiber-to-the-Home). Trotzdem ist festzustellen, dass das Anschlussnetz in aller Regel ebenfalls nicht den Engpass beim Breitbandausbau in der Fläche darstellt.

 

Diese Aussage gilt natürlich nur mit Einschränkungen. Denn ohne einen Ausbau der aktiven Übertragungstechnik im bestehenden Anschlussnetz ist keine Breitbandübertragung möglich. In der Regel müssen die letzten aktiven Komponenten im Anschlussnetz, die Kabelverzweiger (KVZ), mit moderner digitaler Übertragungstechnik aufgerüstet werden. Dies ist mit zusätzlichen Investitionen verbunden, die der Anschlussnetzbetreiber erbringen muss. Je nach Bevölkerungsdichte (und damit der Zahl der an einen Kabelverzweiger angebundenen Haushalte) kann allerdings auch dieser Ausbau für einen Netzbetreiber unwirtschaftlich sein und es gilt, eine gegebenenfalls vorhandene Wirtschaftlichkeitslücke zu schließen.

 

Regionale Backbone-Netze

 

Das Problem für den Breitbandausbau in der Fläche besteht in den meisten Fällen im regionalen Backbone-Netz, mit dem das Fernverkehrs-Netz an das Anschlussnetz angebunden wird. Hier sind heute die verfügbaren Bandbreiten oft zu gering, um höhere Bandbreite bis zum Anschluss-Netz zu transportieren. Die regionalen Netze bestehen typischerweise aus Kupfer-Leitungen, deren Kapazität nicht erweitert werden kann. Hier bleibt oft nur der Ausbau des regionalen Netzes mit Glasfaser-Leitungen. Dass dies in der Regel im überbauten Raum erfolgen muss, kommt erschwerend hinzu und ist dann mit teuren Baumaßnahmen verbunden. Sofern Kabelkanäle, Abwasserrohre oder ähnliches verwendet werden können, lässt sich der notwendige Aufwand reduzieren. Die Verlegung von Glasfaser-Strecken in Abwasserkanälen befindet sich derzeit in einem Pilotversuch.

 

Als Alternative zu Glasfaserstrecken kommen je nach Topographie auch Richtfunk- oder WiMAX-Verbindungen im regionalen Netz in Betracht. Eine Funkstrecke ist in der Regel kostengünstiger zu errichten, wenn topographische Hindernisse wie Flüsse, Straßen und andere Hindernisse zu überwinden sind. Auch die direkte Anbindung einzelner Kabelverzweiger mithilfe von WiMAX-Strecken ist möglich und meistens schneller zu realisieren als eine Baumaßnahme. Allerdings gibt es an einigen Orten Widerstände gegen Funklösungen, auch wenn dies eigentlich fast immer unbegründet ist. Außerdem stellt eine Funkstrecke in einem regionalen Netz eine aktive Infrastruktur-Komponente dar, die gemanagt werden muss.

 

Regionale Netze verbinden die Backbone-Trassen mit den Kabelverzweigern in den Ortsteilen (je Ortsteil ist in der Regel ein Kabelverzweiger vorhanden). Das Netz erhält somit zunächst eine Baumstruktur, die aufgrund der Verfügbarkeit und Absicherung in Richtung einer Ringstruktur erweitert werden sollte. Ergänzend zu den eigentlichen Verbindungsstrecken ist eine Einrichtung zur Überwachung von Performance und Verfügbarkeit des regionalen Netzes vorzusehen.

 

Jürgen Kaack 21.04.2009, 09.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandanwendungen für die Verkehrstelematik?

Am 07.04.2009 findet das Forum "Telematik-City" in Stuttgart statt. Veranstalter ist das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ballungsräume stehen vor verschiedenen großen Herausforderungen, bei denen IT- und Telekommunikations-Anwendugnen eine Lösung bieten können. So werden bei dem Forum Themen zur Entwicklung der Infrastruktur, des Verkehrsmanagements und verkehrstemelatische Lösungen präsentiert und diskutiert.

Bei der Veranstaltung wird Dr. Kaack einen Vortrag halten mit dem Thema: "T-City Friedrichshafen - Standortqualität durch modernste I&K Technologien". Das Programm und das Anmeldeformular für die kostenpflichtige Veranstaltung findet sich auf der Seite von Fraunhofer IAO.

Jürgen Kaack 02.04.2009, 21.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Forum Telematik-City - intelligente Mobilität für Ballungsräume

Am 07.04.2009 findet das Forum "Telematik-City" in Stuttgart statt. Veranstalter ist das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Ballungsräume stehen vor verschiedenen großen Herausforderungen, bei denen IT- und Telekommunikations-Anwendugnen eine Lösung bieten können.  So werden bei dem Forum Themen zur Entwicklung der Infrastruktur, des Verkehrsmanagements und verkehrstemelatische Lösungen präsentiert und diskutiert. Bei der Veranstaltung werde ich einen Vortrag halten mit dem Thema: "T-City Friedrichshafen - Standortqualität durch modernste I&K Technologien".

Das Programm und das Anmeldeformular für die kostenpflichtige Veranstaltung findet sich unter diesem Link.

 

Jürgen Kaack 11.03.2009, 12.19 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der MVNO im Mobilfunkmarkt

Im Mobilfunk gab es bis vor knapp fünf Jahren nur die Möglichkeit, sich als Netzbetreiber, Service Provider, Vertriebspartner oder Hersteller zu betätigen. Mit dem Markteintritt von Tchibo Mobile im Jahr 2004 eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten als Anbieter. In einem zunehmend durch Verdrängung geprägten Markt lassen sich auf diesem Wege Differenzierungspotenziale gegenüber den etablierten TK-Anbietern erschließen.

Innerhalb der Wertschöpfungskette hat der MVNO
neben der Vertriebsfunktion und der Kundenverwaltung auch die Dienstegestaltung und -produktion unter seiner Kontrolle. Für die Zuführung und Terminierung von Gesprächen arbeitet der MVNO mit Access-Netzbetreibern zusammen und kauft dieses Vorprodukt zu Interconnection-Konditionen ein, die in seine eigene Kalkulation als Kosten einfließen.

Bislang sind in erster Linie Discount-Anbieter nach dem Vorbild von Tchibo , Blau, Klarmobil und anderen am Markt tätig, sowie daneben Zielgruppen-spezifisch arbeitende Anbieter, z.B. mit dem Fokus auf ethnische Gruppen und Kinder. Das Geschäftsmodell bietet aber noch mehr Möglichkeiten zur Positionierung, die ich in meinem Artikel bei TelecomDe.com erläutere. Die genaue Positionierung mit einem nachvollziehbaren Nutzen für die Zielgruppen ist aber auch ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Anbieter!

Jürgen Kaack 23.02.2009, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Standortfaktor Breitband

Am 19.03.2009 vführt die Wirtschaftsförderung Rhein-Erft im Schloss Gymnich eine Veranstaltung durch zu dem durch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung hochaktuellen Thema der Breitbandversorgung in der Fläche ("Standortfaktor Breitband").

Vertreter betroffener Kommunen sollen in der drei-stündigen Veranstaltung informiert werden über technische Alternativen für den Breitbandausbau, Geschäftsmodelle für die Umsetzung, sowie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Natürlich besteht auch die Möglichkeiten zu Fragen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, das Programm und Anmeldeformular findet sich auf den Seiten der WfG unter diesem Link.

Ich werde bei der Veranstaltung mit einer Präsentation zu dem Thema "Breitband als Standortfaktor - Lücken in der Versorgung schließen" dabei sein.

Jürgen Kaack 07.02.2009, 11.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mit Konvergenz zusammenführen

Konvergenz erleichtert das Leben der Nutzer! Zumindest behaupten das Anbieter von angeblich konvergenten Diensten. Die Idee ist schon recht alt und ich habe bereits vor zehn Jahren ein Konzept für einen konvergenten Dienst entwickelt und ein paar Jahre später auch zur Marktreife gebracht. Was ist eigentlich Konvergenz? Wie der Name andeutet, geht es um das Zusammenführen heute getrennter Lösungen. In der Telekommunikation sind die Sprachtelefonie über das Festnetz, der Mobilfunk und die Datenkommunikation (z.B. über das Internet) unabhängig voneinander mit eigenen Rufnummern, unterschiedlichen Tarifen, eigenen Benutzeroberflächen und Anbietern. Nimmt man die private und berufliche Nutzung hinzu verdoppelt sich die Zahl von Rufnummern, Verträgen und Mailboxen noch mal. Das muss nicht sein!

In Zukunft können auf der Basis von IP Dienste und auch Netze zusammengeführt werden. Eine Vereinheitlichung kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen, von der Dienste- bis zur Netz-Ebene. Über die Treiber der Konbvergenz und die unterschiedlichen Ausprägungen habe ich bereits vor einigen Jahren Artikel veröffentlicht. Jetzt ist auf dem Portal von telecomDE.com ein aktualisierter Artikel von mir erschienen unter diesem Link. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren richtige Konvergenz-Dienste entstehen, die diesen Namen zu Recht führen. Die Entwicklung des Internets und der Internet-Protokolle macht es möglich!
 

Jürgen Kaack 01.02.2009, 11.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

2. Konjunkturprogramm fördert die Breitband-Versorgung

Mit dem gerade verkündeten zweiten Konjunkturprogramm sollen auch Investitionen in den Breitband-Ausbau in der Fläche gefördert werden. Die Bundesregierung hat das Ziel definiert, bis zum Jahr 2010 alle weißen Flecken zu schließen. Hierbei wird allerdings noch keine höhere Geschwindigkeit gefordert, so dass alle möglichen Technologien genutzt werden können. Damit kann schon einiges gegen die Gefahren aus der digitalen Spaltung getan werden, wenn die Umsetzung schnell definiert und praktikabel ausgestaltet wird. Die bisherigen Förderansätze für den Breitbandausbau mit maximal € 50.000 je Kommune sind hierfür ganz sicher nicht ausreichend. Natürlich müssen auch die Netzbetreiber ihren Vorteil erkennen.

In der nächsten Umsetzungsstufe bis 2014 sollen 75 % der Haushalte mit Breitband in einer Übertragungsrate von 50 MBit/s angeschlossen sein. 2018 sollen dann alle Haushalte in Deutschland mit mindestens 50 MBit/s anschließbar sein! Dies setzt natürlich einen verstärkten Einsatz von Glasfaser voraus, mit denen zumindest die Kabelverzweiger (Fiber-to-the-Curb) versorgt werden. Auch Fiber-to-the-Building muss in verstärkter Form genutzt werden. Im Endausbau ist dann vermutlich Fiber-to-the-Home unabdingbar - allerdings von den Investitonsaufwenden auch deutlich am teuersten.


Zur Erreichung der jetzt richtigerweise gesetzten Zielen sind noch einigen Aufgaben zu erledigen und tragfähige Umsetzungskonzepte erarbeitet werden.

 

Jürgen Kaack 13.01.2009, 21.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Standortqualität durch modernste I&K Technologie

Im Folgenden der Abstract für meinen Vortrag im Rahmen der "TelematikCity" Veranstaltung von Fraunhofer in Stuttgart am 16.12.2008. Der Programmflyer (und das Anmeldeformular) finden sich unter diesem Link auf der Seite des Fraunhofer IAO-Instituts.

Telekommunikation ist für vielfältige Änderungen im privaten und wirtschaftlichen Umfeld verantwortlich. Zukünftig sind Internet und Breitbandanwendungen Treiber für Umwälzungen. Welche Auswirkungen sind zu erwarten? Deutschland drohen Nachteile durch die digitale Spaltung z.B. im Vergleich von Ballungsgebieten und ländlichem Raum. Welche Möglichkeiten gibt es und wer muss die Initiative ergreifen?

 

Ein wichtiger Treiber für die weitere Entwicklung ist das Internet. Erst 1993 kam der erste Webbrowser auf den Markt und ermöglichte das heutige WorldWideWeb (WWW). Obwohl erst gerade 15 Jahre in dieser Form verfügbar, hat das Internet weltweit bereits 1,23 Mrd. Nutzer – und dies mit stark steigender Tendenz. Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung war das Aufkommen von Web2.0 Funktionalitäten im Jahr 2004. Das drastische Wachstum verändert nicht nur viele Strukturen, es führt auch zu einer erheblichen Belastung für die Netzinfrastrukturen, die nicht auf solche Datenmengen und ein Wachstum von derzeit 60 % pro Jahr ausgelegt wurden.

 

Auch in Deutschland ist der Siegeszug des Internets zu beobachten, 65 % der Bevölkerung nutzen bereits heute das Internet, weitere 5 % planen die Nutzung noch in diesem Jahr. In der Altersgruppe der 14 – 29-Jährigen nutzen 91 % das Internet. Nur in der Gruppe der über 50-Jährigen ist die Nutzung mit 40 % noch vergleichsweise gering. Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit diesen Werten gerade mal im Mittelfeld. In vielen asiatischen Ländern, aber auch in Skandinavien oder den Niederlanden beträgt die Durchdringung inzwischen über 80 % und wächst weiter! Der Bandbreiten-Bedarf wächst kontinuierlich, vor wenigen Jahren war 1 MBit/s noch völlig ausreichend, mittlerweile sind immer mehr Anschlüsse mit 2, 6 oder 16 MBit/s im Einsatz. Mit VDSL können auch Privatpersonen 25 oder 50 MBit/s nutzen. Glasfaser (ftth) ermöglicht auch Bandbreiten über 100 MBit/s. Auch die Unternehmen haben die Bedeutung von Breitband erkannt. Als Standortfaktor rangiert die Breitbandversorgung fast gleich auf mit Personalkosten und der Straßenanbindung.

 

Bei der rasant steigenden Bedeutung des Internet auf allen Ebenen des Lebens ist es wichtig, dass es nicht zu ungewollten Abspaltungen („Digital Divide“) von einzelnen Bevölkerungsgruppen kommt. Es gibt traditionell gesellschaftliche Gruppen, die der Internet-Nutzung weniger offen gegenüber stehen. Die ältere Generation ist aber bei weitem noch nicht ausreichend eingebunden. Der Breitbandausbau in der Fläche ist teuer. Nach Expertenschätzung ist für einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser (ohne den Hausanschlussbereich) Investitionen in Höhe von 30 bis 50 Mrd. € erforderlich. Dies ist sicher für keinen der Anbieter alleine zu schaffen. Aufgrund der oben aufgeführten Randbedingungen sind die Investitionen in den Breitband-Ausbau in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrie-Staaten erschreckend gering. Der Ausweg kann nur in Eigeninitiative und Kooperationen liegen.

 

Als ein Modellprojekt werden im Rahmen von T-City verschiedene Breitband-Anwendungen auf der Basis der modernsten Mobilfunk- und Festnetz-Infrastruktur erprobt in den für das T-City Projekt definierten Projektfeldern:

 

  • Bürger & Staat
  • Wirtschaft & Arbeit
  • Lernen & Forschen
  • Gesundheit und Betreuung
  • Verkehr & Mobilität
  • Tourismus & Kultur

 

Die derzeit verfolgten 25 Projekte werden gemeinsam mit Partnern aus der Region umgesetzt und sollen einen Beitrag zu den Oberzielen des Projektes liefern:

 

  • Erhöhung der Lebensqualität
  • Verbesserung der Standortqualität
  • Steigerung des Vernetzungsgrads zwischen Bürgern, Unternehmen und Institutionen
 

Jürgen Kaack 02.12.2008, 08.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Von der Produktidee zur Innovation

Nicht jede technische Entwicklung hat das Potenzial zu einer Innovation. Damit eine Neuentwicklung zur Innovation wird, muss sie Akzeptanz bei einer ausreichenden Zahl von Nutzern finden und der generierte Nutzen muss höher sein, als die Kosten für Kauf bzw. Nutzung. Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, ob der Nutzen als quantitativer Wert messbar ist oder als emotionaler Nutzen vom Käufer / Anwender so empfunden wird. Allerdings muss die Anzahl der Käufer ausreichen, um in Summe die Vorlaufkosten für die Entwicklung und Markteinführung zu decken sowie die Stückkosten für Produktion und Verteilung.

 

Es gab immer wieder technische Entwicklungen, die ohne vorherige Planung zu Innovationen wurden. Ein gutes Beispiel für einen solchen Fall war die Kurznachricht (SMS) im digitalen Mobilfunk. Den meisten Anbietern war sicher bei der Vorstellung dieses Dienstes nicht bewusst, welches Marktpotenzial SMS einmal erreichen wird. Heute stellt der SMS-Dienst eine wichtige Quelle zur Generierung von Marge für die Mobilfunkanbieter dar. Der multimediale und konsequent geplante Nachfolgedienst MMS ist dagegen noch weit von einem Markterfolg entfernt. Offensichtlich erzeugt die MMS im Vergleich zu den Kosten keinen signifikanten Nutzen für den Anwender. Ein anderes Beispiel für eine aus einem Forschungsvorhaben beim Fraunhofer Institut entstandene Innovation stellt die MP3-Kodierung dar. Fast hätte der MP3-Standard den Sprung zur Innovation nicht geschafft, da die Unternehmen in Europa kein Interesse an der Verwertung des Verfahrens hatten.

 

Es ist auch keineswegs garantiert, dass die technologische Lösung den Sprung zur Innovation schafft. In der Frühzeit der Videoaufzeichnung gab es drei rivalisierende Systeme, von denen Video 2000 nach Expertenmeinung das technologischen am weitesten ausgereifte System. Trotzdem konnte es sich gegen VHS als den bis heute beherrschenden Standard nicht durchsetzen und ist schon wenige Jahre nach der Einführung wieder vom Markt verschwunden. Auch die etwas später auf den Markt gekommene Bildplatte hatte keinen Erfolg.

 

Voraussetzungen für Innovationen

 

Anhand der obigen Beispiele lässt sich ablesen, dass Innovationen nicht immer plan- und vorhersehbar sind. Auch sind nicht immer die technologisch überlegenen Lösungen die nachhaltig erfolgreichen. Offensichtlich spielen neben den rationalen und messbaren Produkteigenschaften auch andere Faktoren eine Rolle. Ein tatsächlich vorhandener Nutzen wird nur dann genutzt, wenn er dem potenziellen Anwender auch vermittelt wird. Somit ergibt sich eine Reihe von Faktoren, die zusammen kommen müssen, damit aus einer technischen Neuerung eine Innovation wird:

  • Die neue Anwendung muss eine Relevanz für die Zielgruppe haben, die aber nicht zwangsläufig den Erwartungen der Entwickler entspricht
  • Der Nutzen (rational oder empfunden) muss höher sein als die Kosten
  • Die Neuerung sollte eine Differenzierung zu bisherigen Problemlösungen aufweisen
  • Die neue Anwendung muss an die Zielgruppe kommuniziert werden
  • Das Produkt muss erreichbar sein für den potenziellen Käufer über Vertriebskanäle seines Vertrauens
  • Die Nutzen-Generierung muss für den Anwender nachhaltig sein

 

Die einzelnen Faktoren können im Vorfeld nicht immer vollständig analysiert und bewertet werden. Insbesondere bei Neuerungen mit hohem Neuigkeitsgrad für den potenziellen Anwender ergeben sich erhebliche Unsicherheiten. Trotzdem können gründliche Analysen im Vorfeld helfen, das Risiko zu begrenzen und zu bewerten.

 

Zielgruppen-Analysen helfen bei der Risikobegrenzung

 

Hilfreich für die Vorfeld-Analysen ist eine intensive Beschäftigung mit den Zielgruppen, die vermutlich am ehesten als Nutzer in Betracht kommen. Mit dem Instrument der Zielgruppen-Analyse lassen sich viele Informationen beschaffen und zu Einschätzungen über die Erfolgschancen verdichten.

 

Kooperationen verteilen die verbleibenden Risiken

 

Der Entwickler einer Neuerung ist in der Regel nicht der spätere Verwerter und Vermarkter des fertigen Produktes. Oftmals fehlt dem Entwickler die „Nähe“ zu dem potenziellen Käufer und Anwender. Der Vermarktungspartner bringt diese Erfahrungen aber vermutlich mit. Für die Begrenzung des Risikos ist eine Kooperationen beider Parteien sinnvoll. Hierbei können beide Unternehmen ihre jeweiligen Stärken einbringen, um das gemeinsame Projekt erfolgreich zu machen. Ob eine Kooperation in Form einer projektbezogenen und vertraglich geregelten Zusammenarbeit erfolgt oder in Form einer gesellschaftsrechtlichen Verflechtung ist für das Ergebnis nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass beide Partner ein gemeinsames Interesse an dem Ergebnis haben und sich schon vor der eigentlichen Entwicklung über die spätere Rollenaufteilung und die jeweiligen Beiträge sowie die Rechte an dem späteren Ergebnis einigen. Es empfiehlt sich, eine solche Vereinbarung in Form eines rechtssicheren Vertrags zu schließen.

 

Die Nähe zu den Zielgruppen für ein neues Produkt kann helfen, frühzeitig die Spezifikation für die Entwicklung auf Akzeptanz, Nutzerfreundlichkeit und Nutzen zu testen. Neben den Analysen aus vorhandenen Daten können Fokus-Gruppen mit Vertretern der Zielgruppe wichtige neue Erkenntnisse liefern und die Entwicklung in eine Erfolg versprechende Richtung voran bringen. Gerade bei größeren Entwicklungsvorhaben bieten sich an, Meilensteine im Projektplan zu definieren, an denen die Ergebnisse aus Sicht der späteren Anwender überprüft werden. Fallweise können vor dem Abschluss der Entwicklung mit Pilotinstallationen bei begrenztem Aufwand als Praxistest einplanen. Pilotversuche können wichtige Ergebnisse für die weitere Entwicklung liefern, die das Risiko eines Misserfolgs senken. Auch hier hängt es von der Anwendung und der Zielgruppe ab, wie umfangreich ein Pilotversuch sein sollte.

Jürgen Kaack 28.11.2008, 08.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband wird zur Selbstverständlichkeit!

Das Internet ist 2008 erst 15 Jahre alt geworden, nachdem im Jahr 1993 der erste Web-Browser eingeführt wurde. Mittlerweile nutzen weltweit 1,23 Mrd. Menschen das Internet, in Deutschland sind 65 % der Bevölkerung online und in diesem Jahr werden wohl noch mal 5 % hinzukommen.

 

Da das Internet-Angebot auf vielen Seiten immer multimedialer wird mit animierten Seiten, Videos, Musik und Fotos. So bleibt es nicht aus, dass die erforderliche Bandbreite stetig steigt. Ende 2008 werden 21,9 Mio. Haushalte einen Breitband-Anschluss nutzen. Dabei steigt die genutzte Bandbreite kontinuierlich. Während 2005 noch 8,2 Mio. Anschlüsse (von insgesamt 10,3 Mio.) eine Bandbreite von weniger als 2 MBit/s hatten, werden es bis Ende 2008 nur noch 3,7 Mio. Anschlüsse sein. Gleichzeitig werden 2008 bereits 4,5 Mio. Anschlüsse mehr als 6 MBit/s zur Verfügung haben, 2005 gab es dieses Bandbreiten-Angebot noch nicht im Privatkundensegment!

 

Aufholjagd in der Breitband-Durchdringung

 

Die Anzahl der Breitband-Anschlüsse ist gegenüber dem Vorjahr um 17 % gestiegen. Das Marktsegment mit mehr als 6 MBit/s ist dagegen gegenüber 2007 um 125 % gewachsen. Der Trend zu mehr Bandbreite ist somit eindeutig und sicher nicht am Ende. Derzeit nutzt das Gros der Kunden, nämlich 13,7 Mio. den Bandbreitenbereich von 2 bis 6 MBit/s. In den nächsten Jahren werden Bandbreiten mit 16, 32, 50 oder sogar 100 MBit/s genauso selbstverständlich werden wie heute 6 MBit/s!

 

Beeindruckend ist die Entwicklung des Breitband-Verkehrsvolumens von 2001 mit nur 22 Mio. GB auf voraussichtlich 2397 Mio. GB in 2008. Durchschnittlich ist das Internet-Verkehrsvolumen in den letzten Jahren um ca. 340 GB jährlich gestiegen, allerdings mit deutlichem Anstieg in den letzten beiden Jahren. Alleine von 2007 auf 2008 beträgt der Anstieg über 33 % und somit fast doppelt so stark wie die Anzahl der Breitband-Anschlüsse! Das durchschnittliche Datenvolumen pro Monat und Nutzer liegt 2008 laut VATM bei 9,2 GB und wächst weiter. Das steigende Verkehrsvolumen ist letztlich auch die entscheidende Ursache für den Bedarf an ständig steigenden Bandbreiten.

 

Das Internet wird mobil

 

Nicht nur im Festnetz wächst das Verkehrsvolumen, auch im Mobilfunk steigt die Datenkommunikation zwar noch auf niedrigem Niveau aber doch stetig. 2002 betrug der Umsatz mit mobiler Datenkommunikation gerade mal € 0,1 Mrd., 2008 werden es aber voraussichtlich bereits € 2,3 Mrd. sein. Gegenüber dem Vorjahr ist das Umsatzvolumen um über 35 % angewachsen und es ist zu erwarten, dass auch im nächsten Jahr über 30 % Wachstum erreicht werden. Bemerkenswert ist, dass die mobile Datenkommunikation voraussichtlich bereits 2009 einen höheren Umsatz generiert als SMS und MMS zusammen!

 

Bedenkt man, welche Anwendungen die Entwicklung des Internets getrieben haben, so wird deutlich, warum auch in der mobilen Datenkommunikation noch erhebliches Wachstumspotenzial steckt. Eine der ersten und bis heute wichtigsten Anwendungen ist das Versenden und Empfangen von Emails. Mit dem Aufkommen der Push-Dienste und kostengünstiger Datenpaket-Angebote ist die Email-Nutzung auch in mobiler Umgebung nicht mehr ungewöhnlich.

 

Weitere mobile Anwendungen wie z.B. Standort-abhängige Informations- und Transaktions-Dienste werden die mobile Datenkommunikation weiter entwickeln. Dabei sollte nur gewährleistet sein, dass die neuen Dienste beim Anwender nicht als Spam gewertet werden. Hierzu ist es notwendig, nur solche Informationen aktiv zu verschicken, die der Nutzer vorher angefordert hat. Auch die Möglichkeit mit dem Handy zu bezahlen, z.B. im Nahverkehr, bei der Deutschen Bahn, aber auch in zunehmend mehr Städten für die Parkplatznutzung, wird die Datenkommunikation weiter vorantreiben. Die Nutzung des Handys für den mobilen Fernsehempfang, z.B. nach dem DVB-H Standard war dagegen bislang nicht erfolgreich.

 

Breitband ist der Treiber im Telekommunikationsmarkt

 

Internet und Breitband sind weder im Festnetz noch im Mobilfunk am Ende ihres Wachstums, im Gegenteil sind dies die Treiber für die weitere Entwicklung des Telekommunikationsmarktes. Vergleicht man die Breitband-Entwicklung in Deutschland mit derjenigen in anderen Ländern, so wird deutlich, dass Deutschland bestenfalls im Mittelfeld liegt. Viele Länder haben in der Breitband-Durchdringung bereits die Marke von 80 % der Haushalte überschritten. Dabei braucht man nicht mal nach Asien oder in Richtung Skandinavien zu sehen, selbst Holland ist im Hinblick auf die Breitbanddurchdringung deutlich weiter entwickelt als Deutschland.

 

In den letzten fünf Jahren waren soziale Netze wie z.B. MySpace, StudiVZ, Flickr oder YouTube starke Treiber des Wachstums, die dem übergreifenden Trend zur Individualisierung der Inhalte folgen. „Ernsthafte“ Anwendungen aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verkehr und Verwaltungsdienste werden in den nächsten Jahren für zusätzliches Wachstum sorgen. Zunehmend werden die Inhalte von Portalen nicht nur über das Festnetz erreichbar sein, sondern auch in speziell aufbereiteter Form mobil mit einem Handy. Ein großer Schub in der weiteren Entwicklung ist mit dem „Internet der Dinge“ zu erwarten, wenn alle elektrischen Verbraucher mit eigener Internet-Adresse versehen werden und untereinander kommunizieren. Entsprechende Lösungen können den Verkehr sicherer machen und bei höherem Komfort helfen, Energie ein zu sparen.

 

Mit ziemlicher Sicherheit wird die Telekommunikation aber auch in den nächsten Jahrzehnten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung im geschäftlichen wie privaten Bereich einnehmen. Die weltweiten Megatrends:

 

  • Globalisierung
  • Mobilität
  • Bildungsgesellschaft
  • Alternde Gesellschaft
  • Virtualisierung

 

bieten Ansätze für Breitbandlösungen, die einen konkreten Beitrag zur weiteren Entwicklung leisten können. Dabei ist heute ebenso wenig absehbar, in welche Richtung sich die Telekommunikation tatsächlich weiterentwickeln wird, so wie dies bereits vor zehn Jahren der Fall war.

 

Jürgen Kaack 26.11.2008, 09.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL