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Tag: Mobilfunk

Autobiographie: Veränderungen gestalten


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Jürgen Kaack 22.02.2017, 17.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL

In Kaarst erst Grundversorgung, dann Konzept für NGA

Die Stadt Kaarst ist ebenso wie andere Städte und Gemeinden teilweise nur unzureichend mit Breitband-Internet versorgt. Die betroffenen Stadtteile verlieren als Wohn- und Gewerbestandorte an Attraktivität. Ohne zukunftssichere Internetzugänge sinken sowohl Immobilienwerte als auch erzielbare Mieten, wenn Wohnungen überhaupt vermietet werden können.

Von Bürgerinnen und Bürgern als auch von Unternehmern und Gewerbetreibenden aus den Ortsteilen Vorst und Holzbüttgen mit dem Gewerbegebiet Kaarster Kreuz wird schon seit Jahren die Forderung erhoben, schnellere Internetgeschwindigkeiten nutzen zu können.
Mit VDSL steht unmittelbar nach dem Ausbau entfernungsabhängig eine Bandbreite für den Downstream von bis zu 50 MBit/s für über 40% der Anschlüsse zur Verfügung. Mit dem VDSL-only Angebot wird die Verfügbarkeit der Bandbreite in den Ausbaugebieten von Holzbüttgen weiter verbessert, so dass nur 3 % der Anschlüsse weniger als 16 MBit/s nutzen können. Der Ausbau erfolgt gegen Gewährung einer Zuwendung aus Haushaltsmitteln, Fördermittel kann Kaarst nicht nutzen. Die Inbetriebnahme des Netzes erfolgte im Juli 2013.

Noch vor Fertigstellung hat die Stadt Kaarst STZ-Consulting mit der Erstellung einer Konzeption für einen nachhaltigen Breitbandausbau mit Empfehlungen für das weitere Vorgehen beauftragt.
Infomationen zu den Randbedingungen und der Umsetzung finden sich in diesem Bericht.

 

Jürgen Kaack 06.10.2013, 10.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mit Technologiemix bis 10 Gbit/s in Nettetal

Die Stadt Nettetal hatte vor der Umsetzung des Breitband-Vorhabens eine eher schwache Versorgung mit maximal 16 Mbit/s.  Nach einer Analyse der Ausgangslage wurde ein zeitliches Stufenkonzept für die Umsetzung erstellt. Ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser-Anschlüssen in einem Schritt erfordert zu hohen Mitteleinsatz. Daher wurde mit Unitymedia ein rückkanalfähiger Ausbau des Kabelnetzes der Primacom vereinbart und durch den Bau fehlender Glasfasertrassen für den Anlauf vereinbart. so werden nahezu 90 % der Haushalte mit 150 Mbit/s erreicht.

In den acht Gewerbegebieten von Nettetal liegt kein Kabelnetz. Daher bauen die Stadtwerke Zug-um-Zug alle Gewerbegebiete mit FttB aus. Mit dem niederländischen Unternehmen Systemec B.V. wurde ein Joint-Venture gegründet, das den Betrieb des aktiven Netzes übernimmt und eine offene Plattform für Diensteanbieter betreibt. Damit sind symmetrische Dienste von 2 Mbit/s bis 10 Gbit/s verfügbar. Der Ausbau der ersten Gewerbegebiete und des Kabelnetzes wird bis ende 2013 abgeschlossen sein.

Ergänzend wird die Deutsche Telekom Teile des Stadtgebietes mit Vectoring versorgen. So wird Nettetal von bislang durchschnittlich 6 Mbit/s in Kürze auf eine Verfügbarkeit von mindestens 100 Mbit/s angehoben und gewinnt Zeit, um passive Glasfaser-Anschlussnetzen in den nächsten zehn Jahren begleitend zu anderen Baumaßnahmen zu errichten. Ein ausführlicher Bericht zu Ausgangslage, Zielen und zum Vorgehen findet sich bei Mittelstands.Wiki.

Jürgen Kaack 05.10.2013, 10.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kabel Deutschland Übernahme durch Vodafone vor dem Erfolg

Im Telekommunikationsmarkt ist die Zeit der Konsolidierung offensichtlich noch nicht vorüber. Bei der jetzt wohl ziemlich sicheren Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone bleibt abzuwarten, wie die strategischen Ziele neben dem Erzielen größerer Marktmacht und Marktpräsenz verfolgt werden.

Immerhin hat Vodafone seit der Übernahme und Integration von Arcor den damals zweitgrößten Festnetzanbieter assimiliert und dabei so weit "verdaut", dass die frühere Marktpräsenz im Festnetz nur noch im Geschäftskundensegment wahrzunehmen ist. Mit der ursprünglichen Arcor-Organisation hätte man aus meiner Sicht schon früher eine bedeutende Stellung im Festnetz ausbauen können, z.B. auch mit IP-TV. Was jetzt mit KDG besser oder anders wird, zeigt sich vermutlich in den nächsten Jahren.

Die regionale Präsenz von KDG in Deutschland ist für das Geschäft eines Kabelnetzbetreibers durchaus passend, Vodafone hat dagegen bislang nur an überregional vermarktbaren Konzepten Interesse gezeigt. Für einen Mobilfunkanbieter ist das ohne Zweifel eine strategisch sinnvolle und wirtschaftlich notwendige Positionierung.

Die weitere Entwicklung in diesem Umfeld bleibt spannend und es war sicher nicht die letzte große Übernahme im TK-Markt. Ein Bericht zur KDG-Übernahme durch Vodafone findet sich z.B. hier.

Jürgen Kaack 15.09.2013, 12.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zyklen im TK-Markt am Beispiel der Service-Provider

Der Telekommunikationsmarkt folgt wie die meisten Märkten langjährigen Zyklen, die die Marktbedingungen für die Anbieter verändern. Über viele Jahre bis zum Ende der 80er Jahre verliefen die Änderungen eher langsam durch eine Optimierung des analogen Netzes, z.B. mit der Verbreitung des Fax-Dienstes in den 80er Jahren und dann mit der Entwicklung von ISDN. Auf der Anbieterseite gab es neben einigen Nischenanbietern nur die Incumbants wie z.B. die damalige Post.

Ende der 80er Jahre
gab es eine eingreifende Änderung einerseits auf der technologischen Seite durch die Entwicklung des digitalen Mobilfunks und zum anderen durch die Liberalisierung des Marktes und die Vergabe von zunächst einer und später weiteren Lizenzen für den Betrieb von Frequenzbändern. Da die analogen Vorgängernetze mit teuren Endgeräte und hohen Tarifen verbunden waren, gab es im analogen C-Netz maximal 180.000 Teilnehmer.


Der Markt des digitalen Mobilfunks war somit in mehrfacher Hinsicht jungfräulich und offen für eine Gestaltung der Marktbedingungen. Für eine schnelle Marktdurchdringung mussten neben der Vergabe von Lizenzen neue Wege eingeschlagen werden. Die Etablierung von Service-Providern war ein solcher Schritt. Die zumindest teilweise innovativen Dienste-Ansätze und die Entwicklung von neuen Vertriebskanälen hat die Marktdurchdringung für den digitalen Mobilfunk erheblich beschleunigt. Neue Vermarktungskonzepte konnten erprobt und bei Erfolg multipliziert werden. Diese gestalterischen Freiheiten waren für den Telekommunikationsmarkt Neuland. Die Erfolgsfaktoren für den „klassischen“ Service-Provider im Mobilfunk sind das schnelle Erreichen einer kritischen Masse im Kundenstamm, effiziente und weitgehend automatisierte Prozesse („Workflow-System“) und eine Differenzierung von Wettbewerbs-Angeboten, um den Wettbewerb über den Preis zu beschränken.

Mit der Annäherung an eine Penetration von 100% der Bevölkerung nahm die Bedeutung der service-Provider für die weitere Marktentwicklung ab. Mittlerweile nähert sich die Penetrationsrate in Deutschland einem Wert von 150% an und wächst weiter. Innovationen insbesondere von Apple mit iPhone und iPad haben der mobilen Datennutzung neue Impulse gegeben. Tatsächliches Wachstum ist bei Zweit- oder Drittkarten sowie insbesondere bei mobilen Datendiensten und SIM-Karten für die Nutzung von Datendiensten zu beobachten. Bei geeignetem Marketingansatz findet dieses Wachstum bevorzugt im eigenen Kundenstamm statt. 

Erstaunlicherweise haben die Service-Provider ihr Marktverhalten aus der Wachstumsphase über lange Zeit beibehalten. Bei entsprechend hoher Penetration kann aber mit Marketing-Aktionen aus der Wachstumsphase kaum Neugeschäft generiert werden. Stattdessen wird der Wechsel von Kunden stimuliert. Für die Wirtschaftlichkeit bedeutet dies, dass die Margen deutlich sinken. Dies wurde deutlich durch die Konsolidierung und eine steigende Reihe von Übernahmen. In dieser Phase haben viele der verbliebenen Service-Provider die Anzahl der eigenen Shops weiter erhöht, als wenn auf diesem Wege eine signifikante Marktausweitung möglich wäre. Dabei sind der Aufbau und die Unterhaltung eigener Shops mit hohen Kosten verbunden, die sich bei sinkenden Margen in einem Commodity-Geschäft kaum erreichen lassen.

Da die Bedeutung der Service-Provider für die Netzbetreiber hat nach dem Jahrhundertwechsel entsprechend abgenommen, so dass sich die Verhandlungsposition der Service-Provider gegenüber den Netzbetreibern vermutlich verschlechtert hat. Aus Sicht der Netzbetreiber ist in einem zunehmend gesättigten Markt die Erzielung einer möglichst hohen eigenen Wertschöpfung und die Möglichkeit zur Vermarktung ergänzender Dienste an bestehende Kunden von zunehmender Bedeutung. Die Service-Provider hätten vermutlich frühzeitiger auf die veränderten Marktbedingungen reagieren müssen und ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln, z.B. durch verstärkte Kundenbindung und die Entwicklung eigener Dienste mit erkennbarem Nutzen. Die Bindung von bestehenden Kunden ist in der Regel immer wesentlich kostengünstiger als die Akquisition neuer Kunden, insbesondere wenn neue Kunden überwiegend durch einen Wechsel von einem Anbieter zum nächsten („Churn“) entstehen. Den Netzbetreiber ist es in den letzten Jahren zum Teil durch eine geschickte Mehrmarkenpolitik („Discountmarken“) gelungen, den Zielgruppenfokus auszuweiten ohne die Margen der eigenen Dienste zu schmälern und somit Marktpotentiale aus Bereichen zu akquirieren, die traditionell von den Service-Providern bedient wurden. 


Nachdem der Mobilfunkmarkt seine bisherige Umsatzspitze 2005 erreicht hat, sinkt das Marktvolumen leicht. Deutliche Anstiege verzeichnen die mobilen Datendienste. Gleichbleibend hohe Kosten und sinkende Umsätze haben im Service-Provider Markt zu Konsolidierungen geführt, so dass von der Vielzahl der Anbieter aus der ersten Hälfte der 90er Jahre nach 2010 nur noch wenige Netzbetreiber-unabhängige Service-Provider übrig geblieben sind. Durch Übernahmen auf der Strecke geblieben und heute weitgehend nicht mehr bekannt sind einige der damaligen Anbieter, wie z.B. Axicon, Bosch Telecom Service, DekraTel, unicom, Proficom, Martin Dawes, Talkline, Telco oder TMG. Übrig geblieben von den ursprünglichen Service-Providern sind nach den zahlreichen Übernahmen und Fusionen im Wesentlichen debitel-mobilcom, Drillisch und The Phone House Telecom. In den späten 90er Jahren und nach 2000 hat sich eine Reihe von Mobilfunk-Resellern als Discount-Anbieter neu etabliert, wie z.B. Base, Congstar, Simply. Discount-Anbieter sollen die Marke der Mobilfunknetzbetreiber abstützen und neue Marktsegmente im Bereich der preissensiblen Kunden erschließen. Teilweise werden diese Reseller auch als MVNOs („Mobile Virtual Network Operator“) bezeichnet, obwohl die Weiterentwicklung zu einem „echten“ MVNO, d.h. einem Mobilfunkanbieter mit eigenem Kern-Netz aber ohne eigenes Funk-Anschlussnetz bislang nicht erfolgt ist. Der MVNO hätte allerdings die Chance, anstatt des reinen Wiederverkaufs fertiger Vorprodukte eigene Dienste und Applikationen zu realisieren und so eine weitergehende Differenzierung zu ermöglichen.

Nach dem großen Erfolg im Mobilfunkmarkt folgte mit der Öffnung des Marktes der Festnetztelefonie ein Strohfeuer durch Anbieter, die den Mobilfunkmarkt verpasst hatten und nach einem ähnlichen Modell („Preselection“) eingestiegen sind. Aber der Markt der Festnetztelefonie hat andere Rahmenbedingungen und folgt anderen Regeln. Mit einer langjährig fast konstanten Durchdringung von 98% der Haushalte handelt es sich schon lange nicht mehr um einen Wachstumsmarkt. Auch das Marktvolumen ist schon seit längerem leicht rückläufig. Für die Inhaber der Anschlussnetze, primär also die Deutsche Telekom, ist der Anreiz zur Zusammenarbeit weit geringer als zu Beginn des digitalen Mobilfunks, da keine neuen Marktsegmente erschlossen werden können. Gleichzeitig sind die Wechselanreize gering und die Produktdifferenzierung überwiegend auf die Tarifgestaltung beschränkt. Dies hat dazu geführt, dass viele der ab Mitte der 90er Jahre in den Preselection-Markt eingestiegenen Unternehmen (insbesondere aus dem Bereich der Energieversorger) das Geschäft nach zum Teil empfindlichen Verlusten wieder aufgegeben haben. Beispiele für Neueinsteiger in den Festnetz-Markt sind Vebacom und RWE-Telliance, die sich nach einigen Jahren zu o.tel.o zusammengeschlossen haben, die wiederum von Arcor geschluckt wurden, um später bei Vodafone integriert wurden. Nur die Marke o.tel.o wurde später zu Marketingzwecken wiederbelebt. Auch eine Marke TelDaFax hat nicht überlebt. 

Bestand haben im Festnetzmarkt solche alternativen Anbieter, die von Anfang an auf eine eigene Infrastruktur gesetzt haben und als Pendant zum MVNO zu sehen sind. Beispiele für diese Gruppe von Unternehmen sind NetCologne, M’’net, EWE-tel, Wilhelm.tel und Versatel (hervorgegangen durch den Zusammenschluss bzw. Übernahme von zahlreichen Citycarriern und tesion) sowie VSE-net und Pfalzkom. Einige dieser Unternehmen haben sich von Anfang nicht auf das Modell eines Verbindungsnetzbetreibers beschränkt, sondern sind meist direkt mit Glasfaser-Hausanschlüssen auch als Anschlussnetzbetreiber tätig geworden (insbesondere gilt dies für NetCologne und Wilhelm.Tel). Andere Festnetzbetreiber haben sich auf den Markt mit Geschäftskundenprodukt spezialisiert (z.B. Versatel, Dokom21, Manet oder teliko).

Die nächste
bedeutende Welle im Telekommunikationsmarkt entsteht mit dem Markt der Breitband-Anschlüsse und der Breitband-Anwendungen (z.B. Cloud-Dienste). Insbesondere solche Festnetzanbieter mit einem eigenen Anschlussnetz sind in diesem Segment gut positioniert. Obwohl der Breitbandmarkt mit einer jährlichen Steigerung von ca. 10% zu den wenigen starken Wachstumssegmenten gehört und Anfang 2013 fast 70% aller Anschlüsse immer noch weniger als 6 MBit/s im Downstream zur Verfügung haben, sind die Tendenzen zur Bildung neuer Breitband-Anbieter noch verhalten. In Hessen entstehen insbesondere auf Kreisebene neue Infrastrukturgesellschaften, und auch aus den Niederlanden kommen Unternehmen mit geeigneten Geschäftsmodellen nach Deutschland, aber es gibt keine neue Marktbewegung wie Anfang der 90er Jahre im Mobilfunk. Dieser Markt ist allerdings durch seine regionale Zersplitterung und hohe Investitionskosten auch deutlich schwerer zu erschließen.


Nicht nur auf der Infrastrukturebene sind die unternehmerischen Aktivitäten im Breitband-Markt zurückhaltend, auch bei den Dienstebetreibern ist in Deutschland noch kaum eine Bewegung festzustellen. Durch den über viele Jahre gelebten und „gelernten“ Zustand vertikal geschlossener Wertschöpfungsketten ist es für unabhängige Dienstebetreiber schwierig, die erst auf offenen Diensteplattformen erfolgreich agieren können. Die grundsätzlichen Chancen für Dienstebetreiber zeigen sich in den App-Stores für Apple und Android-Systeme. In den Niederlanden besteht eine längere Tradition mit offenen Plattformen und dort haben sich in der Folge einige Hundert mittelständisch geprägte Dienstebetreiber herausgebildet, die Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse haben. Neben den eher geschäftlichen Diensten im Bereich des Hostings sowie von Backup und Security-Solutions sind es Angebote aus dem Bildungsbereich, für Gesundheitsapplikationen, Unterhaltung und nichtkommerzielle Dienste von Sport- und Kultur-Institutionen. Diese Entwicklung wird vermutlich zeitversetzt auch in Deutschland erfolgen und kann zu einer erneuten Stimulation des TK-Marktes führen.

Jürgen Kaack 08.06.2013, 20.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vor 20 Jahren zum Marktführer aufgestiegen!

Vor ca. 20 Jahren hat eine recht junge - damals gerade zwei Jahre alte und noch nicht allgemein bekannte Telefongesellschaft die Marktführerschaft unter den Mobilfunk Service-Providern errungen. debitel hatte zwar damals mit Daimler, Metro und Nynex  starke Mütter, deren Beitrag zum vertrieblichen Erfolg allerdings erst in den Folgejahren und in Verbindung mit verlässlichen Mobiltelefon-Lieferungen in großen Mengen richtig zum Tragen kam.

In den ersten Jahren hatte debitel einzelne Fachhändler und kleinere Kooperationen als Vertriebspartner - gegen die etablierten Anbieter wie Bosch, Dekra, Siemens-Fachhändler-Organisationen. Nach einem zögerlichen Start konnten Zug um Zug alle Wettbewerber überholt werden, nur der Bosch eigene Service-Provider Bosch-Telecom-Service (BTS) stand lang mit großem Abstand an der Spitze!

Ohne große Marketing-Budgets für Werbung und Abschluss-Provisionen hat sich debitel primär über PR und Kommunikation eine zunehmend steigende Bekanntheit im Markt aufgebaut. Ergänzt durch passende Marketing-Aktionen wie eine "C in D Tauschaktion" (d.h. Tausch von alten analogen C-Netz in moderne digitale D-Netz-Geräte) und (scheinbar) innovative Mehrwertdienste (u.a. Hotelbuchung, Parkplatzreservierung, sekundengenaue Abrechnung, internationale Telefonkarten), konnte ein Markenkern aufgebaut werden und der Vertriebserfolg stimuliert werden, so dass vor ca. 20 Jahren auch die erfolgreiche BTS überholt werden konnte. Kurz danach hat Bosch das Geschäftsfeld verkauft und BTS wurde mit debitel fusioniert

Im Vergleich zu einigen der Wettberwerber hat debitel den Vorteil gehabt, nicht mit anderen Geschäftsfeldern zu konkurrieren, z.B. der Vermarktung eigener Mobiltelefone oder von Automobilelektronik. Trotzdem ist der Erfolg von debitel aus meiner subjektiven Sicht eine der seltenen Erfolgsgeschichte für konsequenten und zielgerichteten Unternehmensaufbau sowie für ein hochmotiviertes Team, das auch nach Fehlschlägen hartnäckig weitergemacht hat. Die Vorbereitung und Planung für das Unternehmen hat allerdings auch fast zwei Jahre gedauert und schon viele der späteren Schritte beschrieben (z.B. die Aufteilung der Tarife nach Nutzungsverhalten und mögliche Kooperationen für die Absicherung des Erfolgs). Ich bin stolz darauf, bei dieser Entwicklung dabei gewesen zu sein und meinen Teil als Leiter des Planungsteams und später als verantwortlicher Leiter von Marketing und Vertrieb beigetragen zu haben.


Jürgen Kaack 02.06.2013, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der stufenweise Weg zu Glasfaser

Glasfaser ist das Übertragungsmedium der Zukunft, hierin sind sich die Experten weitgehend einig. Bietet Glasfaser doch nahezu unbegrenzte Übertragungskapazitäten und spart darüber hinaus gegenüber einem Netz aus Kupferkabeln erheblich Strom, da es zwischen dem Knoten und dem Anschluss keine aktive Übertragungstechnik benötigt.

Der Haken beim Ausbau mit Glasfaser ist die „letzte Meile“ auf dem Weg zum Hausanschluss, da ist sich Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group sicher. Die heutige Kupferdoppelader für den Telefonanschluss und das Koaxialkabel des Kabel-TV Anbieters liegen unter den Gehwegen im Boden. Um Glasfaser an den Hausanschluss zu bringen, werden Kabelschutzrohre (Leerrohre) benötigt, in die die Fasern eingezogen werden. Dies geht kaum ohne aufwändige Tiefbauarbeiten in praktisch allen Straßen. Die Verlegung von einem Meter Leerrohr kostet bei einer versiegelten Oberfläche zwischen 60 und 100 Euro, so dass für den Ausbau eines flächendeckenden Glasfasernetzes in Deutschland 50 Mrd. Euro vermutlich nicht reichen.

Mit der vorhandenen Kupferdoppelader ist an vielen Orten mit VDSL 50 MBit/s verfügbar sind, nachdem Glasfaser in die Ortschaften („Fiber-to-the-Curb“) verlegt wurde, mit dem Koaxialkabel erreicht man sogar 128 MBit/s. Daher ist der Anreiz zur Umrüstung derzeit gering – und für die Betreiber nur in Ballungsgebieten wirtschaftlich. Trotzdem werden wir in 10 Jahren höhere Bandbreiten brauchen, als sie technisch auf Kupferbasis möglich sind. Dr. Kaack geht von einem weiteren Anstieg des übertragenen Datenvolumens in der Größenordnung von jährlich 30 bis 40 % aus. Neue Anwendungen wie es Youtube vor fünf Jahren war und ein absehbarer Erfolg von Clud Computing wird das zu übertragende Datenvolumen möglicherweise sogar noch schneller ansteigen lassen. Funktechnologien sind keine flächendeckende Alternative zur Glasfaserversorgung, da die benötigten Frequenzen nicht beliebig vermehrt werden können und Funklösungen in der verfügbaren Bandbreite immer um etwa eine Größenordnung unter der mit leitungsgebundenen Technologien möglichen Bandbreite liegen werden.

Wenn es für die Netzbetreiber nicht wirtschaftlich ist, Glasfaser in die Fläche zu bringen und der Breitbandausbau keine hoheitliche Aufgabe darstellt, wer sorgt dann für den Glasfaserausbau in ländlichen Räumen? Wird die „digitale Spaltung“ zwischen Stadt und Land in Zukunft noch größer werden? Wird es für Familien und für Senioren in Zukunft zunehmend unattraktiv, außerhalb der Ballungsgebiete zu leben? Verstärkt sich die Besiedlungsdichte in den Ballungsgebieten weiter zulasten der umliegenden Regionen?

Möglich ist der Ausbau in der Fläche schon, meint Dr. Kaack auf der Basis von Erfahrungen mit Breitbandprojekten, allerdings erfordert dies ein Umdenken bei den Beteiligten, neue Kooperationen und eine langfristige Planung. Den Kommunen und Kreisen kommt dabei eine zentrale Aufgabe zu bei der Initiative für den Start und bei der langfristigen Koordination der Umsetzung. Genau wie es auch in Zukunft kaum kostendeckend zu betreibende Schwimmbäder, öffentliche Bibliotheken oder Kindergärten geben wird, dürfte auch die Schaffung und der Betrieb eines Breitbandnetzes einen Teil an öffentlicher Finanzierung benötigen. Entweder kostet der Breitbandanschluss außerhalb der Ballungsgebiete zukünftig mehr als in der Stadt oder Staat und Kommunen subventionieren das Glasfasernetz mit öffentlichen Mitteln.

In einer Studie zeigt Dr. Kaack ein Szenario auf, wie durch konsequente und langfristige Planung ein Glasfasernetz in der Fläche bei nur moderaten Kosten entstehen kann. Dies erfordert allerdings eine Koordination der Beteiligten und einen Zeithorizont von ca. 15 Jahren – und es muss jetzt damit begonnen werden und nicht erst in 10 Jahren!

 

 

Jürgen Kaack 25.11.2010, 13.04 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Best Practise Beispiel Erftstadt: Das bislang größte Breitband-Ausbauprojekt in NRW

Die Mehrzahl der Projekte zum Breitband-Ausbau im ländlichen Raum erfolgt mit Fördermitteln. Die für einen Betreiber wirtschaftlich, d.h. ohne Deckungslücke ausbaubaren Gebiete dürften mittlerweile vollständig erschlossen sein. Somit bleiben die aus wirtschaftlicher Sicht problematischen Regionen mit dünner Besiedlungsdichte und größerer Entfernung zum Backbone. Zwischen zusätzlichen Umsatzerlösen nach dem Ausbau und den Investitions- und Betriebskosten klafft oft die so genannte Wirtschaftlichkeitslücke, die entweder aus Haushaltsmitteln gedeckt werden kann oder unter Zuhilfenahme von Fördermitteln der Länder. Dabei steigt die Anzahl der mit Fördermitteln umgesetzten Breitband-Projekte in den letzten Monaten deutlich an.

Neben Projekten nach dem GAK-Programm wird derzeit noch eine Reihe von Vorhaben mit Finanzierung aus dem Konjunkturpaket II umgesetzt. Da eine Voraussetzung für die Nutzung von Mitteln aus dem Zukunftsinvestitionsgesetz ein Baubeginn vor dem 31.12.2010 ist, geht die Zeit für die Nutzung dieser Fördermöglichkeit schnell zu Ende. Das GAK-Programm dagegen ist bis Ende 2013 verlängert worden. Ob diese Frist tatsächlich genutzt werden kann, hängt in der Umsetzung von den Bundesländern ab.

Eine Förderung nach dem GAK-Programm unterliegt engen Auflagen und führt daher in vielen Fällen zu kleinteiligen Lösungen für Ortschaften oder Ortsteile, für die eine Unterversorgung nachgewiesen werden konnte. Daher ist es umso bemerkenswerter, dass mit dem Breitbandprojekt für Erftstadt eine Umsetzung nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzept in insgesamt fünf Stadtteilen mit insgesamt über 15.000 Einwohnern möglich ist. FttC ist ein für den Ausbau anerkanntes Verfahren für eine nachhaltige Versorgung. Mit diesem Ansatz wird eine Glasfaser-Versorgung bis in die Ortschaften (zu den Standorten der Kabelverweiger) vorangetrieben. Durch einen konsequenten und geplanten Ausbau des Leerrohr-Netzes kann aufbauend auf dem FttC-Netz in einigen Jahren ein Glasfaser-Anschluss-Netz realisiert werden.

In die fünf Ortsteile Bliesheim, Dirmerzheim, Erp, Friesheim und Gymnich werden in den nächsten Monaten 31 Kilometer Glasfaser-Kabel verlegt werden. Insgesamt werden 32 Kabelverzweiger mit Multifunktionsgehäusen (MfG) zum Outdoor-DSLAM überbaut und mit Stromanschlüssen für die dann dort installierte aktive Übertragungstechnik ausgerüstet. Im Ergebnis werden dann für die überwiegenden Mehrzahl der Anschlüsse wird nach dem Infrastruktur-Ausbau eine Bandbreite von 16 MBit/s nutzbar sein anstatt der heute im Schnitt mit unter 1 MBit/s unzureichenden Bandbreite.

Dem Vertragsabschluss mit der Deutsche Telekom als dem ausgewählten Netzbetreiber ist ein Projekt mit einer Dauer von einem Jahr vorausgegangen. Ende 2009 beauftragte die Stadt Herrn Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group mit der Durchführung der notwendigen Projektarbeiten. Dabei wurde zunächst die Unterversorgung durch Versorgungstabellen nachgewiesen und eine Markterkundung bei den Netzbetreibern durchgeführt. Für Dr. Kaack ist es wenig erstaunlich, dass sich auch in Erftstadt kein Anbieter finden ließ, der einen wirtschaftlichen und nachhaltig zukunftssicheren Ausbau ohne öffentliche Zuwendungen plant. Ergänzende Erkundungen bei der Deutschen Bahn, den Stadtwerken, dem örtlichen Gas- und dem Energieversorger haben keine geeignete Leerrohrinfrastruktur zutage gefördert, die für einen Breitband-Ausbau nutzbar gewesen wäre.

Als nächstes wurde eine schriftliche Befragung bei allen Haushalten durchgeführt, die die Unterversorgung mit 79% der Anschlüsse der Befragten unter einem MBit/s (im Durchschnitt der Befragten 714 Kbit/s) bestätigen. Durch die frühzeitige Einbeziehung der Ortsbürgermeister und deren aktive Unterstützung bei der Befragung konnte mit bis zu 25% eine recht hohe Rücklaufquote erreicht werden. Die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Versorgung liegt entsprechend 94% hoch und auch die Wechselbereitschaft von 83% der Befragten unterstreicht den vorhandenen Bedarf. Die Ergebnisse bei den befragten Unternehmen liegen auf ähnlichen Werten (91% Unzufriedenheit). Aufgrund der derzeit fehlenden Wettbewerbsangebote ist es nicht verwunderlich, dass ca. 85% der Befragten DSL als die genutzte Breitband-Technologie angegeben haben. Nach DSL ist die Nutzung von Modems für den Analog- oder ISDN-Anschluss die am meist genutzte Technologie für den Internet-Zugang. Mit den Ergebnissen der Befragung und einer parallel durchgeführten statistischen Ableitung des theoretischen Kundenpotenzials ist die Potenzialanalyse abgeschlossen und eine weitere Voraussetzung zur Stellung des Förderantrages erfüllt.

Im Laufe der Projektdurchführung wurde die Grenze für eine Unterversorgung von 1 auf 2 MBit/s angehoben. Damit konnten anderthalb weitere Ortsteile in die Projektarbeit einbezogen werden, die heute eine Versorgung von etwa 1,5 MBit/s haben. Durch diese Erweiterung konnten mit fünf geschlossenen Ortsteilen erhebliche Teile des Stadtgebietes für einen Ausbau bearbeitet werden. Für die Konkretisierung ist eine transparente Ausschreibung nach den Regeln des GAK-Programms erforderlich, die technologieneutral aufgestellt sein muss, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

Um die Auswahl unter den Anbietern nicht nur mit qualitativen Argumenten zu treffen, hat Dr. Kaack quantitative Bewertungskriterien entwickelt. Dabei haben wirtschaftliche Aspekte wie die Höhe der Wirtschaftlichkeitslücke und die Kaufkraftabschöpfung durch höhere Kundenkonditionen besondere Bedeutung. Andere Aspekte wie die verfügbare Bandbreite und das Angebot von weiteren Diensten wie z.B. Telefonie werden berücksichtigt. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Förderprogramm fordert, dass die mit Subventionen errichtete Infrastruktur über mindestens sieben Jahr in Betrieb gehalten werden muss. Dies stellt Anforderungen an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Anbieters. Für den späteren Kunden sind ergänzend die Serviceleistungen des Anbieters von Bedeutung, falls es Fragen zum Dienst oder zur Rechnung gibt und insbesondere im Falle von Störungen.

Für den Anbieter wird die Erstellung eines erfolgversprechenden Angebotes einfacher, wenn er die Bewertungskriterien bereits bei der Erstellung kennt. Bewertungskriterien und eine Leistungsbeschreibung mit ergänzenden Informationen über die auszubauenden Ortschaften, Besiedlungsstrukturen und die Ziele beim Breitbandausbau wurden daher interessierten Bietern auf Anfrage während der Ausschreibungsfrist bereitgestellt. Die eigentliche Dauer der Ausschreibung sollte zwei Monate nicht unterschreiten, damit alternative Anbieter die Chance haben, Informationen über Netzinfrastrukturen und Trassenverläufe von der Deutschen Telekom zu erhalten.

Nach der Submission werden die eingegangenen Angebote bewertet und eine Vergabeempfehlung erarbeitet. Jetzt kann der endgültige Förderantrag an das zuständige Dezernat der Bezirksregierung gerichtet werden. Sollte die Zeit bis zur Entscheidung der Bezirksregierung nicht ausreichen, ohne die Bindefrist des ausgewählten Betreibers zu überschreiten, kann ein Antrag auf einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn gestellt werden. Nach dessen Eingang oder nach Bewilligung des Förderantrags können die eigentlichen Vertragsverhandlungen zwischen der Kommune und dem Betreiber aufgenommen werden. Nach Unterzeichnung des Kooperationsvertrages beginnt der Infrastrukturausbau, der in der Regel innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen sein sollte. Ein erfolgreiches Breitbandprojekt kann bis zur Bereitstellung des neuen Dienstes somit durchaus zwei Jahre dauern.

In Erftstadt werden in der zweiten Jahreshälfte 2011 die ersten Ortschaften fertig ausgebaut sein. Bis zum Ausbau der letzten Ortschaften kann es aber bis 2012 dauern. Der mittlerweile vertraglich vereinbarte Breitbandausbau für mehr als 4.000 Haushalte belastet den städtischen Haushalt mit 27.000 Euro. Bei gut 4.000 unterversorgten Haushalten ergibt sich somit ein öffentlicher Zuschuss in Höhe von 6,75 Euro pro unterversorgten Haushalt. Aus Sicht von Dr. Kaack ein sehr niedriger Wert zur Absicherung der Zukunftsfähigkeit – selbst für eine Kommune mit Nothaushalt.

Bis zur Inbetriebnahme sind nicht unerhebliche Tiefbauarbeiten zur Verlegung der benötigten 31 Kilometer Glasfaserstrecken und die Stromversorgung von 32 Multifunktionsgehäusen zu erbringen. Nach Fertigstellung der Infrastruktur ist über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren der weitere Breitbandausbau voraussichtlich kein weiteres Problem für die Kommune. Durch Änderungen in der aktiven Übertragungstechnik ist mit geringem Aufwand eine frühere oder spätere Erweiterung von ADSL zu VDSL möglich, d.h. Bandbreiten von 50 MBit/s in Abhängigkeit von der Länge der nach wie vor in Kupfer betriebenen Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Über einen längeren Zeitraum hinweg wird auch in Erftstadt nichts an einem Ausbau mit Glasfaser bis zum Hausanschluss (Fiber-to-the-Building) vorbei führen ist sich Dr. Kaack sicher. Aber auf der Basis des Fiber-to-the-Curb Ausbaus ist dies bei rechtzeitiger Vorplanung mit überschaubarem Aufwand zu realisieren. Die Vorplanung sollte allerdings nicht verschleppt werden, sonst droht später ein erheblicher Investitionsaufwand für die Verlegung von Leerrohren bis zum Hausanschluss.

Jürgen Kaack 22.11.2010, 08.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zukunftsszenario für den Breitband-Markt

Wenn die Blüte-Zeit der vertikal integrierten Universalanbieter wohl überschritten ist, sind recht unterschiedliche Szenarien für die zukünftige Entwicklung vorstellbar. Die jeweilige Ausgestaltung hängt wesentlich von den beteiligten Partnern und ihren spezifischen Kompetenzen und Strategien ab. Ein Szenario erscheint dabei für den Betrieb von FttB- (oder FttH-) Netzen realistisch:

  • Ein im Landkreis agierendes Infrastruktur-Konsortium bestehend aus Stadtwerken der Kommunen, einem Energieversorger und einem Tiefbauunternehmen bauen das Leerrohrnetz konsequent von den Netzwerk-Knoten bis an den Hausanschluss aus. Die Planungen und Vorarbeiten werden fast zehn Jahre dauern und in dieser Zeit investieren alle Partner in das Zugangsnetz ohne größere Rückflüsse durch Umsatzerlöse.

Mit dem Leerrohrnetz können mehrere Fasern oder Kabel parallel bis in jedes Gebäude gebracht werden. Wenn Standard-Leerrohre verlegt werden, bestehen Reserven für weitere interessierte Nutzer. Die Investitionen sind selbst bei Nutzung aller Synergien mit einigen Hundert Euro pro Hausanschluss nicht gering, daher wird neben dem ersten Konsortium mit hoher Sicherheit kein weiterer Infrastruktur-Betreiber ein eigenes Leerrohr-Netz errichten und das erste Konsortium hat somit in dem betreffenden Land-Kreis ein „natürliches“ Monopol.

Umsätze erzielt der Betreiber durch die langfristige Vermietung von Leerohr-Kapazität an alle interessierten Betreiber zu marktüblichen Preisen von 0,05 bis 0,10 Euro pro Meter und Monat und je eingezogenes Kabel. Der Energieversorger ist einer der Kunden des Konsortiums und vernetzt die Stromzähler in jedem Haushalt, um so eine Smart-Grid-Applikation zu realisieren. Auch werden Stromzapfsäulen vielleicht in Kombination mit der Straßenbeleuchtung verbunden, so dass Elektromobilität im Land-Kreis möglich wird. Der Energieversorger zahlt dabei den gleichen Preis für die Leerrohrnutzung wie die anderen Kunden, eine eigene Verlegung von  Leerrohren hätte sich aber auch für EVU wirtschaftlich nicht rentiert.

  • Ein regionaler Plattformbetreiber zieht Fasern in die Leerrohre zu den Kunden, die einen Glasfaser-Anschluss benötigen. Auch der Betrieb von Lasern zur Beleuchtung der Fasern und zur Übertragung von Daten wird von ihm realisiert.

Über Standardschnittstellen können sich Dienste-Anbieter mit ihren Produkten an seine Plattform anschließen. Damit wird sowohl aus Sicht des Kunden wie auch aus Sicht der Dienste-Betreiber ein virtueller Marktplatz geschaffen. Der Plattformbetreiber verrechnet seine Leistung in der Regel an die Dienste-Betreiber, die ihrerseits dem Kunden ihre Dienste und den Anschluss gemeinsam in Rechnung stellen.

Einzelne Kunden, die sich ihr Dienste-Portfolio selber zusammenstellen, buchen nur die Leistung des Breitbandanschlusses und zahlen hierfür ca. 10 Euro pro Monat an den Plattformbetreiber. Einen Teil seiner Einnahmen führt der Plattformbetreiber in Form einer Miete für die Leerrohr-Nutzung an die Infrastruktur-Gesellschaft ab.

  • Klassische Telekommunikation-Anbieter verbinden die verschiedenen Netze mit den nationalen und internationalen Backbone-Netzen und realisieren wichtige Basis-Dienste wie die Sprachtelefonie, den Internetzugang und Standard-Internet-Dienste. Fernseh- und Video-Angebote werden ebenfalls auf diesem Wege angebunden und über das Glasfasernetz in die Haushalte transportiert. Ergänzend werden Videotelefonie, Back-up Lösungen, Virenschutz und andere ergänzende Dienstleistungen als Zusatz-Module angeboten.

Die Anbieter akquirieren wie heute auch ihre Kunden direkt und auf eigene Rechnung und übernehmen das Kundenmanagement mit Rechnungsstellung und Hotline. Ein Kunde kann je nach Vorlieben entweder alle Leistungen aus einer Hand nehmen oder Dienste unterschiedlicher Anbieter kombinieren.

Seine Rechnung erhält der Kunde von dem oder den von ihm ausgewählten Telekommunikations-Anbietern. Dieser wiederum zahlt an den Plattformbetreiber für den Zugang zum Kunden einen monatlichen  Betrag in Höhe von ca. 10 Euro.

  • Spezialisierte Lösungs- und Inhalte-Anbieter realisieren für ihre Zielgruppen spezielle Anwendungen, z.B. Vernetzungsdienste für Unternehmen oder Cloud-Computing Lösungen und lassen die IT-Services des Kunden im eigenen Rechenzentrum laufen, so dass der Kunde nur ein Eingabe- und Ausgabegerät („Netz-PC“) benötigt.

Da die Anwendung über eine eigene Datenkommunikationsverbindung realisiert wird und nicht über das öffentliche Internet ist die Sicherheit für den Anwender ungleich höher. Die Kundenbetreuung und die Zahlungsströme entsprechen denjenigen der klassischen Telekommunikations-Anbieter.

Die Zusammensetzung der jeweiligen Anbieter-Gruppen kann  von Fall zu Fall anders ausfallen. So könnte das Geschäft als Plattformbetreiber auch für Lieferanten der eingezogenen Kabel interessant sein sowie für Hersteller von System- und Verbindungstechnik, die auf diesem Wege nicht nur den eigenen Marktanteil absichern, sondern auch in neue Geschäftsmodelle mit absehbaren Renditechancen einsteigen. Es ist ebenso vorstellbar, dass der Infrastruktur- und der Plattform-Betreiber von einem gemeinsamen Konsortium realisiert werden.

Zwar entstehen nach diesem Modell mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit neue regionale Monopole für die Glasfaserzugangsnetze und möglicherweise auch für den regionalen Plattform-Betrieb. Dies ist aber unter Wettbewerbsgesichtspunkten unkritisch, wenn im Sinne eines offenen Zugangs ("Open Access") alle interessierten Telekommunikations-Anbieter angeschlossen werden können. Selbst für den Fall, dass nicht alle Schnittstellen zu Content- und Dienste-Bereitstellern realisiert werden können, kann das Geschäftsmodell funktionieren. In diesem Fall ist alternativ eine eigene Glasfaser für den jeweiligen Anbieter durch das Leerrohr zu ziehen und an der Plattform vorbei direkt an die Plattform des jeweiligen Anbieters anzuschließen. Da dies zu höheren Kosten führt, werden die Bemühungen zur Schaffung von Schnittstellen beschleunigt vorangetrieben.

Ein wichtiger Vorteil des skizzierten Szenarios liegt in der Öffnung des Marktes, der nicht wie heute durch den Besitz der Anschlussleitung dominiert wird. Zwar wird über die Vermietung der TAL (Teilnehmer-Anschluss-Leitung) und den Bitstream-Access eine Öffnung für den Wettbewerb realisiert, die aber immer wieder zu Unzufriedenheit und laufenden Verhandlungen führt. Kabel-TV-Angebote können heute zudem nur in den Regionen genutzt werden, in denen bereits ein Koaxialkabel verlegt ist. Über die regionalen Plattformen könnte jeder Kunde an jeder Stelle jeden Dienst buchen und nutzen. So sollte sich der Wettbewerb verlagern von der Schaffung des besten Zugangs hin zur Gestaltung der besten und für die Zielgruppen optimalen Dienste. Da der Zugang für alle Betreiber gleichermaßen möglich ist, können auch kleinere Zielgruppen mit speziellen Angeboten bedient werden. Insgesamt wäre mit diesem Modell allen Bedürfnissen gedient und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes gesteigert!

Jürgen Kaack 14.07.2010, 20.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Politik als gestaltende Kraft beimn Breitband-Ausbau nicht präsent

Der Aufbau von flächendeckenden Glasfasernetzen als entscheidender Standortfaktor für Deutschland ist im Hinblick auf die Rahmenbedingungen eine nationale Aufgabe. Die Langfristigkeit des Netzaufbaus und die Komplexität der Organisation für die Umsetzung macht es sinnvoll, dass sich der Staat um die Organisation und die Rahmenbedingung kümmert.

Im föderalen System haben die Bundesländer oft nicht nur eigene Förderbedingungen und Förderquoten, sondern auch eine unterschiedliche Form der Unterstützung von Kommunen mit Beratungsleistungen. Ein Landes-weites Breitband-Kataster gibt es derzeit nur in Nieder-Sachsen, in anderen Bundesländern gibt es dagegen nur einzelne Breitband-Berater. Die konsequente Begleitung und Umsetzung von Kooperationsmodellen für regionale Betreiber fehlt dagegen ebenso wie die Unterstützung von zukunftsweisenden NGA-Netzen.

Während in NRW der stufenweise Ausbau mit Glasfasernetzen zunächst als  Fiber-to-the-Curb (FttC) und in einem späteren Schritt als Fiber-to-the-Building (FttB) propagiert wird, verfolgt man in Hessen die Schließung der weißen Flecken bevorzugt mittels Funklösungen. Es gibt zwar durchaus eine Reihe von Szenarien, in denen der Breitbandausbau mittels Funk schneller und mit niedrigeren Kosten erfolgen kann, z.B. wenn die nächste Möglichkeit zur Anbindung an ein Backbone-Netz weit entfernt ist, die zu versorgenden Teilnehmer weit auseinander liegen oder die Qualität der Leitungen im Anschluss-Bereich schlecht ist.

Im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat man im Juni 2010 die Errichtung eines Breitbandkompetenzzentrums (BBCC) ausgeschrieben. Analysiert man die Leistungsbeschreibung der Ausschreibung kann sich der Verdacht einschleichen, dass es hierbei um ein Kommunikationsorgan für die Ziele der Bundesregierung und eine übergreifende „Bürgermeister-Hotline“ handelt. Diese Zielsetzung scheint nicht stringent, wenn gleichzeitig die Fördermöglichkeiten mit Mitteln aus dem Zukunftssicherungsgesetz („Konjunkturpaket II“) bald ausläuft und die steigende Nachfrage nach Fördermitteln aus dem GAK-Programm (Gemeinschaftsaufgabe Agrarentwicklung und Küstenschutz) eine baldige Erschöpfung der verfügbaren Mittel befürchten lässt! Während einerseits viele Förderanträge gestellt werden, können zunehmend mehr Kommunen keine Fördermittel in Anspruch nehmen, weil sie keinen ordentlichen Haushalt mehr erstellen können und der Haushaltssicherung unterliegen. Wen soll das geplante BBCC dann aber beraten und unterstützen?

Eigentliche Kernaufgaben eines BBCC werden gleichzeitig durch die Bundesnetzagentur wahrgenommen wie z.B. mit dem im Mai 2010 gestartete NGA-Forum. Dabei sollte es doch Aufgabe der Bundesnetzagentur sein, den Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern sicher zu stellen. Die Gestaltung neuer Märkte gehört eigentlich nicht dazu! Andere wesentliche Aufgaben eines BBCC sollten in der Entwicklung und Begleitung von Pilotprojekten für den Netzausbau nach Schließung der weißen Flecken und dem Auslaufen der Förderprogramme liegen, Es ist unstrittig, dass der Breitbandausbau bei richtiger Planung auch ohne staatliche Mittel wirtschaftlich betrieben werden kann – und dass nicht nur in Ballungsgebieten! Hierfür müssen aber Partner zusammen gebracht werden, die bislang nicht gewohnt sind, zu kooperieren wie z.B. Netzbetreiber, Stadtwerke, Energieversorger und Tiefbauunternehmen. Neue Gesellschaftformen wie PPPs (Private-Public-Partnerships) müssen erprobt und gestaltet werden. Diese Aktivitäten entstehen derzeit eher zufällig oder durch Eigeninitiativen Einzelner.

Nicht nur die Gestaltung neuer Betreiber-Modelle abseits der etablierten Ansätze muss koordiniert und kommuniziert werden, auch neue Breitband-Anwendung mit übergreifender Bedeutung sollten entwickelt und gefördert werden. Neben den gesellschaftlich relevanten Themen Bildung und Telemedizin als Element zur Kostensenkung im Gesundheitswesen sind auch intelligente Lösungen in Verbindung mit dem Energiemanagement von hoher Zukunftsbedeutung. Hierzu gehören Smart-Grid Lösungen, die Energieverbraucher und –Erzeuger in einer Region „managen“, sowie Konzepte für die Umsetzung der Elektromobilität. Entsprechende Dienste müssen in Kooperation mit der betroffenen Industrie entwickelt und erprobt werden, damit Deutschland in diesem Feld nicht den Anschluss verliert. Erfolgreiche und in Pilotversuchen bewährte Lösungen müssen standardisiert werden, damit es im Ergebnis flächendeckende und wirtschaftlich zu produzierende Lösungen gibt.

Im Umfeld von Breitband-Netzen und Anwendungen gibt es also offensichtlich eine Reihe von wichtigen Aufgaben, die bislang nicht wahrgenommen werden und Kernaufgaben eines BBCC sein sollten. Dabei sei betont, dass es nicht um zusätzliche Fördertöpfe und staatliche Finanzierung geht, sondern in erster Linie um die Stimulation der Entwicklungen, die Koordination der beteiligten Partner, die beratende und Interessen-ausgleichende Begleitung der Umsetzung, die Unterstützung bei der EU-weiten Standardisierung und die Multiplikation erfolgreicher Vorhaben. Leider fehlen bisher erkennbare Ansätze der Politik für eine konsequente Umsetzung dieser Aufgaben.

Jürgen Kaack 10.07.2010, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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