Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Kabel-TV

Breitband-Anwendungen für Smart-City auf der Basis von Glasfasernetzen

Glasfaser-Anschlüsse als nachhaltige Infrastruktur

Glasfaser-Hausanschlüsse sind „in“ und gelten zu recht als Inbegriff einer nachhaltigen Telekommunikations-Infrastruktur. Daher beschäftigen sich zunehmend mehr Kommunen, Kreise und Stadtwerke mit Konzepten für einen Netzausbau. Der Aufwand ist nicht unerheblich, da für einen Glasfaser-Anschluss zunächst eine Verbindung zwischen dem Netzknoten und der Hauswand hergestellt werden. Üblicherweise müssen hierfür dünne Leerrohre, sogenannte Microducts, unterhalb der Bürgersteige verlegt werden. Durch Nutzung von Synergien durch gemeinsame Verlegung mit anderen Tiefbaumaßnahmen, z.B. Sanierungsvorhaben, lassen sich die Kosten von ansonsten durchschnittlich 1.200 € pro Anschluss deutlich senken. Beim Ausbau in einer Kommune entstehen trotzdem hohe Investitionskosten.

Unter wirtschaftlichen Aspekten lohnen sich diese Investitionen, wenn sich ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung für die Nutzung des neuen Anschlusses entscheidet. Welche Quote dabei erzielt werden muss, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen und den Zielen des verlegenden Unternehmens ab. Sie wird aber in den meisten Fällen zwischen 30 und 60% liegen.

Hürden für den Netzaufbau

Der Wechsel vom bisherigen Anbieter wird im Wesentlichen von zwei Aspekten erschwert, dem Beharrungsvermögen beim bisherigen Provider (Anbieter-Loyalität) und einem nicht immer vorhandenen oder erkannten Bedarf an höheren Bandbreiten. Schon mit 6 MBit/s können viele Standard-Anwendungen im Internet erledigt werden. Mit 25 MBit/s kann ein HD-Fernsehprogramm empfangen werden. Wenn nicht mehrere Nutzer gleichzeitig volumenintensive Anwendungen ausführen, reichen 50 MBit/s noch über längere Zeit aus. In manchen Gebieten ist ein „klassischer“ Ausbau mit Fiber-to-the-Curb z.B. für VDSL allerdings weder wirtschaftlich noch aufgrund der Leitungsdämpfung effizient. Dann bleibt neben Funk als Brückentechnologie nur ein Glasfaser-Ausbau. In schlecht versorgten Gebieten reicht das Angebot schneller Internetzugänge meist schon aus, um eine ausreichende Nutzerzahl zu generieren. In anderen Fällen ist neben der höheren Internet-Geschwindigkeit an neuen Breitband-Anwendungen zu arbeiten, die zu einem Wechsel motivieren.

Breitband-Anwendungen für eine Smart-City

Neben den Standard-Anwendungen wie Telefonie, Internet und Fernsehen (Triple-Play) ermöglicht ein offenes NGA-Netz die Realisierung von „kleineren“ und regional begrenzt interessanten Breitband-Anwendungen. Dabei können Unternehmen, Organisationen und Vereine eigene Anwendungen als Dienste realisieren und über die Diensteplattform dem Nutzer zur Verfügung stellen. Es gibt kaum Grenzen für solche Anwendungen. Von Online-Diensten für Kultur- und Sportvereine, lokale Fernsehsender mit Beiträgen über Vorgänge, die keinen Eingang in überregionale Sender finden, über Transparenzangebote der Verwaltung, Mitmach-Vorhaben der Kommunalpolitik (eParticipation), Bildungsangebote der Schule bis hin zu rein kommerziellen Cloud-Computing Diensten. Älteren und pflegebedürftigen Menschen kann durch den Einsatz medizinischer Unterstützung und Überwachung ein länger selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

Im Bereich der Wohnungswirtschaft kann über vernetzte Hausautomations-Lösungen (Smart-Home) eine höhere Attraktivität für die Mietobjekte geschaffen werden, mit Video- und Sensor-Überwachung kann die Sicherheit erhöht werden und mit Überwachung und Steuerung von elektrischen Verbrauchern lässt sich der Stromverbrauch reduzieren. Mithilfe einer intelligenten Steuerung von lokalen Energieverbrauchern und –erzeugern kann der Stromzukauf und -transport minimiert werden (Smart-Grid). Für Stadtwerke entstehen so neue technische Möglichkeiten zur effizienten Netzsteuerung.

Neben den kommerziell ausgerichteten Angeboten ermöglicht ein offenes Breitband-Netz die Umsetzung von Anwendungen, die überwiegend aus bürgerschaftlichem Engagement oder ehrenamtlich geprägt sind. Damit sich diese Initiativen bilden können, bedarf es unter Umständen einer Unterstützung und Koordination durch den Kreis oder die Kommune. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber müssen die technischen Voraussetzungen und Anbindungen geschaffen werden. Neben der Koordination durch die öffentliche Verwaltung sollte eine Überwachung der Angebote erfolgen, damit weder illegalen Aktivitäten noch verfassungsfeindlichen Organisationen eine Plattform geboten wird. Insbesondere diese Kontrollfunktion kann in Zukunft eine besondere Herausforderung für offene Glasfaser-Netze darstellen.

T-City Projekt in Friedrichshafen als Lehrbeispiel

Ein Beispiel für die Erprobung unterschiedlicher Breitband-Anwendungen in einer Kommune ist das T-City-Projekt in Friedrichshafen. Anhand der dort gewonnenen Erkenntnisse können andere Kommunen ihre eigenen Smart-City Aktivitäten gestalten. Das Innovationsprojekt T-City wurde Anfang 2007 nach einem großen Wettbewerb zahlreicher Städte an Friedrichshafen vergeben und mit einer Laufzeit von fünf Jahren gestartet. Die gewinnende Stadt erhielt nicht nur einen weitgehend flächendeckenden Ausbau mit Breitband nach dem immer noch aktuellen VDSL-Standard und darüber hinaus ein Budget für die Umsetzung von innovativen Breitband-Anwendungen in allen Lebensbereichen. Eine Voraussetzung für die Auswahl von Projekten war das gemeinsame Interesse von beiden Projektpartnern Deutsche Telekom und der Stadt Friedrichshafen sowie die Einbindung eines Projektpartners aus der Region. Im Februar 2012 ging die 5-jährige Projektlaufzeit zu Ende. Die Bewertung eines Projektes dieser Größenordnung wird immer subjektiv je nach Perspektive ausfallen und so ist auch die nachfolgende Einordnung subjektiv geprägt.

Als Innovationsprojekt ist T-City in beachtlichem Maße erfolgreich. Während der Laufzeit konnten über 40 Vorhaben gemeinsam von der Deutschen Telekom mit unterschiedlichen Partnern in der Stadt Friedrichshafen geplant und umgesetzt werden. Unter Berücksichtigung der Breite der fünf Innovationsfelder und der Komplexität der Vorhaben von Gesundheits- über Bildungs-, Verwaltungs-, Wirtschafts- bis zu Verkehrsthemen konnte eine funktionierende Zusammenarbeit mit vielen Partnern etabliert werden. Für das Projekt-Management stellt diese Breite an Themen und Partnern eine Herausforderung dar. Im Nachhinein hätte das Projektmanagement vermutlich vereinfacht werden können, wenn es eine integrierte Projektorganisation von Stadt und Deutscher Telekom gegeben hätte anstatt zweier organisatorisch getrennter Projektbüros mit einer manchmal komplizierten Entscheidungs- und Abstimmungsstruktur. Zudem finden sich im Gemeinwesen einer Stadt nicht für alle der bearbeiteten Themen formale Zuständigkeiten. Die Überwindung der meisten operativen Erschwernisse kann als eine weitere Erfolgskomponente verbucht werden.

Nicht in allen Projektfeldern ließen sich trotz großem Engagement der Partner Erfolge erzielen, da eine Umsetzung von einigen Themen mit Partnern aus der Stadt nur begrenzt möglich ist. Dies gilt z.B. für den Bereich der schulischen Bildung, für die das Land erster Ansprechpartner ist, aber auch für Projekte im Gesundheitswesen, die erst Eingang in den Leistungskatalog der Krankenkassen finden müssen. Obwohl einige Projekte die Testphase nicht überlebt haben, was für ein mutiges Innovationsprojekt nicht ungewöhnlich ist, ist die Bilanz der erfolgreichen Einzelprojekte beeindruckend.

Smart-City Anwendungen müssen koordiniert werden

Eines ist der Mehrzahl der Projekte allerdings gemeinsam: sie strahlen kaum aus auf die anderen Projektfelder oder gar auf das Gemeinwesen der Stadt. Tatsächlich hätten die meisten Projekte in völlig getrennten Kommunen realisiert werden können. Innovationsgrad und Nutzen werden sicher bei der Mehrzahl der Projekte (wie z.B. Smart-Grid, Smart-Metering, Tumorkonferenz, die mobile Visite, das Bürgertelefon D115, die Prozessoptimierung in der Verwaltung) zu einer nachhaltigen Wirkung führen. Der hohe Aufwand der projektbegleitend durchgeführten Informationsveranstaltungen und Zielgruppenmaßnahmen ist dagegen nur bedingt erfolgreich gewesen. Von den zahlreichen Zielgruppenmaßnahmen hat nur das während der Projektlaufzeit geschaffene Senioren-Internethelfer-Netzwerk das Potential, sich über das Projektende hinaus zu verselbständigen. Längerfristige Wirkung werden wohl auch die in allen Schul-Klassen durchgeführten Medienkompetenz-Seminare entfalten.

Ein umfassender Erfolg wird durch den „Konstruktionsfehler“ verhindert, dass das Projekt zu Beginn nicht  auf einer Bewegung in der Bevölkerung aufzusetzen konnte. Auch ist es nicht gelungen, dass das Projekt von der Bevölkerung für die Stadt mit eigenen Initiativen und Projektideen „übernommen“ wurde. Einzelne technische Lösungen schaffen selbst bei hohem Innovationsgrad nur für begrenzte Zielgruppen einen Nutzen. Um eine breite Bewegung zu begründen, scheint  mehr erforderlich als die Summe begrenzter Einzelnutzen. Zusätzlich hat die Mutmaßung der Bevölkerung, es mit einer Werbe- oder gar Verkaufskampagne der Telekom zu tun zu haben, die Projektwahrnehmung behindert. Auch der durchgehend technische Ansatz hat den Fokus eingeengt. Für das Gelingen eines umfassenden Smart-City-Projektes hätte es vielleicht neben der Deutschen Telekom weiterer Projektträger ohne oder mit anderem Technikansatz bedurft.

Stimulation von bürgerschaftlichem Engagement ist notwendig

Bürgerbeteiligungs-Projekte (klassisch oder online) als vorlaufende und begleitende Maßnahmen hätten vielleicht die erforderliche „Bewegung“ in der Bevölkerung geschaffen. Dabei sollte e-Participation nicht mit komplexen und vorbelasteten Themen wie dem städtischen Haushalt begonnen und zudem regelmäßig „geübt“ werden. Wenn die Themen für eine ausreichende Zahl von Bürgern relevant sind und die Ergebnisse bei der anschließenden Entscheidungsfindung für die Umsetzung berücksichtigt werden, ergeben sich häufig vielversprechende Ansätze. Leider konnte während der Projektlaufzeit kein e-Participation Projekt in Friedrichshafen aufgesetzt werden, vermutlich weil Politik und Verwaltung Befürchtungen bezüglich möglicher Forderungen und Wünsche der Bürger hatten und sich für die Durchführung organisatorisch noch nicht aufgestellt wähnten! Dabei könnte die Durchführung gerade durch moderne Kommunikationstechnik effizient und transparent gestaltet werden. Als Ergebnisse stünden Ideen für Innovationsvorhaben, die die Chance auf eine bessere Breitenwirkung und Strahlkraft haben. Es wäre es wert, einen neuen Versuch zu wagen und die Erkenntnisse aus dem T-City Projekt für ein neues Smart-City Vorhaben zu nutzen!

Jürgen Kaack 14.10.2012, 21.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Kreis Heinsberg

Breitband als ein wesentlicher Teil der Infrastruktur und ein wichtiges Element zur Steigerung der Standort-Attraktivität ist für die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg schon seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Seit knapp einem Jahr hat Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg beratend auf dem manchmal steinigen Weg zu FttB (Fiber-to-the-Building) in der Fläche begleitet. Die heutige Versorgung im Kreis ist recht heterogen und erst mit Glasfaser-Anschlüssen kann der Nutzer entscheiden, welche Bandbreite er braucht und muss nicht mit den Beschränkungen durch die Netzbetreibern leben. Somit steht zukünftig beim Abschluss eines Vertrages mit einem Breitband-Anbieter nicht mehr die verfügbare Bandbreite im Vordergrund, sondern die benötigten Anwendungen (Dienste). 


Im ersten Schritt hat STZ-Consulting die tatsächliche Versorgungslage getrennt für Wohn- und Gewerbegebiete anhand der Informationen der Netzbetreiber analysiert. STZ-Consulting eine Einteilung in gut versorgte (d.h. solche mit vorhandenem Infrastrukturwettbewerb und mindestens 16 MBit/s), schwach versorgte und unterversorgte Gebiete (beide ohne Wettbewerb in der Infrastruktur) vorgenommen. Im Kreis sind im Rahmen der Analysegenauigkeit ca. 40% der Anschlüsse mit bis zu 150 MBit/s und "funktionierendem" Wettbewerb so versorgt, dass Aktivitäten der öffentlichen Hand nicht erforderlich sind. 15% der Anschlüsse sind unterversorgt und ca. 45% schwach versorgt. Die ländliche Struktur im Kreis mit geringer Besiedlungsdichte und wenigen Wohneinheiten pro Anschluss (nur ca. 1,3 Wohneinheiten pro Anschluss) machen einen "klassischen" VDSL-Ausbau nicht nur teuer sondern auch im Hinblick auf die erzielbare Bandbreite oft wenig effizient.

Auf der Basis der Analyse wurden Geschäftsmodelle zur Umsetzung entwickelt und geprüft. Nach mehreren Gesprächs-Runden mit den Bürgermeistern der Kommunen und den Energieversorgern hat sich ein umsetzbares Modell ergeben für einen NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen, bei dem der Kreis zunächst einen Masterplan im Sinne einer Grob-Netzplanung für die nicht ausreichend versorgten Gebiete beauftragt und dann Kreis und Kommunen gemeinsam über einen längeren Zeitraum passive Anschlussnetze errichten und die Energieversorger fehlende Strecken im Zuführungsnetz ergänzen. Zur Schonung von Investitionsmitteln sollten Sanierungsmaßnahmen und andere Tiefbauprojekte genutzt werden für eine Verlegung im Beilauf. Aufgrund der Breitband-Aktivitäten der letzten Jahren besteht ein fast geschlossener regionaler Backbonering, der zur Zuführung der Bandbreite zu den zu errichtenden Anschlussnetzen genutzt werden kann. Über die über die Zeit fortlaufende Schaffung von einzelnen FttB-Inseln (z.B. einzelne Ortschaften, Statdteile oder Gewerbegebiete) soll der erzielbare Erfolg belegt werden und der Anreiz zum weiteren Ausbau aufrechterhalten bleiben.

 

Durch die Aktivitäten der Kreiswirtschaftsförderung ist ein holländischer Investor mit einschlägigen Erfahrungen in den Niederlanden auf den Kreis aufmerksam geworden und hat den Ausbau des passiven Netzes als privatwirtschaftliches Investitionsvorhaben ganz ohne Zuwendung aus öffentlichen Kassen angeboten. Nach einer Reihe von Vorklärungen und Abstimmungen mit den Bürgermeistern und den Energieversorgern ist in der vergangenen Woche das Vorhaben in einem Pressetermin veröffentlicht worden. Informationen finden sich z.B. hier:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/kreis-heinsberg/nachrichten/schnelles-internet-fuer-den-kreis-1.3010959

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/heinsberg-detail-az/2765950/Beginnt-in-der-Region-Heinsberg-ein-neues-Internet-Zeitalter

und auch recht prominent auf der Seite der Kreiswirtschaftsförderung:

http://www.wfg-heinsberg.de/publish/de/aktuelles/news/meldungen_einzelansicht.html?Meldungen_ID=606

 

Für den Bau und den Betrieb der passiven Infrastruktur wurde von dem holländischen Investor eine deutsche Gesellschaft gegründet, deren Internet-Auftritt noch recht mager ist, aber immerhin schon einige Aussagen enthält:

http://www.deutsche-glasfaser-hs.de/

Die Gesellschaft ist ein Schwesterunternehmen der Bornet im Kreis Borken, die unter dem gemeinsamen Holdingdach der Deutschen Glasfaser GmbH gebündelt werden:
http://www.deutsche-glasfaser.de/de

Damit die passive Infrastruktur nicht ungenutzt und Leerrohre "leer" bleiben, müssen Netzbetreiber als Partner gewonnen werden. Zur Vermeidung einer vollständigen Abhängigkeit hat die Deutsche Glasfaser mit "Flink" einen eigenen Betreiber zur Vermarktung gegründet. Weitere bereits benannte Partner sind der Netzbetreiber NetAachen und der Energieversorger NEW, der bereits früher  Aktivitäten im Telekommunikationsbereich gemacht hat. Der Infrastruktrurbetreiber ist offen für weitere Netzbetreiber und es bleibt abzuwarten, ob auch die großen Anbieter auf den Zug aufspringen.

 

Eine weitere Hürde ist vor einer erfolgreichen Umsetzung noch zu nehmen mit der aus Wirtschaftlichkeitsaspekten benötigten Vorvertragsquote von 40%. Die Deutsche Glasfaser plant hierfür eine breite Informations- und PR-Aktivität, aber ohne eine aktive Rolle von Kreis und Kommunen kann dies nicht gelingen. Durch die Bürgermeister ist eine weitgehende Unterstützung zu erwarten, da sie die Bedeutung einer nachhaltigen Breitbandinfrastruktur als Standortvorteil für ihre Kommunen erkannt haben. Der Beitrag von Herrn Fiedler, dem Bürgermeister von Geilenkirchen, zeigt die ersten Schritte hierfür:

http://buergermeister-geilenkirchen.blogspot.de/2012/09/was-lange-wahrt-wird-endlich-gut.html

 

Der Ausbau des Netzes wird aus Kapazitätsgründen in Schritten erfolgen. Erste Ausbaugebiete in Form von einzelnen Ortsteilen wurden bereits identifiziert (zu finden auf der Hompage der Deutschen Glasfaser HS). Zeitgleich werden regionale Unternehmen und Organisationen gesucht, die (ganz nach holländischem Vorbild) als Dienstebetreiber eine zusätzliche Differenzierung im Wettbewerb ermöglichen. Für regionale Breitbanddienste gibt es viele Möglichkeiten aus den Bereich Medizin, Bildung und Fortbildung, Sport und Kultur, aber auch durchaus rein kommerzielle Anwendungen (z.B. im Bereich Home-Automation, Energiesteuerung oder Cloud-Computing). Somit kann das Projekt nach dem Ausbau der Infrastruktur auch für die Weiterentwicklung zur Smart City oder zu mehreren Smart Cities im Kreis Heinsberg beitragen.

 

Die weitere Entwicklung desd Vorhabens bleibt abzuwarten, aber wenn dieses "Experiment" gelingt, bildet es eine geeignete Blaupause für weitere kreisweite Glasfaser-Projekte - und vielleicht können auch andere Investoren für NGA-Vorhaben gewonnen werden, die bislang mit Gewerbeimmobilien Geld verdient haben. Mit dem Vorhaben kann laut Dr. Kaack auf jeden Fall das immer wieder zu hörende Vorurteil: "Glasfasernetze kann man nur in Ballungsgebieten wirtschaftlich betreiben", ad acta gelegt werden Er hat auch in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass Glasfasernetze gerade für den Ausbau in ländlichen Regionen geeignet sind, da keine aktiven Netzkomponenten zwischen Knoiten und Hausanschluss benötigt werden und die Streckenlänge keine Rolle spielt.


Viele Kreise sind in ihren Überlegungen noch nicht bei NGA-Plänen "angekommen" und stecken tief in Fragestrellungen zur Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s. Auch für diese noch passsiven Kreise sieht Dr. Kaack das Vorgehen im Kreis Heinsberg als Beispiel - einerlei ob das Vorhaben im ersten Anlauf erfolgreich wird oder erst nach einigen Anpassungen. Es werden aber wohl selbst bei weiterer Multiplikationswirkung durch den Kreis Heinsberg immer noch etliche Regionen imländlichen Raum übrigbleiben, in denen kein Stadtwerk oder Energieversorger den Netzausbau übernimmt und auch kein privater Investor gefunden werden kann. Diese Regionen sind neben eigener Aktivitäten auf tatkräftige Unterstützung des Bundes oder der Länder angewiesen! 

 

Jürgen Kaack 30.09.2012, 15.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Breitband-Nutzung wächst mit 4,5% gegenüber 2011

Der (N)Onliner-Atlas 2012 zeigt nur eine geringe Zunahme der Internetnutzung in Deutschland von 74,7% 2011 auf 75,6%. Interessant ist dabei, dass es bei den Altersgruppen bis 50 Jahre nur geringe Verschiebungen gibt. Bei den über 60 und über 70-Jährigen wächst die Internetnutzung um 3 bzw. 3,5% gegenüber dem Vorjahr. Der Unterschied in der Internet-Nutzung zwischen Männern und Frauen verringert sich von 11,8% auf immerhin noch 10,5%.

Während sich der jährliche Zuwachs in der Internetnutzung abschwächt, wächst die Breitbandnutzung um bemerkenswerte 4,6%! In 2012 nutzen somit 57,1% der Bevölkerung in Deutschland einen Breitbandanschluss. Offensichtlich zeigen die Ausbaumaßnahmen im ländlichen Raum Wirkung.

Im Technologiemix ist eine Verschiebung zu Anschlüssen über die Kabel-Netzbetreiber zu beobachten. So gehen 8,5% der Internetnutzer über einen Kabelnetz-Anschluss online (2011 5,9%). DSL als Zugangstechnologie sinkt dagegen prozentual um 1% auf 42,2% der Internetnutzer. Der Zugang über einen Mobilfunkanschluss wird mit 5,1% ebenfalls deutlich häufiger genutzt (2011 noch 2,9%).

Von den Bundesländern haben insbesondere die Stadtstaaten - allen voran Berlin - die höchste Breitbandnutzung. Den mit Abstand stärksten Zuwachs gegenüber 2011 haben das Saarland mit 8,2% und Mecklenburg-Vorpommern mit 7,2% erreicht. Aber auch in Berlin ist die Breitbandnutzung um 3,4% gestiegen.

Verglichen mit den verfügbaren Breitbandanschlüssen bleibt die Nutzung prozentual immer noch zurück - und dies nicht nur in Ballungsgebieten, in denen oft mehr als ein Anbieter mit eigener Breitband-Infrastruktur vertreten ist! Eine schwache Akzeptanz von Breitband-Anschlüssen führt aber zu einer schlechteren Wirtschaftlichkeit bei den Anbietern und damit zu einem mittelfristig langsameren Ausbau.

Jürgen Kaack 04.08.2012, 22.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Auswahlverfahren für Breitband-Ausbau in Viersen

In Viersen haben zwei Gewerbegebiete eine schwache Internetanbindung. Da sich in der Markterkundung kein Netzbetreiber gemeldet hat, der in den nächsten 36 Monaten eine Breitbandausbau mit mindestens 25 MBit/s plant, beabsichtigt die Stadt die Verlegung vob Leerrohren für ein NGA-Netz.


Für die Nutzung der Leerrohre wird einNetzbetreiber gesucht, der eine entsprechende
Versorgung mit Breitbanddiensten für Gewerbebetriebe übernimmt. Die Ausschreibung läuft acht Wochen und findet sich auf der Seite von IKT.NRW.

Jürgen Kaack 31.07.2012, 21.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kreise als Betreiber von Breitband-Netzen?

Für eine gute Breitband-Versorgung ist zunächst ein passives Anschluss-Netz bis in jedes Gebäude erforderlich. Vor ein paar Tagen habe ich die hiermit verbundenen Aufgaben beschrieben. Damit die Verbraucher schnelle Breitbanddienste Nutzen können, müssen Verbindungen zum nationalen Backbone realisert und aktive Netztechnik installiert werden. Diese Aufgabe fällt einem Netzbetreiber zu. In den meisten Fällen werden die vorhandenen Netzbetreiber diese Aufgabe übernehmen. In Ausnahmefällen kann dies aber auch eine Aufgabe für Kreise und Kommunen sein (in erster Linie allerdings über Kooperationen).

Eine Breitband-Infrastruktur aus Kabelschutzrohren und Lichtwellenleiterkabeln muss von einem unter den rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) in seiner letzten Neufassung vom 03.05.2012 tätigen Telekommunikations-Netzbetreibers betrieben werden, damit Diensteanbieter ihre Leistungen über das Netz vermarkten können (je nach Unternehmens-Ausprägung können Netzbetreiber und Diensteanbieter in einem Unternehmen vereint sein). Die Umsetzung der Anforderungen aus dem Aufbau und Betrieb der passiven Infrastruktur (Infrastruktur-Betreiber) sind eine Voraussetzung für den Netzbetrieb. Der Kreis kann selber in Kooperation oder durch Gründung eines Joint-Ventures mit TK-erfahrenen Unternehmen Betreiber der Netzkomponenten werden, sofern die Aufsichtsbehörden einer solchen Tätigkeit zustimmen. Zu den Aufgaben des Betriebs der aktiven Netzkomponenten gehören:

 

  • Aufbau und Betrieb der aktiven Netzkomponenten, insbesondere Point-of-Presence (PoP) als Netzknoten und Network-Operations-Center (NOC) zur Steuerung des Netzes;
  • die Installation der Netzabschlüsse ONT („Optical Network Termination“ beim Teilnehmer) und OLT („Optical Line Termination“ im Netzknoten) zur Beleuchtung der Fasern. Diese Aufgabe kann alternativ durch den Infrastruktur-Betreiber wahrgenommen werden;
  • Meldung als Netzbetreiber bei der Bundesnetzagentur und Sicherstellung der Erfüllung der Anforderungen der Bundesnetzagentur an Leistungsfähigkeit und Fachkunde (insbesondere Sicherheitskonzept);
  • Schaffung von Connectivity zu mindestens zwei redundanten (physikalisch getrennten) Backbones und Management des Daten-Traffics auf der Basis noch zu schließender vertraglicher Vereinbarungen mit Backbone-Betreibern;
  • der Betrieb des Netzes mit Management des Daten-Traffics und Überwachung der Anschlüsse;
  • Einrichtung und Betrieb von Schnittstellen („Layer 2“ im OSI-Schichtenmodell entsprechend der Festlegung durch die Bundesnetzagentur), die Diensteanbietern den standardisierten offenen Zugang zum Netz ermöglichen;
  • die Ermöglichung der Überwachung von Telefon- und Email-Verkehr auf richterlichen Beschluss;
  • die Behebung von Störungen im laufenden Betrieb Überwachung von SLAs und;
  • Second-Level-Support für den Netzbetrieb, First-Level-Support erfolgt durch den Dienstebetreiber;
  • Vermarktung der beleuchteten Anschlüsse an Dienstebetreiber mit Abschluss von entsprechenden Nutzungsverträgen;
  • Anmietung von Dark-Fiber-Anschlüssen der Stadtwerke, Einkauf von Backbone-Kapazität und ggfs. technischen Dienstleistungen (PoP- und NOC-Betrieb) von Systemec oder anderen geeigneten technischen Dienstleistern;
  • Erstellung und Überwachung der Abrechnung an Dienstebetreiber


Für den Betrieb des Netzes kann entweder ein Geschäftsbesorgungsvertrag mit einem geeigneten Dienstleister geschlossen oder ein Joint-Venture gegründet werden. So muss die erforderliche Kompetenz und Leistungsfähigkeit (z.B. das bei der Bundesnetzagentur vorzulegende Sicherheitskonzept) nicht selber aufgebaut werden. Kunden der Netzbetreiber-Gesellschaft sind Dienstebetreiber, die ihre Dienste im eigenen Namen und auf eigene Rechnung an Haushalte und Unternehmen vermarkten. Der Netzbetreiber unterstützt die Vermarktung durch Informationsveranstaltungen und PR-Aktivitäten.

Jürgen Kaack 23.07.2012, 20.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau mit Kreisen als Infrastruktur-Betreiber

Eine flächendeckende nachhaltige Breitband-Versorgung auf der Basis von Glasfaser-Hausanschlüssen (NGA) setzt den Aufbau einer investitonintensiven passiven Infrastruktur voraus. Eine für Kreise und Kommunen naheliegende und sinnvoll ausfüllbare Aufgabe ist der Aufbau und Betrieb passiver Infrastrukturen (Kabelschutzrohre, Leerrohre), da Versorgungsleitungen (Strom, Gas, Wasser, Abwasser) zu den bekannten Leistungen gehören. Wenn ein Kreis diese Aufgabe übernehmen will, ist eine Breitband-Institution zu schaffen, die die Aufgaben ausfüllt.

Der Infrastruktur-Betreiber bündelt die laut Masterplan benötigte Infrastruktur im Kreisgebiet, er koordiniert die weiteren Ausbauarbeiten mit Kommunen und Energieversorgern, mietet bereits vorhandene Trassen anderer Eigentümer an und beauftragt fallweise die Errichtung fehlender Trassenteile. Die Aufgaben eines Infrastruktur-Betreibers lassen sich in drei Blöcke unterteilen:

Übergreifende Aufgaben


Die Breitband-Institution erfasst und dokumentiert die bestehende Glasfaser-, Richtfunk- und Leerrohr-Infrastruktur im Kreis oder in der Kommune. Sie verschafft sich Kenntnis von möglichst allen anstehenden Versorgungs- und Infrastrukturprojekten (Strecken) im Kreisgebiet (Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernheizung, Straßenbau, Eisenbahnbau, Radwegebau usw.) und prüft, ob die geplanten Strecken gemäß Netzplanung (Masterplan) einen sinnvollen Beitrag zur Vervollständigung des Netzes leisten können. 

 

Die Breitband-Institution beauftragt die Erstellung eines Masterplans für die schwach versorgten Gebiete bis auf Straßenzugsebene (nicht ausschreibungsreif), damit eine Verlegung im Beilauf zielführend erfolgen kann. Sie unterstützt die Städte und Gemeinden bei der Durchführung von Maßnahmen, die der kurzfristigen Verbesserung der Versorgung bisher unterversorgter Ortslagen dienen. Wichtige Aufgaben im Hinblick auf die spätere Nutzung der Infrastruktur sind die Dokumentation aller neu entstehenden Infrastruktur-Elemente und für eine regelmäßige Fortschreibung des Masterplans.

Streckenbezogene Aufgaben:

Die Breitband-Institution …

  • mietet geeignete Trassen anderer Infrastrukturbetreiber an
  • plant zu verlegende Strukturen (Vergabe von Aufträgen
  • schließt fallweise Geschäftsbesorgungsverträge mit geeigneten Partnern (z.B. den im Kreis tätigen Versorgungsunternehmen) für Aufbau und Betrieb der passiven Infrastruktur;
  • klärt mit den Versorgungsunternehmen (Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernheizung, Straßenbau usw.) im Kreisgebiet, ob dieses die Struktur aus eigenen wirtschaftlichen Interessen mitverlegen;
  • sucht einen anderen Investor zu finden, der aus eigenen Interessen die Infrastruktur mitverlegt, falls dies nicht der Fall ist;
  • finanziert und beauftragt sie mit eigenen Mitteln die Mitverlegung der benötigten Leerrohr-Bündel, falls kein privatwirtschaftlicher Infrastrukturbetreiber gefunden wird;
  • ermittelt parallel zur Planung der Infrastrukturen im Beilauf, mit welchen (über die Mitverlegungsmöglichkeit hinausgehenden) Investitionen zusammenhängende Netzstrukturen („Breitband-Inseln“) entstehen und beauftragt den Ausbau, wenn ein Netzbetreiber gefunden wird, der diese Breitband-Inseln anmietet;
  • beauftragt das Einziehen oder Einblasen von Lichtwellenleiter-Kabeln oder Fasern in die entstandenen zusammenhängenden Netzstrukturen.

Vermarktung der passiven Infrastruktur


Kunden des Infrastrukturanbieters sind Netzbetreiber, die laufende Miet-Zahlungen für die Nutzung der passiven Infrastruktur leisten oder eine finanzielle Beteiligung an den erlösten Umsätzen ausschütten (Fasermietmodell). Der Infrastruktur-Betreiber führt für den Netzbetrieb Verhandlungen mit geeigneten Providern, die die neuen Infrastrukturen nach Fertigstellung anmieten, den aktiven Netzbetrieb übernehmen und die Versorgung der betreffenden Ortslagen mit Breitbanddiensten vornehmen.

 

Da die meisten Netzbetreiber vertikal integrierte Unternehmen sind, ist der Einfluss des Infrastrukturbetreibers an dem Diensteangebot in aller Regel gering. Die Einbindung von regionalen Diensteanbietern über offene Dienste-Plattformen ist derzeit trotz der vom NGA-Forum der Bundesnetzagentur standardisierten Schnittstelle noch schwierig.

Jürgen Kaack 19.07.2012, 22.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandausbau in Kaarst unter erschwerten Bedingungen erfolgreich

Die Stadt Kaarst ist in Teilen ebenso wie andere Städte und Gemeinden nur unzureichend mit Breitband-Internet versorgt. Die betroffenen Stadtteile sinken in ihrer Attraktivität als Wohn- und Gewerbestandort. Ohne zukunftssichere Internetzugänge sinken sowohl Immobilienwerte als auch erzielbare Mieten, wenn Wohnungen überhaupt vermietet werden können. Von Bürgerinnen und Bürgern als auch von Unternehmern und Gewerbetreibenden aus den Ortsteilen Vorst und Holzbüttgen mit dem Gewerbegebiet Kaarster Kreuz wird schon seit einigen Jahren die Forderung erhoben, schnellere Internetgeschwindigkeiten nutzen zu können. Die bisherige Bandbreite liegt hier mehrheitlich unter 2 MBit/s und somit niedriger als die mit 2 MBit/s definierte Grundversorgung und kaum geeignet, mehr als Basis-Anwendung online zu nutzen. Folgerichtig hat sich bereits 2008 eine Bürgerinitiative gegründet, um die Verwaltung bei der Umsetzung des Breitband-Projektes zu unterstützen. In der durch die Bürgerinitiative seit Mitte 2009 durchgeführte Befragung der Bürger wurde von ca. 37% der Befragten eine Bandbreite von 16 MBit/s und von 31% über 16 MBit/s höher gewünscht. Mit einem Durchschnittswert von 2,4 Personen ergeben sich 1.775 Haushalte in Holzbüttgen und 1.708 in Vorst. Bei Berücksichtigung der in Deutschland durchschnittlichen Breitband-Durchdringung von über 50% ergibt sich ein Wechsler- oder Upgrader-Potenzial von knapp 890 Anschlüssen in Holzbüttgen und 860 in Vorst.

Um die Attraktivität der Stadtteile aufrecht zu erhalten, den Wegzug von Bürgern und Unternehmen zu verhindern und im Gegenteil Anreize für den Zuzug zu geben, ist die Stadt bereit, zum zukunftssicheren Ausbau der Breitbandinfrastruktur beizutragen. Dies ist allerdings für die Stadt allerdings schwieriger als für andere Kommunen mit unterversorgten Gebieten. Da Kaarst nicht in der für NRW festgelegten Förderkulisse liegt, können keine Fördermittel genutzt werden, die bis Ende letzten Jahres noch 90 % der Wirtschaftlichkeitslücke (bei einem Gesamt-Volumen von 200.000 €) abgedeckt haben. Der Versuch den Ausbau mit Mitteln aus dem Zukunftssicherungsgesetz (“Konjunkturpaket II”) zu finanzieren, sind gescheitert an einer im Vergleich zu den verfügbaren Mitteln zu hohen Deckungslücke. Auf die bis zum 31.10.2010 durchgeführte Markterkundung hat sich kein Netzbetreiber gemeldet, der in den nächsten Jahren einen Ausbau ohne Zuwendungen von der Stadt plant.

Um die vorhandenen Möglichkeiten zu prüfen, wurden Gespräche mit verschiedenen Netzbetreibern geführt und zu einer Ausschusssitzung Anfang 2012 wurden Michael Fromm von BreitbandConsulting.NRW und Dr. Jürgen Kaack von der STZ-Consulting Group als Breitband-Experten eingeladen, um die technischen Alternativen und beihilferechtlichen Rahmenbedingungen zu erläutern. Als langfristig nachhaltige Lösung sind zwar Glasfaserhausanschlüsse zu sehen. Aufgrund der erforderlichen Tiefbauarbeiten und Kosten ist die Umsetzung allerdings nur über mehrere Jahre möglich. So bleibt für die schnellere Umsetzung unter anderem der bewährte Ausbau mit Fiber-to-the-Curb (FttC), bei dem Glasfaser bis in die Ortsteile verlegt wird und für die “letzte Meile” weiter die vorhandene Kupferdoppelader genutzt wird. Der Gemeinderat ist dem Vorschlag gefolgt, entsprechend dem europäischen Beihilferecht den Ausbau auf die unterversorgten Gebiete zu beschränken und die Vergabe nach einem transparenten und technologieneutral durchgeführten Auswahlverfahren vorzunehmen. Herr Dr. Kaack (STZ-Consulting Group) hat die Verwaltung beim weiteren Verfahren mit der Erstellung des Textes zum Auswahlverfahren unterstützt, das in der Zeit vom 06.02. bis 10.04.2012 durchgeführt wurde.


Im Auswahlverfahren wurde im Sinne einer mittelfristigen Zukunftssicherung die Zielsetzung verfolgt, in beiden Ortsteilen eine zukunftssichere Übertragungsrate von mindestens 16 MBit/s für die Mehrzahl der Haushalte / Betriebe zu erzielen. Als
Kriterien als Grundlage für die Bewertung der Angebote festgelegt:

  • Wirtschaftlichkeitslücke
  • Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit
  • Kundenkonditionen (Monatskosten und Einmalpreise)
  • Leistungsmerkmale aus Kundensicht

 

Dr. Kaack hat die eingegangenen Angebot analysiert und in einem Vergabegutachten die Annahme des Angebots der Deutschen Telekom empfohlen, die den Ausbau nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzept in den Varianten ADSL-/VDSL-Mischbestückung und VDSL-only angeboten hat. Insbesondere im Hinblick auf eine Verbesserung der Grundversorgung auf einen Wert von mehrheitlich über 16 eine gute Lösung, nur bei 3%  der Anschlüsse in Ortsrandlagen kann der Wert von 2 MBit/s aufgrund von Leitungslängen unterschritten werden. Dieser Wert erfüllt die gestellten Anforderungen. Mit VDSL steht unmittelbar nach dem Ausbau entfernungsabhängig eine Bandbreite für den Downstream von bis zu 50 MBit/s für mindestens 40% der Anschlüsse zur Verfügung. Mit dem VDSL-only Angebot für Holzbüttgen wird die Verfügbarkeit der Bandbreite in den Ausbaugebieten weiter verbessert, so dass nur 3 % der Anschlüsse keine 16 MBit/s nutzen können. Damit übererfüllt diese Variante die Anforderungen der Ausschreibung und schafft zusätzliche Zukunftssicherheit.

 

In Abhängigkeit von der Länge und Qualität der verlegten Kupferdoppelader vom Kabelverzweiger bis zum Haushalt (TAL) und der damit verbundenen Dämpfung des Signals wird die erreichbare Bandbreite mit zunehmender Entfernung vom Kabelverzweiger abnehmen. Die Anbindung an das Backbone-Netz erfolgt ausschließlich über Glasfaserstrecken, auf den Einsatz von Richtfunk wird verzichtet. Für die Leerrohrverlegung sind in Hozbüttgen Tiefbauarbeiten über 190 Meter erforderlich, alle mit versiegelten Oberflächen. In die Leerrohre werden 1.370 Meter Lichtwellenleiter-Kabel eingezogen. In Vorst werden 5.740 Meter Lichtwellenleiterkabel und 480 Meter Tiefbauarbeiten benötigt. In Holzbüttgen werden mit den Glasfaser-Trassen 6 Kabelverzweiger angebunden und mit Multifunktionsgehäusen überbaut. In Vorst sind es bei der ausgewählten Variante mit Mischbestückung (ADSL und VDSL) 10 Kabelverzweiger, die mit Glasfaser angebunden und überbaut werden.

 

Nach der Entscheidung des Gemeinderats wird ein Kooperationsvertrag mit der Telekom verhandelt. Der eigentliche Ausbau wird dann noch mal ca. 12 Monate benötigen, bis in Holzbüttgen und Vorst eine schnelle Internetnutzung möglich wird. Das Beispiel des Breitband-Ausbaus in Kaarst zeigt, dass auch ohne Fördermittel ein Ausbau in den meisten Fällen möglich ist, wenn der kommunale Haushalt entsprechend geplant und die beihilferechtlichen Randbedingungen eingehalten werden. Mit einem FttC-Ausbau ist der spätere Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen nicht verbaut, da Glasfaser jetzt immerhin schon an 16 Stellen in den beiden Ortsteilen geführt wird. Wenn der weitere Ausbau mit Leerrohren bis zu den Hausanschlüssen in Verbindung mit geplanten Sanierungsmaßnahmen im Beilauf erfolgt, kann in etwa 10 Jahren von der FttC-Versorgung auf „echte“ Glasfaserhausanschlüsse im Sinne des Fiber-to-the-Building (FttB) umgerüstet werden. Dann sind mit steigendem Bedarf auch Bandbreiten von 1 GBit/s möglich.

Jürgen Kaack 16.07.2012, 22.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Projekt für Kaarst erfolgreich abgeschlossen

Seit 2008 bemüht sich die Stadt Kaarst um einen Breitbandausbau in den unterversorgten Stadtteilen. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, um den Ausbau voran zu bringen. Da Kaarst nicht in der GAK-Förderkulisse für NRW liegt, ist eine Finanzierung über Fördermittel nicht möglich und es bleibt nur die Eigenfinanzierung aus städtischen Mitteln. Jetzt wurde mit der Entscheidung im Gemeinderat für einen Kooperationsvertrag zum Aufbau mit FttC ein wichtiger Meilenstein erreicht. Beihilferechtlich folgt der Ablauf den Vorgaben aus dem Förderleitfaden für GAK und bedarf daher keiner Einzelfallnotifizierung.

STZ-Consulting hat das Projekt bei der Vorbereitung und Durchführung des Auswahlverfahrens unterstützt. Mit der Erstellung des Vergabe-Gutachtens endet das Projekt. Nach dem Beschluss durch den Gemeinderat kann der Kooperationsvertrag mit der Telekom geschlossen werden. Der eigentliche Netzausbau wird allerdings noch ca. ein Jahr dauern. Einen Artikel der NGZ findet sich unter diesem Link.

Jürgen Kaack 10.07.2012, 21.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hoffnung für Förderanträge zum Breitband-Ausbau

Die Neuwahl des Landtags in NRW hat viele Breitbandprojekte im Land verzögert, zumindest sofern Fördermittel zum Ausbau der unterversorgten Gebiete genutzt werden sollen. Da ohne einen Haushalt keine Fördermittel zur Verfügung stehen, können die Bezirksregierungen den Kommunen keine Bewilligungen für Förderbescheide erteilen.

Die zeitliche Verzögerung durch die Wahl und die Feststellung des Haushalts ist zwar unangenehm, gravierender könnte sich allerdings die hierdurch ablaufenden Bindefristen von Angeboten
auswirken. Teilweise wurden bislang nur Bindefristen bis maximal 6 Monate eingeräumt. Wenn es nur einen Bieter in dem Auswahlverfahren gibt, kann eine Nachkalkulation auf der Basis einer Nachverhandlung weiter führen. Haben sich mehrere Anbieter beteiligt, bliebe den Kommunen eigentlich nur die Durchführung eines erneuten Auswahlverfahrens.

Eine Erleichterung der Situation hat sich durch die Bereitschaft der Deutschen Telekome ergeben, Bindefristen bis in den September zu verlängern. Somit haben alle Vorhaben, die seit Anfang des Jahres durchgeführt wurden, eine Chance zur Bewilligung ohne erneute Ausschreibung.
Um dies zu ermöglichen, müssen auch die Bezirksregierungen ihr Vorgehen ändern. Bislang müssen in NRW GAK-Förderprojekte bis zum Jahresende abgeschlossen sein, da Verpflichtungs-Ermächtigungen zum Übertrag von Mitteln ins Folgejahr nur in geringem Maße zur Verfügung stehen. Selbst bei einer Bewilligung im September können Bauvorhaben nicht mehr bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Zum einen muss nach der Bewilligung von Fördermitteln noch ein Kooperationsvertrag geschlossen werden. Zum anderen gibt es keine ausreichenden Kapazitäten zur gleichzeitigen Bearbeitung aller Tiefbaumaßnahmen. Realistischerweise können in diesem Jahr nach Abschluss eines Vertrages die Feinplanung und die Standortsicherung erfolgen sowie erste Baumaßnahmen. Bezogen auf das Gesamtvorhaben sind dies in der Regel nicht mehr als 25% der Gesamtkosten. Ohne Änderung der Kalenderjahr-Bindung könnten Förderprojekte somit trotz Bewillingung nicht umgesetzt werden und die Vorhaben müssten in 2013 neu ausgeschrieben werden.

Es gibt allerdings Hoffnung, dass nach der Verlängerung der Bindefristen auch die Jahresgrenzen für den Abschluss der Vorhaben für 2012 umgangen werden. Gerüchteweise gibt es hierzu erste Konzepte. Wenn sich dies bewahrheitet, dann können alle Kommunen, die seit Anfang des Jahres Ausschreibungen durchgeführt haben, auf eine Realisierung ohne weitere Verzögerungen und ohne den erneuten Aufwand einer Ausschreibung hoffen - sofern die Anträge bewilligt werden und die zur Verfügung stehenden Fördermittel zur Bedienung aller Anträge ausreichen! Bei dem nicht unerheblichen Aufwand für die Durchführung der Projekte sind dies positive Aussichten.

Naschdenklich stimmen kann allerdings, dass die Förder-Budgets für dieses Jahr schon seit einiger Zeit durch die auf Eis liegenden Anträge aufgebrasucht sind. Bund und Land werden nicht müde zu betonen, dass die Grundversorgung für deutlich über 99% aller Haushalte bereits heute gewährleistet ist. Meine Erfahrung ist eine Andere: im ländlichen Raum außerhalb der Ballungsgebiete sind immer noch gut über 10 %  der Haushalte und Betriebe mit durchschnittlich weniger als 2 MBit/s versorgt. Bis zum Ablauf des GAK-Förderprogrammes Ende 2013 wird es wohl kaum gelingen, diese Gebiete zu versorgen. Neben den Förderbudgets sprechen auch technische und wirtschaftliche Gründe gegen eine Erfolg mit den bisherigen Methoden.

Kreise und Kommune sind daher aufgefordert, sich mit der Breitband-Versorgung dauerhaft zu beschäftigen und
in Richtung auf tragfähige Next-Generation-Access (NGA) Konzepte z.B. mit Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen bis zum Haus (Fiber-to-the-Building FttB) hinzuarbeiten und die Breitbandversorgung als Aufgabe der Daseinsvorsorge anzunehmen!

Jürgen Kaack 20.06.2012, 10.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL