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Tag: Kabel-TV

Anzahl unterversorgter Ortsteile in Erkelenz deutlich gesunken

Anfang 2013 hat die Verwaltung in Erkelenz ein Breitbandprojekt gestartet. In der bis Februar durchgeführten Befragung zeigte sich ein erheblicher Bedarf und eine Unterversorgung in 17 (!) Ortsteilen von Erkelenz. Von der Unterversorgung betroffen waren über 4.700 Haushalte. In der im März durchgeführten Markterkundung hat sich kein Betreiber gemeldet, der in den nächsten drei Jahren einen Breitbandausbau ohne Zuwendungen geplant hat.

In dem folgenden Auswahlverfahren sind dann Angebote verschiedener Netzbetreiber eingegangen, für die allerdings keine Vergabe-Empfehlung ausgesprochen werden konnte. Die Deutsche Glasfaser GmbH hat im Rahmen ihrer Ausbau-Aktivitäten im Kreis Heinsberg verschiedene Ortsteile von Erkelenz mit in die Bearbeitung aufgenommen.

Mittlerweile wurde in 9 der bearbeiteten Ortsteilen die geforderte Mindestvertragsquote von 40% überschritten, in einem weiteren (Granterath) ist man nur noch 3% von der Mindestquote entfernt Nach derzeitigem Stand sind somit nur noch die folgenden Ortsteile unterversorgt:
  • Genneiken
  • Genfeld und Genhof
  • Katzem und Kleinbouslar.
  • Mennekrath mit Terheeg

Im Hinblick auf das Auswahlverfahren verbleiben somit noch drei der ursprünglichen Lose als unterversorgt. Dabei bleibt die weitere Entwicklung für Genhof und Genfeld zunächst offen, da beide Ortsteile im Auswahlverfahren gemeinsam mit dem jetzt auch in der Ausbauplanung befindlichen Gerderhahn behandelt wurden.

Für die Bürger und Betriebe in den jetzt ausgebauten Gebieten bricht nach dem fertigen Ausbau Ende 2013 / Anfang 2014 eine neue Ära der Breitbandversorgung an mit symmetrischen Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s. In den verbleibenden unterversorgten Ortsteilen wird sich zeigen, ob die noch laufende Nachverhandlung einen hochwertigen Ausbau ermöglicht. Sicher ist allerdings, dass der Glasfaser-Ausbau in den zehn von der Deutschen Glasfaser bearbeiteten Ortsteilen nicht nur nachhaltig zukunftssicher ist, sondern auch keine Zuwendung von der Stadt erforderlich macht!

Jürgen Kaack 26.07.2013, 14.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schwache Akzeptanz von Glasfaser-Anschlüssen in Heinsberg und Viersen

Beschwerden über zu langsame Internetzugänge hört man oft, insbesondere im ländlichen Raum. In Gebieten mit heute mehrheitlich weniger als 6 Mbit/s ist dies unmittelbar einsichtig, da mit langsamen Zugängen eine effiziente Nutzung von Internet-Anwendungen kaum möglich ist. Bei einem Ausbau in den schwach versorgten Gebieten liegt die "Take-up Rate", die die Akzeptanz von Breitband-Lösungen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung beschreibt, bei ca. 60%. Dies entspricht dem derzeitigen Durchschnitt der Breitbandnutzung in Deutschland bei ca. 78% Internetnutzern.

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn die vorhandene Versorgung vor einem Ausbau etwas höher liegt. Nur ca. 25% der Haushalte (und der Betriebe) bucht Anschlüsse mit mehr als 25 Mbit/s. Dabei ist heute schon deutlich, dass die übertragenen Datenvolumina seit Jahren steigen und auch absehbar weiter mit ca. 18% pro Jahr zunehmen wird. Gleichzeitig wächst der Bedarf an schnelleren Upload-Geschwindigkeiten, z.B. beim Versenden von Bildern und Videos oder bei der Nutzung von Cloud-Diensten zur Datenspeicherung. Mit den asymmetrischen DSL-Diensten ist diese Eigenschaft noch schwach.

Vor diesem Hintergrund sollte man vermuten, dass ein Angebot zur Schaffung von Glasfaser-Anschlüssen mit symmetrischen Bandbreiten zu vergleichbaren Preisen eines VDSL-Dienstes ohne Zaudern angenommen wird. Die Deutsche Glasfaser GmbH ist mit einem solchen Angebot in verschiedenen Kommunen z.B. im Kreis Heinsberg angetreten.

Um das Vorhaben managen zu können, wird der Ausbau in verschiedenen Phasen durchgeführt. In der ersten Runde wurden ausschließlich unterversorgte Ortsteile bearbeitet. Von 34 Pilotregionen wurde nur in einem einzigen die Vorvertragsquote von 40% zum Teil deutlich überschritten. Die Akzeptanz in einigen kleineren Ortsteilen liegt sogar über 90%. In der zweiten runde wurden weitere 19 Ortsteile hinzugenommen. Nach einer über 4-monatigen Informations- und Vorverkaufsphase erreichten jetzt nur noch 6 die Mindestquote, wie auf der Seite der Deutschen Glasfaser abzulesen ist. Die höchste Vorvertragsquote liegt jetzt bei 54%.

Noch geringer liegt die Akzeptanz bei dem vor drei Monaten begonnen Projekt im Kreis Viersen. Von 18 Pilotregionen hat noch keines die geforderte Mindestvertragsquote erreicht. Wirklich verständlich ist die schwache Akzeptanz nicht, denn eine gute Breitbandversorgung steigert den Immobilienwert und verbessert die Vermietbarkeit. Zudem ist mit einem Glasfaseranschluss eine zukünftige Erhöhung der Geschwindigkeit problemlos möglich und das grundsätzlich mit symmetrischen Werten für Up- und Downstream!

Besonders signifikant ist die Situation am Beispiel der Kernstadt von Wegberg. Hier besteht derzeit eine VDSL-Versorgung mit maximal 25 Mbit/s, für heutige Internet-Anwendungen gut ausreichend, aber nicht unbedingt nachhaltig zukunftssicher. Nach vier Monaten Projektlaufzeit in Wegberg wurde gerade mal eine Quote von 14% Vorverträgen erreicht, der bislang mit Abstand schlechteste Wert im Kreis Heinsberg!

Es bedarf offensichtlich weiterer Information und Aufklärung über die Entwicklung in Datenkommunikation, damit eine fundiertere Entscheidung möglich ist. Sollte die Deutsche Glasfaser die Kernstadt von Wegberg aufgrund des schlechten Ergebnisses jetzt nicht mit einem Glasfaser-Anschlussnetz ausbauen, wird es vermutlich in den nächsten Jahren auch kein anderer Anbieter tun. In spätestens 10 Jahren wird man zurückblickend fragen, wie man eine solche Entscheidung treffen konnte. Dann wird es aber voraussichtlich den städtischen Haushalt und damit Steuergelder treffen, die für den dann erforderlichen Ausbau aufkommen müssen! Vielleicht hätte man von Seiten der Politik etwas mehr tun können, um den Wettbewerb um nachhaltige Infrastrukturen zu stärken? 

Jürgen Kaack 21.07.2013, 21.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschäftsmodelle für den Breitband-Ausbau

Viele Kommunen und Kreise sind seit teilweise über zehn Jahren mit der Verbesserung der Breitbandversorgung befasst. Durch die Förderangebote aus EU-Mitteln wurden diese Aktivitäten ab 2008 deutlich intensiviert. Aber Fördermittel sind nicht für alle Kommunen nutzbar, oder die Förderkriterien führen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Bei der Beschäftigung mit dem Breitbandausbau gibt es ein breites Spektrum unterschiedlicher Vorgehensoptionen und es gibt kaum zwei identische Vorgehensweisen.

Übersicht zu Geschäftsmodellen für den Breitbandausbau:

  • Ausbau mit Zuwendungen (Deckungslücke)
  • Ausbau unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen
  • Ausbau mit bürgerschaftlichem Engagement
  • Ausbauoptionen mit Stadtwerken
  • Motivation von Netzbetreibern zum Ausbau
  • Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
  • Gründung von Infrastrukturinstitutionen (alleine  / Private-Public-Partnership)
  • Netzaufbau in Verbindung mit Sanierungsarbeiten im Versorgungsnetz
  • Zweckverbände als interkommunale Aktivitäten


Ergänzende Informationen und Erläuterungen zu den Geschäftsmodellen mit Fallbeispielen für die Umsetzung in ausgewählten Kommune und Kreisen auf Anfrage verfügbar.

Jürgen Kaack 10.07.2013, 18.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nutzungslücke bremst den Breitband-Ausbau

 

60% aller Haushalte könnten schnelles Internet nutzen 

Schnelle Internetzugänge sind eine Selbstverständlichkeit, Wohnungen ohne Breitband sind schwer zu vermieten, Hauspreise sinken ohne Breitband-Zugang und wenn der Internet-Anschluss zu langsam ist, beschweren sich die Bürger bei Kommunalpolitikern und Verwaltung. 81% der Männer und 72% der Frauen in Deutschland nutzen laut (N)Onlineratlas 2013 das Internet und aufgrund der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ist es gerechtfertigt, die Breitband-Versorgung als eine Aufgabe der Daseins-Vorsorge zu behandeln!

Die Zerschlagung des Kabelnetzes beim Verkauf im Jahr 2000 auf eine Reihe von regionalen Gesellschaften ist ursächlich für die im Vergleich zu anderen Ländern lange Verzögerung bis zur Schaffung der Rückkanalfähigkeit. Der Marktanteil der Kabelnetzbetreiber für den Breitbandzugang wächst zwar von allen Technologien am stärksten, ist aber absolut betrachtet im internationalen Vergleich noch schwach. Der Ausbau mit Glasfaser-Anschlussnetzen kommt in Deutschland ebenfalls eher schleppend in Gang, da das Angebot an DSL-Zugängen den vorhandenen Bedarf zu vergleichsweise günstigen Preisen abschöpft. 

Die verschiedenen Aktivitäten der Deutschen Telekom und alternativer Betreiber, die in Summe höhere Investitionsaufwände stemmen als die Deutsche Telekom, haben im wesentlichen auf der Basis der Kabel-TV Netze und mittels DSL zu einer Verfügbarkeit von Breitbandzugängen, die mindestens 50 Mbit/s an Übertragungsgeschwindigkeit ermöglichen, die nach Schätzungen von STZ-Consulting 2013 im Durchschnitt bei 60% der Haushalte liegen dürfte (Ende 2012 waren es knapp 55%. Korrekte Zahlen zu ermitteln ist nicht ganz einfach, da es kein bundesweites unabhängiges Breitband-Kataster gibt. Insgesamt werden laut VATM Mitte 2013 27,7 Millionen Breitbandanschlüsse (ab 2 Mbit/s) genutzt.

Diese Verfügbarkeit ist grundsätzlich nicht schlecht, wenn es auch fraglich erscheint, ob die von der Bundesregierung als Ziel festgelegten 75% der Anschlüsse mit > 50 Mbit/s in 2014 erreicht werden. Aber dies ist ein grundsätzliches und nicht Breitband-spezifisches Problem, wenn von der Politik nur das Ziel definiert, aber keine Strategie zur Erreichung der Ziele erarbeitet und umgesetzt wird. 

Die tatsächliche Nutzung schneller Anschlüsse liegt mit ca. 25% weit unter der Verfügbarkeit

Bei 77% Internetnutzern und einer Breitbandversorgung von ca. 60% könnte man vermuten, dass im Durchschnitt 46% der Haushalte schnelle Internetzugänge nutzen. In der Realität liegen die Nutzungszahlen aber erschreckend niedrig. Nach Schätzungen von STZ-Consulting nutzen im Durchschnitt nicht mehr als 25% der Haushalte in den mit mehr als 25 Mbit/s versorgten Regionen die Möglichkeit des schnellen Anschlusses. 

Selbst bei den nachhaltig zukunftssicheren Glasfaser-Hausanschlüssen herrscht bei den potenziellen Nutzern Zurückhaltung. Ende 2012 waren nach Schätzung des Branchenverbandes VATM gut 800.000 Glasfaser-Hausanschlüsse verfügbar, aktiv genutzt wurden auch hier nur 43% oder 343.500. Für VDSL stand laut Golem.de um die sogenannte „Takeup-Rate“ für die Nutzung vorhandener Anschlüsse mit 10% (von 10 Millionen Anfang 2011 verfügbaren VDSL-Anschlüssen) noch schlechter. Laut VATM wurden Ende 2012 immer noch nur 11,4% der DSL-Anschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s (VDSL) genutzt! 

Es ist nur schwer auszumachen, woran die fehlende Akzeptanz bei den Nutzern liegt. Eine insbesondere in Deutschland zu beobachtende „Geiz-ist-geil“-Mentalität und der Preiskrieg der Anbieter haben dazu geführt, dass ein Internetzugang eigentlich nicht mehr als 19,90 Euro pro Monat kosten darf. Dafür ist ein schneller NGA-Anschluss allerdings nicht zu realisieren. Zum anderen fehlt ein breites Angebot von Diensten, die einen schnellen Zugang erfordelrich machen. Durch die bislang vertikal geschlossenen Geschäftsmodelle ohne offene Schnittstellen für einen mittelständischen Dienstebetreiber ist dieses Marktsegment in Deutschland – anders als in den Niederlanden noch unterentwickelt. Mit einer Zunahme von spezifischen Angeboten aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Telemedizin und eGovernment kann sich das Nutzungsverhalten mittelfristig ändern. Dabei ist dann die Verfügbarkeit einzelner Diensteangebote für die Kaufentscheidung vermutlich vorrangig im Vergleich zu immer schnelleren Geschwindigkeiten. Tatsächlich gibt es derzeit keinen praktischen Grund, einen Internetzugang mit mit mehr als 50 Mbit/s zu erwerben, da es hirfür keine Massenmarkt-Dienste gibt. So wird erklärbar, warum Deutschland derzeit nicht mehr als ca. 6 Millionen NGA-Anschlüsse (> 25 Mbit/s) hat.

 Glasfaserausbau durch Vectoring ausgebremst

Diese Situation könnte man als gegeben hinnehmen, wenn nicht gleichzeitig das über IP-Netze übertragene Datenvolumen pro Jahr um ca. 18% wachsen würde. Mit diesem starken Wachstum, für das sich in den nächsten Jahren kaum eine Abschwächung andeutet, werden die vorhandenen Netze irgendwann in den nächsten fünf bis zehn Jahren an eine Kapazitätsgrenze stossen. Daher müsste ein vorausschauender Infrastrukturaufbau mit Glasfasernetzen bis zum Hausanschluss (Fiber-to-the-Home oder Fiber-to-the-Building) erfolgen, denn nur die Glasfaser besitzt die physikalischen Voraussetzungen für schnelle Datenübertragung (nur die Lichtgeschwindigkeit stellt eine Grenze dar) mit sehr hohen Kapazitäten. Da die Kosten für den Glasfaserausbau entscheidend von den Tiefbaukosten für die Verlegung der Anschlussnetze bestimmt werden, kann ein Investitions-schonender Ausbau. 

Die Deutsche Telekom hat 2010 als Ziel für 2012 kommuniziert, 10% der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen auszubauen. Anstatt der geplanten 4 Millionen Anschlüssen wurden es nicht mehr als 200.000, die zu gerade 25% tatsächlich aktiv genutzt werden. Bei diesen schlechten Werten ist es verständlich, dass sich die Deutsche Telekom aus dem Ausbau mit FttH (Fiber-to-the-Home) offensichtlich weitgehend zurückzieht. Während die Deutsche Telekom sich mit dem FttH-Ausbau auf dicht besiedelte Kernstadtbereiche konzentriert hat, die überwiegend bereits von Kabelnetzbetreibern versorgt werden, hat die Deutsche Glasfaser, ein Tochterunternehmen der niederländischen Reggeborgh, ihren Ausbau gerade in dünn besiedelten ländlichen mit schlechter Breitbandversorgung begonnen. Obwohl bisher häufiger argumentiert wurde, dass sich unter diesen Bedingungen ein Breitbandausbau wirtschaftlich nicht lohnt, beweisen die Aktivitäten in den Kreisen Borken, Coesfeld, Viersen und Heinsberg, dass gerade hier doch Bedarf besteht. In einer Reihe von Ortsteilen konnten Vorvertragsquoten von 55 bis deutlich über 80% realisiert werden. Vermutlich benötigt nicht jeder der neuen Kunden einen Internetzugang mit symmetrischen 100 Mbit/s, aber ohne eine qualifizierte Alternative mit schnellen Zugängen wird das Angebot der Deutschen Glasfaser gerne wahrgenommen. Sobald aber Bereiche mit einer besseren Versorgung von über 10 Mbit/s bearbeitet werden, sinkt die Akzeptanz signifikant bis auf unter 10% und entspricht damit wieder den Werten, die auch die Deutsche Telekom in ihren „Giganetz“ FttH-Vorhaben erreicht. 

Betriebswirtschaftlich macht der jetzt beschlossene VDSL-Ausbau auf der Basis der „Vectoring“-Technologie mit bis zu 100 Mbit/s im Downstream durchaus Sinn. Zum einen ist der Ausbau im Vergleich zum FttH-Ausbau mit deutlich geringeren Investitionen möglich. Zum anderen ermöglicht der Vectoring-Ausbau die Abschaltung des alten und bisher parallel betriebenen analogen Netzes. So kann der Vectoring-Ausbau in hohem Maße durch Einsparungen bei den Betriebskosten finanziert werden und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Kabelnetzbetreibern. Da in einem Ortsnetz bei Vectoring das gesamte Netz ausgebaut und fast alle Kabelverzweiger mit Glasfaser angeschlossen werden müssen, ergibt sich für die Kommunen der Vorteil, dass die Versorgung innerhalb des Ortsnetzes wesentlich homogener wird als bei dem bisherigen VDSL2-Ausbau. 

Negative Auswirkungen in der Zukunft ohne Vorkehrungen absehbar 

Die Kehrseite beim Vectoring-Ausbau ist, dass DSL-Netze auf diesem Wege wieder in erheblichem Maße re-monopolisiert werden. Wettbewerber haben nur unter engen Auflagen die Möglichkeit, selber mit tätig zu werden. Bei einer Ausschreibung durch Kommune und Kreise geraten Wettbewerber der Deutschen Telekom in eine schwierige Position, da sie keine Synergie-Effekte durch die Abschaltung des analogen Netzes entgegensetzen können und somit in der Kalkulation kaum wettbewerbsfähig anbieten können. Aktivitäten von Kommunen und Kreisen, die sich selber zum Aufbau von passiven NGA-Netzen entschlossen haben, werden unter Umständen erheblich beeinträchtigt, da die erwarteten Kundenpotenziale in schwach versorgten Regionen in bedeutendem Maße wegbrechen. Der weitere Glasfaser-Ausbaus zur Erzielung einer mittelfristig leistungsstarken Breitband-Infrastruktur wird voraussichtlich massiv eingebremst und die nachhaltige Zukunftssicherheit zugunsten einer kurzfristigen Verbesserung der Versorgungslage gefährdet. Erweist sich die Prognose als richtig, dass mittelfristig kein Weg an Glasfaser vorbei führt, dann kommen erhebliche Investitionen auf die Kommunen zu, die heute keine Vorsorge schaffen. Die Investitionen für die Erstellung eines Hausanschlusses liegen je nach Randbedingungen, wie der Länge zwischen den Häusern. Der Bodenklasse und der Verlegetiefe zwischen 1.500 und 4.000 Euro. Es lässt sich leicht hochrechnen, welche Belastungen auf eine Mittelstadt zukommen. Bei 25.000 Haushalten und einem Durchschnittsinvest von 2.500 Euro wären aus dem Haushalt über 62 Millionen Euro zu finanzieren! Bei einem vorausschauenden Handeln und einer koordinierten Mitverlegung in Verbindung mit anderen Tiefbaumaßnahmen lassen sich die Kosten bis auf ein Zehntel senken. Dann muss man allerdings auch eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren einplanen, bis das Stadt- oder Gemeindegebiet weitgehend flächendeckend ausgebaut ist. In dieser Zeit ergeben sich allerdings auch keine Einnahmen aus dem entstehenden Netz. Dafür liegen die jährlichen Investitionen bei unter 0,6 Millionen Euro. 

Handlungsoptionen für Kommunen und Kreise

Der Paradigmen-Wechsel beim Breitbandausbau durch die Deutsche Telekom eröffnet vielen Kommunen neue Chancen. Unter Umständen ergibt sich eine kostengünstige Möglichkeit, einen flächendeckenden Ausbau zu erreichen, der in dieser Form noch im letzten Jahr nicht möglich erschien. Bei Verfahren während der „Umbruch“-Phase konnte man dies zum Teil durch deutliche Veränderungen in den ermittelten Deckungslücken feststellen. Daher sollten interessierte Kommunen die Möglichkeiten prüfen und über Bedarfsermittlung und Markterkundung die Lage für das eigene Gebiet ermitteln. Es ist auch bei den neuen Zielen der Telekom nicht ausgeschlossen, dass es in den nächsten Jahren (wie bei den Zielen für die Glasfaseranschlüsse) zu grundlegenden Änderungen kommt. Daher kann Eigeninitiative der Kommune den Vorgang durchaus beschleunigen. Neben dem kurz- bis mittelsfristigen Versorgungsziel sollten Kommunen und Kreise langfristige Ziele für die Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen festlegen und durch Zuordnung von personellen und finanziellen Ressourcen absichern. Dann ergeben sich für die Infrastruktur-Versorgung nicht bereits heute absehbare Probleme. Folgende Aufgaben sollten sich Kommune und Kreise daher zu Eigen machen: 

  • Analyse der konkreten Versorgungssituation, vorhandener Infrastrukturen und Ermittlung des Bedarfs 
  • Prüfung der Ausbau-Optionen durch Workshops mit Netzbetreibern und durch öffentliche Markterkundungs- und Auswahlverfahren 
  • Schaffung der Position eines dauerhaften Breitbandkoordinators, je nach Größe der Kommune auch in Teilzeit) 
  • Erstellung eines Masterplans für die Verlegung eines Glasfaser-Anschlussnetzes 
  • Bereitstellung von jährlichen Haushaltsmitteln für den Netzaufbau im Beilauf

Aufgabe des Staates und der Länder ist dabei, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierfür muss noch eine beihilferechtliche Grundlage für den Aufbau eines NGA-Anschlussnetzes in solchen Regionen, in denen heute entweder VDSL oder ein Kabelnetz verfügbar ist, Erleichterungen bei der Übertragung des Wegerechts entlang von Bundes- und Landesstraßen. Die bisherigen Regelungen für die Sicherstellung der Grundversorgung mit 2 Mbit/s auf der einen Seite und dem Aufbau von Leerrohnetzen nach der entsprechenden Bundesrahmenregelung reichen hierfür nicht aus. Für die Verbesserung der kurzfristigen Versorgungslage sind ergänzende rechtliche Rahmenbedingungen für Gebiete zu schaffen, die mehrheitlich mehr als die Grundversorgung haben, aber unter der NGA-Grenze von 25 Mbit/s liegen.

Jürgen Kaack 07.07.2013, 22.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandversorgung in Solingen

Die Analyse der Breitbandversorgung in Solingen zeigt eine häufig anzutreffende Situation. Während die Kernbereiche mit bis zu 150 MBit/s schon heute zukunftssicher ausgebaut sind, fallen die verbleibenden 25% der Haushalte und einige der Gewerbegebiete imn Stadtgebiet deutlich ab. Mit längerem Anlauf für die Zuführung hoher Bandbreiten und einer geringeren Besiedlungsdichte wird die Erschließung dieser Gebiete unter wirtschaftlichen Aspekten deutlich schwieriger.

Nach einer Analyse der Versorgungssituation und der vorhandenen Infrastrukturen im Stadtgebiet von Solingen wurden jetzt die Ergebnisse in einem Pressegespräch präsentiert (Artikel bei PR-Online vom 27.04.2013). Auch die nächsten Schritte wurden erläutert. In nächster Zeit startet eine Befragung bei Haushalten und Betrieben, um den Bedarf und das vorhandene Kundenpotential zu ermitteln.

Die Kernbereiche der Stadt sind heute fast vollständig mit zwei unabhängigen Infrastrukturen (Kupferdoppelader für VDSL und Koaxialkabel für DOCSIS 3.0) versorgt. Die Kluft zwischen 150 MBit/s in einem Teil der Stadt und DSL-light oder gar Modem in einem anderen ist nicht erstrebenswert und erschwert die Planung für die Entwicklung in jeder Stadt. Daher müssen Lösungen gesucht und Konzepte erarbeitet werden, um die Kluft zu schließen. Hierbei müssen unter Umständen unterschiedliche Technologien kombiniert werden. Andernfalls könnte der Ausbau insgesamt unwirtschaftlich werden.

Mit der Problematik steht Solingen bei weitem nicht alleine. Die meisten Kommune und auch Großstädte müssen sich mit der Beseitigung der digitalen Kluft auseinandersetzen!

Jürgen Kaack 27.04.2013, 16.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau im Kreis Heinsberg mit Glasfaser-Hausanschlüssen

Eine gute Breitband-Versorgung ist auch im ländlichen Raum unabdingbar. Finden sich hier doch noch viele Regionen mit einer mehrheitlchen Unterversorgung (< 2 MBit/s). Dies gilt auch für den Kreis Heinsberg.

Das Vorhaben der Deutschen Glasfaser im Kreis Heinsberg zeigt, dass Glasfaseranschlüsse tatsächlich auch und gerade außerhalb der Ballungsgebiete nicht nur technisch von Vorteil, sondern auch wirtschaftlich betrieben werden können - zumindest in derzeit unterversorgten Gebieten.
Diese These vertrete ich ja bereits seit einigen Jahren. Die Umsetzung erfordert dann allerdings einen Infrastrukturbetreiber mit längeren als TK-typischen Abschreibungsfristen. Der aktuelle Status der Vorverträge in den Pilotregionen im Kreis Heinsberg findet sich auf der Seite des Anbeiters Deutsche Glasfaser GmbH.

Es ist grundsätzlich zu verwarten, dass in den unterversorgten Gebieten Werte im Bereich des 57%-Durchschnitts für die Breitbandnutzung in Deutschland erreicht werden. Spannender wird die Akzeptanz in den heute bereits besser oder auch mit über 100 MBit/s gut versorgten Bereichen ausfallen wird.

Jürgen Kaack 17.02.2013, 12.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Standpunkt für den lokalen Ausbau in ländlichen Räumen

"Die entscheidende Voraussetzung für einen Breitbandausbau liegt im Bedarf bei Haushalten und Unternehmen! Auch ohne den Anspruch an einen Universaldienst muss im ländlichen Raum eine Infrastruktur vorhanden sein, die eine ausreichende Bandbreite ermöglicht. Der Anspruch an einer Breitbandversorgung ist auf jeden Fall „universell“, da die Internetnutzung quer durch die Bevölkerung geht, bei Jugendlichen und Erwachsenen bis 30 Jahre liegt die Internetnutzung bereits heute deutlich über 90%."

Ansatz-Punkte zu Problemlösungen mit verfügbaren Breitband-Technologien, Fördermöglichkeiten und Geschäftsmodellen findet sich in meinem Beitrag auf dem Portal "dvs Netzwerk für ländliche Räume" der Bundesanstalt für Landwirtrschaft und Ernährung.

Jürgen Kaack 30.01.2013, 08.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Erfahrungen aus Best-Practise Breitband-Projekten

Die Möglichkeit zur Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein zunehmend wichtiger Standortfaktor auch für ländliche Regionen als attraktive Lebens- und Wirtschaftsräume. DSL- und Breitbandanschlüsse sind heute so wichtig wie ein gut ausgebautes Straßennetz bzw. der Anschluss an ein öffentliches Ver- und Entsorgungsnetz.


Gebiete ohne Breitbandzugang oder mit einem nicht den Anforderungen entsprechenden Zugang werden im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte zunehmend das Nachsehen haben. Durch den Einsatz breitbandiger Internetkommunikation können gerade mittelständische Unternehmen die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten erheblich verbessern. Kommunikation und Datenaustausch etwa im Rahmen der Auftragsbestellung und –abwicklung bis hin zum Vertrieb werden über eine breitbandige Kommunikationsinfrastruktur weitaus effektiver abgewickelt. Eine entsprechende Breitbandanbindung ermöglicht vielen Unternehmen zugleich eine deutliche Kosteneinsparung. Unternehmen, die im Datenaustausch nicht mehr auf DSL und Breitband verzichten können, werden kurz- bis mittelfristig eine Umsiedlung in Erwägung ziehen und realisieren. Der damit verbundene Wegfall von Arbeitsplätzen führt zu einer Schwächung der betroffenen Regionen. Im Zuge einer Veränderung der Arbeitswelt werden bei vielen Unternehmen Heimarbeitsplätzen bei den Mitarbeitern gefordert, die ohne Breitband-Anbindung mit IT-Lösungen im Unternehmen nur bedingt kommunizieren können.

 

Die Verfügbarkeit von schnellen Datenverbindungen hat nicht nur eine wichtige Bedeutung für den jeweiligen Wirtschaftsstandort, sondern auch für den Wohnstandort und die Lebensqualität der Menschen. Die meisten Familien entscheiden sich bei der Wohnortwahl oder dem Kauf eines Wohnbau-Grundstücks auch aufgrund der örtlichen DSL- und Breitbandverfügbarkeit. Dabei ist die zunehmende Bedeutung von neuen Anwendungen im Bereich der Bildung, bei neuen Dienstleistungen in der Telemedizin und der häuslichen Pflege zu berücksichtigen, die eine leistungsfähige Telekommunikations-Infrastruktur voraussetzen. 

 

Mit neuen Anwendungen und einer intensivierten Nutzung steigt das Datenvolumen, das täglich durch die vorhandenen Netze transportiert werden muss. Somit wird die Situation schlecht versorgter Gebiete im Vergleich zu den Ballungsgebieten ohne Maßnahmen zur Verbesserung der Breitbandversorgung im Laufe der Zeit immer schlechter. Aus heute „grauen“ Flecken mit mäßiger Versorgung werden dann „weiße“ Flecken. Ohne konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Breitbandversorgung vergrößert sich die Kluft zwischen Ballungsgebieten und dem ländlichen Raum unaufhaltsam.


Jedes Breitband-Projekt verläuft aufgrund der gegebenen Voraussetzungen und Ziele anders. Daher lassen sich weder die Vorgehensweise noch die Ergebnisse unmittelbar auf andere Kommunen übertragen. Trotzdem gibt es auf der Basis vieler erfolgreich in den letzten fünf Jahren durchgeführter Breitband-Ausbau-Projekte (mit und ohne Fördermittel) eine Reihe von allgemein gültige Erkenntnisse:

  • Die Bedarfsanalyse und die Ansiedlungsstruktur erlauben Rückschlüsse auf die Anforderungen und Technikkonzepte
  • Wenn der Ausbau von kleineren Bauernschaften und Einzelgehöften ausgeschlossen werden kann, sinken die Ausbaukosten in der Regel erheblich. Als Ersatz für eine leitungsgebundene Anbindung können Funklösungen oder Satelliten-DSL dienen
  • Alle vorhandenen Infrastrukturen (insbesondere Leerrohre) im Ausbaugebiet und in der näheren Umgebung können hilfreich sein und Investitionskosten reduzieren
  • Hohe Kosten für die Zuführung der Bandbreite können eventuell über alternative Ansätze wie z.B. Richtfunkstrecken oder Freileitungen kompensiert werden
  • Geplante Tiefbau-Maßnahmen können gegebenenfalls vorgezogen und die Trassenführung angepasst werden, um die Kosten für die Breitband-Zuführung zu senken
  • In ländlichen und dünn besiedelten Gebieten kann gelegentlich durch eine Neugestaltung der Netztopologie ein effizienterer Ausbau erfolgen
  • Mit einem Technologie-Mix können beim Ausbau fallweise Vorteile erzielt werden
  • Der Grad der Wechsler zu einem Anbieter mit höherer Bandbreite oder zu einem Upgrade bleibt oft unter den Erwartungen und den statistischen Ansätzen nach dem (N)Onliner-Atlas (2012 durchschnittlich über 57 % Breitbandnutzer). Für einen Verbleib beim bisherigen Anbieter wird von manchen Nutzern eine schlechtere Bandbreite in Kauf genommen.


Auch bei sorgfältiger Analyse lassen sich nicht in allen Fällen kostengünstige Lösungen erzielen. In vielen Fällen ergeben sich aber doch tragfähige Ansätze für eine Verbesserung der Breitband-Versorgung. In jedem Fall ist bei einer Konzeption zu berücksichtigen, dass eine zukunftssichere und ausbaufähige Lösung nicht behindert wird. Insbesondere sollte die spätere Erweiterung zu einer Infrastruktur mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB / FttH) möglich sein, selbst wenn bis zur Umsetzung mehrere Jahre vergehen.

Jürgen Kaack 27.01.2013, 13.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Jahresrückblick 2012 und Ausblick 2013

2012 ist im Breitband-Bereich ein Jahr des beginnenden Umbruchs gewesen. Die Anzahl neuer Vorhaben zur Sicherstellung der Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s ist deutlich rückläufig. Dabei kann man trefflich streiten, ob 2 MBit/s schon das Prädikat „Breitband“ verdient! Gut ausreichend sind derzeit wohl eher 16 MBit/s, wenn Internetfernsehen in HD-Qualität nicht benötigt wird. Der Bedarf wird sicher weiter steigen, vor zehn Jahren waren noch 0,128 MBit/s „auskömmlich“ und das Ende ist nicht abzusehen. Dabei gibt es derzeit noch keine Massen-Anwendungen, die mehr als 25 MBit/s benötigen.

 

Es gibt allerdings selbst bei der 2 MBit/s Grenze immer noch unterversorgte Gebiete, wenn es auch kaum verlässliche Quellen hierfür gibt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in dünner besiedelten ländlichen Räumen – die schon am Rand der Ballungsgebiete beginnen – noch ca. 10% aller Anschlüsse unterversorgt sind. Für einen herkömmlichen Fiber-to-the-Curb (FttC) Ausbau sind diese Gebiete aber wohl selbst bei Gewährung einer einmaligen Zuwendung kaum wirtschaftlich. Neben Brückentechnologien z.B. auf Basis von Funkübertragung bietet in diesen Fällen nur der Glasfaserhausanschluss eine nachhaltige Lösung.

 

Im Jahr 2012 waren bereits deutlich mehr Projekte mit Next-Generation-Access (NGA), d.h. mit breitbandigem Hausanschluss gefragt als im Jahr zuvor. Vorrangig sind hier Kommunen aktiv geworden, die über eigene Stadtwerke verfügen. Aber das Beispiel des Kreises Heinsberg zeigt, dass Kreise auch dann Aktivitäten entfalten können, wenn es (fast) keine kommunalen Stadtwerke gibt. Im Falle von Heinsberg hat dies einen privatwirtschaftlichen Investor auf den Plan gerufen, der selber in passive Infrastruktur (Leerrohre und Glasfaser) investieren will, sofern die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden.

 

Es ist kaum verwunderlich, dass in 2012 verstärkt Ausbaukonzepte für Gewerbegebiete nachgefragt waren. Gewerbegebiete liegen in der Regel am Rande einer Kommune und erhalten aufgrund der langen Leitungslängen bei hoher Dämpfung nur eine schwache Internetgeschwindigkeit. Zwar sind fast überall Sondervertragslösungen mit einer Direktanbindung von verschiedenen Netzbetreibern erhältlich. Aufgrund der deutlich höheren Kosten für diese Geschäftskunden-Produkte, die in der Regel bei monatlich 400 Euro beginnen, nutzen im Durchschnitt nur 10% der Betriebe in einem Gewerbegebiet solche Lösungen. Der Druck zur Schaffung neuer Lösungen steigt somit! Auch in diesen Fällen ist eine NGA-Anschlussnetz die optimale und nachhaltige Lösung. Aber nicht immer ist ein NGA-Ausbau möglich und dann sind andere Technologien gefragt.

 

Für 2013 ist abzusehen, dass sich der Trend zu Glasfaser-Hausanschlüssen weiter verstärkt. Förderprojekte zur Schließung der Grundversorgung werden auslaufen und es ist offen, ob die derzeitigen EU-Förderprojekte (GAK, RWP) über das Jahresende 2013 hinaus überhaupt weiter verlängert werden. Die „Hauptakteure“ des NGA-Ausbaus mit Glasfaser-Anschlussnetzen werden auch in 2013 Kreise, Kommunen und Stadtwerke sein. Die Netzbetreiber konzentrieren sich beim Ausbau auf Ballungsgebiete, in denen über einen Anschluss mehrere Wohneinheiten erreicht werden.

 

Eigentlich wäre die Politik gefordert, den Breitbandausbau voranzutreiben, um die schon vorhandene digitale Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen nicht weiter zu vertiefen. Aber nachdem schon die Bundesregierung außer einer unverbindlichen Zieldefinition keine Strategie entwickelt hat, obliegt der NGA-Ausbau in erster Linie den Bundesländern. In Hessen und Bayern gibt es hierfür zumindest Programme und Budgets, aber ansonsten geschieht doch eher wenig. So wirkt das in der Poststrukturreform II begründete (und auch heute nicht mehr umkehrbare) Problem weiter in die Zukunft und die Lösung wird von Bund und Ländern den oft finanziell „klammen“ Kommunen zugeschoben...

Jürgen Kaack 30.12.2012, 12.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Segen und Fluch von Förderprojekten

     1.  Ausbau mit Fördermitteln

 

Wirtschaftlich attraktive Gebiete sind in der Zwischenzeit längst erschlossen, oft sogar im Wettbewerb von Anbietern mit eigener Netzinfrastruktur. Die Bereitstellung von Fördermitteln soll Kommunen helfen, die Kosten des Breitbandausbaus zu stemmen. Die bisher nicht ausgebauten Regionen sind aus Sicht der Netzbetreiber unwirtschaftlich, entweder ist die Besiedlungsdichte zu gering oder der Aufwand für die Heranführung ist zu hoch. Öffentliche Förderprogramme erleichtern die Schließung von Wirtschaftlichkeitslücken, haben aber auch deutliche Nachteile. Hierzu gehört der bürokratische Aufwand, um in den Genuss einer Förderung zu gelangen, die im Vergleich zu nicht geförderten Vorhaben tendenziell höheren Kosten und die Einschränkungen bei der Auswahl der optimalen Lösung.

 

Es ist gerechtfertigt, dass beim Einsatz von öffentlichen Mitteln eine sorgfältige Prüfung erfolgt, welche Vorhaben gefördert werden. In Verbindung mit Breitband-Projekten erscheint der bürokratische Aufwand aber doch überzogen. Vor einer Bewilligung von Fördermitteln ist erst eine Reihe von Nachweisen zu erbringen:

  • Nachweis zur tatsächlichen UnterversorgungNachweis über den vorhandenen Bedarf und die Kundenpotentiale für einen Netzbetreiber
  • Nachweis des Marktversagens im Ausbaugebiet
  • Nachweis der transparenten und technologieneutralen Suche nach einem Anbieter
  • Nachweis der Auswahl des „wirtschaftlichsten“ Anbieters
  • Nachweis der Verfügbarkeit der erforderlichen Eigenmittel der Kommune
  • Nachweis über die spätere Überprüfung der Mittelverwendung anhand von Zielindikatoren

 

      2.  Die erste Hürde: Wann ist ein Ortsteil unterversorgt?

 

Die einzelnen Nachweise sind im Einzelfall nicht unbedingt einfach zu erbringen. Schon der Nachweis der Unterversorgung kann schwierig werden, wenn es Funkanbieter in dem betreffenden Gebiet gibt:

  • Welche Leistungen bietet der Funkbetreiber?
  • Welche Abdeckung im schlecht versorgten Gebiet wird garantiert (und erreicht)?
  • Wie verhält sich die verfügbare Bandbreite unter Last?
  • Welche Daten-Volumina können übertragen werden?
  • Welche Netzverfügbarkeit wird garantiert?

 

In den letzten Monaten schreitet der LTE-Ausbau in der Fläche kräftig voran und LTE wurde zu den Zeiten der Lizenzvergabe fast als Allheilmittel zur Verbesserung der Grundversorgung gelobt. Mit diesem Argument konnte die Lizenzvergabe der 800 MHz-Frequenz („digitale Dividende“) in Deutschland tatsächlich schneller erfolgen als in den meisten anderen europäischen Ländern. Trotzdem bleibt LTE ein Mobilfunkstandard wie auch die Vorgänger-Generationen EDGE, UMTS oder HSDPA und hat seinen Schwerpunkt bei der mobilen Internetnutzung mit Smartphone oder Tablet-PC. Als shared-medium steht die Kapazität einer Funkzelle immer allen gleichzeitigen Nutzern zur Verfügung, sind wenige Nutzer im Netz, erhält der Einzelne eine hohe Bandbreite, sind viele Nutzer aktiv, sinkt die Bandbreite. Wie bei allen Funksystemen haben u.a. Witterung, Pflanzenwuchs, Reflexion an Gebäuden und Interferenzen der Funkwellen Einfluss auf die Versorgung an einem Standort. Selbst bei flächendeckender Versorgung mit LTE ist somit nicht garantiert, dass die Anforderungen an die Grundversorgung erfüllt werden. Die Praxis zeigt, dass kaum ein LTE-Betreiber bereit ist, die erforderlichen Mindestwerte an Flächendeckung (> 95% der Anschlüsse) und der Verfügbarkeit schriftlich zu garantieren.


     3.  Befragung mit dem Ziel: Ablage

 

Die für die Förderung notwendige Befragung bei Haushalten und Betrieben hat wohl nur in seltenen Ausnahmen wesentliche Erkenntnisse gebracht. Oft liegt die Beteiligung an den Befragungsaktionen unter 20% und ist damit kaum repräsentativ. Bislang hat wohl jede Befragung eine laut Versorgungskarten der Betreiber erkannte Unterversorgung bestätigt, die Mehrheit der Befragten wünscht sich meist eine Versorgung mit mindestens 16 MBit/s und ist bereit zu einem Netzbetreiber zu wechseln, der diese Leistung ermöglicht. Es ist nicht zu erwarten, dass die Ergebnisse in den bereits abgeschlossenen Breitband-Projekten irgendeine Auswirkung auf die Kalkulation der Deckungslücke hatte. Die Netzbetreiber haben in der Regel bessere Datenquellen und es wäre betriebswirtschaftlich vermutlich auch nicht seriös, eine Geschäftsplanung auf unverbindlichen Antworten von ca. 20% der Bevölkerung aufzubauen. Somit werden die Ergebnisse der Befragung nach Abschluss des Ausbau-Projektes abgeheftet und später entsorgt.

 

     4.  Markterkundung ohne nachhaltige Wirkung


Nach der Befragung zur Bedarfs- und Potentialanalyse steht die Markterkundung an. Dabei wird mit einer Frist von vier Wochen ein Netzbetreiber gesucht, der innerhalb der nächsten 36 Monate einen Breitbandausbau ohne Zuwendungen vornimmt. Die Markterkundung bringt in den allermeisten Fällen das erwartungsgemäße Ergebnis, dass kein Betreiber einen Ausbau ohne Zuwendungen plant. Um für die Kommune sinnvolle Ergebnisse aus einer Markterkundung zu ziehen, können Workshops mit interessierten Netzbetreibern durchgeführt werden, in denen Konzepte diskutiert und optimiert werden. Nebenbei lässt sich in manchen Fällen eine Größenordnung für die zu erwartende Deckungslücke ermitteln. So kann die Kommune bereits vor einem Auswahlverfahren abschätzen, ob die verbleibenden Eigenmittel gestemmt werden können.

 

Die von der EU geforderten Projektschritte Bedarfsanalyse und Markterkundung verlängern nicht nur die Zeit für die Projektdurchführung, sondern steigern die Planungs-Kosten. Bis zu einem Drittel der Planungskosten gehen auf das Konto dieser nur formal notwendigen Aufgaben. Zudem werden mit der Befragung Erwartungen in der Bevölkerung geweckt, die erst viel später – oder überhaupt nicht realisiert werden können.

 

5.  Förderprojekte verlaufen nicht immer erfolgreich

 

Bei dem sich anschließenden Auswahlverfahren beteiligen sich oft mehrere Betreiber mit einem Angebot und sehr unterschiedlichen Konzepten. Neben einem „klassischen“ FttC-Ausbau mit einer ADSL / VDSL Lösung sind gelegentlich Anbieter mit einem Schaltverteiler-Ansatz oder einem WLAN-Funknetz beteiligen. Bei einem FttC-Konzept mit maximal 50 MBit/s handelt es sich um ein nachhaltiges und marktgängiges Vorgehen, das die Anforderungen der befragten Haushalte und Betriebe erfüllt. Allerdings handelt es sich in der Regel um das Angebot mit der höchsten Deckungslücke. Die anderen Angebote sind oft mit geringeren Kosten verbunden, allerdings auch mit niedrigeren Bandbreiten und höheren Verbraucherpreise. Mit den aktuellen Bewertungskriterien wird die Deckungslücke mit 45% überproportional hoch bewertet, so dass signifikante Unterschiede in der Deckungslücke so gut wie immer alle anderen Kriterien überkompensieren. So kommen „billige“ Lösungen auch gegen nachhaltige Konzepte mit höheren Bandbreiten und günstigeren Verbraucherpreisen zum Zuge.

 

Nach der Bewertung kann der Förderantrag gestellt werden, sofern der Haushalt der Kommune verabschiedet vorliegt und die Kommunalaufsicht (falls erforderlich) ihre Einwilligung erklärt hat. Obwohl der Gemeinderat dem Einsatz der Eigenmittel für den Ausbau meist ohne Bedenken zustimmt und dieser Posten in der Regel nur für einen kleinen Teil des Haushalts steht, kann ohne genehmigten Haushalt kein Förderantrag gestellt werden. Wenn dies länger dauert oder die Prüfung bei der Bezirksregierung länger dauert, können Bindefristen der Anbieter verstreichen. Sollte bei einem der Anbieter eine Bindefristverlängerung eine Neukalkulation des Angebotes erforderlich machen, so ist bei einer Erhöhung der Deckungslücke eine erneute Ausschreibung erforderlich. Wenn es nur einen Bieter gibt, führt eine Erhöhung der Deckungslücke nicht zwangsläufig zu einem neuen Auswahlverfahren. So kann als Ergebnis eines Auswahlverfahrens ein neues Auswahlverfahrens stehen. Sofern das Markterkundungsverfahren zu lange zurück liegt, muss auch dieses erneut durchgeführt werden. Es ist nachvollziehbar, wenn Kommunen auf solche Zusatzarbeiten wenig begeistert reagieren.

Jürgen Kaack 11.11.2012, 21.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL