STZ - Consulting Group

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Innovation

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 3

3.   Ansätze zur Kostenreduktion

 

Im Hinblick auf die hohen Investitionskosten für die Verlegung von Leerrohrinfrastrukturen zu allen Hausanschlüssen sollten alle Möglichkeiten zur Senkung der Kosten oder zur schnellen Amortisation genutzt werden. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Kosten durch öffentliche Subventionen erbracht werden und dies auch nicht wünschenswert erscheint, sollten die möglichen Optionen genutzt werden.

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Jürgen Kaack 02.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 2

2.   Kosten für FttB-Ausbau

Der Aufbau eines flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetzes ist aufwändig und erfordert in nahezu jeder Straße Tiefbauarbeiten, um die benötigte Leerrohrinfrastruktur bis an den Hausanschluss zu bringen. Nur in Neubaugebieten ist der zusätzliche Aufwand gering, da dies einschließlich der Hausanschlüsse zusammen mit den Versorgungs-Anschlüssen für Strom, Gas und Wasser erfolgen kann. Vor der Verlegung von Leerrohren für ein passives Anschlussnetz ist ein technischer „Masterplan“ zu erstellen, der in Form eines Netzplans für das Ausbaugebiet die Positionen für die Anbindung an ein überregionales Backbone-Netz enthält, die Glasfaser-Knotenstationen („Glasfaser-PoP“) und Unterverteiler, Trassenverläufe auf Straßenzugsebene und Konfektionierung von Micro-Leerrohrbündeln sowie Informationen über Verzweigungen und Muffen. Beim Bau der Leerrohrtrassen ist eine präzise Dokumentation in einem GIS-System erforderlich, um den späteren Infrastrukturbetrieb sicherzustellen (Leerrohr-Kataster). Die Kosten für eine qualifizierte Netzplanung sind erheblich und können auch für eine Mittelstadt leicht über € 200.000 hinausgehen. Für eine solche Planung ist zudem ausreichend Zeit zu berücksichtigen, ein Jahr kann für eine flächendeckende Planung schnell anfallen.

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Jürgen Kaack 01.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 1

1.   Ausgangslage bei der Breitbandversorgung

Das Internet ist aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken, weder im beruflichen noch im privaten Umfeld. Emails verdrängen Briefe und Faxe, Streaming-Dienste ersetzen physikalische Datenträger und in der vernetzten Industrie bestellen Maschinen automatisch benötigtes Material. Es gibt kaum noch einen Bereich, der unberührt bleibt. Gleichzeitig steigt die Intensität der Nutzung die Menge der übertragenen Daten, derzeit um über 20% im Jahr. Wenn immer mehr Daten übertragen werden, muss die Übertragungsgeschwindigkeit entsprechend mit steigen, um lange Wartezeiten zu verhindern. Waren vor fünfzehn Jahren noch 364 Kbit/s und vor zehn Jahren 2 Mbit/s ausreichend, sind im Jahr 2017 50 Mbit/s kaum zufriedenstellend. Die Zeiten von Gbit/s-Geschwindigkeiten sind längst absehbar und das aufgrund des veränderten Nutzungsverhaltens mit symmetrischen Geschwindigkeiten  für Down- und Upstream.

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Jürgen Kaack 31.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt gut voran, das Bundesförderprogramm für den NGA-Ausbau hat einen guten Schub ergeben. Bis 2019 werden mit Zuwendungen in Höhe von ca. € 8 Mrd. Infrastrukturen ausgebaut, die mindestens 50 Mbit/s ermöglichen, in vielen Fällen werden dabei direkt FTTB-Anschüsse mit Glasfaser bis zum Hausanschluss verlegt. So weit ist eigentlich alles gut, wenn es nicht die Notwendigkeit gäbe innerhalb der nächsten 10 Jahre flächendeckende Glasfaseranschlüsse zu schaffen.

 
Das laufende Bundesförderprogramm ermöglicht Zuwendungen nur für Anschlüsse, die heute weniger als 30 Mbit/s haben. Bei Start des Programms im Dezember 2015 betraf dies ca. 25% aller Anschlüsse in Deutschland. Glasfaseranschlüsse sind in Deutschland bislang eher die Ausnahme. Nur etwa 5% der Anschlüsse sind in Glasfaser ausgeführt (die tatsächliche Nutzungsquote liegt sogar nur bei etwas der Hälfte). Mithilfe der Mittel aus dem Bundesförderprogramm könnten weitere 15% der Anschüsse mit Glasfaser-Hausanschüssen ausgebaut werden, so dass bei fertiger Umsetzung des Bundesförderprogramm Ende 2019 noch ca. 80% der Hausanschüsse immer noch in Kupfer ausgeführt sind.

Nicht nur im Hinblick auf die Glasfaser-Infrastruktur besteht in Deutschland Nachholbedarf, auch bei der Entwicklung und Nutzung von digitalen Anwendungen sind andere Länder mittlerweile weiter als Deutschland. Dabei bietet die Digitalisierung gute Chancen zur Gründung von neuen Unternehmen und neuen Wachstumssegmenten.

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Jürgen Kaack 30.07.2017, 13.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nur Glasfaser schafft Nachhaltigkeit

Durch den Ausbau der Kabel- und Kupferdoppeladernetze z.B. unter Nutzung von Vectoring (VDSL2) wird ein guter Zwischenstand erreicht mit Zugangs-Geschwindigkeiten, die deutlich über den bisherigen Versorgungs-Werten liegen und den durchschnittlichen Breitband-Bedarf für die nächsten 5 bis 10 Jahre voraussichtlich gut decken werden. Allerdings steigt das übertragene Datenvolumen seit Jahren ständig an, in Deutschland aktuell um jährlich 18 %. Gleichzeitig erfordern neue Anwendungen schnellere Zugänge und Cloud-Lösungen für Betriebe und Haushalte funktionieren am besten mit schnellen Upstream-Anschlüssen. Langfristig führt somit nichts an Glasfaser-Hausanschlüssen vorbei, die nahezu unbegrenzte Datenmengen fast verlustfrei transportieren können. Kein Medium ermöglicht physikalisch eine schnellere Übertragung als das Licht.

Keine andere Breitband-Technologie außer dem Kabelnetz ist allerdings mit so hohen Investitionskosten bei der Verlegung verbunden, da zum Netzaufbau von dem Glasknoten zu jedem Haushalt eine durchgehende optische Verbindung hergestellt werden muss. Glasfaser-Anschlussnetze benötigen hierzu eine aus Microduct-Leerrohren bestehende Infrastruktur. Aufgrund der hiermit verbundenen Investitionskosten kann der Aufbau nur über Jahre verteilt und möglichst gemeinsam mit anderen Tiefbaumaßnahmen erfolgen.  Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Voraussetzungen im Hinblick auf vorhandene Infrastrukturen, Topographie, Bodenklasse, Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur sowie potenziellen Infrastrukturbetreibern (z.B. Stadtwerke) sind individuelle Geschäftspläne und Planungen zu erstellen (Studie von Dr. Kaack aus dem Frühjahr 2014).

Der Vectoring-Ausbau und die bestehenden Kabelnetze mit ihren hohen Leistungen verschaffen den Kommunen als Brücken-Technologien die notwendige Zeit, um den Netzaufbau unter Nutzung von allen möglichen Synergien zu bewältigen. Bei einer frühzeitigen Planung und einem zügigen Beginn der Umsetzung kann über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren fast überall ein geschlossenes Netz geschaffen werden. Das könnte dann auch der richtige Zeitpunkt für einen Umstieg auf Glasfaser-Hausanschlüsse sein.

Jürgen Kaack 30.06.2014, 08.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breko fordert flächendeckende Glasfaser-Anschlussnetze

Die Forderungen nach flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetzen wird in letzter Zeit endlich auch mehr in der Öffentlichkeit erhoben, aktuell vom Breko-Verband, dessen Mitglieder vergleichsweise aktiv sind beim Infrastrukturausbau, wie der neueste Pressebeitrag zeigt.

Vor nicht allzu langer Zeit fühlte ich mich bei der Forderung nach Glasfaser-Anschlüssen wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste. Aber es gibt immer noch zu viele Bürger, die von ihrem heutigen Anspruch ausgehen und 16 Mbit/s für völlig ausreichend halten. Das ist HEUTE auch nicht mal so falsche, wenn man keinen Bedarf an Cloud-Diensten hat, z.B. zur Datensicherung, zum Hochladen von Fotos, Videos und Musik. Tatsächlich gibt es derzeit noch keine Massenmarkt-taugliche Anwendung, die 100 Mbit/s benötigt.

Bei dem steigenden Angebot an multimedialen Inhalt und dem um 20% p.a. wachsenden Datenvolumen in Deutschland gilt das aber nicht mehr lange und es vorausschauend gebaut werden, um die Kosten niedrig zu halten. Ansonsten kommt in 10 Jahren der Ruf nach einem Ausbau durch den Staat und wird dann um ein Vielfaches teurer als bei einem Ausbau unter Nutzung von allen möglichen Synergien.

Jürgen Kaack 26.06.2014, 07.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

5. Breitbandgipfel in Frankfurt und die Veränderungen im Breitbandmarkt

Am 18.06.2014 fand in Frankfurt der mittlerweile 5. Breitbandgipfel des Landes Hessen statt. Mit 600 Teilnehmern wurde wieder ein neuer Rekord erreicht und die hohe Teilnehmerzahl dokumentiert das unverändert hohe - offensichtlich sogar zunehmende Interesse an Fragen in Verbindung mit einem nachhaltigen Ausbau von Hochleistungsnetzen.

Schon in den letzten Jahren konnte man beim Breitbandgipfel die Verschiebung von Anforderungen zur Erfüllung der Grundversorgung hin zu NGA-fähigen Infrastrukturen beobachten. Dieses Jahr stand der Einfluss des Vectoring-Ausbaus im Mittelpunkt mit seinem durchaus kontroversen Einfluss. Viele Kommunen profitieren von einem Vectoring-Ausbau, der im Vergleich zu VDSL in der Regel eine größere Flächenabdeckung ermöglicht. Auf der anderen Seite werden Eigeninitiativen von Kommunen und alternativen Anbietern oft beeinträchtigt oder gar verhindert.

Der Deutschen Telekom kommt dabei unverändert zugute, dass viele Kommune und Kreise sie doch immer noch am liebsten als Partner für einen Ausbau hätten. So kann die Telekom wohl auch darauf hoffen, dass ihr später die jetzt gebauten Infrastrukturen günstig zufallen, entweder durch Kauf oder eine günstige Anmietung. Da ist es erfreulich zu hören, dass einige Kommunen trotz des Gegenwinds durch Vectoring ihre Glasfaser-Ausbauprojekte konsequent durchführen. Die Stadt Rüsselsheim ist hier ein Vorzeigeprojekt.

Während die Anmietung von Trassen und Kapazitäten im Bereich der nationalen und internationalen Backbone-Netze schon seit vielen Jahren von allen Betreibern genutzt wird, ist die Anmietung von Anschlussnetzen immer noch die Ausnahme. die Telekom betreibt seit mehreren Jahren den Aufbau eines Whole-buy Prozesses zur Anmietung fremder Infrastrukturen, kommt aber offensichtlich hiermit nicht voran. Man könnte fast vermuten, dass dies auch im Sinne der Unternehmensstrategie so gewollt ist. Eine verstärkte Whole-buy Aktivität hätte ja vermutlich Einfluss auf die Vectoring-Strategie und könnte den Bau von passiven Anschlussnetzen durch kommunale Institutionen intensivieren?


Neben den Beeinträchtigungen von anderen Breitbandvorhaben durch Vectoring wird immer wieder die fehlende Transparenz über die Ausbauplanungen bemängelt. Da die Einflüsse von Vectoring nicht unerheblich sind, sollten Kommunen und alternative Anbieter möglichst früh Kenntnis über entsprechende Planungen erhalten.

Ein zunehmendes Problem stellt für alle Anbieter
die immer noch sehr niedrige Akzeptanz von schnellen Internetzugängen dar. Nach Schätzungen von STZ-Consulting nutzen gerade mal 20 bis 25% der Haushalte in einem NGA-versorgten Gebiet tatsächlich Bandbreiten von 30 Mbit/s oder mehr. Die Wechselbereitschaft zu einem NGA-Anbieter ist nur dann höher, wenn die Ausgangs-Bandbreite deutlich unter 16 Mbit/s liegt. In diesem Punkt ist insbesondere die Politik gefordert, um durch geeignete Kommunikationsmaßnahmen das Bewusstsein für die Bedeutung schneller Internetzugänge und die Bereitschaft zum Wechsel zu einem Anbieter mit höheren Leistungen zu steigern. Aber auch die Anbieter könnte hierfür mehr tun, der Einsatz von Drückerkolonnen zum Abschluss von Haustürgeschäften ist nicht unbedingt das beste Mittel.

Alle Anbieter vernachlässigen die Entwicklung neuer Dienste für die schnellen Netze. Zwar sind multimediale Inhalte und insbesondere das lineare Fernsehen die Treiber für die Nutzung von schnellen Anschlüssen. Aber die Umsetzung innovativer Dienste findet bislang nur in Form von Diskussionen über zukunftsgerichtete Ideen in den immer gleichen Bereichen statt: Bildung, Gesundheit, Energie, Verwaltung, Wirtschaftsprozesse und Unterhaltung. Nach vielen Jahren der Beschäftigung mit Telekommunikationsthemen ist mein persönliches Ergebnis der Ursachenanalyse, dass die unverändert geschlossenen Wertschöpfungsketten aller Anbieter das Haupthindernis darstellt. Eine Öffnung und Kooperationsbereitschaft wird zwar gerne verbal bekundet, in der Umsetzung findet sie kaum statt. Gerade neue Dienste für kleine und regionale Zielgruppen können nur in enger Kooperation mit Diensteanbietern, Vereinen und Institutionen entwickelt und betrieben werden.

Der Erfolg des hessischen Breitbandgipfels bestätigt, dass es einen Bedarf an einer Austauschplattform zwischen Politik, Kommunen, Kreisen und Netzbetreibern gibt. Bedauerlich ist, dass es insbesondere in NRW keine vergleichbaren Kommunikationsplattformen gibt. Das Bewusstsein für die Bedeutung des Zukunftsthemas Breitband ist bei Politik und Regierung leider kaum irgendwo so ausgeprägt vorhanden wie in Hessen.

Jürgen Kaack 19.06.2014, 13.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vectoring schafft Breitband-Alternative für Solingen

Solingen hat bei über 155.000 Einwohnern eine teilweise schwierige Topographie und eine verteilte Siedlungsstruktur. Zu Beginn des Breitbandprojektes war die Breitbandverteilung äußerst heterogen. Aufgrund einer in den Kernbereichen guten Abdeckung und bis zu 150 Mbit/s. Alleine durch die Kabelnetz-Versorgung wurden NGA-Quoten von über 75% erreicht. Zu den nicht versorgten Gebieten an den Rändern der Kernbereiche und in kleineren Stadtteilen fiel die Versorgung allerdings erheblich ab, zum Teil mit weniger als 2 Mbit/s bis unter die Grenze der Unterversorgung.Allerdings liegt Solingen nicht in der Förderkulisse für die Breitbandprogramme von Bund und Land, so dass Zuwendungen alleine aus Haushaltsmitteln gestremmt werden  müsste.

 

Ein Zwischenergebnis in der Projektarbeit für die Verbesserung des Breitbandausbaus in Solingen ist der Ausbau mit Vectoring in 5 der 8 Anschlussbereiche von Solingen (Pressebericht vom 25.01.2014). Hierfür müssen 100 Kilometer Glasfaserleitungen neu verlegt und 153 Verteilerschränke zu Multifunktionsgehäusen überbaut werden. Durch den Ausbau erhalten weite Teile der Stadt, die bislang schon durch Unitymedia mit über 50 Mbit/s NGA-fähig waren, einen weiteren NGA-Anbieter.

Aus bislang „grauen“ NGA-Flecken werden somit „schwarze“, aber auch bislang schwach versorgte „weiße“ NGA-Flecken mit weniger als 30 Mbit/s erhalten eine bessere Versorgung und werden zu „grauen“ NGA-Flecken. Es ist zwar nicht abzusehen, wann es in diesen Gebieten einen weiteren NGA-Anbieter geben wird, aber für Haushalte und Betriebe in den bislang schwach versorgten Gebieten stellt dieser Ausbau einen erheblichen Fortschritt dar. Die schon vor dem Vectoring-Ausbau mit über 75% gute NGA-Verfügbarkeit (> 50 Mbit/s) steigt nach dem Ausbau in den 5 Anschl
ussbereichen auf über 80% sein und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt in NRW mit gut 69%. Andererseits fallen die verbleibenden, nicht ausgebauten Anschlussbereichen relativ gesehen weiter ab und es wird die Aufgabe der Verwaltung sein, dafür zu sorgen, dass auch in diesen Gebieten eine gute Versorgung erzielt wird. Eine tatsächliche Unterversorgung wird es aber nach dem Ausbau durch die Deutsche Telekom in Solingen kaum noch geben, die Quote wird voraussichtlich auf unter 2% sinken.

 

Da auch Solingen nicht bei der Brückentechnologie stehen bleiben muss, sind Konzepte für einen mittelfristigen Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen zu erarbeiten. Im Hinblick auf die für heutige Bedürfnisse sehr gute aktuelle Versorgung, kann dies investitionsschonend unter Nutzung aller Synergien erfolgen. Solingen hat als eine von wenigen Städten in NRW seit Anfang 2014 einen eigenen Breitbandbeauftragten, der allerdings auch dringend erforderlich ist, um die langfristige Koordination zu ermöglichen und eine regelmäßige Abstimmung der beteiligten kommunalen Akteure untereinander und mit den Netzbetreibern sicherzustellen. Zudem hat der Gemeinderat am 13.02.104 die Erstellung eines digitalen Gesamtkonzeptes beauftragt, das neben den erforderlichen Infrastrukturen auch das Diensteangebot betrachten soll (Antrag an den Gemeinderat vom 29.01.2014).

Jürgen Kaack 17.06.2014, 07.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

FttB-Eigenausbau leidet unter Vectoring

Die Stadt Nettetal mit gut 41.000 Einwohnern hatte vor der Umsetzung des Breitband-Vorhabens auch aufgrund ihrer Grenzlage eine eher schwache Versorgung mit maximal 16 Mbit/s. Nach einer Analyse der Ausgangslage wurde ein zeitliches Stufenkonzept für die Umsetzung erstellt. Ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser-Anschlüssen in einem Schritt erfordert zu hohen Mitteleinsatz. Daher wurde mit Unitymedia ein rückkanalfähiger Ausbau des Kabelnetzes der Primacom vereinbart und durch den Bau fehlender Glasfasertrassen für den Anlauf durch die Stadtwerke Nettetal werden heute nahezu 90 % der Haushalte mit 150 Mbit/s erreicht (Pressebericht vom 09.09.2013).

 

In Gewerbegebieten wurden in der Vergangenheit keine Kabelnetze verlegt, so dass die Betriebe nicht von der Aufrüstung der Kabelnetze profitieren. Es war daher eine folgerichtige und nachhaltige Entscheidung, dass die Stadtwerke Nettetal sich für den sukzessiven Ausbau aller Gewerbegebiete mit Glasfaser-Anschlussnetzen entschieden haben. Hierdurch wird über einen langen Zeitraum Zukunftssicherheit geschaffen und bereits zum Start sind symmetrische Dienste von 2 Mbit/s bis 10 Gbit/s verfügbar. Mit dem niederländischen Unternehmen Systemec B.V. wurde ein Joint-Venture gegründet, das den Betrieb des aktiven Netzes übernimmt und eine offene Plattform für Diensteanbieter betreibt. Geplant ist zunächst eine Ringleitung zur Verbindung der einzelnen Gewerbegebiete, der in der Folge weiter verteilt wird. In de rersten Phase werden mit einer Investition in Höhe von € 1,3 Mio. 40 Kilometer Glasfaserstrecken realisiert. Der Ausbau der ersten Gewerbegebiete und des Kabelnetzes war Anfang 2014 abgeschlossen (Pressebericht vom 09.09.2013).

 

Unabhängig von dem rückkanalfähigen Ausbau des Primacom-Kabelnetzes und des Aufbaus eines FttB-Netzes durch die Stadtwerke baut die Deutsche Telekom große Teile von Nettetal im Vorwahlbereich 02153 mit dem neuen VDSL-Vectoring Verfahren auf der Basis der vorhandenen Kupfer-Doppelader aus (Pressebericht vom 18.10.2013). Mit Vectoring werden in Nettetal ab Ende 2014 in einem Umkreis von ca. 600 Metern um die aufgerüsteten Outdoor-DSLAMs Downstream-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s erreicht. Bei der Vectoring-Technik müssen nahezu alle Kabelverzweiger mit Glasfaser angebunden und zu einem Outdoor-DSLAM überbaut werden, so dass auch die Randgebiete von einem Ausbau profitieren. Im Vergleich zum Ausbau der Kabelnetze wird mit Vectoring eine großflächige Versorgung erreicht. Dies kann in Nettetal insbesondere den nicht von Primacom erreichten Teilen zugutekommen können. Allerdings bleibt es auch bei einem Vectoring-Ausbau bei einer zunehmenden Dämpfung der Signale in Abhängigkeit von der Länge der Kupferdoppelader zwischen Outdoor-DSLAM und Hausanschluss. Zudem ist zu beobachten, dass die Akzeptanz neuer Glasfaseranschlüsse unter dem Angebot von Vectoring leidet und daher die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete zeitlich gestreckt werden müssen. Für den FttB-Ausbau hat sich Vectoring auch in diesem Fall als hinderlich erwiesen und hätte den Ausbau möglicherweise ganz verhindert, wenn die Ankündigung zum Vectoring-Ausbau früher erfolgt wäre.

Jürgen Kaack 16.06.2014, 09.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Interview zu Hemmnissen für den Glasfaser-Ausbau

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt unbestreitbar voran, die Zahl der "Weißen Flecken" mit weniger als 2 Mbit/s hat seit 2007 deutlich abgenommen und beschränkt sich mit ca. 5% der Anschlüsse überwiegend auf Randlagen von Ortschaften und auf abgelegene Siedlungen mit niedriger Bevölkerungszahl, die nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten ausgebaut werden können.

In den letzten Monaten rückt die Frage nach höheren Geschwindigkeiten oberhalb der Grundversorgung in den Fokus. Die nächste Stufe sind 30 Mbit/s, um die von der EU definierte NGA (Next-Generation-Access) Geschwindigkeit zu erreichen. Die Umsetzung kann mit unterschiedlichen Technologien erfolgen, Mobilfunk (insbesondere LTE), DSL (zukünftig mit Vectoring bis zu 100 Mbit/s) oder Kabelnetzen (derzeit schon bis 150 Mbit/s).

Damit nicht in regelmäßigen Abständen aufgrund steigender Geschwindigkeits-Anforderungen und steigender Datenvolumina zu teure Umrüstungen erforderlich werden, sollte zumindest in einem mittelfristigen zeitlichen Rahmen ein flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetz realisiert werden. Es gibt keine höhere Übertragungsgeschwindigkeit als die Lichtgeschwindigkeit und auch das übertragene Datenvolumen kann nahezu beliebig erhöht werden. Der Nachteil der Technologie ist alleine die erforderliche hohe Investitionssumme, da in erheblichem Maße Tiefbauarbeiten bis zu jedem Hausanschluss zu erbringen sind. Als Folge ergeben sich lange Amortisationszeiten, die für viele Netzbetreiber nicht akzeptabel sind. Es werden neue Geschäftsmodelle benötigt, die Netze und Dienste trennen.

Neben kommunalen Institutionen (insbesondere Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen) sind auch vereinzelt privatwirtschaftliche Unternehmen mit dem Geschäftsmodell des Infrastrukturbetreibers tätig. Diese Unternehmen müssen neben der Beschaffung erheblicher Kapitalbeträge die Koordination und Organisation einer vergleichsweise komplexen Aufgabe bewältigen und werden dann nicht selten mit einer schwachen Akzeptanz bei den potenziellen Kunden konfrontiert, gemessen in Prozent als Take-up Rate. Je nach unternehmerischen und regionalen Voraussetzungen sind 30 bis 70% der Haushalte erforderlich, um die Netzausbau rentabel zu gestalten. Schon ab einer Verfügbarkeit von 6 Mbit/s sinkt die Wechselbereitschaft erheblich und ab 16 Mbit/s reicht sie in der Regel nicht mehr aus. Dies ist kurzsichtig, da nach einem erfolglosen Versuch der Bedarfsbündelung durch einen privatwirtschaftlichen Betreiber zunächst über längere Zeit kaum ein anderer Anbieter einen neuen Versuch starten wird und letztlich die dann doch erforderliche Investition wieder unter Nutzung öffentlicher Mittel erfolgen muss.

Zu dieser Thematik am Beispiel der Ausbauaktivitäten in der Stadt Wegberg und im Kreis Heinsberg habe ich vor ein paar Tagen ein Interview gegeben, dass unter diesem Link abgerufen werden kann.

Jürgen Kaack 07.06.2014, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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