STZ - Consulting Group

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Geschäftsmodelle

Buch zum Breitbandausbau erschienen



In vielen Fällen erfolgt der Breitbandausbau in Deutschland privatwirtschaftlich durch die im Wettbewerb stehenden Netzbetreiber. Seit der Poststrukturreform II ist der deutsche Staat nicht mehr in der Schaffung von Telekommunikationsinfrastrukturen aktiv. Für die Netzbetreiber ist in der Regel die Aussicht auf betriebswirtschaftliche Erträge oder die Verbesserung der Marktposition der Treiber für den Ausbau. Diese Überlegungen führen nicht immer zum Erfolg, z. B. in ländlichen Regionen oder bei langen Anlaufstrecken. In diesen Fällen muss die Gebietskörperschaft eigene Aktivitäten entfalten. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von staatlichen Fördermitteln, sofern die Fördervoraussetzungen erfüllt sind.


Aber es gibt eine Reihe von weiteren Möglichkeiten und Geschäftsmodellen, die völlig ohne finanzielle Zuwendungen auskommen. Nicht jedes Modell passt bei jeder Situation. Mein Buch beschreibt eine Clusterung der grundsätzlich vorhandenen Modelle in sieben Kategorien und erläutert die Vor- und Nachteile. Ergänzt wird dies durch Beispiele aus der Praxis. Viele Beispiele gehen auf Beratungsprojekte zurück, die STZ-Consulting in den letzten Jahren im Auftrag von Kreisen, Kommunen oder Versorgungsunternehmen durchgeführt hat.

„Schnelles Internet in Deutschland“ kann als Buch oder eBook bei just-4-business, BoD oder amazon bestellt werden.


Beschreibung des Herausgebers: "Stellen Sie sich vor, die globale Digitalisierung ist in vollem Gang, aber Ihr Unternehmen in der Provinz „muss draußen bleiben“, weil die Internet-Anbindung der empfohlenen Richtgeschwindigkeit um Lichtjahre hinterherhinkt. Bevor Sie einen Umzug in die Großstadt ernsthaft in Erwägung ziehen, lesen Sie, was der Unternehmer Jürgen Kaack in jahrelanger Kleinarbeit herausgefunden hat.

In diesem Buch geht es darum, wie Unternehmen und Kommunen zu einem zukunftstauglichen Glasfasernetz kommen. Jürgen Kaack zeigt die Möglichkeiten und Geschäftsmodelle für den Breitbandausbau im ländlichen Raum. Er stützt sich dabei auf die praktischen Erfahrungen, die er als Breitbandberater über Jahre hinweg gesammelt hat. Obwohl sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, haben sich die Vorgehensweisen und Lösungen bewährt. Die zahlreichen konkreten Fallbeispiele können als Vorbilder und Ideengeber dienen.

Jürgen Kaack ist ein pragmatischer Unternehmer, Berater und Doktor der Naturwissenschaften. Als einer der wichtigsten Autoren der ersten Stunde hat er 2006 bei der Gründung der Website Mittelstandswiki geholfen und zahlreiche Beiträge und E-Paper zu den Themen Realwirtschaft, Internet und Kommunikation veröffentlicht. Der (schleppende) Breitbandausbau in Deutschland hat es ihm besonders angetan, weshalb er dieses Thema seit Jahren mit konkreten Fallbeispielen im MittelstandsWiki beschreibt. Dieses Buch ist eine Sammlung seiner wichtigsten Erfahrungen in NRW, die auf andere Bundesländer übertragbar sind."

Jürgen Kaack 26.11.2016, 15.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Über 3.000 Zugriffe auf meinen STZ-blog pro Tag!

Mein blog beschäftigt sich in erster Linie mit Themen, aus meinem Beratungsalltag, z.B. mit Fragen zur Unternehmensgründung, der Entwicklung von Geschäftsmodellen, der Einführung von Risikomanagement unf Vertriebskonzepten, in letzer Zeit schwerpunktmäßig mit dem Vorgehen beim Breitbandausbau und Breitband-Anwendungen bis zu Smart-City Lösungen. Damit ist das Themenspektrum zwar durchaus breit, über alle möglichen Themen aber doch vergleichsweise eingeschränkt, um nicht zu sagen exotisch.

Der STZ-blog besteht seit mittlerweile acht Jahren und die Zugriffszahlen haben sich von anfänglich niedrigen Werten kontinuierlich gesteigert. Im August 2012 gab es bereits 1.579 Besuche und 7.430 Zugriffe. Im Juni 2014 waren es 5.307 Besuche und 24.549 Zugriffe, eine Steigerung um
sagenhafte 236% bei den Besuchen und um 230% bei den Zugriffen! Die bislang höchsten Tageswerte wurden am 22.07.2014 erreicht mit 264 Besuchen und 3.225 Zugriffen, an einem einzigen Tag! Am diesem Tag wurden insgesamt 2.639 Seiten aufgerufen. Diese Werte liegen doch wesentlich höher, als ich es erwartet habe.

Offensichtlich gibt es doch mehr Interessenten für meine Themen und es freut mich, wenn die Texte Antworten oder Anregungen zu konkreten Fragestellungen geben. Andere Rückmeldungen erhält man als Autor auf die Erstellung von Fachtexten ja nur selten! Kommentare und Anregungen sind allerdings trotzdem immer willkommen.


Vielen Dank für das Interesse!

Jürgen Kaack 26.07.2014, 09.30 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Private-Public-Partnerships als Erfolgsmodell für die Zukunft

In vielen Bereichen wird die Umsetzung größerer Aufgaben für das Gemeinwesen sowohl für öffentliche Einrichtungen wie auch für Privatunternehmen alleine schwierig im Hinblick auf Finanzierung und Management. Ein aktuelles Beispiel ist der Breitbandausbau in der Fläche, der für manche Netzbetreiber alleine unwirtschaftlich ist. Durch Nutzung von Synergien zwischen den Kommunen, die sowohl im Bereich von Wegerechten und bei der Durchführung von Baumaßnahmen, aber auch bei der Gewinnung von lokalen Geschäftspartnern beitragen können und somit die Wirtschaftlichkeit verbessern. Die Kommune profitiert von einem schnelleren und flächendeckenderen Ausbau.

 

In Friedrichshafen ist der Breitbandausbau zwar kein akutes Thema mehr, nachdem im Festnetz mit VDSL bis zu 50 MBit/s verfügbar sind und im Mobilfunk mit HSDPA bis zu 7,2 MBit/s. Trotzdem ist die Ausgestaltung des Innovationsvorhabens T-City Friedrichshafen als Private-Public-Partnership (PPP) sinnvoll. In einer PPP wirken Partner mit unterschiedlichen Erfahrungen, Zielen und Voraussetzungen zusammen. T-City soll Lebensqualität verbessern und Standortqualität sowie Vernetzung steigern. Dies ist nicht alleine mit der Bereitstellung von Technologie zu bewerkstelligen. Anwendungsideen und Partner, die mit Eigeninitiative Projektideen zum Leben erwecken, sind mindestens ebenso wichtig und erfolgsentscheidend.

 

Im T-City Projekt werden neue Projektideen gemeinsam zwischen den Partner der PPP bewertet. Dabei hat jede Seite aufgrund der eigenen Zielsetzungen eine eigene Sicht und eigene Kriterien. Trotzdem kommt es in vielen Fällen zu deckungsgleichen Entscheidungen. Allerdings geht in einer PPP ohne beidseitige Zustimmung nichts und Projektideen, an denen nur ein Partner Interesse haben, werden nicht umgesetzt – zumindest nicht im Rahmen von T-City! Der jeweilige Beitrag zur Umsetzung eines Projektes in Form von Ressourcen oder Finanzmitteln wird in einer PPP einvernehmlich festgelegt. Die Beiträge der Parteien hängen unter anderem von dem Nutzen ab, den die jeweilige Seite für sich sieht. Auch diese Einschätzung kann fallweise sehr unterschiedlich ausfallen.

Da in einer PPP die Interessen und Perspektiven von mindestens zwei Parteien eingebracht werden, ist die Chance auf einen Erfolg viel höher als bei einer „eindimensionalen“ Bewertung und Umsetzung. Da gleichzeitig die unterschiedlichen Stärken der Partner genutzt werden können, lassen sich die viel beschworenen Synergien in einer Kooperation tatsächlich nutzen. Dies schafft normalerweise Effizienz-Vorteile und eine verbesserte Wirtschaftlichkeit.

Aus diesen Gründen ist für mich eine PPP in vielen Fällen eine zukunftsweisende Organisationsform zur Umsetzung vielfältiger Aufgaben. Dabei ist eine PPP nicht gleich zu setzen mit Privatisierungsbestrebungen. Beispiele aus Großbritannien (Eisenbahn, Gefängnisse, …) zeigen, dass reine Privatisierungsbestrebungen nicht unbedingt nachhaltig vorteilhaft sind. Das Modell der PPP vermeidet die Risiken, da die Kommune (oder andere öffentliche Einrichtungen) weiterhin mit im Boot – und in der Verantwortung – bleiben. Breitbandanwendungen für die Bereiche Bildung und Gesundheit bieten sich für PPPs an, da ähnlich wie beim Breitbandausbau die Umsetzung von Innovations-Projekten schneller und effizienter erfolgen kann.

Jürgen Kaack 08.04.2009, 21.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Versorgung in ländlichen Regionen

"In Deutschland besteht ein starkes Ungleichgewicht in der Breitbandversorgung zwischen Dichtbesiedelten und ländlichen Regionen. Während in Ballungsgebieten mehrere Anbieter mit Breitband-Produkten unterschiedlicher Ausprägung konkurrieren, sind viele ländliche Regionen im gesamten Bundesgebiet noch unterversorgt und können gerade mal mit 124 oder 384 KBit/s Daten austauschen oder im Web surfen..."

Der Rest meines ausführlichen Artikels zu Möglichkeiten der Breitbandversorgung, den Umsetzungsalternativen und möglichen Geschäftsmodellen sowie den Anforderungen an die Kommunen findet sich auf dem Portal TelecomDE.com.

Jürgen Kaack 08.02.2009, 13.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Broadband Wireless Access - Zukunftsfähige Trends und Marktstrategien

Vereon greift in der anstehenden 4. BWA-Veranstaltung am 17. und 18. November 2008 in Bonn neben dem zunehmend wichtigen Thema der Breitbandversorgung in der Fläche, das auch für STZ-Consulting  als Beratungsunternehmen von besonderer Bedeutung ist, auch die Diskussion der Breitband-Anwendungen auf.

Bei der Veranstaltung werde ich einen Stream moderieren, der sich mit innovativen Geschäftsmodellen und Anwendungen aus dem Projekt T-City in Friedrichshafen auseinander setzt. Dabei werden vier Lösungen aus der Sicht der Projektpartner vorgestellt. Wie bei allen T-City Projekten steht nicht die technische Lösung im Vordergrund sondern der erzielbare Nutzen für den Anwender und die Nachhaltigkeit der Lösung.

Einzelheiten zum Programm und Anmelde-Unterlagen für die kostenpflichtige Veranstaltung finden sich auf der Seite von Vereon unter diesem Link. Bei der Veranstaltung werden neben den innovativen Anwendungen auch Geschäftsmodelle, Kooperationsansätze bis zu Public-Private-Partnerships und die möglichen Finanzierungsmodelle für die Verbesserung der Breitbandversorgung vorgestellt.

Jürgen Kaack 26.07.2008, 09.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Tag in Würzburg

"Kein Breitband vor Ort? Bürger und Unternehmen sind vom schnellen Internet abgehängt? Ein schneller Zugang zum Netz wird zunehmend zum Standortfaktor für Kommunen und Regionen abseits der großen Städte. FTTH, WIMAX, WIFI, Satellit ... die technischen Möglichkeiten sind da, aber welche passt zu Ihnen?"

Der Vogel-Verlag veranstaltet am 21.10. eine Veranstaltung zu dem Leitthema "Was kommt nach DSL?". Das Programm für die Veranstaltung ist unter diesem Link zu finden.  Bei der Veranstaltung sollen folgende Fragen behandelt werden:
Standortfaktor Breitband – Wirtschaftliche
  • Aspekte der Breitbandnutzung
  • Breitbandtechnik – Welche Alternativen -für welche Nutzer?
  • Gemeinden und Unternehmen als Investoren – das eigene Stadtnetz
  • Förderungsmöglichkeiten, Betriebs- und Investitionsmodelle, Triple Play für   Kommunen
  • Public Private Partnership, offene Netze –  Beispiele aus Europas Städten im Vergleich
  • Hohe Kosten für Eigentümer vorprogrammiert? Inhouse-Lösungen für schnelles Internet
  • Breitband für kleine und mittlere Unternehmen
Dr. Kaack wird bei dieser Veranstaltung die beiden folgenden Panels moderieren:
  • Panel 1: Breitbandmarkt Deutschland - brauchen wir öffentliche Investition
  • Panel 2: Modellprojekte – Breitbandtechnologien im praktischen Einsatz
Es wird mit zahlreichen Besuchern gerechnet, wie ich es auch schon bei der Veranstaltung der Breitbandinitiative in Düsseldorf erlebt habe. Eine frühzeitige Anmeldung ist daher an zu raten!

Jürgen Kaack 14.07.2008, 11.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Präsentationen zur Breitbandveranstaltung

Nachdem die Veranstaltung der Breitbandinitiative NRW in Düsseldorf  am 06.06.2008 erfolgreich und mit ca. 300 Besuchern über die Bühne gegangen ist, finden sich jetzt die einzelnen Präsentationen zum Download auf der Webseite des Forschungsinstituts für Telekommunikation unter diesem Link.

Meinen Vortrag und die eingebundenen Flash-Videos finden sich unter den folgenden Links:

Der Download der Präsentationen ist natürlich kostenfrei möglich.
 

Jürgen Kaack 19.06.2008, 09.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Veränderungen im Mobilfunkmarkt am Beispiel der Entwicklung der debitel

Gesellschafterwechsel und Übernahmen

Seit der Gründung der debitel im Jahr 1991 sind 17 Jahre vergangen und schon vor der Übernahme durch freenet wurden zwei Eigentümer-Wechsel durchgeführt. Gegründet wurde die Gesellschaft von der debis und der Metro und diese beiden Gesellschafter haben das Unternehmen dann an die Börse geführt. Dann erfolgt der Eigentümerwechsel hin zur Swisscom als Mehrheitseigentümer und später dann 2003 der weitere Verkauf an die Finanzinvestoren Permira. Nach längerem Suchen hat sich nun mit freenet ein interessierter und passender Käufer gefunden.

Im Unterschied zu den bisherigen Übernahmen handelt es sich mit freenet um einen unmittelbaren Wettbewerber von debitel. Swisscom als Schweizer Telekommunikationsunternehmen hatte zum Zeitpunkt der Übernahme offensichtlich ernsthafte Absichten zusammen mit der Festnetzgesellschaft tesion (ebenfalls mit Sitz in Stuttgart und heute ein Teil von Versatel) als Anbieter im deutschen Markt tätig zu werden. Die Absichten konnten wohl nicht wie beabsichtigt umgesetzt werden, denn Swisscom hat sich bekanntermaßen aus beiden Gesellschaften schon nach kurzer Haltezeit (und mit einigen nennenswerten Verlusten) wieder zurückgezogen. Der Gesellschafter Permira hatte als Finanzinvestor von Anfang an kein strategisches Interesse an dem Service Provider Geschäft. Durch Restrukturierungen und Kostensenkungsprogramme sollte der Unternehmenswert gesteigert und das Unternehmen als Kaufobjekt attraktiv gemacht werden. Hierzu war es wohl hilfreich, die Distribution durch die Übernahme von d.u.g. zu stärken und die Kundenbasis mithilfe von Talkline weiter aus zu bauen. Der erfolgreiche Abschluss mit freenet zeigt, dass diese Vorgehensweise letztlich zum Erfolg geführt hat.

Auch um Mobilcom gab es in der Vergangenheit eine Reihe von Gerüchten um Übernahmen und mit ziemlicher Sicherheit gab es auch eine Reihe von Verhandlungen hierzu. Nach dem gescheiterten Versuch, das Unternehmen mit France Telecom als Partner zum UMTS-Netzbetreiber zu entwickeln, haben sich diese Gerüchte weiter entwickelt. Auch debitel gehörte zu den Unternehmen, denen ein Interesse an einer Übernahme von Mobilcom nachgesagt wurde. Durch die Fusion von Mobilcom mit freenet wurde eine Übernahme erschwert. Aber bis in die letzten Wochen vor der Übernahme der debitel führten Drillisch zusammen mit United Internet Verhandlungen über eine Übernahme und Zerschlagung von freenet. Die Verhältnisse im Mobilfunkmarkt können sich offensichtlich auch recht kurzfristig ändern.

Konsolidierungstendenzen im Service Provider Markt

Die Konsolidierung im Service Provider Markt hat bereits früh nach der Öffnung des Marktes mit der Liberalisierung begonnen. Die ersten Wettbewerber sind bereits in den ersten Jahren nach dem Start wieder ausgeschieden, da das schnelle Wachstum auch hohe Vertriebskosten zur Folge hatte. Dies hat insbesondere solche Unternehmen getroffen, die bereits früh auf Einmal-Provisionen gesetzt hatten. Zu den Unternehmen, die auf diesem Wege wieder vom Markt verschwunden sind, gehören Proficom, Unicom und DekraTel.

Wie sich schon in der Planung von debitel gezeigt hatte, ist für einen nachhaltigen Erfolg im Service Provider Geschäft ein Marktanteil von ca. 10 % erforderlich. Natürlich konnten nicht alle Gesellschaften dieses Ziel erreichen. Debitel selber hat bereits im Jahr 1995 den zweitgrößten Anbieter Bosch Telecom Services (BTS) übernommen und damit die Marktführerschaft unter den Service Provider weiter gefestigt. Auch andere Unternehmen haben sich zu größeren Einheiten zusammengeschlossen, z.B. Drillisch, AlphaTel und Victor Vox.

Der Service Provider Markt hat sich somit in den Jahren seit seinem Entstehen erheblich verändert. Derzeit bemühen sich die Netzbetreiber selber verstärkt um den Ausbau des eigenen Vertriebs. Immerhin haben die Service Provider nach Erreichen einer Penetrationsrate von über 100 % nach 2006 nicht mehr die gleiche Bedeutung wie in den Anfangsjahren von GSM. In dieser Hinsicht haben die Service Provider mit ihren Vertriebsaktivitäten eine wichtige Rolle zur Markterschließung wahrgenommen. The Phonehouse (vor der Übernahme durch das gleichnamige englische Unternehmen als Hutchison tätig) hat sein Geschäftsmodell vor dem Hintergrund dieser Entwicklung stärker in eine Vertriebsfunktion für die Netzbetreiber verändert.

Der virtuelle Netzbetreiber (MVNO) als neues Geschäftsmodell

Seit 2004 verändert sich der Mobilfunkmarkt weiter durch das Aufkommen von virtuellen Mobilfunknetzbetreibern (MVNOs). Dieses Geschäftsmodell bietet grundsätzlich weitergehende unternehmerische Möglichkeiten als das Service Provider Modell. Der MVNO kann das Kernnetz bis zum HLR als einer zentralen Komponente weitgehend selber gestalten und betreiben. Bislang konzentrieren sich die Aktivitäten allerdings mehr auf den Bereich der Discount-MVNO, die als Partner von MVNE (Mobile Virtual Network Enabler) deren Kernnetz nutzen und in erster Linie „No-Frills“-Angebote realisieren. Der Trend zu No-Frills-Produkten, d.h. sehr einfachen Mobilfunkdienste, die sich auf Basisfunktionen wie Telefonieren und SMS beschränken, und sehr einfache Tarifstrukturen haben, folgt der für viele Verbraucher zu komplex werdenden Angebotsstruktur im Mobilfunk. Anbieter in diesem Bereich sind z.B. Simyo, Blau.de, easymobile, Tchibo Mobile, Ay Yildiz, …

Sinkende Preise auch im Mobilfunk erlauben es, die Tarifstrukturen zu vereinfachen und sogar das Angebot von Flat-Rates (zunächst von e-plus mit dem Produkt Base angeboten), wie sich im Festnetz auch mehr etablieren. Es ist sicher nicht falsch, wenn man prognostiziert, dass sich auch im Mobilfunk Flat-Rates für Gespräche in andere nationale Mobilfunknetze und in das deutsche Festnetz über kurz oder lang durchsetzen werden. Auch Service Provider haben sich in das Segment der Discount-MVNO vorgewagt (z.B. Drillisch mit Simply). Der Versuch von debitel in diesem Segment war aber wohl aus Sicht der Führung nicht so erfolgreich wie erhofft, da dieses Geschäft schon bald an den Wettbewerber Blau.de verkauft wurde.

Der Einstieg der Service Provider in das Segment der Discount-MVNOs ist allerdings auch nicht einfach, da dieses Geschäftsmodell eigentlich nur bei sehr niedrigen operativen Kosten (unter denjenigen im Service Provider Geschäft) und bei einer weitgehenden Automatisierung erfolgreich sein kann. Die bestehende Kundenbasis der großen Service Provider wäre sicher eine gute Ausgangsbasis, um die Wertschöpfung im Mobilfunkgeschäft gegenüber dem Service Provider Modell zu steigern und dem Kunden attraktive eigene Dienste an zu bieten. Allerdings erlauben die Verträge mit den Netzbetreibern eine solche Änderung nicht. Unter Umständen könnte eine solche Entwicklung zu einem eigenen Netzbetreiber (allerdings einem ohne eigenes Anschlussnetz) dazu führen, dass die Kunden an die Netzbetreiber übertragen werden müssen, in deren Netz sie bislang eingebucht sind. Eine solche Maßnahme würde die Vertriebs-Vorleistungen bei der Akquisition der Kunden infrage stellen und somit das operative Geschäft zumindest erheblich beeinträchtigen. So bleibt den Service Providern „nur“ der Einstieg in das MVNO-Geschäft über neu gewonnene Kunden.

Weitere Entwicklung im Mobilfunkmarkt

Im Laufe der Jahre ist zu dem reinen Mobilfunkgeschäft die Vermarktung von weiteren Diensten wie z.B. der Festnetztelefonie (über Preselect-Verträge oder Calling-Cards) und DSL-Dienste für den schnellen Internetzugang hinzu gekommen. Viele Anbieter sind so zum Full-Service-Anbieter für den Kunden geworden. Hierbei bieten allerdings auch die beiden großen Mobilfunkanbieter T-Mobile und Vodafone über andere Konzernunternehmen ein ähnlich breites Angebot.

In welche Richtung wird sich das Geschäft weiter entwickeln und welche Rolle kann ein Service Provider hierbei einnehmen. Zunächst ist fest zu stellen, dass gerade der Mobilfunk sich vom erklärungsbedürftigen Produkt zum Commodity entwickelt hat. Bei derzeit im Jahr 2008 ca. 108 % Penetration haben schon viele Nutzer mehr als einen Mobilfunkanschluss. Trotzdem entwickelt sich insbesondere der Datenbereich schnell weiter. Mit schnellen Internetzugängen (z.B. bis zu 7,2 MBit/s mithilfe von HSDPA) kann der Mobilfunk bereits heute einen Breitbandzugang zum Internet bieten, der schneller ist als der Standard-DSL-Anschluss. Auch lassen sich Mehrwertdienste auf der Basis von schnellen Breitbandzugängen realisieren.

Für die Anbieter eröffnen sich auf diesem Wege neue Produkte zur Vermarktung über die bestehenden Vertriebskanäle. Die Kernfunktionalitäten eines Service Providers mit Vertrieb und Kundenmanagement wird insbesondere bei Bestehen eines gut ausgebauten Vertriebsnetzes auch zukünftig benötigt. Im Hinblick auf die hohe Durchdringung im Mobilfunk ist es nicht erstaunlich, dass auch die durchschnittlichen Monatsumsätze (ARPU) seit Jahren stark sinken und mittlerweile deutlich unter € 20 liegen. Sinkende Durchschnittsumsätze und nicht steigende Margen führen zu der Notwendigkeit, die Effizienz in der operativen Durchführung zu steigern. Dies ist u.a. ein Grund für die Konsolidierung im Service Provider Markt. So ist auch nach der Übernahme der debitel zu erwarten, dass die Kosten weiter reduziert werden.

Der Übergang vom Wachstum zum Verdrängungsmarkt stellt für alle Marktteilnehmer eine große Herausforderung dar. In den vergangenen Jahrzehnten war ein zweistelliges prozentuales Wachstum eine Selbstverständlichkeit. So lag die Investition verstärkt im Netzausbau und im Vertrieb. Im Verdrängungswettbewerb kommt der Kundenbindung eine ungleich höhere Bedeutung zu. Qualität und Kundenzufriedenheit sind Erfolgsfaktoren, insbesondere im Hinblick auf die Kunden mit höheren monatlichen Umsätzen. Hier können sich die Service Provider im Vergleich zu den Discount-MVNOs auch in Zukunft sicher behaupten können. Es stellt sich sogar die Frage, ob das Modell des Discount-MVNOs in Zukunft seine Existenzberechtigung behält. Durch generell sinkende Preise und den Trend zu Flat-Rates müssen auch die MVNOs nach Differenzierungsmöglichkeiten suchen. Für einige der Anbieter können diese in ihren speziellen Vertriebsstrukturen (z.B. zur Adressierung ethnischer Zielgruppen) liegen.

Eigene Dienste- Gestaltungsmöglichkeiten werden im Service Provider Geschäft zukünftig eher abnehmen. Es ist zu vermuten, dass über kurz oder lang nur noch die Netzbetreiber-Produkte auf dem Markt übrig bleiben. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Flat-Rates bleibt vermutlich kaum eine andere Wahl. MVNOs mit eigenem Kernnetz können dagegen auch in Zukunft eigene Produkte gestalten und vermarkten.

Konvergenzdienste, d.h. die die Möglichkeit zur Nutzung von Diensten in mehr als einem Anschlussnetz bei gleicher Benutzeroberfläche ermöglichen, haben sich bislang noch nicht durchgesetzt. Trotzdem ist zu erwarten, dass solche Dienste realisiert werden und auch die Mobilfunkgeräte universeller einsetzbar werden. Die Integration von WLAN neben GSM/UMTS etabliert sich ja bereits bei anspruchsvolleren Geräten.

Entsprechend der allgemeinen Trends wird sich sicher auch das Geschäft der debitel unter der Führung von freenet weiter verändern. Die Übernahme stellt aber ganz sicher kein Ende in der Entwicklung des Unternehmens dar. Der Trend zu höheren Bandbreiten wird dazu beitragen, dass neue Dienste und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Jürgen Kaack 24.05.2008, 20.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Public-Private-Partnerships zur Schließung von Breitbandlücken

Die Verfügbarkeit von Beitbandanschlüssen, die eine Geschwindigkeit von mehr als 1 MBit/s. ermöglichen, wird nicht nur für Unternehmen mehr und mehr zu einer Notwendigkeit. Auch Kommunen benötigen in zunehmend eine ausreichende Breitbandversorgung als Standortvorteil, um den Zuzug von Unternehmen und Bürgern zu fördern oder sogar um einen Verlust von Unternehmen durch Wegzug zu verhindern.

Der Ausbau der Breitbandinfrastruktur in ländlichen Regionen kann für Netzbetreiber teuer und aufwändig werden. Daher befinden sich die meisten unversorgten Gebiete in solchen Regionen. Eine Möglichkeit zur Schließung von Versorgungslücken ist die Gründung regionaler Betreiber-Gesellschaften, bei denen unterschiedliche Partner für Netzplanung, Aufbau, Anbindung an eine Backbone-Infratstruktur, Dienstegestaltung und Betrieb, Vertrieb und Kundenbetreuung zusammen kommen und mit ihren jeweiligen Kernfähigkeiten zu einem kostengünstigen Netzausbau beitragen. Die Einbindung der Kommunen kann in Form von Private-Public-Partnerships erfolgen.

Im Rahmen einer Veranstaltung der Breitbandinitiative NRW in der Staatskanzlei in Düsseldorf habe ich vor kurzem entsprechende Geschäftsmodelle mit partnerschaftlichem Ansatz präsentiert. Mein Vortrag kann unter diesem Link kostenlos herunter geladen werden.
 

Jürgen Kaack 31.03.2008, 19.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konkretisierung bei WiMAX

Um das Thema WiMAX und die Realisierung von Funklösungen für einen breitbandigen Internetzugang ist es in letzter Zeit ruhiger geworden. Aber der Geschäftsaufbau geht bei den Anbietern voran und es entstehen auch neue Geschäftsmöglichkeiten in Verbindung mit dieser Zugangstechnologie.

Am 05. und 06.11.2007 findet in Bonn eine Konferenz zu diesem Themenkomplex statt, der von Vereon ausgerichtet wird. Der Titel der 3. BWA-Fachtagung lautet "Strategien für regionale Carrier: Broadband Wireless Access". Die Veranstaltung knüpft an die 2. Fachtagung im Januar diesen Jahres an, bei dem ich auch schon einen Vortrag über Geschäftsmodelle gehalten habe.

Bei der neuen Veranstaltung werde ich ein 3-stündiges Tutorial am ersten Tag bestreiten, dem ich den Titel "Businessmodell für regionale Carrier" gegeben habe. Das ausführliche Programm für die zweitägige Veranstaltung findet sich auf der Website von Vereon. Dort ist auch die Anmeldung für die kostenpflichtige Veranstaltung (€ 2.000 für beide Tage) möglich.
 

Jürgen Kaack 30.08.2007, 09.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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