Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: GAK

Kreise als Betreiber von Breitband-Netzen?

Für eine gute Breitband-Versorgung ist zunächst ein passives Anschluss-Netz bis in jedes Gebäude erforderlich. Vor ein paar Tagen habe ich die hiermit verbundenen Aufgaben beschrieben. Damit die Verbraucher schnelle Breitbanddienste Nutzen können, müssen Verbindungen zum nationalen Backbone realisert und aktive Netztechnik installiert werden. Diese Aufgabe fällt einem Netzbetreiber zu. In den meisten Fällen werden die vorhandenen Netzbetreiber diese Aufgabe übernehmen. In Ausnahmefällen kann dies aber auch eine Aufgabe für Kreise und Kommunen sein (in erster Linie allerdings über Kooperationen).

Eine Breitband-Infrastruktur aus Kabelschutzrohren und Lichtwellenleiterkabeln muss von einem unter den rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Telekommunikationsgesetzes (TKG) in seiner letzten Neufassung vom 03.05.2012 tätigen Telekommunikations-Netzbetreibers betrieben werden, damit Diensteanbieter ihre Leistungen über das Netz vermarkten können (je nach Unternehmens-Ausprägung können Netzbetreiber und Diensteanbieter in einem Unternehmen vereint sein). Die Umsetzung der Anforderungen aus dem Aufbau und Betrieb der passiven Infrastruktur (Infrastruktur-Betreiber) sind eine Voraussetzung für den Netzbetrieb. Der Kreis kann selber in Kooperation oder durch Gründung eines Joint-Ventures mit TK-erfahrenen Unternehmen Betreiber der Netzkomponenten werden, sofern die Aufsichtsbehörden einer solchen Tätigkeit zustimmen. Zu den Aufgaben des Betriebs der aktiven Netzkomponenten gehören:

 

  • Aufbau und Betrieb der aktiven Netzkomponenten, insbesondere Point-of-Presence (PoP) als Netzknoten und Network-Operations-Center (NOC) zur Steuerung des Netzes;
  • die Installation der Netzabschlüsse ONT („Optical Network Termination“ beim Teilnehmer) und OLT („Optical Line Termination“ im Netzknoten) zur Beleuchtung der Fasern. Diese Aufgabe kann alternativ durch den Infrastruktur-Betreiber wahrgenommen werden;
  • Meldung als Netzbetreiber bei der Bundesnetzagentur und Sicherstellung der Erfüllung der Anforderungen der Bundesnetzagentur an Leistungsfähigkeit und Fachkunde (insbesondere Sicherheitskonzept);
  • Schaffung von Connectivity zu mindestens zwei redundanten (physikalisch getrennten) Backbones und Management des Daten-Traffics auf der Basis noch zu schließender vertraglicher Vereinbarungen mit Backbone-Betreibern;
  • der Betrieb des Netzes mit Management des Daten-Traffics und Überwachung der Anschlüsse;
  • Einrichtung und Betrieb von Schnittstellen („Layer 2“ im OSI-Schichtenmodell entsprechend der Festlegung durch die Bundesnetzagentur), die Diensteanbietern den standardisierten offenen Zugang zum Netz ermöglichen;
  • die Ermöglichung der Überwachung von Telefon- und Email-Verkehr auf richterlichen Beschluss;
  • die Behebung von Störungen im laufenden Betrieb Überwachung von SLAs und;
  • Second-Level-Support für den Netzbetrieb, First-Level-Support erfolgt durch den Dienstebetreiber;
  • Vermarktung der beleuchteten Anschlüsse an Dienstebetreiber mit Abschluss von entsprechenden Nutzungsverträgen;
  • Anmietung von Dark-Fiber-Anschlüssen der Stadtwerke, Einkauf von Backbone-Kapazität und ggfs. technischen Dienstleistungen (PoP- und NOC-Betrieb) von Systemec oder anderen geeigneten technischen Dienstleistern;
  • Erstellung und Überwachung der Abrechnung an Dienstebetreiber


Für den Betrieb des Netzes kann entweder ein Geschäftsbesorgungsvertrag mit einem geeigneten Dienstleister geschlossen oder ein Joint-Venture gegründet werden. So muss die erforderliche Kompetenz und Leistungsfähigkeit (z.B. das bei der Bundesnetzagentur vorzulegende Sicherheitskonzept) nicht selber aufgebaut werden. Kunden der Netzbetreiber-Gesellschaft sind Dienstebetreiber, die ihre Dienste im eigenen Namen und auf eigene Rechnung an Haushalte und Unternehmen vermarkten. Der Netzbetreiber unterstützt die Vermarktung durch Informationsveranstaltungen und PR-Aktivitäten.

Jürgen Kaack 23.07.2012, 20.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Ausbau mit Kreisen als Infrastruktur-Betreiber

Eine flächendeckende nachhaltige Breitband-Versorgung auf der Basis von Glasfaser-Hausanschlüssen (NGA) setzt den Aufbau einer investitonintensiven passiven Infrastruktur voraus. Eine für Kreise und Kommunen naheliegende und sinnvoll ausfüllbare Aufgabe ist der Aufbau und Betrieb passiver Infrastrukturen (Kabelschutzrohre, Leerrohre), da Versorgungsleitungen (Strom, Gas, Wasser, Abwasser) zu den bekannten Leistungen gehören. Wenn ein Kreis diese Aufgabe übernehmen will, ist eine Breitband-Institution zu schaffen, die die Aufgaben ausfüllt.

Der Infrastruktur-Betreiber bündelt die laut Masterplan benötigte Infrastruktur im Kreisgebiet, er koordiniert die weiteren Ausbauarbeiten mit Kommunen und Energieversorgern, mietet bereits vorhandene Trassen anderer Eigentümer an und beauftragt fallweise die Errichtung fehlender Trassenteile. Die Aufgaben eines Infrastruktur-Betreibers lassen sich in drei Blöcke unterteilen:

Übergreifende Aufgaben


Die Breitband-Institution erfasst und dokumentiert die bestehende Glasfaser-, Richtfunk- und Leerrohr-Infrastruktur im Kreis oder in der Kommune. Sie verschafft sich Kenntnis von möglichst allen anstehenden Versorgungs- und Infrastrukturprojekten (Strecken) im Kreisgebiet (Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernheizung, Straßenbau, Eisenbahnbau, Radwegebau usw.) und prüft, ob die geplanten Strecken gemäß Netzplanung (Masterplan) einen sinnvollen Beitrag zur Vervollständigung des Netzes leisten können. 

 

Die Breitband-Institution beauftragt die Erstellung eines Masterplans für die schwach versorgten Gebiete bis auf Straßenzugsebene (nicht ausschreibungsreif), damit eine Verlegung im Beilauf zielführend erfolgen kann. Sie unterstützt die Städte und Gemeinden bei der Durchführung von Maßnahmen, die der kurzfristigen Verbesserung der Versorgung bisher unterversorgter Ortslagen dienen. Wichtige Aufgaben im Hinblick auf die spätere Nutzung der Infrastruktur sind die Dokumentation aller neu entstehenden Infrastruktur-Elemente und für eine regelmäßige Fortschreibung des Masterplans.

Streckenbezogene Aufgaben:

Die Breitband-Institution …

  • mietet geeignete Trassen anderer Infrastrukturbetreiber an
  • plant zu verlegende Strukturen (Vergabe von Aufträgen
  • schließt fallweise Geschäftsbesorgungsverträge mit geeigneten Partnern (z.B. den im Kreis tätigen Versorgungsunternehmen) für Aufbau und Betrieb der passiven Infrastruktur;
  • klärt mit den Versorgungsunternehmen (Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernheizung, Straßenbau usw.) im Kreisgebiet, ob dieses die Struktur aus eigenen wirtschaftlichen Interessen mitverlegen;
  • sucht einen anderen Investor zu finden, der aus eigenen Interessen die Infrastruktur mitverlegt, falls dies nicht der Fall ist;
  • finanziert und beauftragt sie mit eigenen Mitteln die Mitverlegung der benötigten Leerrohr-Bündel, falls kein privatwirtschaftlicher Infrastrukturbetreiber gefunden wird;
  • ermittelt parallel zur Planung der Infrastrukturen im Beilauf, mit welchen (über die Mitverlegungsmöglichkeit hinausgehenden) Investitionen zusammenhängende Netzstrukturen („Breitband-Inseln“) entstehen und beauftragt den Ausbau, wenn ein Netzbetreiber gefunden wird, der diese Breitband-Inseln anmietet;
  • beauftragt das Einziehen oder Einblasen von Lichtwellenleiter-Kabeln oder Fasern in die entstandenen zusammenhängenden Netzstrukturen.

Vermarktung der passiven Infrastruktur


Kunden des Infrastrukturanbieters sind Netzbetreiber, die laufende Miet-Zahlungen für die Nutzung der passiven Infrastruktur leisten oder eine finanzielle Beteiligung an den erlösten Umsätzen ausschütten (Fasermietmodell). Der Infrastruktur-Betreiber führt für den Netzbetrieb Verhandlungen mit geeigneten Providern, die die neuen Infrastrukturen nach Fertigstellung anmieten, den aktiven Netzbetrieb übernehmen und die Versorgung der betreffenden Ortslagen mit Breitbanddiensten vornehmen.

 

Da die meisten Netzbetreiber vertikal integrierte Unternehmen sind, ist der Einfluss des Infrastrukturbetreibers an dem Diensteangebot in aller Regel gering. Die Einbindung von regionalen Diensteanbietern über offene Dienste-Plattformen ist derzeit trotz der vom NGA-Forum der Bundesnetzagentur standardisierten Schnittstelle noch schwierig.

Jürgen Kaack 19.07.2012, 22.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

LTE-Versorgung ist nicht immer förderschädlich für einen Breitband-Ausbau!

Ein Breitbandausbau mit Fördermitteln setzt voraus, dass das auszubauende Gebiet derzeit mehrheitlich nicht mit Bandbreiten über 2 MBit/s versorgt ist. In den letzten Monaten hat der Ausbau der LTE-Zellen in ländlichen Regionen erhablich an Dynamik gewonnen. Obwohl sich LTE-Betreiber bislang wohl noch nicht bei Markterkundungsverfahren oder Ausschreibungen beteiligt haben, werden in vielen Fällen gleichzeitig Zellen ausgebaut. Im Breitbandatlas erscheint das betreffende Gebiet oft schon vor der eigentlichen Inbetriebnahme als versorgt.

Trotzdem bedeutet dies nicht automatisch, dass diese Gebiete nicht mehr mit Fördermitteln aus dem GAK-Programm ausgebaut werden können. Nur wenn der LTE-Betreiber die Kriterien für Grundversorgung erfüllt, ist eine Förderung ausgeschlossen:

 

· flächendeckende Versorgung (> 95 % der Anschlüsse);

· eine Download-Rate von mindestens 2 Mbit/s;

· mit einer Verfügbarkeitsgarantie von > 95 % / Tag und

· einer Ausfallsicherheit von < 0,5 % / Jahr 

 

Zur Klärung sollten die Projektzuständigen der Kommunen schriftlich bei den jeweiligen LTE-Anbietern anfragen und um eine verbindliche Garantie zur Einhaltung obiger Werte bitten. Wenn nach einer gesetzten Frist von mindestens zwei Wochen eine negative oder auch keine Antwort eingeht, kann von der Nichterfüllung der Grundversorgung ausgegangen werden. Dann bestehen grundsätzlich gute Chancen, dass ein Förderantrag für einen leitungsgebundenen Ausbau trotz vorhandener LTE-Abdeckung genehmigungsfähig ist.

Eine LTE-Versorgung in einer Region zusätzlich zu einer leitungsgebundenen Breitband-Versorgung ist dabei auf jeden Fall positiv zu bewerten. Mobilfunkanschlüsse auf der Basis von LTE unterstützen portable und mobile Anwendungen. Für einzelne Zielgruppen wie z.B. jüngere Single-Haushalte ist ein LTE-Anschluss durchaus als Alternative zu einem leitungsgebundenen Breitband-Anschluss zu sehen.

Jürgen Kaack 17.07.2012, 20.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitbandausbau in Kaarst unter erschwerten Bedingungen erfolgreich

Die Stadt Kaarst ist in Teilen ebenso wie andere Städte und Gemeinden nur unzureichend mit Breitband-Internet versorgt. Die betroffenen Stadtteile sinken in ihrer Attraktivität als Wohn- und Gewerbestandort. Ohne zukunftssichere Internetzugänge sinken sowohl Immobilienwerte als auch erzielbare Mieten, wenn Wohnungen überhaupt vermietet werden können. Von Bürgerinnen und Bürgern als auch von Unternehmern und Gewerbetreibenden aus den Ortsteilen Vorst und Holzbüttgen mit dem Gewerbegebiet Kaarster Kreuz wird schon seit einigen Jahren die Forderung erhoben, schnellere Internetgeschwindigkeiten nutzen zu können. Die bisherige Bandbreite liegt hier mehrheitlich unter 2 MBit/s und somit niedriger als die mit 2 MBit/s definierte Grundversorgung und kaum geeignet, mehr als Basis-Anwendung online zu nutzen. Folgerichtig hat sich bereits 2008 eine Bürgerinitiative gegründet, um die Verwaltung bei der Umsetzung des Breitband-Projektes zu unterstützen. In der durch die Bürgerinitiative seit Mitte 2009 durchgeführte Befragung der Bürger wurde von ca. 37% der Befragten eine Bandbreite von 16 MBit/s und von 31% über 16 MBit/s höher gewünscht. Mit einem Durchschnittswert von 2,4 Personen ergeben sich 1.775 Haushalte in Holzbüttgen und 1.708 in Vorst. Bei Berücksichtigung der in Deutschland durchschnittlichen Breitband-Durchdringung von über 50% ergibt sich ein Wechsler- oder Upgrader-Potenzial von knapp 890 Anschlüssen in Holzbüttgen und 860 in Vorst.

Um die Attraktivität der Stadtteile aufrecht zu erhalten, den Wegzug von Bürgern und Unternehmen zu verhindern und im Gegenteil Anreize für den Zuzug zu geben, ist die Stadt bereit, zum zukunftssicheren Ausbau der Breitbandinfrastruktur beizutragen. Dies ist allerdings für die Stadt allerdings schwieriger als für andere Kommunen mit unterversorgten Gebieten. Da Kaarst nicht in der für NRW festgelegten Förderkulisse liegt, können keine Fördermittel genutzt werden, die bis Ende letzten Jahres noch 90 % der Wirtschaftlichkeitslücke (bei einem Gesamt-Volumen von 200.000 €) abgedeckt haben. Der Versuch den Ausbau mit Mitteln aus dem Zukunftssicherungsgesetz (“Konjunkturpaket II”) zu finanzieren, sind gescheitert an einer im Vergleich zu den verfügbaren Mitteln zu hohen Deckungslücke. Auf die bis zum 31.10.2010 durchgeführte Markterkundung hat sich kein Netzbetreiber gemeldet, der in den nächsten Jahren einen Ausbau ohne Zuwendungen von der Stadt plant.

Um die vorhandenen Möglichkeiten zu prüfen, wurden Gespräche mit verschiedenen Netzbetreibern geführt und zu einer Ausschusssitzung Anfang 2012 wurden Michael Fromm von BreitbandConsulting.NRW und Dr. Jürgen Kaack von der STZ-Consulting Group als Breitband-Experten eingeladen, um die technischen Alternativen und beihilferechtlichen Rahmenbedingungen zu erläutern. Als langfristig nachhaltige Lösung sind zwar Glasfaserhausanschlüsse zu sehen. Aufgrund der erforderlichen Tiefbauarbeiten und Kosten ist die Umsetzung allerdings nur über mehrere Jahre möglich. So bleibt für die schnellere Umsetzung unter anderem der bewährte Ausbau mit Fiber-to-the-Curb (FttC), bei dem Glasfaser bis in die Ortsteile verlegt wird und für die “letzte Meile” weiter die vorhandene Kupferdoppelader genutzt wird. Der Gemeinderat ist dem Vorschlag gefolgt, entsprechend dem europäischen Beihilferecht den Ausbau auf die unterversorgten Gebiete zu beschränken und die Vergabe nach einem transparenten und technologieneutral durchgeführten Auswahlverfahren vorzunehmen. Herr Dr. Kaack (STZ-Consulting Group) hat die Verwaltung beim weiteren Verfahren mit der Erstellung des Textes zum Auswahlverfahren unterstützt, das in der Zeit vom 06.02. bis 10.04.2012 durchgeführt wurde.


Im Auswahlverfahren wurde im Sinne einer mittelfristigen Zukunftssicherung die Zielsetzung verfolgt, in beiden Ortsteilen eine zukunftssichere Übertragungsrate von mindestens 16 MBit/s für die Mehrzahl der Haushalte / Betriebe zu erzielen. Als
Kriterien als Grundlage für die Bewertung der Angebote festgelegt:

  • Wirtschaftlichkeitslücke
  • Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit
  • Kundenkonditionen (Monatskosten und Einmalpreise)
  • Leistungsmerkmale aus Kundensicht

 

Dr. Kaack hat die eingegangenen Angebot analysiert und in einem Vergabegutachten die Annahme des Angebots der Deutschen Telekom empfohlen, die den Ausbau nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzept in den Varianten ADSL-/VDSL-Mischbestückung und VDSL-only angeboten hat. Insbesondere im Hinblick auf eine Verbesserung der Grundversorgung auf einen Wert von mehrheitlich über 16 eine gute Lösung, nur bei 3%  der Anschlüsse in Ortsrandlagen kann der Wert von 2 MBit/s aufgrund von Leitungslängen unterschritten werden. Dieser Wert erfüllt die gestellten Anforderungen. Mit VDSL steht unmittelbar nach dem Ausbau entfernungsabhängig eine Bandbreite für den Downstream von bis zu 50 MBit/s für mindestens 40% der Anschlüsse zur Verfügung. Mit dem VDSL-only Angebot für Holzbüttgen wird die Verfügbarkeit der Bandbreite in den Ausbaugebieten weiter verbessert, so dass nur 3 % der Anschlüsse keine 16 MBit/s nutzen können. Damit übererfüllt diese Variante die Anforderungen der Ausschreibung und schafft zusätzliche Zukunftssicherheit.

 

In Abhängigkeit von der Länge und Qualität der verlegten Kupferdoppelader vom Kabelverzweiger bis zum Haushalt (TAL) und der damit verbundenen Dämpfung des Signals wird die erreichbare Bandbreite mit zunehmender Entfernung vom Kabelverzweiger abnehmen. Die Anbindung an das Backbone-Netz erfolgt ausschließlich über Glasfaserstrecken, auf den Einsatz von Richtfunk wird verzichtet. Für die Leerrohrverlegung sind in Hozbüttgen Tiefbauarbeiten über 190 Meter erforderlich, alle mit versiegelten Oberflächen. In die Leerrohre werden 1.370 Meter Lichtwellenleiter-Kabel eingezogen. In Vorst werden 5.740 Meter Lichtwellenleiterkabel und 480 Meter Tiefbauarbeiten benötigt. In Holzbüttgen werden mit den Glasfaser-Trassen 6 Kabelverzweiger angebunden und mit Multifunktionsgehäusen überbaut. In Vorst sind es bei der ausgewählten Variante mit Mischbestückung (ADSL und VDSL) 10 Kabelverzweiger, die mit Glasfaser angebunden und überbaut werden.

 

Nach der Entscheidung des Gemeinderats wird ein Kooperationsvertrag mit der Telekom verhandelt. Der eigentliche Ausbau wird dann noch mal ca. 12 Monate benötigen, bis in Holzbüttgen und Vorst eine schnelle Internetnutzung möglich wird. Das Beispiel des Breitband-Ausbaus in Kaarst zeigt, dass auch ohne Fördermittel ein Ausbau in den meisten Fällen möglich ist, wenn der kommunale Haushalt entsprechend geplant und die beihilferechtlichen Randbedingungen eingehalten werden. Mit einem FttC-Ausbau ist der spätere Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen nicht verbaut, da Glasfaser jetzt immerhin schon an 16 Stellen in den beiden Ortsteilen geführt wird. Wenn der weitere Ausbau mit Leerrohren bis zu den Hausanschlüssen in Verbindung mit geplanten Sanierungsmaßnahmen im Beilauf erfolgt, kann in etwa 10 Jahren von der FttC-Versorgung auf „echte“ Glasfaserhausanschlüsse im Sinne des Fiber-to-the-Building (FttB) umgerüstet werden. Dann sind mit steigendem Bedarf auch Bandbreiten von 1 GBit/s möglich.

Jürgen Kaack 16.07.2012, 22.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Projekt für Kaarst erfolgreich abgeschlossen

Seit 2008 bemüht sich die Stadt Kaarst um einen Breitbandausbau in den unterversorgten Stadtteilen. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, um den Ausbau voran zu bringen. Da Kaarst nicht in der GAK-Förderkulisse für NRW liegt, ist eine Finanzierung über Fördermittel nicht möglich und es bleibt nur die Eigenfinanzierung aus städtischen Mitteln. Jetzt wurde mit der Entscheidung im Gemeinderat für einen Kooperationsvertrag zum Aufbau mit FttC ein wichtiger Meilenstein erreicht. Beihilferechtlich folgt der Ablauf den Vorgaben aus dem Förderleitfaden für GAK und bedarf daher keiner Einzelfallnotifizierung.

STZ-Consulting hat das Projekt bei der Vorbereitung und Durchführung des Auswahlverfahrens unterstützt. Mit der Erstellung des Vergabe-Gutachtens endet das Projekt. Nach dem Beschluss durch den Gemeinderat kann der Kooperationsvertrag mit der Telekom geschlossen werden. Der eigentliche Netzausbau wird allerdings noch ca. ein Jahr dauern. Einen Artikel der NGZ findet sich unter diesem Link.

Jürgen Kaack 10.07.2012, 21.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hoffnung für Förderanträge zum Breitband-Ausbau

Die Neuwahl des Landtags in NRW hat viele Breitbandprojekte im Land verzögert, zumindest sofern Fördermittel zum Ausbau der unterversorgten Gebiete genutzt werden sollen. Da ohne einen Haushalt keine Fördermittel zur Verfügung stehen, können die Bezirksregierungen den Kommunen keine Bewilligungen für Förderbescheide erteilen.

Die zeitliche Verzögerung durch die Wahl und die Feststellung des Haushalts ist zwar unangenehm, gravierender könnte sich allerdings die hierdurch ablaufenden Bindefristen von Angeboten
auswirken. Teilweise wurden bislang nur Bindefristen bis maximal 6 Monate eingeräumt. Wenn es nur einen Bieter in dem Auswahlverfahren gibt, kann eine Nachkalkulation auf der Basis einer Nachverhandlung weiter führen. Haben sich mehrere Anbieter beteiligt, bliebe den Kommunen eigentlich nur die Durchführung eines erneuten Auswahlverfahrens.

Eine Erleichterung der Situation hat sich durch die Bereitschaft der Deutschen Telekome ergeben, Bindefristen bis in den September zu verlängern. Somit haben alle Vorhaben, die seit Anfang des Jahres durchgeführt wurden, eine Chance zur Bewilligung ohne erneute Ausschreibung.
Um dies zu ermöglichen, müssen auch die Bezirksregierungen ihr Vorgehen ändern. Bislang müssen in NRW GAK-Förderprojekte bis zum Jahresende abgeschlossen sein, da Verpflichtungs-Ermächtigungen zum Übertrag von Mitteln ins Folgejahr nur in geringem Maße zur Verfügung stehen. Selbst bei einer Bewilligung im September können Bauvorhaben nicht mehr bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Zum einen muss nach der Bewilligung von Fördermitteln noch ein Kooperationsvertrag geschlossen werden. Zum anderen gibt es keine ausreichenden Kapazitäten zur gleichzeitigen Bearbeitung aller Tiefbaumaßnahmen. Realistischerweise können in diesem Jahr nach Abschluss eines Vertrages die Feinplanung und die Standortsicherung erfolgen sowie erste Baumaßnahmen. Bezogen auf das Gesamtvorhaben sind dies in der Regel nicht mehr als 25% der Gesamtkosten. Ohne Änderung der Kalenderjahr-Bindung könnten Förderprojekte somit trotz Bewillingung nicht umgesetzt werden und die Vorhaben müssten in 2013 neu ausgeschrieben werden.

Es gibt allerdings Hoffnung, dass nach der Verlängerung der Bindefristen auch die Jahresgrenzen für den Abschluss der Vorhaben für 2012 umgangen werden. Gerüchteweise gibt es hierzu erste Konzepte. Wenn sich dies bewahrheitet, dann können alle Kommunen, die seit Anfang des Jahres Ausschreibungen durchgeführt haben, auf eine Realisierung ohne weitere Verzögerungen und ohne den erneuten Aufwand einer Ausschreibung hoffen - sofern die Anträge bewilligt werden und die zur Verfügung stehenden Fördermittel zur Bedienung aller Anträge ausreichen! Bei dem nicht unerheblichen Aufwand für die Durchführung der Projekte sind dies positive Aussichten.

Naschdenklich stimmen kann allerdings, dass die Förder-Budgets für dieses Jahr schon seit einiger Zeit durch die auf Eis liegenden Anträge aufgebrasucht sind. Bund und Land werden nicht müde zu betonen, dass die Grundversorgung für deutlich über 99% aller Haushalte bereits heute gewährleistet ist. Meine Erfahrung ist eine Andere: im ländlichen Raum außerhalb der Ballungsgebiete sind immer noch gut über 10 %  der Haushalte und Betriebe mit durchschnittlich weniger als 2 MBit/s versorgt. Bis zum Ablauf des GAK-Förderprogrammes Ende 2013 wird es wohl kaum gelingen, diese Gebiete zu versorgen. Neben den Förderbudgets sprechen auch technische und wirtschaftliche Gründe gegen eine Erfolg mit den bisherigen Methoden.

Kreise und Kommune sind daher aufgefordert, sich mit der Breitband-Versorgung dauerhaft zu beschäftigen und
in Richtung auf tragfähige Next-Generation-Access (NGA) Konzepte z.B. mit Schaffung von Glasfaser-Anschlussnetzen bis zum Haus (Fiber-to-the-Building FttB) hinzuarbeiten und die Breitbandversorgung als Aufgabe der Daseinsvorsorge anzunehmen!

Jürgen Kaack 20.06.2012, 10.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bedarf an Breitband-Grundversorgung ungebrochen

Nach den Zielen der Bundesregierung von Anfang 2009 sollten alle "weißen" Flecken mit einer Breitbandversorgung von mehrheitlich weniger als 2 MBit/s beseitigt und versorgt sein. Im letzten Jahr sind viele der weißen Flecken bearbeitet worden. In den Kommunen, in denen im letzten Jahr Projekte zum Ausbau mit öffentlicher Förderung durchgeführt wurden, wird der eigentlich Ausbau im Laufe dieses Jahres erledigt sein. Bedingt durch Tiefbauarbeiten ist für den Ausbau in der Regel eine Zeit von 12 Monaten realistisch.

Im letzten Jahr wurden viele Projekte mit Finanzierung aus dem Zukunftsinvestitionsgesetz ("Konjunkturpaket II") geplant, das in NRW auch für den Ausbau von Breitband-Infrastrukturen genutzt werden konnte. Da der Maßnahmenbeginn bis Ende 2010 erfolgen musste, ist dieser Fördertopf für neue Projekte nicht mehr nutzbar. Auch im letzten Jahr wurden zahlreiche Projekte unter Förderung aus dem GAK-Programm (Gemeinschaftsaufgabe Agrarentwicklung und Küstenschutz) durchgeführt. Neue Vorhaben ab dem 01.01.2011 sollen überwiegend aus dem
GAK-Programm gespeist werden (die Förderung des Ausbaus nach dem GRW-Programm ist aufgrund der definierten Förderkulisse nur in wenigen Bereichen in NRW möglich, in den östlichen Bundesländern dagegen in größerem Umfang).

Man sollte annehmen, dass die Vorhaben zur Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s mittlerweile weniger werden
. Allerdings sind alleine in NRW liefen oder laufen bis Ende Februar ca. 35 Interessenbekundungsverfahren oder Ausschreibung auf dem Landesportal von IKT.NRW mit einem Ablauf in 2011. Es scheint fast, dass die Intensität der Anfragen gestiegen ist. Dies kann durch den steigenden Druck aus der Bevölkerung getrieben werden oder auch aus den Erfolgsberichten anderer Kommunen. Dies entspricht der Wahrnehmung, dass in vielen Kommunen noch eine ganze Reihe von Ortsteilen schlecht versorgt ist, widerspricht aber der immer wieder verkündeten nahezu Vollversorgung mit fast 99% in NRW.

Da das GAK-Programm vorsorglich bis Ende 2013 verlängert wurde, sind die grundsätzlichen Möglichkeiten ja durchaus gegeben. Eine andere Frage ist, ob es auch noch ausreichende Mittel zur Erfüllung der Bedürfnisse gibt. Die ungeklärte Haushaltslage mit einem nichtgenehmigten Nachtragshaushalt für 2010 und damit erst recht einem fehlenden Haushalt für 2011 in NRW macht dies allerding
nicht einfacher. Es stellt sich die Frage, ob die derzeit laufenden und erst recht zukünftig gestartete Projekte überhaupt eine Förderbewilligung erhalten. Dann wäre nicht nur das Ziel der Bundesregierung zur Schließung der weißen Flecken bis Ende 2010 verfehlt (hier kommt es allerdings sicher nicht auf einige Monate an). Es würde sich die Frage stellen, ob die aus Sicht der Netzbetreiber unwirtschaftlichen Gebiete überhaupt in absehbarer Zeit ausgebaut werden. Transparenz zum Verfahren und den verfügbaren Budgets würde hier schon mal bei der Entscheidung zum weiteren Vorgehen in einer betroffenen Kommune helfen.

Spannend bleibt auch die Umsetzung des zweiten Ziels der Bundesregierung mit dem weiteren Breitbandausbau mit mindestens 50 MBit/s. In den Ballungsgebieten werden diese Werte schon heute fast flächendeckend erreicht und fehlende Stellen bis 2014 sicher nachgerüstet. Wie allerdings diese Versorgung im ländlichen Raum erreicht werden soll, bleibt bislang im Dunklen. Schon heute zeigt sich, dass ein Ausbau in der Grundversorgung (nach Konjunkturpaket oder GAK/GRW) einen Fleckenteppich an gut versorgten Teilen einer Kommune erzeugt, während bisher mit mehr als 2 MBit/s versorgte Teile zunehmend zu "grauen" Flecken werden. Konzeptionell ist hier noch einiges zu leisten und dabei stehen Fördermittel ganz sicher nicht im Vordergrund. Die Einbindung von Stadtwerken und Versorgungsunternehmen sowie die Koordination und langfristige Begleitung sind hier nach Meinung des Autors vordringlich. Dies kann sicher nicht von den Kommunen alleine geleistet werden und braucht eine aktive Rolle zumindest aus der jeweiligen Landesregierung. In Hessen gibt es bereits erfolgversprechende Ansätze, die auch in anderen Bundesländern Schule machen sollten. Nebenbei gefragt, was tut eigentlich das Breitbandbüro des Bundes in diesem Zusammenhang?

 

Jürgen Kaack 28.02.2011, 12.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zukunftsszenario für den Breitband-Markt

Wenn die Blüte-Zeit der vertikal integrierten Universalanbieter wohl überschritten ist, sind recht unterschiedliche Szenarien für die zukünftige Entwicklung vorstellbar. Die jeweilige Ausgestaltung hängt wesentlich von den beteiligten Partnern und ihren spezifischen Kompetenzen und Strategien ab. Ein Szenario erscheint dabei für den Betrieb von FttB- (oder FttH-) Netzen realistisch:

  • Ein im Landkreis agierendes Infrastruktur-Konsortium bestehend aus Stadtwerken der Kommunen, einem Energieversorger und einem Tiefbauunternehmen bauen das Leerrohrnetz konsequent von den Netzwerk-Knoten bis an den Hausanschluss aus. Die Planungen und Vorarbeiten werden fast zehn Jahre dauern und in dieser Zeit investieren alle Partner in das Zugangsnetz ohne größere Rückflüsse durch Umsatzerlöse.

Mit dem Leerrohrnetz können mehrere Fasern oder Kabel parallel bis in jedes Gebäude gebracht werden. Wenn Standard-Leerrohre verlegt werden, bestehen Reserven für weitere interessierte Nutzer. Die Investitionen sind selbst bei Nutzung aller Synergien mit einigen Hundert Euro pro Hausanschluss nicht gering, daher wird neben dem ersten Konsortium mit hoher Sicherheit kein weiterer Infrastruktur-Betreiber ein eigenes Leerrohr-Netz errichten und das erste Konsortium hat somit in dem betreffenden Land-Kreis ein „natürliches“ Monopol.

Umsätze erzielt der Betreiber durch die langfristige Vermietung von Leerohr-Kapazität an alle interessierten Betreiber zu marktüblichen Preisen von 0,05 bis 0,10 Euro pro Meter und Monat und je eingezogenes Kabel. Der Energieversorger ist einer der Kunden des Konsortiums und vernetzt die Stromzähler in jedem Haushalt, um so eine Smart-Grid-Applikation zu realisieren. Auch werden Stromzapfsäulen vielleicht in Kombination mit der Straßenbeleuchtung verbunden, so dass Elektromobilität im Land-Kreis möglich wird. Der Energieversorger zahlt dabei den gleichen Preis für die Leerrohrnutzung wie die anderen Kunden, eine eigene Verlegung von  Leerrohren hätte sich aber auch für EVU wirtschaftlich nicht rentiert.

  • Ein regionaler Plattformbetreiber zieht Fasern in die Leerrohre zu den Kunden, die einen Glasfaser-Anschluss benötigen. Auch der Betrieb von Lasern zur Beleuchtung der Fasern und zur Übertragung von Daten wird von ihm realisiert.

Über Standardschnittstellen können sich Dienste-Anbieter mit ihren Produkten an seine Plattform anschließen. Damit wird sowohl aus Sicht des Kunden wie auch aus Sicht der Dienste-Betreiber ein virtueller Marktplatz geschaffen. Der Plattformbetreiber verrechnet seine Leistung in der Regel an die Dienste-Betreiber, die ihrerseits dem Kunden ihre Dienste und den Anschluss gemeinsam in Rechnung stellen.

Einzelne Kunden, die sich ihr Dienste-Portfolio selber zusammenstellen, buchen nur die Leistung des Breitbandanschlusses und zahlen hierfür ca. 10 Euro pro Monat an den Plattformbetreiber. Einen Teil seiner Einnahmen führt der Plattformbetreiber in Form einer Miete für die Leerrohr-Nutzung an die Infrastruktur-Gesellschaft ab.

  • Klassische Telekommunikation-Anbieter verbinden die verschiedenen Netze mit den nationalen und internationalen Backbone-Netzen und realisieren wichtige Basis-Dienste wie die Sprachtelefonie, den Internetzugang und Standard-Internet-Dienste. Fernseh- und Video-Angebote werden ebenfalls auf diesem Wege angebunden und über das Glasfasernetz in die Haushalte transportiert. Ergänzend werden Videotelefonie, Back-up Lösungen, Virenschutz und andere ergänzende Dienstleistungen als Zusatz-Module angeboten.

Die Anbieter akquirieren wie heute auch ihre Kunden direkt und auf eigene Rechnung und übernehmen das Kundenmanagement mit Rechnungsstellung und Hotline. Ein Kunde kann je nach Vorlieben entweder alle Leistungen aus einer Hand nehmen oder Dienste unterschiedlicher Anbieter kombinieren.

Seine Rechnung erhält der Kunde von dem oder den von ihm ausgewählten Telekommunikations-Anbietern. Dieser wiederum zahlt an den Plattformbetreiber für den Zugang zum Kunden einen monatlichen  Betrag in Höhe von ca. 10 Euro.

  • Spezialisierte Lösungs- und Inhalte-Anbieter realisieren für ihre Zielgruppen spezielle Anwendungen, z.B. Vernetzungsdienste für Unternehmen oder Cloud-Computing Lösungen und lassen die IT-Services des Kunden im eigenen Rechenzentrum laufen, so dass der Kunde nur ein Eingabe- und Ausgabegerät („Netz-PC“) benötigt.

Da die Anwendung über eine eigene Datenkommunikationsverbindung realisiert wird und nicht über das öffentliche Internet ist die Sicherheit für den Anwender ungleich höher. Die Kundenbetreuung und die Zahlungsströme entsprechen denjenigen der klassischen Telekommunikations-Anbieter.

Die Zusammensetzung der jeweiligen Anbieter-Gruppen kann  von Fall zu Fall anders ausfallen. So könnte das Geschäft als Plattformbetreiber auch für Lieferanten der eingezogenen Kabel interessant sein sowie für Hersteller von System- und Verbindungstechnik, die auf diesem Wege nicht nur den eigenen Marktanteil absichern, sondern auch in neue Geschäftsmodelle mit absehbaren Renditechancen einsteigen. Es ist ebenso vorstellbar, dass der Infrastruktur- und der Plattform-Betreiber von einem gemeinsamen Konsortium realisiert werden.

Zwar entstehen nach diesem Modell mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit neue regionale Monopole für die Glasfaserzugangsnetze und möglicherweise auch für den regionalen Plattform-Betrieb. Dies ist aber unter Wettbewerbsgesichtspunkten unkritisch, wenn im Sinne eines offenen Zugangs ("Open Access") alle interessierten Telekommunikations-Anbieter angeschlossen werden können. Selbst für den Fall, dass nicht alle Schnittstellen zu Content- und Dienste-Bereitstellern realisiert werden können, kann das Geschäftsmodell funktionieren. In diesem Fall ist alternativ eine eigene Glasfaser für den jeweiligen Anbieter durch das Leerrohr zu ziehen und an der Plattform vorbei direkt an die Plattform des jeweiligen Anbieters anzuschließen. Da dies zu höheren Kosten führt, werden die Bemühungen zur Schaffung von Schnittstellen beschleunigt vorangetrieben.

Ein wichtiger Vorteil des skizzierten Szenarios liegt in der Öffnung des Marktes, der nicht wie heute durch den Besitz der Anschlussleitung dominiert wird. Zwar wird über die Vermietung der TAL (Teilnehmer-Anschluss-Leitung) und den Bitstream-Access eine Öffnung für den Wettbewerb realisiert, die aber immer wieder zu Unzufriedenheit und laufenden Verhandlungen führt. Kabel-TV-Angebote können heute zudem nur in den Regionen genutzt werden, in denen bereits ein Koaxialkabel verlegt ist. Über die regionalen Plattformen könnte jeder Kunde an jeder Stelle jeden Dienst buchen und nutzen. So sollte sich der Wettbewerb verlagern von der Schaffung des besten Zugangs hin zur Gestaltung der besten und für die Zielgruppen optimalen Dienste. Da der Zugang für alle Betreiber gleichermaßen möglich ist, können auch kleinere Zielgruppen mit speziellen Angeboten bedient werden. Insgesamt wäre mit diesem Modell allen Bedürfnissen gedient und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes gesteigert!

Jürgen Kaack 14.07.2010, 20.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Politik als gestaltende Kraft beimn Breitband-Ausbau nicht präsent

Der Aufbau von flächendeckenden Glasfasernetzen als entscheidender Standortfaktor für Deutschland ist im Hinblick auf die Rahmenbedingungen eine nationale Aufgabe. Die Langfristigkeit des Netzaufbaus und die Komplexität der Organisation für die Umsetzung macht es sinnvoll, dass sich der Staat um die Organisation und die Rahmenbedingung kümmert.

Im föderalen System haben die Bundesländer oft nicht nur eigene Förderbedingungen und Förderquoten, sondern auch eine unterschiedliche Form der Unterstützung von Kommunen mit Beratungsleistungen. Ein Landes-weites Breitband-Kataster gibt es derzeit nur in Nieder-Sachsen, in anderen Bundesländern gibt es dagegen nur einzelne Breitband-Berater. Die konsequente Begleitung und Umsetzung von Kooperationsmodellen für regionale Betreiber fehlt dagegen ebenso wie die Unterstützung von zukunftsweisenden NGA-Netzen.

Während in NRW der stufenweise Ausbau mit Glasfasernetzen zunächst als  Fiber-to-the-Curb (FttC) und in einem späteren Schritt als Fiber-to-the-Building (FttB) propagiert wird, verfolgt man in Hessen die Schließung der weißen Flecken bevorzugt mittels Funklösungen. Es gibt zwar durchaus eine Reihe von Szenarien, in denen der Breitbandausbau mittels Funk schneller und mit niedrigeren Kosten erfolgen kann, z.B. wenn die nächste Möglichkeit zur Anbindung an ein Backbone-Netz weit entfernt ist, die zu versorgenden Teilnehmer weit auseinander liegen oder die Qualität der Leitungen im Anschluss-Bereich schlecht ist.

Im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat man im Juni 2010 die Errichtung eines Breitbandkompetenzzentrums (BBCC) ausgeschrieben. Analysiert man die Leistungsbeschreibung der Ausschreibung kann sich der Verdacht einschleichen, dass es hierbei um ein Kommunikationsorgan für die Ziele der Bundesregierung und eine übergreifende „Bürgermeister-Hotline“ handelt. Diese Zielsetzung scheint nicht stringent, wenn gleichzeitig die Fördermöglichkeiten mit Mitteln aus dem Zukunftssicherungsgesetz („Konjunkturpaket II“) bald ausläuft und die steigende Nachfrage nach Fördermitteln aus dem GAK-Programm (Gemeinschaftsaufgabe Agrarentwicklung und Küstenschutz) eine baldige Erschöpfung der verfügbaren Mittel befürchten lässt! Während einerseits viele Förderanträge gestellt werden, können zunehmend mehr Kommunen keine Fördermittel in Anspruch nehmen, weil sie keinen ordentlichen Haushalt mehr erstellen können und der Haushaltssicherung unterliegen. Wen soll das geplante BBCC dann aber beraten und unterstützen?

Eigentliche Kernaufgaben eines BBCC werden gleichzeitig durch die Bundesnetzagentur wahrgenommen wie z.B. mit dem im Mai 2010 gestartete NGA-Forum. Dabei sollte es doch Aufgabe der Bundesnetzagentur sein, den Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern sicher zu stellen. Die Gestaltung neuer Märkte gehört eigentlich nicht dazu! Andere wesentliche Aufgaben eines BBCC sollten in der Entwicklung und Begleitung von Pilotprojekten für den Netzausbau nach Schließung der weißen Flecken und dem Auslaufen der Förderprogramme liegen, Es ist unstrittig, dass der Breitbandausbau bei richtiger Planung auch ohne staatliche Mittel wirtschaftlich betrieben werden kann – und dass nicht nur in Ballungsgebieten! Hierfür müssen aber Partner zusammen gebracht werden, die bislang nicht gewohnt sind, zu kooperieren wie z.B. Netzbetreiber, Stadtwerke, Energieversorger und Tiefbauunternehmen. Neue Gesellschaftformen wie PPPs (Private-Public-Partnerships) müssen erprobt und gestaltet werden. Diese Aktivitäten entstehen derzeit eher zufällig oder durch Eigeninitiativen Einzelner.

Nicht nur die Gestaltung neuer Betreiber-Modelle abseits der etablierten Ansätze muss koordiniert und kommuniziert werden, auch neue Breitband-Anwendung mit übergreifender Bedeutung sollten entwickelt und gefördert werden. Neben den gesellschaftlich relevanten Themen Bildung und Telemedizin als Element zur Kostensenkung im Gesundheitswesen sind auch intelligente Lösungen in Verbindung mit dem Energiemanagement von hoher Zukunftsbedeutung. Hierzu gehören Smart-Grid Lösungen, die Energieverbraucher und –Erzeuger in einer Region „managen“, sowie Konzepte für die Umsetzung der Elektromobilität. Entsprechende Dienste müssen in Kooperation mit der betroffenen Industrie entwickelt und erprobt werden, damit Deutschland in diesem Feld nicht den Anschluss verliert. Erfolgreiche und in Pilotversuchen bewährte Lösungen müssen standardisiert werden, damit es im Ergebnis flächendeckende und wirtschaftlich zu produzierende Lösungen gibt.

Im Umfeld von Breitband-Netzen und Anwendungen gibt es also offensichtlich eine Reihe von wichtigen Aufgaben, die bislang nicht wahrgenommen werden und Kernaufgaben eines BBCC sein sollten. Dabei sei betont, dass es nicht um zusätzliche Fördertöpfe und staatliche Finanzierung geht, sondern in erster Linie um die Stimulation der Entwicklungen, die Koordination der beteiligten Partner, die beratende und Interessen-ausgleichende Begleitung der Umsetzung, die Unterstützung bei der EU-weiten Standardisierung und die Multiplikation erfolgreicher Vorhaben. Leider fehlen bisher erkennbare Ansätze der Politik für eine konsequente Umsetzung dieser Aufgaben.

Jürgen Kaack 10.07.2010, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

LTE - eine weitere Komponente im Technologie-Mix für den Breitband-Ausbau

Über einige Wochen hinweg konnte man aus den Beiträgen in der Presse den Eindruck gewinnen, dass die Probleme zur Schließung der „weißen“ Flecken im ländlichen Raum, d.h. der Regionen, die heute entweder im Hinblick auf Breitband unversorgt oder mit durchschnittlich weniger als 2 MBit/s unterversorgt sind. Auch wenn es bundesweit keine veröffentlichten Zahlen zum Umfang der weißen Flecken gibt, so kann man vermuten, dass zwischen 20 und 30 % der Haushalte derzeit noch weniger als 2 MBit/s haben und somit Internet-Anwendungen nur in begrenztem Rahmen nutzen können. Die überwiegende Mehrzahl der heute noch unterversorgten Regionen ist aufgrund der topographischen Bedingungen oder der niedrigen Anzahl potenzieller Kunden für die Betreiber unwirtschaftlich.

In diesen Fällen wurde LTE als die schnelle Alternative gesehen, um das Versprechen der Bundesregierung von Anfang 2009 zu erfüllen, die weißen Flecken bis Ende 2010 zu schließen und mit mindestens 1 MBit/s zu versorgen. Gleichzeitig sorgen Demonstrationen von LTE-Teststellungen, bei denen im fahrenden Fahrzeug Videokonferenzen mit hoher Videoqualität demonstriert werden, für die Erwartung, dass zukünftig 100 MBit/s in jedem Haushalt verfügbar sein wird, ganz ohne eine lästige Leitungs-Anbindung.

In einer Veranstaltung des IKT.NRW Clusters am 07.07.2010 in Münster zeigte sich, dass diese schöne Zukunftsversion wohl zunächst nur eine Vision bleibt. LTE wird voraussichtlich im Rahmen von Förderprojekten zum Breitbandausbau wie eine weitere Technologie-Komponente behandelt. Bereits heute werden UMTS-Lösungen im Rahmen eines Technologie-Mix bei der Planung berücksichtigt. In Zukunft kommt neben dem Glasfaser-Ausbau bis zum Kabelverzweiger, der Errichtung von Schaltverteilern und dem Einsatz von Mobilfunk mit UMTS und Satelliten-DSL noch LTE hinzu. Die Bandbreiten werden bei Zellgrößen von 10 Kilometern (im 800 MHz-Band) außer in unmittelbarer Nähe zur Sendestation auch nur im Bereich von wenigen MBit/s liegen. Wie bei anderen Funklösungen ist auch bei LTE als einem shared medium mit einem deutlich Leistungsabfall zu rechnen, wenn viele Nutzer gleichzeitig auf das Internet zugreifen. Hohe Bandbreiten, vergleichbar mit VDSL werden bei diesen Zellgröße auch in den nächsten Jahren nicht erreichbar sein (bei kleineren Zellen und höheren Frequenzen wird dies sicher anders aussehen).

LTE wird sich als Mobilfunklösung vermutlich auch von der Preisgestaltung eher bei Mobilfunkangebote orientieren als bei leitungsgebundenen Diensten, auch wenn keiner der Anbieter bisher hierzu eine verbindliche Äußerung abgeben kann. So wird ein Breitbandanschluss mittels LTE vermutlich teurerer als ein ADSL- oder Kabel-TV-Anschluss heute bei gleichzeitig niedrigerer Leistung. Vermutlich wird es eine Volumenbegrenzung geben, die bei Erreichen eines bestimmten Datenvolumens zu einer Reduktion der Übertragungsraten oder höheren Preisen pro Datenpaket führt.

Ob es einen Ausbau unabhängig von Förderprojekten zum Breitbandausbau geben wird, erscheint noch offen. Somit wird es für Kommunen in der Haushaltssicherung oder mit einem Nothaushalt wohl auch mit LTE keinen Breitbandausbau geben! Überhaupt fehlen bislang noch Systemtechnik-Entscheidungen und Endgeräte für die LTE-Nutzung. Es ist damit zu rechnen, dass frühestens im Sommer 2011 Netze und Geräte für eine breitere Nutzung in unterversorgten Regionen zur Verfügung stehen. Auch eine Koordination beim Ausbau nach der bei der Bundesnetzagentur hinterlegten Liste unterversorgten Ortschaften zwischen den Betreibern oder durch die Politik scheint es nicht zu geben.

Somit lösen sich die ganz großen Erwartungen an LTE wieder weitgehend in Wohlgefallen auf! Immerhin steigert das Angebot von LTE die Zahl verfügbarer Breitbandtechnologien, die im Einzelfall geprüft werden können. Ein Ausbau mit LTE erfordert zudem die Zuführung von Bandbreiten bis zur Basis-Station. Hierfür kommen sowohl Glasfaser- als auch Richtfunk in Betracht. Mit dem Ausbau der LTE-Zellen werden somit Backhaul-Lösungen in die Fläche gebracht, die für den weiteren Ausbau genutzt werden können. Zudem bringt LTE für die Nutzung des mobilen Internets in Ballungsgebieten aufgrund der höheren Frequenz-Effizienz absehbar deutliche Fortschritte.

Somit bleibt als subjektives Fazit zu den bisher vorliegenden Informationen über LTE:

  • LTE bringt deutliche Vorteile für mobile Internet-Anwendungen
  • Für den Ausbau der stationären Breitbandanschlüsse kann LTE im 800 MHz-Band als Brückentechnologie dienen
  • Preismodelle und Konditionen werden voraussichtlich näher an heutigen Mobilfunk-Diensten liegen als bei DSL- oder Kabel-TV-Angeboten
  • Vor Mitte 2011 werden Anschlüsse im Praxis-Einsatz kaum zur Verfügung stehen
  • Eine Koordination der Ausbaugebiete unter den Lizenznehmern scheint es nicht zu geben

Betrachtet man die Gesamt-Situation im Breitband-Markt Deutschland, so sehen die Perspektiven nicht rosig aus:

  • Für die zunehmende Anzahl von Kommunen in der Haushaltssicherung und mit Nothaushalt gibt es keine Lösung für den Breitbandausbau mit Förderprojekten (oder mit LTE)
  • Der genaue Stand noch verfügbarer Fördervolumina ist nicht bekannt. Es zeichnet sich aber ab, dass die Fördermittel vielleicht schon Mitte 2011 ausgeschöpft sind
  • Die Finanzierung von Vorhaben, deren Umsetzung über das Jahresende hinaus gehen, ist offen. Die hierfür erforderlichen Verpflichtungs-Ermächtigungen für die Bezirks-Regierungen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Damit wären Projekte, die erst nach März eines Jahres zum Abschluss kommen, nicht mehr umsetzbar!

Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage, wie die beiden Ziele der Bundesregierung für 2010 (Schließung der weißen Flecken) und 2014 (75% der Haushalte haben mehr als 50 MBit/s) erreicht werden soll …

Jürgen Kaack 09.07.2010, 17.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL