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Tag: FTTH

Stellungnahmen zur Breitband-Anhörung

Am 11.09.2013 findet im Düsseldorfer Landtag eine Anhörung zum Thema "Fahrplan Breitband für NRW" statt. Die Stellungnahmen der eingeladenen Experten sind auf den Seiten des Landtags zum Download verfügbar. Die Anzahl der Stellungnahmen spricht für ein deutliches Interesse an einem wichtigen Zukunftsthema.

Ich habe für STZ eine recht ausführliche Stellungnahme mit unterschiedlichen Ansätzen für den weiteren Ausbau erstellt und freue mich auf die weitere Diskussion. Meine Stellungnahme ist hier als pdf-Dokument verfügbar.

Jürgen Kaack 06.09.2013, 09.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Regionale Konzessionen für den Infrastrukturausbau?

Damit privatwirtschaftliche Investoren verstärkt in den Ausbau von passiven Anschlussnetzen investieren, ist Planungssicherheit erforderlich. Die Errichtung von mehreren parallel gebauten Infrastrukturen auf der Basis von Microduct-Leerrohren ist nicht mal in Ballungsgebieten dauerhaft wirtschaftlich. Es bedarf daher einer verbindlichen Vergabe von Regionen an Infrastrukturbetreiber. Dies könnte analog der Konzessionsvergabe für Versorgungsleistungen erfolgen und in Form einer vertraglichen Vereinbarung nach einer öffentlichen Ausschreibung geschlossen werden.

Als Konzessionsgeber könnte z.B. der Kreis als Gebietskörperschaft auftreten oder ein Zusammenschluss von mehreren Kommunen (z.B. in Form eines Zweckverbandes). Bei der Vergabe könnten Stadtwerke oder Regionalversorger bevorzugt werden, da diese aufgrund ihrer Kernaufgaben für den Netzaufbau und die spätere Nutzung Synergien nutzen können und regional verankert sind. Die auf diesem Wege errichteten Infrastrukturen können neben dem Internetzugang zur Energieablesung ("Smart-Meter") und zur Steuerung von Verbrauchern und Erzeugern erneuerbarer Energiequellen ("Smart-Grid") genutzt werden.

Da eine Konzession für ein NGA-Anschlussnetz eine Einschränkung für das im Telekommunikationsgesetz (TKG) verankerte Wegerecht  und die Übertragung des Wegerechts
durch die Bundesnetzagentur an Netzbetreiber nach § 69, Absatz 1 darstellt, ist im Vorfeld zu prüfen, ob eine regionale Konzession für den Bau und Betrieb eines passiven NGA-Netzes im bestehenden Rechtsrahmen umsetzbar ist.

Jürgen Kaack 04.09.2013, 09.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Glasfaserausbau braucht politische Unterstützung

Der Bau von Glasfaser-Anschlussnetzen für eine zukunftssichere Versorgung ist nicht nur in Ballungsgebieten erforderlich sondern auch im ländlichen Raum sinnvoll. Glasfaseranschlussnetze können wirtschaftlich betrieben werden, wenn die Verlegung unter Nutzung von Synergien erfolgt und Amortisationszeiten wie im Immobiliengeschäft angesetzt werden.

Wenn privatwirtschaftliche Infrastrukturbetreiber in einer Region nicht tätig werden, müssen Kreise und Kommunen eigene Aktivitäten entfalten. Im Hinblick auf die Höhe der erforderlichen Investitionen und die langen Vorlaufzeiten bis zur Erzielung des ersten Returns müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen und Planungssicherheit geschaffen werden. In dieser Hinsicht besteht in vielem Bundesländern Handlungsbedarf. Auch sollte ein entsprechend ausgestattetes Breitbandkompetenzzentrum Unterstützung bei der Umsetzung bieten.

Die angesprochenen Aspekte habe ich zusammen mit Herrn Schomm vom ITM in Münster in einem Artikel ausführlich beschrieben, der bei portel.de nachgelesen werden kann. Der ausführliche Artikel kann dort als pdf heruntergeladen werden.

Jürgen Kaack 03.09.2013, 20.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband NRW: Handlungsbedarf der Politik

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt gut voran, es gibt kaum noch mit herkömmlichen DSL-Technologien wirtschaftlich erschließbare Unterversorgungs-Bereiche. So werden wohl auch längerfristig 5 bis 10% der Anschlüsse ohne schnelle DSL-Anschlüsse auskommen müssen. Funklösungen. Durch die Ankündigung zum Vectoring-Ausbau wird die Versorgung vielerorts auf 100 Mbit/s angehoben. Sind damit die Herausforderungen für den Ausbau schneller Datennetze gemeistert und abgeschlossen?

Eine langfristig nachhaltige Infrastruktur ist erst durch Glasfasernetze bis zum Hausanschluss gegeben. Dies gilt insbesondere auch im ländlichen Raum. Hierfür müssen politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit für Kreise und Kommunen ein investitionsschonender Ausbau unter Nutzung von Synergien möglich ist. Die derzeitige Regelungen z.B. der Bundesrahmenregelung Leerrohre ermöglicht dies in nicht in Gebieten, die heute schnellere Internetzugänge als 25 Mbit/s haben. Inhaltlich wären solche Regelungen verhältnismäßig einfach zu realisieren:

Sofern es im geplanten Versorgungsgebiet noch kein passives Anschlussnetz zur Anbindung aller Haushalte mit einer Glasfaser-Leitung gibt und es keine Planung eines privatwirtschaftlichen Unternehmens hierzu gibt mit einer Umsetzung innerhalb von beispielsweise fünf Jahren, ist die Kommune berechtigt, ein derartiges Anschlussnetz mit oder ohne Fasern bis zum Hausanschluss zu errichten. Die Kommune ist verpflichtet, das Netz auf der Grundlage eines transparenten Verfahrens an einen Netzbetreiber zu vermieten, der sich die Regeln eines offenen Netzzugangs einhält.

Neben dem rechtlichen Rahmen für den Infrastrukturausbau ist die Identifikation oder Schaffung von Betreiberinstitutionen für passive Infrastrukturen ein limitierender Faktor. Die großen Netzbetreiber kommen aufgrund ihrer Anforderung an eine Amortisation innerhalb von wenigen Jahren kaum in Betracht. Die Entscheidungen in der Poststrukturreform II haben einen erheblichen Teil der derzeitigen Schwierigkeiten bedingt, indem Infrastruktur und Dienste nicht getrennte wurden. Allerdings war die weitere Entwicklung des Telekommunikationsmarktes so kaum vorhersehbar. Eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung von Infrastruktur-Gesellschaften ist die Schaffung von Planungs- und Investitionssicherheit. Eine Möglichkeit könnte die Vergabe einer regionalen Breitband-Konzession sein für Gebiete, in denen kein privatwirtschaftlicher Investor mit dem Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen tätig ist.

Paradoxerweise haben die Fördermittel, die Kommunen finanziell bei der Bewältigung von Zuwendungen für den Ausbau in unterversorgten unterstützen sollen, in manchen Kommunen die digitale Spaltung vertieft. Wenn neben einem mit beispielsweise 3 Mbit/s knapp grundversorgten Gebiet ein anderes, unterversorgtes Gebiet von 1 Mbit/s auf 50 Mbit/s ausgebaut wird, dann wächst der Geschwindigkeitsunterschied zwischen beiden örtlich unmittelbar nebeneinander gelegenen Gebieten auf 47 Mbit/s!

Im Bereich zwischen der Grundversorgung und dem NGA-Bereich, den „weißen NGA-Flecken“, ergibt sich auf nationaler Ebene politischer Handlungsbedarf. Auf Grundlage der Bundesrahmenregelung Leerrohre kann eine Kommune in NRW in diesen Gebieten zwar Leerrohre für den Ausbau einer NGA-Infrastruktur verlegen. Die Option zur Verlegung von Leerrohren kommt für viele Kommunen aber nicht in Betracht, entweder aus Kostengründen oder weil eine geeignete Infrastruktur-Betreiberinstitution fehlt. Vor diesem Hintergrund wäre vielen Kommunen damit gedient, wenn im Rahmen einer abstrakt generellen Notifizierung durch das Land ein Ausbau gegen Gewährung einer Zuwendung auch in Regionen erlaubt würde, die mit mehr als 2 Mbit/s versorgt sind. Der Bandbreitenbereich für eine solche Notifizierung könnte zwischen 2 und 25 Mbit/s liegen und entspricht damit der in der Bundesrahmenregelung Leerrohre definierten Obergrenze.

In Gebieten, in denen Glasfaser-Anschlussnetze aufgebaut werden, wird teilweise über Umsetzungsfragen der Verlegeart, Verlegetiefe und der Wiederherstellung der Oberfläche gestritten, da Infrastrukturbetreiber und Tiefbauämter unterschiedliche Interessen vertreten. Eine landesweit einheitliche und verbindliche Regelung für die Verlegung von Telekommunikationsleitungen und Schutzrohranlagen könnte Planungssicherheit schaffen und Genehmigungen beschleunigen. Neben den genannten Bereichen gibt es weitere Aspekte, die durch politische Entscheidungen und teilweise durch generell abstrakte Notifizierungen in Brüssel den Breitbandausbau erleichtern können. Derzeit sind folgende Problemfelder zu erkennen:

  • Beihilferechtliche Voraussetzungen für Ausbau mit Zuwendungen auf alle Gebiete mit < 25 Mbit/s erweitern; 

  • Beihilferechtliche Erweiterung für den Ausbau in Neubaugebieten;

  • Rechtliche Grundlagen für den vorausschauenden Aufbau passiver Glasfaser-Anschlussnetze in heute gut versorgten Gebieten; 

  • Verbindliches Regelwerk zur Leitungsverlegung; 

  • Übertragung des Wegerechts auf Landesstraßen für Kommunen und kommunale Unternehmen;

  • Prüfung einer Konzessionsvergabe für passive Anschlussnetze durch Kreise;

  • Schaffung von landes- oder kreiseigenen Infrastrukturgesellschaften. 


Die Ausgestaltung und Umsetzungsbegleitung für Kreise und Kommunen erfordert ein schlagkräftiges, mit Personal und Ressourcen ausreichend ausgestattetes Breitband-Kompetenzzentrums, das in einigen Ländern und insbesondere in NRW fehlt. Die Aktivitäten von Breitband.NRW reichen keinesfalls und über Erstgespräche hinaus kann eine Beratung von Kreisen und Kommunen nicht geleistet werden. Dabei könnte Breitband.NRW als Nukleus für ein Breitband-Kompetenzzentrum dienen, wenn ergänzend Kompetenzen in den Bereichen Technik, Rechtsfragen und zur Gestaltung von Geschäftsmodellen aufgebaut und mit entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen untermauert werden. Neben dem Coaching von Breitband-Beauftragten in Kreisen und Kommunen sollte das Breitband-Kompetenzzentrum Modellprojekte aktiv entwickeln und begleiten, wie es in Hessen und Niedersachsen erfolgreich praktiziert wird.


Eine ausführliche Darstellung zu den einzelnen Punkten findet sich in einem Artikel bei portel.de.

Jürgen Kaack 02.09.2013, 09.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vorgehen zum Breitbandausbau am Beispiel Kaarst

Eine nachhaltige Breitbandversorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Glasfasernetze bis zum Hausanschluss sind unbestritten das langfristig anzustrebende Optimum einer hochwertigen Infrastruktur, sowohl im städtischen Umfeld wie auch im ländlichen Raum.

Aber Glasfaser-Anschlussnetze entstehen nicht von alleine und sind investitionsschonend nur über einen längeren Zeitraum zu verwirklichen. Daher müssen für schwach versorgte Gebiete Überbrückungslösungen geschaffen werden. In der Regel erfordert die Umsetzung eine aktive Rolle von Kreise und Kommunen. Vorbildlich in dieser Hinsicht ist das Vorgehen in der Stadt Kaarst, wie die Einladung zur Ausschusssitzung belegt.

Jürgen Kaack 28.08.2013, 14.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schwach versorgte Gebiete ohne Breitband-Ausbau?

Die EU-Leitlinie für die Gewährung von Beihilfen zum Breitbandausbau unterscheidet zwischen Grundversorgung und NGA Versorgung. Grundversorgung wird dabei wie folgt definiert: „Verschiedene technische Plattformen können als Netze der Breitbandgrundversorgung angesehen werden, u. a. ADSL-Netze (bis hin zu ADSL2+), herkömmliche Kabelnetze (z. B. DOCSIS 2.0), Mobilfunknetze der dritten Generation (UMTS) und satellitengestützte Systeme.“ NGA Versorgung erfolgt über „Zugangsnetze, die vollständig oder teilweise aus optischen Bauelementen bestehen und die Breitbandzugangsdienste mit höherer Leistung ermöglichen als bestehende Netze der Breitbandgrundversorgung. 

Im Bereich zwischen der Grundversorgung und dem NGA-Bereich, den „weißen NGA-Flecken“ ergibt sich politischer Handlungsbedarf. Eine Kommune darf heute auf Grundlage der Bundesrahmenregelung zwar Leerrohre für den Ausbau einer NGA-Infrastruktur verlegen, aber die Gewährung von Zuwendungen an einen Netzbetreiber zu einem Ausbau nur für unterversorgte Gebiete mit mehrheitlich weniger als 2 Mbit/s gewähren.. Diese Option kommt für viele Kommunen aber nicht in Betracht, entweder aus Kostengründen oder weil eine geeignete Infrastruktur-Betreiberinstitution fehlt. Auf der Kostenseite sind für die Verlegung von einem Kilometer Leerrohr bei versiegelter Oberfläche durchschnittlich 100.000 € zu veranschlagen.
 

Für diese gar nicht seltenen Fälle wäre vielen Kommunen damit gedient, wenn ein Ausbau zumindest in Regionen erlaubt würde, die mit mehrheitlich weniger als 25 Mbit/s versorgt sind. Dies entspricht der in der Bundesrahmenregelung Leerrohre definierten Grenze. Eine solche Möglichkeit könnte auf dem Wege einer Einzelfallnotifizierung in Brüssel angestrebt werden. Dieses Verfahren ist zwar für die einzelne Kommune in der Regel zu aufwändig, Bundesländer könnten diesen Weg allerdings beschreiten. Hessen und Bayern haben bereits in anderen Fällen erfolgreich für ihre Länder  abstrakt generelle Notifizierungen erwirkt. Auch für Kreise kann dies noch sinnvoll sein, wie das Beispiel aus Borken zeigt.

Selbst wenn die Notifizierung nicht mit Fördergeldern für den Ausbau unterlegt wäre, würde es den Kommunen die Möglichkeit zum Handeln geben. Unter Umständen lassen sich Deckungslücken aus dem Haushalt finanzieren, durch Spenden aus der Bevölkerung aufbringen oder durch Eigenleistungen reduzieren. Bei einem FttC-Ausbau wird sich aufgrund der Leitungsdämpfung im Kupferkabel zwar keine durchgängig identische Internetgeschwindigkeit erreichen lassen, wie dies in einem Koaxial- oder Glasfaser-Kabel möglich wäre, aber die starken Unterschiede im Gebiet einer Kommune könnten vermieden werden.
 

Ein weiteres ungeregeltes Feld im Hinblick auf den Breitbandausbau findet man in Neubaugebieten und in Erschließungsflächen für Gewerbegebiete. Sofern kein Betreiber aufgrund eigener Überlegungen eine ausreichende Versorgung schafft, gibt (neben der aufwändigen Einzelfallnotifizierung bei der Kommission) nur die Bundesrahmenregelung Leerrohre eine verlässliche Grundlage für eigene Aktivitäten der Kommunen. Zum einen kann sich hier wieder die Kostenproblematik ergeben, wenn auch weniger im eigentlichen Ausbaugebiet als vielmehr im Anlauf zum letzten Übergabepunkt. Es ist auch keineswegs sicher, dass sich ein Betreiber zum Betrieb eines solchen passiven Anschlussnetzes finden lässt, wenn das Gebiet für sich gesehen zu klein ist, um einen eigenen Glasfaser-Knoten zu betreiben.

Damit neuerschlossene Gebiete erfolgreich vermarktet werden können, ist eine ausreichende Internetgeschwindigkeit (derzeit bedeutet dies meist mindestens 16 Mbit/s) eine unerlässliche Voraussetzung.
 Damit eine Kommune in diesen Fällen nicht in einem unsicherem Graubereich eine Entscheidung treffen muss, wäre auch hier eine von der Kommission notifizierte, abstrakt-generelle Regelung auf Landesebene anzustreben

Jürgen Kaack 22.08.2013, 09.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Kompetenzzentrum für NRW erforderlich!

Ein entsprechend vorsorglicher Ausbau benötigt einen übergreifenden Netzplan („Masterplan“) und eine langjährige Koordination der Aktivitäten. In den meisten Fällen sind viele Beteiligte zu koordinieren: Tiefbauamt, Strom-, Gas-, Wasser-Versorger, Stadtwerke, Betreiber von Beleuchtung und Rundsteueranlagen sowie dem Straßenbau. Zudem sollte ein regelmäßiger Kontakt zu den potenziellen Netzbetreibern gepflegt werden, damit der Netzaufbau später problemlos in Betrieb genommen werden kann. Eine wichtige Aufgabe in jedem Breitbandprojekt ist die Gestaltung des auf die Rahmenbedingungen und Ziele der jeweiligen Ausbauregion am besten passenden Geschäftsmodells. Dabei ist zu beachten, dass die Umsetzung nur dann erfolgreich wird, wenn alle Wertschöpfungsstufen qualifiziert besetzt und die Schnittstellen zwischen den Wertschöpfungsstufen harmonisiert sind.

Anders als z.B. in Hessen ist die Einrichtung eines dauerhaften Breitband-Koordinators für Kreise und Kommunen in NRW keineswegs selbstverständlich. Im Hinblick auf die zu erbringenden Aufgaben reicht dabei keine reine Aufgabenzuweisung. Ohne Zuweisung von Ressourcen wird sich kein Ergebnis erzielen lassen, für Mittelstädte sollte allerdings eine Teilzeitstelle ausreichen. Zur Schaffung dieser Funktion sollten konkrete Vorgaben die Kommunen unterstützen.

Im Hinblick auf die schwierige Haushaltslage vieler Kommunen sollte alternativ ein mit Personal und Ressourcen ausreichend ausgestattetes Breitband-Kompetenzzentrum eingerichtet werden. Die Aktivitäten von Breitband.NRW reichen keinesfalls und das Breitbandconsulting.NRW kann (und darf) die im Namen enthaltene Beratungs-Funktion heute über Erstgespräche hinaus nicht ausfüllen. Dabei könnte Breitband.NRW als Nukleus für ein Breitband-Kompetenzzentrum dienen, wenn ergänzend Kompetenzen in den Bereichen Technik, Rechtsfragen und zur Gestaltung von Geschäftsmodellen aufgebaut und mit entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen untermauert werden.  

Neben dem Coaching von Breitband-Beauftragten in Kreisen und Kommunen sollte das Breitband-Kompetenzzentrum Modellprojekte aktiv entwickeln und begleiten, wie es in Hessen und Niedersachsen erfolgreich funktioniert. Bei der Überarbeitung oder Neufassung von beihilferechtlichen Rahmenbedingungen und Leitlinien muss bereits vor einer Verabschiedung eine Prüfung im Hinblick auf zu erwartende Auswirkungen erfolgen und durch entsprechende Vorschläge Einfluss genommen werden. Die während der operativen Arbeit wiederholt auftretenden rechtlichen Restriktionen sollten in Form von für alle Kommunen verbindlichen Regelungen beseitigt werden, z.B. in Form einer abstrakt generellen Notifikation. Für solche Vorgänge gibt es durchaus Vorbilder, z.B. in Hessen zur Ausweitung der Förderkulisse für die Grundversorgung auf alle Kommunen im Land oder die Regelungen für das Land Bayern zum NGA-Ausbau. Derzeit werden Kommunen mit ungeregelten Fällen weitgehend alleine gelassen und verzichten entweder auf die Umsetzung der Maßnahme, nehmen mögliche Risiken stillschweigend in Kauf oder suchen eigene Ausnahmeregelungen.

Zusätzlich zu den zentral erforderlichen Ressourcen sollten dem Breitband-Kompetenzzentrum zugeordnete regionale Breitbandberater installiert werden, die auf regionaler / lokaler Ebene mit den Breitbandbeauftragten der Kommunen und Kreise zusammenarbeiten. In Hessen und Bayern hat sich diese Konstellation durchaus bewährt, selbst in der Zusammenarbeit mit externen Planungsbüros.

Der Aufbau von passiven Infrastrukturen für Glasfaser-Anschlussnetze (FttB) ist nicht nur unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten wünschenswert, es kann durchaus auch wirtschaftlich tragfähig sein. Das Beispiel der Aktivitäten der Deutschen Glasfaser GmbH in den Kreisen Borken, Coesfeld, Heinsberg und Viersen zeigt, dass Glasfaser-Anschlussnetze nicht nur für die Ballungsgebiete möglich sind. Als privatwirtschaftlich ausgerichtetes Unternehmen verfolgt die Deutsche Glasfaser eindeutige Renditeziele, die vermutlich vergleichbar sind mit denjenigen von Projektgesellschaften für Gewerbeimmobilien. Die Amortisationszeit dürfte dabei im Bereich von 10 bis 15 Jahren liegen. Insgesamt führen die Wirtschaftlichkeitsziele zur Anforderung einer Mindest-Vorvertragsquote von 40% im betrachteten Ausbaugebiet. In anderen Regionen haben sich Versorgungsunternehmen auf den Weg gemacht, Steuernetze für Smart-Grids und Glasfaser-Hausanschlüsse zusammen aufzubauen.

Aber nicht überall sind Stadtwerke vorhanden oder Investoren wie die Deutsche Glasfaser vorzufinden. In diesem Fall sollte das Land die aktiv um geeignete Unternehmen werben, die bereit sind, z.B. nach dem Vorbild der Deutschen Glasfaser GmbH in den Aufbau von passiven NGA-Anschlussnetzen im ländlichen Raum zu investieren , oder im Zweifelsfall auch selber den Aufbau und Betrieb von Anschlussnetzen übernehmen. In Hessen sind eine Reihe Kreise mit entsprechenden Infrastrukturgesellschaften in Betrieb gegangen. Im Odenwald-Kreis gäbe es vermutlich noch heute keine Breitbandinfrastruktur, wenn die kreiseigene Gesellschaft nicht aktiv geworden wäre. In NRW gibt es immer noch größere Gebiete, die weit unter einer Intergeschwindigkeit von 50 Mbit/s liegen.

Anstatt einer landeseigenen Infrastrukturgesellschaft könnte die Entstehung von kreiseigenen Gesellschaften gefördert werden, wie dies in vielen Kreisen in Hessen geschieht. Der Odenwaldkreis ist ein Beispiel für einen erfolgreichen Ausbau in einer sehr ländlichen Struktur.

Jürgen Kaack 20.08.2013, 10.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Anzahl unterversorgter Ortsteile in Erkelenz deutlich gesunken

Anfang 2013 hat die Verwaltung in Erkelenz ein Breitbandprojekt gestartet. In der bis Februar durchgeführten Befragung zeigte sich ein erheblicher Bedarf und eine Unterversorgung in 17 (!) Ortsteilen von Erkelenz. Von der Unterversorgung betroffen waren über 4.700 Haushalte. In der im März durchgeführten Markterkundung hat sich kein Betreiber gemeldet, der in den nächsten drei Jahren einen Breitbandausbau ohne Zuwendungen geplant hat.

In dem folgenden Auswahlverfahren sind dann Angebote verschiedener Netzbetreiber eingegangen, für die allerdings keine Vergabe-Empfehlung ausgesprochen werden konnte. Die Deutsche Glasfaser GmbH hat im Rahmen ihrer Ausbau-Aktivitäten im Kreis Heinsberg verschiedene Ortsteile von Erkelenz mit in die Bearbeitung aufgenommen.

Mittlerweile wurde in 9 der bearbeiteten Ortsteilen die geforderte Mindestvertragsquote von 40% überschritten, in einem weiteren (Granterath) ist man nur noch 3% von der Mindestquote entfernt Nach derzeitigem Stand sind somit nur noch die folgenden Ortsteile unterversorgt:
  • Genneiken
  • Genfeld und Genhof
  • Katzem und Kleinbouslar.
  • Mennekrath mit Terheeg

Im Hinblick auf das Auswahlverfahren verbleiben somit noch drei der ursprünglichen Lose als unterversorgt. Dabei bleibt die weitere Entwicklung für Genhof und Genfeld zunächst offen, da beide Ortsteile im Auswahlverfahren gemeinsam mit dem jetzt auch in der Ausbauplanung befindlichen Gerderhahn behandelt wurden.

Für die Bürger und Betriebe in den jetzt ausgebauten Gebieten bricht nach dem fertigen Ausbau Ende 2013 / Anfang 2014 eine neue Ära der Breitbandversorgung an mit symmetrischen Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s. In den verbleibenden unterversorgten Ortsteilen wird sich zeigen, ob die noch laufende Nachverhandlung einen hochwertigen Ausbau ermöglicht. Sicher ist allerdings, dass der Glasfaser-Ausbau in den zehn von der Deutschen Glasfaser bearbeiteten Ortsteilen nicht nur nachhaltig zukunftssicher ist, sondern auch keine Zuwendung von der Stadt erforderlich macht!

Jürgen Kaack 26.07.2013, 14.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nutzungslücke bremst den Breitbandausbau

Aus der Rubrik "Aktuelles" der Seite www.Breitband.NRW.de:

"Dr. Jürgen Kaack, Geschäftsführer und Inhaber der STZ-Consulting Group, ist ein Experte für Telekommunikationsthemen und innovative Geschäftsmodelle rund um das Thema Breitband. In seiner neusten Veröffentlichung setzt er sich mit der tatsächlichen Nutzung von hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen sowie dem hochaktuellen Thema Vectoring auseinander. Darüber hinaus schildert er mögliche Handlungsoptionen für Kreise und Kommunen. Nach Schätzungen von STZ-Consulting nutzen im Durchschnitt nicht mehr als 25% der Haushalte in den mit mehr als 25 Mbit/s versorgten Regionen die Möglichkeit, einen schnellen Internetanschluss zu erhalten. Auch bei den nachhaltig zukunftssicheren Glasfaser-Hausanschlüssen herrscht bei den potenziellen Nutzern Zurückhaltung. Nach Schätzung des Branchenverbandes VATM waren Ende 2012 gut 800.000 Glasfaser-Hausanschlüsse verfügbar. Aktiv genutzt wurden auch hier nur 343.500 Anschlüsse, was einem Anteil von 43% entspricht.

Nach dem zweiten Entscheidungsentwurf der Bundesnetzagentur ist das Thema Vectoring einmal mehr ein viel diskutiertes Gesprächsthema in der IKT-Branche. Dr. Kaack befürchtet, dass die Einführung des Verfahrens eine erhebliche Re-Monopolisierung der DSL Netze mit sich zieht. Durch Einsparungen im Bereich der Betriebskosten könne der Vectoring-Ausbau finanziert und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Kabelnetzbetreibern erhöht werden. Wettbewerber können jedoch nur unter engen Auflagen selber tätig werden und genau hier verberge sich die Gefahr der Re-Monopolisierung. Dabei mache der VDSL-Ausbau, aus Sicht von Dr. Kaack, zum jetzigen Zeitpunkt betriebswirtschaftlich durchaus Sinn, sei aber zukünftig nicht mit dem prognostizierten Bandbreitenbedarf gewachsen.

Damit Kommunen und Kreise dem entgegenwirken können, erörtert Dr. Kaack darüber hinaus kurz- und langfristige Handlungsoptionen. So soll ein erster Schritt die Analyse der konkreten Versorgungssituation sein. Staat und Länder sollen auf der anderen Seite die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen."

Der vollständige Bericht steht hier für Sie zum Download bereit.

Jürgen Kaack 24.07.2013, 08.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schwache Akzeptanz von Glasfaser-Anschlüssen in Heinsberg und Viersen

Beschwerden über zu langsame Internetzugänge hört man oft, insbesondere im ländlichen Raum. In Gebieten mit heute mehrheitlich weniger als 6 Mbit/s ist dies unmittelbar einsichtig, da mit langsamen Zugängen eine effiziente Nutzung von Internet-Anwendungen kaum möglich ist. Bei einem Ausbau in den schwach versorgten Gebieten liegt die "Take-up Rate", die die Akzeptanz von Breitband-Lösungen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung beschreibt, bei ca. 60%. Dies entspricht dem derzeitigen Durchschnitt der Breitbandnutzung in Deutschland bei ca. 78% Internetnutzern.

Ganz anders sieht die Situation aus, wenn die vorhandene Versorgung vor einem Ausbau etwas höher liegt. Nur ca. 25% der Haushalte (und der Betriebe) bucht Anschlüsse mit mehr als 25 Mbit/s. Dabei ist heute schon deutlich, dass die übertragenen Datenvolumina seit Jahren steigen und auch absehbar weiter mit ca. 18% pro Jahr zunehmen wird. Gleichzeitig wächst der Bedarf an schnelleren Upload-Geschwindigkeiten, z.B. beim Versenden von Bildern und Videos oder bei der Nutzung von Cloud-Diensten zur Datenspeicherung. Mit den asymmetrischen DSL-Diensten ist diese Eigenschaft noch schwach.

Vor diesem Hintergrund sollte man vermuten, dass ein Angebot zur Schaffung von Glasfaser-Anschlüssen mit symmetrischen Bandbreiten zu vergleichbaren Preisen eines VDSL-Dienstes ohne Zaudern angenommen wird. Die Deutsche Glasfaser GmbH ist mit einem solchen Angebot in verschiedenen Kommunen z.B. im Kreis Heinsberg angetreten.

Um das Vorhaben managen zu können, wird der Ausbau in verschiedenen Phasen durchgeführt. In der ersten Runde wurden ausschließlich unterversorgte Ortsteile bearbeitet. Von 34 Pilotregionen wurde nur in einem einzigen die Vorvertragsquote von 40% zum Teil deutlich überschritten. Die Akzeptanz in einigen kleineren Ortsteilen liegt sogar über 90%. In der zweiten runde wurden weitere 19 Ortsteile hinzugenommen. Nach einer über 4-monatigen Informations- und Vorverkaufsphase erreichten jetzt nur noch 6 die Mindestquote, wie auf der Seite der Deutschen Glasfaser abzulesen ist. Die höchste Vorvertragsquote liegt jetzt bei 54%.

Noch geringer liegt die Akzeptanz bei dem vor drei Monaten begonnen Projekt im Kreis Viersen. Von 18 Pilotregionen hat noch keines die geforderte Mindestvertragsquote erreicht. Wirklich verständlich ist die schwache Akzeptanz nicht, denn eine gute Breitbandversorgung steigert den Immobilienwert und verbessert die Vermietbarkeit. Zudem ist mit einem Glasfaseranschluss eine zukünftige Erhöhung der Geschwindigkeit problemlos möglich und das grundsätzlich mit symmetrischen Werten für Up- und Downstream!

Besonders signifikant ist die Situation am Beispiel der Kernstadt von Wegberg. Hier besteht derzeit eine VDSL-Versorgung mit maximal 25 Mbit/s, für heutige Internet-Anwendungen gut ausreichend, aber nicht unbedingt nachhaltig zukunftssicher. Nach vier Monaten Projektlaufzeit in Wegberg wurde gerade mal eine Quote von 14% Vorverträgen erreicht, der bislang mit Abstand schlechteste Wert im Kreis Heinsberg!

Es bedarf offensichtlich weiterer Information und Aufklärung über die Entwicklung in Datenkommunikation, damit eine fundiertere Entscheidung möglich ist. Sollte die Deutsche Glasfaser die Kernstadt von Wegberg aufgrund des schlechten Ergebnisses jetzt nicht mit einem Glasfaser-Anschlussnetz ausbauen, wird es vermutlich in den nächsten Jahren auch kein anderer Anbieter tun. In spätestens 10 Jahren wird man zurückblickend fragen, wie man eine solche Entscheidung treffen konnte. Dann wird es aber voraussichtlich den städtischen Haushalt und damit Steuergelder treffen, die für den dann erforderlichen Ausbau aufkommen müssen! Vielleicht hätte man von Seiten der Politik etwas mehr tun können, um den Wettbewerb um nachhaltige Infrastrukturen zu stärken? 

Jürgen Kaack 21.07.2013, 21.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL