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Tag: FTTH

Vectoring schafft Breitband-Alternative für Solingen

Solingen hat bei über 155.000 Einwohnern eine teilweise schwierige Topographie und eine verteilte Siedlungsstruktur. Zu Beginn des Breitbandprojektes war die Breitbandverteilung äußerst heterogen. Aufgrund einer in den Kernbereichen guten Abdeckung und bis zu 150 Mbit/s. Alleine durch die Kabelnetz-Versorgung wurden NGA-Quoten von über 75% erreicht. Zu den nicht versorgten Gebieten an den Rändern der Kernbereiche und in kleineren Stadtteilen fiel die Versorgung allerdings erheblich ab, zum Teil mit weniger als 2 Mbit/s bis unter die Grenze der Unterversorgung.Allerdings liegt Solingen nicht in der Förderkulisse für die Breitbandprogramme von Bund und Land, so dass Zuwendungen alleine aus Haushaltsmitteln gestremmt werden  müsste.

 

Ein Zwischenergebnis in der Projektarbeit für die Verbesserung des Breitbandausbaus in Solingen ist der Ausbau mit Vectoring in 5 der 8 Anschlussbereiche von Solingen (Pressebericht vom 25.01.2014). Hierfür müssen 100 Kilometer Glasfaserleitungen neu verlegt und 153 Verteilerschränke zu Multifunktionsgehäusen überbaut werden. Durch den Ausbau erhalten weite Teile der Stadt, die bislang schon durch Unitymedia mit über 50 Mbit/s NGA-fähig waren, einen weiteren NGA-Anbieter.

Aus bislang „grauen“ NGA-Flecken werden somit „schwarze“, aber auch bislang schwach versorgte „weiße“ NGA-Flecken mit weniger als 30 Mbit/s erhalten eine bessere Versorgung und werden zu „grauen“ NGA-Flecken. Es ist zwar nicht abzusehen, wann es in diesen Gebieten einen weiteren NGA-Anbieter geben wird, aber für Haushalte und Betriebe in den bislang schwach versorgten Gebieten stellt dieser Ausbau einen erheblichen Fortschritt dar. Die schon vor dem Vectoring-Ausbau mit über 75% gute NGA-Verfügbarkeit (> 50 Mbit/s) steigt nach dem Ausbau in den 5 Anschl
ussbereichen auf über 80% sein und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt in NRW mit gut 69%. Andererseits fallen die verbleibenden, nicht ausgebauten Anschlussbereichen relativ gesehen weiter ab und es wird die Aufgabe der Verwaltung sein, dafür zu sorgen, dass auch in diesen Gebieten eine gute Versorgung erzielt wird. Eine tatsächliche Unterversorgung wird es aber nach dem Ausbau durch die Deutsche Telekom in Solingen kaum noch geben, die Quote wird voraussichtlich auf unter 2% sinken.

 

Da auch Solingen nicht bei der Brückentechnologie stehen bleiben muss, sind Konzepte für einen mittelfristigen Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen zu erarbeiten. Im Hinblick auf die für heutige Bedürfnisse sehr gute aktuelle Versorgung, kann dies investitionsschonend unter Nutzung aller Synergien erfolgen. Solingen hat als eine von wenigen Städten in NRW seit Anfang 2014 einen eigenen Breitbandbeauftragten, der allerdings auch dringend erforderlich ist, um die langfristige Koordination zu ermöglichen und eine regelmäßige Abstimmung der beteiligten kommunalen Akteure untereinander und mit den Netzbetreibern sicherzustellen. Zudem hat der Gemeinderat am 13.02.104 die Erstellung eines digitalen Gesamtkonzeptes beauftragt, das neben den erforderlichen Infrastrukturen auch das Diensteangebot betrachten soll (Antrag an den Gemeinderat vom 29.01.2014).

Jürgen Kaack 17.06.2014, 07.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

FttB-Eigenausbau leidet unter Vectoring

Die Stadt Nettetal mit gut 41.000 Einwohnern hatte vor der Umsetzung des Breitband-Vorhabens auch aufgrund ihrer Grenzlage eine eher schwache Versorgung mit maximal 16 Mbit/s. Nach einer Analyse der Ausgangslage wurde ein zeitliches Stufenkonzept für die Umsetzung erstellt. Ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser-Anschlüssen in einem Schritt erfordert zu hohen Mitteleinsatz. Daher wurde mit Unitymedia ein rückkanalfähiger Ausbau des Kabelnetzes der Primacom vereinbart und durch den Bau fehlender Glasfasertrassen für den Anlauf durch die Stadtwerke Nettetal werden heute nahezu 90 % der Haushalte mit 150 Mbit/s erreicht (Pressebericht vom 09.09.2013).

 

In Gewerbegebieten wurden in der Vergangenheit keine Kabelnetze verlegt, so dass die Betriebe nicht von der Aufrüstung der Kabelnetze profitieren. Es war daher eine folgerichtige und nachhaltige Entscheidung, dass die Stadtwerke Nettetal sich für den sukzessiven Ausbau aller Gewerbegebiete mit Glasfaser-Anschlussnetzen entschieden haben. Hierdurch wird über einen langen Zeitraum Zukunftssicherheit geschaffen und bereits zum Start sind symmetrische Dienste von 2 Mbit/s bis 10 Gbit/s verfügbar. Mit dem niederländischen Unternehmen Systemec B.V. wurde ein Joint-Venture gegründet, das den Betrieb des aktiven Netzes übernimmt und eine offene Plattform für Diensteanbieter betreibt. Geplant ist zunächst eine Ringleitung zur Verbindung der einzelnen Gewerbegebiete, der in der Folge weiter verteilt wird. In de rersten Phase werden mit einer Investition in Höhe von € 1,3 Mio. 40 Kilometer Glasfaserstrecken realisiert. Der Ausbau der ersten Gewerbegebiete und des Kabelnetzes war Anfang 2014 abgeschlossen (Pressebericht vom 09.09.2013).

 

Unabhängig von dem rückkanalfähigen Ausbau des Primacom-Kabelnetzes und des Aufbaus eines FttB-Netzes durch die Stadtwerke baut die Deutsche Telekom große Teile von Nettetal im Vorwahlbereich 02153 mit dem neuen VDSL-Vectoring Verfahren auf der Basis der vorhandenen Kupfer-Doppelader aus (Pressebericht vom 18.10.2013). Mit Vectoring werden in Nettetal ab Ende 2014 in einem Umkreis von ca. 600 Metern um die aufgerüsteten Outdoor-DSLAMs Downstream-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s erreicht. Bei der Vectoring-Technik müssen nahezu alle Kabelverzweiger mit Glasfaser angebunden und zu einem Outdoor-DSLAM überbaut werden, so dass auch die Randgebiete von einem Ausbau profitieren. Im Vergleich zum Ausbau der Kabelnetze wird mit Vectoring eine großflächige Versorgung erreicht. Dies kann in Nettetal insbesondere den nicht von Primacom erreichten Teilen zugutekommen können. Allerdings bleibt es auch bei einem Vectoring-Ausbau bei einer zunehmenden Dämpfung der Signale in Abhängigkeit von der Länge der Kupferdoppelader zwischen Outdoor-DSLAM und Hausanschluss. Zudem ist zu beobachten, dass die Akzeptanz neuer Glasfaseranschlüsse unter dem Angebot von Vectoring leidet und daher die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete zeitlich gestreckt werden müssen. Für den FttB-Ausbau hat sich Vectoring auch in diesem Fall als hinderlich erwiesen und hätte den Ausbau möglicherweise ganz verhindert, wenn die Ankündigung zum Vectoring-Ausbau früher erfolgt wäre.

Jürgen Kaack 16.06.2014, 09.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Sind Glasfaser-Hausanschlüsse tatsächlich zu teuer?

„Glasfaser-Anschlussnetze sind viel zu teuer in der Verlegung und werden sich daher in der Fläche nie durchsetzen!“

Ähnliche Argumente hört man häufiger, wenn es um die Frage geht, ob, wann und wer Glasfaser-Anschlussnetze baut. In Deutschland kursieren Beträge in Höhe von € 1.500 bis 4.000 für die Errichtung eines Glasfaser-Hausanschlusses mit passiver Infrastruktur bestehend aus einem anteiligen Stück eines Micro-Duct Systems, der eigentlichen Glasfaserleitung und dem Netzabschluss im Keller eines Gebäudes. In der Debatte gibt es gute Gründe, warum die Verlegung im innerstädtischen Bereich besonders teuer ist: viele Versorgungs- und Steuerleitung unter dem Bürgersteig, viele Querungen, hochwertige Oberflächen. Im ländlichen Raum sind Glasfaser-Hausanschlüsse deshalb so teuer, weil die Strecken zwischen den einzelnen Hausanschlüssen so lang sind! Auf jeden Fall ist es zu teuer!

Das Fallbeispiel von „Citynet“ in Amsterdam zeigt, dass es irgendwie doch geht und das sogar in einer dicht besiedelten Stadt mit vielen alten Gebäuden. In einem Joint-Venture aus kommunalen Institutionen und privatwirtschaftlichen Unternehmen (PPP) werden seit 2005 in Amsterdam Glasfaser-Anschlüsse nach dem aufwändigen, aber zukunftssicheren Point-to-Point Verfahren verlegt und an Netzbetreiber vermietet.

In einer ersten Phase wurden Gebiete mit 43.000 Häusern erschlossen, von denen sich 10.000 direkt haben anschließen lassen. Die verbleibenden können als „homes passed“ später mit vergleichsweise geringem Aufwand angebunden werden, vielleicht unter Berechnung eines einmaligen Baukostenzuschusses. Hinter jedem der Hausanschlüsse finden sich ca. zehn Wohneinheiten, da in Amsterdam fast ausschließlich Mehrfamilienhäuser anzutreffen sind. Die erste Phase wurde finanziert mit insgesamt € 30 Mio., davon € 12 Mio. aus Fremdkapital. Bezogen auf alle erschließbaren Häuser liegt der einmalige Invest bei knapp € 700 je Hausanschluss und somit weit unter den in Deutschland bekannten Beträgen! Die günstigere Bodenklasse in den Niederlanden reduziert die Tiefbaukosten sicher zum Teil. Wichtiger ist aber vermutlich der Effekt günstigerer Verlege-Technologien, z.B. in einer niedrigeren Verlege-Tiefe als den in Deutschland von den meisten Tiefbauämtern geforderten 60 cm unter der Oberfläche. Obwohl diese kostensparende Verlege-Methode in den Niederlanden schon seit einigen Jahren eingesetzt wird, ist über vermehrte Störungen, Ausfälle oder die Beeinträchtigung bei der Reparatur von anderen Versorgungsleitungen nichts bekannt.

Der Netzaufbau erlitt Verzögerungen durch die Bearbeitung von Beihilfe-Beschwerden von Seiten der Kabelnetzbetreiber. 2007 wurden die Beschwerden von der EU-Kommission nach Prüfung der Unterlagen für einen Private-Investor-Test abgewiesen. Die Gesellschafter des Citynet Amsterdam Vorhabens haben sich damit so verhalten, wie es ein privater Investor in der gleichen Situation tun würde. In den folgenden Phasen sollen sukzessive alle Häuser im Stadtgebiet angeschlossen werden.

Es könnte sich in Deutschland lohnen, Beispiele wie die aus den Niederlanden oder auch dasjenige des Regional-Betreibers Wilhelm.Tel aus Norderstedt zu prüfen. Außerdem eröffnet die Prüfung alternativer Verlege-Technologie mit niedrigerer Tiefe unter Umständen Potenziale zur Senkung der Verlegekosten, sofern die Verlegung nicht unter Nutzung von Synergien gemeinsam mit anderen Tiefbauarbeiten in den gängigen Tiefen erfolgt. Nur das Argument der zu teuren Glasfaser-Hausanschlüsse sollte endlich – in möglichst großer Tiefe – abgelegt werden, denn über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren braucht auch Deutschland flächendeckende Glasfaser-Anschlussnetze (FttB oder FttH)! Auch in Amsterdam hat es nach Projektstart ca. 10 Jahre gedauert, bis die erste Bauphase abgeschlossen werden konnte.

Jürgen Kaack 09.06.2014, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Interview zu Hemmnissen für den Glasfaser-Ausbau

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt unbestreitbar voran, die Zahl der "Weißen Flecken" mit weniger als 2 Mbit/s hat seit 2007 deutlich abgenommen und beschränkt sich mit ca. 5% der Anschlüsse überwiegend auf Randlagen von Ortschaften und auf abgelegene Siedlungen mit niedriger Bevölkerungszahl, die nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten ausgebaut werden können.

In den letzten Monaten rückt die Frage nach höheren Geschwindigkeiten oberhalb der Grundversorgung in den Fokus. Die nächste Stufe sind 30 Mbit/s, um die von der EU definierte NGA (Next-Generation-Access) Geschwindigkeit zu erreichen. Die Umsetzung kann mit unterschiedlichen Technologien erfolgen, Mobilfunk (insbesondere LTE), DSL (zukünftig mit Vectoring bis zu 100 Mbit/s) oder Kabelnetzen (derzeit schon bis 150 Mbit/s).

Damit nicht in regelmäßigen Abständen aufgrund steigender Geschwindigkeits-Anforderungen und steigender Datenvolumina zu teure Umrüstungen erforderlich werden, sollte zumindest in einem mittelfristigen zeitlichen Rahmen ein flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetz realisiert werden. Es gibt keine höhere Übertragungsgeschwindigkeit als die Lichtgeschwindigkeit und auch das übertragene Datenvolumen kann nahezu beliebig erhöht werden. Der Nachteil der Technologie ist alleine die erforderliche hohe Investitionssumme, da in erheblichem Maße Tiefbauarbeiten bis zu jedem Hausanschluss zu erbringen sind. Als Folge ergeben sich lange Amortisationszeiten, die für viele Netzbetreiber nicht akzeptabel sind. Es werden neue Geschäftsmodelle benötigt, die Netze und Dienste trennen.

Neben kommunalen Institutionen (insbesondere Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen) sind auch vereinzelt privatwirtschaftliche Unternehmen mit dem Geschäftsmodell des Infrastrukturbetreibers tätig. Diese Unternehmen müssen neben der Beschaffung erheblicher Kapitalbeträge die Koordination und Organisation einer vergleichsweise komplexen Aufgabe bewältigen und werden dann nicht selten mit einer schwachen Akzeptanz bei den potenziellen Kunden konfrontiert, gemessen in Prozent als Take-up Rate. Je nach unternehmerischen und regionalen Voraussetzungen sind 30 bis 70% der Haushalte erforderlich, um die Netzausbau rentabel zu gestalten. Schon ab einer Verfügbarkeit von 6 Mbit/s sinkt die Wechselbereitschaft erheblich und ab 16 Mbit/s reicht sie in der Regel nicht mehr aus. Dies ist kurzsichtig, da nach einem erfolglosen Versuch der Bedarfsbündelung durch einen privatwirtschaftlichen Betreiber zunächst über längere Zeit kaum ein anderer Anbieter einen neuen Versuch starten wird und letztlich die dann doch erforderliche Investition wieder unter Nutzung öffentlicher Mittel erfolgen muss.

Zu dieser Thematik am Beispiel der Ausbauaktivitäten in der Stadt Wegberg und im Kreis Heinsberg habe ich vor ein paar Tagen ein Interview gegeben, dass unter diesem Link abgerufen werden kann.

Jürgen Kaack 07.06.2014, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ohne Synergien wird der Glasfaserausbau teuer

Die Errichtung eines Glafaser-basierenden Anschlussnetzes erfordet in der Regel erhebliche Tiefbauarbeiten und schlägt mit € 1.500 bis über 3.000 zu Buche. Diese erheblichen Investitionen bei gleichzeitig erst langsam steigender Nutzungsrate ("Take-up Rate") erschweren die Aufstellung eines Geschäftsplanes mit einer absehbaren Amortisation. Daher erfolgt der Glasfaser-Ausbau in Deutschland eher schleppend.

Kommunen und kommunale Institutionen
(z.B. Stadtwerke) können bei einer langfristig angelegten Planung Synergien mit anderen Tiefbaumaßnahmen nutzen, die die Investitionskosten auf bis zu 15 % der Vollkosten bei gesonderter Betrachtung senken kann. Die Kostenvorteile können nur realisiert werden, wenn in der Kommune eine übergeordnete Planung und eine langjährige Koordination mit allen Baulastträgern durch einen Breitbandkoordinator erfolgt. Statistisch gesehen wird jede Straße alle zehn Jahre einmal aufgebrochen. Sobald größere zusammenhängende Gebiete ausgebaut sind, können diese interessierten Netzbetreibern im Rahmen eines transparenten Auswahlverfahrens angeboten werden.

Im Idealfall stehen die zukunftssicheren Anschlussnetze fertig zur Verfügung, wenn die derzeitigen Infrastrukturen ihre Kapazitätsgrenzen erreichen werden. Leerrohre und Glasfaserleitungen haben Lebensdauern von über 50 Jahren, so dass eine ausreichende Nutzungszeit gegeben ist. Auch bei einer Verlegung undter Nutzung von Synergien sollten Amortisationszeiten von von zehn Jahren nach Vermietung an einen Netzbetreiber angesetzt werden. Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, Glasfaserleitungen auszutauschen, bedeutet dies bei den gängigen Leerrohrsystemen keinen größeren Aufwand.

Der Aufbau eines Glasfaser-Anschlussnetzes in einer Region erfordert eine sorgfältige Planung und ein stimmiges Konzept, das auf Grund der unterschiedlichen Voraussetzungen individuell ausgestaltet und optimiert werden muss. STZ-Consulting hat in den letzten Jahren gemeinsam mit Kreisen und Kommunen entsprechende Konzepte entwickelt.

Jürgen Kaack 06.05.2014, 15.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

NGA-Rahmenregelung eröffnet Möglichkeiten für den Breitbandausbau

Bislang gab es für den Ausbau von Gebieten, die bereits mit mehrheitlich mehr als die Grundversorgung von 2 Mbit/s versorgt sind, für Kreise und Kommunen keine rechtliche Grundlage neben der Bundesrahmenregelung Leerrohre, die allerdings am 27.01.2014 ausgelaufen ist. Allerdings hat die Bundesrahmenregelung Leerrohre vorausgesetzt, dass Kommunen Leerrohre verlegen und betreiben. Dabei gibt es Kommunen, die hierfür eine neue Institution schaffen müssten, weil bislang keine eigene Infrastruktur betrieben wird. Selbst für Stadtwerke war die Bundesrahmenregelung nicht in jedem Fall optimal geeignet. Die Vermietung der Leerrohre in wirtschaftlich wenig attraktiven Gegenden bieten Betreiber oft nur ohne Mietzahlung an, da der Betrieb andernfalls unwirtschaftlich bleibt. Eine mietfreie Nutzung widerspricht allerdings der Gewinnerzielungsabsicht der Stadtwerke.

Auf keinen Fall durften bisher Kommunen in Regionen mit durchschnittlich > 2 Mbit/s eine Deckungslücke an einen Netzbetreiber gewähren. Die in der Notifizierung befindliche NGA-Rahmenregelung („Next-Generation-Access-Network“) wird in dieser Situation erhebliche Verbesserungen bringen. Neben der Verlegung und Vermietung der Infrastruktur kommt auch ein Ausbau gegen Gewährung einer Deckungslücke in Betracht. In den Fällen, in denen selbst bei einem Mietzins von Null € keine Wirtschaftlichkeit erreicht wird, ist zukünftig auch die Gewährung einer Deckungslücke rechtlich zulässig.

 

 

Im Verfahren entfällt die bislang sowohl in Projekten zur Grundversorgung und bei Maßnahmen nach der Bundesrahmenregelung Leerrohre eine Bedarfserhebung bei Haushalten und Betrieben erforderlich, die aber nur in Ausnahmefällen aussagekräftig oder repräsentativ sind. Die NGA-Rahmenregelung sieht eine solche Bedarfserhebung nicht mehr vor. Für den Durchschnittsnutzer ist so oder so sehr schwer, seinen zukünftigen Breitbandbedarf einzu schätzen, wenn die aktuelle Zugangsgeschwondigkeit bereits deutlich über der Grundversorgung von 2 Mbit/s liegt. Weiterhin sind auch in der NGA-Rahmenregelung transparente Markterkundung und Auswahlverfahren vorgeschrieben – und sinnvoll.

 

Nach Umsetzung der Maßnahme sollen > 95 % der Anschlüsse mindestens 30 Mbit/s erhalten und immerhin > 75 % mindetens 50 Mbit/s. So kommt man den EU-Zielen der Breitbanddurchdringung mit schnellen Anschlüssen ein Stück näher, die 2020 für alle Haushalte in Europa die Verfügbarkeit von Anschlüssen mit mindestens 50 Mbit/s anstreben. Die Vectoring-Technologie ist derzeit noch nicht förderfähig und kann somit nicht durch Gewährung einer Deckungslücke unterstützt werden. Im Hinblick auf den kaum gegebenen offenen Netzzugang ist dies auch nachvollziehbar. Allenfalls über einen Bitstream-Access kann in einem Vectoring-Netz Dritten ein Zugang eröffnet werden.

Jürgen Kaack 22.04.2014, 09.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Online-Offensive in der großen Koalition?

Das hört sich gut an. Vielleicht endet mit der großen Koalition der Dornröschenschlaf der letzten Regierung im Hinblick auf die Netzpolitik. Weniger als in der letzten Regierung kann allerdings auch kaum für den Infrastruktur-Ausbau getan werden.

Investitionen in ein schnelles Breitbandnetz und eine verbindliche Festlegung der Netzneutralität wären sehr gute Ziele für eine neue Regierung und ein echter Fortschritt! Damit können Kommunen NGA-Ziele zukünftig hoffentlich effizienter umsetzen.

Der Einsatz von Fördermitteln birgt zwar immer Risiken im Hinblick auf steigende Kosten, aber bei richtigem Einsatz können sie einiges bewegen. Z.B. wäre die Übernahme von anteiligen Personalkosten für einen Breitbandkoordinator im Kreis und eine Unterstützung der Kosten für die Erstellung eines Masterplans ein sehr sinnvoller Ansatz.

Bei Spiegel-Online finden sich ergänzende Informationen.

Jürgen Kaack 03.11.2013, 18.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schnelles Internet für Gewerbegebiete in Ahlen

Wie bei vielen Mittelstädten in Deutschland befinden sich auch in Ahlen im Kreis Warendorf die meisten Gewerbegebiete in Randlagen. Aufgrund der Leitungslängen hatten die Gewerbegebiete Olfetal, Kleiwellenfeld und das Industriegebiet Ost mehrheitlich weniger als zwei Mbit/s, mit anderen Worten alle drei Gewerbegebiete sind unterversorgt!

Die Befragung bei den Betrieben hat die Unterversorgung bestätigt. Die meisten der Unternehmen haben nicht mal übermäßig hohe Anforderungen, 16 bis 25 Mbit/s würde den meisten bereits ausreichen. Im Rahmen einer öffentlichen Markterkundung zeichnet sich zunächst nur ein Ausbau gegen Gewährung einer Zuwendung zur Schließung einer Wirtschaftlichkeitslücke ab. Schließlich bekundete die Deutsche Telekom in allen drei Gebieten einen Eigenausbau ohne Deckungslücke.

Bis 2016 wird ein schneller Internetzugang mit zunächst bis zu 50 Mbit/s für die drei genannten Gewerbegebiete in Ahlen auf der Basis von VDSL realisiert und das ohne Zuwendungen durch die Stadt. Einen Bericht über das Ergebnis des Breitbandprojekts findet sich als Pressemitteilung der Stadt Ahlen. So können Kommunen von den Vectoring-Plänen der Deutschen Telekom profitieren. Auf der anderen Seite wird es für Wettbewerber der Deutschen Telekom in Zukunft wohl schwieriger!

Jürgen Kaack 04.10.2013, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Stühlerücken bei NetCologne - Indikator für veränderte Marktbedingungen?

Der schnelle Wechsel an der Spitze von NetCologne ist vermutlich mehr ein Zeichen für die Unsicherheit bei den Gesellschaftern über die zukünftige Entwicklung im TK-Markt als Ausdruck von Fehlentscheidungen. NetCologne ist immerhin einer der wichtigen Protagonisten im Bereich der Glasfasernetze und einer der Pioniere unter den Stadtnetzen.

Seit der Unternehmensgründung von NetCologne hat sich der TK-Markt mehrfach deutlich verändert durch neue Technologien und veränderte Geschäftsmodelle. Die frühzeitige Entscheidgung von NetCologne (und M''net, Wilhelm.tel und anderen Netzbetreibern) für den Ausbau von Glasfaser-Anschlussnetzen war richtungsweisend und strategisch sinnvoll. Deutschland liegt im internationalen Vergleich bei Glasfaseranschlüssen weit hinten und braucht Unternehmen wie NetCologne, die diesen Weg beschreiten. Die Konsequenz ist, dass die alternativen Anbietern bei Glasfaser-Hausanschlüssen heute eine gewichtigere Rolle im Markt spielen als die Deutsche Telekom.

Allerdings kann das Geschäft mit Glasfaser-Anschlussnetzen nur langfristig betrieben werden und braucht Investitionssicherheit. Mit der verspäteten Aktivität der Kabelnetzbetreiber und ihrem attraktiven Angebot mit Anschlüssen bis 150 Mbit/s ist vor geraumer Zeit eine ernstzunehmende Alternative zu anderen NGA-Angeboten im Markt. Durch den geplanten Vectoring-Ausbau durch die Deutsche Telekom mit Downstream-Raten von 100 Mbit/s auf der Basis der seit Jahrzehnten im Boden liegenden Kupfer-Doppelader wird dieser Wettbewerb noch mal verschärft und dies wird Auswirkungen auf die Margen der Anbieter haben. Die sich verändernden Wettbewerbsbedingungen sprechen für eine neue Marktphase in der Telekommunikationsmarkt: die Zeit der Hochgeschwindigkeits-Anschlüsse.

Gleichzeitig kann das Bewusstsein beim Verbraucher und die Akzeptanz für Angebote mit höheren Bandbreiten weiterentwickelt werden und damit den gesamten Breitband-Markt voranbringen. Dabei wird sich auch die Erkenntnis durchsetzen, dass hochwertige Telekommunikationsangebote mit Bandbreiten von 100 Mbit/s nicht für 19,90 Euro pro Monat zu haben sind. Die Preise für Telekommunikationsdienste liegen in Deutschland schon heute unter dem europäischen Durchschnitt und weitere Preisnachlässe wären kontraproduktiven für den notwendigen Netzausbau.

Einen Beitrag zu den Änderungen in der Geschäftsführung von NetCologne finden sich z.B. hier.

 

Jürgen Kaack 15.09.2013, 12.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

5 Gründe für einen Glasfaser-Hausanschluss

Glasfaser ist die Breitband-Infrastruktur der Zukunft. Viele Bürger haben noch nicht erkannt, warum auch für sie ein Glasfaser-Anschluss sinnvoll und zukunftssicher ist (sofern in der jeweiligen Region denn überhaupt ein Anbieter von Glasfaser-Anschlussnetzen tätig ist).

In einem gut gemachten Animationsfilm der Deutschen Glasfaser GmbH werden fünf Vorteile eines Glasfaser-Hausanschlusses für einen schnellen Internetzugang vorgestellt. Auch wenn es sich dabei um einen Werbefilm der Deutschen Glasfaser GmbH handelt, sind die Argumente für den Glasfaser-Anschluss weitgehend allgemeingültig.

Es ist unverständlich, wenn Haushalte sich heute nicht für einen Glasfaser-Anschluss entscheiden, wenn ein solches Angebot vorliegt. In der Regel liegen die Preise für dienste über einen Glasfaser-Anschluss nicht über denjenigen für einen DSL- oder Kabelnetz-Anschluss. Dafür ist bereits heute der Upstream wesentlich schneller als bei jeder anderer Technologie. Hier sollte die Politik in Bund und Ländern mehr Aufklärungsarbeit leisten und auf die Zukunftssicherheit hinweisen. Selbst unter energetischen Gesichtspunkten ist eine Glasfaserinfrastruktur im Vergleich zu VDSL- und Vectoring-Netzen deutlich im Vorteil.

Jürgen Kaack 08.09.2013, 11.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL