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Tag: FTTH

Investitionsaufwand für Glasfasernetze erfordert neue Geschäftsmodelle

Auf längere Sicht und zur Erreichung von Bandbreiten oberhalb von 100 Mbit/s führt eigentlich nichts an einer durchgängigen Glasfaser-Anbindung bis zum Hausanschluss vorbei. Gerade die „letzte Meile“ vom Kabelverzweiger bis zum Hausanschluss erfordert allerdings in der Mehrzahl aller Fälle Tiefbaumaßnahmen. In der Regel haben die Kommunen keine eigenen Leerrohre in den Straßen verlegt, die zum Einziehen von Glasfasern genutzt werden könnten. Selbst vorhandene Leerrohre können nicht in jedem Fall genutzt werden, da Glasfaser nur in Netzen mit stumpfem Winkel und mit geeigneter Wandstruktur mit Druck in ein vorhandenes Leerrohr eingeblasen werden können.

 

Wenn Leerrohre neu in allen Straßen verlegt werden müssen, fallen erhebliche Kosten an. Je nach Verlegetechnik (Aufgraben Saug-Spül-Tecnik, Durchschiessen) ist mit Kosten in Höhe von 80 bis 120 Euro pro Meter zu kalkuliert. Die Kosten für die Leerrohre selber (unter 5 Euro pro Meter) und das Setzen von Schächten fallen dabei kaum zusätzlich ins Gewicht. Von den Leerrohren in der Straße bis zum Haus können fallweise Mini-Pipes ohne eine Öffnung der Oberfläche durchgeschossen werden. Für den einzelnen Hausanschluss auf der Basis von Leerrohren kann bei einer unabhängigen Verlegung ohne Kostenteilung mit Kosten in Höhe von 1.000 bis 1.600 Euro gerechnet werden. Dabei sind die Kosten der eigentlichen Übertragungstechnik und der Hausanschluss sowie die ggfs. Erforderlich Inhouse-Verkabelung noch nicht enthalten. Für den Bau eines neuen flächendeckenden Glasfasernetzes bis in jeden Haushalt dürften Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Euro anfallen.

Für die Netzbetreiber sind auch Teilbeträge solcher Vorlauf-Investitionen in der Regel zu hoch, um den Renditewünschen der Gesellschafter und Aktionäre Genüge zu tun. Infrastruktur-Vorhaben rechnen sich in den allermeisten Fällen erst bei einer 20-jährigen Abschreibungsfrist, wie sie auch bei öffentlichen Infrastrukturen wie Straßen und Schienen üblich ist. Mit den in der Telekommunikation an zu treffenden drei bis sieben Jahren für die Abschreibung von Netzinfrastrukturen ist eine Rendite nur in Ausnahmefällen (z.B. in Ballungsgebieten) über einen kürzeren Zeitraum zu erzielen. Einige Netzbetreiber gehen von einer Größenordnung von 15 % der Haushalte im Versorgungsgebiet aus, die unter derzeitigen Bedingungen wirtschaftlich mit Glasfaser ausgebaut werden können. Daher sind die Netzbetreiber immer noch sehr zurückhaltend beim Glasfaser-Ausbau bis zum Hausanschluss. In anderen Ländern, die in der Glasfaser-Durchdringung deutlich vor Deutschland rangieren, hat meist der Staat den Ausbau entweder als Infrastruktur-Maßnahme subventioniert oder er ist selber Betreiber der Telekommunikationsnetze. Hier sind die bestehenden, alten Netzinfrastrukturen allerdings oft in einem solchen Zustand, dass ein Ausbau mit VDSL überhaupt nicht in Betracht kommt.

 

Die Rahmenbedingungen für die Glasfaser-Verlegung machen neue Geschäftsmodelle erforderlich, um den Ausbau zu beschleunigen und in die Fläche zu bringen. Eine Trennung von Netz- und Dienste-Ebene war in einem bis 1998 auf Telefonie ausgelegten Netz nicht sinnvoll. Für ein Breitband-Netz schafft dies neue Ansätze bei Kooperationen und Geschäftsmodellen gemeinsam mit neuen Partnern. Es wird in Zukunft alleine aus wirtschafltichen Gründen nicht möglich sein, mehrere Glasfaser-Trassen unabhängig voneinander zu einem Haushalt zu führen. Von der verfügbaren Bandbreite ist das auch nicht erforderlich, können doch selbst GBit/s über eine Faser übertragen werden. Schnelle Datenübertragung, Sprache und Fernsehen in hochauflösender (HD)-Qualität können über ein und dieselbe Glasfaser zugeführt werden. Wenn es genau wie es nur einen Wasseranschluss zum Haushalt und nur eine Gasleitung zukünftig auch nur eine Glasfaserleitung, muss von vorneherein verhindert werden, dass ein solches, regionales Monopol Einschränkungen in der Wahl der Dienste und Inhalte bedingt.

 

So ist es ein realistisches Szenario, dass ein Infrastruktur-Anbieter den Anschluss realisiert und hierfür einen zu erwartenden Monatsbetrag in Höhe von 10 Euro beim Anschluss-Inhaber berechnet. Dann können Telefonie, Internet und Fernsehen – aber auch professionelle Lösungen in Verbindung mit Cloud-Computing Anwendungen auf Wunsch von unterschiedlichen Dienste- und Inhalte-Anbietern gebucht werden. Selbst bei diesen Marktgegebenheiten wird es immer noch eine erhebliche Zahl von Nutzern geben, die lieber ein Komplettangebot aus einer Hand und mit einer Rechnung haben, und auch hierfür kann es in diesem Szenario weiter Anbieter geben.

Jürgen Kaack 17.12.2009, 10.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Zukunft der Telekommunikation ist "gläsern"

Breitband ist in aller Munde und viele Kommunal-Verwaltungen werden von unzufriedenen Bürgern und Unternehmern aufgefordert, sich für höhere Bandbreiten ein zu setzen. Einige Treiber der Internetnutzung aus dem Web2.0 Umfeld erfreuen sich gerade mal seit 5 Jahren breiterer Marktpräsenz. Social Networks wie MySpace, Facebook, Schüler- und StudiVZ, Xing, LinkedIN und eine wachsende Schar weiterer Netze verführen zu intensiver Nutzung. Das Viedoportal YoutUbe ist auch nicht älter, sorgt aber bereits für über 10 % des Internet-Datenverkehrs. Demnächst kommt zu dem bisherigen schmalbandigen Film-Upload auch ein breitbandiges, höherauflösendes Angebot hinzu. Neben dem Video-Portal gibt es Portale für Digitalphotos (Flikr), Musiktauschbörsen, Auktionsportale und Online-Shops für laufend steigende Internet-Nutzung. Neben diesen eher privaten Anwendungen steigen durch die Veränderungen im Berufsumfeld (z.B. durch eine zunehmende Anzahl von Heimarbeitsplätzen, die über ein VPN mit dem Firmenrechner verbunden sind) für steigende Datenmenge. Anwendungen aus dem Bereich des Cloud-Computing mit verteilten Rechenzentren werden in absehbarer Zeit hinzukommen und den Ruf nach mehr Breitband weiter verstärken!

Derzeit gilt jede durchschnittlich mit 1 Mbit/s ausgestattete Kommune als Breitband-versorgt. Noch vor wenigen Jahren galten schon Anschlüsse mit 128 kbit/s als schnell. Tatsächlich stösst man heute sowohl im privaten wie im beruflichen Umfeld mit 1 Mbit/s-Anschlüssen schnell an Grenzen. Dabei ist oft nicht der Download das eigentliche Problem, sondern der Upload. Wer häufiger große Dateien bei einer Upload-Geschwindigkeit von 128 Kbit/s verschickt, kennt die damit verbundenen Wartezeiten. Für viele Nutzer ist heute 16 Mbit/s eine durchaus auskömmliche Geschwindigkeit. Bedingt durch die oben erwähnten Anwendungstrends werden sich in den nächsten Jahren die Erwartungen und Grenzen weiter verschieben. 100 Mbit/s sind dabei vermutlich keine längerfristige Grenze.

Ein leistungsfähiges und zukunftssicheres Breitbandnetz ist ohne Glasfaser kaum vorstellbar. Kupferkabel dämpfen digital übertragene Signale bei zunehmender Entfernung vom letzten Netzknoten stark. Bis 300 Meter sind immerhin 50 Mbit/s mit VDSL  als Übertragungstechnik zu erreichen. Nach 3 Kilometer reduziert sich dies auf bescheidene 1 bis 2 Mbit/s. Mit Mobilunk (HSDPA; HSUPA) sind bei kleinen Zelldurchmessern (unter einem Kilometer) derzeit auch schon 7,2 Mbit/s zu erreichen. Anschlüsse mit Technologien, die auf lizenzfreiem Funk im 5 GHz Frequenz-Band basieren, sind bis zu nutzbaren 30 Mbit/s möglich. Anders als leitungsgebundene Infrastrukturen unterliegen alle Funklösungen Begrenzungen im Frequenzspektrum. Daher kann auch bei optimalen Übertragungsbedingungen nicht der derzeit stark steigende Bandbreiten-Bedarf für die Übertragung von Daten mit Funk erfolgen. Im Hinblick auf die erzielbare Bandbreite liegen Funklösungen typischerweise um eine Größenordnung hinter leitungsgebundenen Übertragungstechnologien zurück und sind in vielen Fällen bei gleichen Bandbreiten und Datenvolumina teuerer als diese. Im übrigen basieren Funklösungen für die Zu- und Abführung des Datenstroms oft selbver auf einem leistungsfähigen Glasfasernetz.

Nahezu unbegrenzte Bandbreite und eine fast ungedämpfte Übertragung ist nur mit einer durchgängigen Glasfaser-Verbindung bis zum Hausanschluss möglich. Schon heute erfolgt die Übertragung in den nationalen und internationalen Backbone-Netzen mittels Glasfaser. In den internationalen und nationalen Backbonenetzen sind Glasfaser-Leitungen schon seit Jahren selbstverständlich. Im Mobilfunk werden die bislang häufig an zu treffenden Richtfunkstrecken zunehmend durch Glasfaser ersetzt, da durch die mobile Internetnutzung das übertragene Datenvolumen erheblich steigt. Auch große Unternehmen haben ihre Standorte schon in wesentlichen Teilen mit Glasfaser vernetzt. Die derzeit in vielen Kommunen zu beobachtende unzureichende Breitband-Versorgung ist in den meisten Fällen auf lange Kupferleitungen zwischen den Hauptverteilern und den Kabelverzweigern in den Ortsteilen zurück zu führen. Die Kabelverzweiger sind die letzte aktive Netzkomponente vor dem Hausanschluss. Eine Verbesserung in der Breitbandversorgung bedarf meist die Verlegung von Glasfaser-Leitungen von den Netzknoten bis zu den einzelnen Kabelverzweigern in den Ortschaften als Ersatz der heutigen Kupferkabel. Für eine nach heutigen Bedürfnissen ausreichende Breitbandversorgung mit 16, 25 oder auch 50 Mbit/s kann die bestehende Kupfer-Doppelader zunächst weiter genutzt werden.


Die Verlegung von Glasfasern bis zu den Kabelverzweigern wird als „Fiber-to-the-Curb“ bezeichnet und stellt den ersten – oft auch kurzfristig zu realisierenden Ausbau des Glasfasernetzes dar. Die Erweiterung der Glasfaser bis zum Haus („Fiber-to-the-Building“) oder auch bis in den einzelnen Haushalt („Fiber-to-theHome“) ist der zweite und erheblich aufwändigere Schritt. Neben dem Ersatz des teuren Kupfers durch die unbegrenzt verfügbare Glasfaser sind in einem Glasfasernetz kaum weitere aktive Komponenten erforderlich. Die Vielzahl von Kabelverzweigern (etwa ein Kabelverzweiger je 200 Haushalte) kann damit entfallen. Dies reduziert den Serviceaufwand im Netz und den Stromverbrauch für die Signalverteilung.

 

Jürgen Kaack 16.12.2009, 08.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Stau auf der Datenautobahn

Im WDR wurde gestern gegen 19:30 Uhr im Rahmen der Sendung "Westpol" ein Beitrag über den Breitband-Ausbau gesendet. Dabei wurde am Beispiel der Stadt Kaarst verdeutlicht, welche Probleme eine Stadt zu lösen hat, um zu Breitband zu kommen. Die unsinnige Festlegung, dass eine Förderung nur möglich ist, wenn die Gemeinde heute im Durchschnitt weniger als 1 MBit/s Bandbreite hat und in der sogenannten ländlichen Kulisse liegt. Für Kaarst und einige andere Städte trifft dies nicht zu, so dass auch keine Förderung verfügbar ist.

Ich werde in dem Beitrag mit Auszügen aus einem Interview für den WDR zitiert. Hierin fordere ich (wieder mal) die Entwicklung einer Strategie für die Erreichung der von der Bundesregierung gesetzten Breitbandziele 2014. Außerdem ist eine koordinierende Stelle beim Bundes-Wirtschaftsministerium erforderlich, um eine solche Strategie in der Fläche effizient um zu setzen.

Der Text des Beitrags findet sich in Kurzform unter diesem Link zu Westpol. Durch anklicken des webTV Symbols kann der Beitrag auch noch mal angesehen werden.

Jürgen Kaack 07.12.2009, 14.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Erfolgreiche Bürgerinformationsveranstaltung

Im Stadtgebiet von Bad Homburg gibt es mit Ober-Erlenbach einen Stadtteil mit über 5.000 Einwohnern, der im Vergleich zum Rest der Stadt mit einer schwachen Bandbreite angebunden ist. Während in den anderen Stadtteilen mit über 6 MBit/s gesurft werden kann, stehen in Ober-Erlenbach nur 1 bis 2 MBit/s zur Verfügung. Die Ursache ist die Entfernung zum Hauptknoten mit 3 bis 5 km, so dass aufgrund der Dämpfung im Kupferkabel kaum mehr als 1 MBit/s ankommen kann.

Die von den Bürgern wahrgenommene schwache Versorgung ist allerdings ein wesentliches Hindernis für den Ausbau zu schnelleren Geschwindigkeiten. Mit durchschnittlich ber 1 MBit/s giltz Ober-Erlenbach nicht mehr als unterversorgt. Daher besteht für die Deutsche Telekom keine Verpflichtung zur Errichtung eines Schaltverteilers, der vor die im Ortsbereich vorhandenen elf Kabelverzweiger gesetzt wird und diese bündelt. Mit einem Schaltverteiler lässt sich ein Ausbau für einen alternativen Netzbetreiber mit Unterstützung durch die Stadt wirtschaftlich erschließen. Eine Anbindung aller elf Kabelverzweiger mit Glasfaser und der Ausbau der aktiven Übertragungstechnik ist selbst bei Unterstützung durch die Stadt bei Tiefbaumaßnahmen nicht wirtschaftlich zu gestalten.

So bleibt nur der Weg der weiteren Verhandlungen und die Prüfung einer Alternative mit Verlegung von Glasfaser bis zum Hausanschluss (FttH). Beide Ansätze sind teuer und zeitaufwendig. Daher kommen als Alternativen für die Überbrückungszeit der nächsten Jahre Funklösungen in Betracht die bis zu 10 MBit/s ermöglichen, allerdings brauchen sie eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger. Zwei Anbieter sind in der Lage kurzfristig eine Versorgung auf der Basis Lizenz-freien 5 GHz-Funks eine sichere Versorgung mit schnellen Internetzugängen zu ermöglichen.

Diese Zusammenhänge wurden am 03.12. in einer Bürgerinformations-Veranstaltung präsentiert und in einem vollen Saal rege diskutiert. Mancher Teilnehmer mag sich eine schnellere und einfachere Umsetzung erhofft haben, aber die Zusammenhänge sind doch nicht immer so einfach und mit den Funkangeboten sind immerhin schnell realisierbare Alternativen verfügbar, so dass ein akuter Bedarf befriedigt werden kann.

Jürgen Kaack 05.12.2009, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fördermittel für Breitbandausbau fließen nur zögerlich ab

Jährlich stellt der Bund GAK (Gemeinschaftsaufgabe Entwicklung der Agrarstrukturen und Küstenschutz) Fördermittel für den Breitband-Ausbau in nicht oder unterversorgten ländlichen Gebieten (durchschnittlich weniger als 1Mbit/s) in Höhe von 16,7 Mio. Euro zur Verfügung. Die Förderbedingungen aus dem GAK-Programm sind allerdings eng und die Beantragung recht komplex, so dass nur wenige Kommunen Förderanträge ohne externe Hilfe erstellen können. Viele Kommunen stellen keinen Antrag, da maximal 2 MBit/s für den Ausbau in einer für den Förderantrag erforderlichen Technologie- und Anbieter-neutralen Ausschreibung gefordert werden dürfen. Da die Förderungen sich auf den ländlichen Raum beziehen, werden solche Kommunen nicht gefördert, die nicht zur ländlichen Kulisse zählen. Der Breitbandausbau für Gewerbegebiete ist ebenfalls eigentlich nicht vorgesehen. Aber wenn glücklicherweise ein an zu bindender landwirtschaftlicher Betrieb in der Nähe ist, kann ein Gewerbegebiet nebenbei auch mit erschlossen werden. Technologie- und Anbieter-Neutralität ist unter dem Gesichtspunkt des Wettbewerbs notwendig, aber ohne eine Perspektive auf eine Bandbreiten-Erhöhung auf mindestens 16, mittelfristig auch 50 MBit/s hilft dies nicht weiter zu einer zukunftssicheren Lösung.

 

Auch ohne diesen Aspekt stehen Aufwand und Förderung für viele Kommunen anscheinend nicht in einem vernünftigen Verhältnis, denn der Abfluss der Mittel erfolgt nur zögerlich. So sind im letzten Jahr kaum Fördermittel abgerufen worden und der Fördertopf ist in 2009 durch einen Übertrag aus dem Vorjahr um fast 100 % auf 32,9 Mio. Euro angewachsen. Das erinnert an den Jackpot beim Lotto. Auch in diesem Jahr werden die Fördermittel vermutlich wieder nicht ausgeschöpft und da die verbleibenden Mittel in das Jahr 2010 übertragen werden, steigt der Fördertopf vermutlich auch im Jahr 2010 weiter.

 

Auf der Basis dieser Erfahrungen ist für Ende 2009 eine Überarbeitung der Förderbedingungen geplant. Das Programm sollte eigentlich 2010 auslaufen und auch die Breitbandstrategie der Bundesregierung hat noch im Frühjahr 2009 die Schließung der letzten « weißen » Flecken für 2010 angekündigt. Da dieses Ziel nicht mit einer Umsetzungsstrategie untermauert wurde, ist abzusehen, dass auch Ende 2010 noch unterversorgte Regionen vorhanden sein werden. Die Überarbeitung des GAK-Programms sieht jetzt konsequenterweise eine Verlängerung der Förderung bis 2013 vor. Damit ist wohl auch klar, dass die Bundesregierung heute davon ausgeht, dass die letzten nach heutiger Definition unterversorgten Regionen erst 2013 ausgebaut werden sein. Wann wird dann wohl das Ziel für 2014 mit einer Versorgung von 75 % der Haushalte mit mindestens 50 MBit/s erreicht werden?

 

Eine Förderung mit öffentlichen Mittel ist grundsätzlich gut, wenn es ein Marktversagen gibt. Im Falle des Breitband-Ausbaus scheint es allerdings eher negativ gewirkt zu haben. Die Investitionen in den Infrastruktur-Aufbau sind durch die Förderung auf jeden Fall nicht gestiegen. Manche Netzbetreiber haben ihren Fokus auf erzielbare Fördermittel gelegt und es ist zu vermuten, dass die als Wirtschaftlichkeitslücken ausgewiesenen Beträge durch die Aussicht auf Förderung nicht kleiner geworden sind. Auf jeden Fall hat die Einführung der Förderung viele Entscheidungen zum Ausbau verschoben, so dass der Ausbau eher ins Stocken geraten ist. Da hilft es vermutlich auch wenig, wenn der maximale Förderbetrag ab Anfang 2010 von 200.000 auf 500.000 Euro erhöht wird. Bereits im Frühjahr haben viele Bundesländer die Förderbedingungen erweitert, so dass die Förderquote von 60 auf 90 % gestiegen ist. Auch können in der Regel mehr als eine Maßnahme in einer Kommune gefördert werden. Trotzdem hat sich bei Mittelabfluss nicht viel bewegt.

 

Damit die eigentlich unselige Förderung denn doch noch eine sinnvolle Verwendung findet, sollten zum einen die bürokratischen Hürden abgebaut werden. Die für den Förderantrag geforderte detaillierte Bedarfsanalyse wird weder von der Kommune noch von den Netzbetreibern benötigt und sollte stark vereinfacht werden. Eine Kommune sollte in der Ausschreibung höhere Bandbreiten fordern dürfen oder zumindest einen Migrationspfad zu den in der Breitbandstrategie der Bundesregierung geforderten 50 MBit/s bis 2014. Dann braucht sich die Kommune nicht in den nächsten Jahren wieder mit dem Thema befassen müssen. Die Technologie- und Anbieter-Neutralität sollte dagegen auf jeden Fall gewahrt bleiben, wenn wir den Wettbewerb erhalten wollen und auch mittelständische Anbieter eine Chance in dem Wachstumsmarkt erhalten.

 

Im Gegensatz zur kritischen Würdigung der allgemeinen Förderung eines Breitband-Ausbaus ist die Förderung der Verlegung von Leerrohren im Beilauf ausdrücklich zu begrüßen. Nur mit einer rechtzeitigen und planvollen, aber auch konsequenten Verlegung von Leerrohren sind wir in einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren in der Lage, ein Glasfasernetz unter wirtschaftlichen Bedingungen zu realisieren, das bis zum Hausanschluss reicht und dann 100 MBit/s und mehr für Haushalte und Unternehmen ermöglicht.

 

Eigen Artikel zu einer Veranstaltung des VATM zu diesem Thema vom 29.10.09 findet sich auf dem Portal von www.portel.de.

 

Jürgen Kaack 31.10.2009, 09.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zukunft Glasfaser: Veranstaltung in Greven am 10.11.

Zukunft Glasfaser - die Datenautobahn für Unternehmen:

am Dienstag, 10.11.2009 um 16.00 Uhr im
Ballenlager, Friedrich-Ebert-Str. 3 - 5 in 48268 Greven

Diese Veranstaltung der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt) findet in Kooperation mit der GfW Greven, der Wirtschaftsvereinigung Steinfurt, Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, der Handwerkskammer Münster, der IHK Nordwestfalen sowie den Unternehmen NDIX und osnatel statt.

Telekommunikations- und Breitbanddienste erlangen im Alltag von Unternehmen einen immer größeren Stellenwert. Mit Breitband-Diensten lassen sich Produktivitätsvorteile und konkrete Mehrwerte erzielen, die im Wettbewerb zunehmend unverzichtbar werden. Konkret geht es in der Veranstaltung um Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen.

Die Zukunft gehört den neuen Medien und Anwendungen sowie Glasfaserdirektanbindungen (Fiber-to-the-Building - FttB), hierin sind sich Experten einig. Es ist also Zeit, die Betriebe fit zu machen für die neue Generation von Breitband-Technik. Ich werde bei der Veranstaltung einen Vortrag über die verschiedenen Anwendungsbereiche von Breitband-Dienste in Unternehmen halten:
  • Marketing und Neukundengewinnung
  • Produktgestaltung gemeinsam mit den Kunden
  • Kundenbindung durch Kommunikation mit den Kunden
  • Effizienzsteigerung für interne Geschäftsprozesse
  • Kosteneinsparpotenziale durch bessere "Manageability" der IT
  • Optimierung in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen

Jürgen Kaack 29.10.2009, 17.26 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Modellprojekte für Infrastrukturaufbau fördern

Beim Breitband-Ausbau verfolgt jede Kommune  ihre eigenen Ziele und Vorstellungen, aber in der Regel sind auch die jeweiligen Voraussetzungen und Möglichkeiten. unterschiedlich Alleine topographische Randbegingungen erfordern meist eine individuelle Lösungskonzeption. Bei allen Unterschieden gibt es doch auch viele wiederkehrende Elemente. Es sollte immer als langfristiges Ziel der Glasfaser-Ausbau bis zum Hausanschluss (FttH) verfolgt werden und es sollten möglichst immer regionale Netze als Open-Access-Lösungen angestrebt werden. Nur so kann Dienstewettbewerb auch auf lokaler Ebene realisiert und die Gründung neuer mittelständischer Unternehmen angeregt werden.

Um tragfähige Konzepte zu schaffen und nicht bei jeder Kommune wieder aufs Neue ähnliche Analysen und Konzeptionen zu erstellen, bietet es sich geradezu an, Modellprojekte zu realisieren und so zu gestalten, dass sich die wichtigsten Ergebnisse auf vergleichbare Situationen in anderen Kommunen übertragen lassen. Die Breitband-Kompetenzzentren der Bundesländer verfolgen diesen Weg teilweise und mit unterschiedlichen Ressourcen. So wäre es eine naheliegende Möglichkeit, ein Breitband-Kompetenzzentrum des Bundes (BBCC-Bund) mit einer solchen Aufgabe zu betrauen. Die Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den Länder-BBCC sollte eine erhebliche Effizienzsteigerung ermöglichen.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit eines BBCC-Bund sollte daher die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Anbietern sein und die Kommunikation von Ergebnissen aus den Modellprojekten und dem hierbei erarbeiteten exemplarischen Vorgehen. Die gezielte Initiierung und Begleitung von Modellprojekten ist dabei ein wichtiger Schritt, da Modellprojekte nur selten alleine durch die Initiative lokaler Beteiligter entstehen. Zu den Gemeinsamkeiten, die über Modellprojekte entwickelt und multipliziert werden können, gehören insbesondere die Netz-Konzeption und der Aufbau von Betreibergesellschaften für regionale Zugangsnetze auf Kreisebene. Hierbei geht es nicht nur um die Lösung von technologischen Migrationsfragen, sondern auch um die Gestaltung von Geschäftsmodellen und Kooperationen. Die Einbindung von Kommunen und Kreisen in Betreibergesellschaften (z.B. durch Bildung von Private-Public-Partnerships - PPP) kann die nachhaltige Entwicklung im Sinne der Regionalentwicklung fördern und absichern.


Zu den Aufgaben eines Breitband-Kompetenzzentrums (BBCC) des Bundes sollte allerdings neben der Entwicklung und Umsetzung von Modellprojekten die Beratung von Kreisen und Kommunen durch eigene Experten (oder durch Experten der Landes-Kompetenzzentren) gehören, die den Aufbau von regionalen Netzen z.B. durch Projektmanagement-Leistungen oder auch auf Interimsbasis vor Ort vorantreiben können.
Zur Unterstützung von Kommunen beim Breitband-Ausbau ist eine kompetente und Anbieter-neutrale Unterstützung letztlich ebenso erforderlich wie die notwendige finanzielle Förderung der Umsetzung. Die Bewertung von Aufbaukonzepten und Phasenmodellen für die zeitliche Entwicklung aus einer Technologie- und Anbieter-neutralen Perspektive und unter Berücksichtigung der absehbaren technologischen Entwicklung kann Vertretern von Verwaltung und Politik bei der Entscheidungsvorbereitung und beim Ausräumen von Bedenken helfen.

Jürgen Kaack 28.10.2009, 10.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aufbau regionaler Breitband-Zugangsnetze fördern

Bei Problemen in der Breitband-Versorgung stehen die betroffenen Kommunen heute in der Regel alleine da, um eine Lösung zu finden. Eine Breitband-Unterversorgung findet sich oft begrenzt auf einzelne Ortsteile in einer  Kommune und selbst wenn benachbarte Kommunen betroffen sind, ist eine interkommunale Zusammenarbeit alles andere als selbstverständlich. Dabei ist es noch ein weiter Schritt von der Zusammenarbeit zweier benachbarter Kommunen bis zu einer Initiative auf Kreisebene. Dabei wäre aber gerade eine Voraussetzung für eine erfolgversprechende und nachhaltige Lösung des Breitband-Problems. Eine Einigung im Kreistag ist durch die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Kommunen und der notwendigen Einigung einer Finanzierung durch eine Kreisumlage auf der anderen Seite keine triviale Aufgabe!

Breitband-Zugangsnetze sollten für alle interessierten Netzbetreiber und Diensteanbieter zugänglich sein, wie es auch in der Breitbandstrategie richtigerweise als Open-Access Netz gefordert wird. Ein Open-Access Netz braucht aber eine Mindestgröße, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Einzelne, heute unterversorgte Ortschaften erfüllen diese Voraussetzungen in der Regel nicht. Wird der Betrachtungsansatz größer gewählt, z.B. auf Kreisebene, so ergeben sich durchaus tragfähige Geschäftsmodelle.

 

Die erforderlichen regionalen Betreibergesellschaften benötigen selber keine große Organisation und auch keine größeren Marketing-Budgets. Diese Organisationen haben vielmehr den Geschäftszweck, ein eigenes Glasfasernetz aufzubauen und zu betreiben, das von den nationalen Backbone-Netzen bis zu den einzelnen Kabelverzweigern in den Ortschaften reicht. Den Ausbau der Übertragungstechnik in den Kabelverzweigern übernehmen bei diesem Modell die Anschluss-Netzbetreiber. Nutzen mehrere Anschluss-Netzbetreiber das regionale Zugangsnetz, dann können durchaus auch unterschiedliche Übertragungstechniken zum Einsatz kommen. Die Vermarktung erfolgt an Teilnehmer-Anschluss-Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Vodafone/Arcor, Versatel oder regionale Netzbetreiber, die ihrerseits das Geschäft mit dem Verbraucher auf eigene Rechnung betreiben. Sofern Kommune oder Kreise Gesellschafter solcher regionaler Netzbetreiber sind (z.B. im Rahmen einer PPP), ist das unmittelbare Geschäft mit Verbrauchern auch rechtlich untersagt. Selbst wenn es diese Beschränkung nicht gäbe, wäre es unternehmerisch wohl nur in Ausnahmefällen sinnvoll, die Vertriebsleistung und Kundenbetreuung der bestehenden Betreiber nicht zu nutzen.

 

Regionale Betreiber-Gesellschaften ermöglichen einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern in den einzelnen Kommunen und Ortschaften und vermeiden den teuren Aufbau von parallelen Infrastrukturen bzw. wirken einem Fernbleiben von Wettbewerbern entgegen, wenn bereits ein anderer Betreiber in der Region tätig ist. Dabei vermeiden sie durch eine gesamthafte Planung für die Region die Entstehung von Insellösungen in einzelnen Ortschaften, die sich später nur schwer in ein Gesamtkonzept integrieren lassen. Zudem können die Betreiber-Gesellschaften ein Nukleus für den späteren Ausbau des Netzes in Richtung von Fiber-to-the-Home Anschlüssen sein. Solche Ansätze haben das Potenzial, auch über das mittelfristige Ziel von Anschlüssen mit 50 MBit/s hinaus zukunftssicher zu sein. Es bietet sich an, regionale Betreiber-Gesellschaften in Form von Private-Public-Partnerships (PPP) zwischen Kreisen und Kommunen auf der einen Seite und technischen Dienstleistern auf der anderen Seite zu organisieren, um eine effiziente Lösung zu erreichen.

 

Ein Hindernis auf dem Weg zur Umsetzung sind oft einerseits die Einigung im Kreistag und zum anderen die Finanzierung über eine Kreisumlage. Eine auf einzelne unterversorgte Ortschaften ausgerichtete Förderung ist bei der Umsetzung nur bedingt hilfreich. Sinnvoll wäre eine Finanzierung der Betreibergesellschaft aus Fördermitteln auf der Basis eines ausgearbeiteten Geschäftsplans. Durch die mit dem Netzaufbau verbundenen Tiefbauarbeiten entstehen meist hohe Vorlaufkosten und ein Payback stellt sich in der Regel erst nach fünf bis sieben Jahren ein. Für interessierte Kreise würde eine Förderung der Kosten zur Verlegung von Leerrohren und die Errichtung anderer passiver Netzkomponenten die Umsetzung erheblich erleichtern. Da gleichzeitig keine Förderung von Einzelmaßnahmen in den unterversorgten Ortschaften mehr erforderlich wird, dürfte es kaum zu einer Erhöhung des Fördervolumens kommen.

 

Erste Kreise sind in fortgeschrittenen Überlegungen für den Aufbau von regionalen Betreibern oder auch bereits in der Umsetzungsphase. Dies trifft z.B. auf den Hochsauerlandkreis zu, aber auch auf die Kreise Coesfeld und Borken. Allerdings handelt es bislang nur um wenige vereinzelte Kreise und zum anderen entwickelt sich die Umsetzung vermutlich aufgrund von Finanzierungsengpässen eher schwerfällig. Dabei stellt eine Investition in eine zukunftssichere Breitband-Infrastruktur eine wesentliche Investition in die Strukturentwicklung einer Region dar.

Jürgen Kaack 14.10.2009, 09.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fiber-to-the-Home muss langfristig geplant werden

Tiefbauarbeiten werden in den meisten Fällen unumgänglich, wenn die Glasfaser vom KVz (Kabelverzweiger) bis zum Hausanschluss verlängert werden soll (Fiber-to-the-Building oder Fiber-to-the-Home wenn der Glasfaser-Anschluss bis in die Wohnung verlängert wird). Selbst bei Verwendung von Mini-Pipes anstelle der sonst üblichen D50 Leerrohre und unter Einsatz kostensparender Verlegungstechniken (z.B. Spül-Saug-Technik) ist dieser Schritt für die Betreiber oder Kommunen teuer. Da mit den verfügbaren Übertragungs-Techniken durchaus Bandbreiten von 50 MBit/s am Hausanschluss erreicht werden, ist der Druck zur Nachrüstung mit Glasfasern in Deutschland noch nicht besonders hoch. In Ländern mit weniger guter Leitungs-Infrastruktur kann dagegen bereits heute ein Bedarf nach Glasfaseranschlüssen entstehen.

 

Trotzdem sollte jedes Neubaugebiet nur noch mit Glasfaser angeschlossen werden und bei jeder Baumaßnahme im innerstädtischen Bereich sollte ebenso automatisch ein Leerrohr mit der notwendigen Technik (z.B. Schächten für den leichten Zugang, Muffen zur Verbindung der Strecken) verlegt werden. So kann ohne größere Mehrkosten über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren eine passive Leitungs-Infrastruktur geschaffen werden, die sich mit niedrigerem Investitionsaufwand hochrüsten lässt. Bei einer Umstellung auf rein passive Glasfaser-Netze entfällt die Einrichtung von aktiven Netzelementen zwischen dem Hauptverteiler und dem Hausanschluss. Hier bietet sich z.B. die „Gigabit Passive Optical Network“ (GPON) Technologie an, mit der bis zu 2,5 Gbit/s nach dem IP-Protokoll übertragen werden können. Es sind dabei keine verteilten Netzkomponenten mit Schaltverteilern und Kabelverzweigern (KVz) mehr erforderlich, die jeweils mit Strom versorgt werden müssen und Quellen für Störung sind.

 

Jürgen Kaack 07.10.2009, 19.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ziel und Strategie für den Breitband-Ausbau passen nicht

Mit der Breitbandstrategie hat die Bundesregierung Anfang 2009 ehrgeizige Ziele für die zukünftige Breitbandversorgung definiert. Danach sollen bis 2014 mindestens 75 % der Haushalte mit mehr als 50 MBit/s versorgt werden können. Im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und die Attraktivität als Wohnort ist dies unbestritten richtig.

 

Gleichzeitig wird der Ausbau von weißen Flecken mit öffentlichen Mitteln gefördert. Da es immer noch ca. 230 Gemeinden gibt, die entweder überhaupt nicht mit Breitband versorgt oder nur einen unzureichenden Zugang mit weniger als 1 MBit/s ermöglichen, ist auch dies grundsätzlich richtig. Allerdings beginnt hier die Unstimmigkeit zwischen den längerfristigen Zielen und der Förderpraxis. Derzeit muss man ernsthafte Zweifel am Erfolg sowohl des kurzfristigen Ziels zur Schließung der weißen Flecken als insbesondere am Ziel für 2014.

 

Die Beschäftigung mit dem Problem der Breitbandversorgung bei Kommunen und Politik wird notwendig, weil es versäumt wurde, den Breitband-Anschluss als Universaldienst in der Grundversorgung zu verankern. Da dieser Fehler aber wohl nicht wieder korrigiert wird, müssen komplizierte Instrumente für die betroffenen Regionen geschaffen werden. Eine der Ursachen für den schleppenden Ausbau liegt in der teilweise zögerlichen Vorgehensweise der Netzbetreiber, die auf Zuwendungen über Fördermittel warten bzw. bei fehlenden Ressourcen für den Ausbau. Ein anderer Fehler liegt insbesondere in der Ausgestaltung der öffentlichen Förderung. Die Mittel aus dem Konjunkturpaket II fließen im überwiegendem Maße in Projekte mit Beton und Asphalt und die Mittel aus dem GAK-Programm (Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) werden erst in größerem Umfang abgerufen, seit die Förderquote in den meisten Bundesländern von 60 % des Nettobetrages (für Kommunen  bedeutet dies eine reale Förderquote von 50 %) auf 90 % angehoben wurde.

Die Förderung ist derzeit auf Kommunen in der ländlichen Kulisse begrenzt. Ortschaften, die nicht zu dieser Gruppe gehören und trotzdem schlecht versorgt sind, haben unter Fördergesichtspunkten Pech gehabt! Die Voraussetzung für eine Genehmigung einer Förderung ist eine Technologie-neutrale öffentliche Ausschreibung, die im besten Fall eine "schmalbandige" Versorgung mit 2 MBit/s im Up- und Download fordern darf. Es gibt durchaus Fälle, in denen hierauf Angebote eingehen, die zwar nur eine geringe oder gar keine Zuzahlungen („Wirtschaftlichkeitslücke“) benötigen, aber auch keine zukünftige Erweiterung  hin zu höheren Bandbreiten ermöglichen. Wenn die anderen Anforderungen der Ausschreibung erfüllt sind, hat die Kommune keine andere Wahl, als diesen Anbieter au zu wählen. Wie die Bandbreiten-Ziele für 2014 auf diesem Wege erreicht werden können, bleibt schleierhaft. Vielleicht gibt es dann in Zukunft das nächste Förderprogramm?

 

Da nur nicht oder unterversorgte Ortschaften beim Ausbau mit öffentlichen Mittel gefördert werden, kommt es auch innerhalb einer Kommune zu heterogenen Netzstrukturen. Will die Kommune neben unterversorgten auch solche Ortsteile ausbauen, die nicht förderfähig sind, kann es sich ergeben, dass zwei Anbieter mit unterschiedlichen Technologien zum Zuge kommen. Die Zufriedenheit der Bürger und Unternehmen wird sicher nicht steigert, wenn in einigen Ortsteilen 16 MBit/s oder mehr verfügbar sind, während andere mit 2 MBit/s zufrieden sein müssen. Solche Situationen treten in wesentlich höherem Maße auf als die Fälle der rein „weißen“ Flecken ohne Breitbandversorgung. Bürgerinitiativen sind die bekannten Folgen solcher Schieflagen in der Versorgung.

Die Förderprogramme propagieren zu Recht den Aufbau von Netzstrukturen, die für Drittanbieter von Diensten und Inhalten offen sind und vom jeweiligen Betreiber angemietet werden können (Open-Access-Plattform). Diese Forderung ist berechtigt, da so auch kleinere Anbieter mit Spezial-Lösungen vorhandene Infrastrukturen nutzen können, ohne selber in die Verlegung von Netz-Infrastrukturen investieren zu müssen. Ein paralleler Aufbau von Infrastruktur kann gerade bei kleineren Kundenpotenzialen fast nie auf eine wirtschaftlich tragfähige Basis gebracht werden.

 

Die Schaffung von Open-Access-Plattformen liegt nun allerdings nicht unbedingt im Interesse der etablierten nationalen Netzbetreiber. Ein Beispiel für die Abschottungstendenz ist der Zugang zum VDSL-Netz der Deutschen Telekom, der erst zögerlich in diesem Jahr ermöglicht wird. Für spezialisierte Anbieter ist auf der anderen Seite der Aufbau von Open-Access-Plattformen für einzelne Ortschaften nur in Ausnahmefällen wirtschaftlich. Auf jeden Fall ist die Fläche einer gesamten Kommune erforderlich, in den meisten Fällen lassen sich Open-Access-Netze aber nur in größeren Flächen wie z.B. auf Kreisebene wirtschaftlich rentabel darstellen. Die derzeitigen Förderansätze tragen diesem Sachverhalt allerdings nur bedingt Rechnung.



 

Jürgen Kaack 04.10.2009, 10.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL