Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: FTTB

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 7

7.  Schaffung von Rahmenbedingungen


Im Telekommunikationsmarkt gibt es aufgrund der asymmetrischen Regulierung einen im Großen und Ganzen funktionierenden Wettbewerb. Alle Regelungen basieren auf den bekannten Technologien. Im Mobilfunk funktioniert der Wettbewerb seit Einführung der GSM-Netze Anfang der 90er Jahre und hier sind nur Eingriffe zur Wahrung der Kundeninteressen erforderlich, wie z.B. beim Wegfall des grenzüberschreitenden Roamings. Leitungsgebundene Anschlussnetze werden von den etablierten Betreibern aufgrund der hohen Tiefbaukosten derzeit außer bei der Aufrüstung von bestehenden Anschlussnetzen (VDSL, Vectoring, Rückkanalfähigkeit von Kabel-TV Netzen) sowie in Neubaugebieten kaum verlegt. Daher ist die Regulierung des Wettbewerbs für die Nutzung der bestehenden Anschlussnetze in hohem Maße erforderlich.

 

Während der Wettbewerb bei NGA-Diensten gut funktioniert, versagt er in der Schaffung von Anreizen bei Glasfaser-Anschlussnetzen. Dabei wächst das übertragene Datenvolumen mit Raten von ca. 20% p.a. Bedarf stetig über die Jahre hinweg an und macht den Umstieg auf Glasfaser-Hausanschlüsse in der Breite vermutlich in weniger als 10 Jahren erforderlich. Aufgrund der hohen Investitionskosten für die Errichtung ist eine rein privatwirtschaftliche Umsetzung schwierig. Die für die Mehrzahl der derzeitigen Anforderungen in der Regel ausreichende Leistung der Brücken-Technologien resultieren in einer geringen Wechselbereitschaft bei den potentiellen Kunden ein erhebliches Handicap und Geschäftsrisiko für Betreiber neue Hochleistungsnetze. Trotzdem muss jetzt mit dem Bau der neuen Anschlussnetze begonnen werden, wenn Synergien zur Senkung der Kosten genutzt werden sollen und in 10 bis 15 Jahren bei weiter steigendem Bedarf neue Anschlüsse bis in den Gbit/s-Bereich zur Verfügung stehen.

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Jürgen Kaack 08.08.2017, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 6

6.   Neue Ansätze für nachhaltige Förderung

 

Zwar soll der Fokus richtigerweise auf der Auswahl des wirtschaftlichsten Angebotes liegen. Da aber die Minimalanforderungen für die Grundversorgung niedrig sind, erhält die Deckungslücke eine dominante Bedeutung. Nachhaltige Lösungen können bei der Errichtung höhere Investitionen bedingen, z.B. wenn Tiefbauarbeiten zur Verlegung von Glasfasertrassen erforderlich sind. Grenzwerte der Förderfähigkeit („Aufgreifschwellen“) bedingen Unzufriedenheit und erzeugen das Gefühl der Ungerechtigkeit in Nachbar-Ortsteilen, deren Versorgung leicht oberhalb der Aufgreifschwelle liegt. Mit Grenzwerten für die Versorgung bleibt die Förderung eine eher punktuell als flächig wirkende Maßnahme und löst nicht die Anforderungen an einen nachhaltigen und zukunftssicheren Ausbau. Sinnvoller wäre eine Zieldefinition in Richtung eines längerfristig flächendeckenden Ausbaus mit Glasfaser-Hausanschlüssen.

 

Die Ausgestaltung neuer Förderprogramme für den Bau von Glasfaser-Anschlussnetze ist ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Verankerung des Infrastrukturausbaus in der Fläche. Das im Oktober 2015 vorgestellte Bundesförderprogramm ermöglicht zwar ausdrücklich den Bau von FttB-Anschlussnetzen, allerdings nur für die 2015 ca. 25% der Anschlüsse mit < 30 Mbit/s. Der zukünftige Einsatz von Fördermitteln sollte selbstverständlich nur noch für den Ausbau von Glasfaser-Anschlussnetzen eingesetzt werden. Die Durchführung der Projekte für die Stellung eines Förderantrags ist aufwändig und überfordert oft die Verwaltungen, die bislang keine Zuständigkeit für Breitbandinfrastrukturen haben und daher auch kein Personal. So werden oft zusätzlich externe Berater benötigt, deren Kosten teilweise über einen Förderantrag gefördert werden können (z.B. Beratungsförderung beim Bundesförderprogramm).

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Jürgen Kaack 07.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 5

5.   Vorgehen zur Schaffung einer Glasfaser-Infrastruktur

 

Die Beschäftigung mit dem Infrastrukturausbau für den Internetzugang ist für Kreise und Kommunen mit der Sicherstellung der Grundversorgung nicht abgeschlossen. Erst mit einem flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetz ist der nachhaltige Netzaufbau abgeschlossen. Aspekte und Handlungsoptionen für Kreise und Kommunen im Hinblick auf den NGA-Ausbau:

 

  • Bestellung eines Breitbandbeauftragten  
  • Festlegung von Zielen für den Breitbandausbau
  • Analyse vorhandener Infrastrukturen und der konkreten Versorgungssituation; Aufbau einer Datenbank mit georeferenzierten Informationen;      
  • Entwicklung eines Geschäftsmodells mit Kooperationsansätzen und einem Konzept für den Aufbau des Glasfaser-Anschlussnetzes;
  • Entscheidung über eine Betreiberinstitution für die entstehende passive Infrastruktur (z.B. Stadtwerk, Zweckverband);      
  • Schaffung der Voraussetzungen für einen mittelfristig erfolgenden nachhaltigen Ausbau mit Glasfaser-Anschlussn
  •  
    • Beauftragung eines Masterplans (Netzplans) bei einem qualifizierten Ingenieurbüro    
    • Prüfung der Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Infrastrukturbetreibern  
    • Prüfung von Synergien (insbesondere bei Sanierungsvorhaben, aber auch bei Vorhaben zum Aufbau von Netzen für Smart-Metering, Smart-Grids und Elektroladestationen für e-Mobilität) für den mittelfristigen Aufbau eines Leerrohrnetzes bis zum Hausanschluss
    • Prozesses zur regelmäßigen Absprache und Koordination mit anderen Infrastrukturbetreibern
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Jürgen Kaack 04.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 4

4.   Geschäftsmodelle für den Breitbandausbau
 

Im Folgenden werden typische Optionen beschrieben. Die Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da in den letzten Jahren sehr viele Breitbandausbau-Vorhaben umgesetzt wurden. In der Darstellung werden zudem keine kommunalen Gründungen von Betreiber-Gesellschaften betrachtet, die entweder bereits in den neunziger Jahren erfolgten oder sich schwerpunktmäßig auf Märkte in Großstädten fokussieren. Insbesondere sind die Markt- und Wettbewerbsbedingungen der neunziger Jahre kaum mit der heutigen Situation zu vergleichen. Ebenfalls ohne Berücksichtigung bleiben Aktivitäten im Bereich von (technischen) Dienstleistungen für Netzbetreiber, hierzu gehören auch Rechenzentrums-Leistungen für Kommunen und Unternehmen.

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Jürgen Kaack 03.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 3

3.   Ansätze zur Kostenreduktion

 

Im Hinblick auf die hohen Investitionskosten für die Verlegung von Leerrohrinfrastrukturen zu allen Hausanschlüssen sollten alle Möglichkeiten zur Senkung der Kosten oder zur schnellen Amortisation genutzt werden. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Kosten durch öffentliche Subventionen erbracht werden und dies auch nicht wünschenswert erscheint, sollten die möglichen Optionen genutzt werden.

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Jürgen Kaack 02.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 2

2.   Kosten für FttB-Ausbau

Der Aufbau eines flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetzes ist aufwändig und erfordert in nahezu jeder Straße Tiefbauarbeiten, um die benötigte Leerrohrinfrastruktur bis an den Hausanschluss zu bringen. Nur in Neubaugebieten ist der zusätzliche Aufwand gering, da dies einschließlich der Hausanschlüsse zusammen mit den Versorgungs-Anschlüssen für Strom, Gas und Wasser erfolgen kann. Vor der Verlegung von Leerrohren für ein passives Anschlussnetz ist ein technischer „Masterplan“ zu erstellen, der in Form eines Netzplans für das Ausbaugebiet die Positionen für die Anbindung an ein überregionales Backbone-Netz enthält, die Glasfaser-Knotenstationen („Glasfaser-PoP“) und Unterverteiler, Trassenverläufe auf Straßenzugsebene und Konfektionierung von Micro-Leerrohrbündeln sowie Informationen über Verzweigungen und Muffen. Beim Bau der Leerrohrtrassen ist eine präzise Dokumentation in einem GIS-System erforderlich, um den späteren Infrastrukturbetrieb sicherzustellen (Leerrohr-Kataster). Die Kosten für eine qualifizierte Netzplanung sind erheblich und können auch für eine Mittelstadt leicht über € 200.000 hinausgehen. Für eine solche Planung ist zudem ausreichend Zeit zu berücksichtigen, ein Jahr kann für eine flächendeckende Planung schnell anfallen.

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Jürgen Kaack 01.08.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Erfolgreicher vierter Aufruf zum Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau

Der vierte Förderaufruf zum Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau war offensichtlich sehr erfolgreich mit bundesweit 209 vorläufigen Förderbescheiden. Der Bund gewährt damit weitere € 865 Mio. für den Breitbandausbau. Zumindest in NRW wird die Mehrzahl der Projekte mit FTTB-Technik ausgebaut. Eine Förderung des Breitbandausbaus sollte eigentlich bis auf begründete Ausnahmefälle nur noch in nachhaltigen Technologien erfolgen. Die Liste der vorläufig bewilligten Förderanträge ist recht eindrucksvoll. Auch aus NRW haben 27 Anträge eine Bewilligung erhalten. Mit einer Fördersumme von € 165 Mio. liegt NRW in der vierten Förderrunde bemerkenswerterweise an zweiter Stelle hinter Brandenburg. Da die Bundesförderung nur 50% der Deckungslücke ausmacht, können für ca. € 330 Mio. Vergabeverfahren gestartet werden. Die Investitionssumme für den Breitbandausbau liegt noch Mal um einiges höher, da die kumulierten Einnahmen in der Deckungslücke berücksichtigt sind.



Betrachtet man alle vier bisher gelaufenen Förderrunden, so wurden vom Bund über € 3,1 Mrd. bewilligt (zur Deckung von 50% der Deckungslücke). NRW wurden kumuliert € 397 Mrd. zugeteilt und damit liegt NRW im Ranking der Bundesländer auf Platz 3 hinter Mecklenburg und Sachsen. Ein weiterer Förderaufruf läuft noch bis zum 29.09.2017. Ein Artikel des BMVI zur Bescheid-Vergabe findet sich hier und in diesem Artikel findet sich ein Link zu einer Gesamt-Liste der im vierten Förderaufruf bewilligten Anträge.

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Jürgen Kaack 01.08.2017, 09.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Olpe erhält nach 1,5 Jahren endgültigen Förderbescheid für Breitbandausbau

Ein weiterer Beweis, dass das Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau funktioniert! Wenn man bedenkt, dass der Kreis Olpe den Förderantrag schon zum ersten Förderaufruf am 29.01.2016 gestellt hat und 1,5 Jahre später der endgültige Bescheid vorliegt, bestätigt sich allerdings der von mir schon Ende 2015 monierte erhebliche bürokratische Aufwand für die Durchführung eines Förderprojektes. Der vorläufige Förderbescheid lag immerhin schon im April 2016 vor. Mit dem endgültigen Bescheid kann jetzt mit der Bauphase vbegonnen werden, die vermutlich auch noch mal mindestens 12 Monate dauern wird. Der Antragstellung ist eine knapp halbjährige Projektphase vorausgegangen. Bis zur Verfügbarkeit von schnellen Internetzugängen in den vorher "weißen" Flecken mit weniger als 30 Mbit/s sind dann über 3 Jahre vergangen, eine eindeutig zu lange Zeitdauer!


Der Erfolg von Olpe freut mich auch persönlich besonders, da dies für mich das letzte Projekt in der Beratung zum Bundesförderprogramm in NRW war, bevor die Tätigkeit für Breitband.NRW Mitte Februar 2016 begann. Ein Artikel zum endgültigen Förderbescheid findet sich unter diesem Link.
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Jürgen Kaack 01.08.2017, 09.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung - Teil 1

1.   Ausgangslage bei der Breitbandversorgung

Das Internet ist aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken, weder im beruflichen noch im privaten Umfeld. Emails verdrängen Briefe und Faxe, Streaming-Dienste ersetzen physikalische Datenträger und in der vernetzten Industrie bestellen Maschinen automatisch benötigtes Material. Es gibt kaum noch einen Bereich, der unberührt bleibt. Gleichzeitig steigt die Intensität der Nutzung die Menge der übertragenen Daten, derzeit um über 20% im Jahr. Wenn immer mehr Daten übertragen werden, muss die Übertragungsgeschwindigkeit entsprechend mit steigen, um lange Wartezeiten zu verhindern. Waren vor fünfzehn Jahren noch 364 Kbit/s und vor zehn Jahren 2 Mbit/s ausreichend, sind im Jahr 2017 50 Mbit/s kaum zufriedenstellend. Die Zeiten von Gbit/s-Geschwindigkeiten sind längst absehbar und das aufgrund des veränderten Nutzungsverhaltens mit symmetrischen Geschwindigkeiten  für Down- und Upstream.

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Jürgen Kaack 31.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Konzeptpapier für Glasfaser-Migration und Digitalisierung

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt gut voran, das Bundesförderprogramm für den NGA-Ausbau hat einen guten Schub ergeben. Bis 2019 werden mit Zuwendungen in Höhe von ca. € 8 Mrd. Infrastrukturen ausgebaut, die mindestens 50 Mbit/s ermöglichen, in vielen Fällen werden dabei direkt FTTB-Anschüsse mit Glasfaser bis zum Hausanschluss verlegt. So weit ist eigentlich alles gut, wenn es nicht die Notwendigkeit gäbe innerhalb der nächsten 10 Jahre flächendeckende Glasfaseranschlüsse zu schaffen.

 
Das laufende Bundesförderprogramm ermöglicht Zuwendungen nur für Anschlüsse, die heute weniger als 30 Mbit/s haben. Bei Start des Programms im Dezember 2015 betraf dies ca. 25% aller Anschlüsse in Deutschland. Glasfaseranschlüsse sind in Deutschland bislang eher die Ausnahme. Nur etwa 5% der Anschlüsse sind in Glasfaser ausgeführt (die tatsächliche Nutzungsquote liegt sogar nur bei etwas der Hälfte). Mithilfe der Mittel aus dem Bundesförderprogramm könnten weitere 15% der Anschüsse mit Glasfaser-Hausanschüssen ausgebaut werden, so dass bei fertiger Umsetzung des Bundesförderprogramm Ende 2019 noch ca. 80% der Hausanschüsse immer noch in Kupfer ausgeführt sind.

Nicht nur im Hinblick auf die Glasfaser-Infrastruktur besteht in Deutschland Nachholbedarf, auch bei der Entwicklung und Nutzung von digitalen Anwendungen sind andere Länder mittlerweile weiter als Deutschland. Dabei bietet die Digitalisierung gute Chancen zur Gründung von neuen Unternehmen und neuen Wachstumssegmenten.

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Jürgen Kaack 30.07.2017, 13.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL