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Tag: Fördermittel

Buch zum Breitbandausbau erschienen



In vielen Fällen erfolgt der Breitbandausbau in Deutschland privatwirtschaftlich durch die im Wettbewerb stehenden Netzbetreiber. Seit der Poststrukturreform II ist der deutsche Staat nicht mehr in der Schaffung von Telekommunikationsinfrastrukturen aktiv. Für die Netzbetreiber ist in der Regel die Aussicht auf betriebswirtschaftliche Erträge oder die Verbesserung der Marktposition der Treiber für den Ausbau. Diese Überlegungen führen nicht immer zum Erfolg, z. B. in ländlichen Regionen oder bei langen Anlaufstrecken. In diesen Fällen muss die Gebietskörperschaft eigene Aktivitäten entfalten. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von staatlichen Fördermitteln, sofern die Fördervoraussetzungen erfüllt sind.


Aber es gibt eine Reihe von weiteren Möglichkeiten und Geschäftsmodellen, die völlig ohne finanzielle Zuwendungen auskommen. Nicht jedes Modell passt bei jeder Situation. Mein Buch beschreibt eine Clusterung der grundsätzlich vorhandenen Modelle in sieben Kategorien und erläutert die Vor- und Nachteile. Ergänzt wird dies durch Beispiele aus der Praxis. Viele Beispiele gehen auf Beratungsprojekte zurück, die STZ-Consulting in den letzten Jahren im Auftrag von Kreisen, Kommunen oder Versorgungsunternehmen durchgeführt hat.

„Schnelles Internet in Deutschland“ kann als Buch oder eBook bei just-4-business, BoD oder amazon bestellt werden.


Beschreibung des Herausgebers: "Stellen Sie sich vor, die globale Digitalisierung ist in vollem Gang, aber Ihr Unternehmen in der Provinz „muss draußen bleiben“, weil die Internet-Anbindung der empfohlenen Richtgeschwindigkeit um Lichtjahre hinterherhinkt. Bevor Sie einen Umzug in die Großstadt ernsthaft in Erwägung ziehen, lesen Sie, was der Unternehmer Jürgen Kaack in jahrelanger Kleinarbeit herausgefunden hat.

In diesem Buch geht es darum, wie Unternehmen und Kommunen zu einem zukunftstauglichen Glasfasernetz kommen. Jürgen Kaack zeigt die Möglichkeiten und Geschäftsmodelle für den Breitbandausbau im ländlichen Raum. Er stützt sich dabei auf die praktischen Erfahrungen, die er als Breitbandberater über Jahre hinweg gesammelt hat. Obwohl sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, haben sich die Vorgehensweisen und Lösungen bewährt. Die zahlreichen konkreten Fallbeispiele können als Vorbilder und Ideengeber dienen.

Jürgen Kaack ist ein pragmatischer Unternehmer, Berater und Doktor der Naturwissenschaften. Als einer der wichtigsten Autoren der ersten Stunde hat er 2006 bei der Gründung der Website Mittelstandswiki geholfen und zahlreiche Beiträge und E-Paper zu den Themen Realwirtschaft, Internet und Kommunikation veröffentlicht. Der (schleppende) Breitbandausbau in Deutschland hat es ihm besonders angetan, weshalb er dieses Thema seit Jahren mit konkreten Fallbeispielen im MittelstandsWiki beschreibt. Dieses Buch ist eine Sammlung seiner wichtigsten Erfahrungen in NRW, die auf andere Bundesländer übertragbar sind."

Jürgen Kaack 26.11.2016, 15.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vorgehen beim Breitbandausbau

Jürgen Kaack 25.12.2014, 12.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Großflächiger Breitbandausbau in Erkelenz ohne Zuwendungen

Erkelenz war bis vor Kurzem mit Breitband bis auf die Kernstadt eher schlecht versorgt. 16 Ortsteile waren sogar mit mehrheitlich weniger als 2 Mbit/s unterversorgt. Für Erkelenz hat sich die Durchführung eines größeren Breitbandprojektes Ende 2012 gelohnt. Die Deutsche Glasfaser baut einige der bislang unterversorgten, aber auch einige schwach versorgte Ortslagen mit Glasfaser-Hausanschlüssen aus und die Deutsche Telekom versorgt ergänzend mit dem Vorwahlbereich 02431 große Teile im Stadtgebiet einschließlich Kernstadt und  Gewerbegebieten mit Vectoring.

Ein Einsatz von Fördermitteln und Eigenleistungen der Stadt (außer im Rahmen der Projektdurchführung) ist nicht erforderlich. Nach Abschluss des Projektes im Herbst 2013 waren mit Katzem und Kleinbouslar noch zwei Ortsteile als förderfähig übriggeblieben, vielleicht ergeben sich aber auch für diese noch Lösungen ohne Zuwendungen.

In einem Bericht der "RP" wird über den aktuellen Ausbaustand berichtet. Erkelenz ist ein gutes Beispiel dafür, dass Eigeninitiative einer Kommune zu einem verbesserten Breitbandausbau führen kann. Manchmal gelingt es sogar ohne Fördermittel und ohne eigene Zuwendungen. Hierfür gibt es aber natürlich keine Garantie. Wettbewerb zwischen mehreren Netzbetreibern wirkt zusätzlich stimulierend!

In einem ausführlichen Bericht habe ich über die fast zeitgleich durchgeführten Breitbandprojekte in Wegberg und Erkelenz berichtet. Wegberg gehörte zu den ersten Kommunen mit ausgeprägt verteilter Besiedlung im ländlichen Raum, die einen (fast) flächendeckenden Vectoring-Ausbau erhalten haben.

Jürgen Kaack 12.12.2014, 15.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine neue Ära bei Breitbandvorhaben?

Seit Jahren folgen Projekte zum Breitbandausbau in ländlichen Räumen einem mehr oder weniger festen Schema. Beihilferecht und Förderleitfaden legen die Prozessschritte für die Durchführung mehr oder weniger fest. Verkürzt dargestellt ist danach zunächst eine Befragung bei Haushalten und Betrieben in den unterversorgten Gebieten zur Ermittlung des vorhandenen Bedarfs erforderlich, deren Ergebnis nur als Anlage zum Förderantrag erforderlich ist, ansonsten aber unnötig. Dann folgt die Markterkundung, um Anbieter zu suchen, die bereits eine Planung vorliegen haben und in  den nächsten 36 Monaten einen Ausbau ohne Zuwendungen beabsichtigen. Wenn sich kein Anbieter mit einem qualifizierten Konzept meldet, kann die Kommune Marktversagen feststellen und darf den Ausbau in den unterversorgten Gebieten ausschreiben.

In bisher sechs Jahren der Beschäftigung mit Projekten zum Breitbandausbau, habe ich bislang nicht erlebt, dass sich während der Markterkundung ein Betreiber mit einem qualifizierten und nachhaltigen Ausbaukonzept meldet. Die Markterkundung war mehr oder weniger ein proforma notwendiger Schritt zur Ausschreibung. Jetzt hatte ich in einem Projekt meiner STZ-Consulting zum ersten Mal einen Fall, der zunächst "wie immer" verlaufen ist mit einer Rückmeldung, dass ein Ausbau nur gegen Zahlung einer zuwendung möglich ist. Kurz vor Ablauf der Frist kam ein erneutes Angebot mit der Zusicherung eines hochwertigen Ausbaus nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Ansatz ohne Zuwendung. Damit ist das Breitbandprojekt erfolgreich beendet, ein Auswahlverfahren und ein Förderantrag entfallen und der kommunale Haushalt wird entlastet.

Es ist eine gute zu begrüßende Entwicklung, dass der bisherige Trend mit regelmäßig steigenden Deckungslücken vielleicht zu Ende geht. Insbesondere in den letzten Jahren konnte man gerade bei länger laufenden Projekten immer wieder beobachten, dass bei eine und demselben vorhaben die Deckungslücken mit faszinierender Geschwindigkeit gestiegen sind. Bei Projekten, die durch fehlenden Feststellung des kommunalen Haushalts oder fehlende Fördermittel über die Bindefrist hinausgingen, lassen sich rechnerisch Steigerungsraten von 20% pro Monat (!) ermitteln.

Auch bei Deckungslücken in Auswahlverfahren kommt es nun zu teilweise erheblichen Änderungen nach unten, die nicht nur den städtischen Haushalt erheblich entlasten, sondern auch den Ausbau in Gebieten ermöglichen, in denen ein größerflächiger Ausbau vorher nicht möglich gewesen wäre. Ein Beispiel hierzu ist der Ausbau in der Stadt Wegberg, der sogar deutlich über die  Beseitigung unterversorgter Regionen hinausgeht. Während bislang aufgrund der engen Möglichkeiten im Rahmen des Beihilferechts und der Förderprogramme Flickenteppiche in der Vorsorgung die Folge waren, die gelegentlich die digitale Spaltung zwischen gut und schwach versorgten Gebieten sogar verstärkt haben. Da Kommune nur für unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s eine Deckungslücke zur Verbesserung der Versorgung gewähren können, erreichen diese unter Umständen nach einem Ausbau 50 MBit/s und die nicht unterversorgten Nachbarorte mit vielleicht 3 MBit/s blieben auf dem alten Stand.

Ob es sich schon um einen Paradigmen-Wechsel im Breitbandausbau handelt, bleibt abzuwarten. Ebenso kann die Einführung von Vectoring mit den hiermit verbundenen Restriktionen durch eine größerflächige Versorgung bei gleichzeitig erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten mitwirken. Ein anderer Effekt kann in den Ende 2013 auslaufenden Förderprojekten liegen, die ja bekanntermaßen eher zu Kostenerhöhungen als zu tatsächlichen Einsparungen führen.

Für die ländlichen Kommunen wäre es von großem Vorteil, wenn sich die beobachteten Effekte als Trendwende erweisen würden. Die fast überall klammen kommunalen Haushalte könnte entlastet und die letztlich aus Steuergeldern finanzierten Förderprogramme zurückgenommen werden. Letztlich aber würde es erstmals zu einer in der Fläche homogeneren Versorgung und einem Abbau der digitalen Spaltung führen.

Auf jeden Fall sollten sich die Kommunen jetzt erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Denn nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Infrastruktur ohne Anstoss und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt. Ich habe dieses Geschäftsmodell für den Breitbandausbau als "Motivation der Netzbetreiber" bezeichnet.

Jürgen Kaack 14.06.2013, 09.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fördermittel für Breitbandausbau - eine sinnvolle Investition?

Nach einigen Jahren der Beschäftigung mit Förderprojekten habe ich eine durchaus kritische Haltung gegenüber der Nutzung von Fördermitteln, die häufig mit hohem Aufwand nicht zu dem eigentlich gewünschten Ergebnis führen.

Eine ausführlichere Argumentation findet sich in meinem Artikel bei Breitband.NRW.

Jürgen Kaack 28.11.2012, 20.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Öffentliche Breitband-Netze statt verlorener Zuschüsse an Netzbetreiber!

Nach den Erfahrungen mit dem Einsatz von (GAK oder GRW) Fördermitteln für die Sicherstellung der Grundversorgung ist es vermutlich von Vorteil, wenn der NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB oder FttH) ohne finanzielle Zuwendungen erfolgt. Zwar sind immer noch die in der Bundesrahmenregelung Leerrohre aus beihilferechtlichen Gründen festgelegten Schritte einzuhalten, aber Kommunen und Kreise haben mehr Freiheiten bei der Festlegung der Lösungen und der Ausbaugeschwindigkeit.

Mit einem für die Kommune erstellten Rahmenkonzept und einem Masterplan für die Leerrohr-Verlegung kann die Breitbandversorgung systematisch und flächendeckend erfolgen. Im Vergleich dazu sind mit Fördermitteln eher punktuelle Verbesserungen zu erzielen. Der Ausbau von NGA-Netzen erfordert oft Kooperationen zwischen verschiedenen Parteien (Kreise, Kommunen, Stadtwerke oder Energieversorger, Betreiber aktiver Netzkomponenten und Dienstebetreiber). Solche Kooperationen müssen für ein optimales Ergebnis auf die vorhandenen Rahmenbedingungen zugeschnitten sein. Ein spezielles Problem ist dabei die Aufteilung der Umsätze unter den beteiligten Parteien. Eine „Unterordnung“ unter ein starres Förderprogramm bringt hierbei meistens Nachteile – und vermutlich höhere Gesamtkosten!

Wenn private Anbieter keine NGA-Infrastrukturen schaffen, sind öffentliche Investitionen in den Ausbau der NGA-Infrastrukturen eine bessere Alternative im Vergleich zu verlorenen Zuschüssen. Eine Landes-Institution sollte die Erstellung von Masterplänen für die fehlenden passiven Netze übernehmen, die Infrastrukturen verlegen und an Netzbetreiber vermieten. Wenn ein offener Netzzugang sichergestellt wird, können Dienstebetreiber gegen Entgelt im Wettbewerb die Infrastruktur nutzen. Private Betreiber bzw. ihre Gesellschafter fordern kurze Amortisationszeiten, öffentliche Investitionen dürfen sich auch über einen wesentlich längeren Zeitraum amortisieren. Mit dem beschriebenen Vorgehen kann der digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen wirkungsvoll entgegen gewirkt werden. Nachteile für den ländlichen Raum durch Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung lassen sich verhindern.


Jürgen Kaack 18.11.2012, 16.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

LTE-Versorgung ist nicht immer förderschädlich für einen Breitband-Ausbau!

Ein Breitbandausbau mit Fördermitteln setzt voraus, dass das auszubauende Gebiet derzeit mehrheitlich nicht mit Bandbreiten über 2 MBit/s versorgt ist. In den letzten Monaten hat der Ausbau der LTE-Zellen in ländlichen Regionen erhablich an Dynamik gewonnen. Obwohl sich LTE-Betreiber bislang wohl noch nicht bei Markterkundungsverfahren oder Ausschreibungen beteiligt haben, werden in vielen Fällen gleichzeitig Zellen ausgebaut. Im Breitbandatlas erscheint das betreffende Gebiet oft schon vor der eigentlichen Inbetriebnahme als versorgt.

Trotzdem bedeutet dies nicht automatisch, dass diese Gebiete nicht mehr mit Fördermitteln aus dem GAK-Programm ausgebaut werden können. Nur wenn der LTE-Betreiber die Kriterien für Grundversorgung erfüllt, ist eine Förderung ausgeschlossen:

 

· flächendeckende Versorgung (> 95 % der Anschlüsse);

· eine Download-Rate von mindestens 2 Mbit/s;

· mit einer Verfügbarkeitsgarantie von > 95 % / Tag und

· einer Ausfallsicherheit von < 0,5 % / Jahr 

 

Zur Klärung sollten die Projektzuständigen der Kommunen schriftlich bei den jeweiligen LTE-Anbietern anfragen und um eine verbindliche Garantie zur Einhaltung obiger Werte bitten. Wenn nach einer gesetzten Frist von mindestens zwei Wochen eine negative oder auch keine Antwort eingeht, kann von der Nichterfüllung der Grundversorgung ausgegangen werden. Dann bestehen grundsätzlich gute Chancen, dass ein Förderantrag für einen leitungsgebundenen Ausbau trotz vorhandener LTE-Abdeckung genehmigungsfähig ist.

Eine LTE-Versorgung in einer Region zusätzlich zu einer leitungsgebundenen Breitband-Versorgung ist dabei auf jeden Fall positiv zu bewerten. Mobilfunkanschlüsse auf der Basis von LTE unterstützen portable und mobile Anwendungen. Für einzelne Zielgruppen wie z.B. jüngere Single-Haushalte ist ein LTE-Anschluss durchaus als Alternative zu einem leitungsgebundenen Breitband-Anschluss zu sehen.

Jürgen Kaack 17.07.2012, 20.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

LTE-Versorgung gefährdet Breitband-Förderung

Jetzt ist es wohl doch so weit: eine Versorgung mit dem Mobilfunkdienst LTE gefährdet die Förderfähigkeit eines Breitbandausbaus in unterversorgten Gebieten! Immerhin bietet LTE Bandbreiten mit garantierten mindestens 2 MBit/s und somit mehr als das von dem Förderleitfaden geforderte Minimum.

Allerdings handelt es sich nach wie vor um einen Mobilfunkdienst und ein "shared medium". Entsprechend der Funkausbreitung ist die exakte Angabe eines Versorgungsgrades nicht einfach. Bislang haben sich die LTE-Betreiber auch nach meinem Wissen nicht an Ausschreibungen beteiligt.

Um trotzdem noch an Fördermittel zu kommen, muss eine Kommune nachweisen, dass und wo genau innerhalb der LTE-Zelle noch eine Unterversorgung vorhanden ist. Diesen Nachweis muss die Kommune allerdings vor Einschaltung eines Beraters führen, da die Planungsarbeiten erst dann gefördert werden, wenn die Unterverorgung nachgewiesen ist. Aber wie führt man den Nachweis der Unterversorgung bei einer Funkversorgung: z.B. durch Anmietung eines Funkmesswagens oder durch Auswertung von Dämpfungskarten der Netzbetreiber ...

Es könnte der Verdacht aufkommen, dass diese neuen Restriktionen die Anzahl der Förderprojekte vor dem Hintergrund fehlender Mittel zur Bedienung aller Förderwünsche reduzieren soll. Somit wird es nicht nur technisch schwieriger, die verbleibenden weißen Flecken in dünn besiedelten Gebieten zu beseitigen, sondern auch aufgrund der zunehmend höheren bürokratischen Anforderungen. Vielleicht gehen Sparanstrengungen doch vor Infrastrukturausbau? Es steht zu befürchten, dass nach Auslaufen des Förderprogramms zur Sicherung der Grundversorgung 2013 noch signifikante unterversorgte Gebiete weiterhin unterversorgt bleiben ...

Jürgen Kaack 20.04.2012, 23.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Neuwahlen in NRW und der Breitbandausbau

Der Breitbandausbau in der Fläche unter Nutzung von öffentlichen Fördermitteln und die anstehenden Neuwahlen in NRW am 13. Mai 2012 haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Allerdings setzt die Bewilligung von Fördermitteln einen verabschiedeten Haushalt voraus. Aus dem Haushalt  erhalten die Bezirksregierungen die Mittel für den Breitbandausbau.

Ohne Neuwahlen war im Zeitraum April bis Mai mit der Mittelzuteilung zu rechnen. Durch die nicht geplante Landtags-Wahl verschiebt sich dies vermutlich bis in den Spätsommer. Problematisch kann sich dies auf Projekte auswirken, die im ersten Quartal 2012 mit einem Auswahlverfahren zu einer Entscheidung für einen Anbieter für den Breitband-Ausbau gekommen sind. Der Breitbandmarkt ist in jeder Hinsicht schnelllebig und die meisten Angebote haben eine Bindefrist von maximal sechs Monaten. Wird die Bindefrist überschritten und keine weitere Verlängerung eingeräumt, bleibt den Kommunen kaum etwas anderes übrig, als den Auswahlprozess zu wiederholen. Sollten sich in der Zwischenzeit die Bedingungen für das Auswahlverfahren verändert haben, es ist eine mehr oder weniger große Überarbeitung erforderlich. Selbst ohne Überarbeitung verzögert sich der angestrebte Ausbau um weitere zwei Monate – die Mindestfrist für die Veröffentlichung.

Wenn im August feststeht, dass eine neue Ausschreibung erforderlich ist, kann das Ergebnis bis Ende Oktober vorliegen. Und damit eröffnet sich das nächste Problem für die betroffenen Kommunen. Die Tiefbauarbeiten stellen in der Regel nicht nur den höchste Kostenfaktor dar, sondern haben den längsten Zeitbedarf. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn der Breitbandausbau nach Abschluss eines Kooperationsvertrages zwölf Monate dauert. Durch die Verschiebung der Förderanträge in den Herbst wird eine Reihe von Projekten gleichzeitig zur Entscheidung anstehen und im positiven Fall in einem eng beieinander liegenden Zeitraum einen Förderbescheid erhalten. Die Ballung der Projekte kann die verfügbaren Kapazitäten für Tiefbauarbeiten übersteigen und da bei Frost keine Tiefbauarbeiten möglich sind, können unter Umständen zwischen November und März nur eingeschränkt Arbeiten erfolgen.

Bei einer Förderbewilligung im Oktober 2012 wird sich der Ausbau fast immer über das Jahresende hinausziehen. Die Fördermittel werden in NRW für das Kalenderjahr angesetzt und Verpflichtungsermächtigungen für eine Übertragung von Mitteln in das Folgejahr sind immer knapp bemessen. So kann es einige Kommunen treffen, dass keine Bewilligung mehr für 2012 erfolgen kann. Wenn  der Haushalt 2013wieder planmäßig im April oder Mai feststeht, dann ist die Bindefrist der Angebote aus dem Herbst vermutlich wieder überschritten und eine erneute Ausschreibung erforderlich!

Durch diese Randbedingungen kann die Neuwahl in NRW erhebliche Verzögerungen oder Mehrarbeiten bei laufenden und geplanten Breitbandprojekte zur Folge haben. Besonders hinderlich ist – auch unabhängig von der aktuellen Neuwahl - die Festlegung der Förderprojekte auf das Kalenderjahr. In Hessen hat man für den Ausbau die im Leitfaden vorgesehene 12-Monatsfrist angesetzt, unabhängig vom Kalenderjahr! Dafür war die Förderquote in Hessen von Anfang an mit 60% niedriger als in NRW. Aber auch in NRW ist eine deutliche Absenkung der Förderquote unter die bislang angesetzten 90% zu erwarten Die damit einhergehende Erhöhung der erforderlichen Eigenmittel der Kommunen schafft für Kommunen mit Nothaushalt und Haushaltssicherung eine zusätzliche Hürde für die Umsetzung. So gibt es für den Breitbandausbau in NRW mit Fördermitteln eine Reihe von bürokratischen Hürden.

In Hessen ist der Ausbau der Grundversorgung immerhin schon abgeschlossen und die Landesregierung konzentriert sich auf den Aufbau von NGA (Next-Generation-Network) Infrastrukturen. In NRW wird die Beseitigung von unterversorgten Regionen vermutlich noch eine Weile dauern. Allerdings wird die Beseitigung der Unterversorgung mit herkömmlichen Fiber-to-the-Curb (FttC) Konzepten für die verbleibenden „weißen“ Flecken zunehmend schwieriger und teurer.

Jürgen Kaack 22.03.2012, 22.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

"Chancenlos im Funkloch"

In einem Artikel in der Tageszeitung "Neues Deutschland" wird über meine Thesen zum Breitbandausbau im ländlichen Raum berichtet. Der vollständige Text findet sich unter dem folgenden Link: 

Der Republik droht eine digitale Spaltung, wenn zeitgemäß schnelles Internet außerhalb der Ballungsräume weiter auf sich warten lässt. Der rheinische Kommunikationsexperte Dr. Jürgen Kaack erwartet hierbei vom Bund auch neue Förderbedingungen, die praktikabler auf die kommunale Daseinsvorsorge zugeschnitten sind...

Für den Experten Kaack müssten Landkreise und Kommunen die Breitbandversorgung stärker als eine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge behandeln und deshalb langfristige Zuständigkeiten hierfür einrichten, etwa für den Netzaufbau. Doch die von der EU bereits in diesem Sinne definierte Übertragungsrate von zwei MBit/s nennt Kaack »veraltet«. Nötig wären wenigstens 16 MBit/s, wobei der zeitgemäße Versorgungslevel mittlerweile bei 50 MBit/s und mehr liege. Anders ließen sich etwa Videostreaming oder Übertragungen dreidimensionaler Konstruktionspläne nicht mehr bewerkstelligen. Dafür müssten die Kommunen jetzt schon Vorsorge treffen...
 
 

Jürgen Kaack 03.02.2012, 22.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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