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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: RWP

Markterkundung für Gewerbegebiet in Ahlen

Nach dem erfolgreichen Ausgang des Breitband-Projektes für das Industriegebiet Ost und das Gewerbegebiet Olfetal im östlichen Teil von Ahlen besteht in einem weiteren unterversorgten Gewerbegebiet akuter Bedarf. Bei einer hohen Unterversorgungsquote von 83% mit unter 2 Mbit/s haben knapp 40% der Betriebe im Gewerbegebiet Kleiwellenfeld trotz der Ferienzeit an der Befragung teilgenommen. Bedingt durch die derzeit völlig unzureichende Versorgung ist der Wunsch nach höheren Geschwindigkeiten eher moderat. Viele Unternehmen wären mit 6 bis 16 Mbit/s zufrieden, bei über einem Drittel besteht aber Bedarf für mehr als 16 Mbit/s.

Ende 2012 endete ein früheres Breitbandprojekt für den Ausbau im Stadtteil Dolberg mit der Übergabe der Förderbewilligung an die Verwaltung.

Jetzt werden im Zuge einer Markterkundung Planungen und Ausbaukonzepte der Netzbetreiber abgefragt. Ahlen ist mit der schwachen Versorgung in den Gewerbegebieten leider kein Einzelfall und ohne Initiative durch die betroffene Kommune kommt es in der Regel nicht zu einer Verbesserung.

Jürgen Kaack 28.08.2013, 10.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Best-Practise Beispiel: Breitband-Ausbau in Erftstadt

Die Mehrzahl der Projekte zum Breitbandausbau im ländlichen Raum erfolgt mit Fördermitteln. Das war auch in Erftstadt der Fall, dem bislang größten Breitbandförderprojekt in Nordrhein-Westfalen. Das Beispiel zeigt aber auch, dass Fördermittel den Kommunen ganz eigene Abläufe abverlangen und daher entsprechend viel Vorlauf brauchen. Nicht zuletzt ist die Förderlogik nicht immer unbedingt nachvollziehbar.

Das Projekt für Erftstadt war eines der ersten Ausbau-Projekte unter Nutzung des Förderprogramms GAK (Gemeinschaftsaufgabe Agrarentwicklung und Küstenschutz). Viele Aspekte im Förderleitfaden waren damals noch unklar und so bot das Projekt sowohl für STZ-Consulting als auch für die Bezirksregierung in Köln als zuständigem Fördergeber und die Netzbetreiber Gelegenheit, in der Praxis zu lernen. Während der Projektlaufzeit wurde die Grenze zur Unterversorgung von 1 auf 2 Mbit/s angehoben und somit auch der Kreis der betroffenen Stadtteile.

Das Anfang 2009 begonnene Vorhaben war aber nicht nur eines der ersten GAK-Förderprojekte, sondern gleichzeitig eines der größten. 15.000 Einwohner in Erftstadt konnten nach der Fertigstellung schnelles Internet auf der Basis von VDSL nutzen!

Ende 2012 sollte auch in den beiden Lechenischer Gewerbegebieten die Breitbandversorgung verbessert werden. Das Verfahren erfolgte in Anlehnung an das notifizierte RWP (Regionales Wirtschaftsentwicklungs Programm), aber ohne Nutzung von Fördermitteln. Der Ausbau in den Wohngebieten war bis Ende 2011 abgeschlossen, die Gewerbegebiete haben ab Herbst 2013 schnelles Internet bis 50 Mbit/s.

Einen ausführlichen Bericht zum Projektablauf findet man hier.

Jürgen Kaack 23.08.2013, 08.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine neue Ära bei Breitbandvorhaben?

Seit Jahren folgen Projekte zum Breitbandausbau in ländlichen Räumen einem mehr oder weniger festen Schema. Beihilferecht und Förderleitfaden legen die Prozessschritte für die Durchführung mehr oder weniger fest. Verkürzt dargestellt ist danach zunächst eine Befragung bei Haushalten und Betrieben in den unterversorgten Gebieten zur Ermittlung des vorhandenen Bedarfs erforderlich, deren Ergebnis nur als Anlage zum Förderantrag erforderlich ist, ansonsten aber unnötig. Dann folgt die Markterkundung, um Anbieter zu suchen, die bereits eine Planung vorliegen haben und in  den nächsten 36 Monaten einen Ausbau ohne Zuwendungen beabsichtigen. Wenn sich kein Anbieter mit einem qualifizierten Konzept meldet, kann die Kommune Marktversagen feststellen und darf den Ausbau in den unterversorgten Gebieten ausschreiben.

In bisher sechs Jahren der Beschäftigung mit Projekten zum Breitbandausbau, habe ich bislang nicht erlebt, dass sich während der Markterkundung ein Betreiber mit einem qualifizierten und nachhaltigen Ausbaukonzept meldet. Die Markterkundung war mehr oder weniger ein proforma notwendiger Schritt zur Ausschreibung. Jetzt hatte ich in einem Projekt meiner STZ-Consulting zum ersten Mal einen Fall, der zunächst "wie immer" verlaufen ist mit einer Rückmeldung, dass ein Ausbau nur gegen Zahlung einer zuwendung möglich ist. Kurz vor Ablauf der Frist kam ein erneutes Angebot mit der Zusicherung eines hochwertigen Ausbaus nach dem Fiber-to-the-Curb (FttC) Ansatz ohne Zuwendung. Damit ist das Breitbandprojekt erfolgreich beendet, ein Auswahlverfahren und ein Förderantrag entfallen und der kommunale Haushalt wird entlastet.

Es ist eine gute zu begrüßende Entwicklung, dass der bisherige Trend mit regelmäßig steigenden Deckungslücken vielleicht zu Ende geht. Insbesondere in den letzten Jahren konnte man gerade bei länger laufenden Projekten immer wieder beobachten, dass bei eine und demselben vorhaben die Deckungslücken mit faszinierender Geschwindigkeit gestiegen sind. Bei Projekten, die durch fehlenden Feststellung des kommunalen Haushalts oder fehlende Fördermittel über die Bindefrist hinausgingen, lassen sich rechnerisch Steigerungsraten von 20% pro Monat (!) ermitteln.

Auch bei Deckungslücken in Auswahlverfahren kommt es nun zu teilweise erheblichen Änderungen nach unten, die nicht nur den städtischen Haushalt erheblich entlasten, sondern auch den Ausbau in Gebieten ermöglichen, in denen ein größerflächiger Ausbau vorher nicht möglich gewesen wäre. Ein Beispiel hierzu ist der Ausbau in der Stadt Wegberg, der sogar deutlich über die  Beseitigung unterversorgter Regionen hinausgeht. Während bislang aufgrund der engen Möglichkeiten im Rahmen des Beihilferechts und der Förderprogramme Flickenteppiche in der Vorsorgung die Folge waren, die gelegentlich die digitale Spaltung zwischen gut und schwach versorgten Gebieten sogar verstärkt haben. Da Kommune nur für unterversorgte Gebiete mit weniger als 2 MBit/s eine Deckungslücke zur Verbesserung der Versorgung gewähren können, erreichen diese unter Umständen nach einem Ausbau 50 MBit/s und die nicht unterversorgten Nachbarorte mit vielleicht 3 MBit/s blieben auf dem alten Stand.

Ob es sich schon um einen Paradigmen-Wechsel im Breitbandausbau handelt, bleibt abzuwarten. Ebenso kann die Einführung von Vectoring mit den hiermit verbundenen Restriktionen durch eine größerflächige Versorgung bei gleichzeitig erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten mitwirken. Ein anderer Effekt kann in den Ende 2013 auslaufenden Förderprojekten liegen, die ja bekanntermaßen eher zu Kostenerhöhungen als zu tatsächlichen Einsparungen führen.

Für die ländlichen Kommunen wäre es von großem Vorteil, wenn sich die beobachteten Effekte als Trendwende erweisen würden. Die fast überall klammen kommunalen Haushalte könnte entlastet und die letztlich aus Steuergeldern finanzierten Förderprogramme zurückgenommen werden. Letztlich aber würde es erstmals zu einer in der Fläche homogeneren Versorgung und einem Abbau der digitalen Spaltung führen.

Auf jeden Fall sollten sich die Kommunen jetzt erst recht und mit vielleicht größeren Erfolgschancen mit der Breitbandversorgung auseinandersetzen und entsprechende Projekte starten. Denn nach wie vor gilt, dass eine Verbesserung der Infrastruktur ohne Anstoss und aktive Bemühungen der Kreise und Kommunen dem Zufall überlassen bleibt. Ich habe dieses Geschäftsmodell für den Breitbandausbau als "Motivation der Netzbetreiber" bezeichnet.

Jürgen Kaack 14.06.2013, 09.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fördermittel für Breitbandausbau - eine sinnvolle Investition?

Nach einigen Jahren der Beschäftigung mit Förderprojekten habe ich eine durchaus kritische Haltung gegenüber der Nutzung von Fördermitteln, die häufig mit hohem Aufwand nicht zu dem eigentlich gewünschten Ergebnis führen.

Eine ausführlichere Argumentation findet sich in meinem Artikel bei Breitband.NRW.

Jürgen Kaack 28.11.2012, 20.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Öffentliche Breitband-Netze statt verlorener Zuschüsse an Netzbetreiber!

Nach den Erfahrungen mit dem Einsatz von (GAK oder GRW) Fördermitteln für die Sicherstellung der Grundversorgung ist es vermutlich von Vorteil, wenn der NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen (FttB oder FttH) ohne finanzielle Zuwendungen erfolgt. Zwar sind immer noch die in der Bundesrahmenregelung Leerrohre aus beihilferechtlichen Gründen festgelegten Schritte einzuhalten, aber Kommunen und Kreise haben mehr Freiheiten bei der Festlegung der Lösungen und der Ausbaugeschwindigkeit.

Mit einem für die Kommune erstellten Rahmenkonzept und einem Masterplan für die Leerrohr-Verlegung kann die Breitbandversorgung systematisch und flächendeckend erfolgen. Im Vergleich dazu sind mit Fördermitteln eher punktuelle Verbesserungen zu erzielen. Der Ausbau von NGA-Netzen erfordert oft Kooperationen zwischen verschiedenen Parteien (Kreise, Kommunen, Stadtwerke oder Energieversorger, Betreiber aktiver Netzkomponenten und Dienstebetreiber). Solche Kooperationen müssen für ein optimales Ergebnis auf die vorhandenen Rahmenbedingungen zugeschnitten sein. Ein spezielles Problem ist dabei die Aufteilung der Umsätze unter den beteiligten Parteien. Eine „Unterordnung“ unter ein starres Förderprogramm bringt hierbei meistens Nachteile – und vermutlich höhere Gesamtkosten!

Wenn private Anbieter keine NGA-Infrastrukturen schaffen, sind öffentliche Investitionen in den Ausbau der NGA-Infrastrukturen eine bessere Alternative im Vergleich zu verlorenen Zuschüssen. Eine Landes-Institution sollte die Erstellung von Masterplänen für die fehlenden passiven Netze übernehmen, die Infrastrukturen verlegen und an Netzbetreiber vermieten. Wenn ein offener Netzzugang sichergestellt wird, können Dienstebetreiber gegen Entgelt im Wettbewerb die Infrastruktur nutzen. Private Betreiber bzw. ihre Gesellschafter fordern kurze Amortisationszeiten, öffentliche Investitionen dürfen sich auch über einen wesentlich längeren Zeitraum amortisieren. Mit dem beschriebenen Vorgehen kann der digitalen Spaltung zwischen Ballungsgebieten und ländlichen Räumen wirkungsvoll entgegen gewirkt werden. Nachteile für den ländlichen Raum durch Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung lassen sich verhindern.


Jürgen Kaack 18.11.2012, 16.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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