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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: FttH

Rückblick auf das Breitband-Jahr 2016

2016 war in vieler Hinsicht ein besonderes Jahr, auch ohne auf politische Entwicklungen eingehen zu wollen. Der Breitbandausbau ist in diesem Jahr vorangekommen und auch der FTTB-Ausbau gewinnt an Fahrt. Sehr viele Kreise und Städte haben Beratungsprojekte für eine Analyse der Situation und die Ableitung von Konzepten beauftragt. Die in NRW eingeführte Förderung der Personalkosten für Breitbandkoordinatoren zeigt gute Resonanz und es ist abzusehen, dass die meisten Gebietskörperschaften demnächst eigene Mitarbeiter für Breitbandfragen haben. Für die Folgejahre bleiben noch viele Aufgaben offen und für die Migration von FTTC zu FTTB sind Konzepte erforderlich. Im November wurde mein Buch zum Breitbandausbau „Schnelles Internet in Deutschland: Geschäftsmodelle und Fallbeispiele für den Ausbau“ veröffentlicht, das Gebietskörperschaften Hilfestellung bei der Planung des Breitbandausbaus bieten soll.

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Jürgen Kaack 26.12.2016, 17.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Frequenzauktion erbringt 1,33 Mrd. € für den Ausbau schneller Breitbandnetze

Die große Auktion der frei gewordenen Frequenzen in den verschiedenen Frequenzbändern zwischen 700 und 1.850 MHZ wurde mit Spannung erwartet und das Interesse an dem verfügbaren Spektrum war bei den drei Mobilfunkbetreibern offensichtlich sehr hoch! Mit einem Ergebnis in Höhe von € 1,33 bei der Frequenzauktion für die 700 MHz Bänder aus der digitalen Dividende II steht ein höherer Beitrag für den Breitbandausbau zur Verfügung, als ursprünglich erwartet.


Die Hälfte des Auktionsergebnisses geht an die Länder und nach dem Königsteiner Schlüssel 21% für NRW. Somit kann NRW knapp 140 Mio. € in den Breitbandausbau investieren. Interessant bleibt allerdings, wie das zugehörige Förderprogramm aussehen wird, welche Bedingungen an eine Förderung geknüpft werden und wann auf dieses Programm zugegriffen werden kann? Die zur Verfügung stehende Summe könnte ja vielleicht auch anteilig in die Personalkosten für die regionalen Breitband-Koordinatoren gesteckt werden! Sofern ein Kreis oder eine Kommune ein Konzept für die Errichtung eines Glasfaser-Anschlussnetzes erstellt hat und ein Infrastrukturbetreiber für das passive Netz gefunden wurde, könnte die anteilige Förderung der Erstellung eines technischen Netzplanes die Eintrittsbarrieren für Gebietskörperschaften senken.


Die offiziellen Ergebnisse der Auktion finden sich auf der Seite der Bundesnetzagentur.


Jürgen Kaack 19.06.2015, 13.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

NGA-Rahmenregelung erweitert die Möglichkeiten für den Breitbandausbau

Die Förderung des Breitbandausbaus beschränkte sich bislnag auf die Beseitigung von weißen Flecken in der Grundversorgung. Eine Ausnahme bildete das zeitlich befristete Programm des Konjunkturpakets II. Hiermit konnte auf der beihilferechtlichen Grundlage der Bundesrahmenregelung Leerrohre unter bestimmten Bedingungen der Aufbau eines FttB-Netzes mit Leerrohren bis zur Grundstücksgrenze gefördertwerden. Seit der Beendigung des Programms konnten Kommune auch weiterhin unter den Bedingungen der Bundesrahmenregelung Leerrohre für den Breitbandausbau verlegen. Eine Förderung hierfür gab es in NRW nicht und auch eine zusätzlich vorhandene Deckungslücke konnte nicht ausgeglichen werden. Die am 15.06.2015 durch die EU notifizierte NGA-Rahmenregelung schafft endlich eine brauchbare Grundlage für den nachhaltigen NGA-Ausbau.


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Jürgen Kaack 17.06.2015, 10.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Glasfaseranschlüsse für alle in 140 Jahren?

Die Internetnutzung steigt jedes Jahr. In Deutschland sind derzeit noch gut 20 % der Bevölkerung nicht online. Das übertragene Datenvolumen steigt in Deutschland um jährlich ca. 20 %. Über 58 % der Haushalte nutzen bereits eine "Breitband"-Anschluss (dabei beginnt Breitband allerdings schon bei 2 Mbit/s). Es könnten zwar schon ca. 70 % der Haushalte mehr als 50 Mbit/s nutzen, tatsächlich gibt es aber noch weniger als 20 %, die dieses tatsächlich nutzen.

Trotzdem führt in der weiteren Entwicklung kein Weg an dem zugegebenermaßen aufwändigen Bau flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetze vorbei, die die teilweise bereits über 60 Jahre alten Kupferdoppeladern in der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) ersetzen sollen. Mit durchgehenden Glasfaser-Strecken gibt es (fast) keine Geschwindigkeitsgrenzen und und nahezu unbegrenzte Übertragungskakpzitäten. Damit bestimmt der vom Kunde gewünschte Dienst, welche Bandbreite benötigt wird und nicht der vorhandene Anschluss entscheidet, ob ein Dienst überhaupt genutzt werden kann.

Der Bau von Glasfaseranschlussnetzen kommt nur langsam voran. Nachdem die Telekom den Bau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Wesentlichen auf Neubaugebiete beschränkt bleiben die alternativen Netzbetreiber (Regional- und Stadtnetzbetreiber, Stadtwerke etc.), die den Ausbau insbesondere auch im ländlichen Raum vorantreiben. Diese Netzbetreiber haben bislang 1,4 Mio. Glasfaser-Hausanschlüsse (FttB) in Deutschland realisiert. 2015 sollen weitere 0,27 Mio. FttB-Anschlüsse hinzukommen., wie dem Bericht über die Jahresversammlung des Buglas-Verbandes zu entnehmen ist.

Das ist für die überwiegend mittelständischen Unternehmen eine große Leistung. Aber Deutschland hat 40,4 Mio. Haushalte und wenn der Ausbau nur durch die alternativen Netzbetreiber erfolgt, dauert es über 140 Jahre bis alle Haushalte einen Glasfaser-Anschluss erhalten! Ist das der Wille der Politik oder endet das Denken in der Poltik bei VDSL mit 50 Mbit/s oder bei Vectoring mit 100 Mbit/s? Gleichzeitig wächst das im Internet übertragene Datenvolumen um über 20% im Jahr. Ohne konkrete Unterstützungsleistung durch den Staat wird es wohl bei 140 Jahren Bauzeit bleiben.

Dabei müssen Unterstützungsleistungen nicht nur in Form von Fördermitteln gewährt werden. Vereinfachung von bürokratischen Hürden für die Tätigkeit von kommunalen Unternehmen, Schaffung von Investitonsschutz - z.B. durch die Vergabe von regionalen Konzessionen für FttB-Netze, die Normierung alternativer Verlegetechniken, die einfache Einräumung von Wegerechten etc. können ebenfalls stimulierend wirken.

Die in der Poststrukturreform II nicht vorgenommene Trennung von Netz und Dienst wirkt bis heute bremsend auf den Ausbau. Daher könnte es in Regionen ohne privatwirtschaftliche Aktivitäten auch notwendig werden, öffentliche Infrastrukturgesellschaften zu gründen, die zwar aus Steuermitteln vorfinanziert werden müssten, aber auf eine längere Sicht von 20 bis 30 Jahren aufgrund der Mieteinnahmen für die passive Infrastruktur durchaus wirtschaftlich arbeiten könnten. Allerdings bedarf es dazu eine nachhaltigen und zukunftsortientierten Breitbandstrategie anstatt einer einseitigen Fokussierung auf die Optimierung von Brückentechnologien mit begrenztem Potenzial.

Jürgen Kaack 11.12.2014, 10.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschäftsmodell vor Netzplanung beim Aufbau von Glasfasernetzen

Die Stadt  hat in Teilen eine in Bezug auf die heutigen Bedürfnisse ausreichende Versorgung mit bis zu 200 MBit/s. Außerhalb der Kernstadt, in der oft durch einen Kabelnetzbetreiber ein leistungsfähiges Koaxialnetz verfügbar ist, und anderer durch Eigenleistung der Netzbetreiber und auf Initiative der Kommune ausgebauten Gebiete fällt die Versorgung meist deutlich ab. Durch den derzeit in vielen Kommunen im Eigenausbau durch die Netzbetreiber vorgenommenen Ausbau mit Vectoring-Technologie werden große Gebiete eine NGA-Versorgung erhalten. Schon heute könnten im Durchschnitt ca. 70 % der Haushalte NGA-Anschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s nutzen.

 

Allerdings ist auch die Vectoring-Technologie „nur“ als eine Brückentechnologie zu sehen, da sie für die Teilnehmerzugang auf die alten Kupferdoppeladern der Telekom setzen. Aufgrund der mit der Frequenz und der Entfernung ansteigenden Dämpfung in einem Kupferkabel wird mit dieser Technologie die Bandbreite kaum über 150 MBit/s ausweitbar sein. Mit dem Koaxialkabel der Kabel-TV-Netze ist bereits heute mit DOCSIS 3.0 eine Bandbreite von 200 (maximal derzeit 450) MBit/s verfügbar. Aber auch diese Technologie stößt an Ihre Grenzen und bietet genau sie Vectoring nur in begrenztem Umfang offene Netzplattformen. Mit Funktechnologien (UMTS, WLAN, WiMAX, LTE) werden in erster Linie mobile Anwendungen unterstützt. Nur in Ausnahmefällen können Funklösungen als Brückentechnologie auch für die stationäre Anbindung genutzt werden. Jede dieser Anschlusstechnologien benötigt eine breitbandige Zuführung entweder über Glasfaserstrecken oder Richtfunk.

 

Langfristig nachhaltig ist nur ein Ausbau mit durchgehenden Glasfaserstrecken bis zum Hausanschluss (FttB und FttH). Eine flächendeckende Lösung mit Glasfaser-Anschlüssen durch die Netzbetreiber ist allerdings auch in 10 Jahren kaum zu erwarten. Die schlechtere Wirtschaftlichkeit in Gebieten mit niedrigerer Besiedlungsdichte, langen Anlaufstrecken und die kurzen Abschreibungsfristen von 4 bis 5 Jahren sprechen dagegen. Somit wird der Ausbau von FttB-Netzen nur durch ein aktives Engagement der Kreise und Kommunen erfolgen. Im Rhein-Erft Kreis ist eine kreisweite Infrastruktur-Aktivität nicht absehbar, so dass eine Umsetzung in durch Initiative der Stadt erfolgen muss. 

 

Alternative Geschäftsmodelle prüfen

 

Bis auf Einzelfälle gibt es im Backbone-Bereich (überregional, aber fallweise auch interkommunal) ausreichende Kapazitäten, die zu Marktpreisen angemietet werden können. Problematisch ist dagegen in vielen Fällen das intra-kommunale Breitbandnetz. Für den Aufbau und Betrieb eines FttB-Netzes durch eine Kommune oder in Kooperation zwischen Kommune und Netzbetreiber beschränkt sich die Aktivität des kommunalen Partners in vielen Fällen auf den passiven Teil eines Anschlussnetzes mit in Schutzrohren verlegten Lichtwellenleitern. Eine Beteiligung am Betrieb von aktiven Netzkomponenten kann fallweise sinnvoll sein, das Angebot und die Vermarktung von Diensten dagegen in der Regel nicht. Der Aufbau eines Leerrohr-Netzes bis zu den Hausanschlüssen kann nur dann kostengünstig erfolgen, wenn alle Synergien mit anderen Baumaßnahmen (Straßen- und Kanalsanierung, Arbeiten am Niederspannungsnetz) genutzt werden und die Aktivitäten über einen längeren Zeitraum geplant und koordiniert werden.

 

Für die Umsetzung ist ein tragfähiges Geschäftsmodell für den Aufbau eines regionalen NGA-Netzes zu entwickeln. Die Amortisationsdauer sollte vergleichbar mit anderen Infrastrukturen im kommunalen Umfeld mit bis zu 20 Jahren angesetzt werden. Nach Festlegung des Betreibers der passiven Infrastruktur (in der Regel durch die Kommune oder eine kommunale Einrichtung) ist ein detailliertes Geschäfts- und Partnerschaftsmodell parallel zur technischen Netzplanung („Masterplan“) aus zu gestalten. Dabei müssen Interessen von Telekommunikationsunternehmen an der Nutzung eines NGA-Zugangsnetzes ermittelt und berücksichtigt werden. In der Praxis kommen folgende Gesschäftsmodelle für den Breitbandausbau unter Beteiligung eines Kreises oder einer Kommune in Betracht:

  • Ausbau mit Zuwendungen (Deckungslücke)
  • Ausbau unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen
  • Ausbau mit bürgerschaftlichem Engagement
  • Ausbauoptionen mit Stadtwerken
  • Motivation von Netzbetreibern zum Ausbau
  • Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
  • Gründung von Infrastrukturinstitutionen (alleine / Private-Public-Partnership)
  • Netzaufbau in Verbindung mit Sanierungsarbeiten im Versorgungsnetz
  • Zweckverbände als interkommunale Aktivitäten.


Wenn neben dem Betrieb des passiven Netzes auch die aktive Übertragungstechnik betrieben und Dienste angeboten werden sollen, könnte es für den wirtschaftlichen Erfolg des Konzeptes erforderlich sein, weitere Kommunen zur Teilnahme zu bewegen, damit eine kritische Masse an Kundenpotentialen erreicht wird.

 
Festlegung von Zielen

 

Vor einer Ausgestaltung der Projektumsetzung sind im Hinblick auf die grundsätzliche Breite möglicher Geschäftsmodelle Zielsetzungen und Prioritäten zu klären. Nach Darstellung der möglichen Geschäftsmodelle sind die Ziele für einen nachhaltigen Breitbandausbau zu erörtern:

  • Sicherstellen einer langfristig nachhaltigen Infrastruktur im Sinne der Daseins-Vorsorge;
  • Absicherung von Standortvorteilen gegenüber Nachbarkommunen
  • Eröffnung von Möglichkeiten zum Angebot eigener Dienste (verwaltungsnahe Dienste, Dienste der Versorger und Stadtwerke, Dienste gemeinnütziger Institutionen)
  • Erzielung von langfristigen Erträgen

 

Für die Umsetzung sind erste Ansätze zu prüfen (ohne endgültige Festlegung):

  • Abgleich von bestehender Versorgung und Bedarfsanalyse mit geplanten Sanierungsarbeiten als Grundlage für eine Priorisierung der Ausbaugebiete (Wohn- und Gewerbegebiete einschließlich Erweiterungs- und Neubaugebiete);
  • Diskussion der verschiedenen Alternativen und Optionen für ein tragfähiges Geschäftsmodell (Betrieb von Leerrohren, Dark-Fiber-Netzen oder Diensteplattform für digitalen Marktplatz …;
  • Einschätzung von potenziellen Risiken für die Amortisation eines Dark-Fiber Netzes mit Identifikation von Risikofaktoren und ihrer Bewertung. Zu den Risiken gehören z.B. technologische Entwicklungen, Marktveränderungen, anfangs schwache Nutzerakzeptanz, geringe Wechselbereitschaft, Preisverfall und Änderungen im Nutzungsverhalten, neue Wettbewerber, regulatorische Änderungen;
  • Beihilferechtliche Rahmenbedingungen für eine Umsetzung.

 

Diskussion vorhandener eigener Ressourcen (Personal und Infrastrukturen) der Stadt und durch kommunale Instituionen einzubringende Infrastrukturen und Kapazitäten. Da in kaum eigene Leerrohrinfrastrukturen vorhanden sind, ist zu prüfen, ob Infrastrukturen anderer Betreiber durch die Stadt genutzt werden können. Bei einem über die Motivation von Netzbetreibern hinausgehenden Wertschöpfungsziel sind u.a. auch personelle Ressourcen aufzubauen.


Evaluation alternativer Geschäftsmodelle

 

Falls der Aufbau eines eigenen Glasfaser-Anschlussnetzes ein Ziel für die Stadt ist, muss ein Betreiber für die passive Infrastruktur identifiziert werden. Sofern in dem Workshop zur Zielfestlegung noch keine Entscheidung über den Betreiber der passiven Infrastruktur getroffen werden kann, sind weitere Zwischenschritte mit möglichen Betreibern erforderlich. Es wäre von Vorteil, wenn hierfür eine Institution des Kreises oder der Stadt gefunden wird, um langfristige Kontinuität zu sichern. Aufbau und Betrieb eines Glasfaser-Anschlussnetzes ähnelt grundsätzlich dem Geschäft mit Versorgungsleitungen insbesondere im Strombereich, so dass sich hier am ehesten unmittelbare Synergien ergeben. Vor der eigentlichen Umsetzung von Netz- und Geschäfts-Planung ist das Geschäftsmodell zu konkretisieren und mögliche Kooperationspartner auszuwählen (in diesem Stadium aber noch ohne verbindliche Festlegung).

 

Für die Erstellung einer Netzplanung sollten Standorte für Glasfaser-Knoten und mögliche Übergabepunkte zu einem der nationalen Backbone-Betreiber bekannt sein. Außerdem sollte die Planung auf dem GIS-System erfolgen, dass von dem Infrastrukturbetreiber genutzt wird. Andernfalls kann eine spätere Überleitung der Planungsergebnisse für die Feinplanung zur Durchführung der Tiefbauplanung erschwert werden. Für die technische Planung und die Kalkulation von Kosten sollte auch schon zu einem frühen Zeitpunkt geklärt werden, ob alternative Verlegetechniken (Spül- / Bohrverfahren, Mini- und Microtrenching) mit einer niedrigen Verlegetiefe für die Stadt akzeptabel ist.

 

 Kooperationsszenarien für aktive Netzkomponenten und Dienste 

 

Schon zu einem frühen Zeitpunkt sollte mit der Erarbeitung und Prüfung von möglichen Kooperationsmodellen entlang der Wertschöpfungskette begonnen werden. Hierzu werden Sondierungs-Gespräche mit Netzbetreibern als möglichen Nutzern (Mieter) der NGA-Infrastruktur geführt. Das Geschäftsmodell soll ein tragfähiges und zukunftssicheres Konzept für den Aufbau einer eigenen Betreiber-Aktivität für die passive Infrastruktur liefern. Eine Strategie zur Vermarktung an Endverbraucher kann das Erreichen der Wirtschaftlichkeitsziele unterstützen. Dabei ist zu entscheiden, ob die (kommunale) Infrastrukturbetreiberinstitution zusätzlich eine eigene Vermarktung von Diensten an Verbraucher übernimmt, eine Vermarktung unter der eigenen Marke im Wettbewerb zu anderen Vermarktern erfolgen soll (abhängig vom ausgewählten Kooperationspartner).

 

Nach ersten Gesprächen erfolgt eine erste Bewertung und Priorisierung der potentiell geeigneten Partner für (dabei kommen sowohl überregional tätige wie die Deutsche Telekom und Unitymedia in Betracht, als auch mittelständische Anbieter wie inexio, NetCologne, Versatel oder teliko) mit Abschätzung der Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und der Vor- und Nachteile für die spätere Umsetzung. Zur Vertiefung können mehrere Gesprächsrunden mit den priorisierten Betreibern in Form von Vor-Ort-Workshops erforderlich werden zur Konkretisierung des Geschäftsmodells, der Übergabepunkte für die Bandbreiten-Zuführung, der auszubauenden Trassen und der bevorzugten Technik (Leerrohre, Fasertypen, Schächte, Muffen) und der Kosten / Risiko Aufteilung für die Nutzung des Leerrohres sowie der organisatorischen Ausgestaltung einer Zusammenarbeit. Mit der Bewertung der Ergebnisse und einer Empfehlung zum weiteren Vorgehen kann die weitere Umsetzung in enger Kooperation zwischen Infrastruktur- und Netzbetreiber erfolgen.

 

Technische Netzplanung („Masterplan“) 

 

Bevor eine technische Netzplanung oder Trassenplanung für die Verlegung von Leerrohren erfolgt, sollte der Infrastrukturbetreiber gefunden sein. Da sehr unterschiedliche GIS-Systeme im Einsatz sind und oft unterschiedliche Backbonenetze im regionalen Umfeld anschließbar sind, kann die Erstellung eines Masterplans nur dann optimalen Nutzen erzeugen, wenn er auf die Belange und technische Ausstattung des Infrastrukturbetreibers Rücksicht nimmt. Die Netzplanung muss vorhandene Infrastrukturen des Infrastrukturbetreibers sowie Standorte für Glasfaser-Knoten berücksichtigen. Eine Planung auf der Basis von durchgehenden Microduct-Röhrchen vom Glasfaser-Knoten bis zum Hausanschluss beinhaltet die Linienführung, Angaben zur Konfektionierung der Leerrohrbündel, Standorte von Schächten und strategischen Muffen. Die Planung endet in der Straße an den Abzweigern zu den Hausanschlüssen. Die Anbindung an die Häuser wird in der Regel durch eine Schiess-Technik erfolgen. Typischerweise enthält der Masterplan noch keine Detailtiefe für eine Tiefbauausschreibung, da diese Leistung oft von dem Infrastrukturbetreiber erbracht werden kann.

 

Durch das zu beauftragende Ingenieurbüro sollte neben der eigentlichen Netzplanung auf der Basis der zu erarbeitenden Stücklisten indikative Preisangaben ermittelt werden bei potenzeillen Anbietern von benötigten Infrastrukturkomponenten wie z.B. Leerrohren, Microducts, Muffen, Schächten, Installationsmaterial etc. auf der Basis der in der technischen Netzplanung erstellten Angaben und Stücklisten. Anfragen bei Tiefbau- und Rohrverlegungs-Unternehmen sowie Dienstleistern für technische Feinplanung, Projektkoordination, Dokumentation und Abnahme auf der Basis der in der Netzplanung festgelegten Trassenverläufe und Verlege-Techniken. 

 
Aufstellung eines ersten Geschäftsplanes

 

Die Aufstellung eines Business Cases sollte entweder durch den ausgewählten Infrastrukturbetreiber erfolgen, um seine eigenen Regelen zu berücksichtigen, oder in enger Kooperation mit diesem. Um die gesamte Wertschöpfungskette abzubilden, sollte auch der potentielle Betreiber der aktiven Netzkomponenten und Dienste beteiligt werden. Gemeinsam mit den ausgewählten Netzbetreibern erfolgt eine erste Ermittlung von Preisansätzen für die Vermietung der passiven Anschlussnetze mit den Alternativen: gestaffelte Preise, Festpreise, umsatzabhängige Preise und Verprobung bei anderen Vorhaben; Abschätzung von zu erwartenden Nutzungspreisen auf der Basis der Workshops und ergänzender Recherchen.

 

Im Ergebnis des Arbeitsschrittes sollte eine Zusammenstellung der für eine wirtschaftliche Kalkulation für Aufbau und Betrieb einer passiven Infrastruktur erforderlichen Kennzahlen vorliegen, auf deren Grundlage eine Entscheidung zum Aufbau der Infrastruktur getroffen werden kann. Der Geschäftsplan kann mit dem Projektfortschritt weiter verfeinert und laufend fortgeschrieben werden. 

 

Markterkundung und Auswahlverfahren (je nach Geschäftsmodell)

 

Kommunen und kommunale Unternehmen müssen die Vorgaben aus dem EU-Wettbewerbsrecht einhalten. Als EU-seitig notifiziertes Verfahren bietet sich ein Vorgehen nach der angepassten Bundesrahmenregelung Leerrohre an, nach einer Notifizierung wäre die NGA-Rahmenregelung zugrunde zu legen. Sofern die Kommune allerdings nach Ausgestaltung des Geschäftsmodells nur eine Minderheitsbeteilung an einem noch zu identifizierenden Infrastrukturbetreiber für hält, entfallen die Beihilferegeln. Andernfalls sind aufgrund des Eingriffs in dem Markt mit öffentlichen Mitteln die festgelegten Abläufe mit Markterkundung und Auswahlverfahren einzuhalten oder im Rahmen eines Private-Investor-Tests nachzuweisen, dass sich der kommunale Betreiber als Investor genauso verhält wie ein privatwirtschaftlich agierender Anbieter.

 

Vor der Durchführung eines Auswahlverfahren ist eine Bedarfsermittlung bei Haushalten und Betrieben vorzunehmen und ein Markterkundungsverfahren durchzuführen, in dem das Interesse von Netzbetreibern abgefragt wird, innerhalb von 36 Monaten einen Ausbau mit mindestens 30 Mbit/s vorzunehmen. Die Vergabe der Nutzungsrechte („Vermietung“) für das zu errichtende Anschlussnetz erfolgt in Form einer öffentlichen und transparenten Ausschreibung, um späteren Anfechtungen und Problemen mit dem Beihilferecht zu entgehen. Hierfür ist ein Ausschreibungstext zu erstellen und Bewertungskriterien für die Auswahl unter den Angeboten aufzustellen. Nach dem Submissionstermin sind die eingehenden Angebote zu bewerten und eine Empfehlung für die Vergabe zu erarbeiten. 

Jürgen Kaack 27.11.2014, 22.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Entwicklungsland Deutschland

 

Im Hinblick auf die Verbindungsgeschwindigkeit liegt Deutschland auf Platz 28, im Vergleich zu Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ist Deutschland deutlich zurück. Nur 10% der Anschlüsse nutzen mehr als 10 Mbit/s. Weltweit steigt die Durchschnittgeschwindigkeit jährlich um 21%. 8,9 Mbit/s als Durchschnittsgeschwindigkeit in Deutschland im Vergleich zu 14,9 in der Schweiz kritisch. Auch bei der durchschnittlichen Spitzengeschwindigkeit liegt Deutschland mit 41,8 Mbit/s deutlich hinter der Schweiz mit 53,1!

Eine Studie von Akamai liefert Zahlen für den internationalen Vergleich.


Die Ergebnisse zeigen zum einen die teilweise unverständliche Zurückhaltung der Deutschen Angebote mit höherer Geschwindigkeit zu nutzen, immerhin könnten 70% der Haushalte heute schon mehr als 50 Mbit/s nutzen. Zum anderen verhindert die Konzentration auf Brückentechnologien wie Vectoring die schnelle Entwicklung eines unabhängigen Dienstemarktes wie z.B. in den Niederlanden. DSL-Netze wie auch Kabel-TV-Netze sind geschlossen und erschweren die Entwicklung eines breiteren Diensteangebotes.

Die Konzentration auf Brückentechnologien in Deutschland wird sich in einigen Jahren in Form von hohen staatlichen Investitionen rächen, da der doch über die Zeit steigende Bedarf an schnellen Anschlüssen und das steigende übertragene Datenvolumen letztlich den Umstieg auf Glasfaser-Anschlussnetze unvermeidlich machen.

Die Politik in Deutschland müsste endlich aufwachen und sich diesem Infrastrukturthema mit mehr widmen als leeren Zieldefinitionen und einigen Runden Tischen! Deutschland braucht endlich eine Breitbandstrategie mit Zielen, Meilensteinen, Verantwortlichkeiten und Ressourcen für die Umsetzung.

Jürgen Kaack 02.10.2014, 15.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maßnahmeplan für flächendeckende Glasfasernetze

Hohe Vorleistungskosten bei derzeit niedriger Kundenakzeptanz und langen Amortisationszeiten schrecken Investoren ab. Dabei sollte man jetzt mit dem Bau der neuen Anschlussnetze in der Fläche beginnen, um spätere hohe Kosten zu vermeiden. Diese Möglichkeiten haben Politik und Regierung, den Netzaufbau zu fördern:

  1. Festlegung und Kommunikation des Ziels eines flächendeckenden Ausbaus mit Glasfaseranschlüssen innerhalb von zehn bis 15 Jahren: Auf diese Weise kann man Haushalte und Unternehmen frühzeitig sensibilisieren, die erforderliche Nachfrage generieren und Dienstebetreiber zur Entwicklung innovativer Breitbanddienste motivieren. Für Investoren kann dies ein starkes Signal darstellen, rechtzeitig im entstehenden Markt tätig zu werden.
  2. Behandlung von Glasfasernetzen als eigenständige Dateninfrastruktur, nicht als ein weiteres NGA-Netz: Glasfaseranschlussnetze (FttB oder FttH) als Infrastrukturen zur Sicherstellung einer langfristigen Daseinsvorsorge müssen auch in den sogenannten „schwarzen“ NGA-Flecken aufgebaut werden; es müssen in Kommunen und Kreisen Haushaltsmittel für einen gesteuerten Ausbau unter Nutzung aller möglichen Synergien mit Tiefbaumaßnahmen bereitgestellt werden.
  3. Schaffung der rechtlichen Grundlagen für Kommunen und kommunale Unternehmen zum Ausbau in schwarzen NGA-Flecken: Alle derzeitigen Rahmenregelungen (die angepasste Bundesrahmenregelung Leerrohre bzw. die noch nicht notifizierte NGA-Rahmenregelung) schaffen keinen rechtlichen Ansatz zum Aufbau von neuen Anschlussnetzen in Gebieten mit einer Breitbandversorgung von mehrheitlich über 30 MBit/s (also in „grauen“ oder „schwarzen“ NGA-Flecken, je nachdem, ob ein oder mehrere Infrastrukturbetreiber tätig sind).
  4. Schaffung von Investitionssicherheit für Infrastrukturbetreiber: Das kann z.B. durch Vergabe einer regionalen Konzession für die passive Infrastruktur geschehen. Hohe Baukosten, lange Bau- und Amortisationszeiten sind für Betreiber von Gewerbeimmobilien nichts Ungewöhnliches, aber die Entscheidung für ein finanzielles Engagement braucht Investitionssicherheit. In den meisten Regionen sind zwei parallele Glasfaseranschlussnetze nicht rentabel; daher sollte ein Investor eine realistische Chance auf eine Amortisation erhalten.
  5. Öffentliche Ausschreibungen als langfristige Konzessionen: Eine Konzessionsvergabe für langfristige Versorgungsinfrastrukturen ist üblich und sowohl für Kommunen als auch für Stadtwerke und Versorgungsunternehmen geübte Praxis. Warum sollte nicht auch eine langfristige Infrastruktur wie ein Leerrohranschlussnetz im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung als langfristige Konzession vergeben werden? Die Forderung nach einem offenen und diskriminierungsfreien Netzzugang an den Konzessionsnehmer sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Garantie von Versorgungssicherheit und Verfügbarkeit.
  6. Ausgestaltung neuer Förderprogramme für Glasfaseranschlussnetze: Dies ist ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Verankerung des Infrastrukturausbaus in der Fläche. Mit neuen Förderprogrammen sollten anteilig und zeitlich befristet Personalkosten für Breitbandkoordinatoren in Kreisen und Kommunen übernommen werden, damit möglichst flächendeckend Breitbandkoordinatoren eingesetzt werden. Zusätzlich kann der tatsächliche Ausbau durch Förderung der einmaligen Erstellung von Netzplanungen stimuliert werden; diese sind eine Voraussetzung für die Nutzung von Synergien mit Tiefbaumaßnahmen. Als Erfordernis sollte ein fundiertes Geschäftskonzept vorliegen und ein Betreiber der Infrastruktur identifiziert worden sein. Auf diese Weise kann man auch in Regionen, in denen sich z.B. im Rahmen einer Konzessionsausschreibung kein privatwirtschaftlicher Anbieter bewirbt, einen Ausbau durch kommunale Institutionen ermöglichen.
  7. Verbindung von Finanzierungsangeboten an Kommunen und kommunale Institutionen mit einer Landesbürgschaft: Ziel ist es, auch finanzielle schwächere Kommunen in die Lage zu versetzen, eigene Aktivitäten zum langfristigen Aufbau von neuen Anschlussnetzen aufzunehmen.
  8. Entwicklung von verbindlichen Normen und Verordnungen für die Verlegung von Leerrohrsystemen: Das betrifft (auch) Arbeiten in niedrigerer Tiefe und unter Umgehung der bisher üblichen „Tiefenschichtung“ der Infrastrukturen. Ziel ist, Sicherheit sowohl für genehmigende Behörden als auch für investierende Infrastrukturbetreiber zu schaffen. Denn die Tiefbaukosten werden von der Tiefe und Breite der Gräben für die Leerrohrsysteme erheblich beeinflusst. Bei einer Verlegung im Beilauf zu anderen Tiefbaumaßnahmen kann weiterhin die „Standardtiefe“ von 60 cm verwendet werden, für Verlegemaßnahmen ohne Synergien aber reduzieren alternative Verlegetechniken die Kosten erheblich. Damit dies sowohl für die genehmigenden Kommunen als auch für die Infrastrukturbetreiber planbar und ohne zusätzliche Risiken erfolgen kann, sollten hierfür verbindliche DIN-Normen geschaffen werden.
  9. Förderung von interkommunalen oder kreisweiten Aktivitäten: Gesonderte Anreize können zu großflächigen Ausbauregionen führen, die eine höhere Wirtschaftlichkeit erwarten lassen als der Betrieb von kleineren kommunalen Netzen. Die regelmäßige Kommunikation über den Stand der Aufbauaktivitäten und das Herausheben von Best-Practice-Beispielen erhöht die Wahrnehmung und erzeugt zusätzlichen öffentlichen Druck auf die Umsetzung des Infrastrukturaufbaus. Mit einer fachlichen Beratung von Kommunen und der aktiven Begleitung der Ausbauvorhaben kann vor Ort fehlendes Wissen ausgeglichen werden.

Jürgen Kaack 31.07.2014, 09.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Warum die Marktkräfte alleine nicht zu Glasfaser-Hausanschlüssen führen

Im Telekommunikationsmarkt gibt es aufgrund der asymmetrischen Regulierung einen im Großen und Ganzen funktionierenden Wettbewerb. Alle Regelungen basieren auf den bekannten Technologien. Im Mobilfunk funktioniert der Wettbewerb seit Einführung der GSM-Netze Anfang der 90er Jahre und hier sind nur Eingriffe zur Wahrung der Kundeninteressen erforderlich, wie z.B. beim grenzüberschreitenden Roaming. Leitungsgebundene Anschlussnetze wie die Kupfer-Doppelader oder das Koaxialkabel werden von den etablierten Betreibern aufgrund der hohen Tiefbaukosten derzeit außer bei der Aufrüstung von bestehenden Anschlussnetzen (VDSL, Vectoring, Rückkanalfähigikeit von Kabel-TV Netzen) sowie in Neubaugebieten kaum verlegt. Daher ist die Regulierung des Wettbewerbs für die Nutzung der bestehenden Anschlussnetze in hohem Maße erforderlich.

Während der Wettbewerb bei NGA-Diensten noch gut funktioniert, versagt er bislang bei Glasfaser-Anschlussnetze. Aufgrund der hohen Investitionskosten für die Errichtung ist eine rein privatwirtschaftliche Umsetzung schwierig.
Zudem wächst das übertragene Datenvolumen mit Raten von ca. 20% p.a. Bedarf stetig über die Jahre hinweg an und macht den Umstieg auf Glasfaser-Hausanschlüsse in der Breite vermutlich in 10 bis 15 Jahren erforderlich. Die derzeitige Diskussion um Bandbreiten ist dabei allerdings nicht hilfreich, da derzeit keine Massenmarktdienste verfügbar sind, die über 100 Mbit/s erfordern würden.

Die für die Mehrzahl der derzeitigen Anforderungen in der Regel ausreichende Leistungen der DSL-Technologien und Kabel-Netze ergeben durch fehlende Akzeptanz und geringe Wechselbereitschaft bei den potentiellen Kunden ein erhebliches Handicap und Geschäftsrisiko für Betreiber neue Hochleistungsnetze. Trotzdem muss jetzt mit dem Bau der neuen Anschlussnetze begonnen werden, wenn Synergien zur Senkung der Kosten genutzt werden sollen und in 10 bis 15 Jahren bei weiter steigendem Bedarf neue Anschlüsse bis in den Gbit/s-Bereich zur Verfügung stehen.

Um einen flächendeckenden Ausbau zu stimulieren, ist ein Aufbruch der Wertschöpfungsketten insbesondere bei den traditionell vertikal integriert arbeitenden Netzbetreibern erforderlich. Das Geschäft mit passiver Infrastruktur folgt mit hohen Vorabinvestitionen und langen Amortisationszeiten anderen Geschäftsprinzipien als der aktive Netzbetrieb und der Dienstebetrieb. Im Unterschied zur bisherigen Infrastruktur ist zu erwarten, dass nicht einige wenige große Infrastrukturbetreiber den Aufbau übernehmen werden, wie dies in der Vergangenheit insbesondere durch die damals staatliche „graue“ Post für die Kupferdoppelader und das Kabel-TV Netz erfolgte, sondern viele regionale und mittelständisch aufgestellte Betreiber. Beim Ausbau der Infrastruktur können gerade kommunale Unternehmen, wie z.B. Stadtwerke eine wichtige Rolle spielen. Für diese Unternehmen gibt es eine enge Verwandtschaft zum Kerngeschäft mit Versorgungsnetzen und diejenigen Versorger, die Strom-Verteilnetze betreiben, benötigen in Zukunft für die zeitnahe Zählerfernablesung und die Steuerung von Energieerzeugern in Smart-Grids Datenleitungen zu jedem Haushalt.

Hohe Vorleistungskosten bei derzeit niedriger Kunden-Akzeptanz und lange Amortisationszeiten lassen Investoren zurückschrecken, obwohl zur Vermeidung hoher späterer Kosten jetzt mit dem Bau der neuen Anschlussnetze in der Fläche begonnen werden sollte.


Um unter diesen Randbedingungen das neue Geschäft mit passiven Anschlussnetzen zu entwickeln, kann die Politik maßgeblich unterstützen. Dabei ist es nicht erforderlich oder sinnvoll, das neue Anschlussnetz ähnlich wie das „alte“ Anschlussnetz der Kupferdoppelader durch den Staat oder ein Staatsunternehmen zu errichten. Vielmehr müssen Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für potentielle Investoren geschaffen werden. Ganz ohne öffentliche Mittel und eine aktive Koordination wird der Infrastrukturaufbau aber nur sehr langsam und vermutlich oft auch ineffizient erfolgen. Öffentliche Mittel im Rahmen von Förderprogrammen können richtig eingesetzt nachhaltig unterstützend wirken. Offensichtlich ist, dass für den Aufbau eines nachhaltigen Anschlussnetzes eine Abkehr vom Grundsatz der Technologie-Neutralität erforderlich ist.

Jürgen Kaack 28.07.2014, 08.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Politik kann und sollte den Glasfaserausbau stärken

Der Breitbandmarkt ist weiterhin hoch dynamisch und im letzten Jahr hat die Einführung von Vectoring zu erheblichen Veränderungen in den Geschäftsmodellen geführt, die nicht schwerpunktmäßig im technischen Bereich liegen. Bei allen unbestrittenen Vorteilen bleibt Vectoring eine Brückentechnologie, die allerdings etwas mehr Zeit verschafft für den Aufbau von flächendeckenden Glasfaser-Netzen. Mehr Zeit kann bei konsequenter Nutzung von Synergien gleichbedeutend sein mit niedrigeren Kosten!

Damit ein flächendeckender Aufbau trotz der erschwerten Marktbedingungen in größerem Umfang in Angriff genommen wird, bedarf es auch der Unterstützung durch die Politik. Fördermittel sind dabei zwar nicht unwichtig, aber auch nicht von zentraler Bedeutung. In einem Artikel habe ich die aus meiner Sicht wichtigsten 9 Punkte zusammengetragen:

  1. Flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen als Ziel mit einem Zeithorizont von 10 bis 15 Jahren formulieren und kommunizieren;
  2. Glasfasernetze als eigenständige Infrastruktur neben den NGA-Netzen etablieren;
  3. Schaffung von rechtlichen Grundlagen zum Aufbau in "schwarzen" NGA-Flecken durch Kommunen und kommunale Unternehmen;
  4. Schaffung von Investitionssicherheit für Infrastrukturbetreiber;
  5. Ausschreibung des Netzaufbaus in Form langlaufender Konzessionen als Option prüfen;
  6. Neue Förderprogramme aufsetzen zum nachhaltigen Ausbau in der Fläche anstatt punktueller Verbesserungen auf der Basis verlorener Zuschüsse an Betreiber;
  7. Finanzierungsangebote für Infrastrukturaufbau mit Landesbürgschaften absichern;
  8. Entwicklung verbindlicher Normen für die Verlegung in geringerer Verlegetiefe und
  9. Förderung interkommunaler oder kreisweiter Aktivitäten.
Die Glasfaser-Anschlussnetze von morgen werden voraussichtlich nicht von wenigen großen Netzbetreibern aufgebaut wie die Kupferdoppelader-Netze und das Koaxialkabel in der Vergangenheit. Vielmehr werden regionale Betreiber (privatwirtschaftliche Betreiber, Stadtwerke und Versorgungsunternehmen oder andere kommunale Institutionen) diesen Ausbau übernehmen. Für diese ist es aber wichtig, die richtigen Voraussetzungen anzutreffen. Hierbei kann die Politik mit den oben beschriebenen Maßnahmen unterstützten.

Jürgen Kaack 18.07.2014, 08.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nur Glasfaser schafft Nachhaltigkeit

Durch den Ausbau der Kabel- und Kupferdoppeladernetze z.B. unter Nutzung von Vectoring (VDSL2) wird ein guter Zwischenstand erreicht mit Zugangs-Geschwindigkeiten, die deutlich über den bisherigen Versorgungs-Werten liegen und den durchschnittlichen Breitband-Bedarf für die nächsten 5 bis 10 Jahre voraussichtlich gut decken werden. Allerdings steigt das übertragene Datenvolumen seit Jahren ständig an, in Deutschland aktuell um jährlich 18 %. Gleichzeitig erfordern neue Anwendungen schnellere Zugänge und Cloud-Lösungen für Betriebe und Haushalte funktionieren am besten mit schnellen Upstream-Anschlüssen. Langfristig führt somit nichts an Glasfaser-Hausanschlüssen vorbei, die nahezu unbegrenzte Datenmengen fast verlustfrei transportieren können. Kein Medium ermöglicht physikalisch eine schnellere Übertragung als das Licht.

Keine andere Breitband-Technologie außer dem Kabelnetz ist allerdings mit so hohen Investitionskosten bei der Verlegung verbunden, da zum Netzaufbau von dem Glasknoten zu jedem Haushalt eine durchgehende optische Verbindung hergestellt werden muss. Glasfaser-Anschlussnetze benötigen hierzu eine aus Microduct-Leerrohren bestehende Infrastruktur. Aufgrund der hiermit verbundenen Investitionskosten kann der Aufbau nur über Jahre verteilt und möglichst gemeinsam mit anderen Tiefbaumaßnahmen erfolgen.  Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Voraussetzungen im Hinblick auf vorhandene Infrastrukturen, Topographie, Bodenklasse, Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur sowie potenziellen Infrastrukturbetreibern (z.B. Stadtwerke) sind individuelle Geschäftspläne und Planungen zu erstellen (Studie von Dr. Kaack aus dem Frühjahr 2014).

Der Vectoring-Ausbau und die bestehenden Kabelnetze mit ihren hohen Leistungen verschaffen den Kommunen als Brücken-Technologien die notwendige Zeit, um den Netzaufbau unter Nutzung von allen möglichen Synergien zu bewältigen. Bei einer frühzeitigen Planung und einem zügigen Beginn der Umsetzung kann über einen Zeitraum von ca. 15 Jahren fast überall ein geschlossenes Netz geschaffen werden. Das könnte dann auch der richtige Zeitpunkt für einen Umstieg auf Glasfaser-Hausanschlüsse sein.

Jürgen Kaack 30.06.2014, 08.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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