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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: FttB

Rückblick auf das Breitband-Jahr 2016

2016 war in vieler Hinsicht ein besonderes Jahr, auch ohne auf politische Entwicklungen eingehen zu wollen. Der Breitbandausbau ist in diesem Jahr vorangekommen und auch der FTTB-Ausbau gewinnt an Fahrt. Sehr viele Kreise und Städte haben Beratungsprojekte für eine Analyse der Situation und die Ableitung von Konzepten beauftragt. Die in NRW eingeführte Förderung der Personalkosten für Breitbandkoordinatoren zeigt gute Resonanz und es ist abzusehen, dass die meisten Gebietskörperschaften demnächst eigene Mitarbeiter für Breitbandfragen haben. Für die Folgejahre bleiben noch viele Aufgaben offen und für die Migration von FTTC zu FTTB sind Konzepte erforderlich. Im November wurde mein Buch zum Breitbandausbau „Schnelles Internet in Deutschland: Geschäftsmodelle und Fallbeispiele für den Ausbau“ veröffentlicht, das Gebietskörperschaften Hilfestellung bei der Planung des Breitbandausbaus bieten soll.

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Jürgen Kaack 26.12.2016, 17.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Erfahrungen aus aktuellen Breitbandprojekten: kleiner, teurer und weniger Anbieter!

In den letzten Wochen wurden einige Beratungsprojekte zum Breitbandausbau fertiggestellt, die STZ-Consulting begleitet hat. In 12 Ortschaften sollte flächendeckend eine bessere Breitbandanbindung erreicht werden. Gemeinsam ist allen Einzelvorhaben, dass sie erst nach der Erhöhung der Unterversorgungsschwelle auf 6 Mbit/s in der Förderrichtlinie vom 04.05. diesen Jahres förderfähig geworden sind und die Mehrheit der Anschlüsse bereits mit Zugängen von über 2 Mbit/s versorgt sind. Gemeinsam ist dem Vorhaben in allen 12 Ortschaften ebenfalls, dass der Ausbau in wesentlichen Teilen durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarentwicklung und Küstenschutz (GAK) finanziert werden sollen.

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Jürgen Kaack 05.12.2015, 11.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nachhaltiger Breitbandausbau und Fördermittel: kein Allheilmittel in Sicht!

Phasen eines Breitbandausbaus

Auf dem Weg zu schnellen und nachhaltigen Zugangsinfrastrukturen, bei denen der Dienst die erforderliche Geschwindigkeit bestimmt und nicht das Übertragungs-Medium, ist der Ausbau in Phasen sinnvoll. Dabei ist zunächst ...

  • die verbleibende Unterversorgung (< 6 Mbit/s im Downstream) zu beseitigen,
  • gleichzeitig oder in der Folge ist NGA-Fähigkeit (> 30 Mbit/s) sicherzustellen und schließlich
  • die flächendeckende Errichtung von Glasfaser-Anschlussnetzen voranzutreiben, die in transparenter Form allen heutigen und zukünftigen Dienstebetreibern zur Verfügung gestellt werden.

Die aktuell von der Bundesnetzagentur getroffene Entscheidung zum Ausbau der Nahbereichs-KVz im Umkreis von 550 Meter um die ca. 7.900 Hauptverteiler mit Vectoring ist im Hinblick auf die Wettbewerbssituation unter den TK-Anbietern kaum förderlich, für den Ausbau von weißen NGA-Flecken bringt sie in der überwiegenden Zahl der Fälle keinen Vorteil, da das Umfeld der Hauptverteiler bereits heute fast vollständig mit VDSL versorgt ist. Parallel dazu finden sich in diesen Gebieten in der Regel auch Anschlussnetze der Kabelnetzbetreiber mit Bandbreiten bis 200 Mbit/s. Der 550 Meter Umkreis um die Hauptverteiler ist somit in vielen Kommunen nicht nur ein grauer, sondern sogar ein schwarzer NGA-Fleck.

Einsatzfelder vorhandener Förderprogramme

Die Notwendigkeit und Einsetzbarkeit von Förderprogrammen kann anhand der jeweiligen Bedingungen analysiert werden. Bis auf die Herstellung der Grundversorgung basieren die Förderprogramme auf der NGA-Rahmenreglung vom 15.06.2015, die die Gewährung von Zuwendungen in Gebieten ermöglicht, die heute nicht mit mindestens 30 Mbit/s im Downstream versorgt sind oder innerhalb von 36 Monaten im Eigenbau aufgerüstet werden.

  • Sicherstellung der Grundversorgung und Schließung der „weißen“ Flecken, von denen es insbesondere in Randbereichen vieler Kommunen immer noch welche gibt. In NRW verbleiben ca. 5% der Anschlüsse mit einer Versorgung von weniger als 6 Mbit/s. Diese verbleibenden weißen Flecken liegen typischerweise in Siedlungen mit niedrigen Einwohnerzahlen und langen Anlaufwegen. Beim Ausbau mit DSL-Technologien steigt die Wirtschaftlichkeitslücke deutlich an. Die Co-Finanzierung einer Deckungslücke ist innerhalb der Förderkulisse in der Regel über das GAK-Programm möglich.
  • Die Finanzierung auch eines nachhaltigen Ausbau der Betriebe in Gewerbegebieten mit Glasfaser-Hausanschlusses ist mit der Neugestaltung des RWP-Programms deutlich verbessert worden. Der Entfall einer Förderkulisse und die Anhebung der Unterversorgungsgrenze erweitern die förderfähigen Gebiete. Nicht förderfähig bleiben Gebiete, die mit einer Vectoring-Technologie oder mit Kabelnetzen versorgt sind. Bei Gewerbegebieten im ländlichen Raum mit wenigen Betrieben und langen Anlaufstrecken kann es allerdings trotz Förderung schwierig werden, einen wirtschaftlichen Ausbau zu realisieren.
  • Ein nachhaltiger Ausbau in Neubau- und Erschließungsgebieten ist mittlerweile oft problemlos möglich, wenn die Kommune rechtzeitig vor der Erschließung mit den Netzbetreibern Kontakt aufnimmt. In dieser frühen Phase ist die Mitverlegung der Glasfaser ohne größere Kosten möglich. Als Netzbetreiber kommen sowohl DSL- als auch Kabelnetzbetreiber in Betracht. Fördermaßnahmen sind in diesem Fall nicht erforderlich.
  • Mit dem neuen NGA-Förderprogramm des Bundes kann jetzt auch der Ausbau der weißen NGA-Flecken mit weniger als 30 Mbit/s durch Fördermittel cofinanziert werden. Betroffen sind ca. 25% Anschlüsse in NRW. Die Ausführungsbestimmungen des NGA-Förderprogramms sind zwar noch nicht bekannt und die Anforderungen an die Auswahl an förderfähige Gebiete nicht bekannt. Trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass wesentliche Teile der verbleibenden weißen NGA-Flecken förderfähig sind, sofern sich ein Infrastrukturbetreiber findet. Nicht förderfähig sind alle Gebiete, die mit Kabelnetzen oder Vectoring-Technologie ausgebaut sind.
  • Für die Errichtung von flächendeckenden Glasfaser-Anschlussnetze in NRW, die in einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren benötigt werden, gibt es bislang weder ein Ausbaukonzept noch Fördermittel von Bund und Land.

Restriktionen der Förderprogramme

Bei derBeseitigung von unterversorgten Gebieten hat sich in manchen Fällen die Förderkulisse als begrenzende Größe erwiesen, so dass in diesen Gebieten eine Finanzierung nur mit Haushaltsmitteln möglich ist. Mit dem neuen Bundesförderprogramm können Kommunen auch in diesen Gebieten eine Förderung für den Ausbau erhalten, allerdings muss dafür ein Anbieter gefunden werden, der eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s garantiert. So lange Vectoring nicht förderfähig ist, bleiben als Technologien Richtfunk und Glasfaser-Hausanschlüsse ( FttB oder FttH).

In Kommunen, in denen Infrastrukturbetreiber (z.B. Stadtwerke) bereits mit der Errichtung von FttB-Netzen begonnen haben, kann das Förderprogramm den wirtschaftlichen Ausbau in den in der Regel am Rande der Kommunen anzutreffenden weißen NGA-Flecken ermöglichen. Die auch für den FttB-Ausbau benötigte aktive Systemtechnik (Glas-PoP) erfordert eine ausreichende Kundenzahl für einen wirtschaftlichen Betrieb. Bei der Ergänzung vorhandener FttB-Netze um weiße NGA-Flecken stellt das Marktpotential keine direkt begrenzende Größe dar. Hier kann davon ausgegangen werden, dass die neu zu errichtenden  Anschlussnetze an die vorhandenen Netzknoten angebunden werden.

In Kreisen und Kommunen, in denen bislang keine Infrastrukturbetreiber tätig sind, dürfte der durch das Förderprogramm gegebene Anreiz nicht ausreichen, um einen wirtschaftlichen Ausbau der verteilten und dünn besiedelten weißen NGA-Flecken zu beginnen. In diesen Fällen muss auch die aktive Netzinfrastruktur neu errichtet werden und das Erreichen der Wirtschaftlichkeit ist vermutlich nur in Einzelfällen gegeben.

Die bei den Anforderungen an einen Förderantrag enthaltenen Daten zum Netzausbauplan sollte auf die Fälle begrenzt werden, in denen Kommunen im Eigenbetrieb oder durch kommunale Unternehmen einen Infrastrukturausbau vornehmen wollen. Fehlen eigene Betreiber passiver TK-Infrastrukturen, sollte die Netzplanung auf den privatwirtschaftlichen Betreiber verlagert werden, der sich am Auswahlverfahren beteiligen wird. Unterschiedliche Netzbetreiber haben unterschieldiche Planungsstandards, möglicherweise andere Übergabepunkte zu nationalen Backbonenetzen und andere Anforderungen an die Netztopologie. Die Kosten, der auch in diesem Fall erforderlichen Netzplanungen sollten im Rahmen der Deckungslücke kompenasiert werden. Die Aufgabe der Kreise und Kommunen besteht bei diesem Vorgehen in erster Linie in der Ausgestaltung eines tragfähigen Geschäftsmodells und der Gewinnung von Unternehmen für Infrastrukturerrichtung und –betrieb, den Betrieb der aktiven Netzkomponenten und den Dienstebetrieb.

Ähnliche Fragestellungen gelten auch für die Förderung der Gewerbegebiete, wobei aufgrund der hier oft anzutreffenden höheren Bedarfe bei Unternehmen und den teureren Geschäftskunden-Tarifen ein höheres Interesse der Betreiber an einem Ausbau zu erwarten ist. Dies zeigt sich auch in der vergleichsweise höheren Anzahl an Betreibern, die heute bereits im Bereich der Vernetzung von Unternehmen tätig sind. Bislang erfolgt dies allerdings eher mit Glasfaserdirektanschlüssen für einzelne Unternehmen und eher seltener durch den Ausbau ganzer Gewerbegegebiete. In Wohnsiedlungen, aber auch in Gewerbegebieten kann die verbindliche Zusicherung eines Vectoring-Ausbaus bestehende FttB-Ausbauplanungenunter Zufinanzierung durch ein Förderprogramm zunichte machen.

Förderprojekten ist gemeinsam, dass der bürokratische Aufwand zunehmend steigt. Die Anforderungen bis zum Förderantrag sind so hoch, dass viele Kommune selbst für vergleichsweise einfache Vorhaben Unterstützung durch externe Berater benötigt. In Verbindung mit dem bürokratischen Aufwand ist die Zeitdauer bis zu einem Förderbescheid zu sehen. Es gibt Fälle, in denen der geförderte Ausbau die bevorzugte Variante ist. Aber es gibt auch Fälle, in denen in Zusammenarbeit mit Netzbetreibern Lösungen gefunden werden, die ohne Fördermittel umgesetzt werden können. Optionen sind die Gewinnung von Vorverträgen, der Bau von Leerrohren und die Erleichterung von Tiefbaumaßnahmen.


Im Gegensatz zu Förderprojekten besteht bei Beachtung der beihilferechtlichen Grenzen höhere Flexibilität. Allerdings erfordert dieses Vorgehen eine intensivere Beschäftigung der Kreise und Kommunen mit der Konzeption und Umsetzung. Ohne einen hauptberuflichen Breitbandkoordinator wird eine solche Lösung weder erarbeitet noch umgesetzt werden können. Gerade auch en Ausbau mit FttB-Strukturen ist auf diesem Wege möglich und dies nicht nur begrenzt auf die zunehmend kleineren weißen NGA-Flecken. Sofern aber doch Fördermittel für eine Breitband-Maßnahme erforderlich (oder sinnvoll) ist, dann sollte der bürokratische Aufwand so niedrig wie im Rahmen der beihilferechtlichen Anforderungen möglich gehalten werden.
 

Unterstützung des flächendeckenden Glasfaser-Ausbaus


Da das neue Bundes-Förderprogramm durch die Begrenzung auf weiße NGA-Flecken vermutlich wenig zu einem flächendeckenden Ausbau von Glasfaser-Anschlussnetzen beitragen kann, sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auf dieses Ziel einzahlen. Die (anteilige) Finanzierung der Personalkosten von neu einzustellenden Breitbandkoordinatoren in den Kreisen und kreisfreien Städten ist ein wichtiger und sinnvoller Schritt, da der Breitbandausbau ein langfristig anzulegendes Unterfangen ist.

Im Hinblick auf die erheblichen Kosten für den Bau neuer Anschlussnetze sollte insbesondere in Gebieten mit bestehender NGA-Versorgung („graue“ oder „schwarze“ NGA-Flecken) der Ausbau in erster Linie unter Nutzung von Synergien zu anderen Tiefbaumaßnahmen auf der Basis von Grenzkosten erfolgen. In NGA-versorgten Gebieten ist es dabei aus heutiger Sicht nicht kritisch, wenn sich der Ausbau bis zur Flächendeckung über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren erstreckt.

Für den flächendeckenden Ausbau von FttB-Netzen sollte eine rechtliche Grundlage für den Ausbau in grauen und schwarzen NGA-Flecken geschaffen werden, da auch diese heute mit Brückentechnologien ausreichend versorgten Gebiete zukünftig eine auf einer Leerrohr-Infrastruktur aufbauende Versorgung benötigen. Durch den Ausbau mit Brückentechnologien wird die notwendige Zeit geschaffen, um unter Nutzung von Synergien Leerrohr (Micro-Duct)-Netze längerfristig aufzubauen. Da aber auch ein solcher Ausbau Kosten verursacht, sollte eine rechtliche Grundlage für Kommunen und kommunale Unternehmen geschaffen werden. Der „Umweg“ über eine Nutzung zur Smart-Meter Zählerfernablesung erscheint dafür nicht zielführend.

Entstehen auf diesem Wege über die Zeit Inseln mit Glasfaser-Anschlussnetzen, können diese verdichtet und vervollständigt werden unter Nutzung kostensenkender Verlegetechniken, z.B. der mindertiefen Verlegung. Dies kann in solchen Fällen sinnvoll sein, wenn Betreiber an der Anmietung der neuen Anschlussnetze interessiert sind. Die Nutzung der passiven Anschlussnetze muss allen – insbesondere aber den heutigen Netzbetreibern – diskriminierungsfrei und zu gleichen Bedingungen offenstehen. Auf diesem Wege kann über eine längeren Zeitraum auch in grauen und schwarzen NGA-Flecken ein Umstieg auf Glasfaser-Hausanschlüsse ermöglicht werden. Auf lange Sicht kann durch die mit den Dienstebetreibern vereinbarten Nutzungsentgelte Wirtschaftlichkeit dieser Infrastrukturen erreicht werden.

Jürgen Kaack 30.11.2015, 10.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Frequenzauktion erbringt 1,33 Mrd. € für den Ausbau schneller Breitbandnetze

Die große Auktion der frei gewordenen Frequenzen in den verschiedenen Frequenzbändern zwischen 700 und 1.850 MHZ wurde mit Spannung erwartet und das Interesse an dem verfügbaren Spektrum war bei den drei Mobilfunkbetreibern offensichtlich sehr hoch! Mit einem Ergebnis in Höhe von € 1,33 bei der Frequenzauktion für die 700 MHz Bänder aus der digitalen Dividende II steht ein höherer Beitrag für den Breitbandausbau zur Verfügung, als ursprünglich erwartet.


Die Hälfte des Auktionsergebnisses geht an die Länder und nach dem Königsteiner Schlüssel 21% für NRW. Somit kann NRW knapp 140 Mio. € in den Breitbandausbau investieren. Interessant bleibt allerdings, wie das zugehörige Förderprogramm aussehen wird, welche Bedingungen an eine Förderung geknüpft werden und wann auf dieses Programm zugegriffen werden kann? Die zur Verfügung stehende Summe könnte ja vielleicht auch anteilig in die Personalkosten für die regionalen Breitband-Koordinatoren gesteckt werden! Sofern ein Kreis oder eine Kommune ein Konzept für die Errichtung eines Glasfaser-Anschlussnetzes erstellt hat und ein Infrastrukturbetreiber für das passive Netz gefunden wurde, könnte die anteilige Förderung der Erstellung eines technischen Netzplanes die Eintrittsbarrieren für Gebietskörperschaften senken.


Die offiziellen Ergebnisse der Auktion finden sich auf der Seite der Bundesnetzagentur.


Jürgen Kaack 19.06.2015, 13.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL

NGA-Rahmenregelung erweitert die Möglichkeiten für den Breitbandausbau

Die Förderung des Breitbandausbaus beschränkte sich bislnag auf die Beseitigung von weißen Flecken in der Grundversorgung. Eine Ausnahme bildete das zeitlich befristete Programm des Konjunkturpakets II. Hiermit konnte auf der beihilferechtlichen Grundlage der Bundesrahmenregelung Leerrohre unter bestimmten Bedingungen der Aufbau eines FttB-Netzes mit Leerrohren bis zur Grundstücksgrenze gefördertwerden. Seit der Beendigung des Programms konnten Kommune auch weiterhin unter den Bedingungen der Bundesrahmenregelung Leerrohre für den Breitbandausbau verlegen. Eine Förderung hierfür gab es in NRW nicht und auch eine zusätzlich vorhandene Deckungslücke konnte nicht ausgeglichen werden. Die am 15.06.2015 durch die EU notifizierte NGA-Rahmenregelung schafft endlich eine brauchbare Grundlage für den nachhaltigen NGA-Ausbau.


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Jürgen Kaack 17.06.2015, 10.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vorgehen beim Breitbandausbau

Jürgen Kaack 25.12.2014, 12.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Großflächiger Breitbandausbau in Erkelenz ohne Zuwendungen

Erkelenz war bis vor Kurzem mit Breitband bis auf die Kernstadt eher schlecht versorgt. 16 Ortsteile waren sogar mit mehrheitlich weniger als 2 Mbit/s unterversorgt. Für Erkelenz hat sich die Durchführung eines größeren Breitbandprojektes Ende 2012 gelohnt. Die Deutsche Glasfaser baut einige der bislang unterversorgten, aber auch einige schwach versorgte Ortslagen mit Glasfaser-Hausanschlüssen aus und die Deutsche Telekom versorgt ergänzend mit dem Vorwahlbereich 02431 große Teile im Stadtgebiet einschließlich Kernstadt und  Gewerbegebieten mit Vectoring.

Ein Einsatz von Fördermitteln und Eigenleistungen der Stadt (außer im Rahmen der Projektdurchführung) ist nicht erforderlich. Nach Abschluss des Projektes im Herbst 2013 waren mit Katzem und Kleinbouslar noch zwei Ortsteile als förderfähig übriggeblieben, vielleicht ergeben sich aber auch für diese noch Lösungen ohne Zuwendungen.

In einem Bericht der "RP" wird über den aktuellen Ausbaustand berichtet. Erkelenz ist ein gutes Beispiel dafür, dass Eigeninitiative einer Kommune zu einem verbesserten Breitbandausbau führen kann. Manchmal gelingt es sogar ohne Fördermittel und ohne eigene Zuwendungen. Hierfür gibt es aber natürlich keine Garantie. Wettbewerb zwischen mehreren Netzbetreibern wirkt zusätzlich stimulierend!

In einem ausführlichen Bericht habe ich über die fast zeitgleich durchgeführten Breitbandprojekte in Wegberg und Erkelenz berichtet. Wegberg gehörte zu den ersten Kommunen mit ausgeprägt verteilter Besiedlung im ländlichen Raum, die einen (fast) flächendeckenden Vectoring-Ausbau erhalten haben.

Jürgen Kaack 12.12.2014, 15.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Glasfaseranschlüsse für alle in 140 Jahren?

Die Internetnutzung steigt jedes Jahr. In Deutschland sind derzeit noch gut 20 % der Bevölkerung nicht online. Das übertragene Datenvolumen steigt in Deutschland um jährlich ca. 20 %. Über 58 % der Haushalte nutzen bereits eine "Breitband"-Anschluss (dabei beginnt Breitband allerdings schon bei 2 Mbit/s). Es könnten zwar schon ca. 70 % der Haushalte mehr als 50 Mbit/s nutzen, tatsächlich gibt es aber noch weniger als 20 %, die dieses tatsächlich nutzen.

Trotzdem führt in der weiteren Entwicklung kein Weg an dem zugegebenermaßen aufwändigen Bau flächendeckender Glasfaser-Anschlussnetze vorbei, die die teilweise bereits über 60 Jahre alten Kupferdoppeladern in der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) ersetzen sollen. Mit durchgehenden Glasfaser-Strecken gibt es (fast) keine Geschwindigkeitsgrenzen und und nahezu unbegrenzte Übertragungskakpzitäten. Damit bestimmt der vom Kunde gewünschte Dienst, welche Bandbreite benötigt wird und nicht der vorhandene Anschluss entscheidet, ob ein Dienst überhaupt genutzt werden kann.

Der Bau von Glasfaseranschlussnetzen kommt nur langsam voran. Nachdem die Telekom den Bau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Wesentlichen auf Neubaugebiete beschränkt bleiben die alternativen Netzbetreiber (Regional- und Stadtnetzbetreiber, Stadtwerke etc.), die den Ausbau insbesondere auch im ländlichen Raum vorantreiben. Diese Netzbetreiber haben bislang 1,4 Mio. Glasfaser-Hausanschlüsse (FttB) in Deutschland realisiert. 2015 sollen weitere 0,27 Mio. FttB-Anschlüsse hinzukommen., wie dem Bericht über die Jahresversammlung des Buglas-Verbandes zu entnehmen ist.

Das ist für die überwiegend mittelständischen Unternehmen eine große Leistung. Aber Deutschland hat 40,4 Mio. Haushalte und wenn der Ausbau nur durch die alternativen Netzbetreiber erfolgt, dauert es über 140 Jahre bis alle Haushalte einen Glasfaser-Anschluss erhalten! Ist das der Wille der Politik oder endet das Denken in der Poltik bei VDSL mit 50 Mbit/s oder bei Vectoring mit 100 Mbit/s? Gleichzeitig wächst das im Internet übertragene Datenvolumen um über 20% im Jahr. Ohne konkrete Unterstützungsleistung durch den Staat wird es wohl bei 140 Jahren Bauzeit bleiben.

Dabei müssen Unterstützungsleistungen nicht nur in Form von Fördermitteln gewährt werden. Vereinfachung von bürokratischen Hürden für die Tätigkeit von kommunalen Unternehmen, Schaffung von Investitonsschutz - z.B. durch die Vergabe von regionalen Konzessionen für FttB-Netze, die Normierung alternativer Verlegetechniken, die einfache Einräumung von Wegerechten etc. können ebenfalls stimulierend wirken.

Die in der Poststrukturreform II nicht vorgenommene Trennung von Netz und Dienst wirkt bis heute bremsend auf den Ausbau. Daher könnte es in Regionen ohne privatwirtschaftliche Aktivitäten auch notwendig werden, öffentliche Infrastrukturgesellschaften zu gründen, die zwar aus Steuermitteln vorfinanziert werden müssten, aber auf eine längere Sicht von 20 bis 30 Jahren aufgrund der Mieteinnahmen für die passive Infrastruktur durchaus wirtschaftlich arbeiten könnten. Allerdings bedarf es dazu eine nachhaltigen und zukunftsortientierten Breitbandstrategie anstatt einer einseitigen Fokussierung auf die Optimierung von Brückentechnologien mit begrenztem Potenzial.

Jürgen Kaack 11.12.2014, 10.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geschäftsmodell vor Netzplanung beim Aufbau von Glasfasernetzen

Die Stadt  hat in Teilen eine in Bezug auf die heutigen Bedürfnisse ausreichende Versorgung mit bis zu 200 MBit/s. Außerhalb der Kernstadt, in der oft durch einen Kabelnetzbetreiber ein leistungsfähiges Koaxialnetz verfügbar ist, und anderer durch Eigenleistung der Netzbetreiber und auf Initiative der Kommune ausgebauten Gebiete fällt die Versorgung meist deutlich ab. Durch den derzeit in vielen Kommunen im Eigenausbau durch die Netzbetreiber vorgenommenen Ausbau mit Vectoring-Technologie werden große Gebiete eine NGA-Versorgung erhalten. Schon heute könnten im Durchschnitt ca. 70 % der Haushalte NGA-Anschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s nutzen.

 

Allerdings ist auch die Vectoring-Technologie „nur“ als eine Brückentechnologie zu sehen, da sie für die Teilnehmerzugang auf die alten Kupferdoppeladern der Telekom setzen. Aufgrund der mit der Frequenz und der Entfernung ansteigenden Dämpfung in einem Kupferkabel wird mit dieser Technologie die Bandbreite kaum über 150 MBit/s ausweitbar sein. Mit dem Koaxialkabel der Kabel-TV-Netze ist bereits heute mit DOCSIS 3.0 eine Bandbreite von 200 (maximal derzeit 450) MBit/s verfügbar. Aber auch diese Technologie stößt an Ihre Grenzen und bietet genau sie Vectoring nur in begrenztem Umfang offene Netzplattformen. Mit Funktechnologien (UMTS, WLAN, WiMAX, LTE) werden in erster Linie mobile Anwendungen unterstützt. Nur in Ausnahmefällen können Funklösungen als Brückentechnologie auch für die stationäre Anbindung genutzt werden. Jede dieser Anschlusstechnologien benötigt eine breitbandige Zuführung entweder über Glasfaserstrecken oder Richtfunk.

 

Langfristig nachhaltig ist nur ein Ausbau mit durchgehenden Glasfaserstrecken bis zum Hausanschluss (FttB und FttH). Eine flächendeckende Lösung mit Glasfaser-Anschlüssen durch die Netzbetreiber ist allerdings auch in 10 Jahren kaum zu erwarten. Die schlechtere Wirtschaftlichkeit in Gebieten mit niedrigerer Besiedlungsdichte, langen Anlaufstrecken und die kurzen Abschreibungsfristen von 4 bis 5 Jahren sprechen dagegen. Somit wird der Ausbau von FttB-Netzen nur durch ein aktives Engagement der Kreise und Kommunen erfolgen. Im Rhein-Erft Kreis ist eine kreisweite Infrastruktur-Aktivität nicht absehbar, so dass eine Umsetzung in durch Initiative der Stadt erfolgen muss. 

 

Alternative Geschäftsmodelle prüfen

 

Bis auf Einzelfälle gibt es im Backbone-Bereich (überregional, aber fallweise auch interkommunal) ausreichende Kapazitäten, die zu Marktpreisen angemietet werden können. Problematisch ist dagegen in vielen Fällen das intra-kommunale Breitbandnetz. Für den Aufbau und Betrieb eines FttB-Netzes durch eine Kommune oder in Kooperation zwischen Kommune und Netzbetreiber beschränkt sich die Aktivität des kommunalen Partners in vielen Fällen auf den passiven Teil eines Anschlussnetzes mit in Schutzrohren verlegten Lichtwellenleitern. Eine Beteiligung am Betrieb von aktiven Netzkomponenten kann fallweise sinnvoll sein, das Angebot und die Vermarktung von Diensten dagegen in der Regel nicht. Der Aufbau eines Leerrohr-Netzes bis zu den Hausanschlüssen kann nur dann kostengünstig erfolgen, wenn alle Synergien mit anderen Baumaßnahmen (Straßen- und Kanalsanierung, Arbeiten am Niederspannungsnetz) genutzt werden und die Aktivitäten über einen längeren Zeitraum geplant und koordiniert werden.

 

Für die Umsetzung ist ein tragfähiges Geschäftsmodell für den Aufbau eines regionalen NGA-Netzes zu entwickeln. Die Amortisationsdauer sollte vergleichbar mit anderen Infrastrukturen im kommunalen Umfeld mit bis zu 20 Jahren angesetzt werden. Nach Festlegung des Betreibers der passiven Infrastruktur (in der Regel durch die Kommune oder eine kommunale Einrichtung) ist ein detailliertes Geschäfts- und Partnerschaftsmodell parallel zur technischen Netzplanung („Masterplan“) aus zu gestalten. Dabei müssen Interessen von Telekommunikationsunternehmen an der Nutzung eines NGA-Zugangsnetzes ermittelt und berücksichtigt werden. In der Praxis kommen folgende Gesschäftsmodelle für den Breitbandausbau unter Beteiligung eines Kreises oder einer Kommune in Betracht:

  • Ausbau mit Zuwendungen (Deckungslücke)
  • Ausbau unter Nutzung vorhandener Infrastrukturen
  • Ausbau mit bürgerschaftlichem Engagement
  • Ausbauoptionen mit Stadtwerken
  • Motivation von Netzbetreibern zum Ausbau
  • Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern
  • Gründung von Infrastrukturinstitutionen (alleine / Private-Public-Partnership)
  • Netzaufbau in Verbindung mit Sanierungsarbeiten im Versorgungsnetz
  • Zweckverbände als interkommunale Aktivitäten.


Wenn neben dem Betrieb des passiven Netzes auch die aktive Übertragungstechnik betrieben und Dienste angeboten werden sollen, könnte es für den wirtschaftlichen Erfolg des Konzeptes erforderlich sein, weitere Kommunen zur Teilnahme zu bewegen, damit eine kritische Masse an Kundenpotentialen erreicht wird.

 
Festlegung von Zielen

 

Vor einer Ausgestaltung der Projektumsetzung sind im Hinblick auf die grundsätzliche Breite möglicher Geschäftsmodelle Zielsetzungen und Prioritäten zu klären. Nach Darstellung der möglichen Geschäftsmodelle sind die Ziele für einen nachhaltigen Breitbandausbau zu erörtern:

  • Sicherstellen einer langfristig nachhaltigen Infrastruktur im Sinne der Daseins-Vorsorge;
  • Absicherung von Standortvorteilen gegenüber Nachbarkommunen
  • Eröffnung von Möglichkeiten zum Angebot eigener Dienste (verwaltungsnahe Dienste, Dienste der Versorger und Stadtwerke, Dienste gemeinnütziger Institutionen)
  • Erzielung von langfristigen Erträgen

 

Für die Umsetzung sind erste Ansätze zu prüfen (ohne endgültige Festlegung):

  • Abgleich von bestehender Versorgung und Bedarfsanalyse mit geplanten Sanierungsarbeiten als Grundlage für eine Priorisierung der Ausbaugebiete (Wohn- und Gewerbegebiete einschließlich Erweiterungs- und Neubaugebiete);
  • Diskussion der verschiedenen Alternativen und Optionen für ein tragfähiges Geschäftsmodell (Betrieb von Leerrohren, Dark-Fiber-Netzen oder Diensteplattform für digitalen Marktplatz …;
  • Einschätzung von potenziellen Risiken für die Amortisation eines Dark-Fiber Netzes mit Identifikation von Risikofaktoren und ihrer Bewertung. Zu den Risiken gehören z.B. technologische Entwicklungen, Marktveränderungen, anfangs schwache Nutzerakzeptanz, geringe Wechselbereitschaft, Preisverfall und Änderungen im Nutzungsverhalten, neue Wettbewerber, regulatorische Änderungen;
  • Beihilferechtliche Rahmenbedingungen für eine Umsetzung.

 

Diskussion vorhandener eigener Ressourcen (Personal und Infrastrukturen) der Stadt und durch kommunale Instituionen einzubringende Infrastrukturen und Kapazitäten. Da in kaum eigene Leerrohrinfrastrukturen vorhanden sind, ist zu prüfen, ob Infrastrukturen anderer Betreiber durch die Stadt genutzt werden können. Bei einem über die Motivation von Netzbetreibern hinausgehenden Wertschöpfungsziel sind u.a. auch personelle Ressourcen aufzubauen.


Evaluation alternativer Geschäftsmodelle

 

Falls der Aufbau eines eigenen Glasfaser-Anschlussnetzes ein Ziel für die Stadt ist, muss ein Betreiber für die passive Infrastruktur identifiziert werden. Sofern in dem Workshop zur Zielfestlegung noch keine Entscheidung über den Betreiber der passiven Infrastruktur getroffen werden kann, sind weitere Zwischenschritte mit möglichen Betreibern erforderlich. Es wäre von Vorteil, wenn hierfür eine Institution des Kreises oder der Stadt gefunden wird, um langfristige Kontinuität zu sichern. Aufbau und Betrieb eines Glasfaser-Anschlussnetzes ähnelt grundsätzlich dem Geschäft mit Versorgungsleitungen insbesondere im Strombereich, so dass sich hier am ehesten unmittelbare Synergien ergeben. Vor der eigentlichen Umsetzung von Netz- und Geschäfts-Planung ist das Geschäftsmodell zu konkretisieren und mögliche Kooperationspartner auszuwählen (in diesem Stadium aber noch ohne verbindliche Festlegung).

 

Für die Erstellung einer Netzplanung sollten Standorte für Glasfaser-Knoten und mögliche Übergabepunkte zu einem der nationalen Backbone-Betreiber bekannt sein. Außerdem sollte die Planung auf dem GIS-System erfolgen, dass von dem Infrastrukturbetreiber genutzt wird. Andernfalls kann eine spätere Überleitung der Planungsergebnisse für die Feinplanung zur Durchführung der Tiefbauplanung erschwert werden. Für die technische Planung und die Kalkulation von Kosten sollte auch schon zu einem frühen Zeitpunkt geklärt werden, ob alternative Verlegetechniken (Spül- / Bohrverfahren, Mini- und Microtrenching) mit einer niedrigen Verlegetiefe für die Stadt akzeptabel ist.

 

 Kooperationsszenarien für aktive Netzkomponenten und Dienste 

 

Schon zu einem frühen Zeitpunkt sollte mit der Erarbeitung und Prüfung von möglichen Kooperationsmodellen entlang der Wertschöpfungskette begonnen werden. Hierzu werden Sondierungs-Gespräche mit Netzbetreibern als möglichen Nutzern (Mieter) der NGA-Infrastruktur geführt. Das Geschäftsmodell soll ein tragfähiges und zukunftssicheres Konzept für den Aufbau einer eigenen Betreiber-Aktivität für die passive Infrastruktur liefern. Eine Strategie zur Vermarktung an Endverbraucher kann das Erreichen der Wirtschaftlichkeitsziele unterstützen. Dabei ist zu entscheiden, ob die (kommunale) Infrastrukturbetreiberinstitution zusätzlich eine eigene Vermarktung von Diensten an Verbraucher übernimmt, eine Vermarktung unter der eigenen Marke im Wettbewerb zu anderen Vermarktern erfolgen soll (abhängig vom ausgewählten Kooperationspartner).

 

Nach ersten Gesprächen erfolgt eine erste Bewertung und Priorisierung der potentiell geeigneten Partner für (dabei kommen sowohl überregional tätige wie die Deutsche Telekom und Unitymedia in Betracht, als auch mittelständische Anbieter wie inexio, NetCologne, Versatel oder teliko) mit Abschätzung der Auswirkungen auf das Geschäftsmodell und der Vor- und Nachteile für die spätere Umsetzung. Zur Vertiefung können mehrere Gesprächsrunden mit den priorisierten Betreibern in Form von Vor-Ort-Workshops erforderlich werden zur Konkretisierung des Geschäftsmodells, der Übergabepunkte für die Bandbreiten-Zuführung, der auszubauenden Trassen und der bevorzugten Technik (Leerrohre, Fasertypen, Schächte, Muffen) und der Kosten / Risiko Aufteilung für die Nutzung des Leerrohres sowie der organisatorischen Ausgestaltung einer Zusammenarbeit. Mit der Bewertung der Ergebnisse und einer Empfehlung zum weiteren Vorgehen kann die weitere Umsetzung in enger Kooperation zwischen Infrastruktur- und Netzbetreiber erfolgen.

 

Technische Netzplanung („Masterplan“) 

 

Bevor eine technische Netzplanung oder Trassenplanung für die Verlegung von Leerrohren erfolgt, sollte der Infrastrukturbetreiber gefunden sein. Da sehr unterschiedliche GIS-Systeme im Einsatz sind und oft unterschiedliche Backbonenetze im regionalen Umfeld anschließbar sind, kann die Erstellung eines Masterplans nur dann optimalen Nutzen erzeugen, wenn er auf die Belange und technische Ausstattung des Infrastrukturbetreibers Rücksicht nimmt. Die Netzplanung muss vorhandene Infrastrukturen des Infrastrukturbetreibers sowie Standorte für Glasfaser-Knoten berücksichtigen. Eine Planung auf der Basis von durchgehenden Microduct-Röhrchen vom Glasfaser-Knoten bis zum Hausanschluss beinhaltet die Linienführung, Angaben zur Konfektionierung der Leerrohrbündel, Standorte von Schächten und strategischen Muffen. Die Planung endet in der Straße an den Abzweigern zu den Hausanschlüssen. Die Anbindung an die Häuser wird in der Regel durch eine Schiess-Technik erfolgen. Typischerweise enthält der Masterplan noch keine Detailtiefe für eine Tiefbauausschreibung, da diese Leistung oft von dem Infrastrukturbetreiber erbracht werden kann.

 

Durch das zu beauftragende Ingenieurbüro sollte neben der eigentlichen Netzplanung auf der Basis der zu erarbeitenden Stücklisten indikative Preisangaben ermittelt werden bei potenzeillen Anbietern von benötigten Infrastrukturkomponenten wie z.B. Leerrohren, Microducts, Muffen, Schächten, Installationsmaterial etc. auf der Basis der in der technischen Netzplanung erstellten Angaben und Stücklisten. Anfragen bei Tiefbau- und Rohrverlegungs-Unternehmen sowie Dienstleistern für technische Feinplanung, Projektkoordination, Dokumentation und Abnahme auf der Basis der in der Netzplanung festgelegten Trassenverläufe und Verlege-Techniken. 

 
Aufstellung eines ersten Geschäftsplanes

 

Die Aufstellung eines Business Cases sollte entweder durch den ausgewählten Infrastrukturbetreiber erfolgen, um seine eigenen Regelen zu berücksichtigen, oder in enger Kooperation mit diesem. Um die gesamte Wertschöpfungskette abzubilden, sollte auch der potentielle Betreiber der aktiven Netzkomponenten und Dienste beteiligt werden. Gemeinsam mit den ausgewählten Netzbetreibern erfolgt eine erste Ermittlung von Preisansätzen für die Vermietung der passiven Anschlussnetze mit den Alternativen: gestaffelte Preise, Festpreise, umsatzabhängige Preise und Verprobung bei anderen Vorhaben; Abschätzung von zu erwartenden Nutzungspreisen auf der Basis der Workshops und ergänzender Recherchen.

 

Im Ergebnis des Arbeitsschrittes sollte eine Zusammenstellung der für eine wirtschaftliche Kalkulation für Aufbau und Betrieb einer passiven Infrastruktur erforderlichen Kennzahlen vorliegen, auf deren Grundlage eine Entscheidung zum Aufbau der Infrastruktur getroffen werden kann. Der Geschäftsplan kann mit dem Projektfortschritt weiter verfeinert und laufend fortgeschrieben werden. 

 

Markterkundung und Auswahlverfahren (je nach Geschäftsmodell)

 

Kommunen und kommunale Unternehmen müssen die Vorgaben aus dem EU-Wettbewerbsrecht einhalten. Als EU-seitig notifiziertes Verfahren bietet sich ein Vorgehen nach der angepassten Bundesrahmenregelung Leerrohre an, nach einer Notifizierung wäre die NGA-Rahmenregelung zugrunde zu legen. Sofern die Kommune allerdings nach Ausgestaltung des Geschäftsmodells nur eine Minderheitsbeteilung an einem noch zu identifizierenden Infrastrukturbetreiber für hält, entfallen die Beihilferegeln. Andernfalls sind aufgrund des Eingriffs in dem Markt mit öffentlichen Mitteln die festgelegten Abläufe mit Markterkundung und Auswahlverfahren einzuhalten oder im Rahmen eines Private-Investor-Tests nachzuweisen, dass sich der kommunale Betreiber als Investor genauso verhält wie ein privatwirtschaftlich agierender Anbieter.

 

Vor der Durchführung eines Auswahlverfahren ist eine Bedarfsermittlung bei Haushalten und Betrieben vorzunehmen und ein Markterkundungsverfahren durchzuführen, in dem das Interesse von Netzbetreibern abgefragt wird, innerhalb von 36 Monaten einen Ausbau mit mindestens 30 Mbit/s vorzunehmen. Die Vergabe der Nutzungsrechte („Vermietung“) für das zu errichtende Anschlussnetz erfolgt in Form einer öffentlichen und transparenten Ausschreibung, um späteren Anfechtungen und Problemen mit dem Beihilferecht zu entgehen. Hierfür ist ein Ausschreibungstext zu erstellen und Bewertungskriterien für die Auswahl unter den Angeboten aufzustellen. Nach dem Submissionstermin sind die eingehenden Angebote zu bewerten und eine Empfehlung für die Vergabe zu erarbeiten. 

Jürgen Kaack 27.11.2014, 22.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Entwicklungsland Deutschland

 

Im Hinblick auf die Verbindungsgeschwindigkeit liegt Deutschland auf Platz 28, im Vergleich zu Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ist Deutschland deutlich zurück. Nur 10% der Anschlüsse nutzen mehr als 10 Mbit/s. Weltweit steigt die Durchschnittgeschwindigkeit jährlich um 21%. 8,9 Mbit/s als Durchschnittsgeschwindigkeit in Deutschland im Vergleich zu 14,9 in der Schweiz kritisch. Auch bei der durchschnittlichen Spitzengeschwindigkeit liegt Deutschland mit 41,8 Mbit/s deutlich hinter der Schweiz mit 53,1!

Eine Studie von Akamai liefert Zahlen für den internationalen Vergleich.


Die Ergebnisse zeigen zum einen die teilweise unverständliche Zurückhaltung der Deutschen Angebote mit höherer Geschwindigkeit zu nutzen, immerhin könnten 70% der Haushalte heute schon mehr als 50 Mbit/s nutzen. Zum anderen verhindert die Konzentration auf Brückentechnologien wie Vectoring die schnelle Entwicklung eines unabhängigen Dienstemarktes wie z.B. in den Niederlanden. DSL-Netze wie auch Kabel-TV-Netze sind geschlossen und erschweren die Entwicklung eines breiteren Diensteangebotes.

Die Konzentration auf Brückentechnologien in Deutschland wird sich in einigen Jahren in Form von hohen staatlichen Investitionen rächen, da der doch über die Zeit steigende Bedarf an schnellen Anschlüssen und das steigende übertragene Datenvolumen letztlich den Umstieg auf Glasfaser-Anschlussnetze unvermeidlich machen.

Die Politik in Deutschland müsste endlich aufwachen und sich diesem Infrastrukturthema mit mehr widmen als leeren Zieldefinitionen und einigen Runden Tischen! Deutschland braucht endlich eine Breitbandstrategie mit Zielen, Meilensteinen, Verantwortlichkeiten und Ressourcen für die Umsetzung.

Jürgen Kaack 02.10.2014, 15.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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